| Mabuhay - Reiseberichte |
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Eines der ärmsten Länder der Welt Gemäss einer kürzlichen Meldung in der englischen Tageszeitung “Kathmandu Post” leben 42 % der 22 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Damit gehört Nepal zu einem der ärmsten Länder der Welt und ist auf ausländische Hilfe angewiesen. Die Bettler in den Strassen von Kathmandu haben damit nichts zu tun. Diese sind ausschliesslich indischer Nationalität. Um Erbarmen bei den Touristen zu erwecken, werden die kleinen Kinder in dreckige Lumpen gekleidet. Morgens werden die “Krüppel” in das Touristenviertel gekarrt. Und es ist sagenhaft, wieviel Geld diese von den Touristen erhalten! Ich habe dem Treiben eine Weile lang zugeschaut. Ein Nepali meinte, dass diese Bettler mehr Geld verdienen als ein Arbeiter, der den ganzen Tag schuftet. Nun, wer arbeitet, ob in Nepal oder in der Schweiz, ist sowieso immer der Dumme. Die meisten haben es nur einfach noch nicht gemerkt. Dass viele um ihre tägliche Existenz kämpfen, erfährt man jedoch in den Gesprächen. Zu Beginn meines Aufenthaltes habe ich mich öfters mit verschiedenen Leuten in Hotels, Restaurants, Läden etc. in freundschaftliche Gespräche eingelassen, doch alle endeten immer mit der Bitte um Geld. Als Konsequenz meide ich seither näheren Kontakt mit Nepalesen. Auch während meines Trekkings liess mir mein Guide mehrmals in unseren angeregten Diskussionen verlauten, wie er dringend finanzielle Unterstützung braucht und auch erwartet. Obwohl ich für die Situation der Leute volles Verständnis habe, wird es mit der Zeit lästig, immer für Geld angefragt zu werden. Lästig sind auch die zahlreichen Händler, welche Dir immer zu “cheap price” Musikinstrumente, Tigerbalsam, Gurkha-Messer, Mini-Schachspiele und vieles mehr verkaufen wollen. Du kannst kaum etwas in Ruhe anschauen, ohne ständig von diesen angesprochen zu werden. Dies führt mit der Zeit dazu, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt und richtiggehend ignoriert. Als ich mich diesbezüglich mit einem jungen Guide am Durbar Square unterhalte und meinem Ärger darüber Ausdruck gebe, macht er mir den Vorwurf, dass die Touristen die Händler verstehen müssten. Es sind aber immer die Touristen, welche die anderen verstehen müssen, nie die anderen die Touristen.
Der erste Eindruck von Kathmandu bei meiner Ankunft hat sich bestätigt. Die nepalesische Metropole hat stark an Verkehr zugenommen, nicht selten kommt es zu Staus. Heilige Kühe sind kaum mehr in den Strassen anzutreffen. Scheinbar ist sogar diesen der Lärm und Gestank zu gross geworden. Die Abgase und der Staub sind je nach Wetterlage manchmal so stark, dass viele Leute Schutzmasken tragen. Die Behörden sind sich dieser dramatischen Verschlechterung der Luft scheinbar bewusst und setzen für den Personentransport vermehrt kleine Elektromobils ein. Überraschend ist die Vielfalt von Früchten die auf der Strasse angeboten werden: Trauben, Wassermelonen, Mangos, Granatäpfel, Papaya, ja sogar Himbeeren und Erdbeeren. Auch was sonst von den ambulanten Strassenverkäufern so alles angeboten wird, von Mottenkugeln, Büroklammern, Ohrenstäbchen, Scotch-Tape, Batterien über Wäscheleinen ist sagenhaft. Kathmandu ist eine pulsierende Stadt, von hindischem Hauch geprägt. Und was mir in Kathmandu auch unheimlich gefällt sind die nepalischen Frauen! Aber eben...
Ich liebe es durch die schmalen Gassen mit ihren zahlreichen Krämerläden zu flanieren. Die Mischung von Gestank und dem Geruch von Raucherstäbchen ist etwas einzigartiges. Was man da alles sieht, und das ganze Treiben überhaupt. Und dann dieses Gedränge und Geläute der Velo- und Rikschafahrer, das gehupe der Motorrad- und Tempofahrer (Tempo = thailändische Tuk-Tuk) und der Taxis, welche mit einer Gelassenheit ohnegleichen sich durch die Gassen drängeln. Und die unzähligen Träger, was die nicht alles mit ihrem Stirnband herumschleppen! Bei meinem ersten Ausflug durch dieses Wirrwarr von Gassen Richtung General Post Office, verlaufe ich mich grausam. In der Zwischenzeit finde ich den Weg fast mit verbundenen Augen. Eine Gefahr lauert allerdings immer auf Dich. Die Nepalesen haben nämlich die schlechte Manier, aus allen Ecken zu spucken. Ich wurde zwar noch nie getroffen, hatte aber einige Male Glück. Das Viertel von Thamel ist nach wie vor das Paradies der Touristen. Hier findest Du alles, was Du brauchst, Trekkingausrüstung, Reisebüros, Trekkingagenturen, Buch- und Kartenläden, Fotogeschäfte, Supermarkets, Bäckereien, Pizzerias, Steak Houses und natürlich unzählige Hotels und Restaurants. Begegnungen Wie ich in der kurzen Beschreibung Nepals bereits berichtet habe, gibt es in und um Kathmandu zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Durch meine intensive journalistische Tätigkeit bin ich bisher aber kaum dazugekommen, etwas anzuschauen. Zum Glück kenne ich Patan, Bhaktapur, Pashupatinath, Budhanilkanta, Bodnath oder Swayambunath von meinen früheren Aufenthalten. Als Autor der Schweizer 8000er-Gipfelliste liegt mein Interesse eher in der Begegnung mit verschiedenen Leuten wie z.B. mit der amerikanischen Journalistin, Miss Elizabeth Hawley, welche seit bald 40 Jahren in Nepal lebt und eine lückenlose Statistik sämtlicher Expeditionen führt, oder dem bekannten Sherpa Ang Rita, der 19 Mal auf einem “Achttausender” stand, darunter zehnmal auf dem Everest. Da zur Zeit punkto Expeditionen gerade Hochsaison ist, hat sich die Möglichkeit, Frau Hawley zu treffen, leider nicht ergeben, zumindest konnte ich mit ihr zweimal ein interessantes Gespräch führen. Auch Ang Rita Sherpa kann ich nicht treffen, dieser befindet sich in seinem Heimatdorf im Khumbu. Die beiden Begegnungen sind jedoch, so hoffe ich zumindest, bis zu meinem nächsten Besuch in Kathmandu nur aufgeschoben. Zum 50. Jubiläum der Erstbesteigung des ersten “Achttausenders”, der Annapurna am 3. Juni 1950, habe ich im Juni 1999 der nepalesischen Postverwaltung die Herausgabe einer Jubiläumsbriefmarke vorgeschlagen. Bei meinem Besuch im Philatelic Bureau werde ich herzlich empfangen und zur grossen Überraschung stellt man mir gleich den Entwurf “meiner” vorgeschlagenen Briefmarke vor. Von meinem Vordruckalbum “Nepal durch seine Briefmarken” derart begeistert, unterbreite mein Briefmarkenfreund und frühere Präsident der Nepal Philatelic Association, Mr. Kumar Sthapit, meine Arbeit dem Generaldirektor der nepalesischen Postverwaltung, Herrn Mukunda Sharma Pondyam, der mich am 20. April zu einem Empfang in sein Office einlädt.
Indien oder Tibet Da ich beabsichtige, die Schweizer Everest Expedition bei ihrer Rückkehr Ende Mai in Kathmandu zu treffen, muss ich mich entscheiden, in der Zwischenzeit entweder nach Indien oder nach Tibet zu reisen. Ein schwieriger Entscheid, denn beide Destinationen, die Ganges-Quelle sowie der Besuch des geheimnisvollen Tibet, stehen auf meiner Wunschliste. Schlussendlich entscheide ich mich für Tibet, vor allem um dem EBC, dem Everest Base Camp, einen Besuch abzustatten. Eine Reise nach Tibet ist aber nicht so einfach, denn als Einzelreisender kann man gar nicht einreisen. Es braucht mindestens eine Gruppe von vier Personen. Nur, woher konnte ich drei Personen hernehmen, welche ebenfalls zum EBC wollten ? Meine Trekking-Agentur ist bemüht Interessenten zu finden. Und siehe da, nach einigen Tagen sind wir fünf Personen: ein italienisches Pärchen, ein Kanadier und ein Hong-Kong-Brite. Von nun an geht es schnell, sehr schnell. Unsere Agentur, die Royal Mt. Trekking, scheint gute Beziehungen zur chinesischen Botschaft zu haben. Angesichts der Tatsache, dass die Botschaft nur an drei Tagen der Woche geöffnet ist und erst nur 2 Stunden, erhalten wir unsere Einzelvisa (Kostenpunkt 76 US $) innert 24 Stunden! Mit diesem Visum alleine kommt mab aber nicht nach Tibet hinein, man braucht ein Group Permit mit der exakten Reiseroute, welches von Lhasa genehmigt werden muss. Am nächsten Tag ist auch das Finanzielle geregelt: US $ 365 für 12 Tage, nach Lhasa hin und zurück mit einem Land Cruiser, ohne Unterkunft und Verpflegung. Es ist wie verhext, zwei Tage vor der Abreise werde ich wiederum von heftigem Durchfall überrascht, der mich “lahmlegt”. Noch am Tage der Abreise sitze ich um 2 Uhr morgens auf der Toilette! Die ganze Vorbereitung geht in die “Hosen”, denn ausser einigen Schokoladeriegeln, Biskuits und einigen Büchsen Schweinefleisch habe ich für die Reise nichts eingekauft. Als ehemaliger Chinareisender häte ich doch wissen müssen, dass es in China überall heisses Wasser gibt und daher Suppen, Nudelgerichte, Müsli, Kaffee, Kondensmilch eine ideale Komplementärverpflegung auf einer solchen Reise sind. Ich leiden zudem seit einigen Tagen an einer kleinen Erkältung sowie einem Reizhusten, der mich belästigt. Ich bin mir bewusst, dass eine Erkältung oder ein Husten in der Höhe schlimme Folgen haben kann. Das Einreiben von Vicks erweist sich als ungenügend. Auch eine Taschenlampe, welche schon während meines Trekkings so nützlich gewesen wäre, habe ich mir nicht besorgt. Die Reise durch Tibet nach Lhasa wird eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse. Leider fühle ich mich auf der Hinfahrt so schlecht, dass es fast zu einer “Höllenfahrt” wird. Der Reizhusten wird von Tag zu Tag schlimmer und steigert sich in Brechreizhustenanfälle. Auch die Höhe macht mir unheimlich zu schaffen. Migräneartige Kopfschmerzen legen mich zeitweise “flach”. Der Schmerz, ausgelöst durch die Verkrampfung der Hirnblutgefässe, ist riesig. Du meinst, dass es am anderen Tag besser wird, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Schmerzen am nächsten Morgen sind noch stärker. Dies hängt damit zusammen, dass während des Schlafes die Atmung flacher ist und somit von Gehirn noch weniger Sauerstoff aufgenommen wird. Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit sind erste Anzeichen von Höhenbeschwerden, gelten aber noch nicht als Höhenkrankheit. Um diesen Beschwerden zuvor zu kommen, gilt es viel zu trinken, bis zu 5 Liter am Tag. Klingen die Symptome aber nach 1-2 Tagen auf gleicher Höhe nicht ab, gilt es unverzüglich abzusteigen, mindestens 500 Höhenmeter. Aber wo geht es auf diesem Hochplateau auf über 4000 Meter hinunter? Der einzige Ausweg wäre zurück zur nepalesischen Grenze. Die Einnahme von Dafalgan hat sich positiv auf die Kopfschmerzen ausgewirkt, dennoch fühle ich mich zeitweise, als ob ich gerade aus einer Narkose erwachen würde. Ich kann daher die Fahrt nicht richtig geniessen. Dabei hatten wir doch bei der Planung der Reise speziell darauf beharrt, nach Überquerung der Grenze eine Nacht in Nyalam auf 3700 m zu verbringen, um uns besser anklimatisieren zu können. Es kam alles anders… Auch meine Kamera schien die Höhe nicht zu ertragen. Mitten auf dem Weg nach Lhasa stieg die Elektronik aus. Leider war die 830 Km lange Fahrt nach Lhasa auch mit einigen Streitigkeiten und Gehässigkeiten mit dem Driver verbunden. Als er ständig meckerte, weil wir für Fotos anhalten wollten, wurde er einmal so richtig “zusammengeschissen” und ihm wurde klar gemacht, dass er als Driver zu tun hätte, was wir wollten. Dies hat ihm natürlich nicht gepasst, so herrschte auf dem restlichen Weg ein wenig Missstimmung.
Welcome to China Eigentlich sollte der Titel “Tashi Delek” - Willkommen in Tibet - heissen. Die Fahrt zur chinesischen Grenze über Dhulikel durch wunderschöne Terrassenlandschaften wird 30 Km vor der Grenze etwas mühsamer. Je näher wir der Grenze kommen, umso schmaler wurde die Schlucht des Bhole Kosi, und die Strasse wurde immer “krimineller”. Für mich erstaunlich, in welch schlechtem Zustand sich die einzige Strassenverbindung nach China befindet. Nach 5 Stunden erreichen wir Kodari (1750 m), den nepalesischen Grenzort. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Nun geht es einige hundert Meter mit Sack und Pack zu Fuss zum chinesischen Grenzposten, welcher sich auf der anderen Seite der “Friendship Bridge” befindet. Als ich als letzter unserer Gruppe dort ankomme, sehe ich schon einige am Gestikulieren. Grund: Der Grenzbeamte will meine Reisekollegen mit den Einzelvisas nicht über die Grenze lassen. Zum Glück taucht zur gleichen Zeit unser Führer und der Driver unseres Land-Cruisers auf, welche von Lhasa kommen, um uns abzuholen. Mit der Vorweisung des Group-Permits durfen wir schlussendlich einreisen. Im Gerangel der Money-Changer kann ich mit Müh und Not mein Gepäck ins Auto laden. Nun geht es zur Immigration nach Zhang Mu, der Grenzstadt Chinas, welche etwa 500 Höhenmeter weiter oben an einem Berghang liegt.
Erstaunlicherweise gehen auch hier die Formalitäten rasch von sich, der jungen Beamtin im Immigration Office konnte ich sogar ein Lächeln entlocken, als ich ihr beim Betrachten meines Passfotos erkläre, dass ich halt jeden Tag 2-3 Haare verliere. Nun sind wir also in China resp. in der Autonomen Provinz Tibet. Die Zeit gegenüber Nepal muss 2 ¼ Stunden nachgestellt werden, denn die Chinesen kennen offiziell für ganz China nur die zentralchinesische Zeit von Peking. Beim Grenzposten herrscht reger Betrieb, da gerade der Raid Gauloise Trans Himalaja mit 120 Journalisten und 500 Teilnehmern! aus 15 Ländern im Anzug ist. Zhang Mu mit 20’000 Einwohnern ist eine schreckliche Stadt. Nicht aber für die vielen Beamten oder Handelsleute, denn wie in jeder Grenzstadt gibt es hier Alkohol und Weiber. Die Money Changer mit Plastiksäcken voller Banknoten bestürmen uns auch hier von allen Seiten. Für einen US $ gibt es 8 1/2 Yuen, oder für 1 Yuen muss man 8 1/2 nepalesische Rupien bezahlen. Nun, gemäss unserem Reiseplan hätten wir sogleich nach Nyalam weiterfahren müssen, um dort zu übernachten. Doch da beginnen plötzlich die Probleme. Zuerst heisst es, die Strasse oberhalb von Zhang Mu sei infolge Strassenarbeiten gesperrt. Als wir insistierten, es dennoch zu versuchen, ist plötzlich das Bureau für das Road Permit geschlossen! Was blieb uns anderes übrig, als in Zang Mu zu übernachten. Wir bekommen gleich einen ersten Eindruck von den hygienischen Verhältnissen in chinesischen Hotels. Einfach schrecklich. Überhaupt, die ganze Nacht ist schrecklich. Die Diskothek über unserem Zimmer ist so laut, dass die Bässe die Fensterscheiben zum Klirren bringen. Es geht so bis fünf Uhr morgens ! Wir haben kein Auge zugemacht. Unser Guide, der Fahrer und ihre Freunde sassen die ganze Nacht in der Diskothek und feierten. Als Peter, unser Engländer, gegen Mitternacht Nachschau hält, hatten sie bereits 34 Flaschen Bier getrunken! Als sich am nächsten Morgen unser Guide gegen halb zehn Uhr nicht zeigt und niemand den Anschein macht, endlich loszufahren, kommt es zum ersten handfesten Krach. Simone, unser Italiener, macht dem Guide "Beine", um endlich das Road Permit zu beantragen. Als dieser und der Fahrer dann noch frühstücken wollen, rastet Peter, unser Engländer, aus. Er gibt ihnen 15 Minuten bis zur Abfahrt. Endlich geht es los. Der Driver stinkt nach Alkohol. Die Strasse oberhalb von Zhang Mu ist tatsächlich im Bau, aber ob dies wirklich der wahre Grund war, weshalb wir gestern nicht weiterfahren konnten, bezweifeln wir sehr. Vielleicht tun wir ihnen ja Unrecht, aber wir können uns dem Eindruck nicht erwehren, dass die beiden einfach in Zhang Mu mit ihren Freunden festen wollten. Die Frau des Fahrers wohn zudem noch dort. Die Strasse führt in spektakulärer Art und Weise auf das tibetanische Hochplateau hinauf. Der Fahrer fährt wie die Hölle. Um so fahren zu können, muss man ja alkoholisiert sein, scherzen die einen. Was eine solche Strasse überhaupt mit dem Namen “Highway” zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Auf meinem Armbandhöhenmesser verfolgen wir die Höhe. Wir sind schon über 3000 Meter. Die ersten Schneeberge kommen zum Vorschein. Unterwegs begegnen wir den zahlreichen Bikern des Raid Gauloise. Nach 1 1/2 Stunden sind wir in Nyalam (3750 M) angelangt. Die Luft ist hier schon merklich dünner. Wer schon auf dem Jungfraujoch (3454 m) war, kennt dies ja. Nyalam ist ein aufstrebender Ort, etliche neue Hotels werden gebaut. Das Städtchen ist vor allem für die Akklimatisation ideal gelegen. Dies war ja auch der Grund, weshalb wir unbedingt hier übernachten wollten. Bald erreichen wir die 4000 m. Und die Strasse steigt immer weiter… 4500 Meter, 5000 Meter! 5040 Meter! Wir haben den Lalung La (La = Pass) erreicht. Höhere Pässe sind in Tibet stets mit Steinhaufen und flatternden Gebetsfahnen markiert. Die Tibeter glauben, dass der Wind die Gebete zum Himmel hinaufträgt. Sie werden aber auch angebracht als Bitte oder Dank für eine sichere Reise. Leider ist die Aussicht auf die Berge nicht so, wie wir es uns gewünscht habe, dennoch sind wir von den beiden 8000ern Shisha Panga und Cho Oyu entzückt. Auf dem Pass treffen wir auch auf den “Besenwagen” des Raid Gauloise. Einigen Teilnehmern ist der Aufstieg zum Pass zu anstrengend gewesen, und haben aufgegeben..
Everest Base Camp Statt in Nyalam (3750 m) übernachten wir in Tingri (4340 m). Ein kleiner Unterschied, nicht wahr? Nach der Einnahme eines Dafalgans endet mein Schüttelfrost, und auch die Kopfschmerzen lassen nach. So sitzen wir in der warmen Tee-Stube unseres Guest Houses. Es wird zu einem der lustigsten Abende unseres ganzen Tibet Trips, als die Tochter plötzlich westliche Schlager auf dem Kassettenrecorder abspielt und Simone zum Tanz auffordert (siehe Foto Tingri). Am nächsten Morgen gibt es ein jähes Erwachen. Mein Schädel hämmert wie verrückt. Dafalgan heisst wiederum die Lösung. Unserem Guide ist es wegen meinem Zustand auch nicht mehr so wohl. Ein Arzt aus Shigatse, der zufälligerweise in Tingri ist, nimmt sich meiner schnell an und gibt Entwarnung. Es ist ein herrlicher Tag. Die Sicht auf den Cho Oyu ist schlichtweg majestätisch (siehe Foto Cho Oyu). Auch der Everest ist klar zu sehen. In Tingri müssen wir die Permits für den Eingang in den Chomolungma-Nationalpark (Chomolungma ist der tibetische Name für den Mt. Everest) besorgen. Kostenpunkt: 60 Yuen = 7 US $. Nach 45 Km Richtung Lhatse biegt die Strasse zum EBC (Everest Base Camp) nach rechts Richtung Süden ab. Die Strasse, wenn man diese überhaupt so bezeichnen kann, schlängelt sich durch die kahlen Berge wieder bis über 5000 m. Auf 5200 Meter erreichen wir den Pang La Pass.
Uns allen bleibt die Spucke weg. Nicht wegen der dünnen Luft. Nein, das Panorama, welches sich von hier oben bietet mit von links nach rechts dem Makalu (8463 m), dem Lhotse (8516 m), dem Everest (8850 m) sowie dem Cho Oyu (8201 m), ist schlichtweg atemberaubend, gigantisch, spektakulär, grandios und fantastisch. Wieder im Tal unten angelangt, müssen wir an einem Schlagbaum die Permits vorweisen. Nach weiteren zwei Stunden sind wir beim bekannten Kloster Rongbuk (4950 m) angelangt. Da steht er nun, der Berg der Berge, direkt vor unseren Augen. Leider hat das schöne Wetter des Vormittags in der Zwischenzeit umgeschlagen. Der Gipfel ist in Wolken gehüllt. Schade. Wir fahren noch acht Kilometer weiter hinauf zum EBC (Everest Base Camp) auf 5200 m in der Hoffnung, eventuell Mitglieder der Schweizer Everest Expedition anzutreffen. Das Wetter ist jedoch so unfreundlich und auch so kalt, dass wir es nicht lange aushalten. Aus unserem grossen Wunsch, eine Nacht im EBC verbringen zu können, wird nichts. Aus Rücksicht auf meine Gesundheit sind meine Reisekollegen der Ansicht, es wäre besser und gescheiter“, unten” auf 4000 m zu übernachten.
Über Lhatse (4050 m) erreichen wir am nächsten Tag Shigatse (3860 m), die zweitgrösste Stadt Tibets. Das Kloster von Tashilumpo, Sitz des Panche Lama ist die grosse Sehenswürdigkeit der Stadt. Das Kloster wurde 1447 gegründet. Die riesige Anlage aus roten Gebäuden mit goldenen Dächern liegt zu Füssen des Berges Dromari. Heute beherbergt das Kloster noch drei Schulen und 800 Mönche. Damit ist Tashilumpo eines der aktivsten Klöster von ganz Tibet.
95 Kilometer von Shigatse entfernt liegt die Stadt Gyantse. Gyantse war einst das Zentrum des tibetischen Wollhandels und Sitz einer britischen Handelsagentur. Eine britische Expedition siegte 1904 in einer grösseren Schlacht bei Gyantse und zwang Tibet ein Handelsabkommen auf. Leider fühle ich mich in Gyantse wieder hundsmiserabel, dass ich den ganzen Nachmittag im Zimmer bleibe. Hatte ich doch gemeint, wie laut die Filipinos sind! In Gyantse wird das Ganze noch übertroffen. Eine Stunde lang habe ich das Vergnügen DJ Bobo! zuzuhören, so als ob ich in der ersten Reihe des Konzertes sässe. Zuerst habe ich gedacht, dass ich wohl hohes Fieber und schon Halluzinationen habe, das Thermometer zeigt aber nur 37,5 Grad. Es ist wirklich DJ Bobo. Anschliessend tönt der Sound eines Kung-Fu Filmes im Fernsehen wie aus einem Megafon.Schrecklich! Als ich mich wieder etwas besser fühle und auch Hunger verspüre, kommt es im Tashi-Restaurant mit den hübschen Serviertöchtern zu interessanten Gesprächen. Alle Mädchen kommen aus Lhasa wo sie studierten. Als sie einen chinesischen Lehrer bekamen, zogen sie hierher, da Gyantse noch weniger von Chinesen beeinflusst ist. Als ich ihnen ein wenig über die Aktivitäten des Dalai Lama erzähle, hören sie alle gespannt zu. Einige der Mädchen erzählen dann auch, dass sie im Gefängnis sassen, weil sie zuhause ein Bild des Dalai Lama aufbewahrt hatten. Kurz nach Gyantse wird unsere Aufmerksamkeit von einen Schneeberg geweckt. Wir halten an um zu fotografieren. Gemäss unserem Guide sollte es noch besser kommen. Wirklich, auf dem Karo-La (4960 m) präsentiert sich der Gletscher des Nojin Kangstan (7191 m) spektakulär vor uns. Ab Nagarze folgt die Strasse dem Yamdrock-See entlang. Vom Khamba-La (4800 m) geniessen wir die prächtige Aussicht. Von nun an geht es bergab. Das Tal wird breiter, die Felder grüner. 60 Km vor Lhasa plötzlich eine breite, asphaltierte Strasse. Damit war wohl der “Highway” gemeint!
Tibetan Hospital und der Potala Da sich mein Gesundheitszustand nicht wesentlich besserte, suche ich vorsichtshalber das Tibetan Hospital in Lhasa auf. An der Reception versteht niemand Englisch. Ich huste und zeige auf die Brust und schon begleitet man mich ins Behandlungszimmer. Die chinesische Ärztin spricht ebenfalls nur ein paar wenige Brocken englisch, gibt sich aber unheimlich Mühe. Sie untersucht mich und spricht etwas von X-Ray und Penicillin… Also gehe ich zum Röntgen. Doch zuerst muss ich das Röntgen an der Kasse bezahlen: 10 Yuen (etwas mehr als 1 $). Mit der Quittung in der Hand geht es ins Röntgenzimmer. Die Diagnose wird in mein “Behandlungsheft” eingetragen. Die Begleiterin gibt mir mit erhobenem Daumen zu verstehen, dass alles OK ist. Zurück bei der Ärztin, werden mir Medikamente (Antibiotika) verschrieben. Wiederum muss ich diese zuerst an der Kasse bezahlen. Die Konsultation ist gratis. Als ich mich herzlich bei der Ärztin bedanke, erklärt sie mir, dass es sei ihre Pflicht sei, mir zu helfen. Schon am nächsten Morgen geht es mir wesentlich besser. Doch fühle ich mich immer noch so geschwächt, dass ich überhaupt keine Unternehmungslust hatte. Ich “schleppe” mich zum Potala, um wenigstens die grösste Sehenswürdigkeit von Lhasa gesehen zu haben. Die Rückfahrt von Lhasa direkt nach Lhatse und von dort zur nepalesischen Grenze dauert nur gerade zwei Tage. In Tingri erleben wir wiederum eine grandiose Sicht auf die Berge. Das Wetter an diesem 12. Mai ist so schön, dass für die vielen Expeditionen am Everest heute eigentlich ein Gipfeltag sein müsste (der 1. Gipfelerfolg erfolgte jedoch erst am 15. Mai durch vier Russen). Wir hoffen nun ebenfalls auf eine bessere Sicht auf dem Lalung-La. Doch wiederum sind gegen Mittag Wolken aufgezogen, der Sisha Panga kann man aber diesmal wesentlich besser sehen.
Damit wir heute noch die Grenze nach Nepal passieren können, müssen wir unbedingt vor 18.00 Uhr in Zhang Mu eintreffen. Nach dem Erlebnis der ersten Nacht bei der Hinreise, wollen wir dort nicht ein weiteres Mal übernachten. Wir beeilen uns daher. Da es in Zhang Mu kein Benzin gibt, müssen die beiden Fahrzeuge in Nyalam noch aufgetankt werden. Dann geht es von der kargen Hochebene rasant durch bewaldete, feuchtgrüne Schluchten bergab. Bei 3400 m kommen wir in die Rhododendron-Büsche. Diese hatten wir auf der Hinfahrt gar nicht bemerkt. Im Gegensatz zu den Blüten auf dem Weg zum Poon Hill, sind diese hier weiss und rosafarbig. Es wird zusehends wärmer und feuchter. In Zhang Mu, direkt vor der Post, ist die Fahrt vorerst beendet. Ein Lastwagen blockiert die ganze Strasse. Alles Hupen und Reklamieren nützt nichts. Der Lastwagen fährt erst weg, als ihn die Frauen mit Erde beladen haben. Gegen 17.00 Uhr sind wir schlussendlich bei der Immigration angelangt. Die Beamtin erkennt mich wieder, und es kommt erneut zu einem Gelächter. Mit einem freundlichen “Auf Wiedersehen” verabschieden sich die übrigen Beamten von uns. Wir haben es geschafft! Aber nun wie weiter? Der Grenzübertritt liegt ja 500 m Höhenmeter weiter unten im Tal! Taxi ? Gibt es nicht, einzig Lastwagen, die leer zurückfahren. Was bleibt uns anderes übrig, als mit Sack und Pack die 7 ½ Km lange Strecke unter die Füsse zu nehmen? Nach einem Kilometer wählt meine italienischen Reisebegleiter eine Abkürzung. Ich entscheide mich weiter der Strasse entlang zu laufen. So marschiere ich mutterseelenallein in diesem ”Nomansland” weiter. Nach 3/4 Stunden habe ich das Gefühl, überhaupt nicht vorwärts gekommen zu sein. Die Brücke ist noch genau gleich weit unten. Und nun fängt es auch noch zu regnen. Auch das noch. Doch ich hatte richtig spekuliert. Kurz darauf kommt ein Lastwagen von Zhang Mu her, der schon alle Touristen aufgeladen hatte. Nach einem Kilometer laden wir auch die “Italiener” auf. Einzig verloren blieb unser argentinischer Freund, der ebenfalls die Abkürzung gewählt hatte. Nach unzähligen Zick-Zack Kehren kommt die Brücke endlich näher. Endlich sind wir unten. Das Klima ist unheimlich schwül. Im Büro der nepalesischen Immigration rinnt mir der Schweiss nur so herunter. Durch die Zeitverschiebung ist es in Nepal Mitte Nachmittag, so können wir mit einem Taxi Kathmandu noch am gleichen Abend erreichen. Nach unzähligen Palavern mit den Taxidrivers können wir uns über den Preis einigen: 2000 Rupien für 4 Personen. Auf der Fahrt zurück in die nepalesische Hauptstadt dröhnt aus dem Radio etwa fünfmal das Lied “Pizza auf Ibiza”. Ja, endlich wieder einmal etwas Anständiges essen würde wirklich gut tun. Mensch, war das ein Trip. Unvergesslich. Ferien Kathmandu hat sich für mich als idealer Arbeitsort erwiesen. Für meine Expeditionsberichte bin ich natürlich hier an der Quelle. Auch die Bedingungen in den zahlreichen Internet-Cafes sind derart günstig (1 Std = Fr. 1.50), dass ich meine Berichte und Artikel möglichst vorantrieb. Mit solchen Preisen lässt sich auch ein wenig surfen und regelmässig der "Blick" lesen. Auch das Leben ist günstig. Mit Tageskosten von rund Fr. 25.- für Hotel und Essen komme ich leicht durch. Wenn aber die Lust auf eine Schachtel Tigerkäse oder ein Steak Chateaubriand oder eine Pizza-Salami zu gross wird, muss man schon noch einige Rupien dazulegen. Gerade in diesen letzten Mai-Tagen stehen die Bäume in der ganzen Stadt in violetter Pracht. Ein wunderschöner Anblick. Überhaupt überrascht es mich, dass es in Kathmandu so viele Araukarien und Bougainvilleen, die aus Chile und Brasilien stammen, wachsen. Der Grund dafür ist, dass es unter den Ranas Liebhaber fremdländischen Pflanzen gab, die dauernd subtropische Spezien aus der ganzen Welt nach Nepal brachten. Auch der Monsun hat Einzug gehalten, und es regnete nun praktisch jeden Tag. Mehr als zwei Monate war ich in Nepal. Eine schöne, erlebnisvolle Zeit. Das einzige, was darunter litt, war meine Libido. Ich habe es deshalb nun reichlich verdient, in Thailand etwas Ferien zu machen...
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