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Mabuhay Thailand / Philippinen (RB8 / 06.02.2001) Länderinfos: Thailand Länderinfos: Philippinen

Wenn die Touristen noch schlafen…

Der buddhistische Glauben an das Karma besagt, dass letztlich Alles, was einem im Leben widerfährt, nur eine Folge dessen ist, was der Mensch in seiner vorhergegangenen Existenz an Gutem und Schlechtem getan hat. Der Thai hadert deshalb selten mit seinem Schicksal, da seine derzeitige Lebenssituation schlussendlich ja nur die Folge des früheren Lebens ist, die nun vergolten wird. Das tägliche Leben der meisten Thais ist daher davon geprägt, bei jeder Gelegenheit "Tambuun", etwas Gutes, zu tun. Tambuun macht man beim Tempelbesuch, indem man dem Tempel Geld spendet, einen Vogel, einen Fisch oder eine Schildkröte frei lässt. Indem man Tambuun tut, zahlt man sozusagen auf ein Konto ein, von welchem man im nächsten Leben profitieren kann. Mit Tambuun kann man aber auch begangene Sünden abgelten. Der meist praktizierte Tambuun besteht darin, jeden Morgen den Mönchen Opfergaben in den Topf zu legen - sai baat. Da dieses Tambuun frühmorgens stattfindet, kennen die meisten Touristen diese Handlung nur vom Hörensagen. Auf dem Lande ziehen die Mönche in ihren safrangelben Roben durch die Gegend. In Bangkok und den grösseren Städten findet das "sai baat" häufig bei Marktplätzen statt, wo die Opfergaben abgepackt zum Verkauf bereit stehen. Opfergaben werden den Mönchen mit beiden Händen angeboten, da sie ansonsten als halbherzig gegeben gelten. Ein Mönch bedankt sich nicht für die Gabe, im Gegenteil, der Geber muss für die Annahme der Spende dankbar sein, da er dadurch Verdienste für sein nächstes Leben erwerben kann.


Tambuun sai baat

95% der Thais sind buddhistisch. Der Buddhismus ist für die meisten Leute jedoch mehr eine Lebensphilosophie als Religion. Dem aufmerksamen Touristen fällt aber auf, dass die Thais ebenfalls hinduistische Götter verehren! Der bekannteste davon ist der Gott Brahma (auf thailändisch Phra Prom), ein allmächtiger Gott mit vier Gesichter. Er ist der Schöpfer der Welt. Schreine mit dem Phra Prom gibt es fast an jeder Strassenecke zu sehen. Am beliebtesten ist der Schrein beim Erawan Hotel in Bangkok. Narayama (Narai) ist ein Gott mit vier Armen. Er ist der Gott des Friedens. Eine sehr schöne Figur befindet sich beim World Trade Center. Ganesch (Pikkaanet) ist ein Gott mit dem Leib eines Menschen aber dem Kopf eines Elefanten. Er ist der Gott der Kunst und Wissenschaft. Selbstverständlich gibt es noch eine grosse Anzahl weiterer Götter.


Gott Brahma (Phra Prom), Gott Ganesch (Pikkanet), Gott Narayama (Narai)

Viele der thailändischen Feste, wie das Songkran (Neujahrsfest) oder die Zeremonie des Pflügens, sind brahmanischen Ursprungs. Die meisten Thais, vor allem die Frauen, sind auch sehr abergläubisch und glauben an Geister. Wer einigermassen unbeschadet durch das Leben kommen will, muss mit den Geistern gut auskommen, sie möglichst freundlich stimmen und ihnen regelmässig Opfergaben bringen. Der allgegenwärtige Geist ist der Hausgeist, der Chao Ti. Die kleinen Geisterhäuschen stehen vor jedem Haus. Je schöner und grösser das Haus, desto schöner das Geisterhaus. Sie sollen die Geister anlocken, darin zu wohnen, um die Hausbewohner in ihren Häusern nicht zu belästigen. Als Opfer werden Räucherstäbchen, Blumengirlanden, Früchte, eine Schale Reis, manchmal auch eine Coca-Cola mit Strohhalm, damit der Geist auch trinken kann!, dargebracht. Beim Gebet wird für ein gutes Geschäft oder auch für Glück in der Lotterie gebetet. Als ich von einem Geisterhäuschen ein Foto machen will, sagt mir meine Begleiterin, ich müsse zuerst den Geist um Erlaubnis bitten! OK, auf die Frage aber, wie ich dann wüsste, ob der Geist einverstanden sei oder nicht, winkt sie verlegen ab. Es gibt in Thailand auch Katholiken, die bedeutendste Minderheit sind jedoch die Mohammedaner, welche fast ausschliesslich im Süden des Landes an der Grenze zu Malaysia leben.


Geisterhäuschen

Loy Kratong - das Lichterfest

Loy Kratong, findet jeweils am Vollmond des 12. Monats statt und zählt zu einem der grössten und schönsten Feste in Thailand. Die Leute fertigen kleine lotusförmige Boote aus Bananenblättern an, in die sie eine Kerze, eine Blume, drei Räucherstäbchen und eine Münze setzen. Je nach Region wird ebenfalls noch ein Haar sowie ein Stück Finger- und Zehennagel beigelegt. Bei Einbruch der Dämmerung ziehen die Familien im ganzen Lande an Kanäle, Flüsse, ans Meer, überall dorthin, wo es Wasser gibt, um die Kratongs auszusetzen. Für die Thais hat Loy Kratong eine besondere Bedeutung. Zum Ende der Regenzeit werden damit der Göttin des Wassers Opfergaben als Dank für das wertvolle "Nass" gemacht. Dazu werden Gebete gesprochen, auch wird um Vergebung für begangene Sünden gebeten. Auch Liebespaare vertrauen den Kratongs ihre Wünsche an. Je länger das Kerzenlicht auf einem Kratong flackert, um so glücklicher und sicherer gehen die Wünsche in Erfüllung. Einige Kratongs erleiden auch Schiffbruch. Doch dies soll kein schlechtes Omen sein, so glauben zumindest die Betroffenen. Ein wunderschöner Anblick, wenn Tausende von kleinen Kratongs auf dem Wasser treiben. So schön wie das Lichterfest ist, so verursacht es den Stadtbehörden in Bangkok grosses Kopfzerbrechen. Rund 900'000 Kratongs wurden am Folgetag aus dem Chao Phraya Fluss, aus Kanälen und Wasserparks gezogen. Trotz jahrelangen Kampagnen, welche aus Umweltgründen fordern, nur die traditionellen Materialien aus Bananenblättern zu verwenden, werden die Kratongs zunehmend aus Styropor angefertigt, die sehr schwer entsorgt werden können. Loy Kratong ist auch längst nicht mehr ein geruhsames Fest. Die Thais werfen mit Raketen, Knallern und Petarden nur so um sich. Nicht ungefährlich. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Verletzte.


Loy Kratong Fest

20 Minuten in Kambodscha

Statt mich in Kathmandu zu langweilen, hätte ich gescheiter ein neues Visum für Thailand beantragt. Zeit hätte ich ja genug gehabt. Die Folge dieser Unterlassung ist nun, dass ich meine 30-tägige Aufenthaltsbewilligung für Thailand blad wieder ausgelaufen ist und ich in den nächsten Tagen ausreisen muss. Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir mit dem Minibus die kambodschanische Grenze, 6 Km nach Aranyaprathet. Der Gegensatz zu Thailand ist wiederum brutal. Kaum aus dem Minibus ausgestiegen, rennt eine Schar Kinder auf uns zu, um Sonnenschirme anzubieten: "One Baht, one Baht". Auf der kurzen Strecke zum Immigration Office betteln Dutzende von Kindern: "Miam miam - Hunger". Ein beklemmendes Gefühl, doch sobald man nur den Anschein erweckt, etwas zu geben, ist man von einer Schar Kinder umringt. Das Geldstück wird Dir richtiggehend aus der Hand gerissen und die Kinder raufen sich darum. Die Ausreise aus Thailand ist kein Problem. Die Einreise am kambodschanischen Grenzposten Poipet ebenso wenig. Wer kein Visum hat, kriegt es innert weniger Minuten an der Grenze. Unser Guide (er macht die Tour 4 x die Woche) hat die Pässe für den Beamten vorbereitet und legt jedem Pass eine 100 Baht-Note bei. Es gehe so schneller, meint er mit einem schelmischen Lächeln. Die Pässe mit dem Einreisestempel nach Kambodscha wechseln den Tisch zum Kollegen, welcher für die Ausreisen zuständig ist. Päng!, schon haben wir den Ausreisestempel. Unser Aufenthalt in Kambodscha hat genau 20 Minuten gedauert! Bei der Einreise nach Thailand gibt es einen kleinen Stau. Viele Thais kommen hierher, weil es gleich hinter dem Grenzposten vier Casinos gibt (Casinos sind in Thailand verboten). Etwa Tausend, an Feiertagen bis zu zweitausend Glückspieler, besuchen jedes Wochenende die Casinos von Poipet und geben pro Woche zwischen 300 und 500 Millionen Baht aus. Nach einer kleinen Wartezeit habe auch ich meinen neuen Einreisestempel im Pass, womit ich wiederum 30 Tage in Thailand bleiben kann.

Zurück in den Philippinen

Die Mahlzeit auf dem Flug nach Manila mit der Air France schmeckt ausgezeichnet. Als die beiden Stewarts zwei Reihen vor mir das Essen servieren, fragt der eine seinen Kollegen was es denn überhaupt das Menü ist: „c’est du canigou!“ - eine französische Hundefuttermarke, antwortet dieser scherzhaft mit einem schelmischen Lächeln. Als der Betreffende später bei mir das Plateau abräumt, lasse ich ihn wissen, dass sein „Hundefutter“ auf jeden Fall gut geschmeckt hat. Er schaut mich verduzt an und ist leicht verlegen, dass jemanden seinen Spass mitbekommen hat.

Mit gemischten Gefühlen bin ich nach neun Monaten, eine Schwangerschaftszeit wieder in den Philippinen zurück. Seither hat sich auch privat einiges geändert. Noch vor einem Jahr kam ich verliebt in Manila an mit der Absicht hier zu leben. In der Zwischenzeit habe jedoch die letzten Illusionen, mein „Glück“ hier zu finden, verloren. Solche Erkenntnisse sind manchmal hart zu akzeptieren. Die Hoffnung, nur wegen einer gescheiterten Beziehung ganz aufzugeben, wäre aber ebenso falsch. In einem bestimmten Alter sollte man einfach realistisch bleiben, was uns Männer, vor allem hier in den Philippinen, schwer fällt.
Mit der Ankunft in Manila sind meine Sicherheitsvorkehrungen auf Alarmstufe 3 gestellt. Konsequent meide ich jeglichen Kontakt, auch wenn das „Hello my friend“ noch so höflich ist. Wenn es nicht unbedingt sein muss, verzichte ich auf eine Übernachtung in Manila. Viel lieber fahre ich gleich weiter nach Angeles City. Ich bin jedes Mal froh und erleichtert im Hotel Sunset Garden einchecken zu können. Die Atmosphäre ist familiär und ich fühle mich bei Alois und Hansruedi, dem Schweizer Management, einfach wohl. Mit viel Freude treffe ich wieder „alte“ bekannte Gesichter: „Commander“ René Wyss, der „Österreicher“ Willi oder „Pinatubo“ Ben. Auch das Wiedersehen mit dem Servierpersonal, der immer eleganten Caron, der stets strahlenden Cindy und der immer für einen Spass aufgelegten Rose freut mich. Der Wechsel vom modernen Pattaya nach Angeles ist gross. Man scheint sich um Jahrzehnte und in die tiefste Provinz zurückversetzt. Mann sollte oder kann Thailand einfach nicht mit den Philippinen vergleichen. Die Philippinen sind einfach anders. Auch Angeles, die Fields Avenue, in deren Umgebung sich die meisten Ausländer aufhalten, hat seine Reize. Nach einigen Tagen bin auch ich an die neue Umgebung gewöhne und fühle mich „pudelwohl“. Man lernt im „Sunset“ auch viele nette Schweizer kennen: Inflagranti-Hans, Swissair-Reini, Gärtner-Manfred, Lumumba-Roli, Urs, Heinz, Andy, Rolf, Franz, Peter oder Martin.

Viel hat sich seit meinem Weggang nicht geändert. Die Jeepneys von der Petron Station zum C-Point sind einen Peso teurer geworden und kosten nun 4 Pesos. Die Fahrt mit diesem lokalen Transportmittel ist nach wie vor jedes Mal ein kleines Erlebnis. Wie beim Start zu einem Formel 1-Rennen, stehen die Fahrzeuge in Zweierkolonne beim C-Point-Terminal zur Abfahrt bereit.


Jeepneys beim C-Point Terminal

Gefahren wird erst, wenn das Fahrzeug voll besetzt ist. Selten dauert es mehr als fünf Minuten bis die 16 Plätze besetzt sind. Die Fahrzeuge sind in einem miserablen Zustand, halbe Wracks. Die Pneus sind ohne jegliches Profil. Selbstverständlich wird damit auch in der Regenzeit gefahren. Das Armaturenbrett ist aus Holz. Ausser der Tankanzeige funktioniert meistens nichts. Die Passagiere sitzen so eng aufeinander, da haben sogar die Sardinen in ihrer Büchse noch mehr Platz! Dies ist aber manchmal gar nicht so unangenehm, vor allem dann, wenn es dadurch zu engem Körperkontakt mit hübschen Fräuleins kommt oder es Dir durch den Fahrtwind, die schönen schwarzen, seidigen und duftenden Haare ins Gesicht flattern. Die Vehikel sind auch so tief, dass man stets gebückt Ein- und Aussteigen muss. Ungewollt sieht man bei den weiblichen Passagieren dabei immer die Farbe der Unterhöschen! Das Einkassieren des Fahrtgeldes ist auch so eine Sache, typisch philippinisch. Um den Fahrpreis von vier Peso dem Fahrer zu bezahlen ruft man "payaad po!" oder "payaad do!" oder einfach "payaad!". "Payaad po, dalawa" heisst bezahlen für Zwei. "tatlo" heisst auf Tagalog drei und "hapat" vier. Der Fahrer streckt seine rechte Hand nach Hinten und kassiert das Geld. Je nachdem wo man sitzt, wird das Geld von Fahrgast zu Fahrgast nach vorne überreicht. Auf gleiche Weise kommt das Wechselgeld zurück. Jeder Passagier bezahlt wann er will. So kommt es während der Fahrt oft zu einem nie zu Ende gehenden Einkassierprozedur. Dass es durch diese Ablenkung nicht zu mehr Unfällen kommt verwundert mich. Zwischendurch, wenn ein Ausländer bezahlen "payaad" mit anhalten "parra" verwechselt, gibt es ein heiteres Gelächter. Als weitere Transportmöglichkeiten gibt es die Trikes, Motorräder mit gedecktem Seitenwagen. Diese kosten für die gleiche Fahrt jedoch das Zehnfache.


Jeepney Tankstelle

Auch beim JJ Supermarket hat sich nichts geändert. Der Raum zwischen den Regalen ist nach wie vor so eng, dass sich zwei Personen kaum kreuzen können. Draussen, vor dem Laden, führt noch immer derselbe Verkäufer die Metzgereiabteilung. An seiner Hautfarbe und seinem Krauselhaar erkennt man dass es sich um ein Aeta handelt. Er trägt noch immer das gleiche grün-rot gestreifte Hemd, darüber den dunkelgrünen Schurz. Auch die Verkäufer der kleinen Vogeleier stehen am selben Platz. Vor der Margarita Station verkaufen Kinder Sampaguita-Blumengirlanden (die Nationalblume der Philippinen) und die fliegenden Händler bieten wie immer Bohrmaschinen, Teppiche und Armbrüste an. Letztere müssen wohl ein Zusammenhang mit der „Hohlen Gasse“ haben!


Johnnys, Margarita Station und Black Jack


Sampaguita-Girlanden

Wer schiesst wird gefeuert!

Wenn in Angeles die Polizei plötzlich vermehrt Strassenverkehrskontrolle durchführt und Bussen verteilt, ist dies ein Zeichen, dass Weihnachten vor der Tür steht. In dieser vorweihnachtlichen Zeit werden in den Geschäften, Restaurants und Hotels „Christbäume“ mit dem üblichen Weihnachtsschmuck aufgestellt. In grösseren Einkaufszentren ist auch der Samichlaus anzutreffen. Die Häuser werden mit Girlanden beschmückt. In den Bars und Restaurants tragen die „armen“ Mädels bei dieser Hitze Samichlausmützen! Schulkinder singen abends vor dem Eingang des Hotels "we wish you a merry Christmas, we wish you a merry Christmas, we wish you a merry Christmas and a happy new year" und halten ihre Sammelbüchse hin. Ich gebe ihnen je einen Peso. Strahlend ziehen sie weiter.


Weihnachtsstimmung in Angeles/Mabalacat

Über die Festtage ist in den Philippinen die Hölle los. Viele der sieben Milionen im Ausland lebenden Filipinos kommen zur Weihnachtszeit nach Hause um ihre Familien zu besuchen. Die Festtage zusammen mit den Familienangehörigen zu verbringen, hat auch in den Philippinen einen sehr grossen Stellenwert. Während diesen Tagen im Lande herumreisen zu wollen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wie bei uns ist Weihnachten auch in den Philippinen vor allen zu einer riesigen kommerziellen Angelegenheit geworden. Die Filipinos scheinen hinsichtlich Kauf von Weihnachtsgeschenken noch „verrückter“ zu sein als bei uns, ja die haben fast eine Geschenks-Manie!

Der heilige Abend verläuft bei weitem nicht so ruhig wie in unseren Breitenkreisen. Raketen, Petarden und Kracher werden losgelassen, als ob es der 1. August, der Schweizer Nationalfeiertag wäre. Am schlimmsten ist die „Knallerei“ jedoch am Silvester. Da fliegen nicht selten die Fetzen – sprich: Daumen und Finger.Es herrscht in den Philippinen die Unsitte, dass Polizisten und Private zum traditionellen "media noche" Schüsse in die Luft abfeuern. Dies ist sehr gefährlich und führte bisher jedes Jahr zu Todesfällen. Die Polizeichefs haben deshalb ihre Polizisten davor gewarnt: "wer einen Schuss abfeuert, wird selber gefeuert!". Da das allgemeine Chaos der Feierlichkeiten in den letzten Jahren die Flucht aus Gefängnissen begünstigt hatte, wurden die Gefängniswärter in Alarmbereitschaft gestellt. Auch die Feuerwehr und die Spitäler sind in Alarmbereitschaft. Dank der Aufklärungskampagne des Gesundheitsministeriums über die Gefahr von selbstgebastelten Feuerwerkskörpern, sowie dank dem Aufruf von Presse, Radio und Fernsehen, auf das Abfeuern von solchen Feuerwerkskörpern zu verzichten, fiel die Bilanz schlussendlich erfreulich aus. Es wurden 60% weniger Verletzungen als im Vorjahr registriert. Verletzt wurden dennoch 506 Personen, elf davon durch Querschläger. 80% der Verletzungen wurden jedoch immer noch durch die illegalen Knaller wie "super lollo" verursacht. Die Verantwortlichen führen diesen Rückgang der Verletzten aber ebenfalls auf die kürzlichen Bombenattentate in Manila sowie auf die zunehmende wirtschaftliche Rezession zurück.

1 Jahr unterwegs - Bilanz

Ausser einem zu hohen Blutdruck, wegen dessen ich seit drei Monaten in Behandlung bin, fühle ich mich gesundheitlich fit, und das ist ja wohl das Wichtigste. Zurückblickend war das vergangene Jahr ein tolles Jahr. Die verschiedenen Reisen in den Philippinen, die beiden Trekks in Nepal, der Trip nach Tibet sowie die Zeit in Thailand waren sensationell. Wenigstens punkto Erlebnissen werde ich einmal Millionär sein. Die neue Situation hat mir jedoch mehr zu schaffen gemacht, als ich gedacht hätte. Nicht dass ich Heimweh hätte, nein, dafür war ich schon zuviel unterwegs und fühle mich eigentlich überall wohl. Irgendwo eine Bleibe, ein Nest, zu haben und nicht stets unterwegs zu sein, wäre jedoch schon besser. Unterwegs hat man auch oft Zeit, viel Zeit, um nachzudenken. Die Tatsache ohne mit unserer gewohnten sozialen Sicherheit dazustehen und plötzlich ohne Einkommen auskommen zu müssen, hat mir zeitweise sehr zu schaffen gemacht. Auch die Pensionskassengelder selber verwalten zu müssen, ist - besonders bei sinkenden Börsenkursen - recht demoralisierend. Obwohl solche Geldanlagen längerfristig zu sehen sind, muss man den stets zunehmenden Buchwertverlust auch zuerst "verdauen". Bewährt hat sich vor allem das System mit meinem Monatsbudget, auch wenn ich dieses nicht stur handhabe. Es soll vielmehr als eine Richtlinie gelten. Vor allem an Orten wie Pattaya und Angeles ist es sehr wichtig, ein solches Budget zu haben, denn die Versuchung, jeden Tag den Honig der Liebe zu kosten, ist sehr gross, umso mehr, als man dort mit Urlaubern zusammentrifft, die das Dreifache deines Budgets zur Verfügung haben. Um dieser ständigen Verführung standhalten zu können, braucht es aber schon etwas mehr, als einfach nur ein Budget zu führen! Ständig ist man im Dilemma "man lebt nur einmal" oder sparen. Das Reisen ist auch nicht immer lustig. Gerade in der Zeit, als mein Antrag für ein Freiflugticket bei der Thai Airways lief, musste ich mich regelrecht zusammenreissen und mich darauf besinnen, dass ja gerade das Planen und Organisieren eigentlich meine Stärken sind.

Grosse Mühe bereitete mir jedoch die zeitweilige Unterbeschäftigung und die Tatsache, in meinen zahlreichen Arbeiten und Projekten nicht vorwärts zu kommen. Die für meine umfangreiche journalistische Tätigkeit notwendigen Antworten kamen zum Teil dermassen schleppend herein (viele sind noch jetzt ausstehend), was mich richtiggehend stresste. Ich bin eben ein aktiver Mensch, erledige immer also postwendend und habe auch noch gewisse Ambitionen. Es ist zwar schön, in den Philippinen und in Thailand zu "bädele", es ist jedoch keineswegs meine Absicht hier zu sein, nur um die Zeit zu "verlauere". Hätte ich im Herbst konkret ein Arbeitsangebot erhalten, hätte ich möglicherweise die Übung abgebrochen und wäre nach Hause zurückgekehrt. Mit dem Einzug der kalten Winterzeit hat sich mein Entscheid vorerst verschoben. Noch vor einem Jahr hätte ich mir vorstellen können, für immer im Ausland bleiben zu können, doch immer mehr komme ich zur Überzeugung, dass Auswandern für mich gar keinen Vorteil hat. Nach diesem ersten Jahr der Auswanderung muss ich zugeben, dass meine "Frühpensionierung" wohl etwas zu früh war. Hätte ich gewusst, dass das neue Steuergesetz im Kanton Aargau erst am 1.1.2001 in Kraft treten würde, hätte ich wohl mindestens ein Jahr länger gearbeitet. Es hat jedoch keinen Sinn, über Wenn und Aber zu studieren. Was ich im vergangenen Jahr erleben durfte, kann mir niemand nehmen, passiere was wolle.

Lohnerhöhung

Durch die negative Entwicklung der Börse endete das erste Geschäftsjahr meines Unternehmens "Auswandern" mit einem ernüchternden Ergebnis. Statt des erhofften Gewinns von 5000.- resultierte ein Verlust von 2000.-. Dennoch habe ich beschlossen, mir auf Anfang Jahr eine kleine Lohnerhöhung zu geben, zumindest den Teuerungsausgleich!

Nicht, dass ich das Schweizer Fernsehen oder die Tagesschau vermissen würde, dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, ab und zu um 07.00 Uhr das Telejournal auf TV 5 Asien anzuschauen. Als an einem Sonntagmorgen ein Reporter im dichten Schneetreiben über das Wirtschaftsforum aus Davos berichtet, läuft mir ein Schaudern über den Rücken. Brrr! Wie kann man nur so in einer Kälte leben ? Um mich von diesem Schock zu erholen, lege ich mich unter das Palmendach auf einen Liegestuhl. Das azurblaue Wasser des Swimmingpools glitzert in der schon heissen Morgensonne. Stundenlang könnte ich den beiden majestätischen Palmen zuschauen, wie deren Kronen durch den Morgenwind gestreichelt wird. Ach, wie schön eigentlich das Leben sein kann! Aus den vorgesehenen Reisen nach Palawan und Malapascua Island wird nichts (das nächste Mal). Praktisch den ganzen Monat Dezember bin ich damit beschäftigt, meinen Situationsbericht über die Lage 10 Jahre nach dem Vulkanausbruch des Mt. Pinatubo zu verfassen. Durch Bücher und lokale Zeitungsartikel habe ich viel über die Aetas, die Eingeborenen, die Aborigenies von Zentral Luzon, erfahren. Den zweiten Teil meines Aufenthaltes lebe ich etwas über meinen Verhältnissen. Ob ich aber nun ein Paar Hundert Franken mehr oder weniger im Minus stehe oder nicht, spielt nun auch keine Rolle mehr, soll mein Geld etwas besser arbeiten! Von den politischen Wirren in Manila um Präsident Estrada bekommt  man in Angeles nicht viel mit, einzig dass der Bus "Fly the Bus" durch die Massenkundgebungen in der Hauptstadt statt 2 1/2 Stunden nun bis zu 6 Stunden brauchte. Positive Folge für die Ausländer ist der eklatante Kursverlust des philippinischen Pesos. Noch vor einem Jahr bei 40 Pesos für einen US $, erreichte der Kurs seinen Höhepunkt kurz vor dem Rücktritt Estradas mit sage und schreibe 54.80 Pesos!

35 Grad Celsius

Gerade als ich mit der Landessprache Tagalog einigermassen wieder zurecht komme, ist es schon wieder Zeit, das Land zu verlassen. Um dieses Mal einen weiteren Visum-Trip in Thailand zu vermeiden, besorge ich mir vorsorglicherweise ein Visum. Die Kontrollen des Handgepäcks im Ninoy Aquino Internationale Airport werden nach wie vor sehr strikte gehandhabt. Auch dieses Mal wird mein Gepäckstück zurückgewiesen, da es ein Kilo über dem erlaubten Gewicht von 10 Kg liegt. Erstmals sitze ich in einer Boeing 747-400 weit vorne (Reihe 19), wodurch ich ein total neues Gefühl beim Start erlebe. Mit einem Ruck beschleunigt das Flugzeug immer mehr. Nach fünfzehn Sekunden schauen ich besorgt durch das kleine Fenster auf die Piste. Ob wir mit dieser Geschwindigkeit auch abheben können? Ich bin voll auf einen Abbruch des Starts gefasst. Doch scheinbar hat mich der geringe Lärm der Triebwerke getäuscht. Die Maschine hebt wunderbar ab und dreht eine Runde über dem Lichtermeer der 11-Millionenstadt von Metro-Manila, bevor sie in der Dunkelheit der Nacht verschwindet. Zum Glück bin ich nicht einen Tag später geflogen, denn infolge starken Nebels (Sicht nur 350 Meter) müssen auf dem Flughafen Bangkok dreizehn Flüge zwischen 06.00 und 09.00 Uhr morgens nach U-Tapao, Chiang-Mai und Phuket umgeleitet werden.

In der Zwischenzeit haben in Thailand Wahlen stattgefunden, die der reichste Mann des Landes, Thaksin Shinawatra (Vermögen 574 Mio US $) gewonnen hat. Bereits vor den Wahlen musste er von einem Antikorruptionskommission zugeben, dass er "einfach" vergessen habe, 15 Mio US $ den Steuerbehörden zu deklarieren. Die Richtung seiner Politik gegenüber den im Lande lebenden Ausländern ist noch nicht ganz klar, wenn man einmal davon absieht, dass er der Chef der "Thai rak Thai - Thais lieben Thais" - Partei ist. Viele der seit langem in Thailand lebenden Ausländer sind überzeugt, dass vieles unter der neuen Regierung unter Thaksin anders sein wird. Ob besser oder schlechter, bleibt abzuwarten.

Mit der Ankunft in Bangkok wird es wieder eine Spur heisser, 35 Grad Celsius! Da gab's nur eines: sofortige Flucht an die Küste nach Pattaya. Wie bei meiner Ankunft in Angeles bin ich in Pattaya vorerst erschrocken. Diese Masse von Touristen! Schrecklich! Da war es im Sommer ganz anders, viel gemütlicher, aber eben, so ist es halt in der Hochsaison.

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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch