Auf den Spuren der Schweizer Himalaya-Pioniere
Bereits zweimal habe ich das für seine Teeplantagen weltberühmte
Darjeeling in Nordindien besucht. Nicht wegen dem Tee, nein, die Berge waren der
Grund. Beide Male bin ich etwas frustriert abgereist. Von der grandiosen Sicht
auf den 3. höchsten Berg der Welt, dem Kangchenzunga (8586 m) war beim ersten
Besuch gar nichts zu sehen und vor vier Jahren hat sich die Wolkendecke gerade
für fünf Minuten aufgemacht. Nach dem letztjährigen, punkto
Fussgelenkbeschwerden, erfolgreich verlaufenen Trekking zur Tapovan-Wiese, ist
eine gewisse Euphorie aufgekommen, in Zukunft doch noch etwas anspruchvollere
Trekkings unternehmen zu können. Da ich seit Sommer 2005 zudem ohne grössere
Beschwerden wieder Joggen kann, sollte es mit einem regelmässigen Training auch
möglich sein die dafür notwendige physische Verfassung zu erreichen.
Durch die Nachforschungen zu meinem Buch über die Schweizer
Himalaya-Pioniere, hat sich mein Interesse in den letzten Monaten wieder ganz
auf Darjeeling fokussiert. Schon im Jahr 1880, also vor 126 Jahren! reiste
Andreas Maurer nach Sikkim. Malaria verhinderte damals jegliche Besteigungen.
Drei Jahre später waren mit dem St. Niklauser Joseph Imboden und den beiden
Grindelwaldner Emil Boss und Ulrich Kaufmann, gleich drei Schweizer im Gebiet.
1898 folgte der Zermatter Rudolf Taugwalder und 1905 waren es Dr. Julles
Jacot-Guillarmod, Adolphe Raymond und Alexis A. Pache die den Kangchenzunga von
der Yalung-Seite (Nepal) besteigen wollten! Dieses Gebiet wollte ich nun
besuchen, koste was es wolle!
Von den drei Interessenten zu Beginn dieses Projektes bleibt im
Frühling einzig meine Schwester übrig. Ziel ist das Grabmal von Georg Frey zu
besuchen. Georg Frey war in den 50er Jahren Sekretär der Schweizerischen
Zentrale für Handelsförderung in Bombay. Zum Abschluss seiner dreijährigen
Indienzeit unternimmt er im Herbst 1951 eine kleine Expedition im
Kangchenzunga-Gebiet. Bei der Besteigung eines namenlosen Gipfels stürzt Frey
unter den Augen von Tenzing Norgay tödlich ab. Seither wird der Gipfel „Frey’s“
Peak genannt. Es ist der einzige Gipfel im Himalaja und Karakorum der nach einem
Schweizer benannt wird.
Vorbereitungen
Die
Vorbereitungen beginnen umgehend. Die Organisation sowie die Ausarbeitung des
Trekkingsprogramms übergebe ich der Trekking Agentur von Jamling Tenzing, einem
der Söhne des bekannten Sherpa Tenzing, während ich für die Planung und
Koordination der An- und Rückreise sorge. Eine gar nicht so einfache
Angelegenheit. Ich werde meine Schwester in Bangkok treffen um dann gemeinsam
nach Indien zu fliegen.
Mit längeren Märschen um mein Fussgelenk an die Belastung zu gewöhnen, leichtem
Jogging, Velofahren und Treppensteigen im Fitness-Center von Willi in Angeles,
bin ich fest entschlossen diesmal mit einer besseren Kondition zum Trekking
anzutreten. Doch dann kommt die Hitze: 38 Grad Celsius. Je mehr ich trainiere,
umso schwächer fühle ich mich danach. Statt die Batterien aufzuladen, scheint
es als ob es sie entladen würde. Ich muss einen Monat pausieren. Die
Wiederaufnahme des Trainings ist brutal. Nach kaum hundert Metern Joggen bin ich
schlapp. Der letzte Test vor meinen Umzug in die Provinz nach Eastern Samar ist
ein Desaster. Vom Friendship Gate (für Insider) komme ich gerade noch bis zum
Friedhof vis-a-vis vom Sunset Garden. Ich bin am Boden zerstört. Die einzige
Genugtuung, ich kann wenigstens zurück, andere bleiben für immer dort. Die
nächsten Tage verspüre ich zudem so starke Rückenschmerzen, dass ich kaum mehr
laufen kann. Doch nur keine Panik. Bis zum Trekkingsbeginn habe ich ja noch
etwas Zeit. Das Training in Maydolong scheint auch nicht unter dem besten Stern
zu stehen. Zuerst stoppt mich eine Erkältung, dann verstauche ich mir das
Fussgelenk. Ausgerechnet an meinem 58. Geburtstag verspüre ich einen stechenden
Schmerz in der unteren Rückengegend. Ich muss in die Klinik nach Borongan.
Diagnose des Röntgologen: mild degenerative disc disease, Abnützung eines
Lendenwirbels! Tja, man wird leider nicht jünger. Was soll nur aus dem Trekking
werden? Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit. Noch ist nicht alles verloren.
Seltsame Praktiken der indische Botschaft in Manila
Als
regelmässiger Besucher von Indien weiss ich, dass die Ausstellung des indischen
Visa fünf Arbeitstage in Anspruch nimmt und sechs Monate lang gültig ist. Um
Zeit zu gewinnen beantrage ich die Formulare für das Touristenvisum anfangs Juli
in Manila. Ich übergebe das Ganze meinem Reisebüro Mr. Ticket in Angeles. Auf
der Botschaft heisst es, dass die Gültigkeit des Visums nur drei Monate betrage,
es daher bei einer geplanten Einreise am 9. Oktober zu früh sei den Antrag zu
stellen. Kein Problem, dann beantragen wir es halt Mitte Juli. So geschehen. Der
Antrag wird anstandslos angenommen, die 60 US $ einkassiert. Nach fünf
Arbeitstagen erhalte ich meinen Pass wieder zurück. Na also, war ja gar nicht so
kompliziert. Bei näherer Kontrolle traue ich meinen Augen nicht. Obwohl ich auf
dem Antrag ganz klar angegeben hatte am 9. Oktober in Indien einzureisen, ist
die Gültigkeit des Visums auf zwei Monate, bis zum 26. September, beschränkt! Es
kann sich nur um einen Fehler handeln, ansonsten dieses Visum ja gar keinen Sinn
macht. Der Vertreter von Mr. Ticket ist am folgenden Tag erneut auf der
Botschaft um auf die Nutzlosigkeit dieses Visum hinzuweisen. Die arrogante „Bürogummsle“
erklärt ihm jedoch: „Sorry, wir können nichts machen, es ist Ihr Fehler, warum
haben Sie das Visum so früh beantragt. Der nächste bitte!“ Zuerst sagen sie es
seit drei Monate gültig und plötzlich sind es nur noch zwei Monate? Was soll
das? Anscheinend wissen sie es selber nicht. Weshalb haben sie uns bei der 2.
Abgabe nicht entsprechend informiert? Aber die 60 $ kassieren, das können sie.
Tja, da werde ich wohl einen neuen Visumantrag in Bangkok stellen müssen und
noch einmal bezahlen. Ich buche deswegen meinen Flug von Manila nach Bangkok um.
Doch Moment, die kennen den Blaser noch nicht. Ich informiere via E-Mail das
Ministerium für Tourismus in New-Delhi mit Kopie an den indischen Botschafter in
Manila über diese Praxis und beschwere mich darüber. Drei Tage später erhalte
ich ein Mail von der indischen Botschaft in Manila: „Bringen Sie den Pass damit
wir die Angelegenheit erledigen können!“ Aha, scheinbar hat meine Intervention
doch etwas genützt. Diesmal erscheine ich persönlich auf der Botschaft.
Innerhalb von zehn Minuten erhalte ich den Pass mit der abgeänderten Gültigkeit
zurück. Ich lasse es mir nicht nehmen die „Bürogummsle“ darauf hinzuweisen,
dass die Dauer der Gültigkeit auf der eigenen Webseite mit sechs Monaten
angegeben ist. Ihre Antwort: „ist nicht mehr gültig!“ Tja, weshalb wird es dann
nicht geändert?
Einen Tag auf der Immigration in Manila
Touristen
die sich mehr als sechs Monaten auf den Philippen aufhalten, müssen bei der
Ausreise eine Exit Clearance vorweisen, eine Bestätigung, dass die betreffende
Person keine kriminelle Taten begangen hat und nicht „blacklistet“ ist. Stellen
Sie sich so was in der Schweiz vor? Wie würden die Ausländerorganisation da
wieder „Sturm“ laufen, dies sei entgegen den Menschenrechten. Da dieses Papier
nur auf dem Immigration Office in Manila ausgestellt wird und ich seit Mitte
August in der Provinz Estern Samar wohne, muss ich erneut umdisponieren und den
Flug nach Manila zu einem früheren Zeitpunkt buchen. Wie jeder der schon ein
wenig in den Philippinen umhergereist ist, weiss, dass man hier immer mit
Unerwartetem rechnen muss. Ich buche daher den Sonntagmorgenflug um 06.50 Uhr,
was soviel bedeutet, dass ich in Maydolong bereits um 01.30 Uhr abreisen muss.
Beim Check-in gibt’s Probleme: das Computer System funktioniert nicht. Ich, mit
einem zweimal umgebuchten elektronischen Ticket, stehe da wie ein gekläpfter
Hund. Durch den Systemausfall hat auch das Flugzeug Verspätung. Nach rund zwei
Stunden Warten, kriege ich nach „leichtem“ drängen die Borading Karte dann doch
noch. Somit wären wir schon mal in Manila. Ich kann nun nur hoffen, dass ich
dieses Papier im Verlaufe des Montags erhalte, denn mein Flug nach Bangkok ist
am Dienstagmorgen. Zum ersten Mal seit langem gibt es mit dem Flughafentaxi ins
Hotel an der Adriatico Street kein Theater und keinen „Abriss“.
Anstandslos schaltet der Taxidriver den Taxmeter ein. Die Fahrt kostet mich am
Schluss gerade 85 Pesos! Erstaunlich.
Am Montagmorgen stehe ich bereits um 08.00 Uhr vor dem imposanten Gebäude der
Immigration in Intramuros. Ich frage mich durch, bis ich endlich in einem
Nebengebäude am Schalter 27 das ausgefüllte Formular, Pass, Fotokopien von
bestimmten Passseiten und drei Passfotos abgeben kann. Nach knapp zehn Minuten
ruft mich der Beamte wieder zu sich. Die Kontrolle ist bereits erledigt. Auf dem
Formular lese ich den grossen roten Stempel mit der Aufschrift „No records found“.
Ich werde nun in ein anderes Gebäude geschickt um die Expressgebühr von 500
Pesos zu bezahlen. Zurück am Schalter 27 heisst es, dass ich um 14.30 am
Schalter vorsprechen soll. Super, ich hätte nicht gedacht, dass dies so einfach
geht. Voller Freude bin ich pünktlich zurück. Man schickt mich nun in den 2.
Stock eines noch anderen Gebäudes zu einer Frau Marivic. Als ich den riesigen
Saal betrete herrscht beim Eingang ein Treiben wie in einem Bienenhaus. Leute
kommen und gehen, ein heiles Durcheinander. Unzählige kleine Pulte sind in drei
Reihen aufgestellt. An der Decke drehen lautlos die grossen Propeller der
Ventilatoren. Als ich nach Frau Marivic suche fällt mir auf, dass jeder zweite
BeamteIn entweder an seinem Händy „herumfingerlet“ oder nichtstuend in seinem
Sessel sitzt. Frau Marivic kann mein Papier nicht finden. Sie schickt mich zu
Mister Henry. Wer ist den Mr. Henry? Der findet auch nichts und schickt mich
wieder zu Frau Marivic zurück. Ein Hin und Her. Schliesslich lande ich bei einem
anderen Beamten, wo ich mein Formulare mit den Passfotos vorfinde. Ein Wunder,
dass in einem solchen Papierkrieg nichts verloren geht. Grund: die Exit
Clearance konnte nicht bearbeitet werden, weil bei einem der Verlängerungstempel
der Handeintrag der Quittungsnummer fehlt. Ein eindeutiger Fehler des
Immigrationsbeamten, doch dies hilft einem in solchen Momenten recht wenig.
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung schon etwas schlauer geworden, kann ich die
Originalquittung vorweisen. Bis das Formular ausgestellt ist und vom Chef
unterschrieben ist, vergeht nochmals eine halbe Stunde. Uf, das hätten wir.
Somit kann ich morgen ausreisen.
Abschlusstraining
Die Philippines Airlines fliegen seit kurzem vom endlich eröffneten NAIA II
Flughafen. Dies wusste ich nicht und prompt lädt mich der Taxifahrer am NAIA I
aus. Welch ein Theater beim einchecken mit den neuen Vorschriften. Nicht einmal
Shampoo oder Zahnpasta darf man im Handgepäck mitnehmen. Es wird noch soweit
kommen, dass die Passagiere nackt fliegen müssen! Ich frage mich, ob die ganze
Geschichte mit den vereitelten Terroranschlägen in England nicht wieder ein
„montierter“ Coup der US-Regierung ist um die sinkende Popularität des
Präsidenten aufzuhalten. Denen ist alles zuzumuten.
   Bild links: die meistgesuchten Bankräuber der Philippinen
Seit dem Abflug in Manila
scheint das Glück auf meiner Seite zu stehen. Nur zwei Tage nach meinem Abflug
wütet der Taifun „Milenyo“ (internationaler Namen: Xangsane) über Metro Manila
und Süd Luzon und legt den ganzen Flugverkehr lahm! Glück gehabt. Glück auch,
dass ich in Thailand nicht auf dem neuen Flughafen „Suvarnabhumi“ – sprich
Suvanabum - gelandet bin. Passagiere sollen am ersten Tag bis zu sechs Stunden
auf ihr Gepäck gewartet haben! Glück ebenfalls, dass ich nicht zum Zeitpunkt des
Militärputches eingereist bin. Die westlichen Medien scheinen wieder einmal
alles viel zu dramatischer dargestellt zu haben, wobei dies das Beste war, was
dem Lande, zu Lebzeiten des Königs, passieren konnte. Schliesslich Glück, dass
ich in Pattaya zu einem Zeitpunkt angekommen bin, in dem das bis zu 70 cm hohe
Wasser in den Strassen von Central Pattaya versickert ist. Mehr zu diskutieren
als der Militärputsch, gibt das ab 1. Oktober neue verschärfte Einreisegesetz
für Ausländer. Betroffen sind vor allem jene Langzeittouristen aus 41 Ländern,
welche bei der Einreise automatisch ein "Visa on arrival", ein Monatsvisa
erhalten, welches durch kurzes Verlassen des Königreiches, sog. "Visa-runs",
beliebig verlängert werden konnte. Dies ist nun nicht mehr, d.h. nur noch
dreimal innert sechs Monaten möglich.
Beim Bezug meines
Zimmers im 2. Stock des Twin Palms Resort werde ich wieder an meine physische
Verfassung erinnert. Nicht nur, dass ich von diesen wenigen Treppen ausser Atem
bin, nein, ich verspüre nun auch noch ein stechender Schmerz in meiner
Kniescheibe! Bis zum ersten Trekkingtag habe ich noch immer einige Tage Zeit,
doch langsam wird es schon bedenklich. Nun, vor meinen Start zum K2 Trekking in
Pakistan war ich ja auch nicht wesentlich besser in Form, wobei ich dies
unterwegs schwer büssen musste. In den nächstfolgenden Tagen spricht sich unter
Hotelpersonal und Hotelgäste herum, dass ein Farang bababobo – dumm – in
Badehose und Bergschuhen unablässig die Treppen hinauf und hinab steigt. Ob es
etwas genützt hat werden wir sehen.
    
Der König ist so beliebt wie noch nie
Sonntag, 8. Oktober 2006: Bangkok, Thailand
Gemäss der Webseite von Unique (Flughafen Kloten) ist der Flug TG 971 der Thai
International gestern pünktlich um 13.30 Uhr gestartet. Die Ankunft sollte daher
wie geplant um 05.20 Uhr erfolgen. Da niemanden genau weiss, wie lange die Fahrt
zum neuen Flughafen, 30 Km östlich von Bangkok, dauert, lasse ich mich um 04.00
Uhr wecken. Sonntags herrscht in Bangkok meistens nur wenig Verkehr, um diese
Zeit noch weniger. Über den Highway bin ich in zwanzig Minuten bereits dort. Die
Anfahrt mit Tausenden von orange leuchtenden Strassenlampen ist eindrucksvoll.
Ich bin viel zu früh. Dies gibt mir die Gelegenheit mich ein wenig umzusehen.
Was hier auf einer Fläche von 4'200 Hektaren aufgestellt wurde ist gigantisch.
Die Kapazität des Flughafens beträgt in der Anfangsphase 45 Mio. Flugpassagiere!
Die Ankunft des Fluges TG 971 ist auf dem Bildschirm angezeigt. Wer jemanden
abholt, muss einzig darauf achten bei welchen Ausgang, A oder B, er zu warten
hat. Die Gepäckausgabe scheint geklappt zu haben, denn kurz darauf läuft meine
Schwester durch den Ausgang. Ein Taxi in die Stadt wäre am leichtesten. Ich
möchte die Gelegenheit jedoch benützen um die Busverbindungen auszukundschaften.
Es gibt verschiedene Busse in die Stadt. Wir wählen den öffentlichen Bus über
den Highway zum Victory Monument. Kostenpunkt: 35 Baht (CHF 1.-). Von dort
geht’s mit dem Skytrain weiter in die Sukhumvit Road, ins Hotel.
   Der neue Flughafen Suvarnabhumi (Bilder zvg)
Nach kurzer Pause sind wir schon wieder
unterwegs. Meine Schwester wünscht unbedingt das Jim Thomson House zu besuchen.
Jim Thompson war ein Amerikaner der nach dem 2. Weltkrieg nach Bangkok kam und
das thailändische Seidengewerbe völlig neu belebte. 1967 verschwand er auf
mysteriöse Weise in den Cameron Highlands (Malaysia). Kein Problem. Es steht
vis-à-vis des National Stadium und ist leicht mit dem Skytrain erreichbar. Die
Anlage besteht aus sechs traditionellen Teakholzhäusern in einem wunderschönen
Garten. Eine Oase der Ruhe. Sein Haus, ganz im traditionellen thailändischen
Stil erbaut, ist ein kleines Museum und beherbergt asiatische Kunstgegenstände.
Weibliche Besucher sind jedoch vor allem am Seidenladen interessiert.
Der ohrenbetäubende Lärm der Boote welche auf dem anliegenden Klong
vorbeidonnern, erwecken mein Interesse. Ich erkundige mich wohin die Boote
fahren. Es geht zum Pratunam Pier. Super, genau dort wollen wir hin um den
Bayoke II Tower, das höchste Gebäude von Bangkok, zu besuchen.
     Jim Thomson House
    
    
     Rückfahrt auf dem Klong zum Pratunam Pier
     Aussicht vom Bayoke II Tower
Montag, 9. Oktober: Bangkok
Unser Flug nach Kalkutta startet heute um 23.40 Uhr. Wir haben noch den ganzen
Tag Zeit die letzten Vorbereitungen zu treffen. Meine Schwester hat als
Zusatzverpflegung schon mal Käse und Bündnerfleisch mitgebracht. Was wir noch
brauchen ist etwas Schokolade und Riegel. Wir sind bereit. Um 18.00 Uhr checken
wir im Hotel aus, Essen noch was und schon ist es Zeit wiederum zum Flughafen zu
fahren. Check-in, Passkontrolle, alles klappt ausgezeichnet. Ich bin gespannt
was uns in der Abflugshalle erwartet. Ich bin jedoch enttäuscht, sehr
enttäuscht. Ausser Verkaufsläden gibt es nichts! Sind wir denn in einem
Shopping-Center? An das Wohl der Passagiere scheint niemanden gedacht zu haben.
Etwa eine grüne Ecke wie zB. in Singapore. Es gibt auch zu wenig Stühle, keine
Post, ja nicht einmal ein Business-Center mit Internet! Kann sein, dass ich es
einfach nicht gefunden habe. Einmal durch den Handgepäck-Check gibt es bei den
Gates nichts mehr. Es ist kalt und unfreundlich. Der Raum bei unserem Gate ist zudem
viel zu dunkel. Die Stahlkonstruktion mutet ansonsten supermodern aus, da fragt
sich, wie es in einigen Jahren aussehen wird wenn diese beginnt zu rosten.
 Das offizielle T-Shirt unseres Trekkings
 Wo liegt denn eigentlich Sikkim?
Dienstag, 10. Oktober: Calcutta
Der Flug nach Calcutta dauert nicht ganz drei
Stunden. Die Zeitverschiebung beträgt 1½ Stunden. Als wir ankommen ist es 00.50
Uhr. Vom neuen Flughafen herkommend wirkt der Internationale Flughafen von
Calcutta erbärmlich. So schnell gings aber noch nie bei der Immigration. Meine
Wartezeit beträgt gerade zwei Minuten! Die Gepäckausgabe ist etwas langsamer.
Die Etikette „Priority“ an unserem Gepäck scheint hier keine Gültigkeit zu
haben. Ich bin gespannt ob das via E-Mail bestellte Taxi vom Hotel Astoria da
ist. Sogar das klappt. 500 Rupien, für diese Zeit mitten in der Nacht ok.
Seitdem wir das Flughafengebäude verlassen haben, stinkt es nach Gülle und Urin.
Die Strassen sind menschenleer. Umso mehr gibt der Fahrer Gas. Überall links und
rechts der Strasse schlafen Menschen auf Karren und in den Rikschas. Ich kann
mich überhaupt nicht orientieren und habe keine Ahnung ob wir auf dem richtigen
Weg sind. Da kann man nur Gottvertrauen in den Fahrer haben. Doch dieser wurde
ja vom Hotel geschickt, also kann nichts passieren. Um 03.00 Uhr checken wir im
Astoria an der Sudder Street ein. Man führt uns durch ein Treppenhaus, das
vermutlich seit der Unabhängigkeit Indiens nicht mehr gereinigt wurde, in unser
Zimmer. Als wir eintreten kommt uns ein muffiger Gestank entgegen. Es ist ein
geräumiges Zimmer mit Air-Cond, Kühlschrank und TV. Dusche und WC sind
akzeptabel. 950 Rupien (CHF 30.-) dafür, sind jedoch ein stolzer Preis. Einige
Stunden Schlaf werden gut tun. Meine Schwester, vom Calcutta-Stil anscheinend
etwas geschockt, schläft in den Kleidern.
Es ist 09.00 Uhr, Wir müssen auf, wir haben heute noch vieles zu erledigen. Wir
brauchen das Zugsbillet für den heutigen Nachtzug nach New Jaipalguri und müssen
den Rückflug von Bagdogra nach Calcutta buchen. Die Sudder Street hat sich nicht
gross verändert. Einige neue Absteigen und Restaurants sind dazugekommen. Wir
frühstücken im „Zürich“. Das Restaurant wurde seit meinem letzten Besuch
umgebaut. Nicht mehr da ist Taxifahrer Singh. Die Sudder Street beim Indian
Museum und nahe des Maidan Parks, Calcuttas grüne Lunge, ist recht zentral
gelegen. Um 10.15 sind wir auf dem Eastern Railway Office. Der Saal ist schon
recht gut besetzt. Wir erhalten die Nummer 25. Drei Schalter sind offen. Gerade
wird die Nummer 5 aufgerufen! Mensch, das wird aber einige Zeit dauern. Um 11.30
Uhr ist die Nummer 15 dran. Eine mühselige Angelegenheit. Bei Schalter 3 läuft
schon seit längerer Zeit überhaupt nichts und beim 2. dauert es jedes Mal eine
Ewigkeit bis das Ticket ausgestellt ist. Meine Schwester fährt mit dem Taxi
zurück ins Hotel um auszuchecken. Eine ganze Nacht für dieses „Scheisszimmer“
bei einem auschecken um 18.00 Uhr zu bezahlen, machen wir nicht. Als meine
Schwester zurück kommt, ist meine Nummer soeben aufgerufen worden. Wegen des
Puja-Festes sind alle Plätze im Schlafwagen 1. Klasse ausgebucht. Es verbleiben
nur noch Plätze in der 2. Klasse. Wir haben keine Wahl. Zum Glück hat meine
Schwester schon etwas Indienerfahrung und ist nicht so zimperlich. Kostenpunkt
für zwei Passagiere: 486 Rupien, knapp CHF 10.-
Als nächstes müssen wir unser Flugticket zurück nach Calcutta buchen. Das Office
der Jet Aviation ist an der Park Street, unweit der Sudder Street. Auch dies ist
erledigt. Der restliche Nachmittag steht zu unserer Verfügung. Ich hätte meine
Schwester eigentlich gerne zum Sterbehaus von Mutter Teresa gebracht. Doch wir
kommen nicht weiter als die Park Street 18. Ein Schaufenster erweckt unsere
Aufmerksamkeit. Es ist das Schaufenster der Flury Konditorei. Wir treten ein.
Das Angebot ist atemberaubend. Wir verlangen nach dem Chef um mehr zu erfahren.
Junior Sous Chef Arindam Bhattacharya erzählt, dass Herr und Frau Flury das Tea
Room 1927 gegründet haben. Bald wurde es zu einem beliebten Treff in welchem
Engländer wie Inder seine Schweizer Schokolade, welche zu den besten ausserhalb
Europas zählte, sowie die exotischen Süssigkeiten genossen. Der Verkehr der 15
Mio. Stadt hat sich inzwischen zu einem riesigen Verkehrschaos entwickelt.
Nirgendwo sonst in Indien gibt es hier noch von Menschen gezogene Rikschas. Den
restlichen Nachmittag verbringen wir im Garten des Fairlawn Hotels. Wir werden
bei unserer Rückkehr hier übernachten.
Um 18.00 Uhr dislozieren wir zum Bahnhof Sealdah. Die Abfahrt ist gemäss
Fahrplan um 19.35 Uhr. Obwohl es manchmal nicht den Anschein macht, dass die
Abfahrtszeit eingehalten werden kann, können wir 100% sicher sein, dass indische
Züge pünktlich abfahren. Wie immer sind an den Wagons Listen mit den
Passagiernamen und ihren zugeteilten Sitznummern angebracht. Es gibt daher nie
Diskussionen. Wir sind die einzigen Ausländer. Es ist ein offenes Sechserabteil.
Einziger Unterschied zur 1. Klasse, es gibt kein Kissen und Leintuch und statt
der Air-Cond sind es Ventilatoren. Unsere Mitreisende sind nette Leute.
Allmählich legen sich alle schlafen. Es ist schon 21.30 Uhr. Gewisse
Vorsichtsmassnahmen sind in solchen Situationen immer einzuhalten. Pass, Geld
und Dokumente gehören auf Mann resp. Frau.
     In der Umgebung von Sudder Street
    
    
    
Eine gute Adresse: Park Street 18 - Flury's Pastries Bild links: Junior Sous Chef Arindam Bhattacharya (rechts)
Mittwoch, 11. Oktober: New Jaipalguri – Darjeeling (2134 m)
Ich habe gut geschlafen. Musste einmal aufs WC. Dieses ist in einem
erstaunlichen sauberen Zustand. Doch wie überall stinkt es nach Urin. Die Tschai-Verkäufer (Teeverkäufer) laufen unablässig hin und her. Ein Becher kostet
vier Rupien. Dazu gibt es Biskuits. Der Zug hat Verspätung. Wir fahren durch
unendliche Reisfelder. Im Zug herrscht ein reges hin und her von Verkäufern.
Unglaublich was die alles Mögliche verkaufen. Der Zug wird langsamer. NJP. Wir
sind angekommen.
     Im Kanchankanya Express nach New Jaipalguri
 Bahnhof von NJP
Vor drei
Jahren konnte man für 1000 Rupien mit dem Taxi nach Darjeeling fahren. 1500
werden angeboten. Ok, nichts wie los. Zunächst geht es nach Siliguri und dann
entlang der berühmten Schmalspurbahn. Wir erreichen die ersten Teeplantagen.
Unser Fahrer wählt die Abkürzung die „Tremola“ hinauf direkt nach Kurseong. Eine
eindrückliche Fahrt. Ab Kurseong wird es mühsam. Stockender Verkehr und
teilweise sehr schlechte Strasse. Das Wetter ist, tja wie könnte es anders sein,
bedeckt. Kurz nach Mittag sind wir in Darjeeling. Unser Hotel, das Dekeling, ist
gut gelegen, etwas unterhalb des Chowrasta-Platzes. Zur Rezeption geht es
allerdings 69 Treppen hinauf. Auch ohne Rucksäcke keuchen wir, als ob wir gerade
den Gipfelgrat zum Everestgipfel hinter uns gebracht hätten. Ja, wir sind
immerhin schon auf 2134 Meter. Das Sherpa Mädchen des Hotels hingegen, trägt zu
unserer Verblüffung beide Rucksäcke gleichzeitig hinauf. Unser Zimmer ist unter
dem Dachstock gelegen. Nochmals 49 Treppen. Doch die vielen Treppen lohnen sich.
Ein wunderschönes Zimmer. Die Aussicht auf die Stadt ist genial. Frau Norbu, die
Besitzerin, begrüsst uns herzlich. Sie und ihr Mann sind Tibeter und führen das
Hotel im Familienbetrieb. Unten befindet sich das Restaurant, bekannt vor allem
für seine Momos, eine Art tibetischen Ravioli.
     Fahrt nach Darjeeling
 Das Wetter: regnerisch, wie immer...
     Unser Hotel Dekeling - Bild mitte: Frau Norbu

Die Zeit
ist seit meinem letzten Besuch nicht stehen geblieben. Die Uhr des Clock Towers
funktioniert wieder. Ansonsten scheint sich nicht viel geändert zu haben. Es
gibt nun aber sogar ATM’s. Welch ein Fortschritt. Wir haben ein Rendez-vous mit
Sonam, der liebenswürdigen Gattin von Jamling Tenzing. Wir müssen den Rest
unseres Trekkings bezahlen. Den Weg zum Gang-La, dem Tenzing House, kenne ich in
der Zwischenzeit auswendig. Jamling ist leider mit einer Gruppe seit Gestern
unterwegs. Wir werden ihn nach unserer Rückkehr treffen. Alle notwendigen
Bewilligungen sind vorhanden. Für ein Trekking in Sikkim benötigt man einige
Papiere, so das Inner Line Permit sowie ein Restricted Aera Permit. Zu unserem
Ziel, dem Frey’s Peak Base Camp sind sogar nur zwei Trekkingagenturen
berechtigt. Die meisten Trekking-Gruppen haben als Ziel den Goecha-La-Pass (4940
m). Unsere Destination ist daher schon sehr speziell. Beim Besprechen des
Programms haben wir vor allem Bedenken über die enorme Höhendifferenz welche an
den drei ersten Tagen zu bewältigen ist. Von 2000 auf 5000 Meter! Überall in der
Literatur über Höhenkrankheit wird ab 2500 Meter von einem täglichen Aufstieg
von mehr als 300-500 Meter Höhemeter gewarnt. In einer Höhe von 3000 m enthält
die Atmosphäre nur noch die Hälfte Sauerstoff wie auf Meereshöhe. In 5000 m ist
es sogar nur noch ein Drittel. Aber wie kann man diese Regel hier anwenden? Da
müssten wir ja zehn Tage nur bis zum Base Camp des Frey’s Peak einplanen. Obwohl
ich mir deswegen auch ein wenig Sorgen mache, hat meine Schwester grosse
Bedenken. Sonam rät uns zur Akklimatisation soviel wie möglich in den
verbleibenden zwei Tagen zu laufen.
 Unser trekking permit
Donnerstag, 12. Oktober: Darjeeling (2134 m) – Tiger Hill (2590 m)
Sollte das Wetter klar sein, wird man uns um 04.00 Uhr für den Ausflug zum Tiger
Hill wecken. Als ich um 03.30 Uhr auf die Toilette muss, schaue ich kurz durchs
Fenster. Das wird wohl nichts werden und freue mich aufs Ausschlafen. Um 04.00
Uhr läutet das Telefon. Also, auf. Ich bin skeptisch. Ich war schon zweimal auf
dem Tiger Hill. Beide Mal habe ich nichts gesehen. Unzählige Fahrzeuge sind
bereits unterwegs. Eine richtige Völkerwanderung. Als wir oben ankommen ist auf
der Terrasse eine riesige Menschenmenge versammelt. Alle warten auf den
Sonnenaufgang. Tja, damit wird wohl nichts werden. Eine kurze Zeit hellt der
Horizont auf, doch unser Ausflug war „for the fox“ – für die Füchse. Zurück im
Hotel entschuldigt sich Frau Norbu für das unfreundliche Wetter. „So viele Gäste
kommen von so weit um die Berge zu sehen, ich werde für schönes Wetter beten“.
     Auf dem Tiger Hill (2590 m)
 mehr als soviel sieht man nicht
Als Schlechtwetterprogramm ziehen wir Richtung Zoo und HMI (Himalayan Mountaineering
Institute) los. Wir stehen vor geschlossenen Türen. Als Ersatz besuchen wir eine
Teeplantage. Es gibt in Darjeeling und Umgebung 81 Tea Estates. Diejenige von
Happy Valley ist am nahegelegensten. Dichter Nebel ist in der Zwischenzeit
aufgekommen. Beim Abstieg zur Fabrik ist die Sicht kaum fünfzig Meter weit.
Geschlossen. Seltsam, jedes Mal wenn ich eine Teefabrik besuchen will, ist sie
geschlossen. Man erklärt uns, dass die Saison zu Ende gehe und nur noch wenig
Tee gepflückt werde, sodass die Fabrik für die Verarbeitung nur noch sporadisch
offen ist. Frau Kursum bietet sich an uns für eine Tasse zu 25 Rupien ALLES über
den Tee zu erzählen. Die Teepflückerinnen haben ihre Mittagspause beendet und
schwärmen in die Plantagen aus.
     Das Himalayan Mountaineering Institute (HMI) sowie der Zoo sind jeden Donnerstag geschlossen
   Happy Valley Tea Estate
    
Frau Kursum erklärt uns die Geheimnisse des Super
fine tippi golden flowering orange peakoe, S.F.T.G.F.O.P 1 genannt
     Nach der Mittagspause beginnen die Pflückerinnen mit der Arbeit
    
Als nächstes wollen wir zum Botanical Garden. Man gibt uns eine Abkürzung an. Schöne
Abkürzung. Wir landen total in der „Scheisse“. Tja, irgendwo müssen ja die
Abwässer der Häuser im oberen Darjeeling den Hang hinunter kommen. Es stinkt
gottsjämmerlich. Die Ankunft im Garten ist eine echte Erlösung. Leider hat es
nun zu regnen begonnen. Die Blumenpracht im Treibhaus ist zu dieser Jahreszeit
mager. Im Frühling muss sie sicher sehenswert sein.
     Auf dem Weg zum Botanical Garden

     die Abkürzung
     Der Botanische Garten
    
Es regnet
so stark, wir müssen einen Schirm kaufen. Zeit zum Essen. Es gibt unzählige gute
Restaurants in Darjeeling, man muss nur wissen wo. Uns verschlägt es ins Hasty
Tasty. Nach meiner letztjährigen Reise zu den Ganges-Quellen bin ich vom Indian
Food begeistert. Das bestellte Chola Masala (Kichererbsen) schmeckt absolut
delikat. Ohne Zweifel gehört die indische Küche zur besten der Welt.
     Die indische Küche gehört zur Besten der Welt

Freitag, 13. Oktober: Darjeeling (2134 m)
Die Sonne scheint wieder. Von den Bergen ist aber nach wie vor nichts zu sehen.
Heutiges Ziel ist der Batasia Loop, eine Schleife die es dem Zug ermöglicht den
steilen Anstieg von Ghum nach Darjeeling zu meistern. Laut den Ansichtskarten
hat man von hier einen wunderschönen Blick auf die Berge, selber habe ich es
jedoch noch nicht erlebt. Als wir mit dem Taxi den Bahnhof passieren, ist der
Touristenzug gerade losgetuckert. Wir überholen ihn. Dreiviertelstunden später
nähert er sich dem Batasia Loop. Sein Standort ist an der schwarzen Russfahne
leicht erkennbar. Der Zug fährt in die Arena ein und hält an. Japanische
Touristen steigen aus und lassen sich mit dem Lokführer fotografieren. Zu Fuss
marschieren wir der Strasse entlang zum Kloster von Ghum und anschliessend zum
Bahnhof. Nebel kommt wieder auf. Wir fahren nach Darjeeling zurück.
     Letzte Vorbereitungen: Zuerst müssen noch Hosen verkürzt und meine Bergschuhe repariert werden
     Der Bahnhof von Darjeeling
 Batasia Loop (ohne Sicht auf die Berge)
    
     Bei schönem Wetter sind die Feldstecher sehr begehrt
     Vom Batasia Loop marschieren wir zum Kloster von Ghum
    
    
   Der Bahnhof von Ghum
Der
Nachmittag ist dem Besuch des Zoo und HMI gewidmet. Ich besuche meinen Freund
Mr. Das, Kurator des HMI. Leider ist er mit den Vorbereitungen zum morgen
beginnenden HMI Golden Jubilee zum 50jährigen bestehen des Institutes
beschäftigt. Zu einem Tee und einem kurzen Gespräch zusammen mit dem Police
Superintendent reicht es dennoch. Auf dem Rückweg durch den Zoo begegnen wir
Schneeleoparden, indischen Tigern und einem schwarzen Himalaya Bär.
     Besuch
im HMI - Bild links: Kurator Herrn Chandranath Das und der Principal Col. J.S. Dhillon - Bild rechts: das neue Museum
     Im Zoo: Schneeleopard, Schwarzer Himalaya Bär und indischer Tiger
Samstag, 14. Oktober: Darjeeling (2134 m) – Pelling (2000 m)
Ich kann
es kaum fassen als ich um 05.30 Uhr aus dem Fenster schaue. Die ganze Bergkette
ist frei. Ein Wunder. Sensationell! Und dies zum heutigen Trekking-Start. Welch
ein Glück wir doch haben. Namgyal, unser Guide holt uns um 08.30 Uhr im Hotel ab.
Die Fahrt geht durch wunderschöne hügelige Landschaften. Wir folgen lange Zeit
dem Grenzfluss Teesta nach Malli, dem Grenzposten von Sikkim. Sikkim ist als
ehemaliges unabhängiges Königreich seit 1975 ein Bundesstaat der Indischen
Union. Als Gegenleistung wurde Sikkim eine gewisse politische Autonomie
zugestanden und ist heute Zollfrei. Die Strasse windet sich durch dichte
Teakholzwälder das Tal des Rangsit Rivers nach Lakship hinauf. In unzähligen
Kurven geht es auf fast 2000 Meter nach Pelling hinauf. Die Fahrt dauert fünf
Stunden. Wir sind im Hotel Norbughang untergebracht. Wieder sind wir zuoberst.
Wieder Treppen. Namgyal führt uns zum berühmten Kloster von Pemayangste. Der Weg
endet in einem steilen Erdhang. Namgyal und meine Schwester gehen weiter, ich
verzichte darauf. Auf der gegenüberliegenden Seite erkennt man sehr gut auf
einem Bergplateau das morgige Ziel Yuksam. Yuksam liegt lediglich sieben
Kilometer Luftlinie von Pelling entfernt, der Strasse entlang sind es 35
Kilometer. Namgyal erzählt uns von der unheimlichen Entwicklung Pelling. Hotels
sollen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Es sind hauptsächlich indische
Touristen die hierher kommen, der beiden Kloster wegen, hauptsächlich aber wegen
der grandiosen Sicht auf die Schneeberge. Ich bin gespannt…
     Erstmals sind die Berge sichtbar!
     Unterwegs nach Pelling
     Bild links: Grenzposten von Malli (Übergang nach Sikkim) mit Fluss Teesta
     Die Wasserfälle von "Kangchenzunga"
Sonntag, 15. Oktober: Pelling (2000 m) – Yuksum (1780 m)
Mitten in
der Nacht wache ich auf. Der Himmel ist klar. Heute oder nie! Sicherheitshalber
stelle ich den Wecker um ja nicht zu verschlafen. Um 05.15 Uhr herrscht vor
unserem Zimmer Lärm. Indische Touristen haben sich auf der Terrasse „breit“
gemacht. Ich habe begriffen weshalb Namgyal unbedingt dieses Zimmer für uns haben
wollte. Es ist das Beste. Langsam zeichnet sich die Bergkette am Horizont ab. Es
wird immer grandioser. Um 05.45 Uhr wird die Spitze des Kangchenzungas als erste
von den Sonnenstrahlen erfasst. Kurz darauf verfärben sich die Bergriesen gelb
und rot. Ein sensationelles Schauspiel. Die ganze Bergkette leuchtet nun im
dunkeln Himmel, wie die Zähne eines Schwarzen. Das Panorama ist grossartig. Ganz
links im Westen, noch im Schatten, erkennt man den Kang Peak (5560 m). Dieser
wurde zur Geschichte 1883 vom Schweizer Joseph Imboden Erstbestiegen. Über den
Kang-La-Pass führt der einzige Übergang nach Nepal und wurde früher von den
ersten Expeditionen, wie diejenige von 1905 vom Genfer Jules Jacot-Guillarmod,
zum Kangchenzunga über den Yalung-Gletscher benützt. Rechts davon ist der flache
Gipfel des Koktang (6147 m) welcher vom Kumbhakarnat (7710 m) überragt wird. Die
kleine dunkle Spitze davor ist der Ratong (6679 m), dann folgen der Kabru South
(7317 m), der Kabru North (7338 m), der Talung (7343 m) und schliesslich der
majestätische „Kantsch“ (8598 m). Nach einem solchen Panorama könnten wir
eigentlich zurück nach Hause gehen. Doch wir wollen die Berge noch von etwas
näher sehen.

Das Panorama von Pelling v.l.n.r. Kang (5560 m), Koktang (6147 m), Kumbhakarnat (7710 m), Ratong (6679 m)
Kabru South (7317 m), Kabru North (7338 m), Kabru Dome (6600 m),
Talung (7349 m), Kangchenzunga (8598 m)
     Pelling (2085 m)
     Grandioses Panorama auf den Kangchenzunga

Am
späteren Vormittag fahren wir nach Yuksum los. Die Fahrt ist kurz und dauert
lediglich 2 ½ Stunden. Wir nehmen uns Zeit und stoppen mehrmals unterwegs. So an
den „Kangchenzunga-Wasserfällen“. Jeden Sonntag herrscht in Yuksum Markt. Ein
kleiner Markt, dennoch ist es interessant sich ein wenig unter die Leute zu
mischen. Wir begegnen hier oben etlichen Touristen, auch einigen jungen „Weissen
die nach der billigsten Unterkunft suchen. Es kann sich wohl nur um Israelis
handeln. Auch hier hat es in den letzten Jahren viele neue Hotels und
Restaurants gegeben. Als Sehenswürdigkeit zählen das Kloster und der Coronation
Thron von König Norbughang. Yuksum ist die erste Hauptstadt von Sikkim. In
Yuksum ist auch der Eingang zum Nationalpark. Ausländer die weiter hinauf wollen
müssen auf dem Polizeiposten ihr Trekking Permit vorweisen. Namgyal erledigt dies
für uns währenddem wir uns Tee und Biskuits gönnen. Unser Campingplatz befindet
sich am oberen Ende des Dorfes. Die Zelte werden erstmals aufgestellt. Namgyal
stellt uns die Mannschaft vor: da ist Sherpa Nima, seine rechte Hand, Tashi, der
Koch, Namaljal, Dolman und Baikumar als Küchengehilfen und room service sowie
ein Dzo-Treiber. Insgesamt sieben Personen.
     In Lakshep zweigt die Strasse nach Yuksum ab
     Yuksum (1780 m) - Bild mitte der Polizeiposten bei dem das Trekking Permit gezeigt werden muss
    
   
    

     Der Steinthron in Norbughang unter einer 300jährigen Tanne
Unser Team
 Namgyal, so called "umbrella man"
    
v.l.n.r: Sherpa Nima, Tashi, Baykumar
  
Jamalal und Dolman
Montag, 16. Oktober: Yuskum (1780 m) – Bakhim Forest (2700 m)
Ich habe
die erste Nacht im Zelt gut geschlafen. Meine Schwester beklagt sich allerdings
über mein Schnarchen. Tja, an dies wird sie sich wohl in den nächsten Tagen
gewöhnen müssen. Jamalal und Dolman servieren uns den Morgentee ins Zelt. Welch
ein Service. Unsere Sachen sind schnell gepackt. Zum Frühstück gibt es zur
Auswahl Tee, Nescafe oder Cadburry chocolate, Porridge und Toast. Der Porridge
hat gar keinen Erfolg. Den können sie sich „schenken“, lieber Müesli oder
Cornflakes. Von früheren Trekkings schlauer geworden, achte ich darauf nicht
allzu viel zu essen, vor allem nichts fettiges wie Spiegeleier. Man weiss ja
nicht ob es gleich neunzig Grad hoch geht und sich mit vollem Magen von der
Anstrengung übergeben muss. Wir sind bereit. Langsam werde ich ungeduldig. Ich
dränge loszumarschieren, denn in der Morgenkühle ist es am angenehmsten. Namgyal
erklärt uns, dass es bis zur 3. Brücke nicht allzu schwer sei, dann allerdings
ein steiler Aufstieg folge. Wir starten. Nima begleitet uns. Der breite Pfad
führt zunächst fast eben taleinwärts. Ich marschiere in meinen Turnschuhen. Es
lässt sich damit leichter laufen, nach dem letztjährigen Trekking hoffe ich
damit auch keine Probleme mit meinem havarierten Fussgelenk zu bekommen. Es geht
nun abwechslungsweise Auf und Ab. Ein angenehmes Wandern. Nach einer Stunde
erreichen wir die erste Brücke. Na also, bis jetzt war es ja gar nicht so
schlimm. Doch der Weg ist noch lang. Tief unten in der Schlucht zu unserer
linken rauscht der Ratong Chu. Es geht nun immer weiter den Bergurwald durch
Eichel und Kastanienbäume hinauf. Die Vegetation ist üppig. Im Frühling muss es
hier prachtvoll sein wenn die weissen Magnolien und die über sechshundert
verschiedenen Orchideenarten blühen. Viele Gruppen kommen auch hierher um die
Vogelwelt zu betrachten, so genanntes „bird watching“. An wilden Tieren sollen
hier vor allem Bären vorkommen. Die 2. Brücke ist erreicht. Regelmässig Trinken
und sich Verpflegen, dies ist sehr wichtig bei solch langen Etappen. Nach drei
Stunden sind wir bei der 3. Brücke angelangt. Ich bin moralisch auf den Aufstieg
vorbereitet. Doch es gibt keinen Aufstieg. Stattdessen halten wir zum
Mittagessen. Die Küche hat uns schon lange ¨überholt und das Essen vorbereitet.
Wo ist denn der Aufstieg? Namgyal klärt mich auf. Dieser ist nach der 4. Brücke.
Wohl ein Missverständnis. Es geht weiter. Wenig später senkt sich der Pfad jäh
bergab zum Bett des Prek Chu. Wir überqueren die grosse Hängebrücke. Auf der
anderen Seite angelangt, führen die ersten Meter unheimlich steil hinauf. Und so
geht es die ganze Zeit weiter. Je höher wir kommen, desto dichter wir die
Vegetation. Übermannsgrosse Philodendron setzten uns ins Staunen. Dichtes Moos
und lange Flechtenbärte überziehen die rotrindrigen Tannenstämme. Langsam lassen
die Kräfte nach. Jeder geht seinen Rhythmus. Meiner ist ganz wenig schneller und
ich bin mit Nima voraus. Der Aufstieg nimmt kein Ende. Ich schaue gar nicht mehr
hinauf, dies ist jedes Mal nur frustrierend. Meine Skistöcke verfangen sich
unzählige Male in den Steinen was mich jedes Mal zurückreisst. So was macht mich
wütend und Nima lernt die ersten Flüche auf Schweizerdeutsch. Der Aufstieg
scheint unendlich. Nach sechs Stunden sind wir endlich in Bakhim. Es ist ein
gemauertes zweistöckiges, geräumiges Gebäude auf einer Waldlichtung. Schlafräume
befinden sich im oberen Geschoss. Talauswärts blickend können wir sehr gut die
heutige Wegstrecke einsehen. Siebzehn Kilometer haben wir heute zurück gelegt.
Eine schöne Leistung wenn man bedenkt, dass ich in den Vorbereitungen als
Längstes zwei Stunden gelaufen bin. Meine Schwester ist immerhin zweimal von
Prés d’Orvin zum Chasseral gelaufen.
     Bild links: Da hinauf müssen wir! - Bild mitte: 1. Brücke
   
     Bild links: 4. Brücke über den Prek Chu. Ab hier geht es steil aufwärts nach Bakhim (2760 m)
Dienstag, 17. Oktober: Bakhim Forest (2700 m) – Dzongri Alm (4085 m)
Der Gang
zum WC-Zelt über die steile wackelige Holztreppe mitten in der Nacht war
wiederum ein kleines Abenteuer. Weshalb nur muss ich jede Nacht mehrmals
aufstehen? Dzongri heisst unser nächstes Etappenziel. Nochmals Tausend
Höhenmeter. Der Weg geht im gleichen Stil steil weiter. Einfach „bisturi,
bisturi“ – langsam, laufen. Kurz vor Tshoka, einer kleinen tibetanischen
Siedlung, kommen die ersten Schneeberge ins Blickfeld. Wau! Bei einem solchen
Anblick vergisst man die Strapazen leichter. Es ist der Pandim und die
Juponu-Gruppe. In Tshoka (3050 m) angelangt gibt es eine Teepause. Wir
marschieren durch die wenigen Häuser an Gärten mit Senfblätter und Kohl vorbei.
Ich bin nun mit Namgyal voraus. Eine zeitlang folgen wir unseren Dzos. Diese
laufen so ruckartig, dass wir des öfters kurz anhalten müssen. Dies bricht
meinen Rhythmus. Ich gebe Namgyal das Zeichen zum Überholen. Namgyal erklärt mir
dabei, dass die Tiere bis zu sechzig Kilos tragen. Allmählich geht der Laubwald
in Nadelwald über. Die schlanke Himalaya-Tanne prägt die Landschaft mit ihren
bizarren Formen. Der Weg besteht nun aus aneinander gereihten halbierten
Rhododendron-Baumstämmen, der Flache Teil nach oben. Eine Autobahn. Das Laufen
über eine Weite Strecke ist ganz angenehm so. Immer mehr kommen wir in die
Rhododendron. Nicht kleine Sträucher wie bei uns zuhause, richtige grosse Bäume.
Nach vier Stunden Aufstieg erreichen wir Phedang (3550 m). Hier gibt es das
Mittagessen. Das war nun schon ein hartes Stück Arbeit. Meine Schwester klagt
über Kopfschmerzen. Vermutlich die Anstrengung und die Höhe. Alles anders als
frischfröhlich geht es weiter. Ich bin erneut mit Namgyal voraus. Ich ziehe es
vor voraus zu laufen, vielleicht aus psychologischen Gründen. Den Dzos kann ich
diesmal nicht mehr folgen. Die Luft wird auch immer dünner, man sieht sie kaum
mehr. Ich schnaufe wie ein „Wahlross“. Namgyal ist zuerst erschrocken, aber keine
Sorge, dies ist mein Stil. Es tönt schlimmer als es ist. Don't worry. Ich fühle
mich nie im „roten“ so wie ich es auf meinem Trekking in Pakistan erlebt habe.
Nach relativ kurzer Zeit habe ich mich erholt und kann wieder normal atmen.
Langsam lichtet sich der Wald über uns. Weit kann es bis zur Anhöhe nicht mehr
sein. Und dann bin ich oben. Gebetsfahnen empfangen mich. Wir müssen eine Höhe
von ca. 4000 Meter erreicht haben. Bis zur Dzongri-Hütte geht es nun meistens
flach. Jeder Aufstieg ist eine Qual. Nach jedem Hügel folgt ein anderer. Wo ist
denn diese „Scheiss“ Hütte? Als wir sie endlich erreichen bin ich eher „muff“
als erfreut. Namgyal schlägt uns vor noch etwas weiter zu marschieren, zur
Dzongri-Alp. Na, er muss es ja wissen wo der geeignetste Platz ist. Wir kommen
nun so langsam vorwärts, dass wir nochmals eine volle Stunde dahin benötigen.
Acht Stunden, sogar etwas mehr, waren wir heute unterwegs. Ich bin geschafft und
verschwinde ohne Nachtessen im Zelt.
    
Bakhim Forest House
  
Unsere Dzos
    Kurz vor Tshoka erscheinen die ersten Schneeberge
     Bild links: Das Dorf von Tshoka
   Mittagessen in Phedang (3550 m). Vier Stunden Marsch steht hinter uns
Mittwoch, 18. Oktober: Dzongri Alm (4085 m)
Sechsmal musste ich diesmal zur Toilette. Dies ist jedes Mal eine komplizierte
Angelegenheit schon nur bis man aus dem Schlafsack ist. Auf jeden Fall ist es
ein gutes Zeichen, denn in der Fachliteratur über Höhenkrankheit heisst es, dass
eine sog. Polyurie (es wird mehr Harn als gewöhnlich ausgeschieden) ein Zeichen
für gut angepasste Bergsteiger sein soll. Schlussendlich habe ich gestern doch
noch etwas gegessen. Namgyal hat mir das Essen ins Zelt gebracht. Um 05.30 Uhr
bin ich bereits wieder auf. Das Wetter ist klar und ich bin ungeduldig die Berge
zu fotografieren. Wo ist denn dieses Panorama vom dem Namgyal gesprochen hatte.
Ich sehe nichts. Ich ziehe Richtung eine kleine Hügelkrete los, in der Hoffnung
dahinter die Bergriesen zu erblicken. Oben auf der Krete angelangt, geht der
Blick zu einer weiteren Krete. Ich steige weiter hoch, doch es nimmt kein Ende
und ich kehre enttäuscht ins Camp zurück. Ich versuche es Richtung Westen. Die
schneeweisse Spitze eines Berges ragt über dem Hügel heraus. Je weiter ich
mich nach Westen begebe umso mehr ist vom Berg zu sehen. Einige Hundert Meter
weiter erblicke ich Gebetsfahnen. Meistens sind es
Aussichtspunkte. Effektiv, die Wand des Kabru strahlt in voller Pracht vor mir.
Zum Frühstück bin ich wieder zurück im Camp. Wolken und Nebel kommen vom
Unterland herauf. Um 09.30 ist Dzongri-Alm im Nebel verhüllt. Man sieht keine
fünfzig Meter weit. Was kann man an solchen Tagen machen als im Zelt im warmen
Schlafsack zu verweilen.
 Der Kabru (7317 m) etwas westlich von Dzongri Alp (4030 m)
     Unser Lager auf Dzongri Alm
     Fussball auf 4000 Meter
    Zeltleben
Donnerstag, 19. Oktober: Dzongri Alm (4085 m) – Dzongri Top (4260 m)
Wir stehen
um 04.00 Uhr auf. Eine Tasse heissen Tee und schon geht es in der Dunkelheit
los. Namgyal geht voraus, Nima macht den Schluss. Im Licht der Stirnlampen folgen
wir dem schmalen Weg durch die Sträucher. Es ist bitter kalt und ich friere
gottsjämmerlich an die Finger. Namgyal schlägt ein langsames, regelmässiges Tempo
an. Gut so, denn wir haben genügend Zeit. Um 05.15 Uhr sind wir oben.
Gebetsfahnen markieren den Gipfel. Zusammen mit einer englischen Gruppe warten
wir auf den Tagesanbruch. Langsam wird es hell. Im Osten verfärbt sich der
Himmel dunkelgelb und rot. Ein herrliches Schauspiel. Die ganze Bergkette steht
im Schatten vor uns. Es ist 05.45 Uhr als die ersten Sonnenstrahlen die höchsten
Berggipfel treffen. Immer mehr werden sie durch die Sonne erleuchtet. Welch ein
Glück wir haben so was beizuwohnen. Unfassbar. He! Wir stehen gegenüber dem 3.
höchsten Berg der Welt! Wir geniessen es köstlich. Das Gipfelfoto wird geknipst.
Langsam habe ich Hunger. Es ist Zeit zum Abstieg. Gegen 09.00 Uhr kommen
wiederum die Wolken auf und die ganze Pracht ist verschwunden.
Die Küchenmannschaft und die Dzo-Treiber unterhalten sich mit Steinstossen und
spielen mit einem aus zusammengeschnürten gepressten Plastiksäcken, Fussball.
Ich lerne sie wie richtig Kugelstossen. Der Stein muss vom Nacken aus gestossen
werden. Ich werde dabei Dritter, meine Schwester Erste bei den Damen. Erst im
nachhinein kommt mir in Sinn, dass ich ja noch vor gar nicht allzu langer Zeit
Probleme mit einem Rückenwirbel hatte! Ich sollte etwas vorsichtiger sein, bin
ja nicht mehr Vierzig!
Wir haben gemeinsam mit Namgyal entschieden, unser Programm hier abzubrechen. Der
weitere Marsch zum HMI-Basislager Chowrikhang auf 4380 Meter und weiter zum
Grabmal von Georg Frey (5000 m) ist bei unserer körperlichen Verfassung eine,
wenn nicht zwei Nummern zu gross. Schade, aber die Vernunft geht vor. Da ich vor
allem beim Abstieg grosse Mühe habe, nehmen wir uns lieber hierfür etwas mehr
Zeit.
   Auf dem Dzongri Top (4200 m)
    

Eindrückliches Panorama: v.l.n.r der Ratong (6679
m), Black Kabru (die schwarze Pyramide), der Kabru South (7317 m)
Kabru North (7338 m) sowie Kabru Dome (6600 m), Kangchenzunga (8598 m)
     Die Südostflanke des Kangchenzunga mit dem Südgipfel (8476 m). Der Hauptgipfel
ist hinten sichtbar (kleine erleuchtete Spitze)

...am 25. Mai 1955 durch George Brown und Joe Brown (GB) Erstbestiegen Bis Oktober 2006 haben lediglich neun Schweizer Bergsteiger den Gipfel erreicht.
    
     Bild links: Frey's Peak (5830 m) - Bild mitte: Frey's Peak und Ratong - Bild rechts: Pandim (6691 m)
    
Bild links: Pandim mit der Jopuno-Gruppe
Bild mitte: Tenzing Kang und Jopuno (5936 m) in
der Mitte. Der Jopuno wurde 1883
durch die beiden Grindelwaldner
Bergsteiger Emil Boss und Ulrich Kaufmann Erstbestiegen
Bild rechts: die kleine weisse Pyramide ist der Siniolchu (6887 m)
    
Der Frey's Peak ist der einzige Berg der nach einem Schweizer benannt ist. Unser Ziel war es das Grabmal im Base Camp zu besuchen
Freitag, 20. Oktober: Dzongri Alm (4085 m) – Phedang (3550 m)
Es hat diese Nacht geschneit. Alles ist weiss und
steinhart gefroren. Es war auch die bisher kälteste Nacht. Dank dem guten Zelt,
dem warmen Schlafsack und meiner Daunenjacke, habe ich die Nacht schadlos
überstanden. Es hat sich überhaupt sehr gelohnt, eine etwas teurere
Trekking-Agentur gewählt zu haben, die über gutes Material verfügt. Als
Vergleich zu meinen früheren Trekkings, war dies bisher wirklich ein Luxus-Trekk.
Esstisch, Esszelt, WC-Zelt, jeden Morgen warmes Wasser um sich zu waschen, so
was hatte ich bisher nie. Das Wetter ist noch immer prächtig. Das Frühstück wird
heute etwas verspätet eingenommen, da die heutige Etappe nach Phedang kurz ist.
Der Rückweg erfolgt über den Höheweg oberhalb der Dzongri-Hut bis zu den
Gebetsfahnen bei welchen der steile Abstieg beginnt. Während der ganzen Zeit
begleitet uns das Panorama auf den Kantsch, Pandim sowie wie die Jopuno-Gruppe.
Bis Phedang benötigen wir eine Stunde. Wir übernachten hier. Wir treffen eine
Schweizer Trekkinggruppe. Sie sind heute von Yuksam gekommen und übernachten
ebenfalls hier. Ich wechsle einige Worte mit dem Leiter. Ihre Akklimatisation
ist wesentlich vorsichtiger als unsere. Die Gruppe steigt, wie im Lehrbuch
geschrieben, am gleichen Nachmittag noch etwas auf und kehrt dann zum
Übernachten nach Phedang zurück. Am späteren Nachmittag bedeckt sich der Himmel.
     Es hat geschneit. Das Bächlein ist gefroren
    
    
     Gruppenfoto vor dem Abstieg nach Yuksum
 Von hier geht es steil bergabwärts nach Phedang
    
     Wir übernachten in Phedang
   Gegen Abend kommt Nebel auf
Samstag, 21. Oktober: Phedang (3550 m) – Bakhim Forest (2700 m)
Es regnet.
Damit wird der Abstieg nicht leichter. Namgyal hat seinen Schirm aufgemacht. Zum
Glück ist der Regen unter den dichten Kronen der Tannen nicht so heftig. Meine
Regenjacke ist dennoch sehr bald durchnässt. Vorsichtig, Schritt um Schritt
kämpfen wir uns hinunter. Der Weg in diesem Nebel ist tückisch. Schuld daran
sind die vielen Abkürzungen, welche von den Trägern benützt werden. Namgyal
erzählt uns von einem Deutschen der letztes Jahr alleine vorausging und
verschollen ist. Eine gute Regel ist daher immer dem frischen Dzo-Dreck zu
folgen. Nach zwei Stunden sind wir in Tshoka. In einer Hütte erwärme ich mich am
Holzfeuer. Bis Bakhim ist es jetzt nicht mehr weit. Wir brauchen gerade
fünfundvierzig Minuten. Wir sind froh bei solchem Wetter nicht im Zelt
übernachten zu müssen, denn alles ist feucht und nass. Wir treffen Markus und
Ulrike aus Freiburg (De), welche wir im Dekeling in Darjeeling kennen gelernt
haben. Sie sind auf dem Weg nach Dzongri.
Zum Dessert überrascht uns Tashi mit einem aus Karamell hergestellten Körbchen
mit Fruchtsalat. Ach dieser Tashi! was der uns schon alles
hervorgezaubert hat, sagenhaft.
     Das Wetter hat sich verschlechtert: es regnet
     Teepause in Tshoka
     Zurück in Bakhim
     Das Wetter scheint sich zu bessern. Zum Abendessen überrascht uns Tashi mit einem Fruchtsalat im Karamellkörbchen
Sonntag, 22. Oktober: Bakhim Forest (2700 m) – 3. Brücke
Der Gang
zum WC-Zelt über die „kriminelle“ Holztreppe war mir diese Nacht zu blöd, so
habe ich mein „flüssiges Geschäft“ durch das Geländer vom Obergeschoss aus
erledigt. Psst, niemandem sagen! Es regnet noch immer. Langsamen und sicheren
Trittes erreichen wir angeführt von Namgyal die Brücke über den Prak Chu. Auf der
anderen Talseite geht es wieder mühsam aufwärts. Ich wäre eigentlich gerne heute
bis Yuskum durchmarschiert, halten jedoch am frühen Nachmittag kurz vor der 3.
Brücke zum letzten Übernachten an.
 Zurück bei der 4. Brücke. Jetzt geht es auf der anderen Talseite wieder hinauf
Montag, 23. Oktober: 3. Brücke – Yuksum (1780 m)
Das Wetter
ist wieder besser. Wir passieren die 3. und 2. Brücke. Meine Schwester hat
plötzlich grosse Probleme mit einem Hühnerauge und kann kaum laufen. Wir
verspüren nun doch die Müdigkeit, denn wir werden immer langsamer. Es wird
merklich heisser. Fliegen surren mir um den Kopf. Ob der Duft wohl der Grund
ist. Grosse schwarze Schmetterlinge zischen umher. Immer mehr Bananenstauden
zieren die Landschaft. Wir erreichen die letzte Brücke. Letzte Verpflegung. Die
letzten Meter sind immer die längsten. Endlich nach vier Stunden erblicken wir
die ersten Dächer des Dorfes. Die Zivilisation hat uns wieder.
   Zurück bei der ersten Brücke kurz vor Yuksum
   Ankunft in Yuksum: müde aber glücklich es geschafft zu haben
     Endlich eine warme Dusche...
    
     Die Attraktion im Dorf ist eine Musik Band

    
 Abschied im Hotel: alle erhalten ein Bakschisch
 Meine Bergschuhe haben nach sieben Jahren ausgedient und gehen in den Ruhestand
Dienstag, 24. Oktober: Yuskum (1780 m) – Darjeeling (2134 m)
Der Himmel
ist stahlblau. Der Kabru leuchtet über dem Taleinschnitt. Markus und Ulrike
werden heute ebenfalls ein prächtiges Panorama erleben. Wir mögen es ihnen
herzlich gönnen. Die Rückfahrt nach Darjeeling führt erneut durch wunderschöne
Landschaften mit Reisterassen und Teeplantagen. Am frühen Nachmittag sind wir in
Darjeeling zurück. Wir sind bei Sonam und Jamling im Gang-La zum Tee eingeladen.
Als private Gäste haben wir die Ehre das kleine private Museum zu besichtigen.
 Der Kabru von Yaksum aus
   Reisterrassen
     Fahrt zurück nach Darjeeling
   
   Grenzposten
    
     Das schöne Wetter hält an. Darjeeling mit Kangchenzunga, ein seltener Anblick!

     Chowrasta
     Obervatory Hill
   

 
    
    
     Kurseong: Auch von hier erblickt man den Kangchenzunga
Ausklang
Vorsichtshalber habe ich einen Reservetag in Darjeeling eingeplant. Nachdem
alles nach Plan verlaufen ist, könnten wir eigentlich zurück, doch unser Flug
von Bagdogra nach Calcutta ist für morgen gebucht. Wir profitieren daher noch
allerlei zu erledigen. Die Berge strahlen erneut in voller Pracht. Wir suchen
einen idealen Aussichtspunkt um zu fotografieren. Oben von Chowrasta aus hat man
eine gute Sicht, doch überall sind Drähte und Kabel im Wege. Wir steigen zum
Observatory Hill hinauf. Statt auf eine Bergaussicht zu treffen, erreichen wir
einen kleinen Tempel von Tausenden Gebetsfahnen umgeben. Wir sind dermassen
entzückt, dass wir dabei die Berge vergessen.
Wir sind in Calcutta zurück. Der Flug von Bagdogra, ein recht schmucker und
moderner Flughafen, hat knapp eine Stunde gedauert. Wir wohnen diesmal im
Fairlawn. Erneut sitzen wir im Flur’y und geniessen Sacher Torten und anderes.
Den Nachmittag verbringen wir im Botanical Garden um dem grössten Banian-Baum
der Welt einen Besuch abzustatten. Auf dem Rückweg stoppen wir beim
Victoria-Monument, welches als Calcuttas bekanntestes Monument gilt.
Um 02.00 Uhr sitzen wir in der Maschine der Thai-Airways nach Bangkok. Unser
Abenteuer ist zu Ende.
     Calcutta: Hotel Fairlawn
 Therese mit Frau Violet Smith, die Besitzerin
     Das Essen im Fairlawn ist leider nicht jedermanns Sache, vor allem der Chocolate pudding
     Der Markt hinter dem Fairlawn
   
    
   Therese beim Shopping
     Vor unserem Abflug: Besuch des Banian Baumes im Botanical Garden...
    

     ...und des Victoria Monument
  
Dank
Wir haben
unser Ziel zwar nicht erreicht, wichtiger ist jedoch, dass wir unser Trekking
ohne gesundheitliche Probleme überstanden haben. Einmal mehr hat es sich gelohnt
nicht allzu ängstlich zu sein. Gewiss muss man zB. die Akklimatisation mit der
Höhe ernst nehmen und nicht unterschätzen, wer jedoch für alles „Schiss“ hat,
der bleibt am besten zu Hause. Ich möchte hiermit auch meiner Schwester recht
herzlich danken. Sie hat viel dazu beigetragen, dass im Team eine gute Stimmung
herrschte. Ich habe ja nun schon einige Trekkings mitgemacht, dies war eines der
Besten. Thanks also to Namgyal and his team. We did appreciate very much your
company and wish you for your coming trekkings full succes.
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