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Mabuhay Nepal (RB4 / 23.05.2000) Länderinfos: Nepal

Namaste

Dank der “Meilenkarte” der Royal Orchid Plus wird mein Wunsch, möglichst rasch nach Kathmandu fliegen zu können, auf dem Office der Thai International in Pattaya prioritär behandelt. Statt bis zum 30. März warten zu müssen, wo ich eh nur auf der Waiting Liste stehe, erhalte ich das OK für den 28. März. Gottlob! Die beiden Tage vor dem Abflug gelten dem Besuch der Internationalen Briefmarkenausstellung im Sirikit Convention Center. Der dreistündige Flug nach Kathmandu (übrigens auf den Km genau gleich weit wie Manila - Bangkok) ist schon vom Menu her hervorragend. Die Formalitäten auf dem Tribhuwan International Airport gehen auch recht zügig voran, einzig auf das Gepäck muss man unheimlich lange warten. Unter den Passagieren ist auch eine dänische Everest-Expedition, welche natürlich am meisten Material mitführt. Beim Geldwechseln lasse ich mich für einen Freitransport in die Stadt überreden. Es stellt sich heraus, dass es sich um den Manager von Goma-Trekking handelt, der jeden Tag zum Flughagen kommt, um so Kunden zu gewinnen. Denn die Konkurrenz unter den Trekking-Agenturen ist riesig gross. Im Telefonbuch zähle ich alleine in Kathmandu 563 Reisebüros und 475 Trekking-Agenturen! Auf der Fahrt in die Stadt scheint alles wie bei meinem letzten Besuch zu sein. Noch immer das gleiche “Puff”. Zwei Dinge fallen mir aber sofort auf: heilige Kühe sind auf dem Weg zum Hotel ins Thamel-Viertel kaum mehr anzutreffen, und die Leute fahren nicht mehr auf den indischen “Göppeln” herum, sondern durchwegs auf modernen City- und Mountainbikes. So sitze ich am Nachmittag bereits im Büro von Mr. Goma um das Trekking zu besprechen. Mir ist das nur recht so, denn viel Zeit will ich nicht verlieren, sind wir doch schon Ende März. Kathmandu kann ich immer noch nach meinem Trekking besichtigen. Am nächsten Tag wird das Finanzielle geregelt und die Bewilligung für den Eintritt in den Annapurna Nationalpark eingeholt; schon bin ich bereit, von einem Guide begleitet, mich für drei Wochen in die Berge zu verabschieden.

Kathmandu

  


Einige der Sehenswürdigkeiten Katmandus: Swayambunath Tempel und Durbar Square


Mein Trekking von Beni nach Tukuche mit Goma Trekking


http://www.gomatrekking.com

Durch das tiefste Tal der Welt

Nachdem ich 1979 mit dem LAC Biel im Everest-Gebiet den 6189 m hohen Island Peak bestieg, waren meine Ziele diesmal Tukuche im oberen Kali Gandaki-Tal und der Poon Hill. Das Tal des Kali Gandaki ist das tiefste Tal der Erde. Zwischen den beiden nur 35 Km voneinander entfernten Gipfeln des Dhaulagiri und der Annapurna, beide über 8000 Meter hoch, hat sich der Fluss an der engsten Stelle, unterhalb der Ortschaft Ghasa, mehr als sechstausend Meter tief eingegraben. Durch das Kali Gandaki-Tal führt auch ein alter und wichtiger Handelsweg zwischen Tibet und Indien, über den heute noch Waren transportiert werden. Tukuche war einer der bedeutendsten Handels- und Umschlagplätze. Von Tibet kamen die Yak-Karawanen mit Salz, Wolle und Fellen, die hier auf Eselrücken umgeladen wurden, um weiter nach Indien und ins nepalesische Mittelland transportiert zu werden. Die schönen holzgeschnitzten Fenster und Balkone von Tukuche lassen auf Reichtum schliessen. Die guten alten Zeiten sind jedoch vorüber, seitdem die Chinesen die Grenze nach Tibet geschlossen hatten. Auf dem Weg durch das Tal lernt man nicht nur die unterschiedlichen Landschaften und Siedlungen Nepals kennen, man wandert auch durch grundverschiedene Klimazonen südlich und nördlich der Himalaja-Berge. In einem Tagesmarsch erlebt man zwischen Ghasa und Tukuche den Wechsel vom subtropischen Mittelland zur trockenen und wüstenhaften Landschaft des nördlichen Himalaja.

Auf den Spuren des “Yeti”

Mein Trekking nach Tukuche ist für mich als Verfasser von alpinhistorischen Berichten wie eine Pilgerfahrt. Erst kürzlich im Februar hatte ich in der Solothurner-Zeitung einen Artikel über die Erstbesteigung der Annapurna (1950) durch Herzog und Lachenal verfasst. Tukuche war damals das Hauptlager der Franzosen. Von hier aus starteten sie die verschiedenen Erkundungstouren. Tukuche ist aber auch für zwei Schweizer Gletscherpiloten ein Begriff. Anlässlich der Erstbesteigung des Dhaulagiri durch die Schweizer (1960) wurde ein Pilatus-Porter “Yeti” für den Transport der Bergsteiger und des Materials eingesetzt. Er stürzte leider auf dem Dambuschpass (5200 m) ab. Die beiden Piloten kamen heil davon, mussten aber nach Tukuche absteigen. Mein Ziel wäre es eigentlich gewesen, dem “Yeti” auf dem Dambuschpass einen Besuch abzustatten. Die Abklärungen ergaben, dass ich dazu einen Extra-Führer haben musste. Doch schon alleine von der Höhe her und zudem ohne genaue Lokalisation des Flugzeuges schien mir das Ganze dann doch zu riskant. So hänge ich meinem Programm für den Rückweg das ABC (Annapurna Base Camp) an, immer unter der Voraussetzung, dass mein Fussgelenk dies überhaupt erlaubt. Der Ausflug zum Mt. Pinatubo hatte mir ja einmal mehr die Grenzen ganz klar aufgezeigt. So plane ich vorsichtig, mit kurzen Tagesetappen von max. 3 – 4 Stunden sowie einigen Ruhetagen. Ungünstiger hätte der Start zu meinem Trekking aber nicht ausfallen können. Nach der Busfahrt nach Pokhara werde ich von einem derart heftigen Durchfall befallen, dass ich vorerst die Weiterfahrt nach Beni um einen Tag verschieben muss. Wie es mir während des Trekkings ergeht, habe ich in meinem Tagebuch niedergeschrieben

Tagebuch meines Trekkings

Donnerstag, 30. März – Tag 1 / Kathmandu (1300 m) – Pokhara (820 m) Die Strasse nach Pokhara ist in einem weit besserem Zustand als 1979, als wir für die 200 Km lange Fahrt noch zwischen 12 und 24 Stunden benötigten. Auf der von den Chinesen erbauten Strasse ist man nach sechs Stunden am Ziel. Der lebensgefährliche Streckenteil ausgangs Kathmandu-Tal hinunter nach Naubise wurde damit auch entschärft. An einigen Stellen wird noch gearbeitet. Noch immer zerklopfen Frauen mit einem kleinen Hammer die grossen Steinbrocken. Es schien mir, als ob es sich um die genau gleichen Frauen wie vor 21 Jahren handelte. Die Einfahrt in Pokhara ist enttäuschend. Alles dreckig und staubig. Auch Lake-Side, am Phewa-See, hat sich stark verändert. Die Entwicklung des Tourismus hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Hotels, Restaurants, Souvenir-Shops, kleine Supermarkets gibt es in Hülle und Fülle. Auch das Wasser des Sees, zumindest bei der Bootsanlegestelle, ist nicht mehr am saubersten. Die neueste Entwicklung, das E-mailen, hat seinen Einzug ebenfalls gehalten. Fast alle hundert Meter ist ein Internet anzutreffen. Enttäuscht bin ich aber von der Sicht auf die Berge. Beide Male, 1979 und 1988, als ich im Oktober hier weilte, war die Kulisse auf die Annapurna-Kette und das nepalesische Matterhorn, den Machapuchare, doch so phänomenal klar. Richtiges Postkarten-Wetter. Diesmal ist alles verhängt.

Freitag, 31. März – Tag 2 / Ruhetag
Eigentlich hätten wir heute mit dem Bus nach Beni, dem Ausgangspunkt unseres Trekkings, fahren sollen. Doch mein Durchfall hat mich dermassen  geschwächt, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann. Es ist total “verschissen”. Den ganzen Tag nur “Süppeli” essen und im Zimmer liegen. In solchen Momenten fragt man sich, was man eigentlich hier macht. Und dann noch alleine. Mit einem Kollegen oder einer Kollegin zu reisen wäre doch viel kurzweiliger. Und ausgerechnet jetzt verspüre ich auch noch Zahnschmerzen. Es ist zum Davonlaufen. Am liebsten wäre ich gleich wieder nach Bangkok zurückgeflogen. Auch mein Rucksack ist für das Trekking noch viel zu schwer. Nur das Nützlichste mitnehmen, meint mein Guide. Aber was ist das Nützlichste? Würde ich nicht zum ABC gehen, könnte ich mir die Hälfte der Ausrüstung gleich sparen. Und wo ist meine Brusttasche ? Da bereitet man sich ein Jahr lang auf ein Trekking vor und dann, wenn es soweit ist, vergisst man die Hälfte. Ärgerlich. Vermutlich habe ich sie in den Philippinen vergessen. Schlussendlich lasse ich zwei Taschen Kleider und Material im Hotel zurück.


So sieht Phokara bei schönem Wetter aus..

Samstag, 1. April – Tag 3 / Pokhara (820 m) – Beni (830 m)
Dank den von meinem Arzt empfohlenen Medikamenten kann der Durchfall gestoppt werden. Danke Reto! Vorsichtshalber bleibe ich aber noch auf Diät. Wiederum “Süppeli” und Reis zum Z’morge, Z’mittag und Z’nacht… So soll man stark werden? Die Fahrt mit dem Lokalbus ist bis Baglung noch passabel, danach wird es auf der Naturstrasse sehr mühsam, fast Banaue-Bontoc Verhältnisse. Die Strecke ist anscheinend auch für den Fahrer sehr anstrengend, denn unterwegs macht er drei ausgiebige Pausen. Dann werden wir auch noch von einem entgegenkommenden Bus aufgehalten. An der wirklich blödsten Stelle, einer engen Kurve, hat er eine Panne erlitten. Wir haben noch einmal Glück. Nach zwanzig Minuten ist die Reparatur behoben, und wir können weiterfahren. Welch ein Kaff, dieses Beni! Wenigstens das Hotel ist ein kleiner Aufsteller. In Beni bekomme ich aber Gewissheit darüber, dass ich mich auf dem richtigen Weg zum “Yeti” befinde. Das Hotel hiess “Yeti”.

Sonntag, 2. April – Tag 4 / Beni (830 m) – Tiplyang (1040 m)
Heute ist der erste Marschtag. Ein Sonntagsspaziergang. Wir starten bereits um 07.00 Uhr, da es sich in der Kühle besser wandern lässt. Die ersten zwei Stunden marschieren wir recht zügig dem linken Ufer des Kali Gandaki entlang. Ab 09.30 Uhr wird es mit der Sonneneinstrahlung schon recht heiss. Durch die vielen kurzen Aufstiege auf Steintreppen komme ich schon bald ins Schnaufen. Es wird zudem immer heisser. Diese Steintreppen machen mich noch fertig. Zehnmal, Zwanzigmal geht es steil hoch und dann wieder hinunter. Du läufst und läufst und gewinnst doch praktisch keine Höhe. Ich ärgere mich grauenhaft, dass ich nicht auch auf die Idee kam, mit dem Flugzeug nach Jomoson zu fliegen und von dort hinunter zu marschieren. Ich bin total im “Roten Bereich”. Diese verdammten Steintreppen. Und dann diese Esel (Tiere). Ich habe noch nie so viele Esel an einem einzigen Tag angetroffen. Alles stinkt nach Eselscheisse, und es ist furchtbar staubig. Weshalb quält man sich eigentlich so und bezahlt dafür noch Geld! Weshalb muss man immer so doofe Ideen haben? Trekking soll schön sein? Trekking muss für Masochisten sein. Ich hasse Trekking. Wäre ich nicht viel wöhler am Swimming-Pool im Sunset-Garden? Also, wenn das mit diesen Steintreppen so weitergeht, breche ich mein Trekking schon in Tatopani ab. Und dann dieser Rucksack. Ich habe keine Ahnung, wie schwer er ist, ob 12 oder 15 Kg. Er ist einfach “sau”schwer. Mein Rücken und die Schulterblätter schmerzen. Weshalb schleppe ich überhaupt so viel “Seich” hoch. Alleine meine Kameraausrüstung ist schon einige Kilo schwer, vor allem das “blöde” Teleobjektiv. Aber auch die Jeans wiegen recht schwer. Und weshalb habe ich eigentlich mein ganzes Schampoo-Fläschli, die volle Zahnpasta-Tube und all meine Medikamente eingepackt? Einige Tabletten hätten es doch auch getan. Sogar drei kleine Seifen habe ich eingepackt. Weshalb? Hätte eine nicht genügt? Und was soll ich mit meinen zwei Parisern hier? In Tiplyang machen wir Halt und beziehen ein mickeriges Zimmer in einer Lodge. Zu Essen gibt es auch nichts, ich meine ausser dem Nationalgericht Dalbaht. Die Treppe zu den Zimmern ist steiler als eine Hühnerleiter. Also, wenn Da jemand nachts auf die Toilette muss, toi, toi, toi. Das einzig Positive an diesem Tag war, dass mein Fuss nicht geschwollen war.

Montag, 3. April – Tag 5 / Tiplyang (1040 m) – Tatopani (1160 m)
So etwas Blödes! Beim Suchen nach meinem Rasiermesser im Toilettentäschli lange ich voll in die Klinge hinein. Ihr wisst ja, wie ein “Fingerbeeri” blutet! Ein Pflaster? Nein, auch dies habe ich natürlich vergessen mitzunehmen. Zum Frühstück gibt es ausser einer Tasse Tee ein paar Biskuits. Wir ziehen bereits um 06.30 Uhr los und kommen in den ersten Stunden gut vorwärts. Sobald eine Steigung mit Steintreppen kommt, “staucht” es mich aber gleich wieder zusammen. Mein Guide hat den Schlafsack übernommen. Ich bin froh um jedes Gramm, das ich weniger tragen muss. Auch einige Änderungen an meinem Rucksack wirken sich entlastend aus. Alle ¾ Std. machen wir einen Halt. Aber es ist wie verhext. Nach jeder Pause geht es um die Ecke gleich wieder steil hoch und schon wieder bin ich total ausgepumpt. Die Schlucht wird nun immer enger, und der Weg führt zum Teil spektakulär durch in den Fels gemeisselte Treppen. Beim Checkpoint in Gharkola ist auch der Eingang zum Annapurna-Nationalpark. Man muss das Permit vorweisen, abstempeln lassen und sich in einem Buch eintragen. Von hier aus trennen sich die Wege. Nach Ghorepani geht es rechts hinauf, in das Kali Gandaki-Tal links über zwei wackelige Brücken. Es sind wiederum so viele Esel-Karawanen unterwegs, dass es manchmal recht mühsam ist, denn alle zehn Minuten musst Du den Tieren Platz machen. Der Weg nach Tatopani, unserem Tagesziel, ist nicht mehr weit, eine steile Passage verlangt aber wiederum viel innerliche Überzeugungskraft, den Löffel jetzt nicht wegzuwerfen und auf die Zähne zu beissen. Der Eingang von Tatopani ist durch drei wunderschöne, rot blühende Simalbäume (Salmalia malabaricum) markiert. Das Dorf selber macht auch einen sauberen Eindruck. Die Durchgangsstrasse ist, wie eigentlich in allen Dörfern, mit Steinplatten belegt. Souvenirläden beherrschen das Bild des Dorfes. Geldwechseln kann man auch. Auch kulinarisch hat Tatopani etwas zu bieten. Die “french bakery” bietet Chocolat-Croissant, Banana-Cake, Carrott-Cake und Apple-Pie an. Wir sind in einer hübschen Lodge mit wunderschönem Garten untergebracht. Von der Terrasse hat man erstmals Aussicht auf einen Schneeberg. Es ist der Nilgiri-South (6839 m). Erstmals kann ich wieder etwas Normales essen. Überrascht bin ich von den vielen Orangenbäumen. Im Garten der Duschanlage scheint niemand die Früchte ablesen zu wollen, sie lassen sie einfach hinunterfallen. Wie schade! Aber auch die heruntergefallenen, leicht beschädigten, schmeckten unheimlich süss. Wir haben natürlich noch ein wenig nachgeholfen, damit weitere herunterfallen…Die Attraktion von Tatopani sind die heissen Quellen (Tato = heiss, Pani = Wasser). Für 10 Rupien kannst Du dort ein Bad nehmen. In Tatopani beschliesse ich mit meinem Guide, den Marsch zum ABC zu annullieren. So können wir es ein wenig gemütlicher nach Tukuche nehmen.


Tatopani

Dienstag, 4. April – Tag 6 / Tatopani (1160 m) – Ghasa (2010 m)
Ich bin angenehm überrascht, dass mir das Fussgelenk bisher überhaupt keine Probleme macht. Hoffentlich geht es so weiter. Viele Trekker legen die Strecke Tatopani – Lete in einer Tagesetappe zurück. Mein Guide schlägt mir vor heute nur bis nach Ghasa zu marschieren, da es bis dorthin recht anstrengend sein soll. Wir starten wiederum früh um 06.45 Uhr. Schon bald scheint die Sonne im breiten Tal. Wie üblich läuft es die ersten 2-3 Stunden ganz gut. Die Landschaft ist schön, Schneeberge bekommt man in diesem Talkessel aber keine zu Sicht. Gegen Mittag erreichen wir den Wasserfall unterhalb der Ortschaft Kabre. Eine riesige Hängebrücke führt uns wiederum auf das rechte Ufer des Flusses. In Khari Khola beginnt ein wahnsinniger Aufstieg. Rund 300 m Höhendifferenz! Die letzten zwei Stunden bin ich wieder total im roten Bereich. Oben am Pass angelangt, wird der Weg etwas flacher. Von weit her sieht man den Föhrenwald von Ghasa. Nach 7 1/2 Std. sind wir endlich am Ziel. Ich bin total erschöpft, das war nun doch etwas zuviel. Nach einer kalten Dusche friere ich wie ein “Schlotterhund”. Ich ziehe alles an, was ich habe. Den Helley-Hansen, die Daunenjacke und den Schlafsack. Ich kann mich kaum erholen. Der Puls ist auch Stunden nach unserer Ankunft noch weit über 120. Den Rest des Nachmittags liege ich im Zimmer. Erstmals hat es heute geregnet. Die Häuser von Ghasa fallen durch einen völlig anderen Baustil auf, grundverschieden von all den Bauten, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Sie haben keine Schieferdächer mehr, sondern sind flach und mit Erde bedeckt.


Oberhalb von Ghasa: Bild rechts der Dhaulagiri (8126m)

Mittwoch, 5. April – Tag 7 / Ghasa (2010 m) – Lete (2480 m)
Zum ersten Mal seit Pokhara kann ich am Morgen wieder auf die Toilette. Es war Zeit. So gibt wieder etwas Weniger zum Mitschleppen. Heute starten wir später, da nach der gestrigen sehr strengen Etappe eine kürzere angesagt ist. Oberhalb von Ghasa kommen die ersten Schneeberge der Dhaulagiri-Kette in Sicht. Ein spektakulärer Anblick. Ist dies ein erster Lohn für die bisherigen Anstrengungen? Mein Guide kann mir allerdings den Namen des Gipfels nicht sagen (später in Kathmandu erfahre ich dann, dass es sich um den Dhaulagiri handelte). Etwas weiter oben kommt auch der 6920 m hohe Tukche Peak zum Vorschein. Der Weg führt nun durch eine fantastische Landschaft. Die frische Luft und der Duft der Nadelwälder erinnern an alpine Gefilde. Der Blick auf die Bergkette ist so fantastisch, dass man fast vergisst weiterzulaufen. Vor Lete kommt es nochmals zu einem steilen Aufstieg, doch dann ist praktisch “Autobahn”. Der Weg ist flach und mit Steinplatten belegt. Gleich neben dem Checkpoint beziehen wir unsere Lodge. Lete ist für mich alpinhistorischer Sicht von grosser Bedeutung. Von hier aus haben die Franzosen 1950 den Weg über den “Pass vom 27. April” ins Tal des Miristi Khola zur Nordseite der Annapurna gefunden. Am Nachmittag sind wir in der Mustang English School eingeladen. Die Kinder üben Tänze für den Elterntag. Ich erlebe auch die Hühnerfütterung. Anfänglich denke ich, ob da wohl jemand hinübergeschnappt ist als ich die “Aaha Aha Aha Aaaha Aha Aha”-Rufe höre. Der Ruf gilt aber den Hühnern, welche von allen Seiten herkommen. Erstmals gibt es eine wunderschöne Abendstimmung. Die Bergkette des Nilgiri Central (6940 m) und des Nilgiri South sowie weiter südlich die Spitze des Annapurna I (8091 m) und des Baraha Shikar (7647 m) leuchten wunderschön im Lichte der untergehenden Sonne.


Bild links: Nilgiri (6940 m) - Bild rechts: Annapurna (8091 m)


Dhaulagiri und Tukuche Peak


Schule in Lete

Donnerstag, 6.4. – Tag 8 / Lete (2480 m) – Tukuche (2590 m)
Das Frühaufstehen hat sich gelohnt. Der Blick auf den Dhaulagiri und Tukche Peak ist grandios. Es ist erstmal recht kühl, nur in einem T-shirt hält man es nicht aus. Wir sind immerhin nun schon auf 2500 m. Um 07.15 Uhr starten wir. Bis Kalopani (2530 m) ist der Weg relativ flach, zwischendurch einige kurze, steile Steintreppen. Nach Kalopani wird das Flussbett des Kali Gandaki zusehends breiter. Eine halbe Stunde weiter oben biegt das Tal nach rechts ab. Vor uns liegt das ca. ein Kilometer breite und ebene Schotterbett des Kali Gandaki, der sich in viele Bäche und Rinnsale aufgeteilt hat. Die Einheimischen wählen die Abkürzung über das Bachbett nach Tukuche. Um nicht durch das eiskalte Wasser der zahlreichen kleinen Bäche marschieren zu müssen, zieht mein Guide den Normalweg der linken Talseite entlang vor. Ich bin wieder einmal am "Limit" Um mich aufzumuntern, versichert er mir, dass es bis Tukuche nicht mehr weit sei. Ich glaube ihm aber nichts mehr. Jedesmal wenn er mir dies sagt, geht es mindestens noch 2 Stunden! Der Weg zieht sich unheimlich in die Länge und führt über zahlreiche Kornischen. In Larjung (2550 m) haben wir eine ausgezeichnete Sicht auf Nilgiri North (7061 m), Nilgiri Central (6940 m). Nach jeder Kornische hoffe, ich endlich Tukuche zu erreichen. Schlussendlich schaffe ich es doch noch. Ich glaube es aber erst, als ich das Portal eingangs Dorf sehe. Endlich sind wir da. Endlich kann ich mich ausruhen, den Rucksack ablegen, die Schuhe und das verschwitzte T-shirt ausziehen, eine Dusche nehmen, etwas trinken. Aber nein, jedesmal wenn wir an einem Etappenort angommen, müssen wir noch durch das ganze Dorf laufen. Warum ist unsere Lodge nie am Anfang eines Dorfes? Nach einer ausgiebigen Pause schlendern wir durch Tukuche. Erstmals bekomme ich auch diesen ekligen Südwind zu spüren, der Staub und Sand aufwirbelt. Die Dörfer hier oben sind wie in einem Windkanal ausgesetzt. In den Gärten des Dorfes blühen gerade die Apfel- und Pfirsichbäume. Ja, Tukuche und das Nachbardorf, Marpha, sind bekannt für ihre Äpfel. Es gibt auch eine Brantweinbrennerei, in welcher Karotten-, Pfirsich-, Äpfel-, Aprikosen- und Orangenbrandy hergestellt werden. Beim Besuch der Distillerie kannst Du von allem ein wenig versuchen. Eine kleine Flasche kostet 60 Rupien (Fr. 1.50). Man kann auch getrocknete Apfelschnitze kaufen, eine willkommene Bereicherung für unterwegs. In unserer Lodge gibt es überraschenderweise einen Fernseher. Man kann aber kein nepalesisches Programm empfangen, sondern nur einen Sender aus Bombay.


Tukuche


Nilgiri North (7061 m) und Nilgiri Central (6940 m)

Freitag, 7. April – Tag 9 / Tukuche (2590 m) – Lete (2480 m)
Das Ziel war erreicht. Von nun an geht es zurück nach  Tatopani wieder hinunter. Erstmals seit unserem Start ist das Wetter morgens nicht mehr so schön. Wir starten um 07.30 Uhr. Kurze Zeit darauf sind wir in Larjung, dessen Weg in Tunnels unter den Häusern hindurchführt. 2 ½ Stunden später haben wir wiederum die grosse Hängebrücke bei der Talbiegung erreicht. Auf dem Weg nach Kalopani verspüre ich erstmals ein leichtes Stechen in der linken Kniekehle. Nach zehn Minuten vergeht es wieder. Ist es ein Warnzeichen? Der Weg hinunter ist ja noch weit. Nach vier Stunden sind wir zurück in Lete. Wir haben unheimliches Glück. Am Nachmittag findet das “Arrow-Festival”, das Pfeilbogen-Fest statt. Ich bin als einziger Tourist dabei.  Wieder einmal ist abends der Strom ausgefallen und das Dinner wird bei Kerzenlicht eingenommen.

Pfeilbogenfest in Lete


Zwischendurch wird auch getanzt

Samstag, 8. April – Tag 10 / Lete (2480 m) – Ghasa (2010 m)
Wir starten um 07.30 Uhr. Nach einer halben Stunde sind wir beim steilen Abstieg, der mir ein paar Tage zuvor so zu schaffen gemacht hatte. Unterwegs sehen wir Affen, die in den Bäumen herumturnen, um Blätter zu fressen. Bis Ghasa benötigen wir drei Stunden. Eine sehr kurze Etappe, denn morgen ist der grosse Abstieg nach Tatopani.

Auszug aus der Menüliste in Lete

Roupien Franken
Cup of black tea 8 0.20
1 l Mineralwater 40 1.20
Coca Cola 50 1.25
Beer Carlsberg 160 4.00
Chapati 12 0.30
Müesli mit Milch 54 1.35
Mixed vegetable omelett 60 1.50
Scrambeld egg 65 1.60
Fried potatoes 55 1.35
Vegetable soup 48 1.20
Plain rice 42 1.05
Spaghetti 85 2.20
Macaroni/Lasagne 90 2.25
Apple pie 60 1.50

Unterkunft:
Single bedroom 60 Roupien (Fr. 1.50)
Double bedroom 80 Roupien (Fr. 2.00)

Sonntag, 9. April – Tag 11 / Ghasa (2010 m) – Tatopani (1160 m)
Fast 1000 Meter Abstieg, das wird wieder ein schöner Sonntagsspaziergang. Nach 20 Minuten sind wir bei der Stelle angelangt, wo es auf mühsamem Weg 300 Meter Höhendifferenz das Loch hinunter bis zur Brücke geht. 2 ½ Stunden später erreichen wir die zweite Brücke bei Kabre welche auf die rechte Seite des Flusses führt. Mein Guide schlägt mir jedoch den alten Weg, links entlang der engen und wilden Schlucht des Kal Gandaki, vor. Es ist ein schmaler mühsamer Weg über Geröllhalten. Warum konnten wir nicht den normalen Weg nehmen? Eine kleine wackelnde Holzbrücke führt uns über die schmale Schlucht durch welche sind das das tosende Wasser durchdrängt. Der Hund der uns seit einiger Zeit gefolgt war, hält vor der Brücke an. Überquerung scheint ihm wohl zu gefährlich. Mein Guide erzählt, dass diese Brücke im vergangenen Jahr eingestürzt sei und zwei Trekking-Touristen dabei ums Leben kamen. Gut hat er mir dies erst nach der Passage der Brücke erzählt! Beim grossen Wasserfall beharre ich auf eine ausgiebige Pause. Es gibt dort auch frische Donuts zu essen! Über Dana (1400 m) geht es mehr oder weniger ohne Probleme nach Tatopani. Da man in den nächsten Tagen in Nepal Neujahr feiert (das Jahr 2057), sind zahlreiche Nepalesen zum heiligen Ort Muktinath unterwegs. Wir begegnen einer ganzen Völkerwanderung. Auch einige Sadhus sind, dürftig bekleidet und in zerfetzten Schuhen, dorthin unterwegs. Es ist überhaupt interessant, den Leuten links und rechts des Weges bei ihrer täglichen Arbeit zuzuschauen.


Eine der zahlreichen Hängebrücke


Beim Wasserfall

Montag, 10. April – Tag 12 / Tatopani
Beim gestrigen Abstieg hat mir nun plötzlich auch das rechte Knie ein wenig weh getan. Der geplante Ruhetag kommt gerade gelegen, denn die morgige Etappe mit 800 m Höhendifferenz ist wiederum recht happig. Ich benütze die Gelegenheit, um in den heissen Quellen baden zu gehen, zusammen mit Nepali-Frauen. Ich bin überrascht, wie diese zum Teil oben ohne herumlaufen. Auch einige Orangen sind in unserem Hotel wieder hinuntergefallen worden…


Die heissen Quellen

Dienstag, 11. April – Tag 13 / Tatopani (1160 m) – Shika (1935 m)
Das Startzeichen wird um 07.00 Uhr gegeben. Nach einer ½ Stunde sind wir schon bei den beiden Brücken beim Checkpoint. Statt nach rechts, nach Beni, biegen wir diesmal nach links, den Weg nach Ghorepani. Ab dem ersten Meter führen die Steintreppen steil hoch zur Passhöhe. Wir kommen in die ersten blühenden Rhododendron-Bäumen. Ein wunderschöner Anblick. Je höher wir kommen, desto mehr ragt nun auch die Südwand des 8167m hohen Dhaulagiri über der Bergkuppe empor. Ein majestätischer Anblick diese Südwand, die - glaube ich - bisher noch nicht bezwungen wurde. Nach der Passhöhe wird der Weg etwas flacher und führt durch eine terrassenförmige Landschaft. Die letzten zwei Stunden nach Shika sind aber wiederum unheimlich mühsam. Im Vergleich zu den letzten Tagen kann ich mich aber nun schneller erholen. Den ganzen Nachmittag sitzen wir auf der Rastmauer und schauen dem Dorftreiben zu. Mein Guide sorgt sich sehr um mich. In jeder Lodge kontrolliert er in der Küche, ob das Pouletfleisch oder das Gemüse frisch ist. Durch seine Kontaktfreudigkeit mit den Einheimischen werde auch ich in die Küche eingeladen. Statt mit den anderen Trekkern im Dining room zu sitzen, haben wir es mit der Köchin und den Küchenmädchen sehr lustig.


Bergrosen


Shika, Bild rechts mit Dhaulagiri

Mittwoch, 12. April – Tag 14 / Shika (1935 m) – Ghorepani (2750 m)
Ich bin schon früh auf, denn die Sicht auf den Dhaulagiri, Tukche Peak und Damphus Peak bei Sonnenaufgang will ich nicht verpassen. Heute ist für mich die Königsetappe. Ich bin schon um 07.00 Uhr zum Abmarsch bereit, doch mein Guide scheint es nicht besonders eilig zu haben und “schnäderet” mit den Mädchen in der Küche. Ich muss ihn fast zum Start drängen. Nach einer Stunde Marsch durch coupiertes Gelände beginnen wieder die Steintreppen. Es wird immer mühsamer, und ich komme wiederum recht ins Schnaufen. Ich laufe jedoch mein Tempo und schalte zwischendurch kleine Pausen ein. Ab Chitre (2390 m) erreichen wir dichten Rhododendronwald. Die Bäume sind rot von Blüten. Auch blühende Korallenbäume sind anzutreffen. Auf der Ostseite ragt nun ebenfalls die Spitze der Annapurna-Kette heraus. Gegen Mittag haben wir es geschafft und erreichen Ghorepani. Leider bedeckt sich der Himmel am Nachmittag, und es regnet sogar. Aus mit der schönen Sicht. Es ist auch verdammt kalt. Das Einzige, was man in einem solchen Moment machen kann, ist im Schlafsack an der Wärme zu liegen, denn ausser ein paar Hotels, Lodges und Souvernirläden gibt es hier oben nichts.


Bild links: Ghorepani - Bild rechts: die Annapurna

Donnerstag, 13. April – Tag 15 / Poon Hill (3190 m) – Hile 1475 m)
Ziel aller Trekker in Ghorepani ist ohne Ausnahme der Aufstieg zum Grashügel Poon Hill. Der Wecker meiner Armbanduhr ist auf 04.30 Uhr gestellt, doch schon um vier Uhr höre ich die Franzosen nebenan rufen “le ciel est clair, on y va” – der Himmel ist klar, wir gehen. Ohne Frühstück starten wir in der Finsternis. Dank dem Mondschein kann man den Weg einigermassen erkennen, einige Male stolpere ich jedoch über Baumwurzeln und Steine. Ich fluche wie ein Rohrspatz. Wir lassen einige Leute mit Stirnlampe vor und laufen in deren Licht. Mit zunehmender Helligkeit wird es auch einfacher zu laufen. Nach rund einer Stunde sind wir oben auf dem “Gipfel”. Nach und nach kommen immer mehr Leute. Bald sind es gegen hundert. Alle warten, mit Kameras bestückt, auf den Sonnenaufgang. Ich natürlich auch. Die Südwand des Dhaulagiri von hier oben ist noch imposanter, durch den Dunst ist die Sicht leider nicht so klar, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Annapurna-Kette im Osten liegt noch total im Schatten. Für Fotos müsste man den Nachmittag abwarten, doch gegen Mittag bedeckt sich der Himmel meistens. Um 07.00 Uhr steigen wir wieder ab. Während des Abstieges zischen einige Flugzeuge von Jomoson herkommend knapp über unsere Köpfe hinweg. Das Frühstück ist nicht minder phantastisch als die Sicht auf den Dhaulagiri. Es ist das beste Frühstück seit zwei Wochen. Nescafe, Toast, Butter, Marmelade und ein Teller voll Yak-Käse! Ist es vielleicht, weil heute in Nepal Neujahr gefeiert wird? Mit der Streichung der Tour zum ABC hätten wir ohne weiteres noch einen Tag in Ghorepani weilen können. Noch einmal den Nachmittag im Schlafsack verbringen wollte ich aber nicht. So beschliesse ich, noch am Vormittag den Abstieg unter die Füsse zu nehmen. Ein letzter Blick auf die inzwischen von der Sonne erleuchtete Annapurna-Kette, dann geht es los. Der erste Teil des Abstieges bis Ulleri (1960 m) ist sehr angenehm und führt durch dichten Wald, fast Urwald. Die Bäume sind mit Moos bewachsen. Es soll hier auch Tiger geben, meint mein Guide. Nun, ich glaube ja auch nicht alles (zurück in Kathmandu lese ich in der Zeitung, dass im Gebiet ein Leopard Leute angefallen hat). Ab Ulleri ist aber die Hölle los. Bis hinunter nach Hile eine einzige Steintreppe! 485 Meter Höhendifferenz an einem Stück! Also, wer den Aufstieg nach Ghorepani von dieser Seite her plant, kommt einem Selbstmordversuch gleich! Gemäss meinem Höhenmesser steigen wir bis zu elf Meter pro Minute ab. Das geht ganz schön in die Knie. Erstmals verspüre ich nach diesem 5-stündigen Abstieg mein rechtes Fussgelenk. Wie in Ghorepani regnet es auch hier am Nachmittag.


Auf dem Poon Hill: oben der Macchapuchare, unten der Dhaulagiri


Der Dhaulagiri

Freitag, 14. April – Tag 16 / Hile (1475 m) – Birethanti (1021 m)
Letzte Etappe! Gemäss meinem Guide soll der restliche Weg nach Birethanti nur noch etwa 2zwei Stunden dauern. Ob das wohl zutrifft? Um den Bus nach Pokhara am Busstop in Birethanti nicht zu verpassen, starten wir wiederum um sieben Uhr morgens. Hatte ich gehofft, dass diese Steintreppen endlich vorüber sind, aber nein, es geht im gleichen Stil weiter. Immer wieder Treppen, Treppen und noch mehr Treppen. Durch die Müdigkeit der gestrigen Etappe passieren mir auf dem steinigen und unebenen Weg einige Misstritte. Jetzt, ja aufpassen, nicht dass auf den allerletzten Metern noch etwas passiert. Nach zwei Stunden sind wir eingangs Birethanti. Geschafft. Es kommt kurze Freude auf, aber das Dorf zieht sich in die Länge und bis zum Checkpoint bei der Brücke unten geht es nochmals fünfzehn Minuten. Endlich haben wir’s geschafft. Aber wo ist der Bus? Der Weg führt nochmals zehn Minuten weiter und als Abschiedsgeschenk gilt es noch eine etwa dreissig Meter hohe Rampe zur Strasse hochzusteigen. Der Bus ist schon da. Ich habe kaum Zeit, ein trockenes T-shirt anzuziehen, da hupt er schon ungeduldig für die Abfahrt. Noch ausser Atem kriege ich einen Sitz über dem Hintereingang. Mein Guide nimmt auf dem Dach Platz. Welch ein schönes Gefühl, keinen Meter mehr laufen zu müssen, keine einzige Treppe mehr hochzusteigen. Der Lokalbus von Beni kommend ist überfüllt. Unterwegs steigen jedoch immer mehr Leute ein. Eine hübsche Nepalesin hat noch Platz auf dem Trittbrett gefunden. Bei jedem Ein- und Aussteigen gibt es ein riesiges Gedränge. Dabei werden ihre runden weichen Körperteile der Frau an meine Knie presst, sodass ich meine Müdigkeit vergesse und fast auf andere Gedanken komme. Nach drei Stunden Fahrt sind wir in Pokhara zurück. Der Trekk ist zu Ende. Während diesen sechszehn Tagen sollen wir laut Guide rund 170 Kilometer zurückgelegt haben. Dass ich dies überhaupt geschafft habe, gleicht einem kleinen Wunder. Mein Fuss hat "gehalten". Sicher ist dies auch meinem Bambusstock zu verdanken, welcher mich bei Auf- und Abstiegen sehr entlastet hat. Keine einzige “Blatere”. Es war ein harter, aber sehr lohnenswerter Trekk. Leider hat es für das ABC nicht ganz gereicht, aber vielleicht lässt sich ja dafür bis nächsten Oktober jemand finden. Ich bin auf alle Fälle im Oktober wieder in Nepal. Meinem Ziel, alle 14 “Achttausender” zu sehen, bin ich ein Stück näher gekommen. Doch eines kann ich nach wie vor nicht begreifen: wie haben das unsere Schweizer Bergsteiger 1960 gemacht, um in vier Tagen von Phokara nach Tukuche zu gelangen…


Viehtransport in Nepal

Alles TATA

Eigentlich wäre ich zur Erholung gerne noch einige Tage in Pokhara geblieben. Das Wetter hat aber umgeschlagen und ist nicht mehr so schön. Gegen Mittag bedeckt sich der Himmel und am Nachmittag regnet es sogar. Ausserdem sind die Preise im Internet dreimal so teuer wie in Kathmandu, wobei die Verbindung hier erst unheimlich langsam ist. Für meine umfangreichen Schreibarbeiten scheint mir eine sofortige Rückkehr nach Kathmandu wesentlich vorteilhafter. Ich habe diesmal das Glück, ganz vorne neben dem Fahrer sitzen zu können und so die Überholmanöver “live” mitzuerleben. Die Fahrt von Naubise bis auf die Hohe des Kathmandutales ist erneut einem Krimi ähnlich. Ein richtiger Slalom durch die schwer beladenen Lastwagen, welche die Strasse hinauf kriechen. Praktisch alle Lastwagen auf den Strassen Nepals sind indischer Herkunft, Marke TATA. Viele bleiben auf der kurvenreichen Strecke mit überhitztem Motor auf der Strecke stecken. Auch viele Tiertransporte (Buffalos) sind unterwegs, vermutlich ins Schlachthaus. Ach, wie die armen Kühe bei uns in der Schweiz doch transportiert werden… Der Tierschutzverband sollte einmal nach Nepal kommen und die Viehtransport hier zu sehen! Die Landschaft hinauf zur Passhöhe durch unzählige Reisterrassen ist wunderschön. Das Land ist furchtbar trocken. Die Erde ist rotbraun, einzig die Bäume erstrahlen in ihren saftgrünen Blättern. Mit dem Linksverkehr sitze ich diesmal auf der Seite des Abgrundes. Ab und zu ist es besser wegzuschauen. Auf der Höhe des Passes löst sich meine Anspannung, und ein Schaudern geht durch meinen Körper. Endlich sind wir auf dem “Flachen”. Wir sind zurück in Kathmandu.

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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com