2 CV-Reise
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Jambo - Tagebuch einer Autoreise zum Kilimandjaro!

Teil 1:  Schweiz, Italien, Griechenland, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien

Mittwoch, 27. Oktober 1971
Biel, 10 Uhr: Besammlung bei Beutler’s an der Gottstattstrasse 36 zum grossen Abschied. Beni ist derzeit noch in der RS und wird erst in Ankara (Türkei) zu uns stossen. Da Vater Kühne während der Schulpause unbedingt unsere Abreise filmen will, wir aber längst noch nicht startklar sind, improvisieren wir diese und drehen eine Runde um den Häuserblock. Bevor wir uns auf die Fahrt machen können, benötigen wir unbedingt noch das Carnet de Passage, das Zolldokument, für Beppu’s Wagen. Ohne dieses wichtige Dokument werden wir nämlich nicht sehr weit kommen. Beppu muss daher unbedingt nochmals beim TCS vorbei. Wir vereinbaren den 2. Startversuch um 11 Uhr beim Feldschlössli an der Salzhauskreuzung. Das Dokument ist leider noch immer nicht eingetroffen! Müssen wir nun deswegen sogar die Abreise verschieben? Da wir das Papier vorläufig nicht brauchen, kann es ja Beni mit nach Ankara bringen. Also, dann los! Wir biegen rechts nach Nidau, Richtung Indien ab! Es ist ein herrlicher Herbsttag. Ohne Zwischenfall erreichen wir das Hospiz des Col du Super St-Bernard. Die italienischen Zöllner haben den Plausch an unseren Autos. Sie schnüffeln mit Wonne in unserem Gepäck herum und geben sich mit ein paar „Bundesziegeln“ als Geschenk zufrieden. Etwas schneller geht es nun auf den italienischen Autostrassen vorwärts. Bei der Ausfahrt Dolmine richten wir unser erstes Nachtlager ein. Trotz empfindlicher Kälte, schlafen Alois und Fritz im Schlafsack unter freiem Himmel.


28. Oktober 1971: Start zum grossen Abenteuer - Bis zum Super St. Bernard haben wir's schon geschafft...

Donnerstag, 28. Oktober
Bevor die Fahrt weitergehen kann, müssen wir in Bergamo noch schnell etwas Geld wechseln. Schnell! Über eine Stunde warten wir bis die Bank endlich öffnet. An der jugoslawischen Grenze klappt alles wie am Schnürchen. Wolfi schlägt vor in Postoja zu übernachten. Dort soll sich die grösste Tropfsteinhöhle Europas befinden. Während des 2. Weltkrieges diente sie den Deutschen als Benzinlager, ehe die Partisanen das Lager in Brand setzten. Die schwarzen Wände am Eingang der Höhle zeugen noch davon.

Freitag, 29. Oktober
Mensch, war das eine kalte Nacht! Man muss schon ein wenig spinnen bei dieser Jahreszeit draussen zu campieren! Nach Zagreb schneit es leicht. Schon früh nachtet es ein. Kaum zu glauben, um 16.00 Uhr müssen wir schon mit Licht fahren. Es herrscht reger Verkehr auf der Strecke nach Belgrad. Die unzähligen Lastwagen verhindern ein zügiges Fahren. Bei einem der zahlreichen Motels stoppt unser Konvoi zur Übernachtung. Das Motel ist recht teuer. Wir gönnen uns wieder einmal ein gutes, warmes Nachtessen, campieren dafür auf dem Parkplatz.

Samstag, 30. Oktober
Minus 3º Celcius zeigt das Thermometer an! Schon frühmorgens sind wir zur Abfahrt bereit. Bekanntschaft mit dem „2 CV Fenster-System“ macht ein Perser. Während er mit Fritz diskutiert, fällt ihm das Klapp-Fenster auf den Kopf! Er hat grosse Freude an unseren Autos und lädt uns, sobald wir in Teheran sind, zu einem Besuch ein. Mittags erreichen wir Belgrad. Fritz profitiert von diesem Zwischenhalt um die vergessene Zahnbürste einzukaufen. Vor Nys müssen wir uns entscheiden, entweder den kürzeren Weg über Bulgarien oder denjenigen über Griechenland der Küste entlang zu nehmen. Da Fritz überzeugt ist in Thessaloniki baden zu können, sind wir alle mit dem Umweg einverstanden. Es ist schon dunkel als wir in Skopje einfahren. Wir geraten in eine riesige Menschenmenge. Ist da soeben ein Fussballmatch zu Ende gegangen? Nein, die Leute spazieren und diskutieren in Gruppen einfach so auf der Strasse.

Sonntag, 31.10.
- 5º Celcius war es die vergangene Nacht! Auch für Beppu scheint es diesmal zu kalt gewesen zu sein. Statt im Zelt zu schlafen, verbringen wir gemeinsam die Nacht in einer Kegelbahn! In Griechenland wird es ein wenig wärmer, es weht jedoch ein starker kühler Wind. Abends erreichen wir Thessaloniki. Auf der Fahrt zum Campingplatz gibt’s die erste Panne. Wir müssen Fahrzeug Nr. 2, mit Wolfi und mir, abschleppen.

Montag, 1.11.
Es kann nur die Kupplungsscheibe sein, denn schon in der Schweiz hatten wir deswegen mit diesem Auto Probleme. Die Reparatur ist für Alois kein grosses Problem. Währenddem Alois und Fritz am Wagen herumbasteln, kaufe ich mit Wolfi in der Stadt Proviant ein. Auch Ersatz-Kupplungsscheiben treiben wir in einer Garage auf, man kann ja nie wissen… Sicherheitshalber geben wir Beni den Auftrag noch einige Scheiben mit nach Ankara zu nehmen. Der Campingplatz ist geschlossen, dennoch hat es zahlreiche Leute, vor allem Engländer, Kanadier und Holländer. Auch ein Camion mit der Aufschrift „Asthma Expedition“ ist im Camp. Wir treffen Franzosen die mit einem Velosolex nach Istanbul unterwegs sind! Richtig amüsant geht es abends im Landhaus zu. Die einen wollen Fernsehen schauen, die anderen Musik hören. Abwechslungsweise wir das Programm und die Musik leiser eingestellt. Die Cis-Kebab waren zwar etwas zäh, dafür schmeckte der süssliche Wein umso besser.

Dienstag, 2.11.

Gegen Mittag sind wir Kevala. Wir müssen hier unbedingt Brot einkaufen und Geld wechseln. Doch alles ist geschlossen. Das Menü unserer Küchenequipe fällt mager aus: „Ribelisuppe“ und „Frankfurterli“. Abends erreichen wir noch eine grössere Ortschaft, Xanthi. Mit dem allerletzten Drachmen kaufen wir Brot für das Frühstück ein. Etwas ausserhalb der Ortschaft richten wir uns zum Übernachten ein. Vermutlich ist die Polizei durch unser kompliziertes Parkiermanöver auf uns aufmerksam geworden. Es kommt ein Streifenwagen vorbei und schaut sich an was hier vorgeht.

Mittwoch, 3.11.
Alois ist schon lange wach und kann es nicht lassen die anderen zu wecken! Einige Kilometer vor Alexandroupoulis erreicht die Strasse die Küste. Das Meer leuchtet so schön blau, eigentlich sollten wir hier anhalten. Wir haben angehalten, nicht für eine Stunde oder zwei, nein für den ganzen Tag! Als Wolfi und ich die schöne Aussicht sehen, schauen wir während der Fahrt kurz auf die Landkarte. Im gleichen Moment bremsen die vor uns fahrenden Beppu und Fritz ab. Durch eine blitzschnelle Reaktion kann Wolfi den Wagen noch nach links reissen, nicht genug um die Kollision zu vermeiden! Mit dem vorderen rechten Kotflügel touchieren wir das Heck des vorderen Fahrzeuges. Das Auto mit Beppu und Fritz wird durch den Aufprall eine kleine Böschung hinunter gestossen. Es sieht schlimm aus! Wir stehen da wir paralysiert! Alois, der das Ganze von hinten mitbekommen hat schüttelt nur den Kopf und wiederholt immer wieder, dass er auf keinen Fall zurückkehre und die Reise, wenn nötig per Autostop fortsetze! Zum Glück ist niemanden verletzt. Einzig Wolfi hat einen kleinen Kratzer an der Nase abbekommen. Unsere zwei Autos hat es schwer erwischt. Die vordere rechte Aufhängung unseres Autos sowie die linke hintere von Beppu’s Wagen sind komplett verbogen, die Bremsleitungen gerissen. Auch die Chassis haben ziemlich was abgekriegt. Inzwischen ist auch die Polizei eingetroffen. Francesco, der Dorfgaragist, ist auch gleich mitgekommen und meint lachend zu Alois: „Du nicht weinen, Auto kaputt, Du nicht kaputt!“ Da es sich um einen Selbstunfall handelt gibt es mit der Polizei keine Schwierigkeiten, dennoch verfassen sie einen Rapport. Auf Ersatzteile zu warten würde zu lange dauern und mit nur zwei Autos weiterzufahren wäre auch nicht ideal. Nach einiger Bedenkzeit entschliesst sich Alois die Autos selber zu reparieren. Zuvorkommenderweise stellt ihm Francesco die Werkstatt zur Verfügung. Fritz hilft tatkräftig mit. Die Autos müssen komplett ausgeräumt werden. Wir stellen die beiden grossen Zelte auf. In der Zwischenzeit hat sich die Sonne verzogen und es beginnt zu regnen. Wir müssen wiederum etwas einkaufen. Nach einer Stunde herumfragen kann ich in der Stadt endlich ein englisches Pfund wechseln um wenigstens Brot für das Abendessen einzukaufen. Auch hier ist es abends ziemlich kühl. Mit grosser Mühe suchen wir dürres Olivenholz für das Lagerfeuer zusammen, gebrannt hat aber anfänglich nur das Benzin…

Donnerstag, 4.11.
Die Sonne scheint wieder. Alois und Fritz sind wieder in der Garage, schon kommen sie mit dem restlichen gerade gebogenen „Gestänge“ zurück. Unser „neuer Kotflügel“ hat eine wunderschöne hellblaue Farbe bekommen. Ein richtiger Farbtupfer unserer sonst schon so bunten Autos! Auch die Polizei kommt nochmals vorbei. Sie hat gestern vergessen nach dem Namen von Woflis Mutter zu fragen! Mit der Polizei besucht uns auch Francesco. Dieser staunt nur über die Fortschritte der Reparatur. „Wenn Wagen gut, Du kommen bei mir vorbei zeigen“ meint er zu Alois. Für uns gilt es geduldig zu warten. Nach dem Morgenessen passiert Beppu ein ärgerliches Missgeschick: beim Abwaschen entwischt ihm ein Teller zu weit ins Meer hinaus und kann es nicht mehr zurückholen! Von nun an fehlt uns immer ein Teller, so was blödes! Beinahe hätte es zum Mittagessen Tintenfisch gegeben! Leider sind wir mit dem Fang dieser Tiere mit Eispickeln noch etwas unerfahren und alle entkommen. Was wir vorfinden sind schäbige schwarze Muscheln. Doch Fritz schmeckt es, auch wenn er dazu ziemlich viel Aromat braucht.
Die Testfahrten am Nachmittag verlaufen erfolgreich, einzig die Räder laufen nun nicht mehr ganz parallel, womit sich die Reifen einseitig abfahren werden.


Die ersten Pannen lassen nicht lange auf sich warten...

Freitag, 5.11.
Alles ist wieder eingepackt. Kurz vor unserer Weiterfahrt halten zwei Neuenburger mit einem 2 CV an. Sie kommen aus dem Iran und warnen uns dort die Finger von Rauschgift zu lassen. Endlich können wir die Fahrt fortsetzen. Ich habe ein komisches Gefühl auf meiner Seite, ob das Rad wohl hält? Francesco ist von unserer Einfahrt begeistert. Nach dem Erinnerungsfoto nimmt unser Tagesablauf wieder den normalen Gang. An der griechisch-türkischen Grenze scheint es uns, als ob die Formalitäten diesmal etwas länger dauern könnten. Alle Reisecars und PW’s aus der Türkei kommend werden durchsucht. Die Reisenden müssen ihre Koffer öffnen. In Richtung Türkei geht es überraschend schnell. Vom griechischen zum türkischen Grenzposten geht es über eine vom Militär schwer bewachte Brücke. Die Grenze verläuft in der Mitte. Die mit ihren grossen Schnäuzen streng aussehenden türkischen Zöllner flössen mir anfänglich Furcht ein. Je nachdem wie man sich mit ihnen unterhält sind es aber ganz freundliche und lustige Typen. Etwa 12 Km vor Istanbul, in der Nähe des Flugplatzes Yesilköy halten wir beim Camping-Kervansaray zum übernachten an. Es sind viele Touristen anwesend. Auch die Asthma-Expedition die wir auf dem Campingplatz von Thessaloniki getroffen hatten, ist hier. Aksaray! Aksaray! Den Nachmittag verbringen wir in der Stadt. Reiseführer wollte er spielen, der Beppu. Mit seinem „Yes, yes“ und „Atatürk“ landen wir abends bei der Rückkehr mit dem Taxi prompt auf einem anderen Campingplatz…

Samstag, 6.11.
Schade, dass wir morgen bereits weiterfahren müssen. Aber Beni kommt am 8. in Ankara an und wir können ihn ja nicht bei der Ankunft warten lassen. Die Bosphorusfahrt ist auf jeden Fall lohnend, obwohl sie etwas lange gedauert hat. Wolfi meinte zwar schon nach ¾ Stunden, dass das Boot in der nächsten Bucht wenden werde, schussendlich sind wir erst nach drei Stunden wieder in Istanbul zurück! Sehr beeindruckend sind auch die zahlreichen Moscheen. Man kann diese ohne weiteres besuchen, darf aber nicht vergessen vorher die Schuhe auszuziehen und zu bezahlen. Bezahlen um die Schuhe zu deponieren, bezahlen für den Eintritt, bezahlen für das Fotografieren… Ein Besuch des Bazars durfte natürlich auch nicht fehlen. Welch ein Gewimmel von Leuten, wie in einem Ameisenhaufen! Als Tourist wird man ständig von allen Seiten angequatscht. All diese „Gschäftlimacher“ mit ihrem „Hey friend, good price“, die Geldwechsler und die „Haschischbrüder“ fallen einem mit der Zeit schon auf den „Wecker“. Am meisten gefallen haben mir die Schuhputzer, welche unsere Adidassportschuhe immer mit schwarzer Wichse sauber machen wollten…

Sonntag, 7.11.
Unter der Reklame „Yapi ve kredi bankasi“ steht am Ausgang des Campingplatzes in grossen Buchstaben „Güle, Güle“. Dies soll „Auf Wiedersehen“ heissen. Istanbul hat mir, obwohl wir nur kurz hier waren, sehr gut gefallen. Die Atmosphäre, halb europäisch, halb asiatisch, hat einen unbeschreiblichen Reiz. Die Rekognoszierung des Weges zur Fähre am Vortag hat sich gelohnt. Ohne uns in diesem Verkehrschaos zu verlieren, erreichen wir die Galata Brücke. Bis zur Fähre benötigen wir allerdings verschiedene Varianten. Nach kurzer Überfahrt erreichen wir asiatischen Boden! Gewiss, kein so grosses Ereignis wie damals als Armstrong auf dem Mond landete, doch immerhin, erstmals in meinem Leben bin ich in Asien! Der erste Teil der Fahrt nach Ankara ist landschaftlich wunderschön, besonders dem Meer entlang. Im Verlaufe der Fahrt komme ich das Gefühl nicht los, mein Toilettentäschli mitsamt Traveller-Checks irgendwo vergessen zu haben! Auf dem Campingplatz, dreissig Kilometer vor Ankara, bestätigt sich meine Vermutung. Ich muss es im Campingplatz bei der Morgentoilette liegen gelassen haben! 2'300 Schweizer Franken verloren! Meine Güte! So etwas kann auch nur mir passieren! Damit weiss ich auf alle Fälle schon was ich morgen in der Stadt zu tun haben werde. Da es sich um Traveller Checks handelt ist es nur halb so schlimm. Ich bin gespannt, ob die Checks einem wirklich so schnell ersetzt werden, wie sie es in der Reklame versprechen. Solche Sachen sind aber immer mit einem immensen Zeitverlust verbunden. Hoffentlich kommt das nur gut!
Der Campingplatz ist sehr schlicht eingerichtet. In der Küche kann man allerdings mit Gas kochen. Ein Luxus! Pech hat Alois! Ausgerechnet er „erwischt“ die beiden ältesten Eier die ich in Alexandroupoulis eingekauft habe! Mit Aromat schmeckt es ihm besser. Es sind einige Leute hier. Engländer, ein Schweizer mit einem Migros-Wagen sowie eine ältere Französin mit einem 2 CV. Es ist wieder merklich kälter geworden. Da wir ja nicht bereits um 18.00 Uhr schlafen gehen können, spielen wir bis spät in den Abend „Guggithaler“.


Reisen gibt Hunger...

Montag, 8. November
Heute muss Beni mit der Reserve-Kupplungsscheibe und dem Wichtigsten, dem Carnet de Passage für Beppu’s Wagen ankommen. Ohne dieses Papier können wir dieses Auto nicht Zollfrei nach Iran und weiter nach Indien einführen. In Ankara begebe ich mich als erstes sofort auf die Vertretung der American Express um den Verlust der Traveller Checks zu melden. Leichter gesagt als gemacht. Nachdem man mich stundenlang von einer Bank zur anderen weist, lande ich bei der Turkish Express Bank. Wie sich bei der Rückkehr zu unseren Autos später herausstellte, befindet sich die Bank nur etwa 300 Meter von unserem Parkplatz entfernt! Welch ein Papierkrieg! Wann, wie, wo? Man stellt mir den Ersatz der Checks in ein paar Tagen in Aussicht, da wir aber schon morgen weiterfahren wollen, vereinbaren wir, dass ich die Checks in Teheran abholen werde. Als ich zum Parkplatz zurück bin, ist nur noch Fritz da, die anderen sind bereits weg. Treffpunkt: Flughafen. Dieser liegt ziemlich weit ausserhalb von Ankara und hat einen so scheusslichen Namen, dass man ihn kaum aussprechen kann. Fragt man die Leute nach dem Weg, zucken diese nur die Achseln. Wir sind als Erste am Flughafen. Es ist überhaupt nichts los. Auch dem Postbeamten scheint es langweilig zu sein und er zeigt uns im Postbüro seine Briefmarken. Wolfi, Beppu und Alois sind nun auch angekommen und gemeinsam warten wir auf die Ankunft des Fluges 101 Zürich – Istanbul – Ankara. Ich bin ziemlich aufgeregt. Da sind wir nun schon beinahe zwei Wochen unterwegs und in wenigen Augenblicken soll der Beni hier ankommen! Das Flugzeug ist gelandet und die Leute beginnen über die Treppe auszusteigen. Kaum übersehbar, Mister Kühne from Switzerland ist auch dabei. Wie ihm wohl zumute ist? Es dauert noch eine Weile bis alle Formalitäten erledigt sind und dann endlich erscheint er, strahlend und gewiss auch erleichtert, dass wir da sind.

Dienstag, 9.11.
Wann wird es endlich wärmer Herrgott noch mal? Die vergangene Nacht habe ich im Waschsaal des Campingplatzes verbracht. Beppu und neuerdings auch Alois, haben sich meiner Idee angeschlossen. Einfach wahnsinnig diese Kälte! Wenn ich daran denke, dass es im Gebiet von Erzurum noch kälter werden soll… Beni der soeben aus der Hochgebirgs-RS kommt hat gut bluffen nur im Pyjama herumzustehen. In Sungurlu, einem kleinen Dorf abseits der Strasse, halten wir an um Brot einzukaufen. Kaum steht unser Konvoi still, werden wir von Schulkindern fast erdrückt. „English? English? How are you?“. Ab und zu verjagt der Lehrer die Kinderschar, doch ohne Erfolg. Nur mit viel Mühe gelingt es uns die Fahrt fortzusetzen. Die Landschaft ist furchtbar kahl. Ab und zu begegnen wir Hirten mit riesigen Schafherden. Interessiert schauen uns einige Hirtenbuben beim Mittagsstopp zu wie wir „tschutten“. Ja, bei jeder Gelegenheit die sich ergibt sind wir am „tschutten“. Sogar Alois spielt nun mit, er der sonst immer bei jedem Halt die Kerzen und den Ölstand kontrollierte! Aber wir müssen unbedingt etwas Bewegung haben, wir können nicht den ganzen Tag in unseren „Kisten“ sitzen. Fussballspielen gehört zu unserem täglichen Programm. Einige Fahrminuten nach Merzifon halten wir bei einem Landhaus zum Übernachten an. Der Wirt spricht nur türkisch! Ausser „Cis-Kebab“ verstehen wir auf der Speisekarte nichts. Dies ist nicht weiter tragisch, wir gehen einfach in die Küche und schauen in den Pfannen nach was es zu essen hat. Wie üblich spielen wir nach dem Essen „Guggithaler“. Der Wirt schaut unserem Spiel aufmerksam zu, bis er selbst die Karten von Alois übernimmt und mitspielt! Wie hat er das nur so schnell kapiert? Oder ist der Guggithaler eventuell sogar ein türkisches Volksspiel?

Mittwoch, 10.11.
Die Nacht war wiederum bitter kalt. Gemäss dem Polyglott Reiseführer soll es an der Küste des Schwarzen Meeres nun endlich wärmer werden. Die Temperatur ist effektiv wesentlich angenehmer als wir mittags in Samsun ankommen. Der Campingplatz ist verwaist. Wir sind die einzigen. Heute ist Badetag! Dies wollten wir ja schon in Thessaloniki tun. Das Wasser ist aber auch hier nicht wesentlich wärmer. Trotzdem baden alle, ausser Fritz dem es zu kalt ist. Um 17.00 Uhr wird es bereits dunkel. Mit diesem frühen Einnachten haben wir nicht gerechnet und damit auch das Beleuchtungsproblem bei der Planung der Reise ausser Acht gelassen. Als Folge müssen wir nun bei Kerzenlicht abkochen. Da man ohne Licht nicht viel unternehmen kann, nicht einmal „Guggithalern“, sind wir bereits früh in den Zelten.

Donnerstag, 11.11.

Endlich haben wir einmal nicht gefroren! Das Wetter ist schön. Die Sicht entlang der Küste ist herrlich. Wir fahren höchstens drei Stunden.

Freitag, 12.11.
Beni und ich werden erstmals als Piloten eingesetzt. Das Ausweichen der vielen Schlaglöcher macht mir etliche Mühe. Wolfi hat jedes Mal Angst, das Auto kippe um! Vor Persembe bricht an unserem Wagen erneut die Kupplungsscheibe. Alois beginnt sofort mit der Reparatur. Wir haben nur noch eine Scheibe als Reserve, denn diejenigen die uns Beni nach Ankara mitgebracht hat, erweisen sich als die falschen. Einige Schulkinder haben sich um unsere Autos versammelt. Beni malt ihnen 2 CV’s in die Schulhefte. Schweizer mit einem VW-Bus halten an. Sie kommen via Indien von Süd-Afrika. Indien hat ihnen gar nicht gefallen, besonders der Frau. Das Land sei furchtbar dreckig und sie raten uns so schnell wie möglich durch Indien zu reisen. Die Reparatur ist inzwischen beendet. In Trabzon verpasse ich die Abzweigung nach Erzurum. Beim zweiten Versuch klappt es. Die Strasse führt nun von der Küste weg ins innere des Landes.

Samstag, 13.11.
Wir stehen früh auf. Wir haben den ersten „Platten“. Die Strasse führt über zahlreiche Pässe. Die Strasse ist noch Schneefrei, links und rechts sind die Felder jedoch weiss. Ich bin von dieser Bergwelt hier überrascht. Auf einem der Pässe halten wir an und besteigen einen schneebedeckten Hügel. Gegen Abend erreichen wir Erzurum (2000 m ü.M.). Es ist wieder verdammt kalt. Um besser einzuschlafen bereitet uns die Küchenmannschaft einen Tee-Punsch zu.


Der erste Schnee ist gefallen...

Sonntag, 14.11.
Wir starten um 07.00 Uhr. Vorher fangen wir noch eine Maus die sich in unserer Proviantkiste versteckt und unsere Biskuit angeknabbert hat. Auf der Fahrt Richtung iranische Grenze fallen uns die vielen Militärlager auf. Einige Kilometer vor der Grenze sehen wir den Mt. Ararat, mit seinen 5200 m der höchste Berg der Türkei. Die Formalitäten beim türkischen Zoll sind schnell erledigt. Der iranische Posten ist gleich nebenan, für eine Weiterfahrt wird wohl die Zeit heute nicht mehr reichen. Entry card, Immigration, Customs, change money und schon ist es draussen dunkel. Es herrscht ein reger Betrieb. Die Zöllner durchsuchen sämtliche Waren der Händler und behalten, scheinbar als Zollgebühr, gleich einen Teil davon für sich. Touristen die sich vermutlich nicht richtig über die Einreiseformalitäten nach Iran erkundigt hatten, werden wegen fehlendem Visa nach Erzurum zurückgeschickt. Der Handel mit Rauschgift wird im Iran mit der Todesstrafe gebüsst. Auf zahlreichen Plakaten wird davor gewarnt. Gleich neben dem Zollgebäude steht ein Rasthaus. Für einmal müssen wir die Autos aus den Augen lassen, man versichert uns aber, dass sich hier so viele Polizisten befinden, dass wir daher keine Angst zu brauchen haben. Vom Speisesaal aus beobachte ich plötzlich, dass in unserem Zimmer das Licht brennt und wie sich zwei Männer an der Deckenlampe zu schaffen machen! Diebe? Mit einem Spurt bin ich bei unserer Zimmertür, halte die Türfalle fest zu bis mir Fritz zu Hilfe kommt. Es sind keine Räuber. Wir haben über diesen Zwischenfall herzlich gelacht. Die beiden wohnten im benachbarten Zimmer und wollten lediglich die Birne bei uns herausnehmen. Grund: wenn sie das Licht in ihrem Zimmer ausschalteten, brannte es bei uns…


Mount Ararat an der Grenze zum Iran

Montag, 15.11.
Die Autos sind mitsamt Inhalt noch da! Wir starten zu unserer Etappe im Iran. Die Strasse ist überraschend gut, scheint sogar ziemlich neu. Beni und ich sind wieder im Einsatz. In Marand gibt es auf der ersten Kreuzung etwas Verwirrung, doch bald findet sich unser Konvoi wieder zusammen. Laut Polyglott Reiseführer gibt es nach Täbris, in Shah Gouli, einen schön gelegenen See mit einem Teehaus und Aussichtsterrasse. Ein idealer Platz um einen Halt einzuschalten. Wir finden keinen See vor und das Teehaus wird gerade umgebaut. Beim Abendessen lernen wir das iranische Nationalgericht kennen: Tschelo Kebab. Es besteht aus Hammelfleisch, Reis, darüber Joghurt, Eigelb, Butter und Tomaten. Als wir nach dem Nachtessen im Lokal wie üblich noch eine Partie „Guggithaler“ spielen, fällt uns die allgemeine Erregung der Leute nicht auf. Es dauert nicht lange bis ein Polizist erscheint und uns die Karten wegnehmen will! Er gibt uns mit Handzeichen zu verstehen, dass wir nicht mehr weiter spielen dürfen. Eine mysteriöse Sache…

Dienstag, 16.11
Vor Takestan bricht erneut die Kupplungsscheibe an unserem Fahrzeug. Wir haben jetzt nur noch eine geschweisste Scheibe als Reserve. Wieder einmal sind Fritz und Beppu so weit vorausgefahren, dass diese unsere Panne gar nicht bemerken.

Mittwoch, 17.11.
Bevor wir in Teheran einfahren, gehen wir bei den Citroen-Werken vorbei. Es muss mit dieser Kupplungsscheibe nun unbedingt etwas geschehen, ansonsten werden wir nie nach Indien kommen. Man kann uns nicht helfen, gibt uns jedoch die Adresse der Vertretung in Teheran. Wir dürfen keine Zeit verlieren, denn übermorgen ist Freitag, islamischer Sonntag. Der Campingplatz Gol-e-Sahra ist gut. Die Französin mit dem 2 CV und die Asthma-Expedition sind auch hier. Wir rufen Herrn Petrossian an, der uns sogleich abholt. Er wohnt im nördlichen, besseren Stadtteil. Das Haus ist nett eingerichtet. Er uns seine Frau sprechen französisch, dies erleichtert uns die Konversation. Spät abends bringt er uns in seinem kleinen Wagen zu Acht und dem Hund wieder auf den Campingplatz zurück.

Donnerstag, 18.11.
Ausser Alois der wegen dem Lärm eines vorbeifahrenden Güterzuges ein böses Erwachen hat, sind alle gut gelaunt und wohlauf. Heute müssen wir die Arbeit aufteilen. Beppu, als Feinmechaniker von Beruf, gesellt sich zu Alois und Fritz welche die Aufgabe haben die Ursache unserer Pannen ausfindig zu machen und wenn möglich zu beheben. Wolfi und Beni haben den Auftrag einzukaufen und ich muss mich um den Ersatz meiner Traveller Checks bemühen. Leider klappt es mit den Checks nicht. Ich soll in zwei Tage nochmals vorbeikommen. Zurück auf dem Campingplatz meldet das Reparaturteam, dass sie die Ursache beheben konnten. Grund: Motor und Getriebe waren um 0,4 mm nicht parallel zueinander.


Unterwegs im Iran

Freitag, 19.11.
Heute ist also Sonntag. Da wir wegen den Checks sowieso auch den morgigen Tag noch in Teheran verbringen müssen, beschliessen wir mit dem Bus einen Ausflug nach Esfahan zu unternehmen. Bis zur Abfahrt des Busses um 18.00 Uhr, besichtigen wir die Innenstadt. Das Zentrum gleicht mit seinen breiten Boulevards einer modernen Stadt. Der Verkehr ist aber ungeheuer, noch schlimmer als in Istanbul. Beppu und ich besuchen in der Bank Melli den Kronenschatz. Unter anderem ist dort der grösste ungeschliffene Diamant, der „Darja-e-Nur“ sowie der Juwelenglobus mit 51'366 Edelsteinen und 34 Kg Gold zu sehen. Ein junger Perser schliesst sich uns an. Er mache dies jeden Freitag um im Gespräch mit Touristen sein Englisch zu verbessern. Nun, mit Beni hat er sich vermutlich nicht viel verbessert! Als er ihn fragte: „Whats the currency of your country?“ versteht Beni “carrosserie” und antwortet “Oh! We have Citroen, Volvo, Opel…”. An diesem Nachmittag kriegen wir auch heraus, weshalb man uns vor wenigen Tagen die Jasskarten wegnehmen wollte: die islamische Religion verbietet das Kartenspielen!
Im Busbahnhof nach Esfahan finden wir das bisher dreckigste WC vor. Man steht regelrichtig in der „Scheisse“! Überhaupt ist es mit den WC’s ein grosses Problem. Solange wir auf dem Lande unterwegs sind ist es einfacher, aber in Städten… In dieser Hinsicht darf man wirklich nicht heikel sein. Bis das letzte Schaf im Kofferraum des Busses verstaut ist dauert es noch eine Weile, doch dann geht’s los.

Samstag, 20.11.

Um 02.00 Uhr morgens treffen wir in Esfahan ein. Etwas zu früh um Besichtigungen durchzuführen! Es bleibt uns nicht anderes übrig als abzuwarten bis es hell wird und schlürfen bis dahin Tee in einem Teehaus. Die Moscheen bilden in der aufgehenden Sonne prachtvolle Motive. Die Shah-Moschee mit ihren beiden 28 Meter hohen Minaretten aus bunt glasierten Mosaiksteinen ist die berühmteste. Am frühen Nachmittag fahren wir wieder nach Teheran zurück.

Sonntag, 21.11.

Der Wettervorhersage zu entnehmen soll es demnächst im Elburus-Gebirge schneien. Die Überquerung dieses Passes ist das letzte Hindernis, dass wir unbedingt „schaffen“ müssen um nach Indien zu gelangen. Fritz ist plötzlich unheimlich pressiert und will unbedingt heute weiterfahren. Ich weiss nicht was ihn dazu treibt. Vor der Abfahrt will er aber noch schnell auf den Flughafen und ich muss ja auf die Bank. Um nicht wieder durch die „halbe“ Stadt zum Campingplatz zurückfahren zu müssen, beschliessen wir 50 Kilometer ausserhalb von Teheran, in einem Dorf dessen Namen ich vergessen habe, bei der 1. Tankstelle auf der rechten Strassenseite, aufeinander zu warten!
Die Traveller Checks sind noch immer nicht bereit! Ich soll am späteren Nachmittag nochmals vorbeikommen! Was machen wir nun mit unserem Rendez-vous bei der Tankstelle? Wir müssen doch gleichwohl hin, ansonsten sich unsere Kollegen Sorgen machen wenn wir nicht erscheinen! Ein 2 CV an einem Strassenrand in einem kleinen Kaff in Iran, so was kann man nur schwer verpassen! Alois und Beni sind schon da. Wir erzählen von unserer Situation und fahren gleich wieder Richtung Teheran zurück. Unterwegs begegnen wir Fritz und Beppu. Fritz will angesichts des schlechten Wetters nicht bei der Tankstelle auf unsere Rückkehr warten, sondern will unbedingt noch heute über den Pass. Wir machen deshalb einen weiteren Treffpunkt ab: am kaspischen Meer, bei der ersten Strasse die westlich von Babolsar ans Meer führt! Wenn das nur gut geht?
Wir sind zurück in Teheran. Auf der Bank klappt es diesmal und ich erhalte meine Ersatz Checks. In der Zwischenzeit hat es zu regnen begonnen. Bei Aufstieg des Passes macht uns der dichte Nebel auf der schmalen, kurvenreichen Strasse viel Mühe. Ekelhaft sind die entgegenkommenden Lastwagen die mit vollem Scheinwerferlicht auf uns zufahren, zwanzig Meter vor dem kreuzen das Licht ausmachen! Kurz vor der Passhöhe schneit es. Nach Mitternacht sind wir in Babolsar und übernachten ausserhalb des Dorfes im Auto.

Montag, 22.11.
Es herrscht wunderbares Wetter. Hinter uns, das schneeweisse Elburusgebirge mit dem majestätischen Davamand (5670 m ü.M.). Hat Fritz mit seiner Hetzerei doch noch recht gehabt? Jetzt müssen wir nur noch die Kollegen finden. Wir brauchen nicht lange zu suchen! Schon von weitem erkennen wir Beni der in seinem hellblauen Pyjama herumspaziert. Welch ein Zufall! Wir hatten nur wenige hundert Meter voneinander die Nacht verbracht. Nachdem das kalte Wasser ein weiteres Mal das Baden verunmöglicht, setzten wir die Fahrt 10 Uhr morgens gemeinsam fort.


Am Kaspischen Meer

Dienstag, 23.11.
Gegen Abend erreichen wir Mesched. Der Campingplatz ist gut. Wir lernen einen Norweger kennen, der mit seiner japanischen Frau nach Sapporo, an die Olympischen Spiele will.

Mittwoch, 24.11.
Der iranische Grenzposten ist vom afghanischen durch einige Kilometer Wüste getrennt. Hier wäre ein idealer Platz um ein defektes Auto, nachdem der Ausreisestempel des iranischen Zolles im Carnet de Passage eingetragen ist, stehen zu lassen. Ohne den Ausreisestempel ginge nämlich die TCS Kaution von 1'500.- pro CV verloren. Beim afghanischen Grenzposten stürmen sich die Kinder auf unser Auto. Durch die Scheibe haben sie Resten eines dürren Fladenbrotes entdeckt. Im Sanitätsbüro will gerade ein Beamter einem lautstark protestierenden Pakistani mit englischem Pass eine Impfung verabreichen. Der Anblick der Utensilien ist erschreckend. Ob die von Desinfizieren wohl schon was gehört haben? Bei der Immigration scheint das „Schwarzwechseln“ fast wichtiger als der Einreisestempel im Pass zu sein. Heute sind es genau vier Wochen, dass wir unterwegs sind. Wir feiern diesen Anlass bei einem kleinen Sandsturm mit einer Vanille Creme.

Donnerstag, 25.11.
Die Strasse ist ausserordentlich gut. Sie wurde von den Russen gebaut. Wir kommen rasch vorwärts. Unterwegs begegnen wir einer riesigen Karavane von mindestens hundert Kamelen. Nachmittags halten wir bei Strassenarbeitern an. Sie sind glücklich mit uns „tschutten“ zu dürfen. Nach dem Gebet sind wir eingeladen den Abend bei ihnen zu verbringen. Bis spät in die Nacht singen und musizieren sie. Auch wir müssen ein „Ständchen“ bringen und singen „vo Luzern gäge Weggis zue“.

Freitag, 26.11.
Im Auftrag des Teams soll ich den Leuten als Dank für die Übernachtung 200 Afghani geben. Ich habe kein Kleingeld, frage deshalb denjenigen der am besten Englisch spricht, ob er mir eine 500er Note wechseln kann. Der Mann lächelt und bedankt sich tausendmal! Misstrauisch ist Alois bei einer Tankstelle. Er glaubt dem Jungen nicht, dass er uns Benzin einfüllt. Da dieser immer etwas von „Petrol“ schwätzt, ist Alois ganz aufgeregt. Um die Mittagszeit erreichen wir Kandahar. Wir schlagen unsere Zelte hinter dem Hotel Kandahar auf. Russischer Zucker, schwedisches Toilettenpapier und pakistanische Konserven, das ist das einzige was wir hier einkaufen können.


Kamelkaravane in Afghanistan

Samstag, 27.11.
Um 16.00 Uhr sind wir in Kabul. Man schlägt uns das Hotel Bandamir vor. Hotel ist gut gesagt! In unserem Raum kann man gerade die Schlafsäcke ausbreiten. Bewegt man sich zu brüsk, wirbelt es gleich den Staub auf! Im Raum nebenan wohnen Hippies.

Sonntag, 28.11.
Wir haben alle ziemlich starken Durchfall. Fritz muss sogar den Arzt aufsuchen. In der Stadt kaufen wir als Souvenirs kleine Teppiche. Nachdem man hartnäckig um jeden Afghani gehandelt hat, offeriert der Verkäufer Tee und stellt dabei den Weber vor, der natürlich ein Trinkgeld erwartet.

Montag, 29.11.
Fritz geht es wieder etwas besser. Auf der pakistanischen Botschaft ist ein leichtes Gedränge. Die Lage im Konflikt zwischen Indien und Pakistan hat sich in den letzten Wochen zusehends verschlechtert, die Grenze soll aber noch offen sein. Auf der Post treffen wir das Sapporo-Team. Die Beiden wollen angesichts der unsicheren Lage bereits heute weiterfahren. Am Nachmittag besteigen Beppu und ich den Hügel mit der Mauer, Wolfi geht auf denjenigen mit der Radio-Station. Zum Abendessen sind wir im Kyber Restaurant, Treffpunkt aller Touristen. Auf einem Anschlagbrett werden einige vermisste Tramper gesucht.


Kabul


Ich, auf einem der Hügel

Dienstag, 30.11.
Es geht allen wieder soweit gut, dass wir weiterfahren können. Wir dürfen nun keine Zeit mehr verlieren, denn eine Schliessung der Grenze nach Indien wäre das dümmste was uns passieren könnte. Die Fahrt durch die Kabulschlucht ist sehr eindrucksvoll. Bei Jalalabad wird die Landschaft endlich grüner. Die Strasse ist zur Überraschung weiterhin gut. Der Kyber-Pass, in früheren Zeiten wegen den zahlreichen Überfällen sehr berüchtigt, ist gut ausgebaut. Schon früh am Nachmittag sind wir an der pakistanischen Grenze. Von nun an gilt Linksverkehr. Zwei Meilen vor Peshawar wollen wir etwas abseits der Strasse campieren, sofort ist eine Polizeipatrouille zur Stelle und mahnt uns es sei zu gefährlich.

Mittwoch, 1.12.
In Peshawar müssen wir unbedingt Geld wechseln. Die Leute auf der Bank sind sehr freundlich und offerieren uns Tee. Überhaupt scheint es uns, dass wir zurück in einer zivilisierteren Welt sind. Sieben Meilen vor Jhelum übernachten wir vis-à-vis einer Tankstelle.

Donnerstag, 2.12.
Bei der Einfahrt in Lahore stellen wir eine grosse Unruhe fest. Auf der Strasse fallen die vielen Militärlastwagen auf, man sieht auch einige Panzer. Bei den Strassenkreuzungen sind Maschinengewehre aufgestellt. Unübersehbar sind die riesigen Propagandaplakate mit der Aufschrift „Crash India“. Nach einiger Diskussion mit der Rezeption des Ambassador Hotels, erlaubt man uns zu sechst in einem 2er Zimmer zu übernachten. Wenn mir morgen über die Grenze wollen, müssen wir noch einige Formalitäten erledigen, zum Beispiel auf der Special Policy den Ausreisestempel einholen und das Road Permit. Wir erfahren dabei, dass der normale Grenzübergang nach Amritsar bereits geschlossen ist. Der einzige noch offene Grenzposten ist derjenige von Hussainiwala. Ohne Road Permit kommt man aber gar nicht bis dahin. Dies scheint ein Engländer mit dem Velo unterwegs nicht gewusst zu haben und wird von der Grenze ins Home Office zurückgeschickt: 25 Km! Abends ist die ganze Stadt verdunkelt. Es herrscht eine unheimliche Ruhe.

Freitag, 3.12.
An der Grenze scheint alles normal zu verlaufen. Von einer gespannten Lage ist nichts zu spüren, ausser dass die Inder sofort nach pakistanischen Zeitungen fragen. Diesbezüglich wurden wir aber schon auf pakistanischer Seite scharf kontrolliert. Die Zollabfertigung geht ziemlich rasch vorwärts. Alois, dem die Gültigkeit des Visa in einigen Wochen abgelaufen wäre, ist froh, dass er es noch geschafft hat. Wir sind alle froh, die Einreise nach Indien geschafft zu haben. Einer der Zöllner ruft uns zu sich und erklärt, dass das Carnet de Passage für Beppu’s Wagen für die Einreise nicht gültig sein soll! Was? Das Carnet, dass uns Beni nach Ankara gebracht hat, soll für Indien ungültig sein? Nein, nein, das ist sicher ein Irrtum. Doch tatsächlich! Die beiden Länder Pakistan und Indien sind mit einem dicken Balken rot durchgestrichen! Nein, das gibt es doch nicht! Und das hat bisher niemand gesehen? Beppu meint er habe dies schon gesehen, aber dabei nichts böses gedacht. Da haben wir nun den Salat! Alles Bitten nützt nichts. Bestechlich ist der Beamte zudem auch nicht. Wir haben keine Wahl. Beppu muss nach Lahore zurück um die Grenzformalitäten für diesen Wagen nachzuholen. Wir können ihn aber nicht alleine gehen lassen, schon wegen der Sprache nicht. Alois erklärt sich einverstanden ihn zu begleiten. Alois hat auch am meisten Geld bei sich, sollte eine finanzielle Garantie verlangt werden. Und was machen wir in der Zwischenzeit? Hier an der Grenze auf ihre Rückkehr warten? Das kann aber 1, 2 oder 3 Tage dauern! Wie schon oft machen wir einen Treffpunkt ab, diesmal auf dem Campingplatz in Neu-Delhi. Nachdem wir uns verabschieden, fahren wir noch einige Kilometer weiter und übernachten nach dem Dorf Moga zusammen mit einem Deutschen neben der Strasse.


Samstag, 4.12.
Nach kurzer Fahrt werden wir von einem Soldaten angehalten. Die Strasse sei gesperrt… Wir werden umgeleitet. Über Aliwal fahren wir einen Kanal entlang bis Ludhiana. Welch ein Chaos in diesem Ludhiana. Ochsenkarren, Velos, Rischkas… In diesem Gewimmel den Weg zu finden ist sehr schwierig, ja fast unmöglich. Bei einer Kreuzung steht ein Polizist. Als wir ihn nach dem Weg nach Neu Delhi fragen, verwirft er nur die Arme. „Krieg, die Strasse ist gesperrt, letzte Nacht wurden Amritsar und Ambala bombardiert!“. Na, so was hat uns gerade gefehlt! Kriegsausbruch! Meine Güte! Und Beppu und Alois? Hoffentlich ist ihnen nichts passiert! Als ob es eine Vorahnung war, vor einigen Wochen hatten wir vorsorglicherweise abgesprochen, sollte irgend etwas schief laufen, dass wir uns anfangs Januar auf dem Campingplatz in Mombasa (Kenia) treffen würden.
Der Polizist weigert sich uns durchzulassen. Fritz rastet aus und schreit ihn an: “I want to speak with the highest policemen of this town!”. Der Polizist, sichtlich beeindruckt, willigt ein. Nach einer Irrfahrt durch die Stadt, führt uns schlussendlich ein Rikschafahrer zum High Inspector of Police, der mit einigen anderen höheren Herren in einem Park zusammen sitzt. Wir erklären ihm, dass wir unbedingt noch heute nach Neu Delhi auf unsere Botschaft müssen. Auf die Frage ob wir an unseren Fahrzeugen ein CD (Corp Diplomatique) haben, antwortet Fritz geistesgegenwärtig „Nein, aber ein CH!“. Der Beamte erklärt uns danach sofort die Route über Maler Kotla, Sangrur, Rothak nach Delhi. Auf dem Rückweg zu den Autos kreuzen wir den ersten Panzer. Ein Modell, das aus dem 1. Weltkrieg stammen könnte. Eine riesige Menschenmenge hat sich in der Zwischenzeit um unsere Wagen gebildet. Wir müssen fast einige überfahren, damit wir weiterfahren können. Die Strasse ist sehr schlecht gekennzeichnet. Nach einigen Umwegen erreichen wir Sangrur. Beim Auffüllen unserer Wasserkannister treffen wir einen Österreicher. Er ist ganz aus dem Häuschen und meint wir seien verrückt direkt auf die Front zuzufahren!

Sonntag, 5.12.
Die Strasse ist etwas besser markiert. Wir verfahren uns aber trotzdem wieder einige Male. Die Einheimischen nach dem Weg nach Neu-Dehli zu fragen hat keinen Sinn. Sie sagen einfach ja und zeigen in zwei verschiedene Richtungen. Schade, dass wir uns hier im Punjab nicht mehr Zeit nehmen können. Die Landschaft mit diesen unzähligen Bewässerungskanälen ist einzigartig schön. Einmal mehr müssen wir einen Umweg entlang einem Kanal nehmen. Nach einigen Kilometern versperrt eine grosse Kette die Strasse. Es dauert eine Weile bis der zuständige Mann mit dem Schlüssel gefunden wird. Beim Überholen eines Velofahrers passiert Wolfi ein kleines Missgeschick. Er gerät mit dem vorderen rechten Rad in den Strassengraben wodurch es uns die Antriebswelle herausjagt. Es sieht schlimmer aus als es ist. Von Hand gelingt es uns diese wieder einzufügen. Bei dieser Gelegenheit kommt uns in Sinn, dass sich fast sämtliches Werkzeug im „Pakistani“ Auto befindet. Um 13.00 Uhr erreichen wir die Vororte von Neu Delhi. Nach kurzem Suchen finden wir den Campingplatz. Dieser ist günstig gelegen. In wenigen Fahrminuten ist man mit dem Skooter-Rikscha beim Red Fort und Connaught Place. Das Sapporo-Team ist auch hier. Die ganze Stadt steht unter „Black out“. Mit Lautsprecher werden die Bewohner aufgefordert die Lichter in ihren Häusern zu löschen. Die Taxis und Autos haben ihre Lampen mit schwarzer Farbe verschmiert und fahren zum Teil ohne Licht herum. Im Zelt wird uns sogar befohlen die brennende Kerze auszulöschen¨. Während der Nacht hören wir das Brummen von Flugzeugen. Hoffentlich sich es indische Flugzeuge…

Montag, 6.12.
Sofort begeben wir uns auf die Schweizer Botschaft und erklären unsere Geschichte. Im Moment kann man nicht viel machen, wir können nur hoffen, dass Alois und Beppu so schnell wie möglich uns eine Nachricht hinterlassen, was bei ihnen vorgeht. Die Tageszeitungen berichten, dass der Grenzposten von Hussainiwala, unser Grenzposten, bombardiert wurde. Welch ein Glück sind wir nicht dort geblieben! Ohne unnötig Zeit zu verschwenden machen wir uns an die Arbeit unsere Überfahrt nach Mombasa zu organisieren und holen die notwendigen Visa ein. Aus dem Radio des Sapporo-Teams erfahren wir, dass Karachi bombardiert wurde.

Dienstag, 7.12.
Wir sind wieder auf der Botschaft. Endlich liegt eine Nachricht vor. Beppu und Alois werden, wie wir vermutet haben, nach Karachi fahren und bei der ersten Möglichkeit nach Mombasa einschiffen. Wenigstens wissen wir, dass sie wohlauf sind und wir uns um sie keine Sorgen zu machen brauchen. Die Visaanträge für Kenia und Uganda sind gestellt. Nach einigen Abklärungen steht fest, dass wir die Tickets für die Überfahrt nach Afrika bei Cox & Kings kaufen werden. Wir haben lediglich ein Problem: wir sollten die von der Schweiz aus überwiesenen SFr. 9'000.- auf der Bank abholen, doch dummerweise habe ich die Adresse und sogar den Namen der Bank vergessen. Irgendwie kommt mir jedoch der Name „National & Grindlays Bank“ bekannt vor. Es kann eigentlich nur diese Bank sein. Wir werden ja sehen.

Mittwoch, 8.12.
Der Hauptsitz der National & Grindlays ist in Old Delhi, an der Chandi Chawk Road. Die Bank sieht von aussen in einem desolaten Zustand aus. Als Wolfi und ich vor dem Eingang der Bank stehen, können wir uns kaum vorstellen, hier unser Geld zu bekommen. Als wir im grossen Raum mit riesigen Ventilatoren warten und dabei dieses „Puff“ von Ordnern und Papierstapeln sehen, glauben wir nochmals weniger daran! Doch, nach drei Stunden haben wir unser Geld, nicht in Schweizer Franken, in US Dollar und Pfund Traveller Checks. Auch in Indien geschehen Wunder!

Donnerstag, 9.12.
Die Visa für Kenia haben wir erhalten. Wir schicken Beni auf die Uganda Botschaft. Mit grosser Verspätung kommt er zu unserem Rendez-vous beim Connaught Place. Der arme hatte zu wenig Geld für ein Taxi und musste den ganzen Weg zurückmarschieren! Nach langem Suchen finden Fritz und ich die Botschaft von Tanzania. Pech gehabt, wegen dem Unabhängigkeitstag ist diese heute geschlossen.


New-Dehli: vlnr der Campingplatz, Jama Mashid Moschee, Chandi Chawk


Anordnung wie man sich bei einem Luftalarm verhalten soll...

Freitag, 10.12.
Unser Schiff läuft erst am 26. Dezember in Bombay aus. Wir haben daher genügend Zeit eine kleine Rundreise in Indien zu unternehmen. Der berühmte Taj Mahal in Agra ist leider geschlossen. Wir beschliessen nach Benares zu fahren. Als wir abends abseits der Strasse neben einem Reisfeld unser Zelt aufschlagen, bekommen wir Besuch von der Polizei. Sie erkundigen sich ob wir eine Waffe haben! Wofür denn? Es habe hier viele Tiger und es sei gefährlich draussen im Freien zu campieren! Wir folgen schlussendlich ihrem Drängen und übernachten auf der Terrasse des Gemeindehauses.

Samstag, 11.12.
Wir verabschieden uns von den freundlichen Dorfleuten. In Kanpur geraten wir in eine Demonstration. Studenten kleben uns Stickers mit der Aufschrift „Crash Pakistan“ auf die Wagen. Die Strasse ist nicht allzu schlecht, jedoch so schmal, dass sich ein Lastwagen und ein PW nicht kreuzen können. Es ist ratsam den Lastwagen den Vortritt zu lassen. Der Stärkere gewinnt! Fritz wollte einmal die Probe machen. Fritz blieb auf der Strasse, der Lastwagen auch! Es ging um Millimeter! Es ist daher gescheiter den „kürzeren“ zu ziehen. Bei jedem kreuzen müssen wir daher mit einem Rad von der Strasse. Das ist unheimlich mühsam und wir schaffen so nie mehr als 40 Km die Stunde. Grosses Glück haben wir beim Zusammenstoss mit einem Velofahrer. Woher der kam ist mir unerklärlich. Plötzlich ist dieser vor unserem Auto. Wolfi kann nicht mehr ausweichen. Der Mann liegt einige Meter vor unserem Auto am Boden und wimmert. Fritz der uns folgt, ist weiss wie ein Leintuch als er das Velo am Boden erblickt. Der Mann scheint zumindest äusserlich keine Verletzungen zu haben, liegt aber stöhnend am Boden und ist vom Schock benommen. Inzwischen ist bereits einiges Volk um die Unfallstelle versammelt. Zum Glück hat ein Inder auf seinem Motorrad den Unfall mitverfolgt und verteidigt uns. Der Verunfallte wird auf einen Ochsenkarren geladen und wir verschwinden so schnell wie wir können! Glück gehabt! Dies hätte dumm ausgehen können!

Sonntag, 12.12.
Eine anschauliche Menge hat sich wiederum um unsere Autos gebildet. Wolfi schenkt einem Bettler ein Hemd. Der Bruder des Bettlers entschuldigt sich bei uns für die Belästigung, möchte jedoch auch ein Souvenir. Wir haben wirklich nichts zu verschenken und müssen ihn enttäuschen. Kurz darauf erwischen wir ihn, wie er versucht ein Taschenmesser zu klauen. Wir müssen höllisch aufpassen damit uns nichts gestohlen wird. Ach, diese Inder! Wir sind froh können wir diese Bande verlassen! Vor Benares kollidieren wir beinahe mit einer heiligen Kuh! Diese ist scheinbar vom Motorenlärm unseren 2 CV’s dermassen erschrocken, dass sie das Weite suchen wollte, dabei aber mit den hinteren Kufen ausglitt und prompt auf die Nase fällt. Ja, so was hätte uns auch noch gefehlt, mit einer heiligen Kuh zu kollidieren! Gegen Mittag erreichen wir Benares und beziehen im Mint House unsere Unterkunft. Die Taxifahrer zanken sich wer von ihnen die Stadtbesichtigung mit uns machen darf. Uns ist es egal. Wie nehmen einfach den biligsten…

Montag, 13.12.
Bereits frühmorgens werden wir vom Taxi für eine Bootsfahrt auf dem Ganges abgeholt. Es herrscht ein unbeschreibliches Wirrwarr.


Varanasi

Dienstag. 14.12.
Wir sind auf dem Rückweg nach Bombay. Bereits am frühen Nachmittag halten wir vor Jabalpur. Ein Motorradfahrer macht uns einen kleinen Besuch. Er ist erstaunt, dass wir keine Angst vor Tiger haben…

Mittwoch, 15.12.
Vor der Weiterfahrt finden wir neben unserem Camp kleine, schöne Kristalsteine. Wir suchen in der nahen Umgebung nach weiteren, dabei ertönt aus den nahe liegenden Sträuchern ein komisches Geräusch. Sobald wir beim Gebüsch angelangt sind, hört es auf und beginnt erneut hinter dem nächsten Gebüsch! Das ganze wiederholt sich unzählige Male. Erst jetzt wird uns bewusst, dass wir uns wohl in der Nähe eines Militärschiessplatzes und dieses komische Zischen von den Kugeln herkommen muss. Schleunigst packen wir zusammen und verlassen den Ort. Etwa 25 Km vor Nagpur halten wir abends bei einem kleinen See zum Übernachten an.

Donnerstag, 16.12.
Beni ist schon früh aufgestanden und in der Umgebung spazieren gegangen. Als er zurück kommt wird er von zwei Soldaten, Gewehr im Anschlag, begleitet. Wir wittern ein lustiges Foto und holen unsere Kameras raus. Die beiden Soldaten winken energisch ab. Sie schauen uns zu wie wir uns zur Weiterfahrt bereit machen. Die beiden gestikulieren wild herum, wir haben jedoch keine Ahnung was die wollen. Mit unseren minimalen indischen Sprachkenntnissen versuchen wir herauszufinden wo das Problem liegt und fragen die beiden: „Hatscha, hatscha – alles ok?“ Au nein! Da ist gar nichts von hatscha! Herrgott, was wollen die denn? Wir werden ja wohl nicht den halben morgen hier verbringen oder? Endlich erscheint jemand der etwas englisch spricht: wir hätten in einem Militärareal übernachtet und sollten zum Militärposten nach Nagpur! Auch das noch! Wir weigern uns. Kommt gar nicht in Frage. Wir lassen uns doch nicht von so zwei lächerlichen Figuren aufhalten! Immer mehr Neugierige kommen von der Strasse hinunter und bilden einen dichten Kreis um unsere zwei Fahrzeuge. Es sind sicher gegen hundert Leute! Welch eine Aufruhr als einer unsere leere Konservendose mit der Aufschrift „made in Pakistan“ am Boden findet! Inzwischen erscheint ein höherer Offizier. Wir weigern uns ausdrücklich zurück nach Nagpur zu fahren. Er ist damit einverstanden, will aber unsere Pässe abschreiben! Visa für Visa, Stempel für Stempel schreibt er alles ab. Zwei Pässe hat er schon erledigt, da erscheint der Polizeichef persönlich. Wir können nichts machen, wir
müssen auf den Posten nach Nagpur. Nachdem wir erklärt haben woher wir kommen und weshalb wir bei diesem See campiert haben und schriftlich bestätigen keine Fotos gemacht zu haben, lässt man uns gegen 13.00 Uhr endlich weiter. Nur 110 Km weiter, werden wir erneut von einer Polizeikontrolle aufgehalten! Kontrolle der Pässe! Der Stempel „Entry in Pakistan“ wird natürlich nicht übersehen! Und schon gibt es wieder Theater deswegen. Wir werden zum Polizeiposten begleitet. Die Autos lassen wir im Innenhof stehen. Im Gefängniswagen werden wir zum High Commissioner geführt. Auch hier wieder: was wir hier machen?, woher wir kommen?, wohin wir wollen? … Ein Schlaumeier findet sogar raus, dass die Gültigkeit von Beni’s Pass abgelaufen sei! Ich bin kein Rassist, aber bald könnte ich es werden… Man kommt beim Verhör zum Schluss, dass wir keine amerikanischen Spione sind! Da wir aber schon hier seien, sollen wir doch trotzdem die Formulare ausfüllen… Meine Nerven…
Zurück auf dem Polizeiposten sind alle plötzlich stinkfreundlich und will uns zum Tee einladen. Wir haben aber mit diesen Blödeleien nun schon genug Zeit verloren und wollen endlich weiter. Wenn das so weitergeht kommen wir ja nie in Bombay an…

Freitag, 17.12.
Kein Eintrag

Samstag, 18.12.
Kein Eintrag

Sonntag, 19.12.

Endlich haben wir es geschafft! Um die Mittagszeit erreichen wir Bombay. Immer gemäss unserem Polyglott-Reiseführer, soll es an der Juhu-Beach, 20 Km nördlich von Bombay, einen schönen Badestrand geben. Relativ leicht finden wir den Ort. Das einzige Problem ist die Unterkunft. Die Hotels, alles 1. Klasse Hotels, sind für unser Budget viel zu teuer. Einzig eine Pension direkt am Strand wäre genau das Richtige für uns, sie soll aber komplett ausgebucht sein. Fritz will dies nicht glauben und ist sehr erzürnt. Wir suchen vergeblich zwei weitere Stunden. Schlussendlich beschliessen wir auf einem Stück Land direkt am Meer zu campieren. Das Wasser ist herrlich warm, der Sonnenuntergang sensationell.

Montag, 20.12.
Wir haben nun auch herausgefunden, weshalb das Stück Land auf welchem wir campieren von niemandem besetzt war: es ist nämlich die öffentliche Toilette! Fritz und ich fahren mit dem Taxi in die Innenstadt. Wir müssen bei Cox & Kings die Schiffsbillette bestätigen lassen, müssen zudem eine billige Unterkunft im Zentrum finden. Die Suche erweist sich als nicht einfach. Durch den Ausbruch des Krieges sind viele Touristen in Bombay blockiert, die meisten Hotels daher komplett ausgebucht. Wir fragen sogar bei der Heilsarmee nach, sind allerdings heilfroh, dass auch dort nichts frei ist. Im YMCA Guest House, nicht weit vom Gateway entfernt, finden wir schliesslich etwas passendes. Am Nachmittag erfolgt der Transfer in die Stadt. Um uns nicht zu verfahren, schicken wir ein Taxi voraus. Wir haben nicht alle im gleichen Zimmer Platz, so muss einer von uns im Economy-room schlafen. Da sich niemand freiwillig meldet, wird mittels Pockerwurf entschieden: Wolfi ist der erste Verlierer….

Dienstag, 21.12.
Dass gerade zu diesem Zeitpunkt der US Dollar abwerten muss ist ärgerlich. Wir müssen überhaupt noch froh sein, dass man uns die $ und die £ zum bezahlen der Tickets annimmt. Da die Autos ohne Gepäck eingeschifft werden, müssen wir sämtliches Material auslanden und in zusätzlichen Koffern und Taschen verstauen. Beppu und Alois werden wohl schon nach Afrika unterwegs sein. Via Telegramm an die Poste Restante Mombasa melden wir ihnen unsere Ankunft.


Bombay


Beni und Fritz

Mittwoch, 22.12.
Auf der Poste Restante haben wir unsererseits auch Post erhalten. Beni sogar fünf Briefe! Wir erfahren, dass unter unseren Familien ein reger Informationsaustausch herrscht. Beni’s Mutter schreibt, dass wir sicher eine schlimme Woche hinter uns haben. Vom Krieg haben wir nichts mehr mitbekommen, wir haben keine Ahnung wie die Lage ist. Wir wissen einzig, dass jegliche Verbindung und Kontakt zwischen beiden Ländern unterbrochen ist.
In zwei Tagen ist es Weihnachten! Ein komisches Gefühl bei dieser Jahreszeit baden zu können!

Donnerstag, 23.12.
Wir fahren noch einmal an die Juhu Beach, denn morgen müssen wir die Autos abgeben.

Freitag, 24.12.
Wie vereinbart sind wir um 10.00 Uhr zur Abgabe der Autos bei Cox & Kings. Es wird Nachmittag bis jemand uns in den Hafen begleitet.

Samstag, 25.12.
Wir haben gepackt. Von uns aus könnte es losgehen. Den Nachmittag verbringen wir mit einem Spaziergang auf der Marine Drive.

Sonntag, 26.12.
Heute ist der grosse Tag! Der Träger 51 ist beschäftigt unsere 13 Gepäckstücke zum Ballard-Pier zu tragen. Beim Hafeneingang will man uns nochmals einige Dollars für irgendeine Gebühr „ausreissen“, doch die können uns mal¨. Bei einem solchen „Puff“ wie hier vorherrscht bezahlen wir ganz bestimmt keine einzige Rupie. Die Impf- und Passkontrolle sind ziemlich rasch erledigt. Nach einer Stunde sind wir schon beim Zoll. Hier scheint es allerdings etwas mühsamer zu werden. Jedes Gepäckstück wird geöffnet. Als wir demnächst an der Reihe sind, werden wir in eine andere, längere Schlange, verwiesen. Was soll’s? Der Schiffskapitän hält bereits Umschau wie lange es wohl noch gehen wird und fordert die Zöllner auf vorwärts zu machen. Das Schiff sollte nämlich nach Fahrplan demnächst auslaufen, der Saal ist jedoch noch halb voll. Plötzlich heisst es wieder, wir sollen in der 1. Kolonne einstehen! Fritz ist nicht mehr zu beruhigen! Es ist bereits der 2. Inder den er am liebsten erwürgen würde! Es ist zum verrück werden. Vor uns sind Inder die über Weihnachten bei ihren Verwandten in Bombay waren und zurück nach Durban wollen. Sie haben einige Möbelstücke mit, fachmännisch eingepackt. Sie haben auch ein dickes Bündel von Zollpapieren, doch die Kiste muss unbedingt auf. Der Deckel wird mitsamt Schrauben mit dem Brecheisen aufgerissen. Die Holzwolle fliegt nur so im Saal herum! Als man überzeugt ist, dass sich wirklich Möbel darin befinden, wird alles kreuz und quer wieder eingepackt. Der Deckel wird zugehämmert bis er bricht! Unglaublich! Das sind ja echte Vandalen, wahre Puffbrüder! Bei Weissen haben sie dagegen schon mehr Respekt und gehen zivilisierter vor.
Endlich sind wir an Bord. Wir haben die Kabinen 239 – 242 auf dem Tourist Deck. Diese in einem solchen Ganglabyrinth zu finden ist gar nicht so einfach. Für das Auslaufen sind wir alle wieder an Deck. Wir können es kaum erwarten auszulaufen. Das Land hat uns zwar gefallen, doch nach den Abenteuern die wir erlebt haben, sind wir froh und erleichtert Indien endgültig hinter uns zu lassen. Endlich legt die „S/S Karanja“ ab! Juhui! Wir sind auf dem Weg nach Afrika. Was uns wohl dort alles erwartet?

 


Unser Telegramm mit der Ankündigung der Ankunft


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Überfahrt nach Afrika, Kenia, Besteigung des Kilimandjaro, Uganda, Zaïre, Republik Zentralafrika, Tschad, Kamerun, Nigeria, Niger, Algerien, Marokko, Spanien, Frankreich, Schweiz





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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com