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Mabuhay Trekking zum Kangchenzunga – 2. Versuch (ND 09 / 26.11.2011)

Wer hätte das gedacht? Ein Jahr nach dem missglückten Trekking zur Nordseite des Kangchenzungas bin ich wieder in Suketar! Und diesmal erreiche ich sogar den Yalung Gletscher auf der Südseite des Berges.
Es war ein sehr anspruchsvolles, mein bisher schwierigstes Trekking. Dass ich mein Ziel erreicht habe ist verschiedenen Personen zu verdanken. Zu allererst meinem Trekkingfreund, Fritz Rupp. Wir wir waren schon zum Annapurna BC zusammen unterwegs. Ohne seine Zusage wäre ich zu diesem Unternehmen gar nie gestartet. Dank ebenfalls an Ang Kami Sherpa der das Trekking organisiert hat und natürlich der ganzen Mannschaft, ohne welche ich dieses einmalige Erlebnis nie hätte erleben können.
Obwohl ich einige Male an die Grenze meine Leistungsfähigkeit kam, hat sich das Risiko einmal mehr gelohnt. Beide Basecamps, Yalung und Pangpema, zu erreichen wäre zu schön gewesen. Doch den „Fünfer und das Weggli“ kann man bekanntlich nicht haben.
Als Himalaja-Chronist bedeutete mir dieses Trekking etwas ganz Besonderes. Es war eine Pilgerung auf den Spuren früherer Schweizer Bergsteiger-Pioniere, deren damalige Leistungen mich seit Jahren faszinieren. Ich bin umsomehr glücklich, dass mir die Götter des Kangchenzunga gut gesinnt waren. Ohne ihren Schutz wäre ich wohl am zweiten Trekkingtag von einem Blitz getroffen worden...

Trekking mit Nachwirkungen

Februar 2011: im Nachhinein hat mir das Trekking vom letzten Herbst doch mehr Probleme verursacht als zuerst angenommen, vor allem in moralischer Hinsicht. Welch einmalige Chance habe ich da vergeben! Wäre ich zu Zweit gewesen, hätte ich bestimmt nicht aufgegeben. Dies ärgert mich nach wie vor sehr. Als älterer mittelmässiger Trekker muss ich aber vermutlich einfach einsehen, zukünftig leichtere Touren zu planen. Noch immer von der Idee besessen eine Erinnerungstafel für den 1905 am Kangchenzunga verunglückten Schweizer Bergsteiger (siehe CH-Himalaja – Der Koffer von Alexis A. Pache) anzubringen, beschloss ich es noch einmal zu versuchen. Als Fritz im Sommer Interesse an meinem Projekt zeigt und sogar zusagt, ist die Euphorie gross.

Vorbereitung

Das Konditionstraining in den Philippinen wird oft durch Erkältungen unterbrochen. Ende August reise ich aus um das Training in Pattaya (Thailand) zu steigern. Die drei Wochen vor meinem Abflug nach Kathmandu gehen aber voll „in die Hosen“. Ich fühle mich so schlapp und kraftlos, an ein Trekking war so gar nicht zu denken. Ich konsultiere Dr. med. Olivier, ein Genfer Arzt der seit mehreren Jahren in Pattaya eine Praxis führt, und lasse mich untersuchen. Irgend etwas kann mit diesem eklatanten Leistungsabbau doch nicht stimmen. Die Resultate sind mir unverständlich, ja fast enttäuschend. Alles ist ok. Der Arzt erklärt mir einzig, wonach auch bei Männern in einem bestimmen Alter, der Hormonspiegel abnimmt, was zu solchen Leistungsabfällen führen kann! Eine Hormonbehandlung soll mich wieder fit machen. Vorsichtshalber schickt er mich ebenfalls ins Bangkok Pattaya Spital um ein Belastungs-EKG durchzuführen. Alle Werte erweisen sich als normal womit ich von ärztlicher Seite aus grünes Licht für das vorgesehene Trekking erhalte.

26 Tage in den Bergen

Aufgrund der letztjährigen Erfahrungen, möchte ich dieses Jahr nichts dem Zufall überlassen und alle Trümpfe auf meine Seite bringen. Ich kenne mich inzwischen schon 62 Jahre und weiss genau was mich belastet und stresst. Mit der Teilnahme von Fritz war klar, dass das Hauptziel unseres Trekkings „Pangpema“ auf der Nordseite sein würde. Ich aber plante lediglich auf die Südseite, zum Yalung Gletscher, zu gehen. Sollte ich mich aber widererwarten konditionell fit fühlen, wäre es jammerschade nach Taplejung zurückkehren zu müssen. Ich wollte mir daher die Option offen lassen, von Cheram über die Pässe nach Ghunsa und weiter hinauf zu gehen. Definitiv entscheiden werde ich mich aber erst an Ort und Stelle. Kami stellt uns ein entsprechendes Programm zusammen. Dies sind jedoch meistens übernommene Standardprogramme. Was wir brauchen ist ein individuelles Programm, ein Programm, dass unsere Schwäche mitberücksichtig. Mein Anliegen galt vor allem darin zu vermeiden, dass wir diesmal, nicht schon von Beginn Weg unter Zeitdruck standen. Fritz hatte zudem etwas Bedenken, dass wir uns mit dem von Kami vorgeschlagenen Zeitplan, nicht genügend an die Höhe akklimatisieren können. Mit der Höhe muss man vorsichtig sein. Vielmals schenken lokale Trekkingagenturen der Grundregel, über 3000 Meter nicht mehr als 400 Höhenmeter pro Tag aufzusteigen, einfach zu wenig Beachtung. Oft kann diese Regel, wegen der viel zu knapp verfügenden Zeit der Trekkinggruppen, auch gar nicht angewendet werden. Zudem kostet ein längeres Trekking auch mehr. Wir jedoch haben Zeit, viel Zeit. Die Verlängerung um zwei, auf 26 Tage, kommt mir sehr gelegen. Noch in Thailand weilend trifft die erste Hiobsbotschaft ein: es gibt keine Flüge nach Suketar! Ich bin masslos enttäuscht. Nochmals eine solche horrible Busfahrt wie letztes Jahr von Biratnagar nach Taplejung? Nein, niemals.

Unsere Route:

03.10. Flug nach Biratnagar (45 min) Übernachtung im Hotel
04.10. Fahrt nach Taplejung
05.10. Taplejung – Tembewa
06.10. Tembewa – Khesewa
07.10. Khesewa – Mamangkhe
08.10. Mamangkhe – Yamphudin
09.10. Yamphudin – Lamite Banjang
10.10. Lamite Banjang – Tortong
11.10. Tortong – Cheram
12.10. Ruhetag in Cheram
13.10. Cheram – Ramche
14.10. Ramche – Oktang
15.10. Oktang – Yalung BC
16.10. Oktang – Cheram
Entscheid in Cheram, ob ich weiter nach Pangpema oder auf dem gleichen Weg zurück nach Taplejung gehe
17.10. Cheram – Ghunsa
18.10. Ghunsa – Kambachen
19.10. Kambachen – Lhonak
20.10. Lhonak – Pangpema
21.10. Pangpema – Kambachen
22.10. Kambachen – Phale
23.10. Phale – Amjilosa
24.10. Amjilosa – Tapethok
25.10. Tapethok – Mitlung
26.10. Mitlung – Taplejung
27.10. Busfahrt/Jeep Taplejung – Biratnagar
28.10. Flug nach Kathmandu


Unsere Trekkingroute

61 K: Letzter Fensterplatz

Mit den Star Allianz Meilen meiner Schwester hat mich das Flugbillet nach Kathmandu und zurück fast nichts gekostet. Danke nochmals sister! Die Sicht auf die Berge ist klar, je näher wir uns Kathmandu nähern und sinken, desto wolkiger wird es. Ang Kami Sherpa, Boss der Matterhorn Trekkingagentur empfängt mich herzlich. Ein heftiger Regenbruch geht nieder. Au, Au, bin ich etwa noch immer zeitlich zu früh für unser Trekking.


Bild links: Everst (mitte) mit Kangchenzunga (rechts) - Anflug von Kathmandu

Im Namtso Guest House erwartet mich Bishnu. Super, alles hat geklappt. Auch Trekkingkollege Fritz trifft einen Tag später aus der Schweiz ein, allerdings ohne Gepäck! Doch für den Preis von sage und schreibe Sfr. 380.- (Air Arabia) nimmt man so was gerne in Kauf. Der Start unseres Trekkings, resp. der Flug nach Biratnagar kann somit definitiv für den 3. Oktober gebucht werden. Infolge des bevorstehenden mehrtägigen Hindufestes „Dashain“ ist die Organisation eines Trekkings zu dieser Zeit oft schwierig. Am besten wäre der Trekkingstart nach dem 10. Oktober anzusetzen oder das Fest zu verschieben. Schätzungsweise mehr als eine Million Leute, im Durchschnitt 100‘000 pro Tag, verlassen während den Festtagen die Hauptstadt. Durch diesen Massenexodus sind die Transportmittel, Busse und Flüge, schon Wochen zum voraus ausgebucht. Auch die Flüge nach Biratnagar. Trotz 650 Sitzen täglich kann der Nachfrage nicht nachgekommen werden. Der gefährlichste Teil eines Trekkings ist die Zeit vor dessen Start. Wer in den Gassen von Thamel von keinem Motorrad oder Auto angefahren oder überfahren wird, dem ist das „halbe“ Trekking schon gelungen. Die letzten Einkäufe sind getätigt. Schlafsack und Daunenjacke können für einen Spotpreis in einem der zahlreichen Shops gemietet werden. Wir sind startbereit.

Einige Impressionen aus Kathmandu

Unser Team


Von links nach rechts: Guide Pasang, Koch Prakas, Assistent-Guide Ram


Küchengehilfe Prem und Pradip


Die Träger von Taplejung

Tagebuch des Trekking

3. Oktober / Tag 1: Flug nach Biratnagar

Der Flug nach Biratnagar ist auf 17.10 Uhr angesetzt. Lieber spät als nie. Mit etwas Glück könnte der Flug mit dem Sonnenuntergang in den Bergen zu einem ersten Höhepunkt werden. Guide Pasang wird uns begleiten. Der Abholdienst zum Flughafen ist wieder einmal eine nervenauftreibende Angelegenheit. Es ist bereits 16.30 Uhr! In vierzig Minuten sollte das Flugzeug starten. Dass die nie pünklich sein können. Endlich ist Kami mit dem Taxi da. Beim hinuntertragen des Rucksackes verspüre ich ein heftiges Stechen im linken Knie: Aua! Ich kann kaum mehr laufen! Verdammt nochmal, weshalb ausgerechnet jetzt? Das letzte Mal als mich dieses Stechen plagte, das war auf dem Rückweg vom Annapurna BC, kurz vor Birethanti. Der Flug hat Verspätung und ist auf 18.30 Uhr verschoben. Es ist bereits dunkel als wir starten. Fünfundvierzig Minuten später treffen wir unsere Küchenmannschaft mit Assistent-Guide Ram die am Tag zuvor mit dem Bus in Kathmandu gestartet sind. Ein Jeep wird uns morgen früh abholen und nach Suketar bringen.

4. Oktober / Tag 2: Biratnagar (130 m) – Suketar (2300 m)

Ich habe relativ gut geschlafen, keine Wanzenstiche wie letztes Jahr. Der Jeep lässt auf sich warten. Wir warten alle ungeduldig. Es ist bereits 06.00 Uhr. Hunger habe ich auch. Es gibt jedoch nur einen „Tschia – Tee“. Das ist alles! Ich bin ein wenig verärgert. Könnte sich unser Guide nicht etwas mehr um uns kümmern? Nepalis können vielleicht morgens ohne etwas zu Essen sein, nicht aber wir Westler. Wenigstens ein Chapati, ein gekochtes Ei, Biskuits, Bananen oder einen Apfel hätte man uns kaufen können.


Biratnagar: ungeduldig warten wir auf den Jeep

Endlich ist der Jeep angekommen. Das ganze Küchenmaterial wird eingeladen. In Birtamod wird in einen kleineren Jeep umgeladen. Erneut versäumen wir viel Zeit. Es wird 10.30 Uhr bis wir weiterfahren. Um 16.45 Uhr sind wir in Phidim. Die Strasse ist wesentlich besser als letztes Jahr. Dennoch wird es 22.00 Uhr bis wir in Taplejung einfahren. Zwei steile Kurven unterhalb von Sukethar kommt unser Jeep nicht mehr weiter. Das Fahrzeug ist im Schlamm steckengeblieben. Die Reifen, selbstverständlich ohne Profil, drehen nur so durch, dass es nach Gummi stinkt. Steine werden unterlegt. Als dann noch die Batterie den Geist aufgibt, haben wir keine andere Wahl, als den restlichen Weg hinauf nach Suketar zu Fuss mit der Stirnlampe zu erreichen. Es ist 22.30 Uhr als wir in der Lodge ankommen. Sämtliches Küchenmaterial sowie unsere Rucksäcke sind aber noch immer im Jeep. Kurz vor Mitternacht gibt es das Nachtessen.


Umladen in Birtamod – Teeplantagen von Ilam

5. Oktober / Tag 3: Suketar

Das Wetter ist schön, die Temperatur hier oben auf 2300 Meter aber schon empfindlich kalt. Gemäss Zeitplan müssten wir heute nach Tembewa weiter. Dies wird aber kaum möglich sein, denn einiges Küchenmaterial ist noch nicht eingetroffen. Zudem fehlen die Träger. Und genau wie letztes Jahr sind wir auch heuer wieder bereits vor dem eigentlichen Trekkingstart im Verzug. Genau was ich doch unbedingt vermeiden wollte. Es dauert eine Ewigkeit bis einer der Küchengehilfen die Schüssel warmes Wasser bringt um die Morgentoilette zu machen. Auch das Frühstück lässt auf sich warten. Es wird halb neun Uhr bis endlich ein Toast und zwei Spiegeleier serviert werden! Mensch, was für eine Anfängergruppe hat uns Kami da wohl mitgegeben? Vermutlich wird es aber ein, zwei Tage brauchen, bis sich der Tagesablauf eingespielt hat.


Suketar

Der erste Besuch gilt der Flugpiste. Diese ist nicht mehr wiederzuerkennen. Ein halber Hügel wurde abgetragen. Die Piste wurde um 300 Meter auf 1050 Meter verlängert. Es wird aber wohl noch einige Monate dauern bis der Flugbetrieb aufgenommen werden kann.


Die neue Flugpiste von Suketar

Obwohl ich das Stechen im Knie noch immer leicht spüre, profitieren wir von diesem herrlichen Tag um die morgige Strecke zu rekognoszieren. Der Weg ist leicht. Wir folgen einer Gruppe einheimischer Anbeter der Göttin Pathibara die hinauf zum Tempel auf 3795 m wollen. Sie werden dafür fünf bis sechs Stunden unterwegs sein. Der Tempel wird vor allem während des Dashain Festes von vielen Pilgern, Hindus wie Buddhisten, aus allen Landesteilen besucht. Dem Glauben nach gehen mit einem Besuch des Tempels alle Wünsche in Erfüllung. Mit Stolz tragen die Kinder das Bildnis der Göttin. Zweieinhalb Stunden später sind wir zum Mittagessen zurück. Den Nachmittag verbringen wir in der Lodge nebenan. Wir waren letztes Jahr oft dort und die Frau erkennt mich auch wieder. Das Erdbeben der Stärke 6,9 vom 18. September wurde vor allem in Sikkim und Ostnepal stark gespürt. Auch hier sind an etlichen Häusern grosse Risse zu sehen.

6. Oktober / Tag 4: Suketar (2300 m) – Tembewa (2000 m)

Die vergangene Nacht war ekelhaft. Alle zwei Stunden musste ich aufstehen um zu pinkeln! So was ist doch nicht normal oder? Und jedesmal der Abstieg über die steile Treppe und dies mit meinem Knie, welches mir nach wie vor weh tut. Wenn das heute nur gut geht! Es ist bereits 7 Uhr. Niemand macht den Anschein demnächst starten zu wollen. Ein Blick in die Küche bestätigt meine Vermutung. Es herrscht eine grosse Auslegeordnung, nichts ist eingepackt. Ich dränge jedoch auf den Abmarsch. Den ersten Streckenteil kennen wir ja. Assistent Guide Ram wird uns begleiten, die anderen werden später folgen. Es ist ein angenehmer Trekkingbeginn. Ich trage einen kleinen Tagesrucksack mit den wichtigsten Dingen drin. Da der grosse Rucksack mit dem Träger meistens Meilen voraus ist, sollte man jene Sachen die während des Tages gebraucht werden darin mitführen. Auch heute ist wiederum schönes Wetter. Nach der Passüberquerung geht es eine breite Strasse im Zickzack talabwärts. Um 15.00 Uhr sind wir bereits am Tagesziel beim Schulhaus von Tembewa. Wir warten auf Pasang und die Träger mit den Zelten und Rucksäcken. Auf dem Schulplatz spielen Jungs begeistert Fussball. Einer fällt besonders auf. Er ist der einzige der Fussballsocken und Fussballschuhe trägt, aber nur an einem Fuss! Die anderen „tschutten“ barfuss.


Die Fussballspieler von Tembewa

Gegen 16.00 Uhr trifft auch Pasang mit den Trägern ein. Er verrät uns, dass er Mühe hatte die vier fehlenden Trägen aufzutreiben. Kunststück, heute ist Bijaya Dashain, der wichtigste Tag des Dashain-Festes. Er konnte daher erst gegen Mittag in Taplejung abmarschieren.


Wir warten auf die Träger

7. Oktober / Tag 5: Tembewa (2000 m) – Khesewa (2120 m)

Zu allererst wird immer der „Early morning tea“ serviert. Ram ist dazu zuständig. Das Frühstück mit fettigen Toasts ist nicht gerade nach unserem Geschmack. Wir lassen es stehen. Erneut dauert es wieder bis die Küche abmarschbereit ist. Ich bin schon lange bereit, weshalb also hier warten? Ich zieh los. Beim schmalen steilen Aufstieg um die Hausecke hinauf zum Hauptweg rutsche ich aus und lande zwei Meter tiefer unten. Ich kann mich gerade noch an einem Baumast festhalten. Ich weiss nicht, ob über diesen Zwischenfall lachen oder weinen soll. Zum Glück hat ein Träger meine Einlage mitbekommen und befreit mich aus meiner misslichen Lage. Ich hätte ansonsten um Hilfe rufen müssen! Thanks. Wie schnell doch so ein Blödsinn passieren kann.


Blick zurück Richtung Taplejung – Die Schule in Tembewa

Der Weg führt durch goldgelbe Hirsenterrasenfelder zum Bach hinunter. Wir passieren zahlreiche geschmückte Häuser. Die Leute sind sehr freundlich und lassen sich gerne fotografieren. Mit meinen neuen Bergschuhen bin ich nicht ganz zufrieden. Diese drücken mir zwar nicht mehr auf die Operationsnarbe oberhalb des Fussgelenkes, doch nach Dreiviertelstunden spüre ich wie meine Zehen einschlafen. Vermutlich liegt es aber ganz einfach daran, dass ich diese viel zu wenig „einmarschieren“ konnte. Ich führe daher in meinem Tagesrucksack auch meine Turnschuhe mit. So kann ich jederzeit wechseln. Probleme machen mir die Schuhe aber auch beim Abstieg auf diesem feuchten, glitschigen Boden. Obwohl sie mit Vibram-Sohlen versehen sind und eigentlich rutschfest sein sollten, habe ich das Gefühl auf einer Eisbahn zu laufen. So kommt es ab und zu zu einigen unfreiwilligen Glissaden, wodurch ich mich noch mehr verkrampfte. Ich bin auch erstmals mit zwei Leki-Stöcken unterwegs. Hinauf ist es wirklich ein grosser Vorteil, beim Abstieg hingegen weniger. Bei mir ist der Abstieg immer ein Kraftakt. Seitdem ich mit meinem ausgestreckten rechten Fuss frontal mit einem Auto kollidierte, habe ich panische Angst mit diesem voranzugehen. Es ist wie eine psychiche Blockade. Ich steige daher meistens seitlich mit dem Linken Bein ab. Oft sind die Stufen aber so hoch, dass ich mein ganzes Gewicht auf die Stöcke lege um den Schritt abwärts zu tun. So was geht in die „Arme“ und ich dann oft völlig ausgepumpt. Fritz hat mir beim Abwärtslaufen einigemale zugeschaut und den Kopf geschüttelt wie „blöd“ ich laufe. Ich habe versucht seinem Rat zu folgen, aber dies lernt man halt nicht von einem Tag auf den anderen. Ich bin froh und erleichtert den Abstieg hinter mir zu haben. Nach der Brücke geht es endlich hinauf. Ja, endlich, denn im Aufstieg kann ich zeigen, dass ich konditionell gar nicht so schlecht bin.


Nach Erreichen des Baches geht es hinauf - Blick auf die herkommende Talseite


Kinder und Erwachsene lassen sich gerne fotografieren

Nach dem Mittagessen ziehen immer mehr Regenwolken auf. Kurz darauf fallen die ersten Tropfen. Es regnet nun so stark, erstmals bin ich über meine Pelerine froh. Das Gewitter scheint nicht in unmittelbarer Nähe zu sein, kein Grund sich also deshalb grosse Sorgen zu machen. Bis es plötzlich blitzt und kracht! Als ich mich umdrehe steht Ram wie versteinert da. Pasang etwas weiter zurück, ist kauernd an einer Steinmauer angelehnt. Ein Blitz hat soeben eingeschlagen. Ram, noch ganz geschockt, erzählt, dass der Blitz etwa fünfzig Zentimeter hinter mir in den Boden eingeschlagen habe...Tja, das hätte schief gehen können. Als ich realisiere was passiert ist, bekomme ich es mit der Angst zu tun und renne beinahe die Treppen hoch. Wir erreichen eine Hütte in welcher wir Schutz vor dem Regen finden. Fritz, der voraus war, sah wie der Blitz in die Stromleitung eingeschlagen habe. Wir harren mehr als eine Stunde mit Einheimischen hier aus. Es ist ungemütlich kalt, der Wind bläst durch die vielen Ritzen. Das Gewitter hat sich verzogen und wir marschieren zu unserem Lagerplatz weiter.


Camp in Khesewa mit Blick auf ?

8. Oktober / Tag 6: Khesewa (2120 m) – Mamangkhe (1920 m)

Ein Schneeberg ist zu sehen! Dort hinten sind sie also, diese Bergriesen. Niemand weiss wie der Gipfel heisst. Es geht wieder einmal einen Berghang entlang. Ein schöner Wasserfall zwingt uns zu einem längeren Fotohalt. Oben am Bergkamm angelangt, geht der Blick auf der gegenüberliegenden Talseite nach Mamangkhe. Dazwischen liegt der Abstieg zum Khaksewa Khola. Nach etwa drei Stunden marschieren fühle ich wie meine Kräfte langsam schwinden. Ohne Kraft habe ich beim Abstieg umso mehr Probleme. Ich werde immer langsamer. Schokolade und Traubenzuckertabletten helfen da nicht viel. Es ist bereits später Nachmittag. Langsam wird es auch dunkel. Der Vollmond erleuchtet uns zum Glück den Weg. Die Brücke ist hinter uns und es geht gleich wieder hinauf. Wir marschieren nun mit eingeschalteten Stirnlampen. Trekking bei Mondlicht. Von sowas stand nichts in meinem Programm. Könnte eventuell eine Marktlücke sein. Man müsste es mal anbieten! Wir haben den Weg verloren. Pasang muss sich bei einem Einheimischen danach erkundigen. Der Mann ist so freundlich und begleitet uns eine Weile lang. Wir haben die ersten Häuser erreicht. Da die Dörfer Nepals so unendlich auseinandergezogen sind, dauert es noch eine ganze Weile bis wir das Camp endlich erreicht haben. Zwölf Stunden war ich heute unterwegs.


9. Oktober / Tag 7: Ruhetag in Mamangkhe

Als ich erwache fühle ich sofort, dass ich mich von den gestrigen Anstrengungen noch nicht erholt habe. Ich fühle meinen Puls: 90. Ob ich in diesem Zustand weiter kann? Niemand erkundigt sich wie ich mich fühle. Hässig frage ich Pasang, ob er mich mit einem Weitermarsch umbringen will? Wäre ich wie letztes Jahr alleine unterwegs gewesen, ich glaube ich hätte erneut das Handtuch geworfen. Obwohl wir gegenüber dem Zeitplan bereits einen Tag zurückliegen, wird beschlossen einen Ruhetag einzuschalten. Ich bin dafür sehr dankbar. Auch die Träger haben nichts dagegen.


Unser Camp unterhalb des Limbu Cultural Museums

Der Ruhetag wird von allen als Waschtag benützt. Einige der Träger haben Baumnüsse entdeckt und klettern auf die Bäume. Andere lassen sich die Haare schneiden. Im Haus nebenan mache ich Bekanntschaft mit einem älteren Mann der einen Tragkorb flechtet. Er diente früher in der indischen Armee und war einer der 50‘000 Gurkha-Soldaten. Mit Stolz führt er uns vor, der Stock als Gewehr, wie sie damals gedrillt wurden.


Waschtag und Coiffeur


Der Ghurka-Krieger


Spaziergang ins Dorf


Blick zurück Richtung Khesawa

10 Oktober / Tag 8: Mamangkhe (1920 m) – Yamphudin (2080 m)

Der Ruhetag hat allen gutgetan. Völlig erholt von den vorgestrigen Strapazen geht es weiter. Ich bin heute in Turnschuhen unterwegs. Ich fühle mich beim Laufen darin wesentlich sicherer. Obwohl meine Bergschuhe mit Vibram-Sohlen versehen sind, glitt ich oft aus und hatte oft das Gefühl wie „auf Eiern“ zu laufen. Der heutige Weg ist weit voraus erkennbar. Es geht links des Pyramiden-Hügel durch. Danach versperrt uns ein breiter Erdrutsch mit grossen Felsbrocken den Weg. Fritz ist schon auf der anderen Seite und fotografiert uns. Bitte lächeln.


Bild mitte: der Pyramidenhügel




Der erste grosse Erdrutsch. Viele werden folgen...

Ab und zu wird man bei Trekkings von Einheimischen um medizinische Versorgung gebeten. Bei Leiden wie Schmerzen oder Durchfall kann man meistens helfen. Bei schlimmeren Sachen steht man aber oft hilflos da. So auch hier, als uns ein Mann frägt, ob wir seinem jüngsten Sohn helfen können, der schweren Hautverbrennungen am Arm, an der Hand und dem Gesäss erlitten hat. Die Haut um die Wunde ist bereits schwarz, kein schönes Ansehen. Ich kann nicht einmal mit einem Desinfektionsmittel helfen. Das nächste Health-Center ist zwei Tagesmärsche entfernt! Mit ungutem Gefühl ziehen wir weiter. Vom Bergkamm ist ein neuer Schneeberg zu erkennen. Es kann sich eigentlich nur um den Boktoh (6114 m) handeln. Das Camp neben der Schule liegt erneut in einem „Loch“. Die Sonne geht früh unter und es wird sofort kühl. Es gibt in Yamphudin eine kleine Hydroturbine. In der Lodge läuft ein Fernsehapparat. Wir profieren davon auch die Batterien unserer Digitalkameras zu laden.


Blick das Tal hinauf


Währendem die Küche das Nachtessen vorbereitet...


...studiert Fritz die Karte

11. Oktober / Tag 9: Yamphudin (2080 m) – Omje (2360 m)

Zu meiner grossen Überraschung geht es heute die Flanke links neben dem grossen Erdrutsch hinauf. Ein steiler Aufstieg. Ich kontrolliere meinen Puls, laufe mein Tempo. Regelmässig mache ich kurze Pausen, lutsche eine Traubenzuckertablette, trinke Tee dem ich isotonisches Pulver beigefügt habe. Der Aufstieg ist endlos. Wie seit Beginn des Trekkings laufe ich am Schluss. Beim ersten Haus gibt es eine längere Pause. Auch die Träger halten hier. Einer davon soll dabei die Schwester seiner Frau begrüssen. Ob Pasang wohl nur deswegen diesen Aufstieg gewählt hat? Dies würde mich gar nicht verwundern. Es gibt nämlich gemäss Karte noch einen anderen, scheinbar leichteren Weg.


Das Camp in Yamphudin – Mitte: Aufstieg links des Erdrutsches

Durch dichten Rhododendronwald geht es weiter zum 2620 m hohen Dhupi Bhanjyang Pass hinauf. Danach folgt der Abstieg zum Omje Khola. Kurz vor dem Camp ist noch ein kleiner sehr steiler Erdrutsch aus loser Erde zu überwinden. Pasang und Ram schlagen Stufen in die Erde damit ich ihn sicher überqueren kann. Wir sind in Omje.


Bild links: die Hügelpyramide ist längst hinter uns – Mittagspause


Camp in Omjee


Do you like soup?

12. Oktober / Tag 10: Omje (2360 m) – Tortong (2995 m)

Seit drei Tagen gibt es zum Frühstück keine fettigen Toasts mehr! Hats der Koch wohl kapiert oder ist ihm einfach nur das Brot ausgegangen? Es gibt nun abwechslungsweise Porridge mit Honig oder Müesli. Omeletten kann ich frühmorgens nicht essen. Ich packe diese mit einem Chapati als Zwischenverpflegung in den Tagesrucksack ein. Ich bin mit der Ernährung nicht so ganz zufrieden. Wenn man tagtäglich solche Anstrengungen leisten muss, sollte der Körper doch vor allem Kohlenhydrate bekommen. Prakas gibt sich sicher Mühe uns ein variiertes Menü zu kochen. Vorgestern gab es zum Beispiel Pizza. Schmeckte echt gut, ich hätte aber viel lieber Reis, Teigwaren oder Dalbat. Für uns bräuchte Prakas gar nichts anderes zu kochen. Oft werden auch zu lange Mittagspausen gemacht. So auch heute wieder.




Mittagessen


Wir sind von dichtem Nebel umgeben. Der Marsch nach Tortong soll drei Stunden in Anspruch nehmen. Was vermutlich niemanden wusste, ist, dass der Weg der Bergflanke entlang von einem riesigen Erdrutsch völlig zerstört wurde. Wir müssen dem Abbruch entlang ausweichen. Der Blick fünfhundert Meter hinunter ist furchterregend. Einen Meter hinter dem Abgrund gibt es bereits einen neuen breiten Riss. Tunlichst meide ich diesen.


Der Weg nach Tortong wurde durch einen Erdrutsch vernichtet


Der Abstieg nach Tortong ist fürchterlich. Zeitweise existiert gar kein Weg. Meine Kräfte lassen wieder spürbar nach. Nach einer Stunde bin ich völlig entkräftet. Ich habe zum Glück zwei Chapati, etwas Schokolade, Traubenzuckertabletten und Tee dabei. Ich brauche zwanzig Minuten um mich aufzuraffen. Ich komme in diesem schwierigen Gelände kaum mehr vorwärts. Koch Prakas geht voraus. Es wird dunkel. Ich kann den Weg gerade noch erkennen. Heute wir es kein Mondschein-Trekking geben, der Himmel ist bedeckt. Wir schalten die Stirnlampen an. Wenn jetzt die Batterien ausgehen, dann bin ich in dieser Stockfinsternis „verschossen“. Pasang und Ram nehmen mich in die Mitte um mich zu stützen. Ich weiss gar nicht mehr wie lange wir so marschiert sind, nur dass das Rauschen des Baches plötzlich ganz nahe war. Wir mussten demnach unten sein. Beim anschliessenden Aufstieg kommen plötzlich Lichter entgegen. Es sind drei Träger. Alle zusammen schleppen sie mich den steilen Pfad hinauf bis ich plötzlich vor zwei gelben Zelten stehe. Es ist 20.00 Uhr. Wieder war ich zwölf Stunden unterwegs! Erstaunlicherweise bin ich nach einer Stunde wieder soweit erholt. Koch Prakas hat für mich eine Portion Spaghetti gekocht.

13. Oktober / Tag 11: Tortong (2995 m) – Cheram (3870 m)

Ich habe mich gut erholt. Fritz befürchtete schon ein neuer Ruhetag einschalten zu müssen. Heute geht es nämlich neunhundert Höhenmeter hinauf. Ich bin selber überrascht wie gut es mir heute läuft. Gegenüber gestern ist der Weg am linken Ufer des Simbuwa Khola entlang wesentlich leichter. Es steigt regelmässig an, ab und zu unterbrochen durch kleinere, mühsame Erdrutsche. Die Flora ist vielfältig, es wachsen sogar kleine Enziane. Rotorenlärm eines Helikopters übertönt das Rauschen des Baches. Er wird in Cheram, landen, vermutlich um jemanden zu evakuieren. Ach, wie schön es doch wäre auf dem Rückweg den Heli benützen zu können... In Anda Phedi gibt es nochmals eine kurze Pause. Bis zum Tagesziel bleiben noch fünfhundert Höhenmeter zurückzulegen.


Camp in Tortong


Mittagessen


Halt in Anda Phedi – Bild rechts: Chulkee (steinharter Käse)


Fritz ist wie meistens voraus...

Weiss leuchtende Schneeberge kommen in Sicht. Es ist der Kabru. Wir nähern uns der Alm von Cheram. Vorsicht vor herumlaufenden Hunden. 1993 wurde hier der Schweizer Bergsteiger Erhard Loretan von einem Hund gebissen. Also, aufgepasst!


Das Camp in Cheram

14. Oktober / Tag 12: Akklimatisationstag in Cheram

Heute ist Akklimatisations- und Ruhetag. Koch und Träger schlafen etwas länger aus. Es herrscht dichter Nebel. Keine Sicht auf die Berge. Wie schade! Ich hätte heute auch so gerne meine nassen Kleider an der Sonne getrocknet. Küchenboy Pardip meint, dass es um halb zehn aufhellen wird. Und tatsächlich, schon um halb neun hat sich der Nebel verzogen und es herrscht das schönste Wetter. Nach dem gestrigen happigen Aufstieg, sind alle froh heute etwas faulenzen zu können. Doch nicht für Fritz. Er will noch etwas weiter aufsteigen. Richtig so. Dies ist vor allem für die Höhenakklimatisation gut. Einige hundert Meter aufsteigen und dann zum schlafen wieder zurück. Ich folge ihm, wenigstens eine Zeitlang... Je höher wir kommen, desto imposanter wird die Bergkulisse. Rechts vom Kabru erhebt sich nun die gewaltige Pyramide des Ratong (6679 m).


Heute wird ausgeschlafen


Je weiter wir aufsteigen, desto imposanter wird das Panorama

Nach einer Stunde bin ich wieder im Lager zurück. Nach der Rückkehr von Oktang werde ich entscheiden müssen wie es für mich weitergeht. Mit Rücksicht auf meine Schwäche beim Abwärtslaufen, hat mir Kami wegen dem berüchtigten Abstieg von Amjilosa im Ghunsa-Tal geraten, besser den gleichen, leichteren Weg zurück nach Taplejung zu benützen. Ich bin jedoch aufgrund des bisherigen Verlaufes, mit all diesen steilen Aufstiegen die ich dann auf dem Rückweg als Abstiege zu bewältigen habe, nicht mehr so ganz überzeugt, ob dieser leichter sein wird. Ich zweifle daran und es graut mir, wenn ich schon nur daran denke. So schlimm kann der Abstieg von Amjilosa sicher nicht sein. Werden wir uns hier in zwei Gruppen aufteilen? die Hauptgruppe mit Fritz und Pasang über die Pässe nach Pangpema, ich und Ram zurück nach Taplejung. Kami hatte mir vor dem Trekking zugesichert, dass dies ohne Probleme möglich sei. Ich bin mir nicht ganz im Klaren wie Pasang dies lösen wird. Ich bräuchte mindestens einen Träger. Und wie sich verpflegen und wo schlafen? Gerne wäre ich ebenfalls über die vier Pässe nach Ghunsa und eventuell weiter gegangen, gemäss dem bisherigen Verlauf des Trekkings muss ich wohl erneut darauf verzichten. Ich bin einfach zu wenig kräftig, mein Handicap in den Abstiegen kostet mich zuviel Energie. Den definitiven Entscheid werde ich aber erst übermorgen fassen.


Zur Passüberquerung nach Ghunsa geht es hier hinauf...

Wie in der Einleitung erwähnt, wurde hier oben zu den Bergsteiger Pionierzeiten Geschichte geschrieben. 1905 kam eine Schweizer Schweizer Expedition mit dem bekannten Arzt und Bergsteiger Dr. Jules Jacot-Guillarmod hierher um den Kangchenzunga zu besteigen. Da die Grenzen Nepals bis 1949 geschlossen waren, kamen sie mit einer Bewilligung des Maharadschas von Darjeelling (Sikkim) über den berüchtigten Kang-La Pass (5060 m) hinunter nach Cheram. Anlässlich dieser Expedition kam es zu einem tragischen Unfall bei welchem der Schweizer Alexis A. Pache in einer Lawine ums Leben kam. 1930 besuchte eine weitere Schweizer Expedition unter der Leitung von Prof. Oskar Dyhrenfurth das Gebiet. Auch sie kamen von Darjeeling (Indien) und waren auf dem Weg auf die Nordseite des Kangchenzunga, nach Pangpema. Der Bitten einer verzweifelten Mutter wegen, unterbrachen sie ihren Marsch nach Ghunsa um dem Kloster von Detsenroba im Yalung Tal einen Besuch abzustatten. Ihr Sohn, Edgar Francis Farmer, ein tollkühner junger Amerikaner, war im Jahr zuvor ohne Erlaubnis nach Nepal eingereist und blieb, nachdem er seine Träger zurück auf dem Yalung-Gletscher gelassen hatte, verschollen. Mrs. Farmer war fest davon überzeugt, dass ihr Sohn in diesem Kloster verborgen gehalten wurde. Hellseher hatten ihr dies auch bestätigt. Um der Armen Gewissheit zu verschaffen arbeiteten sie sich durch Urwalddickicht vor, fanden jedoch nur eine verlassene Ruine vor. Etwas in näherer Zeit, im Herbst 1995, war Cheram erneut Schauplatz einer Tragödie. Der Schweizer Bergsteiger Erhard Loretan und der Franzose Benoit Chamoux hatten beide dreizehn der vierzehn Achttausender erfolgreich bestiegen. Beiden fehlte lediglich noch der Gipfel des Kangchenzunga und der Zufall wollte es, dass Beide zu gleichen Zeit das Kunststück von Reinhold Messern und Jerzy Kukuckka als Dritter Mensch vollbringen wollten. Die Boulevardpresse machte daraus ein Rennen. Benoit, wohl auch auf Druck der französischen Medien, wollte es unbedingt als Dritter schaffen. Er kam dabei ums Leben. Loretan schrieb später in seinem Buch, dass es für ihn völlig unverständlich gewesen sei, dass man für so etwas sterben konnte. Leider ist inzwischen auch Erhard letzten Herbst tödlich verunglückt.


Yaks


15. Oktober / Tag 13: Cheram (3870 m) – Ramche (4580 m)

Das Wetter ist heute nicht mehr so gut. Nebelschwaden ziehen schon früh vom Tal herauf. In kürzester Zeit sind alle Berge verschwunden. Wie schade! Wir passieren die 4000 Meter Marke. Der Weg ist wie gestern leicht, stets aufwärts führend. Zwischendurch zerreisst es für einige Sekunden die Wolken und die Spitze des Ratongs und des Kabru kommen zum Vorschein.


Wir haben die 4000 m Grenze erreicht


Mittagessen

In Ramche herrscht dichter Nebel und es weht ein saukalter Wind. Währendem die Zelte aufgestellt werden, trage ich bei einem Felsblock an der eine russische Gedenktafel angebracht ist, grosse Steine zusammen. Ich will hier meine Tafel zu Ehren von Alexis A. Pache anbringen. Grosse Steine auf Viereinhalbtausend Meter zusammenzutragen ist recht anstrengend. Verwundert über mein seltsames Treiben ist bald die ganze Equipe um mich versammelt. Sie helfen mir ein kleines Steinhäuschen zu errichten. Nach getaner Arbeit bin ich durchgefroren und verschwinde schnurstracks im Zelt. Es ist 16.30 Uhr. Ich brauche zwei Stunden um mich zu erwärmen. Um 19.30 Uhr wird das Nachtessen im Esszelt serviert. Nieselregen geht nieder, man sieht keine fünf Meter weit. Sollte das Wetter so bleiben, das wäre wirklich ausgesprochenes Pech. Wir beschliessen morgen nicht in Oktang zu übernachten. Wir werden lediglich einen Ausflug dorthin unternehmen und im Verlaufe des Nachmittags wieder zurück sein. Die Träger werden sicher nichts dagegen haben und wir können damit einen Tag auf unser Programm einholen.


Bau der Gedenkstätte

16. Oktober / Tag 14: Ramche (4580 m) – Oktang (4730 m) – Ramche (4580 m)

Die Nacht ist hell erleuchtet. Als ich um 00.30 Uhr die Nase aus dem Zelt strecke herrscht Vollmond. Der Himmel ist sternenklar. Heute ist mein grosser Tag. Um 04.00 Uhr schaue ich nochmals nach. Noch immer ist es sternenklar. Ich halte es im Zelt nicht mehr aus und bin um halb sechs schon auf. Was für ein Supertag wird das werden. Es sei denn die Nebelschwaden würden im Verlaufe des Morgens wieder aufkommen. Ich verspüre heute leichte Kopfschmerzen. Es sind jedoch mehr Nackenschmerzen, die vermutlich von einer ungemütlichen Kopflage beim Schlafen stammen. Ein Paracetamol wird aber sicher nichts schaden. Es ist recht kalt. Kein Wunder, das Bächlein nebenan ist zugefroren. Der „early morning tea“ ist heute sehr willkommen, auch um sich die Hände an der Tasse zu erwärmen. Geradeaus, Richtung Ratong, sind die Berge noch im Dunkeln. Auf der Gegenüberliegenden Seite werden die höchsten Spitzen von den ersten Sonnenstrahlen erfasst. Von Minute zu Minute werden die umliegenden Berge immer mehr erleuchtet. Ein wunderschönes Naturschauspiel.


„Early morning tea“

Blick Richtung Ratong und Ratong-La


Sonnenaufgang auf den umliegenden Gipfeln

Die Sonnenstrahlen haben nun ebenfalls unser Zeltlager erreicht. Sofort wird es etwas wärmer. Das Frühstück wird serviert. Die Bergwelt um uns ist zauberhaft. Die ganze Schinderei hat sich eigentlich schon gelohnt nur um so was zu erleben. Ich bin ungeduldig. Heute ist mein ganz grosser Tag. Um den Nebelschwaden zuvorzukommen marschiere ich als Erster ab. Nach ein paar Hundert Metern muss ich mein zu forsches Tempo drosseln. Bei der Talbiegung nach links kommt der Kabru immer mehr in seiner voller Grösse in Sicht. Welch eine Befriedigung so hautnah neben diesem Berg zu stehen, nachdem ich jahrelange Recherchen über dessen Erstbesteigung von 1883 gemacht habe (siehe CH-Himalaya – Exklusiv Kabru). Daneben ist der Ratong. Beide Massive stehen im Morgenschatten. Ram hat mich inzwischen eingeholt, Fritz überholt. Er wird versuchen bis zum Yalung BC auf 5400 Meter zu gehen. Der Weg der Gletschermoräne links entlang ist leicht und führt gleichmässig steigend über Alpenwiesen auf denen Enziane und Edelweiss blühen.


Frühstück in Ramche


Der Kabru wurde 1883 als Erster Siebentausender bezwungen

Immer mehr kommt nun auch der Kangchenzunga ins Blickfeld. Alle Hundert Meter wird der Anblick noch spektakulärer. In Oktang ist das vollständige Massiv sichtbar. Ich warte bei einem grossen Felsblock unterhalb der Gletschermoräne. Das Panorama ist grandios. Oben auf der Moräne hat man noch einen besseren Ausblick. In einem kleinen Chorten sind grosse Bündel Geldscheine, Notizhefte, Kugelschreiber und Bleistifte hinterlegt.


Kangchenzunga


Alpenflora


Der Hauptgipfel (8598 m) ist die kleine Felspyramide. Rechts davon der Mittelgipfel (8482 m) und der Südgipfel (8476 m)


Bild links: ein riesiger Felssturz versperrt den Weg ins BC – Bild rechts: der Chorten (Bilder Fritz Rupp)


Bild links: ein riesiger Felssturz versperrt den Weg ins BC – Bild rechts: der Chorten (Bilder Fritz Rupp)




Panorama von Oktang

Auf dem Rückweg erstrahlt nun auch die Westwand des Kabru und des Ratong in der Sonne. Fritz ist zurück. Ein immenser Steinbruch mit riesigen Blöcken hat ihm den Weg ins Yalung BC versperrt. Kurz vor Mittag sind wir bereits wieder in Ramche. Die ersten Wolken kommen auf. Welch ein Prachtstag und ich in Oktang! Wer hätte das gedacht?


Ratong


Cheram


Kokthang (6147 m)




Memorial Alexis A. Pache in Ramche


Zeltausblick

17. Oktober / Tag 15: Ramche (4580 m) – Cheram (3870 m)

Mit einem Tag Rückstand auf den Zeitplan, wäre Fritz gerne von Lapsang (4432 m) über den Lapsang La (5110 m) nach Ghunsa gegangen. Man könnte sich so den Abstieg nach Cheram auf 3870 m ersparen und einen weiteren Tag einsparen. Der Weg soll aber gefährlich und sehr wenig begangen sein. Pasang kann und will es wohl auch nicht verantworten die Träger über den Pass zu schicken. Wir kehren daher nach Cheram zurück. In der Zwischenzeit habe ich beschlossen weiter nach Ghunsa zu ziehen und von dort gemütlich nach Taplejung zurück zu marschieren. Ich hatte eigentlich gar keine andere Wahl. Der Gedanke nochmals die zahlreichen Auf- und Abstiege des Hinwegs bewältigen zu müssen, bereitete mir schon seit einigen Tagen grosse Sorgen. Assistent-Guide Ram wird mich mit einem Träger begleiten. Die Küche kann aber leider nicht in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Ich werde daher in Lodges Essen. Ich habe allerdings gewisse Bedenken, denn mit Ram kann ich mich kaum verständigen. Jedesmal wenn Du ihn etwas auf Englisch frägst, antwortet er: „yes, yes“. Seiner Mimik nach zu beurteilen, hatte ich auch oft das Gefühl, dass es ihn total „anscheisst“. Einige Trekking-Gruppen sind in der Zwischenzeit in Cheram eingetroffen. Ich bin überrascht wie wenigen Trekkern wir seit Suketar begegnet sind. Nicht dass ich diese vermissen würde, nein ganz im Gegenteil, ich habe es genossen alleine unterwegs und in den Camps zu sein.

18. Oktober / Tag 16: Cheram (3870 m) – Selele (4290 m)

(Bitte Kapitel „Falsche Angaben in der Trekkingkarte von Nepa Maps“ am Schluss des Berichtes berücksichtigen)

Heute steht wohl die schwierigste Etappe des ganzen Trekkings auf dem Programm. Der erste Passübergang liegt mit 4640 m, siebenhundertsiebzig Höhenmeter über Cheram! Weitere zwei Pässe werden folgen. Tagwache erfolgt daher bereits um 05.00 Uhr. Da es bim zum Mittagessen heute etwas länger dauern wird, bereitet uns die Küche ein Lunchpäckli vor. Erneut dauert es eine sternenweile bis die Küche marschbereit ist. Wir wollen nicht unnötig hier herumstehen und warten, denn es könnte ein langer Tag werden. Fritz und ich ziehen alleine los. Es geht zwar steil hinauf, der Weg ist aber gut zu laufen. Als uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen entledigen wir uns der Mütze, Handschuhen und Jacke. Unter uns liegt das Camp.Unsere Zelte sind noch immer nicht abgebrochen. Anscheinend ist noch gar niemand gestartet. Das Wetter ist erneut fantastisch. Mein Blick richtet sich auf das Tal das vom Kang-La, dem Passübergang der nach Sikkim führt. Über diesen Pass ist auch die Schweizer Expedition von 1905 gekommen. Heute ist dies für Ausländer strengstens verboten.


Das Tal hinauf zum Kang-La Pass

Hinter einem Stein erleichtere ich mich um ein „Pfund“. So lässt es sich leichter laufen. Die ersten Träger haben uns eingeholt. Kurz darauf ist auch Ram mit meinem Tagesrucksack zur Stelle. Endlich kann ich etwas Flüssigkeit zu mir nehmen. Oben bei der Krete angelangt, befindet sich ein idyllischer See, der Chhuchung Pokari. Der restliche Weg hinauf zum Pass führt durch ein Felsband. In einigen Passagen wähnt man sich beinahe am 3rd Step am Everest. Von weitem sieht man nun die Gebetsfahnen flattern. Um 11.00 Uhr bin ich oben. Fünf Stunden habe ich für den Aufstieg gebraucht. Der Ausblick zum Yalung-Gletscher ist einmal mehr atemberaubend. Eine halbe Stunde später kommen bereits wieder Wolken auf.


Aufstieg der Träger


Der Chhuchung Pokari




Blick hinauf zum Yalung-Gletscher


v.l.n.r Talung (7349 m), Kabru I (7412 m), Kabru II (7339 m), Kabru III (7338 m), Kabru IV (7318 m), Rathong (6682 m)


Erster Passübergang über dem Yalung-Tal (4650 m)

Von einem leichten Weg zum 2. Pass, dem Sinelapche La (4660 m), ist keine Rede. Der Weg über riesige Felsbrocken bereitet mir etliche Mühe. Fritz und die Träger warten bereits auf dem Pass. Ich verspüre Hunger. Das Lunchpäckli, eine kleine Kartoffel, eine gebratene Scheibe Wurst, ein gekochtes Ei, eine Scheibe Yakkäse und einige Biskuits habe ich schon während des Aufstieges zum Znüni verschlungen. Vom Blick auf den Makalu ist leider leider nichts zu sehen.


Aufstieg zum Sinelapche La (4660 m)

Im Abstieg werde ich erneut langsam. Der Aufstieg zum 3. Pass, dem Mirgin La (4440 m) schaffe ich gerade noch so. Es ist kalt und unfreundlich. Dichter Nebel umhüllt uns. Wir halten daher nur ganz kurz an. Vom grossartigen Ausblick auf den Jannu (7711 m) ist nichts zu sehen. Wie schade! Dies hätte vielleicht die Müdigkeit etwas vergessen lassen. Unter uns liegt ein breites Tal. Der steile Abstieg sieht im ersten Augenblick furchterregend aus. Doch einmal im Hang drin, komme mit dem Zickzackpfad durch loses Gestein überraschend gut zurecht. Nach einigen hundert Metern Abstieg bin ich jedoch wieder kraftlos. Eine Viertelstunde oder länger, ich weiss es nicht mehr, liege ich keuchend am Boden. Pasang ist vorausgegangen und kommt kurz darauf mit einer Thermosflasche Tee und Biskuits zurück. Wieder ist es dunkel geworden. Zum 3. Mal müssen mich Pasang und Ram im Schein der Stirnlampe ins Camp schleppen.


Aufstieg zum Sinelapche La


Blick vom Sinelapche La in Richtung Mirgin La


Der Löwe von Sinelapche

19. Oktober / Tag 17: Selele (4290 m) – Ghunsa (3595 m)

Heute steht mit dem Sele La der letzte Pass auf dem Programm. Ich fühle mich noch immer kraftlos. Schon beim Einpacken des Schlafsackes komme ich ins Keuchen. Einen erneuten Ruhetag wird es wohl angesichts der kurzen Etappe nach Ghunsa nicht geben. Schon nach den ersten Schritten fühle ich mich erschöpft. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Ob, das wohl gut gehen wird? Auf dem 4. Pass, dem Sele La (4290 m) sind wir mit Fritz und den Trägern noch alle zusammen. Bis Ghunsa werde ich niemanden mehr sehen, ausser Pasang und Ram die bei mir sind.


Links: das Camp in Selele – Rechts: Der Löwe von Sinelapche (Kreis)


Sele La: der letzte Pass vor dem Abstieg nach Ghunsa

Wer gedacht hat, jetzt würde es rapide hinunter nach Ghunsa gehen, hat sich gewaltig getäuscht. Nach jedem Bergrücken folgt ein anderer. Um 11.00 Uhr zeigt mein Höhenmesser noch immer über 4000 Meter an. Wann kommt denn endlich dieser Abstieg? Ich habe Hunger. Als ich Ram frage wann und wo es das Mittagessen gibt, antwortet er lakonisch „no Lunch!“. Ich bin verdutzt. Das kann doch nicht sein. Spinnen die eigentlich einem nichts Essen zu geben? Wie soll man eine körperliche Leistung vollbringen, wenn einem nichts gefuttert wird? Ich bin wütend und fluche lauthals heraus. Und was zu befürchten war trifft kurze Zeit auch wieder ein: ich komme erneut kaum mehr vorwärts. Die Rettung ist ein Chapati das ich im Rucksack vergessen hatte. Endlich geht es durch dichten Rhododendronwald hinunter zum Yamtari Khola. Rechterhand öffnet sich das Tal, welches zum Lapsang La führt. Das Rauschen des Baches wird immer lauter. Kurz vor Erreichen der Brücke kommt ein Träger mit Tee entgegen. Vermutlich hatten sie in Ghunsa Bedenken, dass ich erneut zu später Stunde eintreffen würde. Noch immer erbost trinke ich nichts davon. Können die selber saufen! Zu allem Übel verspüre ich nun auch noch schmerzhafte Stiche im Fussgelenk. Ich muss die Bergschuhe ausziehen . Mit den Turnschuhe geht es besser. Endlich erreiche ich die Brücke. Ghunsa sollte um die Ecke sein, doch der Weg zieht sich in die Länge. Um 14.00 Uhr bin auch ich in Ghunsa. Das Mittagessen ist bereit. Ich boykottiere es. Um diese Zeit brauche ich kein Mittagessen mehr, ich hätte es um 11 Uhr dringender nötig gehabt…


Links: Blick Richtung Gyabla – Rechts: Blick Richtung Kambachen


Wann kommt endlich der Abstieg nach Ghunsa?


Blick hinauf ins Tal das zum Lapsang La führt


Ghunsa

20. Oktober / Tag 18: Ruhetag

Wir haben gestern im kleinen Holzhaus mit Holzofen einen gemütlichen Abend verbracht. Eine Gruppe von Amical war anwesend und es kam zu einem interessanten Erfahrungsaustausch mit dem Expeditionsleiter. Fritz wird heute weiter Richtung Pangpema ziehen. Er wird voraussichtlich bis Pangpema und zurück nach Taplejung elf Tage benötigen. Um nicht allzulange in Taplejung auf seine Rückkehr warten zu müssen, werde ich mir Zeit nehmen und in kurzen Etappen absteigen. Vorerst schalte ich mal hier einen Ruhetag ein. Mit Wehmut lasse ich sie ziehen. Ghunsa ist die letzte grössere Agglomeration vor Pangpema. Die Einwohner sind Buddhisten. Eine kleine Hydroturbine liefert Elektrizität. Letzte Gelegenheit um den Akku der Digitalkamera aufzuladen. Es gibt sogar eine Telefonverbindung nach Kathmandu. Bier und Toblerone sind ebenfalls erhältlich, nicht aber Batterien. Ein Besuch des buddhistischen Klosters hätte mich sehr interessiert, doch die Mönche, so sagt man mir, seien derzeit auf Trekking in Kambachen. So schlendere ich einfach durch die Gassen des Dorfes. Zürück im Guesthouse benütze ich den freien Tag um wieder einmal die stinkenden Kleider zu waschen.


Morgenstimmung in Ghunsa


Bye Bye, Fritz wird heute weiter nach Pangpema ziehen


Kanchanjunga Guest House


Mani Mauern. Immer links vorbeigehen!




Rätselraten: was ist das?


und das?

Da eine grössere Trekkinggruppe mit Zelten angekündigt wird, wird mir vorgeschlagen vom Zelt in ein Zimmer zu dislozieren. Gerne nehme ich dieses Upgrading an. Kurz darauf wird es lärmig. Unterhalb meines Zimmers wird Französisch gesprochen. Aha, Franzosen! Das Diskussionsthema ist über die AHV, dann kann es sich nur um Romands handeln. Man begrüsst sich, tauscht einige Höfklichkeiten aus. Die warme Stube ist für das Nachtessen leider von der grossen Trekkinggruppe besetzt. Ich muss ins Haus nebenan. Zusammen mit einem deutschen Ehepaar sitzen wir am grossen Tisch in der Küche und schauen der Köchin zu wie sie über der Feuerstelle kocht. Das moderne Leben hat auch hier oben Einzug gehalten. Zwischendurch klingelt das Telefon und die Köchin huscht mit der Kelle weg. Mir gefallen diese tibetanischen Küchen. Hier zu sitzen ist wesentlich interessanter als im Holzhaus, auch wenn es dort etwas wärmer wäre. Mir war die Benützung des Esszeltes für uns Zwei eigentlich nie so sympatisch. Ich esse viel lieber in der Küche mit allen zusammen. Man kommt sich so viel näher und oft wird es dabei auch lustig. Bei grösseren Gruppen ist dies aber kaum möglich, wobei es aber leider auch Trekker gibt, die solchen Kontakt scheuen oder gar nicht suchen. Eigentlich schade, denn das Erlebnis eines Trekkings ist doch umso schöner, wenn es auch zu menschlichen Beziehungen kommt. Das Essen ist inzwischen zubereitet. Dalbaht natürlich! Das Gemüse schmeckt ausgezeichnet. Es kommt direkt aus dem Hausgarten. Ich verlange gleich dreimal Supplément...


Alte und neue Brücke über den Ghunsa Khola

21. Oktober / Tag 19: Ghunsa (3595 m) – Gyabla (2730 m)

Es hat letzte Nacht tief herunter geschneit und ist saukalt. Welch ein Glück musste ich nicht im Zelt übernachten. Bei Fritz in Kambachen auf über 4000 Meter Höhe wird es wohl geschneit haben. Auch hier ist es kalt und es regnet. Brrr! Bin ich froh geht es heute in tiefere und wärmere Lagen. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten sind wir bereits in Phale (3140 m). Da es keine Essensmöglichkeiten bis zum Tagesziel in Gyabla gibt, schlägt Ram vor bereits hier das Mittagessen einzunehmen. Etwas früh, doch mit dem schlichten Frühstück, zwei Tees und ein Chapati, kommt mir dies gerade gelegen. Menüauswahl habe ich keine: es gibt nur Dalbat. Mehr als eine Stunde sitzen wir am warmen Feuer, während es draussen immer stärker regnet. Hier hätten wir nach Plan übernachten sollen. Das wäre wohl eine etwas zu kurze Etappe gewesen. Wir wollen weiter, in tiefere Höhe, in die Wärme.


Mittagessen in Phale

Ich muss erneut meine Pelerine auspacken. Mit dem nassen und glitschigen Terrain ist es noch zusätzlich schwierig. Die Schlucht wird nun immer enger, umso wilder der Weg dem Simbuwa Khola entlang. Grosse Erdrutsche erschweren den Weg. Durch die Passage der vielen Träger und Trekker hat sich inzwischen ein schmaler aber begehbarer Weg geformt. Wie gewöhnlich baue ich nach drei Marschstunden ab. Laut meiner Karte liegt Gyabla auf der Höhe der Talbiegung nach links, auf der rechten Flussseite. Dass es ein happiger Aufstieg zur Alm Gyabla gibt, ist in der Karte aber nicht eingezeichnet. Um 14.30 Uhr sind wir in der Lodge. Ich bin völlig durchnässt. Auch die Kleider im Rucksack sind nass. Sofort verschwinde ich im Schlafsack, zusätzlich eingemummelt mit dicken, schön warmen tibetischen Decken. Um 16.30 Uhr kommt blauer Himmel auf. Meine Gedanken sind bei Fritz und dem Team. Was für Wetter werden die wohl auf der heutigen Etappe nach Lhonak gehabt haben? Vermutlich Schnee.


Abendstimmung in Gyabla

22. Oktober / Tag 20: Gyabla (2730 m) – Amjilosa (2510 m)

Obwohl das Zimmerfenster nur mit einem Karton notdürftig vor dem kalten Wind schützte, habe ich in der Daunenjacke, dem Schlafsack und der tibetischen Decke eingemummelt, eine gute Nacht verbracht. Einziges Problem: erneut diese fleissige Pinkeln. Dabei hätte ich noch über eine halsbrecherische Holztreppe absteigen müssen. Dazu gibt es einfache, praktische Lösung die sich schon auf früheren Trekks bestens bewährt hat: man pinkelt in die Teeflasche! Beim Wiederauffüllen der Flasche braucht man nur viel Zucker beizugeben und niemanden wird von dieser Zweckentfremdung etwas merken. Und gestorben ist dabei glaub ich auch noch niemanden daran. Das Anziehen der nassen Socken und Schuhe braucht eine kleine Überwindung. Ich freue mich auf den scheinbar leichten, flachen Weg zu Beginn der heutigen Etappe nach Amjilosa. Wir marschieren zunächst an Apfelbäumen entlang. Die Freude währt nur kurz. Nach zehn Minuten geht es wieder steil zum Bach hinunter. Die Karte von Nepa Maps ist erneut total falsch. Es ist ein mühsamer Abstieg und ich komme heftig ins Schnaufen. Der weitere Weg mag ich gar nicht mehr beschreiben. Ein stetiges auf und ab über Dutzende von Erdrutschen.


Morgenstimmung in Gyabla

Begegneten wir gestern nur gerade zwei Kanadiern, ist heute eine ganze Karawane unterwegs. Um 09.40 Uhr sind wir in Thyangyan (2405 m) zum Mittagessen an. Bis das Essen zubereitet ist, dauert es meist eine Weile. Erstmals gibt es keinen Reis. Der ist ausgegangen. Ram, früher Küchenboy, kocht mir Bratkartoffeln mit Kümmel und Gemüse. Dazu immer Tee, kali Tschia – Schwarztee. Ram und der Träger essen „Gschwelti“.


Die Brücke nach dem Abstieg von Gyabla – Lodge von Thyangan

Wir haben die Talkrümmung nach rechts erreicht. Amjilosa kann daher nicht mehr so weit sein. Der Weg führt durch dichten Bambuswald. Kleine Eidechsen sonnen sich an der Sonne, zitronengelbe Schmetterlinge flattern herum. Vom Bergrücken eröffnet sich die Sicht ins Tal hinab. Die Häuser von Amjilosa sind zu sehen. Um 13.00 Uhr sind wir im Camp. Es ist herrlich warm. Ich profitiere um alle Kleider an der Sonne zum trocknen auszulegen. Die warmen Kleider kann ich nun definitiv im Rucksack verstauen.


Über eine der zahlreichen Nebenflüsse


Amjilosa

23. Oktober / Tag 21: Amjilosa (2510 m) – Sekathum (1660 m)

Erneut ein wunderschöner Tag. Bereits um 07.00 Uhr werden wir von den Sonnenstrahlen erwärmt. Heute steht der gefürchtete Abstieg auf dem Programm. Nach einer Stunde haben wir den Abstieg hinter uns. Es war gar nicht so schlimm. Eine Hängebrücke führt auf das linke Bachufer hinüber. Um 09.30 sind wir in Lamater. Wir halten zum Mittagessen. Angesichts der frühen Zeit entscheiden wir heute in Sekathum zu übernachten.


Lamater


Blick von Lamater das Tal hinunter

Viele kleine Erdrutsche sowie heikle Passagen nahe dem Bachufer entlang erschweren den Weg. Erneut geht es auf das rechte Bachufer. Die Hängebrücke wurde durch Steinschläge beim Erdbeben leicht beschädigt. Eine etwas spektakuläre, wackelige Holzbrücke führt uns auf das linke Bachufer zurück. In Japanter müssen wir den Bach über eine grosse Hängebrücke ein weiteres Mal überqueren. Sekhatum ist nun nicht mehr weit. Um 14.00 Uhr sind wir am Zusammenfluss von Ghunsa River und Tamor River.


Wackelige Holzbrücke


Die Brücke bei Japanter


Die Brücke über den Tamor River bei Sekhatum


Zusammenfluss von Ghunsa River (li) und Tamor River (re)

24. Oktober / Tag 22: Sekathum (1660 m) – Chhiruwa (1270 m)

Der Campingplatz beim Zusammenfluss der beiden Flüsse ist nicht zu empfehlen. Das Rauschen der beiden Bäche ist ohrenbetäubend. Ruhiger scheint der Platz nach der Brücke über den Tamor zu sein. Vorbei an den steilen Treppen die hinauf nach Lelep führen, geht es talauswärts. Der breite Weg aus flachen Steinplatten ist äusserst angenehm zum laufen. Eine Autobahn. Auf der Höhe der Taleinmündung des Tamewa Khola passiere ich die Stelle meiner letztjährigen Aufgabe. Ich kann diesen Entscheid heute noch viel weniger begreifen. Das Tal wird nun breiter, die Dörfer dichter. Zeuge der Zivilisation ist der vermehrte Abfall am Rande des Weges. Um 10.00 Uhr sind wir in Tapethok zum Mittagessen. Ich bin entzückt.


Kinder in Sekhatum


Die Brücke über den Tamor River bei Sekhatum

Mein rechtes Fussgelenk schmerzt mich nun schon seit einigen Tagen. Zum Glück geht es bis Taplejung nicht mehr so weit. Der restliche Weg ist für mich ein Heimspiel. Ram dagegen war noch nie hier und kennt sich nicht aus. Ich werde ihn nach Taplejung führen! Nach anderthalb Stunden passieren wir den Erdrutsch vom letzten Jahr. Weitere heruntergestürzte Felsbrocken sind durch das kürzliche Beben dazugekommen. Um 13.00 Uhr erreichen wir Chhiruwa. Wir campieren diesmal nicht im Campsite ausserhalb des Dorfes, sondern mitten drin.




Chhiruwa

25. Oktober / Tag 23: Chhiruwa (1270 m) – Mitlung (921 m)

Wir haben bereits drei Tage Vorsprung auf den in Ghunsa erstellten Zeitplan. Fritz sollte heute zurück in Ghunsa sein. Wie er mir zusicherte, wird er auf dem Rückweg gewaltig „Dampf“ machen und mich wenn möglich noch vor Taplejung einholen. Dies wird aber nicht gelingen. Ich rechne damit, dass sie etwa zwei Tage nach mir in Taplejung eintreffen werden. Die Landschaft nach Chhiruwa ist mit den unzähligen Reisterrassen zauberhaft schön. Nach dem Dorf Tewa, kommt das Dorf Tawa.




Siwan erreichen wir gerade einmal nach dreidreiviertel Stunden. Wir halten zur Mittagspausen. Es ist Markttag. Überall werden Kleider angeboten, auch BHs. Nach dem Mittagessen werde ich zum Fotografieren herbeigerufen: „komm schnell, eine Schlange!“. Sie hat sich in einer Toilette über dem Eingang um einen Holzbalken gewunden. Es soll sich um eine giftige Art handeln.




Welcome in Siwan








Schlangenjagd


Nach dieser unerwarteten Schlangenjagd geht es weiter. Der Weg dem Fluss entlang ist ein kleiner Ho-Chi-Minh-Pfad. Ich begegne fünf Griechen. Man begrüsst sich und tauscht einige Worte aus. Ich habe die Hängebrücke von Mitlung erreicht. Der Campingplatz nebenan ist nicht mehr. Dieser ist hinauf zum Dorfeingang versetzt worden. Eine grosse französische Trekkingruppe hat ihn besetzt. Ram hat keine Ahnung wie es weiter nach Taplejung geht. Oft scheint er mir etwas unbeholfen. Man könnte sich ja bei entgegenkommenden Trekkingguides erkundigen, aber jemanden fragen ist halt für Asiaten immer so eine Sache. Ich muss richtiggehend insistieren, dass ich nicht über Dhoban will.




Mitlung


26. Oktober / Tag 24: Mitlung (921 m) – Taplejung (1780 m)

Ich erwache mit 36 Insektenstichen an den Armen. Für diese letzte Etappe mit neunhundert Meter Aufstieg nach Taplejung, sollen die „Locals“, die Einheimischen “ drei Stunden benötigen. Ausgangs Dorf machen zwei Wegweiser alles klar. Es geht nach links.


Die Wegweiser machen alles klar


Treppen à la „Ulleri“

Nach der Hängebrücke über den Hangdewa Khola teilt sich der Weg. Eine Markierung weist darauf hin, dass es links nach Suketar geht. Ram will nun plötzlich hier hinauf. Ich nicht. Ich will nach Taplejung, also rechts. Im Dorf Gayguri werden wir von Musik und Tanz überrascht. Vermutlich eine Hochzeitsfeier. Ich spendiere Hundert Rupien.


Nach der Brücke geht es rechts...


Begegnungen im Dorf Pani Sar




Musik und Tanz in Gayguri

Es fällt mir auf, dass die Leute plötzlich überall mit ihren Händys am telefonieren sind. Wir müssen anscheinend den Bereich des Signalempfangs erreicht haben. Auch hier in den entlegensten Gegenden Nepals sind die Leute „verrückt“ nach Handys. Eine richtige Manie. Was mich dabei immer erstaunt, ist, woher nehmen sie das Geld um diese zu kaufen. Oft sind es auch nicht die billigsten Modelle. Der Weg ist nun breit und flach. Eine breite Naturstrasse führt den Berghang entlang nach Taplejung. Nicht ganz! Kurz vor dem Tagesziel gibt es als Dessert nochmals Treppen und einen Erdrutsch zu passieren. Wir erreichen die ersten Häuser. Mit dreiviertelstündiger Verspätung auf die „Locals“ stehe ich um 11.00 Uhr vor meinem Hotel in Taplejung Bazaar. Von der Ruhe in den Bergen gewöhnt, nerven mich zwei junge „Galöri“, die nichts Gescheiteres wissen, als auf ihren Motorrädern Vollgas durch die Strassen auf und ab zu rattern.


Die ersten Häuser von Taplejung – Bild mitte: Kardamonolantage


Mein Hotel

27. Oktober / Tag 25: Taplejung

In den Srassen herrscht eine rege Aktivität. Ich erfahre, dass derzeit das fünftägige Dipawali-Fest gefeiert wird, das zweitwichtigste Fest in Nepal. Es ist mir nun auch klar weshalb gestern unterwegs getanzt wurde und die Hunde Blumengirlanden um den Hals trugen. Es wurde „Kukur-Puja“ gefeiert, Tag an dem die Hunde, als treue Hausbewacher, verehrt werden. Heute ist „Gai-Puja“. Die Kühe sind an der Reihe. Kühe gelten im Hinduismus als Symbol für Reichtum. Sie werden mit Blumen und Zinnoberrot geschmückt und bekommen als Futter Delikatessen. Auch Krähen werden verehrt. „Kag Puja“ heisst dieser Tag. Weshalb gerade Krähen? In der Hindu Religion glaubt man, dass das Krähen der Vögel Traurigkeit und Leid bringt. An diesem Tag offerieren die Anhänger den Vögeln Süssigkeiten auf den Hausdächern damit diese nicht krähen. Andere Länder, andere Sitten. Am späten Vormittag zieht ein Umzug, angeführt von drei maskierten Tänzern, durch die Hauptstrasse. Der ganze Tag wird in den Strassen gesungen und getanzt.






Taplejung


Zurück in der Zivilisation


Gai Puja: am heutigen Tag werden die Kühe verehrt






Auch „Ronaldo“ ist am Umzug dabei

28. Oktober / Tag 26: Taplejung

Taplejung gleicht einer Geisterstatt. Die Strassen sind leergefegt. Gestern abend habe ich aus Kathmandu die Nachricht erhalten, wonach Fritz in Phurumbu übernachtet hat und heute gegen 13.00 Uhr in Taplejung eintreffen wird. Nach dem Mittagessen laufe ich ihnen entgegen. Wir sind alle in Taplejung zurück. Fritz hat sein Ziel, Pangpema, auch erreicht. Sie wurden allerdings wie angenommen von fünfzehn Zentimeter Neuschnee überrascht und mussten einen Tag in Lhonak wegen Schneetreibens biwakieren.


Fritz in Pangpema

Heute ist Bhai Thika, der letzte Tag des Diwali Festes. Heute wird die grosse Verbundenheit zwischen Brüdern und Schwestern gefeiert. Die Schwester wird dabei dem Bruder das Thika auf der Stirne anbringen.


Bhai Thika: heute wird das Tikha angebracht






Fondue Gorgonzola! Mmmmmh


Zum letzten Nachtessen gibt es eine Torte

29. Oktober / Tag 27: Taplejung - Biratnagar

Mit der Rückfahrt nach Biratnagar scheint es Probleme zu geben. Alle Jeeps sind ausgebucht. Pasang organsiert und chartert einen Bus. Die 12 400 Höhenmeter haben wir gut überstanden. Um 16.30 Uhr sind wir in Birtamod. Ram und die Küchenmannschaft werden hier übernachten und morgen früh nach Kathmandu weiterfahren. Wir fahren gleich zum Flughafen von Biratnagar weiter, denn wenn wir morgen fliegen, müssen wir zuerst unsere „open“ Tickets umbuchen.


Unser Bus

30. Oktober / Tag 28: Flug Biratnagar – Kathmandu

Als wir gestern am Flughafen ankamen, war dieser bereits geschlossen. Wir mussten in der Stadt übernachten. Um 07.00 Uhr sind wir bereits wieder zurück. Alle Schalter sind noch zu. Da Kami seit Vorgestern weiss, dass wir heute fliegen möchten, hat er vermutlich bereits umgebucht. Leider sind alle Plätze ausgebucht. Es ist schon Mittag und wir sitzen noch immer da. Ich rate Pasang bei allen Fluggesellschaft vorstellig zu werden und sich zu erkundigen, ob es nicht eine Möglichkeit gibt neue Tickets zu kaufen. Geduldig warten wir im Flughafenrestaurant bei Tee und Biskuits. Und es klappt tatsächlich. Am späteren Nachmittag meldet die Yeti Air, dass um 17.00 Uhr eine gecharterte Maschine mit einer Trekkinggruppe landen wird. Es hat noch einige Plätze für den Rückflug. Kostenpunkt: 110 US Dollars pro ausländische Nase.


Flug nach Kathmandu. Ein erlebnisreiches Trekking geht zu Ende

Abschiedsparty im Hotel Utse

Wie es die Tradition will, trifft man sich nach Abschluss des Trekkings nochmals alle zum Abschiedsessen und übergibt dabei ein Trinkgeld. Wie in der Einführung bereits erwähnt, wäre ich ohne die Hilfe der ganzen Mannschaft nie an mein Ziel gelangt. Ich möchte mich daher bei allen noch einmal recht herzlich bedanken, thank you guys!


Abschiedsessen im Hotel Utse

Fazit

Es war ein geglücktes Trekking. Das Wetter hat in den entscheidenden Momenten mitgemacht. Hätten wir bei der Passüberquerung auch noch den Makalu und der Jannu gesehen, wäre es perfekt gewesen. Ich bin froh, dass alle wieder heil zurück sind. Kein Unfall, keine Krankheiten, nicht einmal Durchfall. Obwohl es nicht mein primäres Ziel war, bin ich erneut nicht nach Pangpema gekommen. Drei, vier Tage mehr und auch ich hätte es geschafft. Schade. Doch die grosse Chance habe ich letztes Jahr auf dumme Weise vergeben. Ein kleiner Makel in meiner Trekkingkarriere. Dass ich auf diesem Trekking einige Male am Ende meiner Kräfte war, ist eindeutig der fehlenden Ausdauer zuzuschreiben. Nicht ganz verständlich ist mir aber, weshalb ich unterwegs so oft an Hunger litt. War die Ernährung daran schuld? Die Küche war eigentlich gut und abwechslungsreich, was uns einzig störte, waren die zu mastigen Sossen und das oft zu fettige Essen. Von uns aus hätte Prakas viel öfters Spaghettis oder Pasta kochen können. Denn um täglich solch grosse körperliche Leistungen vollbringen zu können, braucht der Körper entsprechende Nahrung. Kohlenhydrate gehören zu den besten Energiequellen. Mit genügend Kohlenhydraten kann eine Leistungsverminderung verhindert oder verzögert werden. Trinken, viel Trinken ist für die Ausdauer ebenfalls von grösster Bedeutung. Diesem Punkt habe ich leider wohl viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Abschied von Kathmandu

Zum neunten Mal war ich nun in Kathmandu. Von der Faszination der ersten Besuche ist nicht mehr viel übriggeblieben. Der Verkehr, die Abgase, der Dreck und das Chaos nehmen jedes Jahr mehr zu. Ausser einigen wenigen Attraktionen, die einem immer wieder beeindrucken, habe ich immer mehr Mühe zu verstehen, weshalb so viele Touristen von einer solchen „Dreckstadt“ schwärmen können. Das Land, die Menschen, die Berge, ja, das ist faszinierend. Schade kann man Kathmandu nicht auslassen. Infolge des Hochbebels der letzten Tage und der frischen Temperatur (12 Grad Celsius am Morgen), entschliesse ich mich, meinen Rückflug in die Wärme von Thailand um fünf Tage vorzuschieben. Leider hat das Chaos am Tribhuvan International Airport beim Abflug meine Freude an diesem Besuch etwas getrübt. Was den Tausenden von Gästen am Flughafen geboten wird, ist schlichtweg inakzeptabel. Welch ein willkommener Empfang, wenn die ankommenden Gäste ganze drei Stunden! benötigen um den Flughafen zu verlassen? Auch beim Abflug musste ich, in der zum bersten vollen Halle, eine geschlagene Stunde warten um den Ausreisestempel zu erhalten. Nein, meine Herren, so geht das nicht. Wenn Ihr nicht fähig seid diesem Chaos ein Ende zu setzte, dann hört auf mit Euren „Visit Nepal Year“. Vielleicht müssten wir Touristen mal ein „Boykotiert Nepal Jahr“ ausrufen.

Neue Trekking-Projekte

Hatte ich bisher nach Abschluss aller meiner Trekkings verkündet, dass dies wohl mein Letztes gewesen sei, bin ich diesmal überzeugt, dass es weitere geben wird. Dieses als „sehr anstrengend“ eingestufte Trekking auf die Südseite des Kangchenzunga hat mir Mut gegeben auch mit 64 noch weitere Traumdestinationen verwirklich zu können. Mit den neuen Erkenntnissen in Sachen Ernährung, sollten Leistungseinbrüchem wie ich sie erlebt habe, nicht mehr vorkommen. Mit grosser Zuversicht plane ich daher weitereTouren wie:

  • Zurück ins Khumbu-Gebiet (Everest/Nepal) 34 Jahre nach meinem ersten Besuch von 1978
  • Trekking auf die Ostseite des Everests zur Kashungwand (Tibet). Diese Wand wurde erst zweimal von Expeditionen bestiegen, eventuell kombiniert mit einem Besuch des Kailas
  • Besteigung des Mount Kinabalu (Ost-Malaysia), mit 4095 m höchster Berg von Südostasien
  • Besteigung des Fansipan (Vietnam) mit 3143 m höchster Berg von Vietnam

Sollte es ein mittelmässiger Trekker geben der an einem dieser Projekte interessiert ist, dann bitte melden.

Nachträge und Korrekturen:

Khesawa: Blick auf den unbekannten Schneeberg

Das Rätsel ist gelöst! Beim schönen Schneeberg in Khesawa handelt es sich um den Kabru (li) und Kokthang (re) vom Südwesten her. Der Ratong steht unmittelbar vor dem rechten Gipfel des Kabru (Kabru IV). Der Kangchenjunga befindet sich weiter links und wird durch den bewaldeten Berg verdeckt. Vielen Dank an Günter Seyfferth für seine Hilfe.

Falsche Angaben in der Trekkingkarte von Nepa Maps

Drei Monate nach dem Trekking bin ich damit erneut intensiv beschäftigt. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die von uns benützte Trekkingkarte der Nepa Maps „Kanchenjunga - Pathibara & Limbu cultural trail“ in der Beschreibung der Passübergänge von Cheram nach Ghunsa anscheinend grobe Fehler aufweist. Auslöser zu dieser Erkenntnis war das Bild mit dem Schild „Mirgin La“, welches Trekkingfreund Fritz auf dem 3. Pass aufgenommen hat. In der Karte ist dieser Pass jedoch als 2. Pass eingetragen. Dies ist falsch. Dass die Sachlage geklärt werden konnte ist vor allem Günter Seyfferth (Deutschland) zu verdanken. Leider hat es die Nepal Mountaineering Association nicht für nötig gehalten mein Mail zu beantworten.

Nachstehend die wesentlichen neuen Erkenntnisse von Günter:

  1. Im Aufstieg von Tseram erreicht man zunächst einen unbenannten Übergang, der etwa 4650 m hoch ist. Von hier sieht man letztmals den Kangchenjunga und Kabru, bevor man nach Nordwesten am Hang entlang zum Sinelapche La geht.
  2. Der Sinelapche La ist der erste „echte“ Pass; er ist etwa 4660 m hoch. Von hier sieht man erstmals den Makalu.
  3. Der nächste „echte“ Pass“ und der zweite und letzte hohe Übergang ist der Mirgin La, der etwa 4640 m hoch ist, also 200 m höher, als in der Karte von Nepa Maps verzeichnet. Von hier sieht man erstmals den Jannu.
  4. Am Mirgin La ist an einem Holzpfosten tatsächlich ein Schild mit der Aufschrift „Mirgin La“ befestigt. Man muss also davon ausgehen, dass dieser Pass von den Einheimischen „Mirgin La“ genannt wird und nicht Sinion La.
  5. Vom Mirgin La geht es nach Norden bis zum Lagerplatz Sellele stetig abwärts, d.h. dazwischen gibt es keinen Pass mehr.
  6. Es gibt keinen Pass „Sinion La“. Entweder hat die kleine Ebene unmittelbar nach dem Pass den Namen „Sinion La“, oder „Sinion La“ war einmal ein anderer Name für den Mirgin La.
  7. Interessanterweise steht in der Landkarte, die von der Kangchenjunga-Expedition 1930 angefertigt wurde, „Sinon La“ an der Stelle, die heute mit „Sele La“ bezeichnet wird.

Gemäß diesen Erkenntnissen habe ich das Kapitel des Passübergange korrigiert und angepasst. Leider habe ich noch viele andere Unstimmigkeiten gefunden. Um künftige Trekkinggruppen nicht irrezuleiten, nachstehend meine Bemerkungen: Nepa Maps wurde aufgefordert die Änderungen bei der nächsten auflage zu berücksichtigen.

Yamphudin - Kharka over Dhupi Bhjyang Pass

  • die neue Hängebrücke über den Amji Khola ist nicht eingetragen. Der eingetragene Campingplatz ist nach der Brücke und heisst „Omje“

Passüberquerung Cheram – Ghunsa

  • der Weg von Cheram hinauf zum 1. Pass ist nicht eingezeichnet

Ghunsa – Taplejung

  • Gyabla: der steile Aufstieg vom Ufer des Ghunsa Kohla hinauf auf die Alp ist in der Karte nicht eingezeichnet. Auch der Abstieg unmittelbar nach der Alm ist nicht ersichtlich.
  • Amjilosa: die Lokalisation des Abstieges zum Fluss sollte mindestens zwei bis drei Zentimeter mehr rechts verschoben werden. Eine Stunde nach dem Abmarsch in Amjilosa hatte ich diesen bereits hinter mir. Gemäss Karte führt der Weg bis Sekhatum dem rechten Flussufer entlang. Dies ist falsch. Bis Sekhatum wird der Fluss viermals überquert.
  • Sekhatum: die kurz vor Sekhatum eingezeichnete Hängebrücke führt von der linken auf die rechte Seite des Flusses, nicht umgekehrt. Der Ort heisst Japanter. Es gibt dort ein schöner Campingplatz der in der Karte nicht vermerkt ist. Die Hängebrücke über den Tamor River unmittelbar beim Zusammenfluss der beiden Flüsse ist nicht eingetragen. Der Weg nach Taplethok führt danach ausschliesslich oberhalb dem rechter Ufer entlang und nicht wie in der Karte eingezeichnet bei Lelep auf die linke Seite des Flusses. Erst bei Taplethok geht es über eine schöne Hängebrücke auf das linke Ufer.
  • Mitlung: Die Hängebrücke auf das rechte Flussufer ist in der Karte nicht eingezeichnet.
  • Unmittelbar nach dem Dorfausgang von Mitlung führt der Weg nachTaplejung und Sukethar steil links hinauf. Gemäss Karte geht es jedoch bis zum Hangdewa Khola gerade aus. Dieser führt jedoch nach Dhoban.

 

 


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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com