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Mabuhay Trekking zum Annapurna Base Camp (Nepal) (ND 07 / 31.10.2008)


Base Camp in Pattaya

Bangkok, 28. August 2008: Zwei Jahre sind seit meinem letzten Trekking in Sikkim vergangen. Aus der erhofften besseren physischen Verfassung ist nichts geworden, im Gegenteil. Sich sportlich zu betätigen ist bei diesen tropischen Temperaturen hier auch nicht gerade einfach. Zudem ist man auch zwei Jahre älter geworden, was man mit 60 doch langsam zu spüren beginnt. Von einem mittelmässigen Trekker kann in der Zwischenzeit kaum mehr die Rede sein. Dass man bei einer solchen jämmerlichen Kondition überhaupt an ein Trekking zum Annapurna Base Camp denken kann, ist schon fast ein wenig vermessen! Nun, den Erfahrungen meiner letzten Trekkings weiss ich, dass ich es bisher noch immer geschafft habe. Bedingung ist allerdings, dass die Tagesetappen nicht allzu lang sind und ich den Rucksack nicht selber tragen muss. Vor zwei Jahren in Sikkim war ich in etwa gleich schlechter körperlicher Verfassung und schlimmer als hinauf nach Dzongri kann es auf dem Annapurna Trekk wohl nicht sein. Ich blicke daher recht zuversichtlich auf die kommenden Tage. Es ist ein leichtes, ein sogenanntes "Tea House" Trekking, d.h. man kann überall in Lodges Essen und Übernachten. Es ist auch ein Steintreppen-Trekking, ideal für mein lädiertes rechtes Fussgelenk. Die Frage ist nur wie lange ich dieses belasten kann bevor es anschwillt und schmerzt. Das Annapurna Base Camp (4130 m) zu besuchen steht schon lange auf meiner Wunschliste. Schuld daran an meinem Entscheid es dieses Jahr zu versuchen ist jedoch der Emmentaler Profi-Bergsteiger Ueli Steck, der mit seinen beiden Versuchen die Annapurna I Südwand auf einer neuen Route durchzusteigen, haben mein Interesse neu geweckt hat. Diese Südwand wollte ich nun einmal mit eigenen Augen ansehen.
Die Reservation des Flugtickets mit der Nepal Airlines von Bangkok nach Kathmandu durch mein Reisebüro, German-Asia Travel, an der Sukhumvit Road, Soi 4, hat einmal mehr geklappt. Danke Mr. Preecha, auf Sie ist Verlass. Fritz Rupp, mein Trekkingpartner, ist aus der Schweiz ebenfalls schon in Bangkok angekommen. In den nächsten vierzehn Tagen, bis zu unserem Abflug, werden wir im Seebad am Golf von Thailand Gelegenheit haben auf dieses Trekking vorzubereiten. Schon am zweiten Tag, beim Marsch frühmorgens auf die Hügel der Radiostation und zum Big Buddha, muss ich erkennen, dass Fritz in wesentlich besserer Form ist als ich. Das mit meinem nepalesischen Freund und Guide, Janak, vereinbarte 15tägige Programm wird für ihn wohl zu langsam sein.

Montag, 15. September

Die täglichen eineinhalbstündigen Märsche haben auf jeden Fall sicher nichts geschadet. Kurz vor dem Abflug beschäftigt mich jedoch ein ganz anderes Problem: Zahnschmerzen! Eine neu eingesetzte Krone, verursacht mir grosse Probleme. Jeden Tag, eigenartigerweise fast immer um die gleiche Zeit, verspüre ich während etwa anderthalb Stunden, wie ein Hämmern. Die Schmerzen verschwinden jedoch so plötzlich wie sie gekommen sind. Dennoch, nicht gerade ideale Voraussetzungen um auf ein Trekking zu gehen.
Um die Aussicht auf die Himalaya-Kette eine halbe Stunde vor der Landung nicht zu verpassen, hat es beim Einchecken mit dem Sitzplatz auf der rechten Seite ohne Probleme geklappt. Diese sind in der Regel sehr gefragt, doch diesmal scheint sich niemand dafür zu interessieren. Es gibt denn auch nichts zu sehen. Verzweifelt versuche ich einige Gipfel ausfindig zu machen, doch die ganze Kette ist in den Wolken verhüllt.
Zum siebenten Mal bin ich in Nepal. Politisch hat sich seit meinem letzten Besuch vor drei Jahren einiges geändert. Der König wurde aus seinem Palast verjagt und die Maoisten haben die Geschicke des Landes übernommen. Ob sich für die Bevölkerung etwas ändern wird, ist fraglich. Schon nur mit dem Namen “Maoisten” ist zu befürchten, dass es sich bei den neuen Machthabern um Leute mit eigenartigen, nicht mehr zeitgemässen, ideologischen Vorstellungen handelt.
Das Wetter in Kathmandu ist schön und warm, 29° Celsius. Janak empfängt uns am Ausgang des Flughafens und schon geht es in die Stadt nach Thamel, wie immer ins Hotel Blue Diamond. Wie mit Janak vereinbart, wird er mir als persönlicher Guide zur Verfügung stehen. Zusätzlich werde ich noch einen Träger zur Verfügung haben. Ich habe mit ihm eine Pauschale, alles inbegriffen, für fünfzehn Tage vereinbart. Als geübter Trekker benötigt man für dieses Trekking zwischen acht und zwölf Tage. Ich habe bei der Erarbeitung des Programms besonders Wert darauf gelegt, das Trekking gemütlich angehen zu können und in den ersten Etappen nicht mehr als drei Stunden laufen zu müssen. Ich bin dazu gerne bereit etwas mehr zu bezahlen. Ich will nicht, wie die meisten Trekker, an einem Wettrennen ins ABC (Annapurna Base Camp) teilnehmen. Fritz wird als individueller Trekker mit uns zumindest die ersten Tage unterwegs sein.


Start in Bangkok mit Nepal Airlines Flug RA 402


Anflug von Kathmandu


Begrüssung durch Janak am Flughafen


Exange rates: 1 Sfr. = 65.07 nep. Roupien


Kathmandu - Hauptstadt von Nepal


Ausblick vom Bhimsen Tower (61 Meter hoch)


Zum Annapurna Base Camp braucht es eine Bewilligung zum Eintritt in den Nationalpark


Kathmandu by night

Tagebuch des Trekkings

Tag 1 - Freitag, 19.9.
Kathmandu ( 1300 m) – Pokhara (913 m)

Die geplanten Besichtigungen in Kathmandu sind alle ins Wasser gefallen. Zur sehr waren wir mit den Vorbereitungen für das Trekking und Privatem beschäftigt. Für ein Trekking zum ABC braucht es eine Eintrittsbewilligung für den Annapurna-Nationalpark. Diese ist ohne Probleme beim Tourism Board zu erhalten und kostet 2'000 Roupien. Für unsere geplante Weiterreise nach Darjeeling (Sikkim) benötigten wir zudem ein indisches Visum. So haben wir gerade mal drei Stunden auf der Botschaft ausgeharrt, nur um den Antrag abzugeben. Für den Erhalt des Visums müssten wir am kommenden Montag nochmals antraben, doch da sind wir bereits auf dem Trekking unterwegs. Wir hoffen sehr, das Visum dann bei unserer Rückkehr vom Trekking doch noch zu erhalten. Ich bin heilfroh endlich aus Kathmandu abzureisen. Dieser stinkende Verkehr, dieser Lärm, diese lästigen Verkäufer, einfach ein Horror.

Heute fahren wir nach Pokhara. Unser Touristenbus schlängelt sich mühsam durch den Morgenverkehr das Kathmandu-Tal hinauf auf die Anhöhe von Thankot (1560 m). Von dort geht es rasant vierhundert Höhenmeter hinunter nach Naubise. Wie seit jeher herrscht reger Verkehr. Unzählige schwer beladene Lastwagen kriechen im Schneckentempo die Strasse hinauf. Viele schaffen den Aufstieg nicht. Der Motor dampft wie eine Lokomotive, blockieren sie die sonst schon enge Strasse. Die Landschaft geprägt von Tausenden Reisterrassen, die in den verschiedenen Grün und Gelb wie ein Flickwerk aussieht, ist bezaubernd. Wir folgen dem Fluss Trisuli der linken Talseite entlang. Das Tal wird zunehmend enger und die Abgründe immer erschreckender. Gefahren wird jedoch wie die Räuber. Nicht verwunderlich, dass man regelmässig von schweren Unfällen in den Zeitungen liest. Unser junger Chauffeur lässt sich dagegen auf keine gewagten Überholmanöver ein und fährt sehr vorsichtig. Weniger vorsichtig war wohl jener Fahrer des Lokalbusses der nach Manakamana, kurz vor unserer Durchfahrt, über die Böschung hinaus fuhr und tief unten im Bachbett landete! Fazit: sechzehn Tote und viele Verletzte. Ein Schaudern geht beim Anblick der Unfallstelle durch mich. Lieber ein etwas teueres Ticket kaufen, dafür aber sicher ankommen. In Muglin vereinigen sich die beiden Flüsse Trisuli und der von Pokhara herkommende Marsyandi. Über eine grosse Stahlbrücke überqueren wir den breiten Fluss. Von nun an geht es wieder aufwärts, nach Pokhara auf 700 m. Die Fahrt dauert heute in der Regel fünf Stunden. Als wir in Pokhara ankommen ist es regnerisch. Vom bekannten grandiosen Panorama auf die Annapaurna-Kette ist nichts zu sehen. Ich bin enttäuscht. Sind wir eventuell doch zu früh zu unserem Trekking gestartet?


Start nach Pokhara


Die Fahrt dauert in der Regel fünf Stunden


Unsere Trekking-Route von Phedi zum ABC

Tag 2 - 20.9.
Pokhara (913 m) – Pothana (1893 m)

Es hat die ganze Nacht hindurch geregnet. Um 06.00 Uhr blitzt und donnert es so stark, dass wir wohl unseren Trekkingstart um einen Tag verschieben müssen. Zwei Stunden später hat das Gewitter nachgelassen und Janak drängt auf die Abfahrt mit dem Taxi nach Phedi. Phedi liegt an der Hauptstrasse nach Birethanti, kurz bevor sie nach Naudanda ansteigt. Statt der in meinem Programm angegebenen stündigen Fahrt, sind wir in der Hälfte der Zeit bereits dort. Tja, man scheint es hier anscheinend mit den Zeiten nicht so genau zu nehmen. Wenn die Angaben der Marschstunden ebenfalls so ungenau sind, dann merci. Das Wetter hat sich inzwischen leicht gebessert, es regnet aber immer noch. Wir müssen die Regenschütze auspacken. Das allerwichtigste für den Start fehlt mir allerdings noch: ein Holzstock! Doch kein Problem, im Teehaus nebenan werden diese gleich bündelweise zum Preis von fünfzig Roupien angeboten. Wir sind zum ABC-Abenteuer startbereit. Janak hat sich entschieden keinen zusätzlichen Träger zu engagieren. Er will mein Gepäck selber tragen. Dies ist mir eigentlich auch egal, er muss selber wissen was er tut. Er kann sich damit die in der Pauschale einberechneten fünfzehn US Dollars für den Träger ersparen und selber kassieren. Ich selber werde dagegen nur den Tagesrucksack mit dem Fotoapparat tragen. Es kann losgehen.

Ab dem ersten Meter geht es gleich auf Steintreppen steil die Bergflanke hinauf. Schon nach wenigen Minuten komme ich in meinem geschlossenen Regenschutz heftig ins schwitzen. Mein Hemd darunter ist bereits „bachnass“. Um mir Luft zu verschaffen, muss ich die Kopföffnung aufreissen. Ich laufe nicht gerne mit einem Regenschutz, dies hindert die Sicht wohin man tritt. Ich hasse so was. Fritz mit seinem Regenschirm bewappnet, hat es da viel leichter. Es steigt und steigt, wie eben Treppen steigen. Nach fünfundvierzig Minuten erreiche ich keuchend die Anhöhe. Dahinter ist es zum Glück flacher und der Weg führt durch wunderschöne Reisfelder. Nach anderthalb Stunden rasten wir eingangs Dhampus (1720 m) im Hill Top Guesthouse. Neunhundertzwanzig Meter Höhendifferenz haben wir soeben zurückgelegt, eine beachtliche Leistung zum Anfang. Das Mittagessen, Dalbat, das nepalesische Nationalgericht, ist daher redlich verdient. Gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Pothana, unserem Tagesziel. Es hat aufgehört zu regnen. Das Marschieren ist so wesentlich angenehmer. Für einen kurzen Augenblick drückt sogar die Sonne etwas durch. Fritz in seinen Pilgerschuhen und Janak in seinen Schlarpen haben sich Blutegel eingefangen. Diese kleinen Sauviecher befallen einem ohne dass man es merkt und saugen sich dann mit Blut voll bevor sie von Dir wieder ablassen. Dem roten Tupfer auf meinen weissen Socken nach, hat auch mich einer erwischt. Salz soll das beste Mittel sein um sie leicht loszuwerden. Gemütlich, immer auf und ab, marschieren wir durch die schöne Landschaft. Nach zwei Stunden haben wir unser Tagesziel erreicht. Die verschwitzen Kleider ausziehen, eine warme Dusche und schon ist man wieder frisch. Janak dagegen hält nichts von Duschen, er habe gestern geduscht!


Start zum Trekk: ab dem ersten Meter geht es steile Treppen hoch


Mittagessen im Hill Top Guest House


Weitermarsch durch das Dorf Dhampus...


...nach Pothana


Blick zurück nach Pokhara mit dem Phewa See, links Sarangkot

Als Belohnung für unsere ersten Anstrengungen am heutigen Tag, haben sich die Wolken verzogen und es eröffnet sich der Blick auf den unbestiegenen Macchapucchre (6993 m), wegen seinem Doppelgipfel auch „Fishtail – Fischschwanz“ genannt, der ebenfalls als nepalesische Version des Matterhorns gilt. Wegen dieser Ähnlichkeit werden wir ihn fortan bei Einheimischen wie Trekker, als „Mount Toblerone“ bezeichnen. Als eine englische Expedition 1957 erstmals versuchte diesen Mount Toblerone zu besteigen, musste diese wegen schlechtem Wetter fünfzig Meter unterhalb des Gipfels aufgeben. Diese letzten fünfzig Meter wurden nie bezwungen, denn die nepalesische Regierung erliess 1964 ein offizielles Besteigungsverbot. Links davon, auf der anderen Talseite, präsentieren sich zwei weitere Gipfel, der Hiunchuli (6442 m) und der Annapurna South (7219 m). Hinter uns ist, weit in der Ferne, ist Pokhara mit dem Phewa-See zu erkennen. Für eine erste Etappe, eine gewaltige Etappe! Gegen Abend kommen immer mehr blaue Himmelfetzen auf und die Sicht auf die Gipfel wird immer besser.


Erste Belohnung: Bild links, Annapurna South (7219 m) und Hiunchuli (6434 m) - Bild rechts , Macchapucchre (6993 m)
oder neu "Mount Toblerone"!

Tag 3 - 21.9.
Pothana (1893 m) – New Bridge (1340 m)

Das Wetter ist weiterhin nicht zum Besten. Tiefe Wolkenschwaden hängen über den Hügelketten. Wenigstens regnet es nicht. In den ersten Dreiviertelstunden geht es über unzählige Steintreppen auf- und abwärts nach Deorali (2100 m) zur Passhöhe. Der Ausblick hinauf vom Pass ins Modi Khola Tal Richtung Ghandruk und Chhomrong ist ernüchternd. Welch ein weiter Weg haben wir noch vor uns! Auf der rechten Talseite entlang geht es nun über äusserst steile Treppen rapide abwärts nach Tolka (1850 m) und weiter nach Landruk (1640 m). Wir überqueren dabei die ersten wackelnden Hängebrücken. Zwölf Uhr ist meistens Zeit zum Mittagessen, was wir in Landruk auch tun. Dalbaht, ein Gericht aus Reis, Linsenpuree und Gemüse, ist inzwischen zu meinem Lieblingsmenü geworden. In jedem Ort wird es etwas anders zubereitet. Hier ist es besonders schmackhaft. Wir treffen erneut den jungen deutschen Marathonläufer, welcher mit uns in der gleichen Lodge in Pothana übernachtete. Er kommt gerade von einem Trainingscamp aus Kenia und schlägt ein dermassen forsches Tempo vor, dass seine nepalesischen Begleiter ihm nicht folgen können!


Frühstück in Photana


Die erste Hängebrücke


Steiler Abstieg zwischen Tolka und Landruk


Janak beim Mittagessen in Landruk (Dalbat)

Fritz ist voraus. Der Weg führt über haushohe Steintreppen an wunderschönen Wasserfällen vorbei zum Fluss auf 1340 m hinunter. Solch steile Treppen gehen ganz schön in die Knie, umso mehr wenn die Stufen noch so hoch sind. Das Abwärtslaufen ist für mein Fussgelenk sowieso immer problematisch da die Beweglichkeit des Gelenkes sehr eingeschränkt ist. Ich bin daher bei einem Abstieg nicht wesentlich schneller als beim Aufstieg. Je tiefer wir kommen umso heisser wird es. In einer kleinen Lodge nahe eines grossen Wasserfalls schalten wir eine
Teepause ein. Fritz und mir gefällt es hier ausgezeichnet und wir würden gerne hier übernachten, doch Janak will unbedingt weiter, nach New Bridge. Er überredet uns, da es nur noch eine Viertelstunde weit sei. Nach fünfzehn Minuten sind wir effektiv bei einer grossen Hängebrücke angelangt, von einer Unterkunft ist jedoch weit und breit nichts zu sehen. Fritz und Janak sind bereits auf der anderen Flussseite und warten auf mich. Als ich jedoch dahinter die steile Treppe erblicke die hinauf im Dickicht verschwindet, werde ich hässig. Donnerwetter, er hat doch gesagt nur fünfzehn Minuten! War denn dieser steile Abstieg nicht schon schwer genug für heute? Wie weit müssen wir denn noch laufen? Als Protest bleibe ich vorerst eine Weile vor der Brücke stehen und gebe Janak unmissverständlich das Zeichen, dass ich zurück zur Lodge am Wasserfall gehe. Doch was soll’s! Zähneknirschend überquere ich die Brücke. Wie lange der Aufstieg bis zur Hiunchuli Lodge noch gedauert hat, weiss ich gar nicht mehr. Aber lange genug. Etwas „geschafft“ habe ich auch diese zweite Etappe geschafft. Ich fühle mich jedoch leicht „angeschlagen“. Dies schient aber Janak nicht besonders zu kümmern. Schon nur eine halbe Stunde länger marschieren zu müssen, dies könnte mich in den „roten Bereich“ bringen, und dazu führen, dass ich mich bis zum nächsten Morgen nicht mehr voll erholen kann. Ich habe auf meinen zahlreichen Trekkings nun bereits einige Erfahrungen gesammelt und kenne meine Leistungsfähigkeit. Ich lasse dies Janak auch klar wissen. Gemäss unserem Programm hätten wir heute in Landruk übernachten sollen, weshalb diese Rennerei?
Erneut sind unsere Kleider vom Schweiss durchtränkt. Vor allem die Socken stinken bestialisch. Daher erster Waschtag. Um den Einheimischen einen kleinen Nebenverdienst zu ermöglichen, gebe ich meine zwei paar Socken, die Unterwäsche und ein Hemd in der Lodge ab.


Abstieg zum Modhi Khola Fluss nach New Bridge


Unsere schöne Lodge am Wasserfall


New Bridge


Hiunchuli Lodge in New Bridge

Tag 4 - 22.9.
New Bridge Lodge (1400 m) – Chhomrong (2170 m)

Meine Beine sind recht schwer und ich verspüre leichten Muskelkater. Ich bin damit nicht der einzige, denn auch meine Begleiter beklagen sich über dasselbe. Durch den Einsatz des Stockes beim Abstieg spüre ich es jedoch am meisten in meinem rechten Vorderarm und in der Handballe. Von der gestrigen anstrengenden Etappe habe ich mich jedoch gut erholt. Eine kleine Überraschung gibt es als ich meine Wäsche bezahlen will: Dreihundert Roupien! Eine Unverschämtheit. Ein Kilo Wäsche kostet in der Regel fünfzig Roupien. Eine weiteres Beispiel das aufzeigt für wie dumm man die Trekker oft hält. Nach einem kleinen Wortgefecht drückt ihm Janak eine Hunderternote in die Hand.

Der neue Tag beginnt, wie könnte es anders sein, wieder mit einem steilen Treppenaufstieg. Gleich hinter der Lodge gedeihen riesige Büsche von Hanfpflanzen. Wohl für den Eigenverbrauch ... Von einer Anhöhe sind auf der gegenüberliegenden Seite bereits die Dächer von Jhinu Danda (1780 m) zu sehen. Es scheint ein Katzensprung zu sein. Die Häuser sind zum berühren nahe. Doch auf diesem Trekking scheint alles trügerisch zu sein. Hätte ich jedoch die Karte besser studiert, so würde ich wissen, dass es zunächst einige hundert Höhenmeter zum Fluss Kimrong Khola hinunter und auf der anderen Seite natürlich wieder hoch geht. Der Weg durch die unzähligen Hirsefelder ist herrlich. Janak und Fritz werden erneut von Blutegeln befallen. Nach anderthalb Stunden sind wir angekommen. Die Lodges mit gepflegten Gärten laden zu einem Halt ein. Um eine längere Pause einschalten zu können, überzeuge ich meine Begleiter den nahe gelegenen heissen Quellen einen Besuch abzustatten. Es beginnt erneut leicht zu regnen, Wir entscheiden uns daher das Mittagessen hier einzunehmen. Dalbat, na klar. Gestärkt starten wir zum heutigen Etappenort, dem schwierigen, steilen Aufstieg nach Chhomrong auf 2170 m. Wir schaffen dies locker in anderthalb Stunden und halten gleich bei der ersten Lodge, beim „Fishtail Guesthouse“ an. Chhomrong, ein Gurungdorf, ist die letzte Siedlung auf dem Weg zum ABC. Das Dorf ist auf einem Hang über vierhundert Höhenmeter verteilt. Ab hier gibt es keine Flaschen Mineralwasser zu kaufen, es gibt nur abgekochtes Wasser. Die mitgebrachten Micropur Tabletten sind daher sehr praktisch um jegliches gesundheitliche Risiko auszuschliessen. Wie schon gestern verziehen sich die aufgekommenen Wolken im Laufe des Nachmittags immer mehr.
Lange Zeit war das Gebiet zum ABC ein Heiligtum. Beim ersten Betreten durch Ausländer anno 1957 einigte man sich, weder Eier noch Hühner mit ins Heiligtum zu nehmen und die Träger niedrigerer Kaste wurde noch vor Betreten des heiligen Bergkessels oberhalb des Modi-Khola-Schlucht entlassen. Das Heiligtum ist inzwischen ein beliebtes Trekkingziel geworden.


Gleich hinter der Lodge wachsen grosse Hanfstauden - Bild rechts: die Siedlung Jhinu Danda (Kreis)


Der Weg führt durch Hirse- und Amarant-Felder hinunter zum  Fluss Kimrong Khola...


...und auf der anderen Talseite wieder hinauf - Blick auf die herkommende Talsleite


Ankunft in Jhinu Danda (1740 m)


Ankunft in Chhomrong (2170 m)


Blick hinunter nach Jhinu Danda


Blick hinauf Richtung ABC - Unser nächstes Ziel: Sinuva (Kreis)


Die Wolken verziehen sich immer mehr - Annapurna South

Tag 5 - 23.9.
Chhomrong (2170 m) – Bamboo (2340 m)

Welch ein Prachtstag! Kein einziges Wölkchen am Himmel. Gespannt warten wir alle auf den Sonnenaufgang. Während Annapurna South und Hiunchuli in den ersten Sonnenstrahlen erleuchten, liegt die Nordwestwand des Macchapuccchre im Schatten. Das heutige Programm sieht vor über Sinuwa (2340 m) ins gleich hohe Bamboo zu gehen. Die Häuser von Sinuva sind sehr schön auf der gegenüberliegenden Talseite zu sehen. Ohne das Profil der Etappe studieren zu müssen, mahnt das Rauschen des Chhomrong Khola tief unten im Tal daran, dass es auch heute eine Toboganetappe geben wird. Man ist darauf gefasst, was viel weniger schlimm ist, als diese völlig überraschenden Ab- und Aufstiege. Der Hang von Chhomrong ist verdammt lang und steil. Die Treppen hinunter zum Fluss scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Wohl Tausende von Treppen. Bei der Hängebrücke angelangt wird es für eine kurze Zeit kühler. So steil wie es bergab ging geht es gleich wieder bergauf.


Bild links: Annapurna South und Hiunchuli - Bild rechts Annapurna III (7555 m) und Macchapucchre


Ausblick von der Fishtail Lodge


Kartenstudium vor dem Abstieg zum Chhomrong Khola

Der Aufstieg erfolgt in der prallen Sonne. Ich geh mein Tempo. Dank dem Fotografieren kann ich regelmässig kleine Pausen einschalten. Auf 2000 m wachsen hier oben noch Bohnen, Kabis und Mais. Der Blick zurück auf Chhomrong und weiter bis Landruk und Ghandruk ist beeindruckend. Unsere Lodge, die „Hill Top Lodge“ liegt direkt auf der Krete, womit man einen ausgezeichneten Blick auf die in den zwei vergangenen Tagen zurückgelegte Strecke hat. In nördlicher Richtung eröffnet sich erstmals der Blick ins das enge Tal hinauf zum ABC. Leider sind die Berge zur Mittagszeit erneut etwas in den Wolken verhüllt. In der Hill Top Lodge gibt es bisher das beste Dalbat, noch besser als in Landruk. Es ist hier oben so schön, am liebsten würde ich heute hier bleiben. Wir haben jedoch noch den ganzen Nachmittag vor uns und Janak schlägt vor ins gleich hohe Bamboo weiterzuziehen. Der Weg, durch dichten Bambus-, Eichen- und Rododendronwald ist spektakulär. Statt einem mehr oder weniger erhofften flachen Weg, muss es aber wieder auf einer langen steilen Treppe über eine Kornische gehen. Dies kostet mich enorm viel Kraft. Auf dem ebenso steilen Abstieg schwinden meine Kräfte zunehmend und ich komme, trotz Verzehr von zwei Schokoriegeln, kaum mehr vorwärts. Als wir ankommen, wartet Fritz schon über eine Stunde auf uns. Er hat sich langsam Sorgen um uns gemacht. Ich bin fix und fertig und liege keuchend auf dem Boden. Diese Etappe war für mich eindeutig zu schwer. So zwei bis drei Stunden laufen, das geht, doch dann sind meine Batterien rasch leer. Ich brauche lange um mich einigermassen zu erholen. Ich friere und liege im Schlafsack. Ein klares Zeichen von Erschöpfung. Zweifel kommen auf, ob ich so das ABC erreichen kann. Ich ziehe ernsthaft in Betracht das Trekking hier abzubrechen. Dies wäre ja nicht das erste Mal, dass ich mein Ziel nicht erreiche. Alles was ich weiter hinauflaufe, muss ich auch wieder zurück. Beim Nachtessen raten mir Fritz und Janak darüber zu schlafen und es morgen bis nach Doban zu versuchen. Fritz wird dagegen morgen früh alleine weiterziehen und wenn möglich am gleichen Tag noch das ABC zu erreichen. Für die meisten Trekker ist das Tagesthema im Dining Room die Höhe. Distanzmässig wäre dies für die meist jüngeren Leute ohne weiteres möglich, doch von der Höhe her sind 1770 m Höhendifferenz zu bewältigen. Kein Pappenstil. Mit der Höhenkrankheit lässt sich nicht spassen und es ist daher richtig und ratsam, entsprechend seiner Verfassung, die Aufstiegsetappe vorsichtig zu planen. Viele Trekker übernachten deshalb in Deurali auf 3140 Meter um sich besser an die Höhe anpassen zu können.


Auf über 2000 Meter gedeihen Kabis, Mais und Bohnen


Blick zurück auf Chhomrong


Mittagessen in der Sinuva Lodge (2340 m) - Blick hinauf zum ABC


Der Weg nach Bamboo führt durch Bambuswald - Bild links: Bamboo (Kreis)


Aufstieg nach Bamboo (2340 m)

Tag 6 – 24.9.
Bamboo (2340 m) – Himalaya (2670 m)

Ich habe mich gut erholt und werde es bis Doban versuchen. Fritz ist früh losgezogen. Es läuft mir überraschend gut. Der Weg ist nicht allzu schwer. Ein Vogelkonzert begleitet uns durch den Bambuswald. Ab und zu ist auch Rauschen im Blätterwald zu vernehmen. Wohl Langoor Affen. Ständig im Blickfeld ist nun der Gipfelaufbau des „Fischschwanzes“ der über dem im Schatten liegenden Berghang heraus ragt. Nach eineinhalb Stunden bin ich in Doban (2560 m). Erstaunlich, sogar hier oben kann man den Akku seiner Digitalkamera aufladen. Nach einem Tee fühle ich mich kräftig genug, nach Himalaya weiterzuziehen, eine Marschzeit von etwa zwei Stunden. Der Weg führt durch dichten Wald. Die Baumstämme sind mit dichtem Moos überdeckt. Je höher wir kommen, desto enger wird das Tal und die Spitze des „Fischschwanzes“ verschwindet immer mehr. Unterwegs begegne ich dem deutschen Marathonläufer. Dieser ist heute Morgen im ABC gestartet. Wir tauschen einige Worte und wünschen uns gegenseitig viel Glück. Auch Himalaya erreiche ich erstaunlicherweise in guter Verfassung. Das ABC rückt für mich nun wieder in greifbare Nähe. Ich bin froh nicht bereits in Doban aufgegeben zu haben. Auch Janak ist erleichtert und gesteht mir, dass er gestern Bedenken hatte und für mich bei seiner Göttin „Phathibhara“ bebetet habe. Nett von ihm, danke. Obwohl er mir in unserer Pauschalabmachung ein Einzelzimmer versprach, teilen wir dieses. Dies stört mich ganz und gar nicht, denn ich höre mich ja beim Schnarchen nicht. Seit ich Janak vor neun Jahren als Manager von Goma-Trekking kennen gelernt habe, hat sich eine freundschaftliche Beziehung entwickelt. Er nennt mich auch „my brother – mein Bruder“. Dass ich ihn als Guide verpflichtet habe ist auch eine Vertrauenssache. Während den langen Abenden erzählt er mir aus seinem Leben, wie er von den Maoisten ins Gefängnis gesteckt wurde, wie er sein ganzes Vermögen im Casino verspielt hat. Er erzählt mir von seiner Familie, von seinem Sohn Navaraj, der während seiner Abwesenheit ganz alleine zu Hause ist.


Fritz macht sich zum Start ins ABC bereit


Der Weg nach Doban (2560 m) führt durch dichten Wald


Je höher wir aufsteigen, desto mehr verschwindet der Gipfel des Macchapucchre


Bild Mitte: Himalaya (2844 m) ist in Sichtweite- Bild rechts: der deutsche Marathonläufer


Himalaya - Es ist kälter geworden

Tag 7 – 25.9.
Himalaya (2670 m) – MBC / Macchapucchre Base Camp (3700 m)

Auf dieser Höhe ist es in der Nacht nun doch etwas kälter geworden. Erstmals habe ich den in Kathmandu gemieteten Schlafsack benützt. Der Talkessel wird nach Himalaya immer enger. Der Weg nach Deurali (3230 m) führt zunächst steil hinauf zur Hinku Cave (3170 m) ist dann aber wunderschön. Die von der Sonne wunderschön beleuchteten, mit Gras bewachsenen steilen Hänge zu meiner linken Seite, erinnern mich an den Weg auf Fisialp oberhalb von Kandersteg. Seit Chhomrong gibt es keine Maultiere mehr. Alle Lasten werden durch Träger hochgetragen. Starke Burschen. Diese waschen vermutlich ihre Kleider auch nicht jeden Tag, denn bei jedem Kreuzen ist eine penetrante Duftfahne von Schweiss zu vernehmen. Gegen 11.00 Uhr bin ich bereits in Deurali, fünfhundert Meter höher. Wir haben gerade anderthalb Stunden dafür gebraucht.

Viele Trekker übernachten hier um sich an die Höhe anzuklimatisieren. Zum MBC sind es nämlich nochmals 470 m Höhendifferenz. Da ich mich gut fühle, beschliessen wir weiter bis ins MBC aufzusteigen. Fritz wird staunen wenn ich morgen dann doch noch im ABC erscheine! Im März 2002 wurden hier mehrere Deutsche Trekker von einer Lawine verschüttet. Der Weg zum MBC ist bei Schneefall und in den warmen Frühlingsmonaten, ab Bamboo grundsätzlich lawinengefährdet, der gefährlichste Teil soll jedoch eindeutig zwischen Deurali und MBC sein. Dies ist mit ein Grund weshalb ich die Herbstsaison für dieses Trekking vorgezogen habe, Ich laufe mein Tempo und schalte regelmässig kleine Atempausen ein. Das Wetter hat sich verschlechtert. Wie meistens am Nachmittag ziehen Wolken das Tal hinauf. Als wir nach zweieinhalb Stunden im MBC ankommen sind die Berge im Nebel verhüllt. Ich hoffe nur, dass diese dann, wie in den vergangenen Tagen, am Morgen sichtbar sind. Wir sind ganz alleine in der Lodge. Alle Trekker sind direkt ins ABC aufgestiegen.


Aufstieg nach Deurali (3140 m)


Die Felsformationen erinnern mich an die Fisistöck oberhalb Kandersteg


Deurali


Blick zurück auf Deurali


Aufstieg zum Macchapucchre Base Camp (MBC)

Tag 8 – 26.9.
MBC / Macchapucchre Base Camp (3700 m) – ABC / Annapurna Base Camp (4130 m) – Deurali (3230 m)

Es hat diese Nacht geregnet. Beim Gang auf die Toilette um 04.30 Uhr leuchten einzelne Sterne. Ich freue mich schon auf den schönen Tag. Als ich um 06.00 Uhr aufstehe sind wir von Nebel umhüllt. Ich bin masslos enttäuscht. Ausgerechnet an meinem „Gipfeltag“ macht das Wetter nicht mit. So ein Pech. Macht es überhaupt einen Sinn bei solchem Wetter ins ABC aufzusteigen? Während ich darüber hadere, reisst es die Nebelschwaden auseinander und wie mit einem Zauberstab steht die Wand des Annapurna South plötzlich vor mir. Nur eine Minute später ist die ganze Pracht wieder verschwunden. Janak versichert mir, dass der Nebel verschwinden wird. Ohne Frühstück, nur gerade mit einem heissen Tee im Magen, starten wir. Es ist ziemlich frisch und so habe ich die Daunenjacke angezogen. Die erste halbe Stunde in der Dämmerung ist ungeheuerlich mühsam. Es geht auch gleich recht stotzig hoch. Ich komme kaum vorwärts und torkle nur so. Ich fühle mich auch schwindlig und sehe Ringe vor meinen Augen. Etwa die Höhe? Schon nach hundert Meter muss ich anhalten und laut keuchen. Ich kann nicht einfach aufstehen und ohne etwas zu Essen gleich eine körperliche Höchstleistung vollbringen. Ich kenne dies von früher her. Ich beruhige Janak, sich deswegen keine Sorgen zu machen. Ich brauche frühmorgens einfach etwas Anlaufzeit bis die Maschine angelaufen ist. Als ich bei einem Halt den Blick nach oben richte, werde ich von der sonnenreflektierenden Wand des Annapurna South geblendet als ob eine Atombombe explodiert wäre. Die Verhältnisse ändern nun von Minute zu Minute. Bald tauchen Gipfel zur Rechten, bald zur Linken auf. Hinter mir ist der Gipfel des Macchapucchre bereits wolkenfrei im Schatten. Die ersten Trekker, in Deurali gestartet, überholen uns. Langsam aber gleichmässig laufend erreiche ich die kleine Anhöhe. Das ABC ist bereits in Sichtweite. Der Nebel verzieht sich immer mehr. Ich hole ein älteres Paar ein. Die Frau hat Mühe mit dem Atmen. Wir müssen auf etwa 4000 Meter sein. Der Sauerstoff beträgt hier nur noch 60%. Sicherheitshalber steigen sie wieder ab. Schade, so kurz vor dem Ziel. Der Weg führt nun gleichmässig hinauf. Janak ist weit voraus. Der Anblick der Berge wird immer fantastischer, umso häufiger mache ich Pausen zum Fotografieren. Nach zweieinhalb Stunden bin ich im Annapurna Base Camp! Wer hätte dies vor einigen Tagen gedacht? Das Panorama in diesem riesigen hufeisförmigen Bergkessel eingeschlossen von der Annapurna-Kette ist grandios. Obwohl ich ein Magenknurren verspüre, gilt es als allererstes die Fotos zu knipsen. In den Berger kann sich das Wetter manchmal sehr schnell ändern. Fritz befindet sich auf einem kleinen Aussichtspunkt umweit des Lagers. Er erwartet mich bereits. Eine aufsteigende Gruppe hatte ihm Gestern mitgeteilt, dass ich unterwegs ins ABC sei. Da steht sie nun diese Südwand des Annapurna I (8091 m). Gewaltig! Eindrücklich! Dreitausend Meter hoch! Und es gibt Leute die diese durchsteigen wollen…!
Als Janak zu uns stösst will er uns wieder einmal belehren wie die Gipfel heissen. Er verwechselt dabei Annapurna South mit Annapurna I. Tja, er als angeblich langjähriger, erfahrener Guide und Gipfelkenner… Schon auf dem Anmarsch hatte er uns einige Male „Chabis“ erzählt. Zum Glück können wir Karten lesen! Tief unter uns liegt der Gletscher. Aufgepasst! Ja nicht zu nahe am Abgrund stehen. Vor einigen Jahren soll eine deutsche Trekkerin so abgestürzt sein. Ein kleines Denkmal erinnert an den russischen Bergsteiger, Anatoli Boukreev, der am 25. Dezember 1997 in einer Lawine verschwunden ist.


MBC - Bild links: Annapurna South - Bild rechts: Annapurna I


Bild links: Annapurna South - Bild rechts: Macchapucchre


Bild links: die Südwand des Annapurna I (8091 m) - Bild rechts: ABC (4130 m) mit Annapurna South (7219 m)
Erstbesteigung Annapurna I Nordseite: 1950 durch eine französische Expedition
Erstbesteigung Annapurna I Südseite: 1970 durch eine britische Expedition


Bild links: Die letzten Meter zum ABC - Bild mitte: der Helikopter


Die 3000 m hohe Südwand des Annapurna I


Die geplante Route von Ueli Steck
(Bild freundlicherweise von Ueli Steck zur Verfügung gestellt - www.uelisteck.ch)


Das Panorama: v.l.n.r Annapurna South (7219 m), mit den kleinen Zacken der Baraha Shikar (7647 m), Bildmitte Annapurna I (8091 m)
Bild © Fritz Rupp


Ziel erreicht


Das schwarze Gipfeltrapez des Macchapucchre Südgipfels


Khangsar Kang (7485 m) links und Tent Peak (5695 m) rechts


Bild links: ein Büschel Edelweiss! - Bild Mitte: Macchapucchre im Abendlicht (Bilder von Fritz Rupp)

Auf dem Weg zurück zu den Lodges, passieren wir einen von einer Blache geschützten Helikopter. Dieser soll vor drei Monaten beim Start wegen zu grosser Last abgesackt sein, Seither wartet man auf den Abtransport des Helis. Endlich gibt es das Frühstück. Das Wetter ist weiterhin prächtig. Man sollte einen solchen Tag geniessen können, doch Janak drängt zurück ins MBC zu gehen. Fritz wird dagegen noch eine Nacht hier verbringen. Wir verabschieden uns. Beim Abstieg ist nun die Nordwand des Macchapucchre mit seinem schwarzen Gipfeltrapez in unserem Blickfeld. Die ersten Wolkenfetzen steigen bereits vom Tal auf. Kurz vor dem MBC eröffnet sich durch ein Seitental auf der linken Seite die Sicht auf den Annapurna III. Für den Abstieg benötigen wir gerade eine Stunde.
Als Abwechslung zu Dalbat, bestelle ich zum Mittagessen für einmal „Maccaroni cheese“. Erstaunlich wie variiert die Menükarte bis hier oben ist. Und das Essen gar nicht so teuer. Der Abstieg nach Deurali bekundet mir etliche Mühe. Eine halbe Stunde vor Erreichen der Lodge habe ich erneut einen kleinen Einbruch. Es ist kalt und wir sind im Nebel. Den restlichen Nachmittag verbringe ich in voller „Montur“ im Schlafsack.

Auszug aus der Menükarte
Black tea, small cup 25 Rp (40 Rp)
Mint tea 25 Rp
Milk coffee 35 Rp (55 Rp)
Hot Chocolate 35 Rp
Coke bottle 90 Rp (1.40)
Beer bottle 90 Rp
Beer can 140 Rp (2.20)
Soup 120 Rp (1.90)
Scrambled egg 120 Rp
Plain omelette 90 Rp (1.40)
Dal 260 Rp (4.05)
Mixed fried rice 280 Rp (4.35)
Rösti 160 Rp (2.50)
Tomato cheese pizza 280 Rp
Maccaroni 250 Rp (3.90)
Spaghetti 250 Rp
Einzelzimmer 100 – 200 Rp (1.55 – 3.10)


Bild links: Abstieg zum MBC - Bild rechts: Annapurna III (7555 m)


Bild links: MBC - Bild mitte: die Deutsche Wetterstation - Bild rechts: Ankunft in Deurali


Blick das Tal hinauf und hinunter - Hinku Cave (3170 m)


Teepause in Deurali - Bild links: die Fauna des Nationalparkes

Tag 9 – 27.9.
Deurali (3230 m) – Bamboo (2340 m)

Das Wetter ist, wie meistens am Morgen, wieder schön. Der obere, enge Teil des Tales ist noch im Schatten, das Laufen ist dadurch angenehm. Eineinhalb Stunden später sind wir bereits in Himalaya und um die Mittagszeit in Doban (2510 m). Der restliche Weg nach Bamboo ist kurz. Am späteren Nachmittag ist auch Fritz in Bamboo eingetroffen. Er wird mit uns bis Chhomrong bleiben.

Tag 10 – 28.9.
Bamboo (2340 m) – Chhomrong (2170 m)

Der gestrige Abend im dining room mit einem jungen chinesischen Pärchen aus Gouanzhu, einem Australier und Silvia, einer Schweizerin. war recht lustig. Hier in Bamboo wollte ich noch vor wenigen Tagen mein Trekking aufgeben. Weshalb ich damals einen solchen Einbruch erlitten habe, kann ich mir nach der Ankunft in Sinuva nun besser erklären. Der Weg scheint sehr leicht zu sein, Was man jedoch nicht sieht ist, dass es dazwischen einen langen steilen Auf- und Abstieg hat. Auf der Karte wäre er zwar angegeben gewesen. Ich habe die Karte jedoch nie so genau studiert, was vielleicht manchmal auch besser ist. Bereits etwas angeschlagen vom Aufstieg nach Sinuva, dann noch dieses happige Treppenhaus, bekundete ich beim Abstieg nach Bamboo, auf einen schwierigen Weg grosse Mühe verursachte und mir zusätzliche Kraft kostete. Vielleicht hätten wir doch besser in Sinuva übernachten sollen. Doch bekanntlich ist man nachher immer Gescheiter.

Die Aussicht von der Lodge-Terrasse in Sinuva ist phantastisch. Richtung ABC sind die Berge von der Mittagssonne hell beleuchtet. Auf der gegenüberliegenden Seite, die Häuser von Chhomrong. Dort hinüber wollen wir heute noch. Eine happige Sache. Zum Chhomrong Khola Fluss sind es 480 Meter Höhendifferenz und das Ganze natürlich wieder hoch. Bis hinab zum Fluss geht es ganz gut, doch nach der ersten steilen Treppenpassage bin ich schon wieder am Limit. Fritz ist längst voraus. Alle zwanzig Meter muss ich zum verschnaufen eine Pause einschalten. Doch ich habe ja Zeit, viel Zeit und muss nicht rennen. Auch eine Schnecke kommt mit der Zeit ans Ziel. Wir sind im International Guest House untergebracht.


Zurück in Sinuva


Grandioser Ausblick von der Terrasse: vlnr Annapurna III, Gandharva Chuli und Macchapucchre


Abstieg zum Chhomrong Khola...


... und Wiederaufstieg nach Chhomrong


Das Wetter ist nicht mehr so schön

Tag 11 – 29.9.
Ruhetag in Chomrong

Für den Rückweg nach Pokhara gibt es von Chhomrong mehrere Varianten. Wir könnten den gleichen Weg wie gekommen über New Bridge, Landruk und Pothana wählen oder den Abstieg nach Birethanti über Ghandruk. Wir wählen den Weg über Ghandruk. Janak möchte heute nach Ghandruk weiterziehen, erneut eine happige Etappe mit steilem Ab- und Aufstieg. Noch immer zwei Tage Vorsprung auf mein Programm, beharre ich hier einen Ruhetag einzuschalten. „In Ghandruk ist es viel schöner“ meint Janak, doch ich pfeiffe darauf wo es für einen Ruhetag schöner ist. Ich fühle mich müde und will heute eine Pause einschalten. Als erfahrener Guide müsste Janak doch auch erkennen können, wann seine Kunden an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind und auch darauf Rücksicht nehmen. Doch, ich habe ihn schon durchschaut. Er will zum grossen Hindufest „Dashain“ so schnell wie möglich in Kathmandu, bei seiner Familie zurück sein. Verständlich, doch ich habe schliesslich nicht soviel Geld ausgegeben um frühzeitig zurück zu sein.
Fritz ist heute Morgen Richtung Ghorepani und Poon Hill losgezogen. Wenn alles klappt werden wir uns in zwei Tagen in Birethanti wieder treffen. Das Wetter ist heute leider nicht schön. Von den Bergen ist nichts zu sehen. So vertreibe ich die Zeit mit Tagebuch nachführen. Es gibt auch einige Reparaturen zu tätigen. Die Sohle meiner Turnschuhe hat sich gelöst. Als kulinarischen Höhenpunkt gibt es unterhalb unseres Guest Houses eine Bäckerei mit leckeren Sachen. Es sind heute nur wenige Gäste im Guesthouse. Zum Nachtessen trifft man sich im Speisesaal. Nach dem Essen hat es eine Frauengruppe mit zwei nepalesischen Führerinnen lustig beim Kartenspiel. Mit einem indischen Ehepaar setzten wir uns an den gleichen Tisch. Die kleinere der Nepali, vom Stamm der Rai, erzählt mir, dass sie bereits den Tent Peak (5695 m) bestiegen hat und es ihr grosser Wunschtraum die Besteigung des Mount Everest wäre. Der Abend endet in grossem "Gaudi" als sie uns mit Kartentricks überrascht.


In der Bäckerei von Chhomrong

Tag 12 – 30.9.
Chomrong (2170 m) – Ghandruk (1940 m)

Um 07.30 Uhr ziehen wir bereits los. Während den ersten dreiviertel Stunden bis zur Abzweigung hinunter nach Jhinu Danda geht es leicht hinab und ist sehr angenehm zu laufen. Für einmal keine Steigungen! Unser Weg führt der rechten Talseite des Kimrong Khola entlang. Der Weg nach Ghandruk, hinter dem gegenüberliegenden Bergrücken, geht über den Abstieg zum Fluss hinunter. Vorerst geht es jedoch relativ flach dem Hang entlang. Weit oben, sind die Häuser von Tadapani zu sehen. Wer nach Ghorepani will, muss dort hinauf. Der Abstieg zum Fluss, vierhundert Meter Höhendifferenz, ist steil und schlecht. Der Weg besteht nicht mehr aus Steintreppen, sondern ist von den starken Regenfällen ausgewaschen und gleicht über weite Strecken eher einem Bachbett. Umso mühsamer ist der Abstieg, der wieder ganz schön in die Knie geht. Beim ersten Rasthaus halten wir an. Es gibt Tee und Biskuits. Wir verweilen hier eine Weile, in der Hoffnung das indische Pärchen würde uns einholen. Anscheinend waren wir aber gar nicht so langsam. Wir steigen die letzten Meter zum Fluss hinab. Die Häuser der Siedlung sind mit wunderschönen Gärten verziert.


Abzweigung nach Jhinu Danda


Abstieg nach Kimrong Khola Gaon


Kimrong Khola

Auf der anderen Seite geht es im Zickzack gleich rauf. Zum Glück liegt der Aufstieg auf dieser Talseite im Schatten. Langsam aber regelmässig gewinne ich an Höhe. Ich trinke regelmässig kleine Schlucke Wasser. Wir kreuzen eine Gruppe von Franzosen. Wie üblich begrüsst man sich mit „Namaste“. Manchmal kommt es sogar zu einem kurzen Schwatz. Aufgrund meines Höhenmessers müssten wir bald auf dem Pass sein. Laut Janak soll es noch etwa zehn Minuten gehen. Ja, ja, ich kenne dies in der Zwischenzeit zur Genüge. Bei ihm geht alles immer nur zehn Minuten! Soll’s glauben wer will. Der Wald beginnt sich zu lichten. Weit kann es nun wirklich nicht mehr sein. Wir sind auf dem Pass, auf 2255 Meter Höhe, Erschöpft, muss ich mich Im Guesthouse Kimrong View zunächst mal erholen. Janak kommt es nicht einmal in Sinn mir einen Tee zu bestellen. Ich habe auch Hunger. Ghandruk scheint nur einen Katzensprung entfernt zu sein. Wir werden daher dort Essen. Der Weg ist wunderschön und leicht, alles abwärts. Nach erreichen der ersten Häuser geht mir erneut der „Pfuus“ aus. Gahndruk liegt wie Chhomrong an einem steilen Hang. Für die letzten paar Hundert Meter zur Lodge benötige ich gerade eine halbe Stunde. Hätten wir auf dem Pass nur etwas gegessen, Biskuits oder sonst was, wäre dieser Einbruch bestimmt zu vermeiden gewesen. Halb erschöpft liege ich den verbleibenden Nachmittag im Zimmer. Im Hotel ist eine Gruppe Chinesen angekommen. Diese benehmen sich so laut und unflätig, dass ich zweimal lautstark „shut up“ schreie. Können die nicht ein wenig Rücksicht auf andere Leute nehmen? Viel genützt hat meine Intervention allerdings nicht, anscheinend verstehen die kein Englisch. Am späteren Nachmittag habe ich mich soweit erholt, dass ich endlich meinen Hunger stille. Ich glaube so viel habe ich auf meinem bisherigen Trekk noch nie gegessen! Das Wetter ist seit zwei Tagen nicht mehr so schön. Von Süden ziehen Cumulus Wolken auf und am späteren Nachmittag schauen die Gipfel von der Abendsonne beleuchtet etwas scheu heraus.


Blick vom Kimrong Pass (2255 m) zurück nach Chhomrong


Bild mitte: Blick hinauf nach Tadapani (2600 m) - Bild rechts: Ghandruk


Ghandruk (1940 m)

Tag 13 – 1.10.
Ghandruk (1940 m) – Birethanti (1080 m) – Pokhara
Mein letzter Trekkingstag

Welch ein Prachtstag. Schon früh bin ich auf um den Sonnenaufgang am Annapurna South zu fotografieren. Es vergeht allerdings einige Zeit bis dieser von den Sonnenstrahlen erfasst wird. Um 07.30 Uhr ziehen wir los, denn ich möchte heute noch Birethanti erreichen, wo wir mit Fritz zum Übernachten abgemacht haben. Die erste halbe Stunde geht es zügig Treppenabwärts. Unzählige Male halte ich an um mich umzudrehen. Das Panorama ist einfach grandios. Der Weg wird flacher, ein Genuss zum Laufen. In der Ferne ist Kimche (1640 m) zu sehen. Es geht durch eine bezaubernde Landschaft. Die weissen Häuser leuchten in den grün-gelben terrassenförmigen Reisfelder. Auf der gegenüberliegenden Talseite ist Landruk und Tolka zu erkennen. Diesen Weg kamen wir hoch. In Kimche bestehe ich auf eine Pause mit Verpflegung, dies obwohl Janak weiter will. Ich will heute jedoch keine Schwäche einfangen und bestelle Tee, Wasser, Biskuits und Schoggiriegel. Egal ob ich dies selber berappen muss oder nicht. Je mehr wir hinabsteigen umso wärmer wird es. Janak ist heut nicht mehr so schnell. Er hat gestern seinen Fuss an einem Stein angeschlagen und klagt zudem über Schulterschmerzen. Der Weg ist nun praktisch flach. In Kilyu (1400 m) geht es nochmals eine steile Treppe hinunter, doch dann ist der Weg flach. Hellblaue Schmetterlinge und Grillen begleiten mich auf den meisterlich gelegten Steinplatten. Welch eine grossartige Arbeit die Erbauer all dieser Steintreppen doch geleistet haben. Viele Ziegen sind unterwegs, ganze Herden werden ins Tal gebracht um auf dem Markt als Opfertiere für das kommende Hindufest „Dashain“ verkauft zu werden. Wir erreichen die ersten Bananenstauden. Schreckenssekunde! Wie angeschossen verspüre ich plötzlich wieder diese bekannte Stechen in meinem linken Knie. Während elf Tagen habe ich davon nichts verspürt, sollte ich zwei Marschstunden vor dem Ziel nun noch Probleme bekommen? Zehn Schritte weiter ist der Schmerz vergangen so wie er gekommen ist. In Sauli Bazar (1190 m) schaltet Janak von sich selber einen Halt ein. Ich trinke gleich wieder einen Liter Wasser. Delikat schmecken auch die kleinen Bananen. Das Rauschen des Modhi Khola wird immer lauter. Langsam kommen wir in die Zivilisation zurück. Dies ist auch anhand der zunehmenden Abfälle am Rande des Weges festzustellen. Erstaunlich war es bisher auf dem ganzen Trekk sehr sauber. Die Trekker werden dazu auch aufgefordert. Weniger beachten tun dies jedoch die Einheimischen, die Guides und Träger. Diese werfen einfach alles weg und verkünden dann noch strahlend und stolz „Nepali style“.


Mein letzter Trekkingtag: ein absoluter Prachtstag!


Zwischen Kimche (1640 m) und Kilyu (1400 m)

Wir haben das Ufer des Flusses erreicht. Gleich um die Ecke ist der Checkpoint und die Brücke. Unser Abstieg war schneller als vorgesehen. Es ist noch nicht einmal Mittag. Fritz ist noch nicht da, kann auch noch gar nicht da sein, denn vom Poon Hill nach Birethanti ist eine Monsteretappe. Angesichts der frühen Tageszeit will Janak gleich nach Pokhara. Bis zur Strasse nach Naya Pul geht es allerdings nochmals rund zwanzig Minuten. Seit meinem letzten Besuch vor neun Jahren ist hier eine kleine Bretterbudenstadt mit Shops entstanden. Das Dessert zum Abschluss, resp. das Aperitif zum Trekkingbeginn ist der noch immer gleich steile, schlechte, halsbrecherische Weg zur Strasse hinauf.


Der Modi Khola


Birethanti (1025 m) mit Checkpoint


Zwölf Tage unterwegs...


Von Naya Pul fährt man mit dem Taxi oder Bus zurück nach Pokhara

Sensationelles Trekking

Es war ein sensationelles Trekking. Die Landschaft mit diesen unzähligen Reis- und Hirseterrassenfelder, diese Blumenpracht und natürlich die Berge, haben mich begeistert. Wider erwarten waren gar nicht soviel Trekker unterwegs. Man kann dieses Trekking ohne weiteres ohne Guide machen. Unterkünfte und Essen sind billig. Fritz hat für die Tour, inklusive Bewilligung und Transporte, nicht einmal zwanzigtausend Roupien (SFr. 300.-) ausgegeben. Da so billig, wimmelt es nur so von Israelis. Einige sind wiederum negativ aufgefallen, wie diese ältere Frau, die im ABC wegen fünfundachtzig Rappen um den Preis des Zimmers gefeilscht hat! Ich würde mich schämen…
Grosses Glück scheinen wir auch mit dem Wetter gehabt zu haben. Den ersten Trekker denen wir begegneten, berichteten die Sonne nur ganz kurz erblickt zu haben. Es ist daher ratsam nicht vor Mitte September zu starten. Ein besonderer Dank gilt meinem Guide. „Thank you Janak for your guiding to ABC. We had a good time” Danke auch an Fritz, der mich in diesem Unternehmen begleitet hat. Obwohl es ein mittelleichtes Teehaus-Trekking war, bin ich dennoch ein wenig stolz es hinauf ins Annapurna Basislager geschafft zu haben. Wäre ich mit meiner mangelnden Kondition zu Hause geblieben, hätte ich eines der bisher schönsten Trekkings verpasst.
Das Einzige dass ich bedaure ist, nicht im ABC übernachtet zu haben. Janak gestand mir später, dass er sich wegen der Höhe nicht wohl fühlte. Der Abstieg, meine Schwäche, machte mir grosse Sorgen. Als schlussendlich alles so tadellos lief, waren wir zwei Tage zu früh in Pokhara. Janak, überglücklich, konnte damit frühzeitig nach Kathmandu zum Dasain-Fest zurückfahren. Von einer Rückerstattung der beiden Tage wollte mein lieber Janak aber nichts mehr wissen. Alle Ansprüche seien mir der Rückkehr in Pokhara abgegolten, erklärt er mir. Gut zu wissen für das nächste Mal. Ich habe Janak auch als kleines „Schlitzohr“ kennen gelernt. Einige Male hat er Fritz übers Ohr gehauen. Offensichtlich sind viele Nepalis der Meinung, dass Ausländer so dumm sind und sowas nicht merken. Nicht einmal die eine Hotelübernachtung in Pokhara wollte Janak übernehmen, dafür aber noch ein „Backschisch“, ein Trinkgeld. Soweit kam es aber nicht. Ich habe Janak einen guten Preis bezahlt.


Das Hotel- und Guesthouse Angebot in Pokhara ist gross


Nach einem Trekking gibt es allerlei zu verrichten


Der Phewa See


Aufstieg zur Peace Pagoda mit Blick auf die Annapurna Kette


Annapurna IV (7525 m) und II (7937 m)


Schönstes Wetter am letzten Tag


Blick vom Minibusbahnhof

Indisches Visum

Fritz ist von Poon-Hill in einem Tag nach Birethanti abgestiegen und erreichte Pokhara einen Tag nach mir. Infolge des Dashain-Festes, das grösste und längste Fest des Jahres in Nepal mit einer Dauer von zehn Tagen, ist die indische Botschaft geschlossen. Wir bleiben daher in Pokhara. Bei meinem letzten Besuch noch als „Dreckstadt“ bezeichnet, bin ich diesmal angenehm überrascht. Das Touristenquartier entlang dem Phewa-See ist ruhig und sauber. Vom berühmten Panorama der Annapurna-Kette ist allerdings nichts zu sehen. Am zweiten Tag nach unserer Rückkehr meldet sich plötzlich wieder mein Rücken und ich konnte kaum mehr laufen. Auch die Zahnschmerzen waren wieder spürbar. Welch ein Glück ist mir dies nicht während des Trekkings passiert.
Die indische Botschaft soll nach telefonischer Auskunft am Freitag offen sein. Wir dislozieren daher zurück in die Hauptstadt. Erneut sind wir Zeuge eines Unfalls. Die Front eines Minibuses und eines Lastwagens sind eingedrückt, am Boden liegt ein toter Wasserbüffel.

Wir sind zurück in Thamel. Morgen wird sich entscheiden, ob wir unser Visum erhalten. Dies ist für unsere Weiterreise nach Darjeeling die Bedingung, Der Flug mit der Yeti-Airline nach Badrapur nahe der indischen Grenze ist reserviert. Heute ist der 10. Tag des Festes, der sog. Dashami. Es ist das grosse Familienfest an dem die Kinder die Eltern besuchen um von ihnen die Tika (roter Punkt auf der Stirn) zu bekommen. Die meisten Geschäfte sind zu. Für einmal ist es recht angenehm in Thamel zu spazieren. Die Wettervorhersage für Darjeeling ist nicht gut: 13° Grad Celsius und Regen. Brrrrr! Kurzfristig entscheide ich den Besuch und die Reise nach Goa abzusagen. Sorry Fritz, ich gehe lieber zurück nach Thailand…


Ausflug zum Swayambunath Tempel

Traumtrekkings

Das war mein letztes Trekking! Dies habe ich nun schon einige Male verkündet. Und doch hat es mich immer wieder in diese faszinierte Bergwelt des Himalaya gezogen. Ob es zu einem weiteren Abenteuer kommen wird? Die Gesundheit, die körperliche Verfassung, die finanzielle Situation werden ausschlaggebend sein. Pläne? Oh ja, deren gibt es viele. Es gibt für einen Trekker, wie für den Bergsteiger den Gipfel des Mount Everests, vor allem zwei Traumziele: der Concordiaplatz im Karakorum und Pangpema auf der Westseite des Kangchenjungas. Wer weiss…




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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch