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 Mabuhay Swiss Frey's Peak Base Camp Trekking (Sikkim)
Trekkingbericht
(Siehe auch Reiseberichte 14/15 und 20/21/22 unter Rubrik Mabuhay)
(ND 04 / 09.11.2006)


Auf den Spuren der Schweizer Himalaya-Pioniere

Bereits zweimal habe ich das für seine Teeplantagen weltberühmte Darjeeling in Nordindien besucht. Nicht wegen dem Tee, nein, die Berge waren der Grund. Beide Male bin ich etwas frustriert abgereist. Von der grandiosen Sicht auf den 3. höchsten Berg der Welt, dem Kangchenzunga (8586 m) war beim ersten Besuch gar nichts zu sehen und vor vier Jahren hat sich die Wolkendecke gerade für fünf Minuten aufgemacht. Nach dem letztjährigen, punkto Fussgelenkbeschwerden, erfolgreich verlaufenen Trekking zur Tapovan-Wiese, ist eine gewisse Euphorie aufgekommen, in Zukunft doch noch etwas anspruchvollere Trekkings unternehmen zu können. Da ich seit Sommer 2005 zudem ohne grössere Beschwerden wieder Joggen kann, sollte es mit einem regelmässigen Training auch möglich sein die dafür notwendige  physische Verfassung zu erreichen.

Durch die Nachforschungen zu meinem Buch über die Schweizer Himalaya-Pioniere, hat sich mein Interesse in den letzten Monaten wieder ganz auf Darjeeling fokussiert. Schon  im Jahr 1880, also vor 126 Jahren! reiste Andreas Maurer nach Sikkim. Malaria verhinderte damals jegliche Besteigungen. Drei Jahre später waren mit dem St. Niklauser Joseph Imboden und den beiden Grindelwaldner Emil Boss und Ulrich Kaufmann, gleich drei Schweizer im Gebiet. 1898 folgte der Zermatter Rudolf Taugwalder und 1905 waren es Dr. Julles Jacot-Guillarmod, Adolphe Raymond und Alexis A. Pache die den Kangchenzunga von der Yalung-Seite (Nepal) besteigen wollten! Dieses Gebiet wollte ich nun besuchen, koste was es wolle!

Von den drei Interessenten zu Beginn dieses Projektes bleibt im Frühling einzig meine Schwester übrig. Ziel ist das Grabmal von Georg Frey zu besuchen. Georg Frey war in den 50er Jahren Sekretär der Schweizerischen Zentrale für Handelsförderung in Bombay. Zum Abschluss seiner dreijährigen Indienzeit unternimmt er im Herbst 1951 eine kleine Expedition im Kangchenzunga-Gebiet. Bei der Besteigung eines namenlosen Gipfels stürzt Frey unter den Augen von Tenzing Norgay tödlich ab. Seither wird der Gipfel „Frey’s“ Peak genannt. Es ist der einzige Gipfel im Himalaja und Karakorum der nach einem Schweizer benannt wird.

Vorbereitungen

Die Vorbereitungen beginnen umgehend. Die Organisation sowie die Ausarbeitung des Trekkingsprogramms übergebe ich der Trekking Agentur von Jamling Tenzing, einem der Söhne des bekannten Sherpa Tenzing, während ich für die Planung und Koordination der An- und Rückreise sorge. Eine gar nicht so einfache Angelegenheit. Ich werde meine Schwester in Bangkok treffen um dann gemeinsam nach Indien zu fliegen.
Mit längeren Märschen um mein Fussgelenk an die Belastung zu gewöhnen, leichtem Jogging, Velofahren und Treppensteigen im Fitness-Center von Willi in Angeles, bin ich fest entschlossen diesmal mit einer besseren Kondition zum Trekking anzutreten. Doch dann kommt die Hitze: 38 Grad Celsius. Je mehr ich trainiere, umso schwächer fühle ich mich danach. Statt die Batterien aufzuladen,  scheint es als ob es sie entladen würde. Ich muss einen Monat pausieren. Die Wiederaufnahme des Trainings ist brutal. Nach kaum hundert Metern Joggen bin ich schlapp. Der letzte Test vor meinen Umzug in die Provinz nach Eastern Samar ist ein Desaster. Vom Friendship Gate (für Insider) komme ich gerade noch bis zum Friedhof vis-a-vis vom Sunset Garden. Ich bin am Boden zerstört. Die einzige Genugtuung, ich kann wenigstens zurück, andere bleiben für immer dort. Die nächsten Tage verspüre ich zudem so starke Rückenschmerzen, dass ich kaum mehr laufen kann. Doch nur keine Panik. Bis zum Trekkingsbeginn habe ich ja noch etwas Zeit. Das Training in Maydolong scheint auch nicht unter dem besten Stern zu stehen. Zuerst stoppt mich eine Erkältung, dann verstauche ich mir das Fussgelenk. Ausgerechnet an meinem 58. Geburtstag verspüre ich einen stechenden Schmerz in der unteren Rückengegend. Ich muss in die Klinik nach Borongan. Diagnose des Röntgologen: mild degenerative disc disease, Abnützung eines Lendenwirbels! Tja, man wird leider nicht jünger. Was soll nur aus dem Trekking werden? Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit. Noch ist nicht alles verloren.

Seltsame Praktiken der indische Botschaft in Manila

Als regelmässiger Besucher von Indien weiss ich, dass die Ausstellung des indischen Visa fünf Arbeitstage in Anspruch nimmt und sechs Monate lang gültig ist. Um Zeit zu gewinnen beantrage ich die Formulare für das Touristenvisum anfangs Juli in Manila. Ich übergebe das Ganze meinem Reisebüro Mr. Ticket in Angeles. Auf der Botschaft heisst es, dass die Gültigkeit des Visums nur drei Monate betrage, es daher bei einer geplanten Einreise am 9. Oktober zu früh sei den Antrag zu stellen. Kein Problem, dann beantragen wir es halt Mitte Juli. So geschehen. Der Antrag wird anstandslos angenommen, die 60 US $ einkassiert. Nach fünf Arbeitstagen erhalte ich meinen Pass wieder zurück. Na also, war ja gar nicht so kompliziert. Bei näherer Kontrolle traue ich meinen Augen nicht. Obwohl ich auf dem Antrag ganz klar angegeben hatte am 9. Oktober in Indien einzureisen, ist die Gültigkeit des Visums auf zwei Monate, bis zum 26. September, beschränkt! Es kann sich nur um einen Fehler handeln, ansonsten dieses Visum ja gar keinen Sinn macht. Der Vertreter von Mr. Ticket ist am folgenden Tag erneut auf der Botschaft um auf die Nutzlosigkeit dieses Visum hinzuweisen. Die arrogante „Bürogummsle“ erklärt ihm jedoch: „Sorry,  wir können nichts machen, es ist Ihr Fehler, warum haben Sie das Visum so früh beantragt. Der nächste bitte!“ Zuerst sagen sie es seit drei Monate gültig und plötzlich sind es nur noch zwei Monate? Was soll das? Anscheinend wissen sie es selber nicht. Weshalb haben sie uns bei der 2. Abgabe nicht entsprechend informiert? Aber die 60 $ kassieren, das können sie. Tja, da werde ich wohl einen neuen Visumantrag in Bangkok stellen müssen und noch einmal bezahlen. Ich buche deswegen meinen Flug von Manila nach Bangkok um. Doch Moment, die kennen den Blaser noch nicht. Ich informiere via E-Mail das Ministerium für Tourismus in New-Delhi mit Kopie an den indischen Botschafter in Manila über diese Praxis und beschwere mich darüber. Drei Tage später erhalte ich ein Mail von der indischen Botschaft in Manila: „Bringen Sie den Pass damit wir die Angelegenheit erledigen können!“ Aha, scheinbar hat meine Intervention doch etwas genützt. Diesmal erscheine ich persönlich auf der Botschaft. Innerhalb von zehn Minuten erhalte ich den Pass mit der abgeänderten Gültigkeit zurück. Ich lasse es mir nicht nehmen die  „Bürogummsle“ darauf hinzuweisen, dass die Dauer der Gültigkeit auf der eigenen Webseite mit sechs Monaten angegeben ist. Ihre Antwort: „ist nicht mehr gültig!“ Tja, weshalb wird es dann nicht geändert?

Einen Tag auf der Immigration in Manila

Touristen die sich mehr als sechs Monaten auf den Philippen aufhalten, müssen bei der Ausreise eine Exit Clearance vorweisen, eine Bestätigung, dass die betreffende Person keine kriminelle Taten begangen hat und nicht „blacklistet“ ist. Stellen Sie sich so was in der Schweiz vor? Wie würden die Ausländerorganisation da wieder „Sturm“ laufen, dies sei entgegen den Menschenrechten. Da dieses Papier nur auf dem Immigration Office in Manila ausgestellt wird und ich seit Mitte August in der Provinz Estern Samar wohne, muss ich erneut umdisponieren und den Flug nach Manila zu einem früheren Zeitpunkt buchen. Wie jeder der schon ein wenig in den Philippinen umhergereist ist, weiss, dass man hier immer mit Unerwartetem rechnen muss. Ich buche daher den Sonntagmorgenflug um 06.50 Uhr, was soviel bedeutet, dass ich in Maydolong bereits um 01.30 Uhr abreisen muss. Beim Check-in gibt’s Probleme: das Computer System funktioniert nicht. Ich, mit einem zweimal umgebuchten elektronischen Ticket, stehe da wie ein gekläpfter Hund. Durch den Systemausfall hat auch das Flugzeug Verspätung. Nach rund zwei Stunden Warten, kriege ich nach „leichtem“ drängen die Borading Karte dann doch noch. Somit wären wir schon mal in Manila. Ich kann nun nur hoffen, dass ich dieses Papier im Verlaufe des Montags erhalte, denn mein Flug nach Bangkok ist am Dienstagmorgen. Zum ersten Mal seit langem gibt es mit dem Flughafentaxi ins Hotel an der Adriatico Street kein Theater und keinen „Abriss“. Anstandslos schaltet der Taxidriver den Taxmeter ein. Die Fahrt kostet mich am Schluss gerade 85 Pesos! Erstaunlich.

Am Montagmorgen stehe ich bereits um 08.00 Uhr vor dem imposanten Gebäude der Immigration in Intramuros. Ich frage mich durch, bis ich endlich in einem Nebengebäude am Schalter 27 das ausgefüllte Formular, Pass, Fotokopien von bestimmten Passseiten und drei Passfotos abgeben kann. Nach knapp zehn Minuten ruft mich der Beamte wieder zu sich. Die Kontrolle ist bereits erledigt. Auf dem Formular lese ich den grossen roten Stempel mit der Aufschrift „No records found“. Ich werde nun in ein anderes Gebäude geschickt um die Expressgebühr von 500 Pesos zu bezahlen. Zurück am Schalter 27 heisst es, dass ich um 14.30 am Schalter vorsprechen soll. Super, ich hätte nicht gedacht, dass dies so einfach geht. Voller Freude bin ich pünktlich zurück. Man schickt mich nun in den 2. Stock eines noch anderen Gebäudes zu einer Frau Marivic. Als ich den riesigen Saal betrete herrscht beim Eingang ein Treiben wie in einem Bienenhaus. Leute kommen und gehen, ein heiles Durcheinander. Unzählige kleine Pulte sind in drei Reihen aufgestellt. An der Decke drehen lautlos die grossen Propeller der Ventilatoren. Als ich nach Frau Marivic suche fällt mir auf, dass jeder zweite BeamteIn entweder an seinem Händy „herumfingerlet“ oder nichtstuend in seinem Sessel sitzt. Frau Marivic kann mein Papier nicht finden. Sie schickt mich zu Mister Henry. Wer ist den Mr. Henry? Der findet auch nichts und schickt mich wieder zu Frau Marivic zurück. Ein Hin und Her. Schliesslich lande ich bei einem anderen Beamten, wo ich mein Formulare mit den Passfotos vorfinde. Ein Wunder, dass in einem solchen Papierkrieg nichts verloren geht. Grund: die Exit Clearance konnte nicht bearbeitet werden, weil bei einem der Verlängerungstempel der Handeintrag der Quittungsnummer fehlt. Ein eindeutiger  Fehler des Immigrationsbeamten, doch dies hilft einem in solchen Momenten recht wenig. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung schon etwas schlauer geworden, kann ich die Originalquittung vorweisen. Bis das Formular ausgestellt ist und vom Chef unterschrieben ist, vergeht nochmals eine halbe Stunde. Uf, das hätten wir. Somit kann ich morgen ausreisen.

Abschlusstraining

Die Philippines Airlines fliegen seit kurzem vom endlich eröffneten NAIA II Flughafen. Dies wusste ich nicht und prompt lädt mich der Taxifahrer am NAIA I aus. Welch ein Theater beim einchecken mit den neuen Vorschriften. Nicht einmal Shampoo oder Zahnpasta darf man im Handgepäck mitnehmen. Es wird noch soweit kommen, dass die Passagiere nackt fliegen müssen! Ich frage mich, ob die ganze Geschichte mit den vereitelten Terroranschlägen in England nicht wieder ein „montierter“ Coup der US-Regierung ist um die sinkende Popularität des Präsidenten aufzuhalten. Denen ist alles zuzumuten.


Bild links: die meistgesuchten Bankräuber der Philippinen

Seit dem Abflug in Manila scheint das Glück auf meiner Seite zu stehen. Nur zwei Tage nach meinem Abflug wütet der Taifun „Milenyo“ (internationaler Namen: Xangsane) über Metro Manila und Süd Luzon und legt den ganzen Flugverkehr lahm! Glück gehabt. Glück auch, dass ich in Thailand nicht auf dem neuen Flughafen „Suvarnabhumi“ – sprich Suvanabum - gelandet bin. Passagiere sollen am ersten Tag bis zu sechs Stunden auf ihr Gepäck gewartet haben! Glück ebenfalls, dass ich nicht zum Zeitpunkt des Militärputches eingereist bin. Die westlichen Medien scheinen wieder einmal alles viel zu dramatischer dargestellt zu haben, wobei dies das Beste war, was dem Lande, zu Lebzeiten des Königs, passieren konnte. Schliesslich Glück, dass ich in Pattaya zu einem Zeitpunkt angekommen bin, in dem das bis zu 70 cm hohe Wasser in den Strassen von Central Pattaya versickert ist. Mehr zu diskutieren als der Militärputsch, gibt das ab 1. Oktober neue verschärfte Einreisegesetz für Ausländer. Betroffen sind vor allem jene Langzeittouristen aus 41 Ländern, welche bei der Einreise automatisch ein "Visa on arrival", ein Monatsvisa erhalten, welches durch kurzes Verlassen des Königreiches, sog. "Visa-runs", beliebig verlängert werden konnte. Dies ist nun nicht mehr, d.h. nur noch dreimal innert sechs Monaten möglich.
Beim Bezug meines Zimmers im 2. Stock des Twin Palms Resort werde ich wieder an meine physische Verfassung erinnert. Nicht nur, dass ich von diesen wenigen Treppen ausser Atem bin, nein, ich verspüre nun auch noch ein stechender Schmerz in meiner Kniescheibe! Bis zum ersten Trekkingtag habe ich noch immer einige Tage Zeit, doch langsam wird es schon bedenklich. Nun, vor meinen Start zum K2 Trekking in Pakistan war ich ja auch nicht wesentlich besser in Form, wobei ich dies unterwegs schwer büssen musste. In den nächstfolgenden Tagen spricht sich unter Hotelpersonal und Hotelgäste herum, dass ein Farang bababobo – dumm – in Badehose und Bergschuhen unablässig die Treppen hinauf und hinab steigt. Ob es etwas genützt hat werden wir sehen.


Der König ist so beliebt wie noch nie

Sonntag, 8. Oktober 2006: Bangkok, Thailand

Gemäss der Webseite von Unique (Flughafen Kloten) ist der Flug TG 971 der Thai International gestern pünktlich um 13.30 Uhr gestartet. Die Ankunft sollte daher wie geplant um 05.20 Uhr erfolgen. Da niemanden genau weiss, wie lange die Fahrt zum neuen Flughafen, 30 Km östlich von Bangkok, dauert, lasse ich mich um 04.00 Uhr wecken. Sonntags herrscht in Bangkok meistens nur wenig Verkehr, um diese Zeit noch weniger. Über den Highway bin ich in zwanzig Minuten bereits dort. Die Anfahrt mit Tausenden von orange leuchtenden Strassenlampen ist eindrucksvoll. Ich bin viel zu früh. Dies gibt mir die Gelegenheit mich ein wenig umzusehen. Was hier auf einer Fläche von 4'200 Hektaren aufgestellt wurde ist gigantisch. Die Kapazität des Flughafens beträgt in der Anfangsphase 45 Mio. Flugpassagiere! Die Ankunft des Fluges TG 971 ist auf dem Bildschirm angezeigt. Wer jemanden abholt, muss einzig darauf achten bei welchen Ausgang, A oder B, er zu warten hat. Die Gepäckausgabe scheint geklappt zu haben, denn kurz darauf läuft meine Schwester durch den Ausgang. Ein Taxi in die Stadt wäre am leichtesten. Ich möchte die Gelegenheit jedoch benützen um die Busverbindungen auszukundschaften. Es gibt verschiedene Busse in die Stadt. Wir wählen den öffentlichen Bus über den Highway zum Victory Monument. Kostenpunkt: 35 Baht (CHF 1.-). Von dort geht’s mit dem Skytrain weiter in die Sukhumvit Road, ins Hotel.


Der neue Flughafen Suvarnabhumi (Bilder zvg)

Nach kurzer Pause sind wir schon wieder unterwegs. Meine Schwester wünscht unbedingt das Jim Thomson House zu besuchen. Jim Thompson war ein Amerikaner der nach dem 2. Weltkrieg nach Bangkok kam und das thailändische Seidengewerbe völlig neu belebte. 1967 verschwand er auf mysteriöse Weise in den Cameron Highlands (Malaysia). Kein Problem. Es steht vis-à-vis des National Stadium und ist leicht mit dem Skytrain erreichbar. Die Anlage besteht aus sechs traditionellen Teakholzhäusern in einem wunderschönen Garten. Eine Oase der Ruhe. Sein Haus, ganz im traditionellen thailändischen Stil erbaut, ist ein kleines Museum und beherbergt asiatische Kunstgegenstände. Weibliche Besucher sind jedoch vor allem am Seidenladen interessiert.
Der ohrenbetäubende Lärm der Boote welche auf dem anliegenden Klong vorbeidonnern, erwecken mein Interesse. Ich erkundige mich wohin die Boote fahren. Es geht zum Pratunam Pier. Super, genau dort wollen wir hin um den Bayoke II Tower, das höchste Gebäude von Bangkok, zu besuchen.


Jim Thomson House


Rückfahrt auf dem Klong zum Pratunam Pier


Aussicht vom Bayoke II Tower

Montag, 9. Oktober: Bangkok

Unser Flug nach Kalkutta startet heute um 23.40 Uhr. Wir haben noch den ganzen Tag Zeit die letzten Vorbereitungen zu treffen. Meine Schwester hat als Zusatzverpflegung schon mal Käse und Bündnerfleisch mitgebracht. Was wir noch brauchen ist etwas Schokolade und Riegel. Wir sind bereit. Um 18.00 Uhr checken wir im Hotel aus, Essen noch was und schon ist es Zeit wiederum zum Flughafen zu fahren. Check-in, Passkontrolle, alles klappt ausgezeichnet. Ich bin gespannt was uns in der Abflugshalle erwartet. Ich bin jedoch enttäuscht, sehr enttäuscht. Ausser Verkaufsläden gibt es nichts! Sind wir denn in einem Shopping-Center? An das Wohl der Passagiere scheint niemanden gedacht zu haben. Etwa eine grüne Ecke wie zB. in Singapore. Es gibt auch zu wenig Stühle, keine Post, ja nicht einmal ein Business-Center mit Internet! Kann sein, dass ich es einfach nicht gefunden habe. Einmal durch den Handgepäck-Check gibt es bei den Gates nichts mehr. Es ist kalt und unfreundlich. Der Raum bei unserem Gate ist  zudem viel zu dunkel. Die Stahlkonstruktion mutet ansonsten supermodern aus, da fragt sich, wie es in einigen Jahren aussehen wird wenn diese beginnt zu rosten.


Das offizielle T-Shirt unseres Trekkings


Wo liegt denn eigentlich Sikkim?

Dienstag, 10. Oktober: Calcutta

Der Flug nach Calcutta dauert nicht ganz drei Stunden. Die Zeitverschiebung beträgt 1½ Stunden. Als wir ankommen ist es 00.50 Uhr. Vom neuen Flughafen herkommend wirkt der Internationale Flughafen von Calcutta erbärmlich. So schnell gings aber noch nie bei der Immigration. Meine Wartezeit beträgt gerade zwei Minuten! Die Gepäckausgabe ist etwas langsamer. Die Etikette „Priority“ an unserem Gepäck scheint hier keine Gültigkeit zu haben. Ich bin gespannt ob das via E-Mail bestellte Taxi vom Hotel Astoria da ist. Sogar das klappt. 500 Rupien, für diese Zeit mitten in der Nacht ok. Seitdem wir das Flughafengebäude verlassen haben, stinkt es nach Gülle und Urin. Die Strassen sind menschenleer. Umso mehr gibt der Fahrer Gas. Überall links und rechts der Strasse schlafen Menschen auf Karren und in den Rikschas. Ich kann mich überhaupt nicht orientieren und habe keine Ahnung ob wir auf dem richtigen Weg sind. Da kann man nur Gottvertrauen in den Fahrer haben. Doch dieser wurde ja vom Hotel geschickt, also kann nichts passieren. Um 03.00 Uhr checken wir im Astoria an der Sudder Street ein. Man führt uns durch ein Treppenhaus, das vermutlich seit der Unabhängigkeit Indiens nicht mehr gereinigt wurde, in unser Zimmer. Als wir eintreten kommt uns ein muffiger Gestank entgegen. Es ist ein geräumiges Zimmer mit Air-Cond, Kühlschrank und TV. Dusche und WC sind akzeptabel. 950 Rupien (CHF 30.-) dafür, sind jedoch ein stolzer Preis. Einige Stunden Schlaf werden gut tun. Meine Schwester, vom Calcutta-Stil anscheinend etwas geschockt, schläft in den Kleidern.
Es ist 09.00 Uhr, Wir müssen auf, wir haben heute noch vieles zu erledigen. Wir brauchen das Zugsbillet für den heutigen Nachtzug nach New Jaipalguri und müssen den Rückflug von Bagdogra nach Calcutta buchen. Die Sudder Street hat sich nicht gross verändert. Einige neue Absteigen und Restaurants sind dazugekommen. Wir frühstücken im „Zürich“. Das Restaurant wurde seit meinem letzten Besuch umgebaut. Nicht mehr da ist Taxifahrer Singh. Die Sudder Street beim Indian Museum und nahe des Maidan Parks, Calcuttas grüne Lunge, ist recht zentral gelegen. Um 10.15 sind wir auf dem Eastern Railway Office. Der Saal ist schon recht gut besetzt. Wir erhalten die Nummer 25. Drei Schalter sind offen. Gerade wird die Nummer 5 aufgerufen! Mensch, das wird aber einige Zeit dauern. Um 11.30 Uhr ist die Nummer 15 dran. Eine mühselige Angelegenheit. Bei Schalter 3 läuft schon seit längerer Zeit überhaupt nichts und beim 2. dauert es jedes Mal eine Ewigkeit bis das Ticket ausgestellt ist. Meine Schwester fährt mit dem Taxi zurück ins Hotel um auszuchecken. Eine ganze Nacht für dieses „Scheisszimmer“ bei einem auschecken um 18.00 Uhr zu bezahlen, machen wir nicht. Als meine Schwester zurück kommt, ist meine Nummer soeben aufgerufen worden. Wegen des Puja-Festes sind alle Plätze im Schlafwagen 1. Klasse ausgebucht. Es verbleiben nur noch Plätze in der 2. Klasse. Wir haben keine Wahl. Zum Glück hat meine Schwester schon etwas Indienerfahrung und ist nicht so zimperlich. Kostenpunkt für zwei Passagiere: 486 Rupien, knapp CHF 10.-
Als nächstes müssen wir unser Flugticket zurück nach Calcutta buchen. Das Office der Jet Aviation ist an der Park Street, unweit der Sudder Street. Auch dies ist erledigt. Der restliche Nachmittag steht zu unserer Verfügung. Ich hätte meine Schwester eigentlich gerne zum Sterbehaus von Mutter Teresa gebracht. Doch wir kommen nicht weiter als die Park Street 18. Ein Schaufenster erweckt unsere Aufmerksamkeit. Es ist das Schaufenster der Flury Konditorei. Wir treten ein. Das Angebot ist atemberaubend. Wir verlangen nach dem Chef um mehr zu erfahren. Junior Sous Chef Arindam Bhattacharya erzählt, dass Herr und Frau Flury das Tea Room 1927 gegründet haben. Bald wurde es zu einem beliebten Treff in welchem Engländer wie Inder seine Schweizer Schokolade, welche zu den besten ausserhalb Europas zählte, sowie die exotischen Süssigkeiten genossen. Der Verkehr der 15 Mio. Stadt hat sich inzwischen zu einem riesigen Verkehrschaos entwickelt. Nirgendwo sonst in Indien gibt es hier noch von Menschen gezogene Rikschas. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Garten des Fairlawn Hotels. Wir werden bei unserer Rückkehr hier übernachten.
Um 18.00 Uhr dislozieren wir zum Bahnhof Sealdah. Die Abfahrt ist gemäss Fahrplan um 19.35 Uhr. Obwohl es manchmal nicht den Anschein macht, dass die Abfahrtszeit eingehalten werden kann, können wir 100% sicher sein, dass indische Züge pünktlich abfahren. Wie immer sind an den Wagons Listen mit den Passagiernamen und ihren zugeteilten Sitznummern angebracht. Es gibt daher nie Diskussionen. Wir sind die einzigen Ausländer. Es ist ein offenes Sechserabteil. Einziger Unterschied zur 1. Klasse, es gibt kein Kissen und Leintuch und statt der Air-Cond sind es Ventilatoren. Unsere Mitreisende sind nette Leute. Allmählich legen sich alle schlafen. Es ist schon 21.30 Uhr. Gewisse Vorsichtsmassnahmen sind in solchen Situationen immer einzuhalten. Pass, Geld und Dokumente gehören auf Mann resp. Frau.


In der Umgebung von Sudder Street


Eine gute Adresse: Park Street 18 - Flury's Pastries
Bild links: Junior Sous Chef Arindam Bhattacharya (rechts)

Mittwoch, 11. Oktober: New Jaipalguri – Darjeeling (2134 m)

Ich habe gut geschlafen. Musste einmal aufs WC. Dieses ist in einem erstaunlichen sauberen Zustand. Doch wie überall stinkt es nach Urin. Die Tschai-Verkäufer (Teeverkäufer) laufen unablässig hin und her. Ein Becher kostet vier Rupien. Dazu gibt es Biskuits. Der Zug hat Verspätung. Wir fahren durch unendliche Reisfelder. Im Zug herrscht ein reges hin und her von Verkäufern. Unglaublich was die alles Mögliche verkaufen. Der Zug wird langsamer. NJP. Wir sind angekommen.


Im Kanchankanya Express nach New Jaipalguri


Bahnhof von NJP

Vor drei Jahren konnte man für 1000 Rupien mit dem Taxi nach Darjeeling fahren. 1500 werden angeboten. Ok, nichts wie los. Zunächst geht es nach Siliguri und dann entlang der berühmten Schmalspurbahn. Wir erreichen die ersten Teeplantagen. Unser Fahrer wählt die Abkürzung die „Tremola“ hinauf direkt nach Kurseong. Eine eindrückliche Fahrt. Ab Kurseong wird es mühsam. Stockender Verkehr und teilweise sehr schlechte Strasse. Das Wetter ist, tja wie könnte es anders sein, bedeckt. Kurz nach Mittag sind wir in Darjeeling. Unser Hotel, das Dekeling, ist gut gelegen, etwas unterhalb des Chowrasta-Platzes. Zur Rezeption geht es allerdings 69 Treppen hinauf. Auch ohne Rucksäcke keuchen wir, als ob wir gerade den Gipfelgrat zum Everestgipfel hinter uns gebracht hätten. Ja, wir sind immerhin schon auf 2134 Meter. Das Sherpa Mädchen des Hotels hingegen, trägt zu unserer Verblüffung beide Rucksäcke gleichzeitig hinauf. Unser Zimmer ist unter dem Dachstock gelegen. Nochmals 49 Treppen. Doch die vielen Treppen lohnen sich. Ein wunderschönes Zimmer. Die Aussicht auf die Stadt ist genial. Frau Norbu, die Besitzerin, begrüsst uns herzlich. Sie und ihr Mann sind Tibeter und führen das Hotel im Familienbetrieb. Unten befindet sich das Restaurant, bekannt vor allem für seine Momos, eine Art tibetischen Ravioli.


Fahrt nach Darjeeling


Das Wetter: regnerisch, wie immer...


Unser Hotel Dekeling - Bild mitte: Frau Norbu

Die Zeit ist seit meinem letzten Besuch nicht stehen geblieben. Die Uhr des Clock Towers funktioniert wieder. Ansonsten scheint sich nicht viel geändert zu haben. Es gibt nun aber sogar ATM’s. Welch ein Fortschritt. Wir haben ein Rendez-vous mit Sonam, der liebenswürdigen Gattin von Jamling Tenzing. Wir müssen den Rest unseres Trekkings bezahlen. Den Weg zum Gang-La, dem Tenzing House, kenne ich in der Zwischenzeit auswendig. Jamling ist leider mit einer Gruppe seit Gestern unterwegs. Wir werden ihn nach unserer Rückkehr treffen. Alle notwendigen Bewilligungen sind vorhanden. Für ein Trekking in Sikkim benötigt man einige Papiere, so das Inner Line Permit sowie ein Restricted Aera Permit. Zu unserem Ziel, dem Frey’s Peak Base Camp sind sogar nur zwei Trekkingagenturen berechtigt. Die meisten Trekking-Gruppen haben als Ziel den Goecha-La-Pass (4940 m). Unsere Destination ist daher schon sehr speziell. Beim Besprechen des Programms haben wir vor allem Bedenken über die enorme Höhendifferenz welche an den drei ersten Tagen zu bewältigen ist. Von 2000 auf 5000 Meter! Überall in der Literatur über Höhenkrankheit wird ab 2500 Meter von einem täglichen Aufstieg von mehr als 300-500 Meter Höhemeter gewarnt. In einer Höhe von 3000 m enthält die Atmosphäre nur noch die Hälfte Sauerstoff wie auf Meereshöhe. In 5000 m ist es sogar nur noch ein Drittel. Aber wie kann man diese Regel hier anwenden? Da müssten wir ja zehn Tage nur bis zum Base Camp des Frey’s Peak einplanen. Obwohl ich mir deswegen auch ein wenig Sorgen mache, hat meine Schwester grosse Bedenken. Sonam rät uns zur Akklimatisation soviel wie möglich in den verbleibenden zwei Tagen zu laufen.


Unser trekking permit

Donnerstag, 12. Oktober: Darjeeling (2134 m) – Tiger Hill (2590 m)

Sollte das Wetter klar sein, wird man uns um 04.00 Uhr für den Ausflug zum Tiger Hill wecken. Als ich um 03.30 Uhr auf die Toilette muss, schaue ich kurz durchs Fenster. Das wird wohl nichts werden und freue mich aufs Ausschlafen. Um 04.00 Uhr läutet das Telefon. Also, auf. Ich bin skeptisch. Ich war schon zweimal auf dem Tiger Hill. Beide Mal habe ich nichts gesehen. Unzählige Fahrzeuge sind bereits unterwegs. Eine richtige Völkerwanderung. Als wir oben ankommen ist auf der Terrasse eine riesige Menschenmenge versammelt. Alle warten auf den Sonnenaufgang. Tja, damit wird wohl nichts werden. Eine kurze Zeit hellt der Horizont auf, doch unser Ausflug war „for the fox“ – für die Füchse. Zurück im Hotel entschuldigt sich Frau Norbu für das unfreundliche Wetter. „So viele Gäste kommen von so weit um die Berge zu sehen, ich werde für schönes Wetter beten“.


Auf dem Tiger Hill (2590 m)


mehr als soviel sieht man nicht

Als Schlechtwetterprogramm ziehen wir Richtung Zoo und HMI (Himalayan Mountaineering Institute) los. Wir stehen vor geschlossenen Türen. Als Ersatz besuchen wir eine Teeplantage. Es gibt in Darjeeling und Umgebung 81 Tea Estates. Diejenige von Happy Valley ist am nahegelegensten. Dichter Nebel ist in der Zwischenzeit aufgekommen. Beim Abstieg zur Fabrik ist die Sicht kaum fünfzig Meter weit. Geschlossen. Seltsam, jedes Mal wenn ich eine Teefabrik besuchen will, ist sie geschlossen. Man erklärt uns, dass die Saison zu Ende gehe und nur noch wenig Tee gepflückt werde, sodass die Fabrik für die Verarbeitung nur noch sporadisch offen ist. Frau Kursum bietet sich an uns für eine Tasse zu 25 Rupien ALLES über den Tee zu erzählen. Die Teepflückerinnen haben ihre Mittagspause beendet und schwärmen in die Plantagen aus.


Das Himalayan Mountaineering Institute (HMI) sowie der Zoo sind jeden Donnerstag geschlossen


Happy Valley Tea Estate


Frau Kursum erklärt uns die Geheimnisse des Super fine tippi golden flowering orange peakoe, S.F.T.G.F.O.P 1 genannt


Nach der Mittagspause beginnen die Pflückerinnen mit der Arbeit

Als nächstes wollen wir zum Botanical Garden. Man gibt uns eine Abkürzung an. Schöne Abkürzung. Wir landen total in der „Scheisse“. Tja, irgendwo müssen ja die Abwässer der Häuser im oberen Darjeeling den Hang hinunter kommen. Es stinkt gottsjämmerlich. Die Ankunft im Garten ist eine echte Erlösung. Leider hat es nun zu regnen begonnen. Die Blumenpracht im Treibhaus ist zu dieser Jahreszeit mager. Im Frühling muss sie sicher sehenswert sein.


Auf dem Weg zum Botanical Garden


die Abkürzung


Der Botanische Garten

Es regnet so stark, wir müssen einen Schirm kaufen. Zeit zum Essen. Es gibt unzählige gute Restaurants in Darjeeling, man muss nur wissen wo. Uns verschlägt es ins Hasty Tasty. Nach meiner letztjährigen Reise zu den Ganges-Quellen bin ich vom Indian Food begeistert. Das bestellte Chola Masala (Kichererbsen) schmeckt absolut delikat. Ohne Zweifel gehört die indische Küche zur besten der Welt.


Die indische Küche gehört zur Besten der Welt

Freitag, 13. Oktober: Darjeeling (2134 m)

Die Sonne scheint wieder. Von den Bergen ist aber nach wie vor nichts zu sehen. Heutiges Ziel ist der Batasia Loop, eine Schleife die es dem Zug ermöglicht den steilen Anstieg von Ghum nach Darjeeling zu meistern. Laut den Ansichtskarten hat man von hier einen wunderschönen Blick auf die Berge, selber habe ich es jedoch noch nicht erlebt. Als wir mit dem Taxi den Bahnhof passieren, ist der Touristenzug gerade losgetuckert. Wir überholen ihn. Dreiviertelstunden später nähert er sich dem Batasia Loop. Sein Standort ist an der schwarzen Russfahne leicht erkennbar. Der Zug fährt in die Arena ein und hält an. Japanische Touristen steigen aus und lassen sich mit dem Lokführer fotografieren. Zu Fuss marschieren wir der Strasse entlang zum Kloster von Ghum und anschliessend zum Bahnhof. Nebel kommt wieder auf. Wir fahren nach Darjeeling zurück.


Letzte Vorbereitungen: Zuerst müssen noch Hosen verkürzt und meine Bergschuhe repariert werden


Der Bahnhof von Darjeeling


Batasia Loop (ohne Sicht auf die Berge)


Bei schönem Wetter sind die Feldstecher sehr begehrt


Vom Batasia Loop marschieren wir zum Kloster von Ghum


Der Bahnhof von Ghum

Der Nachmittag ist dem Besuch des Zoo und HMI gewidmet. Ich besuche meinen Freund Mr. Das, Kurator des HMI. Leider ist er mit den Vorbereitungen zum morgen beginnenden HMI Golden Jubilee zum 50jährigen bestehen des Institutes beschäftigt. Zu einem Tee und einem kurzen Gespräch zusammen mit dem Police Superintendent reicht es dennoch. Auf dem Rückweg durch den Zoo begegnen wir Schneeleoparden, indischen Tigern und einem schwarzen Himalaya Bär.


Besuch im HMI - Bild links: Kurator Herrn Chandranath Das und der Principal Col. J.S. Dhillon - Bild rechts: das neue Museum


Im Zoo: Schneeleopard, Schwarzer Himalaya Bär und indischer Tiger

Samstag, 14. Oktober: Darjeeling (2134 m) – Pelling (2000 m)

Ich kann es kaum fassen als ich um 05.30 Uhr aus dem Fenster schaue. Die ganze Bergkette ist frei. Ein Wunder. Sensationell! Und dies zum heutigen Trekking-Start. Welch ein Glück wir doch haben. Namgyal, unser Guide holt uns um 08.30 Uhr im Hotel ab. Die Fahrt geht durch wunderschöne hügelige Landschaften. Wir folgen lange Zeit dem Grenzfluss Teesta nach Malli, dem Grenzposten von Sikkim. Sikkim ist als ehemaliges unabhängiges Königreich seit 1975 ein Bundesstaat der Indischen Union. Als Gegenleistung wurde Sikkim eine gewisse politische Autonomie zugestanden und ist heute Zollfrei. Die Strasse windet sich durch dichte Teakholzwälder das Tal des Rangsit Rivers nach Lakship hinauf. In unzähligen Kurven geht es auf fast 2000 Meter nach Pelling hinauf. Die Fahrt dauert fünf Stunden. Wir sind im Hotel Norbughang untergebracht. Wieder sind wir zuoberst. Wieder Treppen. Namgyal führt uns zum berühmten Kloster von Pemayangste. Der Weg endet in einem steilen Erdhang. Namgyal und meine Schwester gehen weiter, ich verzichte darauf. Auf der gegenüberliegenden Seite erkennt man sehr gut auf einem Bergplateau das morgige Ziel Yuksam. Yuksam liegt lediglich sieben Kilometer Luftlinie von Pelling entfernt, der Strasse entlang sind es 35 Kilometer. Namgyal erzählt uns von der unheimlichen Entwicklung Pelling. Hotels sollen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Es sind hauptsächlich indische Touristen die hierher kommen, der beiden Kloster wegen, hauptsächlich aber wegen der grandiosen Sicht auf die Schneeberge. Ich bin gespannt…


Erstmals sind die Berge sichtbar!


Unterwegs nach Pelling


Bild links: Grenzposten von Malli (Übergang nach Sikkim) mit Fluss Teesta


Die Wasserfälle von "Kangchenzunga"

Sonntag, 15. Oktober: Pelling (2000 m) – Yuksum (1780 m)

Mitten in der Nacht wache ich auf. Der Himmel ist klar. Heute oder nie! Sicherheitshalber stelle ich den Wecker um ja nicht zu verschlafen. Um 05.15 Uhr herrscht vor unserem Zimmer Lärm. Indische Touristen haben sich auf der Terrasse „breit“ gemacht. Ich habe begriffen weshalb Namgyal unbedingt dieses Zimmer für uns haben wollte. Es ist das Beste. Langsam zeichnet sich die Bergkette am Horizont ab. Es wird immer grandioser. Um 05.45 Uhr wird die Spitze des Kangchenzungas als erste von den Sonnenstrahlen erfasst. Kurz darauf verfärben sich die Bergriesen gelb und rot. Ein sensationelles Schauspiel. Die ganze Bergkette leuchtet nun im dunkeln Himmel, wie die Zähne eines Schwarzen. Das Panorama ist grossartig. Ganz links im Westen, noch im Schatten, erkennt man den Kang Peak (5560 m). Dieser wurde zur Geschichte 1883 vom Schweizer Joseph Imboden Erstbestiegen. Über den Kang-La-Pass führt der einzige Übergang nach Nepal und wurde früher von den ersten Expeditionen, wie diejenige von 1905 vom Genfer Jules Jacot-Guillarmod, zum Kangchenzunga über den Yalung-Gletscher benützt. Rechts davon ist der flache Gipfel des Koktang (6147 m) welcher vom Kumbhakarnat (7710 m) überragt wird. Die kleine dunkle Spitze davor ist der Ratong (6679 m), dann folgen der Kabru South (7317 m), der Kabru North (7338 m), der Talung (7343 m) und schliesslich der majestätische „Kantsch“ (8598 m). Nach einem solchen Panorama könnten wir eigentlich zurück nach Hause gehen. Doch wir wollen die Berge noch von etwas näher sehen.


Das Panorama von Pelling
v.l.n.r. Kang (5560 m), Koktang (6147 m), Kumbhakarnat (7710 m), Ratong (6679 m)
Kabru South (7317 m), Kabru North (7338 m), Kabru Dome (6600 m),
Talung (7349 m), Kangchenzunga (8598 m)


Pelling (2085 m)


Grandioses Panorama auf den Kangchenzunga

Am späteren Vormittag fahren wir nach Yuksum los. Die Fahrt ist kurz und dauert lediglich 2 ½ Stunden. Wir nehmen uns Zeit und stoppen mehrmals unterwegs. So an den „Kangchenzunga-Wasserfällen“. Jeden Sonntag herrscht in Yuksum Markt. Ein kleiner Markt, dennoch ist es interessant sich ein wenig unter die Leute zu mischen. Wir begegnen hier oben etlichen Touristen, auch einigen jungen „Weissen die nach der billigsten Unterkunft suchen. Es kann sich wohl nur um Israelis handeln. Auch hier hat es in den letzten Jahren viele neue Hotels und Restaurants gegeben. Als Sehenswürdigkeit zählen das Kloster und der Coronation Thron von König Norbughang. Yuksum ist die erste Hauptstadt von Sikkim. In Yuksum ist auch der Eingang zum Nationalpark. Ausländer die weiter hinauf wollen müssen auf dem Polizeiposten ihr Trekking Permit vorweisen. Namgyal erledigt dies für uns währenddem wir uns Tee und Biskuits gönnen. Unser Campingplatz befindet sich am oberen Ende des Dorfes. Die Zelte werden erstmals aufgestellt. Namgyal stellt uns die Mannschaft vor: da ist Sherpa Nima, seine rechte Hand, Tashi, der Koch, Namaljal, Dolman und Baikumar als Küchengehilfen und room service sowie ein Dzo-Treiber. Insgesamt sieben Personen.


In Lakshep zweigt die Strasse nach Yuksum ab


Yuksum (1780 m) - Bild mitte der Polizeiposten bei dem das Trekking Permit gezeigt werden muss


Der Steinthron in Norbughang unter einer 300jährigen Tanne

Unser Team


Namgyal, so called "umbrella man"


v.l.n.r: Sherpa Nima, Tashi, Baykumar


Jamalal und Dolman

Montag, 16. Oktober: Yuskum (1780 m) – Bakhim Forest (2700 m)

Ich habe die erste Nacht im Zelt gut geschlafen. Meine Schwester beklagt sich allerdings über mein Schnarchen. Tja, an dies wird sie sich wohl in den nächsten Tagen gewöhnen müssen. Jamalal und Dolman servieren uns den Morgentee ins Zelt. Welch ein Service. Unsere Sachen sind schnell gepackt. Zum Frühstück gibt es zur Auswahl Tee, Nescafe oder Cadburry chocolate, Porridge und Toast. Der Porridge hat gar keinen Erfolg. Den können sie sich „schenken“, lieber Müesli oder Cornflakes. Von früheren Trekkings schlauer geworden, achte ich darauf nicht allzu viel zu essen, vor allem nichts fettiges wie Spiegeleier. Man weiss ja nicht ob es gleich neunzig Grad hoch geht und sich mit vollem Magen von der Anstrengung übergeben muss. Wir sind bereit. Langsam werde ich ungeduldig. Ich dränge loszumarschieren, denn in der Morgenkühle ist es am angenehmsten. Namgyal erklärt uns, dass es bis zur 3. Brücke nicht allzu schwer sei, dann allerdings ein steiler Aufstieg folge. Wir starten. Nima begleitet uns. Der breite Pfad führt zunächst fast eben taleinwärts. Ich marschiere in meinen Turnschuhen. Es lässt sich damit leichter laufen, nach dem letztjährigen Trekking hoffe ich damit auch keine Probleme mit meinem havarierten Fussgelenk zu bekommen. Es geht nun abwechslungsweise Auf und Ab. Ein angenehmes Wandern. Nach einer Stunde erreichen wir die erste Brücke. Na also, bis jetzt war es ja gar nicht so schlimm. Doch der Weg ist noch lang. Tief unten in der Schlucht zu unserer linken rauscht der Ratong Chu. Es geht nun immer weiter den Bergurwald durch Eichel und Kastanienbäume hinauf. Die Vegetation ist üppig. Im Frühling muss es hier prachtvoll sein wenn die weissen Magnolien und die über sechshundert verschiedenen Orchideenarten blühen. Viele Gruppen kommen auch hierher um die Vogelwelt zu betrachten, so genanntes „bird watching“. An wilden Tieren sollen hier vor allem Bären vorkommen. Die 2. Brücke ist erreicht. Regelmässig Trinken und sich Verpflegen, dies ist sehr wichtig bei solch langen Etappen. Nach drei Stunden sind wir bei der 3. Brücke angelangt. Ich bin moralisch auf den Aufstieg vorbereitet. Doch es gibt keinen Aufstieg. Stattdessen halten wir zum Mittagessen. Die Küche hat uns schon lange ¨überholt und das Essen vorbereitet. Wo ist denn der Aufstieg? Namgyal klärt mich auf. Dieser ist nach der 4. Brücke. Wohl ein Missverständnis. Es geht weiter. Wenig später senkt sich der Pfad jäh bergab zum Bett des Prek Chu. Wir überqueren die grosse Hängebrücke. Auf der anderen Seite angelangt, führen die ersten Meter unheimlich steil hinauf. Und so geht es die ganze Zeit weiter. Je höher wir kommen, desto dichter wir die Vegetation. Übermannsgrosse Philodendron setzten uns ins Staunen. Dichtes Moos und lange Flechtenbärte überziehen die rotrindrigen Tannenstämme. Langsam lassen die Kräfte nach. Jeder geht seinen Rhythmus. Meiner ist ganz wenig schneller und ich bin mit Nima voraus. Der Aufstieg nimmt kein Ende. Ich schaue gar nicht mehr hinauf, dies ist jedes Mal nur frustrierend. Meine Skistöcke verfangen sich unzählige Male in den Steinen was mich jedes Mal zurückreisst. So was macht mich wütend und Nima lernt die ersten Flüche auf Schweizerdeutsch. Der Aufstieg scheint unendlich. Nach sechs Stunden sind wir endlich in Bakhim. Es ist ein gemauertes zweistöckiges, geräumiges Gebäude auf einer Waldlichtung. Schlafräume befinden sich im oberen Geschoss. Talauswärts blickend können wir sehr gut die heutige Wegstrecke einsehen. Siebzehn Kilometer haben wir heute zurück gelegt. Eine schöne Leistung wenn man bedenkt, dass ich in den Vorbereitungen als Längstes zwei Stunden gelaufen bin. Meine Schwester ist immerhin zweimal von Prés d’Orvin zum Chasseral gelaufen.


Bild links: Da hinauf müssen wir! - Bild mitte: 1. Brücke


Bild links: 4. Brücke über den Prek Chu. Ab hier geht es steil aufwärts nach Bakhim (2760 m)

Dienstag, 17. Oktober: Bakhim Forest (2700 m) – Dzongri Alm (4085 m)

Der Gang zum WC-Zelt über die steile wackelige Holztreppe mitten in der Nacht war wiederum ein kleines Abenteuer. Weshalb nur muss ich jede Nacht mehrmals aufstehen? Dzongri heisst unser nächstes Etappenziel. Nochmals Tausend Höhenmeter. Der Weg geht im gleichen Stil steil weiter. Einfach „bisturi, bisturi“ – langsam, laufen. Kurz vor Tshoka, einer kleinen tibetanischen Siedlung, kommen die ersten Schneeberge ins Blickfeld. Wau! Bei einem solchen Anblick vergisst man die Strapazen leichter. Es ist der Pandim und die Juponu-Gruppe. In Tshoka (3050 m) angelangt gibt es eine Teepause. Wir marschieren durch die wenigen Häuser an Gärten mit Senfblätter und Kohl vorbei. Ich bin nun mit Namgyal voraus. Eine zeitlang folgen wir unseren Dzos. Diese laufen so ruckartig, dass wir des öfters kurz anhalten müssen. Dies bricht meinen Rhythmus. Ich gebe Namgyal das Zeichen zum Überholen. Namgyal erklärt mir dabei, dass die Tiere bis zu sechzig Kilos tragen. Allmählich geht der Laubwald in Nadelwald über. Die schlanke Himalaya-Tanne prägt die Landschaft mit ihren bizarren Formen. Der Weg besteht nun aus aneinander gereihten halbierten Rhododendron-Baumstämmen, der Flache Teil nach oben. Eine Autobahn. Das Laufen über eine Weite Strecke ist ganz angenehm so. Immer mehr kommen wir in die Rhododendron. Nicht kleine Sträucher wie bei uns zuhause, richtige grosse Bäume. Nach vier Stunden Aufstieg erreichen wir Phedang (3550 m). Hier gibt es das Mittagessen. Das war nun schon ein hartes Stück Arbeit. Meine Schwester klagt über Kopfschmerzen. Vermutlich die Anstrengung und die Höhe. Alles anders als frischfröhlich geht es weiter. Ich bin erneut mit Namgyal voraus. Ich ziehe es vor voraus zu laufen, vielleicht aus psychologischen Gründen. Den Dzos kann ich diesmal nicht mehr folgen. Die Luft wird auch immer dünner, man sieht sie kaum mehr. Ich schnaufe wie ein „Wahlross“. Namgyal ist zuerst erschrocken, aber keine Sorge, dies ist mein Stil. Es tönt schlimmer als es ist. Don't worry. Ich fühle mich nie im „roten“ so wie ich es auf meinem Trekking in Pakistan erlebt habe. Nach relativ kurzer Zeit habe ich mich erholt und kann wieder normal atmen. Langsam lichtet sich der Wald über uns. Weit kann es bis zur Anhöhe nicht mehr sein. Und dann bin ich oben. Gebetsfahnen empfangen mich. Wir müssen eine Höhe von ca. 4000 Meter erreicht haben. Bis zur Dzongri-Hütte geht es nun meistens flach. Jeder Aufstieg ist eine Qual. Nach jedem Hügel folgt ein anderer. Wo ist denn diese „Scheiss“ Hütte? Als wir sie endlich erreichen bin ich eher „muff“ als erfreut. Namgyal schlägt uns vor noch etwas weiter zu marschieren, zur Dzongri-Alp. Na, er muss es ja wissen wo der geeignetste Platz ist. Wir kommen nun so langsam vorwärts, dass wir nochmals eine volle Stunde dahin benötigen. Acht Stunden, sogar etwas mehr, waren wir heute unterwegs. Ich bin geschafft und verschwinde ohne Nachtessen im Zelt.


Bakhim Forest House


Unsere Dzos


Kurz vor Tshoka erscheinen die ersten Schneeberge


Bild links: Das Dorf von Tshoka


Mittagessen in Phedang (3550 m). Vier Stunden Marsch steht hinter uns

Mittwoch, 18. Oktober: Dzongri Alm (4085 m)

Sechsmal musste ich diesmal zur Toilette. Dies ist jedes Mal eine komplizierte Angelegenheit schon nur bis man aus dem Schlafsack ist. Auf jeden Fall ist es ein gutes Zeichen, denn in der Fachliteratur über Höhenkrankheit heisst es, dass eine sog. Polyurie (es wird mehr Harn als gewöhnlich ausgeschieden) ein Zeichen für gut angepasste Bergsteiger sein soll. Schlussendlich habe ich gestern doch noch etwas gegessen. Namgyal hat mir das Essen ins Zelt gebracht. Um 05.30 Uhr bin ich bereits wieder auf. Das Wetter ist klar und ich bin ungeduldig die Berge zu fotografieren. Wo ist denn dieses Panorama vom dem Namgyal gesprochen hatte. Ich sehe nichts. Ich ziehe Richtung eine kleine Hügelkrete los, in der Hoffnung dahinter die Bergriesen zu erblicken. Oben auf der Krete angelangt, geht der Blick zu einer weiteren Krete. Ich steige weiter hoch, doch es nimmt kein Ende und ich kehre enttäuscht ins Camp zurück. Ich versuche es Richtung Westen. Die schneeweisse Spitze eines Berges ragt über dem Hügel heraus. Je weiter ich mich nach Westen begebe umso mehr ist vom Berg zu sehen. Einige Hundert Meter weiter erblicke ich Gebetsfahnen. Meistens sind es Aussichtspunkte. Effektiv, die Wand des Kabru strahlt in voller Pracht vor mir. Zum Frühstück bin ich wieder zurück im Camp. Wolken und Nebel kommen vom Unterland herauf. Um 09.30 ist Dzongri-Alm im Nebel verhüllt. Man sieht keine fünfzig Meter weit. Was kann man an solchen Tagen machen als im Zelt im warmen Schlafsack zu verweilen.


Der Kabru (7317 m) etwas westlich von Dzongri Alp (4030 m)


Unser Lager auf Dzongri Alm


Fussball auf 4000 Meter


Zeltleben

Donnerstag, 19. Oktober: Dzongri Alm (4085 m) – Dzongri Top (4260 m)

Wir stehen um 04.00 Uhr auf. Eine Tasse heissen Tee und schon geht es in der Dunkelheit los. Namgyal geht voraus, Nima macht den Schluss. Im Licht der Stirnlampen folgen wir dem schmalen Weg durch die Sträucher. Es ist bitter kalt und ich friere gottsjämmerlich an die Finger. Namgyal schlägt ein langsames, regelmässiges Tempo an. Gut so, denn wir haben genügend Zeit. Um 05.15 Uhr sind wir oben. Gebetsfahnen markieren den Gipfel. Zusammen mit einer englischen Gruppe warten wir auf den Tagesanbruch. Langsam wird es hell. Im Osten verfärbt sich der Himmel dunkelgelb und rot. Ein herrliches Schauspiel. Die ganze Bergkette steht im Schatten vor uns. Es ist 05.45 Uhr als die ersten Sonnenstrahlen die höchsten Berggipfel treffen. Immer mehr werden sie durch die Sonne erleuchtet. Welch ein Glück wir haben so was beizuwohnen. Unfassbar. He! Wir stehen gegenüber dem 3. höchsten Berg der Welt! Wir geniessen es köstlich. Das Gipfelfoto wird geknipst. Langsam habe ich Hunger. Es ist Zeit zum Abstieg. Gegen 09.00 Uhr kommen wiederum die Wolken auf und die ganze Pracht ist verschwunden.
Die Küchenmannschaft und die Dzo-Treiber unterhalten sich mit Steinstossen und spielen mit einem aus zusammengeschnürten gepressten Plastiksäcken, Fussball. Ich lerne sie wie richtig Kugelstossen. Der Stein muss vom Nacken aus gestossen werden. Ich werde dabei Dritter, meine Schwester Erste bei den Damen. Erst im nachhinein kommt mir in Sinn, dass ich ja noch vor gar nicht allzu langer Zeit Probleme mit einem Rückenwirbel hatte! Ich sollte etwas vorsichtiger sein, bin ja nicht mehr Vierzig!
Wir haben gemeinsam mit Namgyal entschieden, unser Programm hier abzubrechen. Der weitere Marsch zum HMI-Basislager Chowrikhang auf 4380 Meter und weiter zum Grabmal von Georg Frey (5000 m) ist bei unserer körperlichen Verfassung eine, wenn nicht zwei Nummern zu gross. Schade, aber die Vernunft geht vor. Da ich vor allem beim Abstieg grosse Mühe habe, nehmen wir uns lieber hierfür etwas mehr Zeit.


Auf dem Dzongri Top (4200 m)


Eindrückliches Panorama: v.l.n.r der Ratong (6679 m), Black Kabru (die schwarze Pyramide), der Kabru South (7317 m)
Kabru North (7338 m) sowie Kabru Dome (6600 m), Kangchenzunga (8598 m)


Die Südostflanke des Kangchenzunga mit dem Südgipfel (8476 m). Der Hauptgipfel ist hinten sichtbar (kleine erleuchtete Spitze)


...am 25. Mai 1955 durch George Brown und Joe Brown (GB) Erstbestiegen
Bis Oktober 2006 haben lediglich neun Schweizer Bergsteiger den Gipfel erreicht.


Bild links: Frey's Peak (5830 m) - Bild mitte: Frey's Peak und Ratong - Bild rechts: Pandim (6691 m)


Bild links: Pandim mit der Jopuno-Gruppe
Bild mitte: Tenzing Kang und Jopuno (5936 m) in der Mitte. Der Jopuno wurde 1883
durch die beiden Grindelwaldner Bergsteiger Emil Boss und Ulrich Kaufmann Erstbestiegen
Bild rechts: die kleine weisse Pyramide ist der Siniolchu (6887 m)


Der Frey's Peak ist der einzige Berg der nach einem Schweizer benannt ist. Unser Ziel war es das Grabmal im Base Camp zu besuchen

Freitag, 20. Oktober: Dzongri Alm (4085 m) – Phedang (3550 m)

Es hat diese Nacht geschneit. Alles ist weiss und steinhart gefroren. Es war auch die bisher kälteste Nacht. Dank dem guten Zelt, dem warmen Schlafsack und meiner Daunenjacke, habe ich die Nacht schadlos überstanden. Es hat sich überhaupt sehr gelohnt, eine etwas teurere Trekking-Agentur gewählt zu haben, die über gutes Material verfügt. Als Vergleich zu meinen früheren Trekkings, war dies bisher wirklich ein Luxus-Trekk. Esstisch, Esszelt, WC-Zelt, jeden Morgen warmes Wasser um sich zu waschen, so was hatte ich bisher nie. Das Wetter ist noch immer prächtig. Das Frühstück wird heute etwas verspätet eingenommen, da die heutige Etappe nach Phedang kurz ist. Der Rückweg erfolgt über den Höheweg oberhalb der Dzongri-Hut bis zu den Gebetsfahnen bei welchen der steile Abstieg beginnt. Während der ganzen Zeit begleitet uns das Panorama auf den Kantsch, Pandim sowie wie die Jopuno-Gruppe. Bis Phedang benötigen wir eine Stunde. Wir übernachten hier. Wir treffen eine Schweizer Trekkinggruppe. Sie sind heute von Yuksam gekommen und übernachten ebenfalls hier. Ich wechsle einige Worte mit dem Leiter. Ihre Akklimatisation ist wesentlich vorsichtiger als unsere. Die Gruppe steigt, wie im Lehrbuch geschrieben, am gleichen Nachmittag noch etwas auf und kehrt dann zum Übernachten nach Phedang zurück. Am späteren Nachmittag bedeckt sich der Himmel.


Es hat geschneit. Das Bächlein ist gefroren


Gruppenfoto vor dem Abstieg nach Yuksum


Von hier geht es steil bergabwärts nach Phedang


Wir übernachten in Phedang


Gegen Abend kommt Nebel auf

Samstag, 21. Oktober: Phedang (3550 m) – Bakhim Forest (2700 m)

Es regnet. Damit wird der Abstieg nicht leichter. Namgyal hat seinen Schirm aufgemacht. Zum Glück ist der Regen unter den dichten Kronen der Tannen nicht so heftig. Meine Regenjacke ist dennoch sehr bald durchnässt. Vorsichtig, Schritt um Schritt kämpfen wir uns hinunter. Der Weg in diesem Nebel ist tückisch. Schuld daran sind die vielen Abkürzungen, welche von den Trägern benützt werden. Namgyal erzählt uns von einem Deutschen der letztes Jahr alleine vorausging und verschollen ist. Eine gute Regel ist daher immer dem frischen Dzo-Dreck zu folgen. Nach zwei Stunden sind wir in Tshoka. In einer Hütte erwärme ich mich am Holzfeuer. Bis Bakhim ist es jetzt nicht mehr weit. Wir brauchen gerade fünfundvierzig Minuten. Wir sind froh bei solchem Wetter nicht im Zelt übernachten zu müssen, denn alles ist feucht und nass. Wir treffen Markus und Ulrike aus Freiburg (De), welche wir im Dekeling in Darjeeling kennen gelernt haben. Sie sind auf dem Weg nach Dzongri.
Zum Dessert überrascht uns Tashi mit einem aus Karamell hergestellten Körbchen mit Fruchtsalat. Ach dieser Tashi! was der uns schon alles hervorgezaubert hat, sagenhaft.


Das Wetter hat sich verschlechtert: es regnet


Teepause in Tshoka


Zurück in Bakhim


Das Wetter scheint sich zu bessern. Zum Abendessen überrascht uns Tashi mit einem Fruchtsalat im Karamellkörbchen

Sonntag, 22. Oktober: Bakhim Forest (2700 m) – 3. Brücke

Der Gang zum WC-Zelt über die „kriminelle“ Holztreppe war mir diese Nacht zu blöd, so habe ich mein „flüssiges Geschäft“ durch das Geländer vom Obergeschoss aus erledigt. Psst, niemandem sagen! Es regnet noch immer. Langsamen und sicheren Trittes erreichen wir angeführt von Namgyal die Brücke über den Prak Chu. Auf der anderen Talseite geht es wieder mühsam aufwärts. Ich wäre eigentlich gerne heute bis Yuskum durchmarschiert, halten jedoch am frühen Nachmittag kurz vor der 3. Brücke zum letzten Übernachten an.


Zurück bei der 4. Brücke. Jetzt geht es auf der anderen Talseite wieder hinauf

Montag, 23. Oktober: 3. Brücke – Yuksum (1780 m)

Das Wetter ist wieder besser. Wir passieren die 3. und 2. Brücke. Meine Schwester hat plötzlich grosse Probleme mit einem Hühnerauge und kann kaum laufen. Wir verspüren nun doch die Müdigkeit, denn wir werden immer langsamer. Es wird merklich heisser. Fliegen surren mir um den Kopf. Ob der Duft wohl der Grund ist. Grosse schwarze Schmetterlinge zischen umher. Immer mehr Bananenstauden zieren die Landschaft. Wir erreichen die letzte Brücke. Letzte Verpflegung. Die letzten Meter sind immer die längsten. Endlich nach vier Stunden erblicken wir die ersten Dächer des Dorfes. Die Zivilisation hat uns wieder.


Zurück bei der ersten Brücke kurz vor Yuksum


Ankunft in Yuksum: müde aber glücklich es geschafft zu haben


Endlich eine warme Dusche...


Die Attraktion im Dorf ist eine Musik Band


Abschied im Hotel: alle erhalten ein Bakschisch


Meine Bergschuhe haben nach sieben Jahren ausgedient
und gehen in den Ruhestand

Dienstag, 24. Oktober: Yuskum (1780 m) – Darjeeling (2134 m)

Der Himmel ist stahlblau. Der Kabru leuchtet über dem Taleinschnitt. Markus und Ulrike werden heute ebenfalls ein prächtiges Panorama erleben. Wir mögen es ihnen herzlich gönnen. Die Rückfahrt nach Darjeeling führt erneut durch wunderschöne Landschaften mit Reisterassen und Teeplantagen. Am frühen Nachmittag sind wir in Darjeeling zurück. Wir sind bei Sonam und Jamling im Gang-La zum Tee eingeladen. Als private Gäste haben wir die Ehre das kleine private Museum zu besichtigen.


Der Kabru von Yaksum aus


Reisterrassen


Fahrt zurück nach Darjeeling


Grenzposten

   


Das schöne Wetter hält an. Darjeeling mit Kangchenzunga, ein seltener Anblick!


Chowrasta


Obervatory Hill

 

 


Kurseong: Auch von hier erblickt man den Kangchenzunga

Ausklang

Vorsichtshalber habe ich einen Reservetag in Darjeeling eingeplant. Nachdem alles nach Plan verlaufen ist, könnten wir eigentlich zurück, doch unser Flug von Bagdogra nach Calcutta ist für morgen gebucht. Wir profitieren daher noch allerlei zu erledigen. Die Berge strahlen erneut in voller Pracht. Wir suchen einen idealen Aussichtspunkt um zu fotografieren. Oben von Chowrasta aus hat man eine gute Sicht, doch überall sind Drähte und Kabel im Wege. Wir steigen zum Observatory Hill hinauf. Statt auf eine Bergaussicht zu treffen, erreichen wir einen kleinen Tempel von Tausenden Gebetsfahnen umgeben. Wir sind dermassen entzückt, dass wir dabei die Berge vergessen.
Wir sind in Calcutta zurück. Der Flug von Bagdogra, ein recht schmucker und moderner Flughafen, hat knapp eine Stunde gedauert. Wir wohnen diesmal im Fairlawn. Erneut sitzen wir im Flur’y und geniessen Sacher Torten und anderes. Den Nachmittag verbringen wir im Botanical Garden um dem grössten Banian-Baum der Welt einen Besuch abzustatten. Auf dem Rückweg stoppen wir beim Victoria-Monument, welches als Calcuttas bekanntestes Monument gilt.
Um 02.00 Uhr sitzen wir in der Maschine der Thai-Airways nach Bangkok. Unser Abenteuer ist zu Ende.


Calcutta: Hotel Fairlawn


Therese mit Frau Violet Smith, die Besitzerin


Das Essen im Fairlawn ist leider nicht jedermanns Sache, vor allem der Chocolate pudding


Der Markt hinter dem Fairlawn


Therese beim Shopping


Vor unserem Abflug: Besuch des Banian Baumes im Botanical Garden...


...und des Victoria Monument

Dank

Wir haben unser Ziel zwar nicht erreicht, wichtiger ist jedoch, dass wir unser Trekking ohne gesundheitliche Probleme überstanden haben. Einmal mehr hat es sich gelohnt nicht allzu ängstlich zu sein. Gewiss muss man zB. die Akklimatisation mit der Höhe ernst nehmen und nicht unterschätzen, wer jedoch für alles „Schiss“ hat, der bleibt am besten zu Hause. Ich möchte hiermit auch meiner Schwester recht herzlich danken. Sie hat viel dazu beigetragen, dass im Team eine gute Stimmung herrschte. Ich habe ja nun schon einige Trekkings mitgemacht, dies war eines der Besten.
Thanks also to Namgyal and his team. We did appreciate very much your company and wish you for your coming trekkings full succes.





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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com