2 CV-Reise
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Jambo - Tagebuch einer Autoreise zum Kilimandjaro!

Teil 2:  Überfahrt nach Afrika, Kenia, Besteigung des Kilimandjaro, Uganda, Zaïre, Republik Zentralafrika, Tschad, Kamerun, Nigeria, Niger, Algerien, Marokko, Spanien, Frankreich, Schweiz


Unser Schiffticket nach Mombasa

Montag, 27.12.
Das Hauptereignis des Tages sind die Mahlzeiten. Da wir uns in den letzten Wochen fast nur von Suppen, Teigwaren und Bananen ernährt haben, „schlagen“ wir zu! Wir bestellen gleich alles was auf der Menükarte steht: die beiden Voressen, das kalte Buffet, das Hauptmenü und die drei verschiedenen Desserts! Wir haben einen netten Stewart, für ein Trinkgeld tut er für uns alles.

Dienstag, 28.12.
Wir beobachten eine Menge fliegender Fische und spielen Tischtennis. Letzteres ist gar nicht so einfach auf einem schaukelnden Schiff. Der Hauptzeitvertrieb ist ansonsten „Guggithalern“. Beni ist bereits mit 7 Franken im Minus.

Mittwoch, 29.12.
Keine Eintragung

Donnerstag, 30.12.
Wir überqueren den Äquator. Es gibt keine Taufen, dafür eine Miss-Wahl.


Während der Überfahrt...

Freitag, 31.12.
Nach dem Morgenessen erreichen wir die Seychellen-Inseln. Da es keinen Hafen gibt, muss unser Schiff ausserhalb von Mahé ankern. Wir haben vier Stunden Aufenthalt. Wir profitieren von dieser Gelegenheit und gehen an Land. Drohende schwarze Wolken liegen tief über der Insel. Die Temperatur, vor allem die Luftfeuchtigkeit ist so, dass wir auf dem Marsch zur Beau Vallon Beach, auf der anderen Seite der Insel, mächtig ins Schwitzen kommen. Die Beach ist erstklassig. Für eine kurze Zeit vergnügen wir uns in den hohen Wellen. Mit einiger Mühe erreichen wir unser Schiff. Der Wellengang ist so stark, dass die kleinen Boote erst nach unzähligen Versuchen andocken können.

Samstag, 1.1.1972
Happy new Jahr!


Die S/S Karanja beim Zwischenhalt auf den Seychellen

Sonntag, 2.1.
Die Guggithalermeisterschaft ist zu Ende. Beni hat minus Fr. 26.40. Morgen früh sollen wir in Mombasa ankommen. Es wäre wieder einmal der 3. eines Monats: 3.11. – Unfall in Griechenland, 3.12. – Kriegsausbruch in Indien und nun der 3.1.! Mich nimmt es Wunder was heute wieder passieren wird. Bei diesem Chaos im Hafen von Bombay würde es mich gar nicht überraschen wenn unsere beiden Autos gar nicht auf dem Schiff wären!

Montag, 3.1.
Um 08.21 sichten wir Land. Die afrikanische Küste liegt vor uns. Wir sind fest davon überzeugt, dass uns Alois und Beppu am Pier abholen. Gegen 10 Uhr fahren wir in den Hafen ein. Da sich in der Nähe ein Campingplatz befinden soll, suchen wir verzweifelt nach Zelten. Beni ist ganz ausser sich als er plötzlich eines unserer Zelte zu erkennen glaubt. Die Freude ist von kurzer Dauer, denn alle Zelte sind ja in unserem Gepäck! Das Schiff legt an. Die Spannung steigt ins unerträgliche. Wo sind denn Beppu und Alois? Haben sie sich verspätet? Inzwischen erledigen wir die Pass- und Zollformalitäten. Die „Karanja“ wird noch für einige Tage hier ankern, Passagiere mit Südafrikanischem Pass dürfen das Land jedoch aus politischen Gründen nicht betreten. Mit grosser Erleichterung stellen wir fest, dass unsere Autos doch mitgekommen sind. Dagegen fehlt ein Gepäckstück, ein Zelt. Das Wetter hatte ich mir freilich auch etwas anders vorgestellt. Es regnet in Strömen. Von Beppu und Alois noch immer keine Spur! Wo sind die denn nur? Wir ziehen in die Stadt. Für 4 $ führt uns ein Taxifahrer in die Simba Lodge, eine billige Unterkunft.

Dienstag, 4.1.
In unserer Lodge herrschte die ganze Nacht ein ständiges Ein und Aus. Nicht verwunderlich, wir sind in einem Stundenhotel abgestiegen! Die Abwesenheit unserer beiden Kollegen beunruhigt uns sehr. Um Gewissheit zu erhalten gehen wir auf die Poste Restante. Tatsächlich, unser Telegramm liegt noch vor! Sind also noch gar nicht hier! Diese werden aber sicher demnächst ankommen müssen! Unsere Nachforschungen bei sämtlichen Schiffsagenten nach der Ankunft eines Passagierschiffes von Karachi sind erfolglos. Es sei seit einem Monat kein Schiff von dort angekommen und es werde in absehbarer Zeit auch keines erwartet! Dies bereitet uns nun doch etwas Sorgen. Ob wohl etwas unvorgesehenes dazwischen gekommen ist? Was machen wir falls die beiden in den nächsten Tagen wirklich nicht eintreffen? Auch nicht angekommen sind unsere Carnets de Passage die Cox & Kings an die hiesige British-India Vertretung senden wollte. Dies ist sehr ärgerlich, denn ohne diese können wir die Autos nicht aus dem Zoll lösen. Den ganzen Morgen suchen wir auf der „Karanja“ nach unserem vermissten Zelt. Es ist unauffindbar

Mittwoch, 5.1.
Im Gegensatz zur Grossstadt Bombay ist Mombasa recht ruhig. Das Leben ist aber ziemlich teuer. Zu Viert gibt es in den Restaurants ganz schöne Rechnungen. Wir können nicht mehr länger in der Stadt bleiben, wir müssen unbedingt den Campingplatz aufsuchen, ansonsten unser Budget aus den Fugen gerät. Wir mieten einen Renault und richten uns etwa 20 Kilometer nördlich von Mombasa auf dem Camping Platz ein. Dieser ist wunderschön inmitten Palmenhainen gelegen. Es gibt auch einen kleinen Aufenthaltsraum in welchem eine Küche eingerichtet ist.

Donnerstag, 6.1.
Zum Baden ist es wegen den zahlreichen Seeigeln leider nicht so ideal. Plastikschuhe sind dazu absolut notwendig, ansonsten man sich unweigerlich einige sehr schmerzhafte Stacheln einfängt. Alois, kann da ein Lied davon singen, gell! Bei Ebbe zieht sich das Meer gut 300 Meter zum Riff zurück und hinterlässt dadurch zahlreiche Tümpel mit bunten kleinen Fischen. Fritz und ich sind wieder in der Stadt. Nicht Neues. Von einem Schiff aus Karachi weiss man nichts! Nicht in Mombasa ist auch unsere Kiste mit der Bergausrüstung die wir von der Schweiz aus hierher sandten. Diese sei im Zolllager in Nairobi!
Gegen Abend trifft uns alle fast der Schlag als plötzlich Beppu und Alois, vollbeladen mit Rucksack, im Campingplatz auftauchen! War das eine freudige Überraschung! Unfassbar! Einen Monat lang waren wir getrennt! Emotionen brechen aus! Wir begiessen das Wiedersehen am Abend mit einem kleinen Strandfest. Die Krabben werden sich sicher danach erinnern!


Unser Campingplatz ausserhalb von Mombasa

 

Doch was ist nun genau geschehen? Gespannt hören wir ihrer Geschichte zu: Als wir damals auf der Schweizer Botschaft in Neu-Delhi die Nachricht bekamen, sie würden unverzüglich nach Karachi fahren und von mit dem nächsten Schiff nach Mombasa zu gelangen, wussten sie noch nicht, dass der ganze Schiffsverkehr im Hafen von Karachi blockiert war. Die beiden sind freundlicherweise von einer Sekretärin der Schweizer Botschaft beherbergt worden. Die Wohnung, nahe am Hafen, liegt in der Anflugschneise indischer Bomber. Sie erleben live wie das Tanklager bombardiert wird. Die ersten Schweizer sind bereits ausgeflogen worden. Kurz bevor die restlichen Eidgenossen, darunter auch Beppu und Alois, an der Reihe waren, finden sie einen polnischen Frachter. Sie schiffen ein, bis die Behörden die Bewilligung zum Auslaufen erteilen, vergehen einige Tage. Weihnachten verbringen sie an Bord des Frachters. Während des forcierten Aufenthaltes im Hafen von Karachi wird allen Schiffen die Funkverbindung plombiert. Erst als sie wieder in den internationalen Gewässern sind wird der Funk freigegeben. Der Kapitän des Frachters erfährt dabei, dass die Fracht in Mombasa inzwischen bereits abgeholt wurde. Er wird angewiesen Bombay anzusteuern! In Sichtweite von Bombay kommt wieder eine neue Anweisung. Das Schiff soll jetzt Bedi Port, einen kleinen indischen Hafen nahe der pakistanischen Grenze anlaufen! Nach dieser Irrfahrt landen sie nun doch noch in Indien! Das Carnet de Passage ist aber für Indien noch immer nicht gültig und in der Zwischenzeit ist auch das Visum von Alois abgelaufen. Mit dem Status als Kriegsflüchtlinge können sie indischen Boden betreten. Zwei Tage nach unserer Abreise treffen sie in Bombay ein! Einige Tage später wäre ein Frachter nach Mombasa ausgelaufen, nun aber bereitet man ihnen Schwierigkeiten mit der Ausfuhr des Autos. Sie verpassen dadurch das Schiff nach Mombasa. Der nächste läuft erst in einem Monat aus. So lange können sie nicht warten und buchen kurzerhand einen Flug nach Nairobi. Mit dem Buss erreichen sie Mombasa. Das Auto soll in einem Monat mit dem nächsten Frachter ankommen! Dies ist die unglaubliche Geschichte unserer Kollegen.


rot: unsere Route
gelb: die Route von Alois und Beppu


Das bombardierte Tanklager in Karachi

Freitag, 7.1.
Endlich sind auch die Carnets angekommen und wir können die Wagen aus dem Zoll holen. Am Morgen hat es wieder einmal flutartig geregnet. In Kürze verwandelt sich die Strasse in einen kleinen Bach. Eine Stunde später scheint aber schon wieder die Sonne als ob nichts geschehen wäre.

Samstag, 8.1.

Keine Eintragung

Sonntag, 9.1.
Keine Eintragung

Montag, 10.1.
Es macht keinen Sinn hier einen Monat auf das 3. Auto zu warten. Wir müssen auch bald entscheiden, wie es nach dem Kilimandjaro weitergehen soll. Im Campingplatz treffen wir einen Franzosen der mit seinem Renault durch die Wüste und Quer durch den afrikanischen Kontinent bis hierher nach Mombasa gefahren ist. Er meint, dass dies mit 2 CV’s durchaus machbar sei. Ja, das wäre der Gag, mit den Autos nach Hause zu fahren…

Dienstag, 11.1.
Vorerst steht aber unser eigentliches Reiseziel, die Besteigung auf dem Programm. Die Fahrt auf der guten Strasse nach Nairobi ist kein Problem. Auf der Durchfahrt des Tsavo-Nationalparkes sehen wir in der Nähe der Strasse einige Elefanten. Bei der Tankstelle am Voi Gate treffen wir auf einen Kleinbus mit Schweizer Touristen. Als wir mit unserem Konvoi einfahren, fallen ihnen fast die Augen aus dem Kopf!

Mittwoch, 12.1.
Mit etwelcher Mühe haben wir gestern bei Dunkelheit den Campingplatz im City-Garden von Nairobi gefunden. Es gibt hier eine Menge Leute die mit Autos vom Norden durch die Sahara gekommen sind. Wir erfahren viel interessantes, was uns für unsere eventuelle Rückreise von grossem Nutzen sein könnte. Mit einem R4 soll es auf jeden Fall problemlos geklappt haben, besser als mit VW-Bus oder Land-Rover. Diese seien vielmals im Sand stecken geblieben. Die Innenstadt von Nairobi ist recht modern. Wir sind überrascht von den vielen Indern die hier leben. Das Wahrzeichen ist der Turmbau des Hotel Hilton. Treffpunkt der „Weissen“ ist das Stanley Hotel. Des Budgets wegen, müssen wir aber unsere Mahlzeiten schon bald anderswo einnehmen. An Arbeit fehlt es uns nicht. Zuerst müssen wir unsere Bergsteigerkiste aus dem Zoll holen. Unsere Visa für Tansania die wir in Neu-Delhi eingeholt hatten sind in der Zwischenzeit auch wieder abgelaufen.

Donnerstag, 13.1.
Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Auslösung unserer Kiste gestern einige Zeit in Anspruch genommen. Dazu kam noch eine schöne Überraschung, denn wir mussten eine „saftige“ Lagergebühr bezahlen. Jetzt fehlt uns eigentlich nur noch der Proviant, ansonsten wir zu unserem Trekking starten könnten. Die Ware im Supermarkt ist nicht wesentlich billiger als bei uns. Die Früchte sind sehr billig, eine Ananas kostet 50 Rappen.


Die Strasse nach Nairobi führt entlang dem Tsavo-Nationalpark


Campingplatz Nairobi

Freitag, 14.1.
Wir fahren auf der Hauptstrasse nach Mombasa bis Emali. Von dort zweigen wir rechts ab. Wenn die Sicht klar ist, kann man von hier den Kilimandjaro mit seiner Schneekappe sehen. Die Strasse, unasphaltiert, wird zusehends schlechter. Da wir pro Auto nun drei Personen sind, muss abwechslungsweise immer einer im Gepäckraum auf dem Reserverad sitzen. Unser Weg führt am Amboseli Nationalpark vorbei. Für einen Besuch reicht die Zeit leider nicht, denn wir müssen so schnell wie möglich in Loitokitok eintreffen um die letzten Formalitäten für die Besteigung zu erledigen. Mr. Singh, der Organisator solcher Touren, ist leicht zu finden. Jedermann im Dorf kennt ihn. Da der Gipfel des Kili auf tansanischem Boden liegt, dürfen wir nicht so einfach über die Grenze. Wir brauchen ein „Laisser-passer“. Mr. Singh kennt sich da natürlich bestens aus und hat auch einige Beziehungen zum tansanischen Grenzposten. Ohne Schwierigkeiten stellt man uns das Papier aus, gegen Bezahlung natürlich! Auf dem Rückweg nach Loitokitok müssen wir auch noch Ambulanz „spielen“. Ein Junge hat sich mit dem Buschmesser ins Bein gehauen und hat eine tiefe Wunde.

Samstag, 15.1.
Wir stehen vor dem Start zu unserem grossen Ziel. Mit knapp 6000 Meter erhebt sich das dreigipfelige Massiv des Kilimandjaro über der weiten Savannenlandschaft Ostafrikas. Über seine genaue Höhe gingen über viele Jahre die Meinungen auseinander. Lange wurde die Höhe mit 6010 Metern angegeben, heute ist allgemein die Zahl 5895 gültig. Der schneebedeckte Gipfel, irrtümlicherweise als Kilimandjaro bezeichnet, ist der Kibo. Für die meisten Bergsteiger, für uns auch, ist der Gillman’s Point (5681 m) am Kraterrand das Ziel der Besteigung. Nur die wenigsten folgen dem Kraterrand bis zum höchsten Punkt, dem Uhuru Peak. Links vom Kibo liegt der 5149 m hohe Mawenzi Peak. Dieser ist vom Kibo durch einen weiten Sattel getrennt. Es ist ein steiler, zerklüfteter Berg aus brüchigem Gestein. Der letztere der drei Gipfel, der Shira, ist mit seinen 3944 Metern ziemlich unbedeutend.
Es ist noch Dunkel als wir starten. Mr. Singh begleitet uns einige Kilometer, schlägt dabei ein solches Tempo an, dass wir beinahe rennen müssen. Unsere Bergtouren in der Schweiz haben klar ergeben, dass ich der Schwächste der Gruppe bin. Ich erhalte daher den leichtesten Rucksack, dieser wiegt aber immer noch etwa 14 Kilos. Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten den Kibo. Nach zwei Stunden Marsch wird der Weg zu einem schmalen Pfad in dschungelähnlichem Wald. Einige Male verlieren wir den Weg und müssen wieder zurück. Je höher wir kommen, desto niedriger wird der Wald. Nach zehn Stunden erreichen wir mannshohes Farngras und kommen in eine alpenartige Gegend mit vielen kleinen Sträuchern und moosigem Boden. Eigentlich sollten wir unser 1. Biwak bei der 3rd cave erstellen, doch für heute ist genug. Wir sind auf ca. 3200 m ü.M.


Start zum Kilimandjaro von Loitokitok aus

Sonntag, 16.1.
Gegen Mittag sind wir bei der 3rd cave (ca. 3800 Meter). Hier ist die letzte Wasserstelle, denn alles Schneewasser oberhalb von hier versickert im porösen Vulkangestein und tritt erst hier unten in unzähligen kleinen Bächen wieder an die Oberfläche. Ab hier müssen wir nun zusätzlich auch noch das Wasser mitschleppen. Bis hierher reicht auch die Vegetation, alles weiter oben ist nur noch Steinwüste. Wir beginnen nun auch die Höhe zu verspüren. Wir kommen nun langsam vorwärts. Der Rucksack scheint doppelt so schwer zu wiegen. In der Ferne sehen wir bereits unser Tagesziel, die Outward Bound Hütte. Der Aufstieg wird aber immer mühsamer. Nach zwanzig Schritten muss ich anhalten und verschnaufen. Kurze Zeit darauf schaffe ich nur noch gerade zehn Schritte. Das Ganze wird zu einer Tortur. Es ist ein Kampf Meter um Meter. Vollkommen erschöpft erreiche ich die Hütte.

Montag, 17.1.
Keine Eintragung

Dienstag, 18.1.
Keine Eintragung

Mittwoch, 19.1.
Keine Eintragung

Donnerstag, 20.1.
Wir sind seit gestern Abend wieder auf dem Campingplatz in Mombasa zurück. Unsere Expedition ist abgeschlossen. Als einziger habe ich das Ziel nicht erreicht. Ich bin zwar schon etwas enttäuscht, ich habe aber mein Bestes gegeben. Die Nacht in der Hütte werde ich nicht so schnell vergessen. Wir liegen alle mit Kopfschmerzen als würde uns der Schädel gleich explodieren total erschöpft kreuz und quer am Boden. Trotz Coramin Tabletten fühle ich mich am anderen Morgen noch so schwach, dass ich nach nur zwanzig Meter zurück in die Hütte muss. Gegen Mittag ist auch Fritz zurück, Alois und Beppu folgen wenig später. Beni und Wolfi steigen vom Kilmanspoint weiter auf den noch etwas höheren Uhuru-Peak, auf der Südseite des Kraters. Sie kommen als letzte zurück. Den Abstieg nach Loitokitok nehmen wir etwas gemütlicher. Sehr bald verschwinden auch die Kopfschmerzen. Wir übernachten ein letztes Mal oberhalb der Waldgrenze. Im nachhinein müssen wir zugeben einen grossen Fehler begangen zu haben: wir sind viel zu schnell aufgestiegen und hätten uns etwas mehr Zeit für die Höhenakklimatisation gönnen sollen. Ein einziger Tag hätte vielleicht schon etwas ausgemacht. Wir hatten zudem auch viel zu viel Proviant mit. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir aus lauter Erschöpfung fast keinen Appetit haben und ausser Suppen nichts essen würden. Wir bringen die Hälfte des Proviants wieder zurück, dabei hätte ich am ersten Tag einen solchen Appetit gehabt!


Aufstieg zur Outward Bound Hütte


Outward Bound Hütte (4800 m)


Gillman's Point: 5681 m

Freitag, 21.1.
Wir sind wieder einmal beim Schiffsagenten Doodwell und möchten nun doch gerne erfahren wann unser 3. Auto mit der „Umberto Dalmato“ aus Bombay ankommt. Zu unserer grossen Überraschung wissen sie davon nichts! Ohne dieses 3. Auto ist eine Rückreise durch den afrikanischen Kontinent sehr in Frage gestellt. Es wird auch langsam eine Zeitfrage. Wenn wir noch einige Parks besuchen wollen, müssen wir aufpassen um den Zaire nicht in die Regenzeit passieren zu müssen.

Samstag, 22.1.
Heute fahren wir nach Malindi. Beni „stürmt“ schon die ganze Zeit von Surfen.

Sonntag, 23.1.
Da wir viel zu viele Kleider mit uns haben, vor allem Beni, verkaufen wir diese jeden Morgen den Schwarzen die auf dem Campingplatz arbeiten. Viel kann man ihnen ja nicht verlangen, denn diese haben ja auch kein Geld. Wir sind aber zufrieden, wenn wir mit dem Erlös eines Hemdes die Eier für das Frühstück kaufen können. Für grössere Geschäfte muss man mit Indern verhandeln. So verkaufen wir eines unserer grossen Zelte. Beinahe gibt es wegen Alois noch Krach mit den Schwarzen: dieser klettert locker die Palmen hoch und holt die Kokosnüsse herunter!

Montag, 24.1.
Wir sind wieder bei Doodwell. Von unserem Schiff fehlt nach wie vor jegliche Spur. Wir sind beinahe am verzweifeln. Ein Frachter kann sich doch nicht einfach so in Luft auflösen oder ist er etwa untergegangen? Wir begreifen die Welt nicht mehr! Erst als wir den Direktor persönlich sprechen, verspricht dieser unserer Geschichte nachzugehen. Es geht nicht lange stellt sich heraus, dass es gar kein Schiff namens „Umberto Dalmato“ gibt, denn dieses war in Bombay in „Lorenzo Marcello“ umgetauft worden! Endlich haben wir eine Spur, wann das Schiff genau ankommt weiss man aber noch nicht.

Dienstag, 25.1.
Wir warten auf die „Lorenzo Marcello“. Die Kollegen haben sich heute mit Maske und Schnorchel hinaus über das Riff gewagt. Keine ungefährliche Sache. Fritz reisst es von einer Welle die Maske mitsamt Schnorchel weg und Beni verletzt sich leicht an den messerscharfen Korallen.

Mittwoch, 26.1.
Wir warten auf die „Lorenzo Marcello“.

Donnerstag, 27.1.
Wir warten auf die „Lorenzo Marcello“.

Freitag, 28.1.

Endlich weiss man bei Doodwell wann das Schiff ankommt: am 2. Februar!

Samstag, 29.1.

Wir haben soweit entschieden, dass wir unsere Heimreise auf dem Landweg antreten werden. Die Autos müssen vorher aber mechanisch überholt werden. Da sämtliches Reparaturwerkzeug im 3. Auto enthalten ist, müssen wir warten bis dieses ankommt. Wir müssen auch noch einige Tage in Nairobi einplanen bis wir alle Visa zusammen haben. Wir brauchen auch dringend Geld und veranlassen via Telegramm Überweisungen nach Nairobi. Um Zeit zu gewinnen beschliessen wir in der Zeit bis das 3. Auto ankommt wenigstens einen Park, den Tsavo Park zu besuchen. Um nicht das Camp räumen zu müssen bleiben Wolfi und ich vorerst hier.

Sonntag, 30.1.
Keine Eintragung

Montag, 31.1.

Keine Eintragung

Dienstag, 1.2.

Fritz, Beppu, Alois und Beni sind gestern Abend begeistert von ihrer Safari zurückgekommen. Nun sind wir an der Reihe für zwei Tage den Tsavo Park zu besuchen. Beim Buchuma-Gate betreten wir den Park. Welche „Abreisserei“! Für das Auto muss zusätzlich bezahlt werden, auch für den Fotoapparat. Vorerst ist überhaupt kein Tier zu sehen, erst kurz vor der Aruba-Lodge dann drei Graniche, eine Menge Gazellen und Zebras, aber alle zu weit entfernt. Nach einem kurzen Abstecher in der Voi-Lodge sehen wir Giraffen und Elefanten, diesmal ganz nahe. Bei der Fahrt durch den Park wären wir beinahe auch noch mit einem Rhinozeros kollidiert! Wir kommen ziemlich schnell eine Kuppe hochgefahren, steht doch da mitten auf der Strasse ein Rhino einige Meter vor uns. Das Tier, anscheinend vom Lärm des 2 CV überrascht, macht sich aus dem Staub. Es ist in den Parks verboten aus den Autos auszusteigen oder im Park zu übernachten. Vor lauter Begeisterung fahren wir immer weiter in den Park hinein und vergessen dabei die Zeit. Für eine Rückfahrt zur Lodge bei Tageslicht ist es zu spät! Wir schlagen das Zelt auf…

Mittwoch, 2.2
Welch eine Nacht! Im Zelt ist es unmöglich einzuschlafen, die Mücken sind so wild. Wir müssen ins Auto umsteigen. Aber auch ohne Mücken können wir nicht einschlafen. Beim geringsten Geräusch erschrecken wir. Der Park ist ja auch bekannt für seine vielen Löwen! Die ganze Nacht herrscht um uns ein Gebrüll und Gehäul. Angst haben wir eigentlich nicht, aber in solchen Momenten fragt man sich schon was man hier eigentlich tut. Gegen Abend sind wir wieder in Mombasa zurück.

Donnerstag, 3.2.

Aufgepasst! Heute ist wieder der 3.! Es passiert diesmal nichts besonderes, ausser, dass unser Schiff angekommen ist, sie aber zuerst einen VW-Bus ausladen. Morgen soll dann unser Auto ausgeladen werden.

Freitag, 4.2.
Um 14.30 Uhr ist unser Auto endlich an Land. Auf dem Campingplatz machen sich Alois und Fritz sofort an die Arbeit und beginnen mit der Überholung der Autos.

Samstag, 5.2.
Beim Einkaufen in Mombasa steckt uns der Reiseleiter der Airtour Suisse seine Visitenkarte unter den Scheibenwischer: wir seien im Bamburi Beach Hotel recht herzlich zum Nachtessen eingeladen! Das ist aber nun mal eine angenehme Überraschung. Dass er nicht gerade mit sechs Personen gerechnet hat, gibt er während des Essens lachend zu!

 
Der "grosse Service" in Mombasa

Sonntag, 6.2.
Fahrt nach Nairobi

Montag, 7.2.
Auf dem Campingplatz sind inzwischen auch zwei Schweizer angekommen. Wir tauschen gegenseitig Informationen aus. So wissen wir bereits tausende Kilometer zum voraus wie der Zustand der Strasse ist, wo man übernachten soll, wo man Geld wechseln kann und wo es sehr gefährlich ist. Bevor wir zur Rückreise starten, muss aber noch einiges erledigt werden: wir müssen zusätzliche Benzin- und Wassertanks einkaufen, eine ganze Anzahl von Visa einholen, die Cholera-Impfung erneuern und das aus der Schweiz überwiesene Geld auf der Bank abholen.

Dienstag, 8.2.

Die Pässe haben wir der französischen Botschaft für die Visa von Zentralafrika, Tschad, Kamerun und Niger abgegeben. Alois hat von der Luzerner Kantonalbank einen Check erhalten, kann diesen aber nirgends einlösen. Ich erhalte von meiner Bank die Bestätigung, dass das Geld auf die Kenya Commercial Bank überwiesen worden ist. Als ich dort vorspreche, weiss man von nichts!

Mittwoch, 9.2.
Die Pässe haben wir von der französischen Botschaft bereits zurückerhalten und sind bereits auf der Botschaft von Zaire. Beni kann sein Geld bei der National & Grindlays Bank nicht abholen. Von dort schickt man uns auf die Bank of Baroda, schliesslich sind wir wieder auf der Kenya Commercial Bank. Der Abteilungschef, ein Weisser, bekommt beinahe einen Nervenzusammenbruch als er uns wieder daher kommen sieht! Meine Überweisung ist noch immer nicht da. Die Fussballmannschaft von Grasshoppers ist auch in Nairobi und hat in einem Freundschaftsspiel unentschieden 0 -0 gespielt.

Donnerstag, 10.2.

Beni kann sein Geld beziehen, doch es kommt erneut zu Schwierigkeiten. Die Bank will ihm die Summe in Kenya-Shillings auszahlen! Doch was nützen uns Kenya-Shillings, wir benötigen unbedingt cash Dollars. Die Visa für Zaire sind auch noch nicht ausgestellt. Man verspricht sie uns für morgen.

Freitag, 11.2.
Nach langem hin und her hat Beni sein Geld nun doch in cash Dollars erhalten. Die Visa für Zaire sind noch immer nicht ausgestellt. Wir sind nicht die einzigen, einige warten schon seit drei Tagen darauf. Wir bleiben diesmal hartnäckig und lassen uns nicht mehr abwimmeln, mit Erfolg. Die Zeit reicht gerade noch um die Pässe auf der nigerianischen Botschaft abzugeben.

Samstag, 12.2.
Meine Bank bestätigt mir, dass das Geld auf die Kenya Commercial Bank überwiesen worden sei, aber auf die Kenyatta Avenue Branch! Ja, solche Details sollte man natürlich schon wissen. Nun, heute Samstag sind die Banken geschlossen, wir werden dies am Montag erledigen.

Sonntag, 13.2.
Keine Eintragung

Montag, 14.2.

Das ist nun aber der Gipfel! Ich bin auf der Kenyatta Avenue Filiale, aber auch hier will man nichts von einer Geldüberweisung wissen! Nachdem wir etwas laut werden, erscheint ein zweiter Bankangestellter und blättert in Ordner und Büchern nach: „Sorry, we got nothing!“. Meine Nerven! Bald sind wir wieder so weit wie in Indien! Es kommt ein Dritter: „Oh yes, Mr. Willy!“, zieht ein schwarzes Buch aus der Schublade heraus! So einfach geht das! Zum verrückt werden! Natürlich will man mir nun auch wieder Shillings „anhängen“. Ich muss mich mit Händen und Füssen wehren, schliesslich einigen wir uns mit Traveller Checks in Dollars und English Pound. Nun müssen wir noch zur Cholera-Impfung. Da wir alle im Spital in Turnhosen und Turnschuhen daherkommen, fragt man und ob wir GC-Spieler seien! Wir nicken und verteilen den Arztgehilfinnen Autogramme…

Dienstag, 15.2.

Endlich können wir starten. Bei der Ausreise gibt es eine Überraschung. Wir haben nicht bemerkt, dass unsere Aufenthaltsbewilligung für Kenya abgelaufen ist. Dies ist dem Zöllner natürlich nicht entgangen. Wir entschuldigen uns vielmals. Dieser ist sehr nett und lässt uns ohne Schwierigkeiten ausreisen.

Mittwoch, 16.2.

Die Strasse wird zusehends schlechter. Es gibt vor allem viele Schlaglöcher. Gegen Mittag sind wir in Kampala. Wir campieren auf dem berühmt berüchtigten Campingplatz mitten in der Stadt. Hier soll niemand „ungeschoren“ davon kommen. Der Campingplatz ist bewacht, der Wächter mit einem Pfeilbogen ausgerüstet!

Donnerstag, 17.2.
Es wurde uns nichts geklaut. Um 07.30 fahren wir weiter. Bis 40 Km vor Masindi ist die Strasse recht gut. Die vielen Polizeikontrollen fallen auf. Dies vermutlich, weil Idi Amin Dada sich gegenwärtig auf einem Deutschlandaufenthalt befindet. Man erinnere sich: vor etwas mehr als einem Jahr wurde der damalige Präsident Obote während eines Auslandaufenthaltes von Idi Amin abgesetzt. Man befürchtet anscheinend das gleiche könnte wieder passieren. Nach der Ankunft im Murchison Nationalpark unternehmen wir eine kleine Rundfahrt im Park. Fritz wird von einem Reiseführer fürchterlich „zusammengeschissen“, weil dieser aus dem Auto gestiegen ist. Na ja, er konnte ja nicht wissen, dass nur 50 Meter weiter weg sich eine Gruppe von Löwen befand!

Freitag, 18.2.

Die Attraktion der Murchison Falls ist die Bootsfahrt auf dem Nil hinauf zu den Wasserfällen. Es gibt vor allem viele Nilpferde zu sehen, auch Krokodile. Bereits am Nachmittag reisen wir weiter. Von nun an gibt es nur noch Naturstrassen. Vor Pakwach müssen wir einer Elefantenherde den Vortritt lassen die gemütlich die Strasse überquert. Kurz vor der Grenze bricht ein Arm an unserem Fahrzeug. Alois muss sich nach Arua begeben um zu Schweissen. In der Zwischenzeit diskutieren wir mit den Einheimischen die sehr neugierig sind. Sie lassen sich auch gerne fotografieren und ziehen dafür ihre schönsten Kleider an.


Murchison Falls Nationalpark


Begegnung mit Löwen (mitte rechts)


Die Elefanten haben hier Vortritt!


 

Samstag, 19.2.
Die Reparatur dauert bis Mittag. Auf dem Grenzposten von Zaire in Aru müssen wir uns gedulden bis der Zöllner vom Mittagessen zurück ist. Man muss mit Zöllnern immer sehr freundlich sein, denn man ist ihrer Willkür völlig ausgesetzt. Wichtigtuerei oder Überheblichkeit ist hier total fehl am Platz, man zieht 100% den „kürzeren“. Sprachprobleme haben wir für die nächste Zeit keine mehr. Es wird wieder französisch gesprochen und es gilt Rechtsverkehr. Wir dürfen bei der Mission in Aru übernachten. Bei unserer Ankunft ist eine grosse Kundgebung mit Umzug im Gange. Die Buben und Mädchen singen und skandieren im Takt „Zaire – Mobutu, Zaire – Mobutu“. Nach dem Umzug versammelt sich eine ganze Schar von Kindern um unsere Fahrzeuge. Die Buben entdecken den „Bölle“ und wollen unbedingt mit uns Fussballspielen. Wir machen ihnen den Gefallen. Es herrscht ein riesiger Jubel.

Sonntag, 20.2.
Da wir in der katholischen Mission übernachten durften, ist es aus Höflichkeit angebracht auch die Messe zu besuchen. Alois, Beni und Wolfi werden dazu delegiert. Einige Schulmädchen leisten uns währenddessen Gesellschaft. Sie sind sehr interessiert vorher wir kommen, wohin wir gehen. Sie bedanken sich höflich, dass sie mit uns sprechen konnten. Die Strasse ist nun wirklich schlecht. Wir überqueren insgesamt 21 prekäre Holzbrücken. Dass es hier in der Regenzeit zu Problemen kommen kann, glaube ich sofort. In Aba, im äussersten Norden an der Grenze zum Sudan können wir im Hinterhof der Mission campieren. Bisher gab es bis ins „hinterste“ Kaff von Zaire immer Coca-Cola zu kaufen. Seitdem wir die Grenze überschritten haben, gibt es nur noch Bier, warmes Bier! Am Abend treffen Engländer mit einem Landrover ein. Sie seien in einem Dorf mit Steinen und Speeren angegriffen worden! Die Rückscheibe des Landrovers ist zertrümmert. Einer der Engländer ist am Ellenbogen verletzt. Das wird ja lustig werden…

Montag, 21.2
Proviant und Benzin hätten wir im Prinzip genug um bis nach Zentralafrika durchzukommen. Um unterwegs Früchte einkaufen zu können, benötigen wir dringend Geld. Wir haben an der Grenze absichtlich nichts gewechselt, weil wir wussten, dass man hier bei Griechen einen wesentlich besseren Kurs erhält. Die Strasse gleicht nun teilweise einem Bachbett. Drei unserer Reifen sind bis zu den Drähten abgefahren, was zu etlichen „Platten“ führt. In Dungu treffen wir erneut Griechen. Sie sind sehr erfreut von unserer Begegnung und laden uns zu einem kühlen Bier ein! Welch ein Luxus! Bei der Mission lässt man uns nicht campieren, es könne ansonsten mit dem einzigen Hotelbesitzer des Dorfes „böses“ Blut geben. Wir fahren weiter und übernachten am Strassenrand im Busch.

Dienstag, 22.2.
Vor der Weiterfahrt wechselt Alois noch schnell einige Kreuzgelenke aus. Kurz darauf bricht ein Propeller des Luftkühlers und an Wagen Nr. 3 ist der Tank leck. Im Bambilli wird alles repariert. Mit dem Tank hat Alois allerdings seine Mühe. Das Loch wird bei der Reparatur immer grösser!

   
Begegnung mit einigen Schönheiten des Landes

Mittwoch, 23.2.
Alois ist noch immer daran den Tank zu flicken. Er versucht gleichzeitig die verschiedenen Risse am Chassis unseres Wagens zu schweissen. Während dieser Zeit führt uns der Citoyen Mboli Woli Baponga, André genannt, zusammen mit dem Curé von Ndingila durch die Kaffeeplantagen. André stellt uns den Direktor und Sekretär der über 1700 Schüler umfassenden Schule vor. Im Norden von Zaire muss es in den 60er Jahren, zur Zeit der Belgier, ganz toll gewesen sein. Hotels, Tennisplätze, Swimming-pools, Kegelbahnen die inzwischen total verkommen sind, zeugen davon. Am Strassenrad kann man vereinzelt noch Verkehrstafeln mit der Aufschrift „Touring Club Congo belge“ antreffen. Es gibt auch Tankstellen, diese sind jedoch heute unbrauchbar. Wir fahren noch etwas weiter bis nach Titule. In der Mission können wir sogar duschen! Ein Hamburger trifft ein und spendet zum Nachtessen Bundeswehr Rindfleisch. Wir besorgen das Bier.

Donnerstag, 24.2.
Keine Eintragung

Freitag, 25.2.
Szenenwechsel. Wir fahren durch dichten Bambuswald. Die Michelin-Karte spielt uns einen Streich. Gemäss Karte ist die Fähre nach dem Dorf Bondo eingezeichnet, die Flussüberquerung ist aber vorher. Die Fähre ist ein Geschenk der amerikanischen Entwicklungshilfe. Die Batterien sind jedoch längstens kaputt. Um die Fähre in Gang zu setzten, müssen wir unsere eigenen Batterien ausbauen und zur Verfügung stellen! Dazu kostet es pro Auto noch zwei Zaire. Wir haben keine Wahl, wir müssen ja hinüber. Bei der katholischen Mission will man uns nicht. Wir campieren deshalb bei einer norwegischen Mission und treffen dort noch gleich einen Schweizer der in der Schule als Lehrer tätig ist. Er erklärt uns, dass die Lehrer früher vom Staat sehr gut bezahlt wurden. 75% des Lohnes in US $ wurde direkt auf das Bankkonto überwiesen. Nach der Kupferkrise lies der Geldsegen nach. Die Schüler müssen heute ihre Schulbücher selber berappen, er selber habe seit fünf Monaten keinen Lohn mehr erhalten! Er klagt auch über die Dummheit der Schüler: von 350 Kandidaten für die Sekundarschule sollen lediglich 12 im Französisch und Rechnen die Aufnahmeprüfung bestanden haben. Um eine Klasse zu bilden müsse demnach ein Dutzend Schüler nachgezogen werden die nur mit viel Mühe den „Stoff“ kapieren. Dadurch könne in einem Schuljahr nur gerade die Hälfte des Lehrstoffes unterrichtet werden. Problematisch seien auch die europäischen Schulbücher. Man müsse damit den Schülern zuerst noch die europäischen Beispiele erklären.

Samstag, 26.2.
Da wir heute die Grenze nach Zentralafrika überqueren möchten, fahren wir früh weg. Die von vielen Touristen angekündigte Militärkontrolle, bei welcher es eine grosse „Zerlegung“ gäbe und dabei allfällig vorhandenes Armeematerial beschlagnahmt werde, ist bei unserer Ankunft in Bondo nicht mehr im Einsatz. Schade um die Army-Jacke von Fritz. Nur schwer hatte er sich von dieser getrennt. Gegen Mittag sind wir in Monga. Wir müssen den Uele-Fluss mit der Fähre überqueren: Kostenpunkt 1 Zaire pro Wagen. Alois gerät in Panik, weil nicht alle drei Fahrzeuge gleichzeitig den Fluss auf der Fähre überqueren können. Erst als die Fähre das 3. dritte? Auto über den Fluss bringt, beruhigt er sich. In Ndu ist die Passkontrolle. Der Beamte soll sich in Buta befinden um seinem Zahltag abzuholen. Den Ausreisestempel erhalten wir trotzdem. Mehr Schwierigkeiten gibt es etwas weiter beim Zoll. Man weigert sich schlichtweg die Carnets de Passage abzustempeln weil es Samstag ist und samstags am Zoll nicht gearbeitet wird! Wir sollen am Montagmorgen wieder kommen oder pro Überstunde 2 ½ Zaire bezahlen! Fritz würde gerne das Doppelte bezahlen nur um hier wegzukommen. Wir bleiben aber hart. Als wir den Zöllnern beweisen, dass wir auch an einem Samstag nach Zaire eingereist sind, einigen wir uns auf drei Zaire für alle Wagen. Nun müssen wir nur noch mit der Fähre über den Fluss und schon sind wir in der Republik Zentralafrika. Bei der Fähre befindet sich kein Mensch. Die Helfer werden mit der Buschtrommel zusammengerufen. Langsam trödeln die Leute ein. Der Wichtigste, der Mécanicien, fehlt aber. Nur er hat den Schlüssel und kann den Fährenmotor in Gang bringen. Wir warten. Nach einer Stunde kommt die Meldung, dass er besoffen sei! Was bleibt uns übrig bis Morgen zu warten. Die ganze "Juflerei" hat uns nun nicht viel genützt. An einem Sonntag in Zentralafrika einreisen zu wollen, da wird sicher nicht ohne Probleme vor sich gehen…


Überquerung des Uele-Flusses

Sonntag, 27.2.
Der Mécanicen ist wieder nüchtern. Es ist schon um sieben Uhr da. Nun wollen alle noch ein Trinkgeld. Dem Mécanicien „hängen“ wir ein paar Stiefel an, die anderen können uns… Wir sind in Zentralafrika! Der Zöllner in Banggassou ist noch nicht auf. Als er unsere Autos vor seinem Haus stehen sieht, teilt er uns mit, dass am Sonntag nicht gearbeitet werde! Ja, ja, keine Aufregung, das kennen wir schon. Wir lassen uns in seinem Garten nieder und jassen im Schatten der Bäume. Nach einer Weile fragen wir nochmals nach, ob er es sich eventuell anders überlegt habe. Er ist einverstanden, aber gegen Geld. Das sind wir aber diesmal nicht. Er ist sichtlich erbost und jagt uns fort. Er beschimpft uns wir seien Spione! Wir jassen ruhig weiter. Kurze Zeit danach fährt er mit seinem Moped weg. Nach einer Viertelstunde ist er wieder zurück, mit den Zollstempeln. Na also! Auf der Polizei erwartet man uns auch schon. Alles klappt reibungslos. Zur Feier des Tages gönnen wir uns in einer Beiz Entrecôtes. Wir fahren noch weiter bis zu den „Chutes“, den Wasserfällen.


Fluss Zaire: am anderen Ufer liegt Zentralafrika


Bei den "Chutes"

Montag, 28.2.
In Alindao machen wir Bekanntschaft mit Herrn Ramseier. Er lädt uns nach Hause zum essen ein. Er ist hier bereits einige Jahre für die Pfingstmission tätig. Er freut sich offensichtlich wieder einmal mit Landsleuten sprechen zu können. Beppu und ich würden gerne in Bamburi übernachten, es soll hier abends ziemlich viel los sein, die Mehrheit ist jedoch für die Weiterfahrt.

Dienstag, 29.2.
Etwa hundert Kilometer nach Bambari kreuzen wir einen Basler mit einem VW-Bus und gleich danach noch einen Luzerner. Wir halten an. Alle erfreuen sich an diesem Schweizer-Treff. Es soll auch noch ein Berner 2 CV unterwegs sein. Tatsächlich trudelt dieser nach einigen Minuten ein. „Läck Du mir“ ist der Kommentar des Berners. Ab Damara kann endlich wieder einmal ein kurzes Stück auf Asphalt gefahren werden. Ach, ist das angenehm. Wir sind in Bangui, der Hauptstadt. Wir campieren am Ufer des Zaire-Flusses neben einem Hotel. Auch hier soll geklaut werden was nicht Niet- und Nagelfest ist. Es soll des öfteren vorkommen, dass ganze Banden mit Pirogen über den Fluss nach Bangui kommen. Die Strafe fürs Klauen ist unter Bokassa streng: den Dieben werden Ohren und Hände abgehackt! Ob es etwas nützt?


Schweizer Treff in Zentralafrika

Mittwoch, 1.3.
Über Bossembélé und Bossangoa fahren wir Richtung Tschad-Grenze. Das „Wellblech“ nimmt wieder zu, zeitweise führt die Strasse durch Sand. Innert kürzester Zeit haben wir gleich fünf! Platte zu beklagen, davon drei am gleichen Fahrzeug!

Donnerstag, 2.3.
Gegen Mittag sind wir an der Grenze. Auf der Tschadseite bringt uns die Polizei die Pässe direkt in die Bar. Ausser warmes Bier gibt es nichts zu trinken.

Freitag, 3.3.
Welch eine Mückenplage! Das war bisher die schrecklichste Nacht. Einmal mehr fahren wir auf einem Streckenteil mit Sand. Durch die Löcher und Risse in unserem Fahrgestell wirbelt es den Sand ins Innere unseres Autos. Zeitweise sehen wir kaum noch etwas! Beppu hat sogar die Gletscherbrille angezogen! Und da beklagt sich unser Beni noch, er der im Besten, Schönsten und Saubersten Auto sitzt! In Bongor kostet uns das Essen gleich einen Hunderter! Das Menü: Rebhühner nach französischer Art. Nach diesem Festessen ist die Moral wieder hoch.

Samstag, 4.3.
Um 10 Uhr sind wir in Fort-Lamy. Wir holen schnell unsere Post ab und fahren weiter. Am Grenzposten ist ein Deutscher der scheinbar in Nigeria Schwierigkeiten hatte. Er hat für sein Fahrzeug kein Carnet de Passage. So was führt natürlich bei einem Grenzübertritt zu endlosen Palavern, gar zu einem Einreiseverbot, so wie es uns in Indien ergangen ist. Die Fähre hinüber nach Kamerun ist auch nicht Gratis. Die wollen pro Wagen 1'000 CFA! Eine Frechheit. Dazu sollen wir noch eine Taxe bezahlen! Die „können“ uns, wir haben schliesslich in Nairobi genug für das Visum bezahlt. Auch In Fort-Fourreau, dem kamerunischen Grenzposten, sind die Zöllner sehr freundlich. Erstmals verfahren wir uns. Wir fahren total in eine falsche Richtung! Wir merken es erst dreissig Kilometer später anhand der Sonnenposition. Die Fahrt durch den nördlichsten Zipfel Kameruns ist von kurzer Dauer. An der nigerianischen Grenze gibt es erneut Schwierigkeiten. Ohne Vorweisung von genügend Geld will man uns nicht einreisen lassen! Wieder so eine Bestimmung eines Schreibtischidioten. Ich zeige dem Zöllner unser altes Bankbüchlein mit den schon längst abgehobenen 9'000 Franken, rechne es um und halte ihm die Summe unter die Nase: „do you think it’s enough?“ Sehr höflich fertigt er die Formalitäten ab. Vier Grenzübertritte an einem Tag und dies erst noch an einem Samstag!


Dörfer im Tschad


Waza-Nationalpark

Sonntag, 5.3.
Keinen Eintrag

Montag, 6.3.
Am frühen Nachmittag sind wir in Kano. Von Kano sind wir schon auf dem Campingplatz in Nairobi gewarnt worden. Auf dem Parkplatz hinter dem Kano-Club richten wir unser Camp ein. Wir sind auf der Lauer und lassen die Autos nie aus den Augen und schieben tagsüber sogar Wache.

Dienstag, 7.3.
Alois und Fritz müssen dringend das Chassis an unserem Wagen schweissen. In Anbetracht der noch zurückzulegenden Strecke sieht es nicht gut aus. Im Kano-Club geht’s lustig zu. Jeden Abend gibt es im Freien Filmvorführungen. Wir dürfen auch den Swimming-pool benützen. Tagsüber verhandeln wir mit den Money-changern und den Souvenirs-Verkäufer.

Mittwoch, 8.3.
Letzte Nacht wurde unserem Nachbar, einem Amerikaner, das Carnet und 400 US $ cash aus dem Auto geklaut! Für die Diebe war es ein leichtes Spiel die Kleider mitsamt Wertsachen mit einer langen Stange mit Hacken aus dem offenen Rückfenster herauszufischen. Gestern kam auch einer vorbei und wollte sich als Nachtwächter anerbieten! Ja, vermutlich um zu klauen. Ich bin mir sicher, dass wir seit unserer Ankunft beobachtet werden und die genau wissen wo wir unsere Sachen versorgen.

Donnerstag, 9.3.
Ich hätte eigentlich hier den Zahnarzt aufsuchen müssen, da ich aber schon zu Hause Angst habe, was denn hier… Neben dem Parkplatz werden die Abfälle des Hotels deponiert. Nebst Geiern wühlen auch Schwarze darin um etwas essbares zu finden.


Plauschstunden im Campingplatz von Kano

Freitag, 10.3.
Wir haben Kano verlassen. Keine besondere Bemerkungen, ausser dass die Strasse zwischen Kano und Kastina neu gebaut wird. Der Grenzübertritt nach Niger klappt nach unseren Begriffen problemlos.

Samstag, 11.3.
Heute hat meine Schwester Geburtstag. Happy birthday! Das Fahren auf dem „Wellblech“ ist fürchterlich. Alois kann es sich gar nicht vorstellen wie es in unserem zugeht! Die Pfannen spickt es durch die Schläge an die Decke, das ganze Auto scheint demnächst auseinanderzubrechen! Wir laden Alois ein, eine Testfahrt mit unserem Auto zu machen. Er fährt dabei so verrückt, dass es passieren musste… Der Arm hinten links hat es durch die Schläge glatt geknickt! Wir sind mitten in der Sahel-Zone, weit und breit kein Schatten um uns von der brütenden Hitze zu schützen. Niamey, die Hauptstadt, ist 320 km von hier entfernt! Nun sitzen wir aber schön in der Patsche! Nach Niamey wollten wir eigentlich alle, müssen aber umdisponieren. Alois, als Hauptperson, ist klar. Wolfli muss auch hin, weil er mit Deutschen Pass, als einziger ein Visum für Algerien braucht. Da ich die Zahnschmerzen beinahe nicht mehr aushalte, gehe ich auch mit. Unsere Abwesenheit kann einige Tage dauern. Morgen ist Sonntag, Wolfi kann sein Visum frühestens am Montag beantragen. Damit die Kollegen das Wasser in der rund 50 Km entfernten Wasserstelle holen können, fahren wir mit einem Auto nach Niamey.


Panne mitten in der Sahel-Zone!

Sonntag, 12.3.
Ausserhalb von Niamey halten wir kurz am Flughafen an. Ehrlich gesagt, am liebsten würde ich jetzt von hier nach Hause fliegen. Wenn ich daran denke, dass wir in einigen wenigen Stunden gemütlich zurück sein könnten… ohne diese verdammte Sahara-Durchquerung machen zu müssen, mit Autos die wir am Schluss noch mitten in der Wüste stehen lassen müssen! Da alles zu ist, besuchen wir den Zoo. Am Abend sind wir bei Herrn Seidel, Garagechef von Mercedes-Benz, eingeladen. Er kennt Alois, da dieser schon einige Male Ferienvertretung für Herrn Seidel gemacht hat. Wir übernachten auf der Terrasse seines Hauses.

Montag, 13.3.
Alois widmet sich den mechanischen Problemen. Er hat die ganze Werkstatt von Mercedes zur Verfügung! Wolfi ist auf der Botschaft. Der Tipp, dass seit kurzem eine algerische Botschaft in Niamey eröffnet wurde, stimmt zum Glück. Ich weiss nicht wo wir ansonsten diese „blöde“ Visum hätten einholen müssen. Man verspricht es uns für Morgen 10.00 Uhr. Es ist unglaublich heiss. Unser Thermometer zeigt 45 º Celsius. Am Nachmittag fahren wir mit Alois auf den Ersatzteilfriedhof um die notwendigen Teile herauszusuchen.

Dienstag, 14.3.
Das Visum ist wie zu erwarten war natürlich noch nicht ausgestellt. Man vertröstet uns auf den späteren Nachmittag. Diesmal klappt’s. Auch Alois ist mit seiner „Schweisserei“ zu Ende. Mit neuen Reifen, einer Kiste Bier und sonstigem Proviant fahren wir zurück.


Reparatur in Niamey

Mittwoch, 15.3.
Um 02.30 Uhr sind wir zurück. Zum Glück hatten wir uns bei der Abfahrt den Randstein mit der Kilometerangabe gemerkt. Ohne dies hätten wir mit Sicherheit die grösste Mühe gehabt den Standpunkt unserer Kollegen zu finden. Gegen Mittag ist alles wieder montiert und das Bier getrunken. Wir sind bereit für die erste Wüstenetappe. In Birni N’Konni schalten wir noch einen kurzen Verpflegungshalt ein, dann geht es richtig los. Nicht weit! Nach dreissig Kilometer erleidet unser Auto einen Chassisbruch. Wir rechnen bereits damit dieses Auto aufgeben zu müssen und den Rest der Rückreise mit zwei Autos beenden zu müssen. Alois will es nochmals versuchen, so fahren wir zum Schweissen wieder nach Birni zurück.

Donnerstag, 16.3.
Fritz und Alois haben unsere vordere Radaufhängung komplett abmontiert und schweissen was sie nur können!

Freitag, 17.3.
Neuer Start. Diesmal scheint’s zu klappen, die Frage ist nur wie lange? Die Piste ist gut befahrbar.


Fahrt Richtung Birni N'Konni

Samstag, 18.3.
Wir sind gestern in Agadez angekommen. Wir sind erstaunt hier, mitten in der Wüste, so viele Ferientouristen anzutreffen. Mit unserer heutigen Etappe von 1’000 Kilometer! beginnt das Abenteuer erst richtig. Fritz fährt in einer total falschen Richtung davon. Erst nach kilometerlanger Verfolgung mit Hupen und Lichtzeichen merkt er, dass etwas nicht stimmt und hält an. Wir sind wieder auf dem richtigen Weg. Dis Piste ist gut, der Sand fest. Die Piste ist mit Balisen gut markiert. Trotzdem kann man sich leicht verlieren. Um weichem Sand auszuweichen, folgen wir einer Spur abseits der Route. Als wir nach einigen Kilometern die Markierungen nicht mehr sehen, kehren wir sicherheitshalber auf unseren Spuren zum Ausgangspunkt zurück. Auf der Route du Hoggar herrscht ziemlicher Verkehr. Acht Autos sind wir begegnet. Bei einem Wasserloch haben wir das Glück einer Gruppe von Targui, den Männern mit den blauen Schleiern, zu begegnen. Fata Morgana, die berühmten Luftspiegelungen, erleben wir den ganzen Tag. Man sieht keine Bierflaschen oder Palmen nein, vor Sanddünen glaubt man aber tatsächlich einen See zu erkennen, was bei dieser Hitze und Durst leicht zu solchen Wahnsvorstellung führen kann. Eine lustige Luftspiegelung ist ein breiter schwarzer Streifen am Horizont der sich als entgegenkommendes Fahrzeug entpuppt.

 
Campingplatz in Agadez


An der algerischen Grenze: Begegnung mit Targui

Sonntag, 19.3.
War das eine wunderbare Nacht. Das Spektakel der unzähligen Sternschuppen war schlicht grossartig. So etwas habe ich noch nie erlebt. Um 11 Uhr erreichen wir den Grenzposten von Algerien. Je näher wir uns dem Hoggar nähern, umso steiniger wird die Piste. Wir erreichen die Hammada, die Steinwüste. Obwohl es saumässig heiss ist, schwitzt man in der Sahara nie. Die Luft ist so trocken, dass es die Schweissperlen aufsaugt bevor sie sich bilden. Ekelhaft dagegen ist, dass man sich ständig die Finger an den „glühenden“ Caroserieteilen der Autos verbrennt. Wir lernen auf dieser Fahrt wie wichtig Wasser ist. Es gibt ein Sprichwort das besagt „Nimm lieber mehr Wasser als Benzin in die Wüste mit“. In einem kleinen Experiment will ich herausfinden mit wie viel Wasser ich während unserer Fahrt am Tag auskomme. Ein Liter genügt. Die Technik besteht jedoch darin, jeweils nur ganz kleine Schlucke zu sich zu nehmen. Anders ist die Flasche in Nu leer, der Durst aber nicht gelöscht. Um so wenig zu trinken braucht es einen eisernen Willen. Wie viel wir jedoch abends getrunken haben entgeht mir, es waren aber „Chübelweise“.


Unterwegs nach Tammanrasset

Montag, 20.3.
In Tamanrasset treffen wir erneut viele „Wüstenfahrer“. Es ist interessant und lustig sich die verschiedenen „Abenteuer“ anzuhören. Ein Schweizer soll für die Strecke Agadez – Tamanrasset rund 24 Stunden geschaufelt haben! Viele Leute machen den grossen Fehler sich mit überladenen Fahrzeugen in die Wüste zu begeben. Das man mit einem schweren Fahrzeug eher stecken bleibt, ist klar. Ein Deutscher ist mit einem Occasion Mercedes 250 von Algier nach Ghana unterwegs. Er macht dies hauptberuflich! In Ghana angekommen fliegt er mit dem Flugzeug nach Algerien zurück und fährt mit dem nächsten Mercedes wieder nach Ghana.

Dienstag, 21.3.
Rundfahrt im Hoggar. Wir übernachten unter dem Assekrem. Der Sonnenuntergang ist ebenso sensationell wie derjenige von Bombay.


Im Hoggar

Mittwoch, 22.3.
Keine Eintragung

Donnerstag, 23.3.
Keine Eintragung

Freitag, 24.3.
Ankunft in In-Salah. Weiterfahrt nach El-Golea (400 Km).

Samstag, 25.3.
Geschafft! 60 Kilometer vor El-Golea beginnt die rettende Asfaltstrasse. Die Durchquerung des Tademait-Plateaus war die letzte grosse Schwierigkeit. Im Prinzip kann uns nun nichts mehr passieren, bis in die Schweiz werden es unsere Autos auf den nun guten Strassen wohl noch schaffen…


Tademait-Plateau, die letzte Schwierigkeit

Sonntag, 26.3.
Zwischenstopp in Ghardaia. Nach Laghouat sehen wir die ersten grünen Wiesen!

Montag, 27.3.

Wir sind in Alger

Dienstag, 28.3.
Wunderbare Fahrt der Küste entlang. Zum Baden ist es zu kalt.

Mittwoch, 29.3.
Keine Eintragung


"Putzete"

Donnerstag. 30.3.
In Oran wird Fritz die Kamera aus dem Auto geklaut. Kampala, Bangui, sogar Kano haben wir schadlos überlebt, dass uns so was hier noch passieren muss. Ärgerlich, dass damit der ganze Film von der Sahara-Durchquerung verloren ist. Grenzübertritt nach Marokko.

Freitag, 31.3.
Keine Eintragung

Samstag, 1.4.
Wir sind bereits in Europa obwohl wir den afrikanischen Boden noch nicht verlassen haben. Von Ceuta nehmen wir die Fähre nach Algeciras.

Sonntag, 2.4.

Malaga – Almeria

Montag, 3.4.
Alicante – Murcia

Dienstag, 4.4.
In Barcelona noch ein Drama! Wir verlieren uns in der Stadt.

Mittwoch, 5.4.
Wolfi und Fritz übernachten bei einer Tankstelle auf der Autobahn. Wir haben keine Ahnung wo sich die anderen befinden. Vermutlich haben sie die Küstenautobahn genommen. Irgendwo werden wir sie schon wieder finden, sonst dann halt in Biel… Wie vermutet warten sie auf uns an der französischen Grenze.

Donnerstag, 6.4.

Zur Einreise in die Schweiz wählen wir ganz bewusst einen kleinen Grenzübergang. Wir befürchten nämlich, dass man uns wegen dem doch nun lamentablen Zustand unserer Fahrzeuge bei der Einreise Schwierigkeiten machen könnte. In Péquignot bei Le Locle präsentieren wir uns an der Grenze. Der Grenzpolizist, selber vor einigen Wochen in der Sahara in den Ferien, ist von uns begeistert und lässt uns ohne Beanstandungen durch.

Freitag, 7.4.
In Chaux-de-Fonds, auf dem Parkplatz der „Charrière“ übernachten wir ein letztes Mal in unseren „Kisten“. Bevor wir in Biel einfahren müssen wir Alois noch das Dorf Corgémont zeigen. In Kano hatten wir den Souvenir-Verkäufer erzählt, dass die Masken „made in Corgémont“ wesentlich billiger seien.

Wir sind zurück in Biel. So endet ein einmaliges Abenteuer, dass unsere Freundschaft nur noch vertieft hat.


7. April 1972: zurück in Biel!


Finanzen
Kosten für Vorbereitungen:
Fahrzeuge und Zubehör Fr. 6'994.75
Visas Fr. 300.00
Gebühren/Versicherungen Fr. 1'114.50
Zelte/Kochausrüstung Fr. 1'071.10
Bergausrüstung Fr. 574.70
Medikamente Fr. 320.00
Diverses Fr. 537.90
Fotoapparat Fr. 600.00

Fr. 16'012.95
Kosten während der Reise:
Benzin Fr. 3'053.00
Reparaturen/Unterhalt Fr. 953.00
Camping/Hotel Fr. 988.00
Diverse Gebühren Fr. 835.00
Visas Fr. 711.00
Besichtigungen Fr. 665.00
Post Fr. 717.00
Diverses Fr. 666.00
Sonstiger Verbrauch Fr. 8'469.00
Tickets Schiff/Flug Fr. 9'693.00


Fr. 26’750.00 Fr. 42’762.95
Verkauf nach Rückkehr:
Fahrzeug/Werkzeug Fr. 1’080.00
Bergsteiger/Kochmaterial Fr. 140.00
Kaution TCS Fr. 4'500.00
Diebstahlversicherung Fr. 700.00
Rückvergütung Ticket Schiff Fr. 1'133.25
Fotoapparat Fr. 420.00


Fr. 7'973.25 Fr. 34'789.70


Kosten Pro Teilnehmer Fr. 5'798.30
Pro Tag Fr. 37.65


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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch