| Mabuhay - Reiseberichte |
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Weihnachten 1999: ein Wunschtraum geht in Erfüllung! Nach Thailand auswandern war so ein Traum. Seit 20 Jahren hatte ich mich mit der Kultur dieses faszinierenden Landes intensiv befasst und sogar die Sprache gelernt. Nun stehe ich am Flughafen. Die Reise führt aber nicht nach Thailand. Eine Begegnung anlässlich meines letzten Ferienaufenthaltes in den Philippinen hat meine Pläne völlig durcheinander gebracht! Statt Bangkok heisst meine Destination Manila. Nun ist es also soweit. Ich kehre der Schweiz im Alter von 51 Jahren den Rücken. Auf diesen Moment habe ich schon lange gewartet. Ausser meiner Familie und einigen Freunden habe ich in der Schweiz nichts mehr. Ich habe alles aufgegeben. Wie kam es überhaupt dazu? Das Alter mag wohl eine Rolle gespielt haben. Mit dem Erreichen des 50. Altersjahrs kommt man nicht herum über das bisherige Leben eine kleine Bilanz zu ziehen. Alleine, ohne familiäre Verpflichtungen sinniert man aber auch über den Sinn des Lebens. Immer nur „chrampfe“, so wie es die meisten tun, das kann es ja nicht sein. Und dann diese Steuern? Haben sie schon mal ausgerechnet wie viele Monate Sie arbeiten müssen nur um ihre Steuern zu bezahlen? Ich weiss, ich bin ein Privilegierter. Ich kann mir ein „Aussteigen“ erlauben, ich habe mir diese Ausgangslage aber auch mit sparsamer Lebensweise selber geschaffen. Viele Kollegen beneiden mich und möchten dasselbe tun. Um einen solchen Entscheid schlussendlich dann auch zu vollziehen braucht es aber doch einen gewissen Mut. Ein solcher Entscheid ist kein Schnellschuss, es ist das Resultat eines längeren Prozesses. Vor allem der Entscheid, sich die Pensionskasse auszahlen zu lassen und später auf eine Rente zu verzichten, hat lebensentscheidende Konsequenzen. Je näher die Termine der ersten wichtigen Entscheidungen wie die Kündigung der Wohnung oder der Arbeitsstelle kamen, umso unsicherer wurde ich. Zweifel kamen auf. Habe ich alles richtig überlegt? Ich verlasse meine Heimat nicht aus groll. Im Gegenteil, ich habe mich eigentlich wohl gefühlt, obwohl wir Schweizer ja immer am meckern sind. Ich hatte Freude und Genugtuung an meinem Beruf, konnte immer etwas sparen. Doch was nützt es mir jeden Monat etwas mehr Geld auf dem Bankkonto zu haben, ich aber immer öfters in Depressionen falle. Nein, ich wäre ganz gerne in der Schweiz geblieben, wenn ich in den letzten Jahren nicht so unter der Einsamkeit und dem Misserfolg eine Lebenspartnerin zu finden, gelitten hätte. So suche ich mein Glück anderswo. Dieses Kapitel ist für mich abgeschlossen. Auswandern bedeutet aber auch Risiko, einen Schritt ins Unbekannte. Doch wer nichts riskiert, kann auch nichts gewinnen. Für ein zurück ist es nun aber zu spät. Mein Flug in ein neues Leben startet in einer Stunde.
One way ticket Mein Wunsch einmal ein oneway Ticket nach Manila zu kaufen hat sich nicht gerade als gescheit erwiesen. Als ich bei der Zwischenlandung in Bangkok um 06.00 Uhr morgens meine Boardingkarte für den Weiterflug nach Manila am Transferschalter beziehen will, gibt es eine böse Überraschung. Ohne Ausreiseticket aus den Philippinen gibt es keine Boardingkarte! Das fängt ja gut an! Auch das Vorweisen von dreitausend US$ in Traveller Checks nützt nichts. So etwas idiotisches! Ich muss ein Retourbillet Manila – Bangkok zum IATA-Tarif kaufen. Kostenpunkt: satte 470 $ ! Ohne meine Eurocard wäre mir mein Wunschtraum schon am zweiten Reisetag zum Verhängnis geworden. Mit grosser Erleichterung sitze ich vier Stunden später in der Maschine der Thai International nach Manila. Das Wiedersehen mit meiner Freundin Raquel ist einer der schönsten und emotionalsten Moment in meinem bisherigen Leben. Wie doch das Leben mit 51 noch schön sein kann!
Jedem Besucher des mit 7107 Inseln
umfassenden Archipels der Philippinen werden vor allem zwei Dinge auffallen: die
Jeepneys und die vielen Kinder. Impressionen aus Angeles City
Angeles City ist keine schöne Stadt. Der Verkehr und die Luftverschmutzung ist grausam. Bangkok ist dagegen beinahe "heilig". Ständig läuft man die Gefahr von Trikes angefahren zu werden. Das Zentrum der Stadt bildet der Nepo-Markt. In der Zwischenzeit gibt es auch einige moderne Einkaufszentren wie Nepo-Mall, Jenra-Mall oder Savers-Mall. Angeles-City liegt am Highway Manila - Baguio. Die Busse fahren nicht über Angeles, sondern stoppen im Busbahnhof von Dau, einige Kilometer ausserhalb der Stadt. Hier gibt es auch zahlreiche Restaurants und grosse Lebensmittelgeschäfte. Überall, fast an jeder Strassenecke werden Hühner auf grossen Grills gebraten (Lechon manok). Sehr populär sind auch die Lechon babuy, Schweine am Spiess. Zusammen mit dem Staub und dem Rauch der unzähligen Grillstände ergibt sich eine wohl typische Filipino-Geschmackskombination.
Typisch Filipino sind die Baluts, hartgekochte Enteneier welche mitsamt Kücken
verspiesen werden! Die launenhafte Art der Itik, eine eingeborene Ente, ist
für diese ungewöhnliche philippinische Delikatesse verantwortlich. Balut ist ein
sehr nahrhafter Schnellimbiss, den die meisten Filipinos schätzen. Nicht
Filipinos dagegen brauchen einige Überwindung bevor sie es wagen das Ei mitsamt
Kücken zum ersten Mal zu verspeisen.
Die Fields Avenue Etwa 5’000 Amerikaner, meist mit Filipinas verheiratet, leben in Angeles. Auch einige Deutsche und Schweizer haben das angenehme Leben hier entdeckt. Sehenswürdigkeiten gibt es keine, ausser einigen Bars an der Fields Avenue mit den klingenden Namen wie Blue Nile, Neros, Top Hat, Champagne, Dirty Duck, Bananitas, Mystis, Treasure Island, Bird of Paradise, Vodoo, La Bamba, Illusions, Trax, Jungle, Monte Carlo, Brown Sugar, Insomnia, Niftis, Rio, Mirrors oder Emotion.
Aufgepasst! In letzter Zeit hat leider die Kleinkriminalität aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage zugenommen. Es gilt daher einige einfache Grundsätze zu beachten. Eine der wichtigsten Vorsichtsmassnahme ist jeden Kontakt mit Leuten die Dich auf der Strasse mit “Hello my friend” “Where you come from?” ansprechen. Dies ist vielleicht nicht sehr freundlich aber Du wirst damit garantiert “reingelegt”. Man darf sich auch nie zum Kartenspiel oder zu einem Besuch ins Casino überreden lassen. In den Jeepneys ist stets Vorsicht zu walten, vor allem nachts, denn es sind professionelle Taschendiebe am Werk die Dir sehr geschickt den Geldbeutel erleichtern. Wer diese einfachen Verhaltensregeln einhaltet wird kaum Probleme haben. Denke daran: ein “mir passiert so etwas nichts” gibt es nicht.
Käseschnitten und Cervelat-Salat Von früheren Ferienaufenthalten her, kenne ich das Sunset Garden Hotel. Eine heimelige Anlage. Ich bin auch Gast im Sunset, diesmal allerdings für etwas länger. Das Hotel wird von einem Schweizer Management geführt. Das Swimmingpool, umrahmt von sechs Kokospalmen verleiht dem Ganzen ein exotischer Hauch. Das Restaurant mit Bar ist unter einem Strohdach untergebracht. Auch kulinarisch wird man im Sunset mit allerlei Schweizer Spezialitäten verwöhnt. Alleine die schmackhaften Käseschnitten sind ein Grund nach Angeles zu kommen. Jeden Samstag wird auch das “Sunday bread – Züpfen” gebacken. Die Bar ist mit Schweizer Kantonswäppli ausgeschmückt. Zwischendurch tönt aus der Musikbox Polo Hofers “Godfriedstutz bi i a Kiosk” oder “Frau Stirnimaa”! Touristen und Residenten, vorwiegend Schweizer und Deutsche, treffen sich regelmässig im Sunset Garden. Es ist immer etwas los. Mit den Neuankömmlingen gibt es auch regelmässig aktuelle Tageszeitungen. Die Lage des Hotels an der Fields Avenue, auf der Höhe des US-Militärfriedhofs, neben der Petron Tankstelle und der Iglesia ni Christo, ist zudem gut gelegen. Innert wenigen Minuten ist man mit dem Jeepney beim Main-Gate, dem Eingang zur ehemaligen Base, wo sich auch ein Markt, Supermarkets, Restaurants, Internets und das Vergnügungsviertel befindet.
Disziplin Ich habe
in der Zwischenzeit bereits einige
Bekanntschaften mit Auslandschweizer gemacht. Es ist interessant zu erfahren wie
es sich im Ausland leben lässt und welche Erfahrungen die Leute dabei gemacht
haben. Einige sich sehr tüchtig, den meisten scheint es jedoch, ohne Aufgabe, ohne sinnvolle Beschäftigung, langweilig zu sein. In den Tropen zu wohnen
verbirgt auch Gefahren mit sich. In den Philippinen ist es heiss, sehr heiss.
Wer bereits zu Hause gerne regelmässig Bier konsumiert, startet mit ungünstigen
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Auswanderung. Der Konsum wird hier
erheblich grösser werden und früher oder später verfallen leider viele dem
Alkohol. Ich habe auch Auslandschweizer getroffen die nichts als über ihr
Gastland meckern. Was diese in den Philippinen wohl suchen ist mir rätselhaft.
Weshalb gehen sie nicht in die Schweiz zurück? Es zwingt sie niemanden hier zu
bleiben.
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