| Mabuhay - Reiseberichte |
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952 oder wenn man nichts wagt… Eigentlich hätte ich am 4. September mit der All Nippon Airways nach Neu-Delhi fliegen sollen. Da sich die Thai International trotz Mails und Fax-Mitteilungen wegen meines Freifluges nicht meldete, musste ich handeln und ein Ticket nach New Delhi kaufen, denn schon bald lief mein Visum aus. Fünf Tage vor dem Abflug kommt von der Thai International per E-Mail ganz unverhofft die Mitteilung, dass sie mir die Meilen meines Fluges von Zürich nach Manila nun doch gutgeschrieben werden. Die Aussicht, meinen Gratisflug nun doch noch zu bekommen, ändert die Ausgangslage vollends. In der Zwischenzeit hatt sich meine Schwester entschieden, mich in Kathmandu zu besuchen. Umgehend stelle ich den Antrag für einen Freiflug nach Kathmandu und annulliere den Flug nach Indien. Zugegeben, mein Abstecher nach Indien war mir total zuwider, auch wenn der Reiz, hinauf zur heiligen Quelle des Ganges und zur Tapovan-Wiese am Fusse des 6543 Meter hohen Shivlings zu trekken, noch so reizvoll war. Spürte ich nach acht Monaten eventuell schon erste Anzeichen von Reisemüdigkeit? Oder war es nur pure Faulheit, nach 3 1/2 Monaten Swimming-Pool wieder etwas Anstrengendes tun zu müssen? Die Tatsache, wiederum alleine reisen zu müssen und dazu noch in Indien, wo alles sowieso viel mühsamer, war der Hauptgrund, weshalb ich mich so schwer tat. Ärgerlich auch, dass ich dadurch die Olympischen Spiele komplett verpasst hätte. So verbringe ich meinen 52. Geburtstag am 5. September in Thailand. 9 für September, 52 für das Alter, das waren auch die Gewinnzahlen der Landeslotterie. Eigentlich wollte ich am Vortag der Ziehung das Doppellos mit der Endzahl 952 kaufen. Da ich schon eins besass, reute mich der Einsatz. Pech gehabt, denn erstmals hätte ich etwas gewonnen, 3000 Baht, immerhin 130 Franken! Wie heisst es so schön: wer nichts wagt, gewinnt nichts… Gold - Sparbuch der Thais Bleiben wir noch ein wenig beim Geld, denn das Verhältnis der meisten Thais zum Geld ist von ganz besonderer Art. Geld ist ALLES. Nur mit Geld ist man hier jemand (wo nicht ?). Wer mit Geld grosszügig umgeht, hat ein gutes Herz (djai dii), wer hingegen mit seinem Geld eher sparsam umgeht und etwas für die Zukunft spart, wird sofort als Geizhals (kiiniau) bezeichnet. Sparsamkeit ist keine ausgeprägte Eigenschaft der Thais. Geld ist dazu da, um es auszugeben. Wichtig ist, dass man heute Geld hat. Was für einen Sinn hat es, sich um das zu sorgen, was in zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Sobald die Thais, obwohl die meisten sehr arm sind, etwas Geld in die Finger bekommen, wird dies gleich ausgegeben. Aber nicht alle handeln gleich: der Thai Chinese wird versuchen sein Geld so schnell wie möglich zu verdoppeln! Wird aber tatsächlich gespart, dann nicht auf der Bank. Nach einer Studie der Thai Farmer Research legen die wenigsten Thais ihr Geld auf einem Sparbuch an, obwohl bis vor kurzem dafür noch zweistellige Zinssätze gewährt wurden. Diese Zeiten sind aber vorbei. Offenbar auf Druck der Weltbank (Thailand bekam von der Weltbank einen Kredit von 17,2 Mia US $) wurden diese auf 2 1/4 % heruntergesetzt um die Schulden bezahlen zu können. Das Sparbuch der Thais ist das Thai-Gold (96% Feingold, 4% Unreinigkeiten. Gold wird in Thailand nicht als Schmuck getragen. Wird dringend Geld benötigt, kann die goldene Halskette oder das Armband jederzeit zum aktuellen Goldpreis verkauft oder im Pfandhaus versetzt werden. Der Goldpreis wird per Gewichtseinheit BAHT angegeben. Ein Baht (15,2 Gramm) kostet derzeit 5'500 Baht ( 239 Sfr.) Die zahlreichen Goldläden gehören praktisch zum Landschaftsbild von Thailand. (Die Nachfrage nach Gold betrug in Thailand im Jahr 2000 67,5 To, 41% mehr als im Vorjahr)
Somtam, phet phet! Das Essen gehört zu den Spitzenleistungen Thailands. Es gibt wohl kein Urlaubsland auf der ganzen Welt, in dem man so gut und vor allem so preiswert essen kann wie in Thailand. Hunderte von Restaurants bieten europäische Küche an. Die Thailändische Küche ist inzwischen auch weltweit ein Begriff. Beweis dafür sind die zahlreichen Restaurants im Ausland. Das Thai-Essen ist vor allem durch seine Schärfe "phet" bekannt. Ursache dafür sind die kleinen Chilis, welche man überall auf dem Markt, entweder frisch oder in getrockneter Form, findet. Wer das scharfe Essen nicht verträgt, sollte beim Bestellen stets "mai phet - nicht scharf" erwähnen. Das Angebot ist so vielfältig, dass ich hier nicht näher darauf eingehen kann. Auch in den kleinen Restaurants und Garküchen, in denen man angeblich den Durchfall holen soll, kann man ohne Probleme essen. Am besten versucht man einfach alles. Für den Nichtkenner wäre es jedoch sinnvoller, jemanden beizuziehen, der weiss, was er bestellt. Nationalgericht der Thais ist das Somtam, ein Gericht aus geraffelten grünen Papayas, welche im Mörser mit Zucker, Fischsauce, Zitronensaft, Cherrytomaten, Ajinomoto (Glutamat), Krabben und natürlich mit einer gehörigen Portion Chili zusammengebraut werden. Das Ganze wird mit Klebreis, rohen weissen Kohlblättern und grünen Bohnen gegessen.
Zittern um Freiflug Da der Rückflug meiner Schwester in die Schweiz von Kathmandu über Bangkok führte, war es mein grosser Wunsch, am 21. Oktober zusammen mit ihr zurück nach Bangkok zu fliegen. Weil man für Nepal nur eine Aufenthaltsbewilligung von 30 Tagen erhält, durfte ich einerseits nicht vor dem 21. September in Kathmandu ankommen, andererseits, da mein Thai-Visa am 23. September auslief, durfte ich im Prinzip nicht nach diesem Datum ausreisen. Wegen der gegen Ende September in Nepal beginnenden Trekking-Saison ist es ratsam, die Flüge frühzeitig zu buchen. Durch das lange Warten auf die Antwort der Thai International ging bereits wertvolle Zeit verloren. Der Hinflug kann ich schlussendlich mit Ach und Krach auf den 25. September buchen, für den Rückflug vom 21. Oktober stehe ich aber nur auf der Warteliste. Ärgerlich, denn für die Ausstellung eines Freifluges müssen Hin und Rückflug den Status OK haben. So vergehen die Tage, und ich bin noch immer auf der Warteliste. Die Zeit beginnt zu drängen und ich werde von Tag zu Tag nervöser. Um nicht plötzlich zwischen Stühlen und Bänken dazustehen, buche ich sicherheitshalber wiederum meinen Flug nach New Delhi mit der All Nippon. Ausser dem 22. September ist alles schon ausgebucht. Somit bin ich wenigstens sicher, ausreisen zu können. Eine Woche vor dem Abflug bin ich noch immer auf der Warteliste. Ich bin halb am Verzweifeln, ehe mir Rene Mühlheim, Inhaber des Reisebüros Flugexpress in Solothurn - ein Profi in Sachen Beratung - (siehe http://www.flugexpress.ch) einen goldenen Tipp gibt: ich teile der Thai International mit, dass, solange ich auf der Warteliste stehe, meine Schwester ihren Rückflug von Bangkok nach Zürich nicht buchen kann! Und siehe da, keine halbe Stunde später kommt vom Hauptsitz in Bangkok auch schon das OK! Welch eine Erleichterung. Alle meine Probleme und Sorgen sind auf einmal gelöst. Das Einzige, was mir nun noch zu tun übrig bleibt, ist den gebuchten Flug nach Indien mit der All Nippon zum zweiten Mal zu annullieren und den Antrag auf die Rückerstattung des Tickets zu stellen (dies dauert ca. 3 Monate mit Abzug von 10% des Kaufpreises). Somit hätte ich die letzten Tage eigentlich unbeschwert an der Beach verbringen können. Die ganze Angelegenheit hat mich scheinbar aber doch mehr mitgenommen. Ich verspüre einen riesigen Druck in den Augen. Diese schwellen so stark an und werden so rot, dass ich das Bangkok Pattaya Spital aufsuchen muss. Als allererstes wird der Blutdruck gemessen: 180/110 ! Dies sei viel zu hoch. Da ich meistens zu Beginn eines Spital- oder Arztbesuches angespannt bin, schlage ich vor, es ein wenig später nochmals zu versuchen. Zehn Minuten später kommt eine neue Krankenschwester. Mensch! Ich falle fast vom “Stüeli”. Eine Figur, mmmh! Sie misst nochmals. Ein zweites Mal. Resultat: 190/110!! 10 höher als vorher! Ich werde wohl bei der Nachkontrolle Ende Oktober einen Pfleger verlangen müssen. Der Augenarzt stellt eine virale Conjunctivitis fest. Zurück in Kathmandu Bis zum Abflug nach Kathmandu habe ich Gelegenheit, auch ein wenig die Olympiade am Fernsehen mitzuverfolgen. Abgesehen von den Finals in der Leichtathletik übertragen die nationalen Sender verständlicherweise die Sportarten, in welchen ihre Landsleute vertreten sind. So muss ich mir vermehrt Frauen-Gewichtheben (Bronce für Thailand) sowie die Vorrundenkämpfe im Boxen anschauen. Für die zwei Tage, welche ich mich länger als der erlaubten Aufenthaltsbewilligung in Thailand aufhalte, dem sog. overstay, muss ich bei der Immigration am Flughaben ein Busse von 400 Baht bezahlen. Die Bemühungen einem Fensterplatz auf der rechten Seite zu ergattern haben sich gelohnt. Das Wetter war so klar, dass man kurz vor der Landung in Kathmandu die ganze Himalajakette vom Makalu bis zum Melungste sehen kann. Die Regenzeit in Nepal scheint vorüber zu sein. Ich bin überrascht, wie heiss es Ende September noch ist. Der Ansturm der Taxi-Fahrer und Trekking-Agenten beim Flughafenausgang ist noch immer derselbe. Am liebsten würden sie dich mitsamt Gepäck und ohne Verschnaufpause direkt ins Trekking-Office fahren. Ich fühle mich richtiggehend bedrängt. Das Gedränge und Treiben in den Strassen und Gassen, welches mich vergangenen Frühling noch so begeistert hatte, lässt mich diesmal eher "kühl". Der Lärm und die Abgase sind so schrecklich, dass es mir richtig ablöscht. Man kann in den Gassen von Thamel und Chetrapati kaum flanieren, ohne ständig Gefahr zu laufen, von Motorrädern, Taxis oder Rikschas angefahren zu werden. Und alle wollen etwas von Dir. "Sir, do you want taxi", "Sir, do you want chess", "Sir, do you want Rikscha", "Sir, do you want shoe polish", "Sir, have a look inside", "Sir, change money", und hundert mal "Sir, do you want tiger balm". Herrgott nochmal, kann man denn keine zwanzig Meter laufen, ohne angequatscht zu werden! Thamel ist wiederum überfüllt von Touristen. Es scheint als ob halb Kathmandu von Isrealis eingenommen wurde! Die Wartezeit bis zur Ankunft meiner Schwester verbringe ich mit der Organisation unseres Trekkings. Ich treffe auch die Gruppe der Porter Vintage Association (siehe Reisebericht Teil 3 Kapitel – auf den Spuren des Yeti -), welche beabsichtigt, den im Jahre 1960 anlässlich der Schweizer Dhaulagiri-Expedition abgestürzten Pilatus-Porter "Yeti" zu bergen und das Wrack in die Schweiz zurückzubringen. Natürlich lasse ich es mir auch nicht nehmen, die Olympiade und vor allem den Leichtathletik 800 m-Final der Männer mit Bucher im nepalesischen und indischen Fernsehen zu verfolgen.
Besuch meiner Schwester Die Ankunft meiner Schwester in Kathmandu ist ein emotionaler Augenblick. Da mailt man sich regelmässig seit bald einem Jahr, und plötzlich steht sie einfach da. Ohne Zweifel, zu zweit etwas zu unternehmen ist einfach viel kurzweiliger. Ich bekomme auch wieder Freude in Kathmandu zu sein. Die Besichtigungen der naheliegenden Tempel- und Palastanlagen (Durbar Square) sowie der Zwillingsstadt Patan, die Ausflüge mit dem Mountainbike zum Stupa von Swayambunath, einem der heiligsten Orte des Kathmandu-Tales, und zum Stupa von Bodnath, dem wichtigsten buddhistischen Heiligtum Nepals und zudem eines der grössten buddhistischen Bauwerke der Welt, sind jeweils kleine, lustige, erlebnisreiche Ausflüge.
Mountainflight Eine echte Sensation ist aber der einstündige Mountainflight zum Everest. Obwohl das Flugzeug wegen der Grenze zu China und der geringen Flughöhe nur etwa in 20 Km Entfernung an den 8000ern vorbeifliegen darf, ist dieser Flug ein eindrückliches Erlebnis. Wegen dichtem Morgennebel ist der Flugplatz in Kathmandu vorerst für zwei Stunden geschlossen. Gegen 9 Uhr hebt der 27-sitzige Saab der Cosmic-Airline zu einem unvergesslichen Flug ab. Da wir als einzige auf dem Hinflug auf der "falschen" rechten Seite sitzen, dürfen wir für einen Moment ins Cockpit. Welch eine Aussicht da vorne! Ein grandioses Panorama, geradeaus am fernen Horizont der 8586 m hohe Kanchenchunga. Auf der Höhe des Chamlang (7319 m) dreht der Pilot in einer weiten Schleife nach links über Bergkämme, die zum Greifen nahe sind. Zurück auf unseren Fensterplätzen kommt das mächtige Massiv des 8463 m hohen Makalu ins Bild, und plötzlich "stehen" wir dem Nuptse/Lhotse/Everest gegenüber. Auf dem Rückflug nach Kathmandu auf der Südseite von Ama Dablang (6856 m), Kang Taiga (6809 m) und Karyolung (6511 m) kommt mit dem 8201 m hohen Cho Oyu der nächste Achttausender ins Blickfeld. Jede Minute ändert sich der Ausblick auf diese fantastische Bergwelt. Unzählige Gipfel, die ich nicht erkennen kann, ziehen an uns vorbei. Spektakulär, wie sich der Numbur (6957 m) plötzlich wie eine gewaltige spitzige Pyramide neben uns präsentiert. Leicht erkennbar wegen seiner flachen Form der 7181 m hohe Melungste. Gleich daneben der Gauri Shankar, ein weiterer 7000er. Als abschliessender Höhepunkt erkenne ich die Strasse nach Kodari zur chinesischen Grenze sowie die Zizackkehren hinauf nach Zhangmu (siehe Bericht über Tibet).
Zurück im Kali-Gandaki Tal Zwei Tage später sitzen wir wiederum im Flugzeug, diesmal nach Jomoson im oberen Kali Gandaki-Tal. Aufgrund des relativ kurzen Aufenthaltes meiner Schwester (14 Tage) konnten wir kein allzu schwieriges Trekking unternehmen. Zunächst planten wir, einige Ausflüge um Jomoson herum zu unternehmen und nach Phokara zurückzufliegen. Da die Flüge infolge der Wetterbedingungen angeblich oftmals annulliert werden müssen und die Passagiere dann oft während Tagen in Jomoson blockiert sind, wollte ich kein Risiko eingehen und schlug vor, nach Beni hinunter zu laufen. Etwas abgeschreckt durch mein Trekking-Tagebuch vom letzten Frühling, musste ich meine Schwester erst davon überzeugen, dass das Ganze ja gar nicht so schlimm war und es ja hinunter gehen würde. Dass ich nach einem halben Jahr wiederum "meinen" so gehassten Steintreppen begegnen würde, hätte ich damals auch nicht gedacht. Wie schon gehabt, konnte ich auch diesmal das Trekking nicht mit den besten Voraussetzungen starten. Die Kondition schien noch mieser als im Frühling zu sein, denn schon beim Treppensteigen in den 5. Stock des Hotels komme ich ausser Atem. Zudem macht mir mein Fussgelenk seit einiger Zeit wieder Probleme. Einige Tage vor der Ankunft meiner Schwester handle ich mir auch wieder eine Erkältung mit Husten ein, welche mich während des ganzen Trekkings handicapieren sollte. Sage und schreibe zwei Stunden vor unserem Abflug sitze ich mit Darmproblemen plötzlich auf der Toilette. Doch diesmal gehe ich mit der Einnahme von zwei Tabletten Immodium radikal vor. Der Flug nach Jomoson beginnt pünktlich um 07.00 Uhr morgens. Kaum haben wir Phokara überflogen, komme ich mit Fotografieren wieder gewaltig ins "rotieren". Alles geht so schnell. Währenddem das Annapurna-Massiv und der Machapuchare (das Matterhorn Nepals) ungünstig im Gegenlicht stehen, glänzt der Dhaulagiri (8172 m) und sein Gletscher in voller Pracht der Morgensonne. Dann überstürzen sich die Ereignisse. Plötzlich liegt Ghorepani und der Poon Hill unter uns, nur wenige Sekunden später erkenne ich tief unten im Schatten Tatopani. Wir haben kaum die Talkrümmung bei Kokhethanti überflogen, schon heisst es, sich anzuschnallen. Nur wenige Minuten später landen wir in Jomoson (2800 m), Startpunkt unseres 5tägigen Trekkings.
Der erste Streckenteil bis nach Tukuche ist auch für mich Neuland. Das Tal - breit und flach - ist ideal, um sich "einzulaufen". Die Farbe der spärlichen Laubbäume verrät, dass es inzwischen Herbst geworden ist. Eigentlich hatten wir vorgesehen, die erste Nacht in Marpha zu verbringen. Da wir dort schon um 10 Uhr morgens ankommen und noch so fit sind, beschliessen wir, gleich nach Tukuche weiter zu marschieren, nicht ohne die Attraktion des Dorfes, die Marpha-Äpfel, versucht zu haben. Die Äpfel schmecken absolut köstlich (siehe Fototafel 5/1). Drei Stück kosten gerade fünf Rupien (12 Rappen). Gegen Mittag kam wie erwartet der berüchtigte Südwind auf. Wir stellen uns jedoch dieser ersten Herausforderung und kämpfen uns bis Tukuche durch.
Treffpunkt Tatopani Bereits um 07.00 Uhr starten wir zur nächsten Etappe nach Lete. Auf der Höhe von Khobang kommt der Dhaulagiri in Sicht. Mit grosser Spannung erwartet meine Schwester die erste Hängebrücke. Wie schon im Frühling ist die Abendstimmung in Lete fantastisch. Der Nilgiri South sowie die drei Gipfelspitzen des Kangskar Kan, Annapurna I und Baraha Shikar, die sich im Schatten der vorbeiziehenden Wolken rot verfärben, ist ein starkes Erlebnis. Auch der Sonnenaufgang auf Dhaulagiri und Tukuche Peak am nächsten Morgen ist nicht minder grossartig.
Hatte ich im Frühling für die Strecke von Lete nach Tatopani zwei Etappen benötigt (es ging ja aufwärts), wollten wir das Gleiche in einem Tag bewältigen. Dies war offenbar ein wenig zuviel. Bis Ghasa geht alles gut, der nachfolgende berüchtigte Aufstieg resp. Abstieg geht dann aber schön "in die Knie". Einmal mehr schwöre ich, nie wieder ein Trekking zu machen! Mit der fortgeschrittenen Tageszeit wird es auch unheimlich heiss. Beim Wasserfall in Kabre schalten wir eine längere Pause ein, umso mühsamer ist das Weitermarschieren. Hätte ich nicht mit Jean-Pierre Desjacques, einem ehemaligen Arbeitskollegen, in Tatopani abgemacht, hätten wir wohl in Dana übernachtet, so müssen wir aber weiter. Als meine Schwester auf einer Tafel liest, dass es bis Tatopani noch 1 ½ Std geht, trifft sie fast der Schlag. Ausgerechnet jetzt verspüre ich nun auch noch Blasen an beiden Füssen. Hatte ich "Löli" nicht am Morgen neue Socken angezogen...! Der Weg wird unheimlich mühsam. Durch die Müdigkeit und den zunehmenden Muskelkater werden wir immer langsamer. Und dieses blöde Tatopani will und will einfach nicht näher kommen. Nach zehn Stunden treffen wir schlussendlich, nicht gerade in heroischer Manier, am Ziel ein.
Muskelkater Unser Muskelkater ist so gross, dass wir kaum mehr gehen konnten. Der eingeplante Reservetag ziehen wir als Ruhetag ein. Dass die letzte Etappe nach Beni noch einmal ca. 25 Km betragen würde, darf ich meiner Schwester erst gar nicht sagen. Der Muskelkater ist auch nach dem Ruhetag nicht viel besser. In Gharkola verlassen wir den Annapurna-Nationalpark. Eine interessante Statistik im Police Checkpoint verweist auf die rasante Entwicklung der Trekking-Touristen. Nach dessen Angaben besuchten im Jahr 1989 16'672 Touristen die Region, 1999, zehn Jahre später, waren es bereits 36'594. Hitparade der Trekker im Jahr 1999:
In Gharkola trennen sich auch die Wege nach Ghorepani und nach Beni. Welch ein beruhigendes Gefühl, nicht noch einmal den steilen Weg hinauf nach Ghorepani laufen zu müssen. Glücklicherweise verläuft der erste Streckenabschnitt durch die schmale Schlucht im Schatten. Doch dann wird es wieder heiss, sehr heiss. Stets achten wir darauf, uns regelmässig zu verpflegen. Nach halber Distanz ist unser Proviant aufgegessen. Das Einzige, was uns noch übrig blieb, sind Coramin-Tabletten. Um nicht noch eine Schwäche kurz vor Beni einzufangen, lutschen wir fortan diese. Da ich die Strecke von Beni nach Tatopani wegen der zahlreichen Steintreppen so fürchterlich beschrieben hatte, beginnt meine Schwester, die Treppen zu zählen. Nach der 35. Steintreppe begreift auch sie, weshalb ich diese so "hasste". Der schmale Weg entlang dem Fluss führt über unzählige steile Kornischen. Vierzig Meter hinauf, vierzig Meter hinunter, dreissig Meter hinauf, dreissig Meter hinunter. Kaum hat man sich erholt, kommt bereits wieder der nächste Aufstieg. So zählen wir Treppe Nummer 42, 43, 44, bis endlich im Dorf Galeswor die 45. und letzte Treppe wie die Eigernordwand vor uns steht.
Beflügelt durch die Nähe des Zieles, nehme ich diese letzte Hürde mit relativer Leichtigkeit. Wir haben es geschafft. Die restlichen Kilometer auf der neuen Naturstrasse, welche eines Tages bis nach Jomoson führen soll, ist nur noch eine Formsache. Mit noch schlimmerem Muskelkater als in Tatopani kommen wir nach acht Stunden in "meinem" geliebten Beni an. Obwohl ich diese Strecke Beni - Tukuche nun schon zum dritten Mal zurückgelegt hatte, war es wiederum ein wunderschönes Trekking. Es war mir vor allem eine Freude, meiner Schwester dieses schöne Gebiet zwischen Dhaulagiri und Annapurna zeigen zu können (siehe Fototafel 6 – Trekking-Impressionen). Ohne dem Tempo einer Trekking-Gruppe folgen zu müssen, genossen wir es, so viele Zwischenhalte einzuschalten, wie uns passte, sei es um zu fotografieren oder Tee mit Apfelstrudel in den zahlreichen Lodges zu geniessen. In Khobang verbrachten wir sogar eine halbe Stunde damit, eine Henne mit ihren Küken mit Engadiner Nusstorte zu füttern. Im Gegensatz zum Frühling war das Wetter wesentlich klarer, und ich war überrascht, etliche Gipfel zu sehen, welche scheinbar im Frühling hinter Wolken oder im Nebel versteckt geblieben waren. Auch die Flora war wiederum sehr schön. Auf 2000 Meter u.M. blühten Aster, Zinien, Tagetes, Cosmos, Dahlien, Chrysanthemen und Kapuzinerli. Weiter unten kamen wir in die Bananenstauden, Orangenbäume, Weihnachtssterne, Hibiscus und Bougainvillas. Die Rückfahrt von Beni nach Pokhara wird nochmals eine atemberaubende Angelegenheit, vor allem für diejenigen Passagiere, welche auf der Seite des Abgrundes sitzen. Pokhara ist für mich einmal mehr eine grosse Enttäuschung. Noch gewohnt an die Sauberkeit und Ruhe in den Bergdörfern, ist Pokhara ein lärmiger "Dreckhaufen". Dabei könnte die Stadt mit seiner Lage am Phewa-See und dem phänomenalen Panorama auf das Annapurnamassiv einer der schönsten Urlaubsorte der Welt sein.
Winter hat Einzug gehalten Die Abfertigung am Flughafen Kathmandu verläuft diesmal reibungslos. In letzter Zeit kam es bei den Starts vermehrt zu Zusammenstössen mit Vögeln, welche über den Flughafen kreisten. Gemäss international geltenden Bestimmungen müssten Abfalldeponien mindestens 13 Km von einem Flughafen entfernt sein. Da Kathmandu eine einzige Abfalldeponie ist, mussten Spezialisten eingeflogen werden, um dieses Vogelproblem zu lösen. Leider gelingt es uns diesmal nicht, einen Fensterplatz auf der Everest-Seite zu ergattern, denn die Sicht scheint durch die tiefere Wolkenlage noch besser als beim Hinflug zu sein. Die Luftfeuchtigkeit in Bangkok muss gegen 100% sein. Kurz vor der Landung hatte es noch geregnet. Während zwei Tagen führe ich meine Schwester mit Sky-train, Tuk-Tuk, Bus und Boot durch Bangkok. Viel Zeit haben wir nicht zur Verfügung, wenigstens den Wat Phra Keo musste sie gesehen haben. Schon ist es Zeit zum Abschiednehmen. Bis Mitte der ersten Novemberwoche regnet es in Pattaya mehrmals täglich. Von einem Tag auf den anderen schlägt das Wetter um. Ein kühler Wind zieht auf. In der Nacht wird es recht frisch. Im Norden des Landes sinken die Temperaturen auf 10 – 14 Grad Celsius. Der Winter hat auch in Thailand Einzug gehalten. Tagsüber beträgt die Temperatur aber noch immer um die 30 Grad.
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