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Flughafen Genf Cointrin, 19. Juli 2005: nach dem unbeständigen Wetter der
letzten Wochen, bin ich für den heutigen Flug über die Alpen zuversichtlich
einen Prachtstag zu erwischen. Leider wird daraus wieder nichts! Was für ein
Scheißsommer das doch nur ist! Vorerst bin ich allerdings über andere Sachen
besorgt: mein Gepäck. Zum Glück hat mir Fridu vor einigen Wochen schon mal
eine Tasche mit meiner Trekkingsausrüstung, einer Fonduepackung und einem
Dutzend Tuben Dijon-Senf nach Thailand mitgenommen. Merci no mau, gäu! Aber
auch so dürfte mein Gepäck noch immer weit über 20 Kilos wiegen. Allein mein
Handgepäck ist etwa 15 Kilos! Als ich die drei Gepäckstücke auf die Waage
des Kuwait Airways Check-in Schalters lege, zeigt der Zeiger 34 Kilos an!
Aua, wenn das nur gut geht. Ich bin aufs Schlimmste gefasst. Für solche
Fälle habe ich jedoch eine Notlösung bereit. Sollte es Probleme geben, würde
ich meine schwere Fototasche aus dem Rucksack auspacken und als zusätzliches
Handgepäck mitnehmen. Zu meiner Verblüffung muss ich nichts auspacken! Als
Mitglied des Oasis Club (Meilenkarte der Kuwait Airways) darf ich einige
Kilos mehr einchecken. Dies ist meine Rettung! Alle 34 Kilos werden
diskussionslos akzeptiert.
Alte Destinationen
So stehe ich für neue Destinationen bereit. Für das Trekking zu den
Ganges-Quellen ist es jedoch noch viel zu früh. So geht die Reise vorerst zu
„alten“ Destinationen, nach Thailand und den Philippinen. Obwohl der Himmel
stark bewölkt ist, hoffe ich dennoch den Mont Blanc (4807 m) fotografieren
zu können. Mit dem gewünschten Fensterplatz auf der rechten Seite hat es
schon mal geklappt. Um 13.25 Uhr hebt der aus Chicago kommende Airbus A-340
ab. Bei den bisherigen Starts mit der Kuwait, sind wir jeweils nach einer
grossen Linksschleife über den Genfer See Richtung Mailand geflogen. Diesmal
scheint alles anders zu sein. Ich kann durch mein Fenster in alle Richtungen
spähen wie ich will, von einem See ist weit und breit nichts zu sehen! Wohin
fliegen wir denn eigentlich? Nach einer Viertelstunde meldet sich der
Flugkapitän. „Ladies and Gentlemen, on your left side you can see Mont Blanc“!
Jetzt ist mir alles klar. Wir umgehen die Alpen auf der Westseite. Die haben
mich nun aber schön „versekelt“! Alle Fensterplätze links mit Sicht auf die
Berge sind besetzt. Ich muss mich mit dem kleinen Guckloch durch die
Notfalltüre begnügen um einen Ausblick zu erhaschen. Von den Alpen ist nicht
viel zu sehen. Ein einziger grosser Berg überragt die Wolken. Das wird er
wohl sein, der Mont Blanc.
 Der Mont-Blanc (4807 m)
Auf meinem Sitzplatz zurück, kann ich kurz darauf
die Po-Ebene erkennen. Wenige Minuten später erreichen wir die Adria-Küste.
Wir überfliegen Italien Richtung Süden. Um 16.00 Uhr, nach 2 ½ Stunden,
haben wir bereits 1’822 Kilometer zurückgelegt. Bis Kuwait sind es noch
deren 2'376. Wir haben gerade die Insel Milos passiert. Santorini liegt
rechts vor uns. Wir überfliegen den Nordzipfel von Rhodos. Wahnsinnig wie
zügig man doch mit dem Flugzeug vorwärts kommt! Um 16.39 Uhr überfliegen wir
Zypern. Zwei Minuten später ist rechts die Stadt Larnaca zu erkennen. Es
gibt Z’Vieri: ein Brötli, dazu Camembert, Floralp Butter, ein Cailler Schoggistängeli und ein Mövenpick Eiskremchübeli! Überraschend was? Um 17.01
sind wir über der Küste von Libanon. Die Berge sind diesmal nicht mit Schnee
bedeckt. Wir sind über der Wüste von Saudi-Arabien. Wie heiss wird es wohl
dort unten sein? Hier oben soll – 43° Celsius herrschen. Die Nacht bricht
schnell herein. Binnen weniger Minuten ist es stock dunkel. Um 18.51 landen
wir in Kuwait. Vier Stunden Aufenthalt.

Über Saudi-Arabien
Für den Weiterflug nach Bangkok und
Djakarta hat sich eine Schar von jungen, zierlichen, alle mit dem Tschador
bekleideten Indonesierinnen vor dem Gate versammelt. Um 22.57 Uhr geht es
mit einer neuen Maschine, auch ein A-340, weiter. Langsam habe ich Hunger.
Es dauert unendlich lange bis es nach einer Stunde endlich etwas zu essen
gibt. Das Menü: Lamb Biryani oder Chicken vegetable mit Pilaf Reis. Langsam
wäre es auch an der Zeit etwas zu schlafen. Vom letztjährigen Schauspiel des
Sonnenaufgangs begeistert, öffne ich regelmässig die Fensterverdunkelungen
um diesen Moment auch diesmal nicht zu verpassen. Um 01.46 ist es soweit:
ein oranger Streifen am Horizont kündet den neuen Tag an. Es vergehen 21
Minuten bis die Sonne über der Wolkenbank aufgeht. Wir haben soeben Indien
erreicht. Zwei Welsche in der Reihe hinter mir glauben den Mount Everest zu
erkennen! Es sind aber nur Wolkengebilde die aussehen wie Berge. Tja, um den
Everest zu sehen müsste man dann schon etwas näher an der Himalaja-Kette
vorbeifliegen. Doch lassen wir Ihnen die Freude. Um 04.34 Uhr gibt es das
Frühstück. Zur Landung in Bangkok ist es nun nicht mehr weit. 05.50 Uhr
setzt die Maschine auf. Vor 26 Stunden bin ich in Biel aufgestanden. Langsam
wird es Zeit die Uhr umzustellen, hier ist nämlich schon 10.50 Uhr. Obwohl
ich nur wenig geschlafen habe, gibt es keine Zeit zur Erholung. Gleich nach
der Ankunft muss ich mich auf dem Office der Kuwait um den Weiterflug nach
Manila kümmern und sonst noch vieles erledigen…
   Bild links: 01.46 Uhr, ein neuer
Tag beginnt! - Bild rechts: 02.07 Uhr, Sonnenaufgang
Philippinen: wie soll das so weitergehen?
Der Aufenthalt in Thailand ist von kurzer Dauer. Sechs Tage später bin ich
bereits wieder unterwegs, in die Philippinen. Die Philippinen sind für mich als
regelmässiger Himalajabesucher gar nicht günstig gelegen. Thailand wäre von der
Lage her wesentlich idealer. Aber eben, man lebt halt immer dort wo man seine
Freundin hat! Heute beginnt in Manila gegen Präsidentin Arroyo und
Vize-Präsident Noli de Castro ein Amtsenthebungsvefahren wegen Wahlbetrugs!
Letzte Woche gab es deswegen grosse Demonstrationen. Auch heute soll die
Opposition in der Stadt wieder Kundgebungen angekündigt haben. Ich bin daher
schon mal darauf gefasst im Verkehr stecken zu bleiben. Seit meiner Abreise vor
vier Monaten ist im Lande der 7000 Inseln wieder allerlei passiert. Diese
Preiserhöhung auf dem Weltmarkt für das Barrel Öl verursacht der Regierung
grosse Probleme. Jede Erhöhung um einen US $ kostet dem Lande, das praktisch sämtliches
Erdöl importiert, jedes Mal 126 Millionen US $ Mehrausgaben! Diese Entwicklung
zieht andere Erhöhungen mit. Das Gas stieg seit September 2003 um 46%, die Jeepney-Preise seit September 2004 um 36%, die Flugpreise um 25%, der Strom um
49%, das Wasser um 34%, auch der Reis und Nudelsuppen (die Nahrung des armen
Mannes) zwischen 10-20%. Wie soll das nur weitergehen? Politisch sieht es
ebenfalls prekär aus. Frau Arroyo wird nun sogar vorgeworfen einen Wahlaufseher
mit Geld bestochen zu haben. Dieser ist seither spurlos verschwunden. Auch die
Familie der Präsidentin steht im Mittelpunkt von Skandalen: Ehemann Arroyo der
sich angeblich seine Taschen mit Jueteng-Schutzgelder (Jueteng = verbotene
Zahlenlotterie) gefüllt haben soll, lebt mit einem seiner Söhne und einem
Schwager im Exil in den USA. Tja, mit den Philippinen geht es bergab und es ist
keine Besserung in Sicht. Noch vor einigen Jahren zählte der Inselstaat zu den
asiatischen Tigerstaaten. Inzwischen sind die Philippinen die grossen Verlierer
Asiens. Um die Bevölkerung zu ernähren muss heute sogar Reis aus Vietnam
importiert werden. Immer mehr werden daher Stimmen laut, dass die Philippinen
einen neuen „Marcos“ bräuchten um das Land vor dem Zerfall zu retten.
Der dreistündige Flug ist ereignislos. Wir fliegen die ganze Strecke über einer
Wolkendecke. In einem weiten Bogen überfliegen wir die grosse Laguna. Manila
liegt unter dunklen Wolken. Die Landung klappt tadellos. Mabuhay! Willkommen
zurück. Demonstrationen gibt es keine, es herrscht einzig das übliche
Verkehrschaos. Einmal ausserhalb der Stadt, geht es auf dem endlich fertig
erstellten Highway zügig voran.

     Mein neues "Zu Hause" im Jasmin (Nähe Friendship Gate)
Letzte Vorbereitungen
Die zwei Monate in den Philippinen sind im Nu vorüber. Ich bin wieder in Bangkok
zurück um Trekkingskollege, Reto, am Flughafen abzuholen. Eigentlich hätte
dieser auf dem neuen Flughafen „Suvarnabhumi“ landen sollen. Die Eröffnung
musste jedoch aufgrund von Verzögerungen in der Fertigstellung der Anlage auf
Mitte des nächsten Jahres verschoben werden. Wir benützen die verbleiben zwei
Tage bis zum Abflug nach New-Delhi um die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Etwas Trockenfleisch, Salami und Schokolade kann man auf einem Trekking immer
gut gebrauchen. Auch die Fotoausrüstung muss durchdacht sein, in den Bergen wird
es vermutlich keine Möglichkeit geben den Akku der Digitalkamera aufladen zu
können.
Für Reto ist es die erste Reise nach Indien. Vorsorglicherweise habe ich ihn
schon ein wenig auf die indischen Verhältnisse vorbereitet. Für viele Traveller
ist Indien ein Kulturschock. Was unser Trekking anbelangt, müssen wir uns schon
mal keine Sorgen machen. Unsere Reiseagentur hat alles organisiert, das einzige
was wir selber auf dieser Tour machen müssen, ist zu marschieren!
Unser Flug mit einem Airbus A 777-300 der Thai International startet um 20.20
Uhr. Ein letztes Mal geniessen wir den servierten Thai-Food, wer weiss wie wir
in den nächsten drei Wochen punkto Essen leiden werden müssen! Pünktlich landen
wir nach 3 Std und 28 Minuten auf dem Indira Ghandi International Airport. Am
Ausgang der Zollkontrolle werden die ankommenden Passagiere von einem Meer von
Leuten empfangen. Alle schwenken Tafeln mit Namen in die Höhe. Vor lauter Tafeln
weiss man gar nicht wo hinschauen. Auch für uns sollte eine dabei sein. Vier
Augen sehen bekanntlich besser, so konzentriere ich mich auf den Schilderwald
links, während Reto das gleiche rechts tut. Da! „Mr. W. Blaser“. Wir werden zum
Taxi geführt. Wie eine Horde wilder Hunde stürzen sich die Träger auf unser
Gepäck. Alles abwinken ist nutzlos. Backshisch (Trinkgeld) werden sie keines
erhalten, wir hätten ja auch nicht einmal eine Rupie in der Tasche. Die Fahrt in
die Innenstadt dauert eine Ewigkeit. Obwohl wir vor wenigen Minuten in einer
13-Millionenstadt gelandet sind, habe ich den Eindruck mich irgendwo mitten im
„Kakao“ auf dem Lande zu befinden. Um 01.00 Uhr sind wir endlich im Hotel
angekommen.
 Situationsplan unserer Reise
Stadtrundfahrt
Bereits um 10.00 Uhr werden wir zur Stadtrundfahrt abgeholt. Auf so geführte
Touren könnte ich gut und ganz verzichten. Im Prinzip interessiert mich hier nur
den Ort wo Mahatma Gandhi am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu
ermordet wurde sowie seine Einäscherungsstätte am Ufer des Yamuna-Flusses. Da
die Tour aber schon mal im Preis inbegriffen ist und für Reto alles neu ist,
starten wir. Schon beim ersten Halt bei der Jama Mashid Moschee gibt es für mich
das erste Ärgernis. Ich soll beim Eingang für meine Digitalkamera 150 Rupien
bezahlen! Ich bin auch nicht damit einverstanden, dass ausländische Touristen
einen überteuren Eintritt ins Red Fort zu bezahlen haben. Wir Touristen sind
keine „Milchkühe“. Ein Aufruf an die Touristen solche Praktiken zu boykottieren
ist wohl sinnlos, aus Prinzipgründen mache ich so was einfach nicht mit. Auch
für den Eintritt des Qutab Minar, einer 73 m hohen Siegessäule, welche die
islamische Herrschaft über die Stadt nach dem Sieg 1193 über die Hindus
symbolisiert, wird dem Touristen 5 US $ „abgezwackt“. Eine Frechheit. Wenn diese
es aber bezahlen, sind sie selber blöd. Unser Reiseführer wird daher wohl froh
gewesen sein als ich ihm vorschlage uns am Nachmittag beim McDonald am Connaught
Place abzusetzen. Ich kenne mich in Delhi ja ein kleinwenig aus und finde es
viel reizvoller die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Ich möchte Reto lieber
eine andere Sehenswürdigkeiten zeigen, keine Moschee, kein Tempel, sondern die
Konditorei Wenger’s mit ihren Apfelstrudel und Schwarzwäldertorten! Was so was
bedeutet kann man jedoch erst verstehen, wenn man längere Zeit in Indien
unterwegs war.
Sightseeing in New-Delhi
   Red Fort
     Gate of India: Denkmal an die 70'000 indischen Soldaten die im 1. Weltkrieg umgekommen sind
     Links: An dieser Stelle wurde Mahatma Gandhi am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu ermordet - Mitte: Lotus Tempel - Rechts: Qutab Minar Säule
   Connaugth Place
   Der "Blick" ist dabei!
    
     Eine der Sehenswürdigkeiten Delhis: Wenger's Pastry!
Anreise
Mit dem Shatabdi-Express (einfachheitshalber nennen wir ihn Chapati-Express)
nach Haridwar beginnt unsere Anreise zu den Ganges-Quellen. Wir müssen schon
früh aufstehen. Der Zug fährt um 06.55 Uhr. Im Gegensatz zur SBB, fahren die
Züge in Indien pünktlich ab. Wir haben die Plätze 29 und 30 im Abteil C 3. Beim
Eingang jedes Wagens sind Computerlisten mit den Passagiernamen auf den
jeweiligen Sitzen angeschlagen. Ich wundere mich weshalb man bei
Ticketreservationen immer das genaue Geburtsdatum angeben muss. Dies hat ein
einfacher Grund: damit wird nämlich verhindert, dass Reisebüros Sitzplätze
aufkaufen und diese bei grossem Andrang dann zum Mehrfachen des Preises
verkaufen. Die Fahrt geht über Meerut, Muzzafangar, Saharanpur Richtung Norden.
Nach vier Stunden erreichen wir Haridwar.
 New Delhi Railway Station
     New Delhi - Haridwar: der Shatabdi (Chapati) - Express
 Halt in Saharanpur
Wir werden von unserem Guide, Mr. Sandesh Singh, abgeholt. Auf der Fahrt ins Hotel kommen wir erstmals so richtig
in indische Verhältnisse: ein fürchterliches Chaos von Menschen, heiligen Kühen,
Rikschas, Ochsenkarren, stinkenden und hupenden Autos, Lastwagen und Bussen.
Mensch! in was für einem Hotel werden wir wohl hier absteigen? Die Überraschung
ist perfekt. Unser Hotel, Khanna Palace, ist ein kleiner Palast. Nun haben wir
aber Hunger. Die Menükarte des Restaurants ist umfangreich, ausser Coca-Cola,
Plain rice und Chapati ist mir alles unbekannt. Zum Spass bestelle ich zwei
Buffalo-Steak! Der Kellner schaut mich darauf hin mit grossen Augen fassungslos
an und antwortet „Sir, no possible“. Klar, wir sind ja im Lande der heiligen
Kühe. Glückliche Kühe! Für die meisten westlichen Menschen ist so was undenkbar,
unverständlich, ja idiotisch. Kühe zu verehren! Aber weshalb nicht? Ist es denn
nicht gleich idiotisch Kühe zu schlachten um sie zu „fressen“? Wir
erfahren, dass es in Haridwar und Umgebung überhaupt kein Fleisch gegessen wird, nicht
einmal Poulet, 100% vegetarisch! Oh herje! Na ja, damit wird unsere
Gewichtsabnahme sicherlich zusätzlich gefördert.
   Haridwar: Unser Hotel (Bild rechts)
    
  
    
 
Teilsonnenfinsternis
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Haridwar zählt für Hindus zu einer
der sieben heiligen Städte Nordindiens. Die Pilger kommen hierher vor allem um
sich im Ganges durch rituelle Waschungen von ihren Sünden zu befreien. Ein Benares/Varanasi in Kleinformat. Als wir beim
Haupt-Gaht (Gaht = Treppe) ankommen ist schon allerhand los. Beim Har-ki Pauri
Ghat, der heiligsten Badestelle, hat sich einige riesige Menschenmenge
angesammelt. Heute ist nämlich ein ganz spezieller Tag. Am späteren Nachmittag
soll eine Teilsonnenfinsternis stattfinden. Für jeden Hindu gehört es sich nach
einem solchen Ereignis, ein rituelles Bad in den heiligen Wasser des Ganges zu
nehmen. Eine ganze Weile schaue ich diesem Treiben zu. Ich mische mich unter die
Leute. Für mich ist dies nichts Neues, war ich doch schon zweimal in Benares. Es
ist dennoch jedes Mal eindrücklich und für unsereinen unverständlich was sich
hier so abspielt. Das gleiche habe ich mich aber auch bei den TV-Übertragungen
anlässlich der neuen Papst-Wahl diesen Frühling im Vatikan empfunden. Mit dem
Unterschied, dass ich damals richtiggehend schockiert war, wie angeblich
gebildete Leute einen solchen „Schabernack“ glauben und mitmachen.
     Pilger beim Baden im heiligen Wasser des Ganges
    
Berg und Talfahrt
Nach diesem eindrücklichen Erlebnis starten wir mit Privatwagen zur ersten
Etappe nach Uttar Kashi. Wir folgen damit den Spuren zweier Schweizer Himalaja
Expeditionen die 1939 und 1947 zahlreiche Erstbesteigungen im Garhwal-Himal
vollbrachten. Heute ist das Reisen wesentlich einfacher geworden. Benötigen die
Bergsteiger 1939 von Mussorie nach Uttar Kashi noch sechs Marschtage, legt man
die gleiche Strecke heute in 5-6 Stunden zurück. Mit dem Auto ist es wesentlich
komfortabler als mit dem Bus. Der grosse Vorteil ist, man kann überall und
jederzeit zum fotografieren und zum „mutari“ (pinkeln) anhalten. Zudem kann man
so die oft stundenlangen Wartezeiten in den Busbahnhöfen umgehen. Durch die aggressive Fahrt und die gewagten
Überholmanöver haben wir schon nach den ersten Kilometern Angstzustände. Ich
sitze zum Glück auf der linken Seite, Reto jedoch zuckt bei jedem Kreuzem mit
einem Lastwagen zusammen. Unser Fahrer ist wohl ein „kleiner“ Kartikayan
(indischer Formel-1 Fahrer). Wir erreichen Rishikesh (324 m), früher vor allem
von Rucksacktouristen sehr bekannt. Hier beginnen die Berge, vorerst Hügel. Wir
sind noch keine Stunde unterwegs, da versperrt uns ein Erdrutsch die
Weiterfahrt. In Chamba (1524 m) halten wir bei einer Reparaturwerkstätte an.
Seit unserer Abfahrt in Haridwar stinkt es im Innern des Wagens nach Benzin.
Solche Stopps sind eine willkommene Gelegenheit sich ein wenig umzusehen. Ich
lasse mir erklären wie die Fladenbrote „Roti“ gebacken werden. Bei Tehri
erreichen wir ein schönes, breites Tal. Sandesh erklärt uns, dass umweit von
hier ein grosser Staudamm gebaut wird und das ganze Tal in einigen Jahren
überflutet sein wird. 100'000 Menschen sollen dadurch direkt betroffen sein.
Während der ganzen Weiterfahrt folgen wir dem Bhagirati-Fluss der bei Gaumukh
entspringt und als Ganges-Quelle bezeichnet wird. Den Namen Ganges erhält er
jedoch erst viel weiter unten, beim Zusammenfluss des Baghirati und des
Alaknanda in Devprayag.
 Links: Route nach Gangotri - Rechts. Route nach Badrinath
     Wir sind noch keine Stunde unterwegs, da versperrt uns ein Erdrutsch den Weg...
Unser Halt in Chamba
    

     So wird das Fladenbrot "Roti" gebacken (Bild rechts)
Grosse Tafeln mit Aufschriften wie „This is a higway not a
runway" oder "No hurry - no worry"
mahnen die Fahrer vorsichtig zu sein. Ob es etwas nützt? Vor einer
unübersichtlichen Kurve wird nicht etwas der Fuss vom Gaspedal genommen, nein es
wird gehupt und mit Vollgas durchgezogen. „Horn please“ ist auch am Heck aller Lastwagen
und Bussen
angeschrieben. Um zu überholen hupt der Fahrer so lange bis die Fahrt freigegeben wird.
So geht es die ganze Strecke. Am frühen Nachmittag sind wir in Uttar Kashi. Wir
suchen unsere lokale Trekking-Agentur auf um unseren Koch und die Träger zu
treffen. Der Proviant sowie die Küchen- und Zeltausrüstung
wird von hier mitgenommen. Wir müssen auch noch Isoliermatten und Schlafsäcke
und für Reto eine Daunenjacke besorgen. Den verbleibenden Nachmittag schlendern wir durch die
Stadt. Auf dem grossen Platz wird gerade ein Kricket-Match abgehalten. Wir
finden sogar ein funktionierendes Internet vor.
Internationale Telefongespräche können beinahe an jeder Strassenecke gemacht
werden und erst noch „dreck“ billig. Erstaunliches Indien!
Freier Nachmittag in Uttar Kashi
    
  

  
     Unsere Trekking-Agentur
 Unsere Route zur Gangesquelle
Durch „Moschtindien“ nach Gangotri
Für die Weiterfahrt nach Gangotri (3048 m) steht uns ein Vierradantrieb Fahrzeug
Marke TATA zur Verfügung. Die Strasse, die so genannte Border Road, führt zum
Teil über recht spektakuläre Passagen. Überall wird an der Strasse gebaut. Vor
Sukhi Top (2651 m) steigt die Strasse steil an. Wir fahren durch Äpfel- und
Birnbaumplantangen. Das wird wohl „Moschtindien“ sein! Auf dem Markt in Harsil
wird das Kilo Äpfel, je nach Qualität, zwischen 10 und 20 Rupien verkauft. Wir
passieren das Dorf Bhairon Ghati. Ein bedeutungsloses Dorf, wenn nicht der
bekannte und später berühmt gewordene Bergsteiger Heinrich Harrer bei Ausbruch
des 2. Weltkrieges von hier aus durch das Jat Ganga Tal hinauf nach Tibet
geflüchtet wäre. Am frühen Nachmittag treffen wir in Gangotri ein. Die Strasse
endet hier. Ab hier muss gelaufen werden. Morgen gilt es Ernst. Die erste Etappe
nach Bhojbasa beträgt 14 Kilometer! Ich bin gespannt wie sich mein
Gewichtsverlust und mein Training (seit diesem Sommer kann ich nach fünf Jahren
erstmals wieder Joggen) auswirken wird.
    
    
Markt in Harsil (Moschtindien)
In Gangotri treffen wir auf zahlreiche ausländische Touristen. „Gora“ werden
diese genannt. Die ersten Schneeberge leuchten in der Ferne. Die schöne weisse
Pyramide ist der Sudarshan (6567 m). Wir begeben uns zum Ufer des Flusses
hinunter. Sandesh tröpfelt mir schon mal heiliges Ganges-Wasser auf den Kopf. Dies soll Glück bringen.
Der Gangotri-Tempel ist das Ziel aller Pilger und Sadhus (Bettelmönche), auch
Babas genannt. Diese versuchen durch ständige Büsse und
asketischem Lebensstil Erleuchtung zu erhalten. Sandesh führt uns zu einer Höhle
in welchem ein Baba wohnt. Es ist „Vashnav“, ein Anhänger vom Gott Vishnu. Es
gibt auch Anhänger von Gott Shiva (Shav). Die beiden Religionsgemeinschaften
sind leicht an ihrem äusserlichen zu erkennen. Anhänger von Shiva haben Bärte und lange Haare, meistens tragen sie auch den Dreizack mit sich.
   Gangotri (3048 m)
   Zu Besuch beim einem Baba
Surya Kund heisst die Stelle an der sich der Fluss über
einen Felsen hinab stürzt. Hier soll der Ganges, laut der hinduistischen
Mythologie, entsprungen sein. Vor vielen Tausend Jahren, zu einer Zeit als die
Erde trocken und unbewohnbar war, soll König Baghirati hier meditiert haben.
Shiva sah dies und gewährte ihm einen Wunsch. Dieser erbat sich die Niederkunft
des himmlischen Flusses Ganga, damit die Erde fruchtbar und ertragsreich werde.
Die Wucht der gewaltigen Wassermassen des vom Himmel stürzenden Ganga drohten aber alles Leben auf der
Erde zu vernichten. Shiva bändigte die Macht, indem er die herabstürzenden
Wassermassen mit seinem Kopf auffing und die Kraft des Wassers durch sein
aufgetürmtes Haar dämpfte. An Gewalt verloren, strömte des Ganges sanft vom
Himalaja in die indische Ebene herab.
 Surya Kund
1. Etappe: Gangotri (3048 m) – Bhojbasa (3792 m)
Um 07.30 Uhr marschieren wir los. Beim gestrigen Packen gab’s noch kurz eine
kleine Aufregung als sich herausstellte, dass wir keinen Träger für unsere
Rucksäcke hatten. Wohl ein Missverständnis, denn nie war die Rede davon, dass
wir diese selber tragen würden. Der Weg führt durch einen schönen Wald von
Pinien, Birken und Himalaja Zedern. Der Eintritt in den Gangotri Nationalpark
ist gebührenpflichtig. Für die ersten drei Tage 40 Rupien für Inder, 150 Rupien
für Ausländer. Für das Campieren mit einem kleinen Zelt wird 50 Rupien pro Tag
verlangt. Das Fotografieren ist gratis für kleine, gewöhnliche Kameras. Als der
Beamte meine Kamera mit aufgebautem 135erZoom mit Konverter erblickt, taxiert er
mich als „Professional“ und knöpft mir 150 Rupien pro Tag ab. Als Revanche geben
wir ihm statt den fünf Tagen Aufenthalt im Park, nur deren drei an. Der Weg ist
schön und breit, leicht ansteigend. Lästig ist die Sonne die uns den ganzen
Vormittag blendet. Wir begegnen zahlreichen Eselskarawanen. Mit diesen ist
Vorsicht zu geniessen, vor allem bei engen Passagen. Von meinen Trekkings in
Nepal habe ich gelernt beim Kreuzen von Eseln immer auf der Bergseite zu stehen.
Es sind auch zahlreiche indische Touristen unterwegs. Man begrüsst sich mit „Namaste“
und tauscht einige Worte aus. Es gibt einen ersten kleinen Bach zu
überschreiten. Zwei wackelnde Holzlatten führen darüber. Von hier eröffnet sich
ein schöner Blick auf den Matri Peak (6721 m). Auf der rechten Seite leuchtet
der Manda Peak (6511 m). Nach gemütlichem, dennoch zügigem Marsch erreichen wir
nach 3 ½ Stunden einen kleinen Wald von Pinien. Wir sind in Chiribasa (Chiri =
Pinien, Basa = Ort wo Leute wohnen). Bei einem Teehaus machen wir Halt. Ein
„Black Tee“ oder „Tato Tschai“ mit „Crack Jack“ Buiskuits wird gut tun. Während
wir uns Verpflegen trifft eine Eselkarawane mit indischen Touristen ein. Es
herrscht grosses Gelächter. Einer der Esel hat soeben eine etwas korpulente Frau
abgeworfen und rennt dem Grautier hintennach! Tja, Esel sind manchmal keine
Esel! Durch die nachmittägliche Sonneinstrahlung erleuchtet das Massiv des
Baghirati immer schöner. Der Gipfel stets im Blickfeld, wirkt auf mich wie
Doping. Sobald ich einen Berg vor mir sehe, löst dies in mir scheinbar Energien
frei. Die letzte halbe Stunde vor Bhojbasa führt entlang stark erodierter Hänge.
Ich hänge etwa zwanzig Meter hinter Sandesh und Reto zurück, als sich plötzlich
kleine Steine lösen. Geistesgegenwärtig ruft mir Sandesh zu „Go back, go back!“
Sekunden später donnert ein Felsbrocken herunter. Sandesh und Reto behaupten
dieser hätte mich voll getroffen, wäre ich dort stehen geblieben….Dann wäre wohl
dieser Bericht hier zu Ende!
   Eingang zum Gangotri National Park
 Sudarshan (6567 m)
   Begegnungen
 
Der Weg nach Chiribasa
     Bild links: Matri Peak (6721 m) - Bild mitte: Manda Peak (6511 m) - Bild rechts: Baghirati II (6512 m)
    
Unser Zeltlager in Bhojbasa - Bild rechts: v.l.n.r Baghirati II (6512 m), Baghirati IV, Baghirati
III (6454 m), Baghirati I (6856 m)

2. Etappe: Bhojbasa (3792 m) – Tapovan (4400 m)
Die erste Nacht im Zelt ist hinter uns. Zum Glück haben wir gute Schlafsäcke,
denn es gibt nichts Schlimmeres als zu frieren. Der Tee wird ins Zelt serviert.
Auf diesen Höhen ist es schon merklich kalt und wir kriechen erst aus dem Zelt
als die Sonnenstrahlen uns erwärmen. Das Wetter ist weiterhin fantastisch. Nach
Gaumukh, wo das Wasser aus dem Gletscher fliesst, sind es vier Kilometer. Der
Weg ist nun steiniger, die Vegetation wesentlicher karger. Bergdolen und kleine
okerfarbige Schmetterlinge sind die einzigen Lebewesen die man antrifft. Je
näher wir zum Gletscher gelangen, umso besser kommt die markante Spitze des
Shivlings in Sicht. Auch hier oben auf 3900 Meter gibt es noch Teehäuser. Eine
Gruppe junger Touristen feilscht um den Preis einer Flasche Mineralwasser, weil
diese hier 5 Rupien (13 Rappen) teurer als in Bhojbasa ist. Herrgott noch mal,
wie kann man nur so geizig sein! Die Leute müssen ja das Wasser auch mit Eseln
hier herauf transportieren und wollen auch noch etwas verdienen. So was können
nur Israelis. Ich liege mit meiner Vermutung völlig richtig. Ob in Süd-Amerika,
in Kathmandu, in Thailand, überall auf der ganzen Welt fallen diese negativ auf
und dann wundern sie sich noch weshalb sie verhasst sind! Gegen Mittag sind wir
in Gaumukh. Gaumukh ist Hindi und heisst „Kuhmaul“, da die Eishöhle wie ein weit
aufgerissenes Maul aussieht. Wir begeben uns hinab zum Ufer und folgen dem
sprudelnden Wasser zwischen Fels- und Eisbrocken noch etwas weiter hinauf. Doch
Vorsicht! Zu nahe an das Kuhmaul zu gehen ist gefährlich. Jederzeit könnten
tonnenschwere Eisbrocken abbrechen und in die Tiefe stürzen. Zu meiner
Überraschung hat es hier oben an der Quelle mehr Goras als Pilger und Sadhus.
Ich löse mein Versprechen und wasche mich im milchigfarbigen, eiskalten heiligen
Wasser. Zwei weibliche Goras können es nicht lassen „oben ohne“ zu sein. Welch
eine Respektlosigkeit an einem solchen Ort!
 Gipfelpyramide des Shivlings
    
Nach diesem Waschritual wird es nun aber ernst: der Aufstieg auf den Gletscher
steht bevor. Dazu hätte ich gerne meine Turnschuhe mit den Bergschuhen
getauscht. Der Träger mit unseren Rucksäcken ist aber schon weiter. Sch…! Der
Weg über den Schuttbedeckten Gletscher ist nun wesentlich mühsamer, zudem
bekomme ich langsam die Höhe von 4000 Meter zu spüren. Wir haben genügend Zeit
zur Verfügung und nehmen es gemütlich. Zeitweise geht es balancierend von
Felsbrocken zu Felsbrocken, wie in einem Ballet. Wir überqueren den Gletscher
auf die rechte Seite hinüber. Der schwierigste Teil beginnt hier am Rande der
Moräne. Unser Ziel, die Tapovan-Wiese, liegt 200 Höhenmeter über uns. Der steile
Weg wird nun immer schwieriger. Die lose Erde und die Steinschläge erleichtern
das Ganze nicht. Immer mehr komme ich in Sauerstoffschuld. Ich schnaufe wie eine
alte Dampflokomotive. „Salolely, salolely“ – slowly - rufen mir die Träger zu.
Mein Skistock verfängt sich in den Steinen. Mehrmals reisst mich dieser so
zurück. Dies macht mich wütend und ich fluche wie ein Rohrspatz. Meter um Meter
kämpfe ich mich hoch. Ich blicke gar nicht mehr hinauf. Jedesmal habe ich das
Gefühl gleich weit zu sein. Die letzten zwanzig Meter sind die schlimmsten.
Endlich ist es geschafft. Ich bin dermassen erschöpft, ich kann die Umgebung gar
nicht wahrnehmen. Das Zelt wird aufgestellt und kurz darauf verschwinde ich im
Schlafsack.
     Auf dem Gaumukh-Gletscher
     Der steile Aufstieg zur Tapovan-Wiese
Einigermassen von den Strapazen erholt, krieche ich aus dem Zelt wieder
heraus. Wau, welch ein grossartiges Panorama! Direkt vor uns die vier Gipfel des Baghirati-Massiv (6860 m) im Abendlicht, gegenüber die
gigantische Granit-Pyramide des Shivlings (6540 m), der
Thron des Gottes Shiva, rechts daneben der Meru (6660 m) mit seinen wild
gezackten Gipfeln. Ein Traum! Die Küchenmannschaft hat ihre Küche bei einem
grossen Felsen aufgestellt. Gekocht wird unter dem Felsen in einer kleinen
Höhle. Eine grosse Herde von Steinböcken weidet umweit unserer Zelte. Welch
himmlische Ruhe hier oben herrscht. Sobald die Sonne untergeht wird es sofort
kalt. Wir sind immerhin auf 4400 m Höhe! Da gibt es nur eins: wir verschwinden
im Zelt. Sandesh gesellt sich zu uns. Wir lachen über die Strapazen des Tages.
Er möchte auch gerne wissen was eigentlich das Wort „verdami“ heisst, da ich
dies beim Aufstieg angeblich mehrmals ausgerufen haben soll! Auch mehrere Stunden nach
unserer Ankunft weist mein Puls noch immer 88 Schläge auf. Der Koch serviert das
Nachtessen, Dal, Reis und Chapati, doch ausser einer Suppe, etwas Tête de moine
und Rohschinken bringe ich nichts herunter.
 Vom Aufstieg total "geschafft"
     Die 4 Baghirati-Gipfel
in der Abendsonne
Bild Mitte:
Der Baghirati III ist der niedrigste der Baghirati-Gipfel, seine 1400 m hohe
Nordostwand macht jedoch einen spektakulären Eindruck
     Unser Kochteam

     Sandesh: "What means verdami?" - Bild rechts: Zum Dessert Tête de moine
Einen Tag auf der Tapovan-Wiese
Als ich erwache ist es draussen schon hell. Reto sieht in seinem Schlafsack
eingepackt wie eine Mumie aus. Ich jedoch muss raus, raus aus dem schön warmen
Schlafsack will den Gipfel des Shivlings mit den ersten Sonnenstrahlen
fotografieren. Ach, das hat man halt davon will man schöne Bilder knipsen. Es
ist 06.25 Uhr. Die Schneekappe des Gipfels leuchtet Goldgelb im dunkelblauen
Himmel. Tja, Frühaufstehen in den Bergen lohnt sich halt manchmal doch. Unser
Koch ist auch schon auf. Das Wetter ist wiederum prachtvoll. Diese Nacht muss
die Temperatur unter den Gefrierpunkt gefallen sein. Der kleine Bach neben
unserem Zelt ist
stellenweise zugefroren. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird es sofort wärmer.
Das Panorama ist wirklich sensationell. Die Baghirati-Gruppe mit seinen vier
Gipfeln steht morgens im Gegenlicht, der Shivling sowie der Meru dagegen
leuchten wie Diamanten im azurblauen Himmel. Der Bhagirati I wurde übrigens 1947
von einer Schweizer Expedition angegangen, doch als unbesteigbar bezeichnet.
Leider herrscht am frühen Nachmittag ein starker, kalter Wind. Um 14.00 Uhr sind
wir bereits wieder im Zelt. Mein Puls ist noch immer über 80. Appetit habe ich
auch keinen. Nicht einmal auf das mitgebrachte Fondue! Malbuner und ein
Landjäger schmecken aber himmlisch. Gegen Abend legt sich der Wind. Wir strecken
die Nase wieder aus dem Zelt. Einige Wolken sind aufgekommen. Mit der Abendsonne
verfärbt sich der Baghirati immer schöner. Früh ist es Nacht. Wiederum sind wir
in den Schlafsäcken eingepackt. Tja, die Nächte hier oben in Tapovan sind lang,
unheimlich lang.
     06.25 Uhr: die ersten Sonnenstrahlen erleuchten den Shivling...

...und den Meru
 Unser Zeltlager
    
 Baghirati II
   Bild links: Matri Peak (6721 m) - Bild rechts: Meru (6660 m)
    
Der Abstieg
Gleich dreimal musste ich diese Nacht zum Pinkeln raus. Das Wetter hält sich
weiter. Nach einem Tag auf Tapovan wollen wir heute zurück nach Bhojbasa. Wir
starten relativ spät, erst um 09.00 Uhr. Sandesh wählt diesmal einen anderen,
leichteren Weg hinab zum Gletscher. In den Bergschuhen ist es leichter, vor
allem sicherer in diesem Geröll vorwärts zu kommen. Nach 2 ½ Stunden sind wir
schon wieder in Gaumukh. Auf den letzten Kilometern werde ich zusehends
langsamer und muss meine Begleiter ziehen lassen. Tja, mit der Kondition steht
es noch nicht zum Besten, dies kann man trainieren, mein lädiertes Fussgelenk
aber hat sich trotz der mehrstündigen Belastung gut gehalten. Der gestrige
Aufstieg hat mir meine Grenzen jedoch erneut klar aufgezeigt. Wir übernachten
ein weiteres Mal in Bhojbasa, bevor es wieder zurück nach Gangotri geht.
Kümmel, Zucker und Zahnstocher
Wir sind zurück in Uttar Kashi. Der erste Teil unserer Reise ist beendet. Der
zweite Teil, nach Auli (bekanntes Skigebiet) und nach Badrinath (wichtiger
Pilgerort) unternehmen wir auf eigene Faust. Wir verpflichten Sandesh für
weitere neun Tage und mieten in Uttar Kahi einen Wagen mit Fahrer für 1'400
Rupien im Tag. Bis Tehri geht die Fahrt auf der gleichen Strecke zurück. Wir
halten kurz bei Old Tehri. Hier entsteht der Theri Hydropower Complex mit einer
Kapazität von 2400 MV. Es soll der 5. höchste Staudamm der Welt werden.
Umweltschützer sind darüber sehr besorgt, da der Damm inmitten einem stark
erdbebengefährdeten Gebiet gebaut wird. Experten sagen voraus, dass zehn
Millionen Menschen bei einem Bruch des Dammes sterben könnten. Old Tehri wurde
bereits von einiger Zeit geräumt und sieht wie eine Geisterstadt aus. Das neue
Tehri ist auf einem Bergrücken auf 1600 m verlegt worden. Ab Theri fahren wir
nun ostwärts. In Srinagar (579 m), nicht zu verwechseln mit dem Srinagar in
Kaschmir, treffen wir auf den Alaknanda-Fluss. Es ist Zeit zum Mittagessen. In
der Zwischenzeit haben wir uns mit der indischen Küche gut angefreundet. Diese
schmeckt uns sogar ausgezeichnet, vor allem das „Masala“ das wir gemeinhin als
Curry bezeichnen. Ach die Gerichte mit „Paneer“, Frischkäse, schmecken ebenfalls
köstlich, dazu gibt es natürlich zu jeder Mahlzeit Dalbaht, ein Linsengericht,
mehr eine Sosse, Reis (Basmati-Reis, der aus der Region stammt). sowie das
Fladenbrot „Chapati“ oder „Roti“. Zum Dessert, wird nach jeder Mahlzeit eine
Schale mit Kümmel, Zucker und Zahnstocher serviert.
  
     Old Tehri: hier entsteht der 5. grösste Staudamm der Welt - Bild rechts: Sandesh filling up the damm!
 Srinagar: Alaknanda-Fluss
Wo sich Göttinnen treffen
Wir übernachten in Rudraprayag (610 m), ein indisches Kaff nicht ganz ohne
Sehenswürdigkeiten. Von hier aus führt eine Strasse nach Kedarnath. Die Stadt
ist berühmt weil hier die beiden Flüsse, Mandakini (aus Kedarnath kommend) und
Alaknanda, zusammenfliessen. Jeder Fluss in Indien hat eine Göttin und wo sich
zwei Göttinnen treffen ist dies ein heiliger Ort. An jedem „Prayag“ =
Zusammenfluss gibt es daher einen Tempel wo gebetet wird und auch Leichen
verbrannt werden. Als wir vom Tempel die Treppe zurücklaufen begegnen wir einer
Kolonne von Leuten, welche eine in einem weissen Tuch eingerollte Leiche
hinunter zum Zusammenfluss tragen. Sandesh erklärt uns, dass es in Indien
Tradition ist Kinder bis 11- 12 Jahren zu beerdigen, Babys dagegen dem Fluss zu
übergeben. Durch Aufklärung versuche die Regierung seit einigen Jahren jedoch
diese Mentalität aus Umweltsüberlegungen (Wasserverschmutzung) zu ändern und zu
stoppen. Auf dem Rückweg ins Hotel begegnen wir vier jungen Frauen in
farbenfrohen Sahris. Wir kommen ins Gespräch. Ich möchte endlich mal wissen, wie
man erkennt ob eine Frau verheiratet ist oder nicht. Alle „giggelen“
zunächst über meine Frage, doch nun ist alles klar. Allgemein wird angenommen
dass es der mitten auf der Stirne aufgemalte rote Punkt ist. Dem ist nicht
ganz so. Es gibt zwei verschiedene rote Punkte: Das Bindi und das Tikka. Das
Bindi wird von ledigen wie von verheirateten als Schmuck getragen, wobei
die Farbe unterschiedlich sein kann. Nach der Heirat tragen Hindu-Frauen
dagegen, nebst dem roten Strich in der Haarwurzel, ein grosser roter Bindi. Oft
wird dies fälschlicherweise als Tikka bezeichnet. Das Tikka hat jedoch eine ganz
andere Bedeutung. Ein Tikka bekommen verheiratete wie unverheiratete Frauen
meistens nach dem Gebet im Tempelals Segen. Das für das Tikka benützte Material
ist auch nicht das Gleiche.
     Rudraprayag ist vor allem wegen dem Zusammenfluss der Flüsse Alaknanda und Mandakini berühmt
  
    
  
Die Schweiz Indiens
Die Weiterfahrt ist landschaftlich wunderschön. Erneut eine Berg- und Talfahrt.
Malerische Dörfer kleben abseits der Strasse an den Berghängen. Von was die
Leute wohl leben? Überall wird die Strasse verbreitet und ausgebessert. Tausende
von Strassenarbeitern, die meisten davon aus dem Staate Bihar (Inder aus anderen
Staaten machen solche Arbeit nicht!) klopfen Steine und arbeiten teils mit sehr
einfachen Mitteln. In einigen Jahren werden die Strassen in diesem Gebiet von
Uttaranchal gut befahrbar sein, es sei denn, die nach jeder Regenzeit zu
erwartenden Erdrutsche machen die ganzen Bemühungen wieder umsonst. Ich bin von
der Bautätigkeit in diesem bergigen Gebiet unheimlich positiv überrascht. Da
werden neue Brücken gebaut, Starkstromleitungen gezogen, neue Hotels erstellt,
tja in diesem Indien scheint etwas zu „laufen“.
In Chamoli (975 m) zweigt eine weitere Strasse hinauf nach Kedarnath ab. Etwa
zwei Autostunden von hier (48 Kilometer), erreicht man Chopta (3300 m) das als „Switzerland
of India“ bezeichnet wird.
    
   Bild links: Karnaprayag - Bild rechts: Chamoli
 Gopeshwar
Auli, das Skiparadies
Wir lassen diesen Abstecher aus, denn unser nächstes Ziel Joshimat hat ebenfalls
grosse Ähnlichkeit mit der Schweizer Bergwelt. Die Stadt liegt an einem Hang
inmitten eines Talkessels. Der „Elefantenberg“, so genannt weil seine Umrisse
einem Elefanten gleichen, ist der Hausberg. Von Joshimat führt eine Gondelbahn
hinauf nach Auli, welches als Skiort bekannt ist. Es ist mit 3,96 Km die längste
Seilbahn Indiens. Die Talstation liegt auf 1906 Meter, die Bergstation auf 3016
Meter. Je höher wir gelangen umso mehr eröffnet sich ein grossartiges
Bergpanorama auf die schneebedeckten Gipfel. Für jene Touristen die im
Hotel mit Bungalows, 250 Höhenmeter unter der Bergstation gelegen,
übernachten wollen, haltet die Gondelbahn beim Masten 8. Das Wetter ist leider
an diesem Nachmittag nicht mehr so schön. Die Berge sind zum Teil hinter den
Wolken verborgen. Vom Nanda Devi (7820 m), der berühmteste Gipfel der Region,
ist gar nichts zu sehen. Dieser war bis zur Besteigung des Everest 1953, der
höchste bestiegene Gipfel. Ist es mit dem schönen Wetter nun vorbei? Schade,
gerade den Nanda Devi hätte ich doch noch so gerne fotografiert. Sandesh
erklärt, dass die Wolken meistens am Nachmittag aufkommen, ich mir deswegen
keine Sorgen machen soll. Über eine schöne Weide steigen wir ins Guest House ab.
Hier wird im Winter Skigefahren! Ja, Auli ist ein bekannter Skiort. Die Anlage
liegt inmitten schöner Gärten mit blühenden Cosmos und Margeriten. Es hat nicht
viele Gäste. Wir sind die einzigen Ausländer. Obwohl wir uns auf 3000 Meter
befinden ist es gar nicht so kalt. Die indischen Touristen dagegen sind wie im
tiefsten Winter mit dicken Jacken, Kappen und Handschuhen bekleidet. Es gibt
auch eine Bar! Sandesh offeriert uns eine Cola-Rhum. Dies wird uns etwas
erwärmen. Skihäschen sind leider keine anzutreffen. Der Barkeeper, während der
Skisaison als Ski-Instruktor tätig, serviert uns die Getränke. Wir stossen auf
einen wolkenfreien Tag an.
     Die Strasse nach Joshimat
   Joshimath (1890 m)

     Die Seilbahn hinauf nach Auli

  
     Bild links: Masten 8, hier steigen wir aus - Bild Mitte und andere: das
Tourist Rest House
    
 Grosse Enttäuschung: Der Nanda Devi ist
in den Wolken verhült

 Der Skilift
     und so sieht es im Winter aus...
Grandioses Panorama
Als ich um 06.00 Uhr durch die Fensterscheibe unseres Bungalows blicke ist der
Himmel klar. Sandesh hatte also Recht. Die Bergspitzen erstrahlen in der
aufgehenden Sonne. Der Nanda Devi! Nichts hält mich nun zurück. Ich packe die
Kamera und steige den Hang zu einem kleinen Aussichtspunkt hinauf. Da steht er!
Leider liegt er frühmorgens direkt im Gegenlicht, für Aufnahmen nicht ideal.
Hoffentlich hält das Wetter bis Mittag an, mit der nachmittäglichen
Sonneinstrahlung wird es bessere Aufnahmen geben. Reto ist in der Zwischenzeit
auch aufgestiegen. Was ist das heute erneut für ein Prachtstag. Wir werden heute
Richtung Kuari-Pass aufsteigen, zunächst müssen wir zurück, wir haben uns um
08.00 Uhr mit Sandesh zum Frühstück verabredet.
 Nanda Devi im Gegenlicht
Anderthalb Stunden später sind wir bei der Bergstation angelangt. Wer weiter
hinauf Richtung Kuari-Pass will, muss 60 Rupien für den Eintritt in den Nanda
Devi Nationalpark bezahlen. Die meisten indischen Touristen verweilen nur kurz
und fahren mit der nächsten Kabine wieder hinunter. Eine Gruppe Soldaten des
naheliegenden Army Camps führt gerade eine Übung durch. Es geht darum, wie
schützt man Zivilisten vor Terroristen! Indische Touristen welche gerade mit der
Gondelbahn angekommen sind, dienen als Statisten. Einige Petarden explodieren,
daraufhin rennen zwei Soldaten den Hang hinunter wo zwei weitere Statisten
stehen. Sandesh erklärt uns die Handlung: „Jetzt haben sie die Terroristen
verhaftet!“ Wir steigen weiter auf. Sandesh ist heute furchtbar langsam und
liegt stets zurück. Er klagt über Magenbeschwerden. Tja, bei der Portion die er
heute beim Frühstück gegessen hat, verwundert mich dies nicht. Wir durchqueren
einen Wald. Oberhalb davon treffen wir wieder weite, grüne Weiden an. Das
Panorama wird zusehends spektakulärer. Fetzten von Schneeflecken bedecken die
Weiden. Plötzlich stehe ich inmitten kleiner Enzianen, ja sogar einzelne
Edelweisse gibt es hier. Wo sind wir eigentlich hier, in Indien oder in der
Schweiz? In Garso Top auf etwa 3500 Meter lassen wir uns nieder und geniessen
die Aussicht. Gegenüber Joshimath, leicht erkennbar der klobige Klotz des Mana
Peaks (7272 m). Unweit davon sollten auch der Kamet (7756 m), angeblich eine
kleine weisse Pyramide, sowie der Nilkath (6600 m) ersichtlich sein. Ich kann
die beiden leider nicht eruieren. Sofern das Wetterglück anhält, werden wir
diesen morgen in Badrinath sehen können. Sehr schön erkennbar dagegen die beiden
Gipfel des Ghauri-Parbat (6714 m) und des Hathi Parbat (6727 m) Der Erstere
wurde am 18. August 1939 durch André Roch, Fritz Steuri und David Zogg
Erstbestiegen. Rechts davon steht der Barmal Peak (5813 m). In unserem Rundblick
weiter nach rechts fahrend kommt mit dem Dunagiri (7066 m) ein weiterer 7000er
ins Blickfeld. Dieser wurde am 5.7.1939 von den gleichen Expeditionsteilnehmern
wie am Ghauri-Parbat Erstbestiegen. Mit Stolz weise ich die indischen Touristen
darauf hin. Weiter rechts, durch das Rishi Ganga Tal getrennt, strahlt der Nanda
Devi. Schon 1883 war mit Emil Boss ein Schweizer Bergführer in diesem Gebiet!
Und im gleichen Jahr erkundete Johann Jaun den Zugang zum Nanda Devi. Welch
grossartige Leistungen diese damals vollbracht haben. Schon nur die Anreise muss
ein grosses Abenteuer gewesen sein. Inzwischen ist es 14.00 Uhr. Die ersten
Wolken kommen auf. Während vollen zwei Stunden geniessen wir dieses einmalige
Panorama.
     Bild rechts: Mana Peak (7272 m)
 Ghauri-Parbat (6714 m) und Hathi-Parbat (6727 m)
     Bild links und Mitte: Dunagiri (7066 m) - Bild rechts: Nanda Devi (7820 m)
     Panorama vom Garso Top
Ein schöner 6000er
Am frühen Vormittag sind wir wieder bei der Talstation in Joshimath zurück.
Unser Fahrer wartet bereits auf uns. Ein weiterer Höhepunkt steht bevor. Die
Fahrt hinauf nach Badrinath. Zunächst müssen wir 400 Höhenmeter hinunter ins Tal
zur Brücke über den Fluss gelangen. Die Strasse entlang dem „Elefantenberg“ ist
in sehr schlechtem Zustand. Beim „Rüssel“ angelangt führt diese links durch eine
spektakuläre, enge Schlucht hinauf. In Godvin Gaht führt ein Seitental auf der
rechten Seite ins bekannte „Valley of flowers“, ins Blumental hinein. Die Fahrt
über unzählige Zizackkehre ist beeindruckend. Die Landschaft erneut wunderschön.
Weinrote Amaranthfelder, eine Art Hirse, kontrastieren mit den dürren gelben
Weizenfeldern. Der Himmel ist wie schon fast zur
Gewohnheit, azurblau. Das Tal wird plötzlich breiter. Wir fahren in Badrinath
ein. Ungeduldig blicke ich umher. Wo ist denn der Nilkanth? Als wir vor unserem
Hotel anhalten, steht dieser direkt von meiner Nase! Grandios! Kein
Achttausender, nicht einmal ein Siebentausender. Ein Berg braucht nicht 8000 m
hoch zu sein um zu faszinieren. Aus Furcht plötzlich aufkommende Wolken könnten
diesen Anblick verderben, sind die ersten Fotos schon Mal im Kasten. Um uns Fit
zu halten marschieren wir ins drei Kilometer entferne Dorf Mana. Es ist das
letzte Dorf vor der tibetischen Grenze. Informationstafeln weisen Eingangs Dorf
darauf hin, dass man von hier nach Tapovan trekken könnte. Diese Tour dauert
jedoch 15 Tage und kostet 20'000 Rupien. Von hier geht es auch zum Santopath
(7070 m) welcher am 1. August 1947 von Dittert, Graven, Roch und Sutter
erstbestiegen wurde. Das Treiben in Badrinath ist von den Pilgern, Sadhus und
Bettlern geprägt. Der heilige Tempel darf nur von Hindus betreten werden.
Langsam geht unsere Reise zu Ende. Zum Abschluss führt uns Sandesh 200
Höhenmeter hinauf zu Moni Baba, auch „Silent Baba“ genannt weil dieser seit
zwölf Jahren nicht mehr spricht.
 Eingang zum "Tal der Blumen"
   Kurz vor Badrinath
     Die Stadt wird vom 6600 m hohen Nilkanth überragt

    
Der heilige Tempel
    

     Besuch bei Moni Baba,
"the silent Baba" nach einem steilen Aufstieg (Kreis)
   Das Dorf Mana
Unserem Fahrer, Nanhay, gefällt es in Badrinath gar nicht. Er hat gestern Abend
gottsjämmerlich gefroren. Man kommt aber auch nicht ohne warme Kleider nach
Badrinath. So was hätte er doch wissen sollen. Als ihm Sandesh aus Spass
mitteilt, dass wir beschlossen haben eine Nacht länger zu bleiben, versteinert
sich sein Gesicht. „OK, no problem“ ist seine Antwort. Nein, auch wir haben
nichts dagegen die Rückfahrt anzutreten. Unser Fahrer ist überglücklich. Er ist
nicht mehr zu halten und treibt während dem Fahren allerlei Spässe. Irgendetwas
zieht ihn nach Uttar Kashi zurück. Als ich ihn frage ob ihn seine Frau dort
erwarte, glänzen seine Augen und er erhebt stolz drei Finger auf! Tja, dann ist
wohl klar weshalb er es so eilig hat. Die letzte Sehenswürdigkeit ist das
Zusammentreffen des Baghirati und des Alaknanda in Devprayag. Ab hier wird das
Gewässer also Ganges genannt.
    Stopp in Pipalkoti
    
 Devprayag:
Zusammenfluss des Bhagirati (links) und des Alaknanda. Hier beginnt der Ganges
Zurück in Haridwar trennen wir uns von unserem Fahrer und Sandesh. Die zwei
waren wirklich nette Kerle. Vor allem an Sandesh ein grosses „Thank you very
much for your guiding“. Wir haben von ihm viel über Indien und seine Menschen
gelernt, dabei auch vom grossen Umschwung der derzeit in diesem Lande vorgeht,
erfahren. Ich denke auch Sandesh hatte Freude an uns, wir waren ein gutes Team.
Ein spezieller Dank möchte ich aber auch meinem Reisebegleiter ausrichten:
„Vielen Dank Reto, mit Dir hat es Spass gemacht“.
   Zurück in Haridwar
    
    
    

Den letzten Tag in Delhi verbringen wir im Pahar Ganj Viertel
  
    
  
    
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