| Mabuhay - Reiseberichte |
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Das Rätsel der Ebene der Tonkrüge Vientiane: Mein Fahrer erscheint pünktlich zur abgemachten Zeit vor dem Hoteleingang. Es ist noch dunkel. Die Strassen sind menschenleer. Drei streunende Hunde balgen sich mitten auf der Strasse. Es wäre gar nicht so einfach gewesen, um diese Zeit ein Taxi oder ein Motorrad aufzutreiben, das mich zum Flughafen fährt. Dies ist offensichtlich auch meinem Fahrer bewusst, der mir einen entsprechend hohen Preis abverlangt. Es ist kühl. Ohne Jacke würde ich frieren. Als wir den Flughafen erreichen, dämmert es. Die Schalter sind noch geschlossen. Auf die Frage wohin ich will, kann ich gar nicht antworten! Ich weiss nur, dass es Richtung Norden zur Ebene der Tonkrüge gehen soll. Auf dem Flugbillet ist als Destination zwar Xien Khouang angegeben, doch auch nach intensivem Suchen konnte ich diesen Ort auf der Landkarte nirgends ausfindig machen. Allmählich füllt sich die kleine Abflughalle. Ich bin der einzige Ausländer. Zwei einheimische Geschäftsfrauen klären mich auf, dass der Flug nach Phonsavan geht. Der Flughafen soll sich einige Kilometer ausserhalb der Stadt befinden und nach dem Namen der Provinz Xien Khouang benannt sein. Als der Flug aufgerufen wird, kommt Bewegung in die Menge. Die Leute drängen zum Ausgang als ob es nicht genügend Sitzplätze für alle hätte. Auch eine Gruppe französischer Touristen ist eingetroffen. Zusammen mit gackernden Hühnern, die im Handgepäck mitgeführt werden, besteige ich das Flugzeug der Lao Aviation. Es ist eine ATR 72, ein mittelgrosses Propellerflugzeug. Zwei Reihen vor mir sitzt ein älterer Ausländer mit seiner jungen laotischen Frau oder Freundin. Nervös rutscht sie auf ihrem Platz hin und her. Ihr Blick ist ängstlich. Sie scheint das erste Mal zu fliegen. Liebevoll halten sich die beiden die Händchen. Hinter mir schreit ein kleines Kind. Mit einer Viertelstunde Verspätung heben wir ab. Nach zwanzig Minuten überfliegen wir endlose, dichte Bergwälder. Mit rund 19 Einwohner pro km2 weist Laos mit Abstand die dünnste Bevölkerungsdichte aller Südostasiatischen Staaten auf. Je weiter wir nach Norden fliegen, umso höher werden die Bergkämme. Die Täler liegen unter der Wolkendecke. Die bergige Landschaft ist wunderschön. Von weitem kann man ein riesiges von Bergen umringtes Wolkenmeer erkennen: die Ebene der Tonkrüge. Am Südrand des auf 1200 m ü.M. gelegenen Plateaus überragt ein Gebirgszug alle anderen. Das wird der Phu Bia sein, mit seinen 2850 Metern der höchste Berg von Laos. Der Kapitän kündigt die Landung an. Langsam verlieren wir an Höhe und nähern uns der Wolkendecke. Gemäss meinem Reisebuch soll die Ebene der Tonkrüge aus der Vogelperspektive durch die tausenden im Vietnamkrieg entstandenen Bombentrichter wie eine Mondlandschaft aussehen. Da der Ho Chi Minh-Pfad durch dieses Gebiet führte, wurden hier insgesamt mehr Bomben abgeworfen, als während des ganzen zweiten Weltkrieges auf Europa! Wegen der Wolkendecke kann ich davon nichts erkennen. Als wir in das weisse Meer eintauchen, wird es mir für eine kurze Zeit Bange. Wie hoch wir wohl noch fliegen? Funktioniert der Höhenmesser auch richtig? Nach 30 Sekunden sind wir durch. Aufatmen. Wir sind noch immer etwa 300 Meter über dem Boden. Die Landung auf der kleinen Piste ist perfekt. Das Flugzeug rollt aus und parkt auf einem kleinen unasphaltierten Feld. Da mein Weiterflug nach Luang Prabang in Vientiane nicht bestätigt werden konnte, muss ich mich bei der Ankunft im Flughafengebäude bei Miss Phout melden. Ich überlege mir, was ich bis zum morgigen Abflug in diesem "Kaff" überhaupt machen soll. Am liebsten würde ich gleich heute Nachmittag weiterfliegen. Ein Besuch der wichtigsten Fundstätte wird doch sicher nicht mehr als einige Stunden in Anspruch nehmen. Ich habe Glück. Ein Platz im Nachmittagsflug nach Luang Prabang ist noch frei. Ich buche um. Es ist 09.00 Uhr morgens. Um 14.00 Uhr muss ich wieder im Flughafen sein. Fünf Stunden stehen mir zur Verfügung um diese geheimnisumwitterte Ebene der Tonkrüge zu entdecken.
Tai, ein 19jähriger, gut englischsprechender Bursche stellt sich mir als Führer vor und bietet an, mich für 40 US $ zu den zwei wichtigsten Fundstätten zu führen. Die Strasse vom Flughafen nach Phonsavan ist ganz neu. Ich bin von den vielen schönen, grossen, neuen Häusern überrascht. Sie sollen chinesischen und vietnamesichen Geschäftsleuten gehören. Bei der Vorbeifahrt an einer besonders grossen Villa bemerkt der Fahrer schmunzelnd, dass diese der Drogen-Mafia gehöre. Die Häuser liegen weit auseinandergezogen. Die Stadt wirkt wie eine Pionierstadt. Auf engem Raum leben hier Gruppen der Lao Lum (Tieflandbewohner) und Lao Theung (Hochlandbewohner). Als Sehenswürdigkeit zeigt man mir wie die Laoten kreativ mit dem Kriegsschrott umgehen, welcher einst von der amerikanischen Luftwaffe abgeworfen wurde. Aus Bomben- und Granathüllen sind Zäune für Häuser, Schulgongs, Blumenkästen und Schweinetröge entstanden. Bei einem Kaffee und den traditionellen knusprigen Baguettes lerne ich Khamseng, so heisst der Fahrer unseres Minibusses, kennen. Die mit Abstand imponierenste und interessanteste der rund 52 Fundstätten liegt einige Kilometer südöstlich von Phonsavan. Auf einer Fläche von 25 Hektaren befinden sich hier 307 der rätselhaften Krüge. Die Strasse führt durch eine hügelige baumlose Landschaft. Das seinerzeit von den Amerikanern versprühte Entlaubungsmittel Agent Orange verhindert noch heute, mehr als 30 Jahre nach dem Krieg, einen normalen Baumwuchs. Der Eintritt zur Fundstätte Nr. 1 kostet 4'000 Kip. Auf einer Anhöhe befinden sich einige der grössten Krüge. Der "King Jar", der Königskrug, ist der grösste. Er weist einen Durchmesser von 2 1/2 Meter auf und ist 2,57 Meter hoch. Die Bombardierungen während des Krieges haben etliche Krüge zerstört. Auch die Bombentrichter sind nicht zu übersehen. Der Anblick auf die in einem weiten Umkreis des Hügels verstreuten Krüge ist faszinierend. Ich kann es fast nicht glauben, selbst an diesem geheimnisvollen Ort zu stehen. Manche Krüge scheinen in Gruppen angeordnet, andere stehen in unregelmässigen Abständen in der Landschaft herum. Die Krüge weisen erhebliche Unterschiede bezüglich Grösse und Form auf. Es gibt die grossen, die ganz grossen und eine grosse Menge kleinere. Die grossen sind zwischen 1 und 1 1/2 Meter hoch, die kleinen sind kaum grösser als 50 Zentimeter. Zahlreiche sind rechteckig, andere sind oval oder zylindrisch. Einzelne Deckel liegen verstreut herum. Wer diese Krüge geschaffen hat und vor allem zu welchem Zweck sie verwendet wurden, bleibt eines der ungelösten Rätsel dieser Welt. Obwohl die Wissenschaft heutzutage über die modernsten Methoden zur Analyse von Materialien verfügt, überrascht es sehr, dass sich die Experten nicht einmal über das verwendete Material einig sind. Nach einer Theorie französischer Forscher sollen die Krüge aus Granit, Schiefergestein oder Kalkstein gemeisselt worden sein. Da dieses Gestein in der Gegend nicht vorkommt, bleibt gleich die Frage offen, wie denn diese 1 bis 6 Tonnen schweren Brocken hierher gebracht wurden. Die örtliche Sage behauptet, dass der Rohstoff aus einem Zement von Büffelhaut, Zuckerrohr, Sand und Wasser bestehe und in einer der naheliegenden Kalksteinhöhle mit Rauchabzug gebrannt wurden, was zur der Bezeichnung "Tonkrüge" führte. Der Legende nach sollen die Gefässe von einem chinesischen General erstellt worden sein, um Reiswein für eine Siegesfeier zu keltern. Das Gelage soll im 6. Jahrhundert stattgefunden haben. Die Geschichte wird gerne von den Einheimischen erzählt, ist aber nicht ernst zu nehmen, denn die Archäologen schätzen das Alter der Krüge auf rund 2000 Jahre. Eine andere Theorie besagt, dass die Krüge Vorratsbehälter für Reis und andere Produkte waren. Auch diese Erklärung scheint kaum glaubwürdig. Weshalb würde man dazu solch massive Krüge erstellt haben? Die Archäologen halten die Krüge eher für Begräbnisurnen bzw. Urnen für Grabbeigaben eines megalitischen Volkes. Was wohl Erich von Däniken dazu meint? Egal welche der Hypothesen zuletzt zutrifft, das Rätsel um die Ebene der Tonkrüge wird noch viele Jahre weiter bestehen. Die zweite Fundstätte liegt etwa 25 Km in östlicher Richtung entfernt. Auf zwei Hügeln liegen dort etwa 60 Krüge.
Mittlerweile ist es Mittag geworden. Der Hunger macht sich langsam spürbar. Es ist Zeit nach Phonsavan zurückzufahren. Der Fahrer führt mich in sein Guesthouse zum Mittagessen. Er stellt mir seine beiden Töchter vor. Die Zeit geht rasch vorbei. Schon ist es Zeit sich zum Flughafen zu begeben. Es war zwar ein kurzer Besuch, gelohnt hat er sich aber auf jeden Fall. Mein Abflug ist um 15.30 Uhr. Während längerer Zeit bin ich der einzige wartende Passagier. Gegen 15.00 Uhr treffen noch drei weitere ein, alle wollen jedoch nach Vientiane. Es sollen heute noch zwei Maschinen ankommen: eine grössere aus Vientiane und eine kleinere aus Luang Prabang. Eine Maschine ist gelandet. Es ist die kleinere, also meine. Zwölf Touristen steigen aus. Bin ich wirklich der einzige Passagier? Es scheint so. Gemeinsam mit dem Co-Pilot und Pilot marschieren wir zum Flugzeug. Ich spreche einen der Piloten an um ihn scherzhaft zu fragen wie viele Air-Hostessen mich auf dem Flug betreuen. Da er anscheinend nur wenig Englisch versteht, nehme ich an, dass es sich um den Co-Piloten handelt. Eine Alkoholfahne weht mir bei seiner Antwort entgegen. Oha, das war wohl nicht Coca-Cola! Beim näherkommen der Maschine begreife ich weshalb sich die Piloten vor dem Abflug Mut antrinken müssen. Es ist eine Y-12 Turboprop aircraft, eine alte chinesische Maschine. Die Kabine ist gerade 12 m3 gross. 12 Passagiere haben darin Platz. Das maximale Ladegewicht ist mit 1'700 Kg angegeben. Ich sitze neben dem Notausgang. Vielleicht besser so. Der Griff zum Öffnen der Türe ist mit einem Klebesteifen fixiert! Wir starten. Die Maschine zieht hoch. In einem weiten Kreis drehen wir über das Flughafengebäude hinweg. Wir fliegen wiederum über unzählige, von dichtem Wald bewachsene Bergzüge. Laos besitzt enorme Ressourcen an Nutz- und Edelholz. Der Holzhandel hat dem Staat auch erhebliche Einnahmen gebracht. Doch die Forstwirtschaft und die Aufforstung konnten nicht miteinander Schritt halten. Jedes Jahr gehen schätzungsweise über 300'000 Ha Bergwald durch Holzeinschlag verloren. Die Rodung ist aus der Luft gut erkennbar. Die kahlen Landstreifen inmitten des dunkelgrünen Waldmeeres wirken wie ein Flickwerk. Der Flug ist ruhig. Die Motoren tönen vertrauenswürdig. Ein echtes Erlebnis ist der Anflug von Luang Prabang. Zunächst fliegen wir dem Mekong-Fluss entlang. Auf der linken Seite kommen die ersten Häuser der Stadt in Sicht. Ich einer 180Grad Schlaufe überfliegen wir den Fluss und setzen zur Landung an. Wir fliegen dabei am Berg Phou Si vorbei, der sich in der Mitte der Stadt erhebt. Weich wie ein Adler setzt der Pilot die Maschine auf der Piste auf. Ein ereignisreicher Tag geht damit zu Ende.
Luang Prabang, die königliche Hauptstadt Der Himmel ist stark bewölkt. Gestern Nachmittag war es bei meiner Ankunft doch noch so sonnig. Ich bin enttäuscht, wollte ich doch heute fotografieren. Dazu brauche ich einfach Sonne. Schon einige Male hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wird dies nun auch wieder hier der Fall sein? So gehe ich vorerst mit dem Fahrrad auf Erkundungstour. Die Zeit in Luang Prabang scheint still zu stehen. Bis 1975 war die Stadt am Oberlauf des Mekongs die Hauptstadt von Laos. Die 30'000 Einwohner zählende Stadt steht seit 1995 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Sehenswürdigkeit sind die zahlreichen Tempel, einer schöner als der andere. Der Berühmteste ist der Wat Xieng, der 1656 von König Setthathirat erbaut wurde. Das meistbesuchte Gebäude ist der Königspalast der bis 1975 von der Königlichen Familie bewohnt wurde. Am Giebel über dem Eingang ist das alte Emblem des Landes zu sehen, Erawan, der dreiköpfige weisse Elefant, der die drei laotischen Reiche des Lane Xang (das Reiche der Millionen Elefanten) symbolisiert. Im Innern des Palastes können der Audienzsaal mit dem Thron, der Empfangsraum für Privataudienzen sowie die Privaträume der königlichen Familie besichtigt werden. Der Palast beherbergt auch Geschenke zahlreicher Könige und Staatsoberhäupter, so ein Tee Service aus Porzellan von General de Gaulle und Fragmente von Mondgestein von US-Präsident Richard Nixon. Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist aber eine kleine, 83 cm hohe, 54 Kg schwere, aus Gold, Silber und Bronze geschaffene Buddha-Statue, den Phra Bang. Auch dieser Buddha wurde einst von den Siamesen nach Bangkok entführt, im Gegensatz zum Emerald-Buddha, wurde der Phra Bang später dem König von Luang Prabang wieder zurückgegeben. Die beste Aussicht auf die Stadt geniesst man vom Berg Phou Si. 382 Stufen führen durch Frangipanibäume auf den Hügel zum Wat Choum Si. Nach 80 Stufen bin ich bereits dermassen ausser Atem, dass ich eine mehrminütige Pause einschalten muss. Ich komme mir vor wie ein Bergsteiger am Everest. Zehn Stufen hoch, verschnaufen, wieder zehn Stufen hoch, verschnaufen. Der Schweiss rinnt nur so aus meinen Poren. Auf halber Höhe verkaufen zwei Frauen das Eintrittsbillet. Als sie mich sehen, lachen sie verschmitzt. "Bin halt schon ein alter Man, keine Kraft mehr" rufe ich ihnen zu. Die Frauen "gigelen". Die Sicht auf die inmitten von Koskospalmen und Bananenbäumen liegende Stadt ist die Anstrengung alleweil wert. Sehr gut erkennt man von hier oben, wie der untere Stadtteil zwischen Mekong und der Mündung des Nebenfluss Nam Khan auf einer Halbinsel liegt, fast wie die Altstadt von Bern. Gegen 10 Uhr scheint sich die Wolkendecke aufzulösen. Die blauen Himmelflecken werde immer grösser. Tatsächlich, eine Stunde später herrscht schönstes Wetter. Also, sofort ins Hotel zurück um die Fotoausrüstung zu holen. Die Tour beginnt nochmals von vorne. Wunderschön ist auch der Wat Sene mit seinen auf rotem Grund verzierten Gold-Dekor. Doch der schönste aller Tempel ist ohne Zweifel der Königstempel neben dem Königspalast. In der nachmittäglichen Sonne glizzert die mit herrlich vergoldeten Holzschnitzereien verzierte Front des Tempels besonders schön. Etwas vorsichtiger als am Vormittag nehme ich die 382 Treppen zum Wat Choum Si erneut in Angriff. Die beiden Frauen haben Freude als sie mich wieder sehen. Sie lassen mich sogar hinauf ohne nochmals den Eintritt bezahlen zu müssen. Schade, dass abends in der Stadt nicht viel los ist. Im Touristenviertel in der Umgebung des Königspalastes gibt es zahlreiche Restaurants. Cafe des Artistes, Au Potiron, Restaurant Indochine wie sie alle heissen. Auch Internetanschlüsse gibt es in Hülle und Fülle für 200 Kip die Minute (etwa Fr. 2.- pro Stunde).
Zu den Pak Ou-Höhlen Jeden Morgen um 05.00 Uhr bereitet die Frau neben meinem Guesthouse Klebreis für die Mönche zu. Sie schlägt mir vor, am nächsten Morgen zwischen 06.15 und 06.30 Uhr bei der täglichen Gabe an die rund 300 Mönche beizuwohnen. Das Aufstehen ist recht mühsam. Ich verspüre in den Oberschenkeln ein schmerzender Muskelkater. Tja, diese Treppen! Pünktlich um 06.15 Uhr kommen die Mönche in ihren safrangelben Roben in der Morgendämmerung in einer scheinbar endlosen Kolonne daher gelaufen. Lautlos marschieren sie barfuss die Strasse entlang und sammeln die Spenden ein. Nach einer Viertelstunde ist der ganze Spuk vorbei. Die Mönche sind in ihre Tempel zurückgekehrt. Für den heutigen Tag ist ein Ausflug mit dem Boot zu den Pak Ou-Höhlen, etwa 30 km Mekongaufwärts, geplant. Der Himmel ist auch heute wieder bedeckt. Ich habe diesbezüglich jedoch keine Bedenken mehr. Das Boot tuckert stromaufwärts dem rechten Ufer entlang. Durch den niedrigen Wasserstand haben die Bewohner an den von Fluss freigegebenen Ufern Gemüsegärten angelegt. Die Erosion durch das Hochwasser während der Regenzeit ist deutlich sichtbar. Grosse Erdmassen werden jedes Jahr dadurch weggeschwemmt. Der Fluss führt durch eine hügelige Landschaft. Bizarre Berge versperren scheinbar den Lauf des Flusses. Mehrmals muss das Boot Stromschnellen ausweichen. Einige schwerbeladene Boote mit Einheimischen kommen uns entgegen. Man kann übrigens auch von Luang Prabang mit Schnellbooten nach Chiang Khon, an die thailändische Grenze fahren, resp. von dort nach Luang Prabang gelangen. Wie erwartet haben sich auch heute die Wolken im Verlaufe des Vormittags verzogen. In der Zwischenzeit hat das Boot auf die linke Uferseite gewechselt. Nach kurzer Zeit steuert mein Bootsführer wieder auf die rechte Uferseite zu, wo die Häuser eines Dorfes sichtbar werden. Wir legen an. Das Dorf heisst Xang Hai. Die Leute leben von der Destillation von Branntwein und vom Souvenirsverkauf an Touristen. Ich komme ins Gespräch mit dem Abt des Tempels. Er möchte gerne fotografiert werden. Na, noch so gerne. Ich zähle auf thailändisch "eins, zwei, vier!" und drücke ab. Er lächelt und belehrt mich, dass ich die "drei" vergessen habe. Nein, nein, diese Kamera hat keine "drei" antworte ich ihm. Daraufhin bricht er in einen Lachkrampf aus. Wir verabschieden uns freundlich. Ich verspreche ihm die Foto per Post zuzustellen. Nach zwei Stunden erreichen wir den grossen Kalksteinfelsen in dem sich die bekannte Höhle mit den vielen Buddhas befindet. Von der Anlegestelle führt eine kleine Treppe zur unteren Tam Tong-Höhle. Der Anblick der rund 4000 kleinen Buddha-Skulpturen ist überwältigend. Die meisten sind aus Holz geschnitzt oder aus einem Baumharz geformt, mit rotem oder schwarzem Lack bemalt und mit Goldplättchen bedeckt. Einige der Skulpturen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Bis 1975 pilgerte der König und das Volk von Luang Prabang einmal im Jahr zu den Höhlen um neue Buddha-Skulpturen zu offerieren. Die obere Höhle, die Tam Phum-Höhle führt zwar viel tiefer in den Berg hinein, ist aber weit weniger spektakulär. Der Blick hinunter zum Mekong und auf die gegenüberliegende Berge lässt einem für eine kurze Zeit in Träume versinken. Der ohrenbetäubende Lärm eines Schnellbootes, das mit bis zu 80 km / Std. den Fluss abwärts donnert reisst mich in die Wirklichkeit zurück. Es ist Zeit nach Luang Prabang zurückzukehren.
Zurück nach Vientiane Gerne wäre ich noch einige Tage länger in Luang Prabang geblieben oder, hätte ich mich jemanden anschliessen können, auch noch einige Tage in Vang Vien verbracht. Doch wie gewöhnlich bin ich alleine und beschliesse deshalb in die Hauptstadt zurückzufahren. Obwohl die Strasse in gutem Zustand ist, kommen wir wegen des regen Verkehrs von Ziegen, Büffeln, Schweinen, Enten, Hunden und Kühen nur schleppend voran. Die Strasse führt weiter über unzählige hohe Bergzüge. Ein ständiges auf und ab. Grosse feuerrote Büsche von Weihnachtssternen sowie gelbe Büsche von Margueriten zieren den Strassenrand. Je höher wir kommen, desto dichter wird der Bambuswald. Auf den Passhöhen werden wir jeweils in Nebelschwaden gehüllt. Unverhofft bekomme ich unterwegs Gesellschaft. Eine Heuschrecke hat sich am Aussenfenster festgesetzt und starrt mich mit ihren kleinen runden Augen an. Sie scheint die Fahrt zu geniessen. Ihre beiden Antennen biegen sich im Fahrtwind. Während einer längeren Zeit schauen wir uns Auge in Auge an. Als sie abspringt, bin ich fast ein wenig enttäuscht. Für eine kurze Zeit fühlte ich mich nicht so alleine. Bon voyage und danke für die Gesellschaft. Vor dem Dorf Kasi wird die Landschaft endlich etwas flacher. Erstmals seit unserer Abfahrt verläuft die Strasse 100 Meter gerade aus. Karststeinfelsen mit bizarren Formen prägen nun die Landschaft. In Vang Vien, steigen zwei Busspassagiere aus. 90 km vor Vientiane erreichen wir das schimmernde Wasser des Nam Ngum Staudammes. Laos verfügt auch über ein riesiges Potential an Wasserkraft, welches mittlerweile durch grosse Staudämme und Elektrizitätswerke genutzt wird. Im Zuge eines internationalen Mekong-Projektes wurden zwischen 1972 und 1975 der Ngu-Staudamm errichtet und ein Wasserwerk gebaut. Der erzeugte Strom wird grösstenteils in das benachbarte Thailand exportiert. Um 17.00 Uhr bin ich wieder in Vientiane zurück. Vier Tage ohne Zeitungen und Fernsehen, war das eine Erholung. Diese ständigen Meldungen von Anschlägen und Vergeltungsschlägen in Israel mag ich bald nicht mehr hören. Auch die Taliban sind noch nicht gestürzt und der Bin Laden ist noch immer nicht gefunden worden. Der läuft doch frei in den USA herum und lacht sich ins Fäustchen. Meine Reiseplanung hat sich einmal mehr als gut erwiesen. Das Visum für Vietnam ist ab morgen gültig. In unmittelbarer Nähe des Hotel Paris werden in einer Imbissbude Busbillette nach Hue verkauft. Die Fahrt kostet 25 $. Das trifft sich ja gut, die Reise nach Vietnam scheint demnach doch mehr frequentiert zu werden, als angenommen. Der Grenzübergang nach Lao Bao (Vietnam) ist erst seit 1994 für ausländische Touristen offen. Die Auskunft über die Abfahrt der Busse ist aber sehr vage. Also doch nicht so einfach. Was mich vor allem stört ist, dass der Preis für die Fahrt nach Hue teurer ist als nach Hanoi! Das ist doch absolut unlogisch, denn Hanoi liegt ja einige Hundert Kilometer nördlich von Hue. Eine Rückfrage bei der Busstation bestätigt den Preis. Eine zweite Nachfrage ergibt, dass die Busse über Hanoi nach Hue fahren und daher nicht über den Grenzübergang von Lao Bao in Zentralvietnam fahren. Oha, das scheint wohl komplizierter zu werden. Was soll ich nun machen? Ich beschliesse in den nächsten Tagen mit dem Lokalbus vorerst nach Savannakhet zu fahren. Von dort wird es sicher eine Menge Busse nach Vietnam geben. Ich bin relativ früh wach. Auf der Hauptpost kaufe ich mir die neuesten laotischen Briefmarken. Da der Busbahnhof gleich daneben liegt, erkundige ich mich wo und wann die Busse nach Savannakhet eigentlich abfahren. Der nächste Bus fährt um 09.30 Uhr, in einer halben Stunde. Warum eigentlich nicht schon heute abreisen? Ich habe ja hier nichts mehr verloren. Ich beschliesse kurzfristig nach Savannakhet zu fahren. Ich muss jedoch noch meinen Rucksack packen und gefrühstückt habe ich auch noch nicht. Also nichts wie ins Hotel zurück. Eilig packe ich meine Sachen zusammen und bezahle das Zimmer.
Die Grenze von Lao Bao Die Fahrt mit dem öffentlichen Bus kostet 24'000 Kip, etwa 2 1/2 $. Die Ankunft ist gegen 17.00 Uhr vorgesehen. Als Frühstück gibt es ein Baguette mit Pate und eine Flasche Mineralwasser. Pünktlich fahren wir ab. Es geht eine längere Zeit Richtung Norden. Weshalb nach Norden? Wir sollten doch dem nördlichen Ufer des Mekongs entlang nach Osten fahren! Nach einer halben Stunde kommen wir zu einer Strassengabelung. Der Bus zweigt nach rechts ab. Na also. Die Strecke führt nach Muang Pakxan nach Süden, Richtung kambodschanische Grenze. Nach acht Stunden erreiche ich mein Ziel. Savannakhet, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist die viertgrösste Stadt von Laos. Der Grenzübergang von Mukdahan (Thailand) nach Savannakhet ist neben Nong Khai, der wichtigste Übergang für Handel nach Laos. Die Exporte sind von 1,6 Bio Baht (1994) letztes Jahr auf 5,1 Bio Baht angestiegen. Motorräder sowie Ersatzteile, elektrische Geräte und Nahrungsmittel führen die Liste an. Der Grund dieser massiven Zunahme ist aber nicht etwa einer gedeihenden laotischen Wirtschaft zuzuschreiben, sondern vielmehr der zunehmenden Beliebtheit thailändischer Waren in Vietnam. Rund 80% aller Waren gehen nach Vietnam. Durch den kürzlichen Beschluss hier eine Brücke über den Mekong sowie eine neue Strasse an die vietnamesische Küste zu bauen, wird in den nächsten Jahren ein Wirtschaftsboom erwartet. Thailand erhofft dadurch seine Exporte nach Vietnam noch mehr zu steigern. Die Vietnamesen hoffen dagegen auf ein gutes Geschäft mit der Einnahme von Gebühren für die Benützung des Tiefseehafens von Danang durch thailändische Händler. Und die Laoten? Als einziges Binnenland Südostasiens würde die neue Strasse ihnen das Tor zur See öffnen. Die 1,6 Km lange Brücke über den Mekong soll im Jahr 2006 fertig sein. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Vorerst müssen die 210 Km an die vietnamesische Grenze noch auf einer miserablen Strasse zurückgelegt werden. Die erste Überraschung ist perfekt. Es soll heute kein Bus nach Hue fahren! Diese sollen nur am Montag und Donnerstag fahren. Heute ist Dienstag. Zwei Tage hier verbringen, das kommt gar nicht in Frage. Dann fahre ich lieber nach Bangkok und fliege nach Hue oder direkt nach Manila. Ich will ja im Prinzip so schnell wie möglich auf die Philippinen! Auf einer grossen Tafel ist der Fahrplan der Busse angegeben. Nach Hue fährt ein Bus effektiv nur am Montag und Donnerstag. Am Dienstag, Mittwoch und Samstag gibt es aber ein Bus nach Danang. Na also! Hue liegt ja auf dem Weg nach Danang, weshalb sollte ich nicht mit dem heutigen Bus fahren können? Um von der Landschaft etwas zu sehen, wäre ich lieber tagsüber gefahren. Doch anscheinend gibt es nur Nachtbusse. Nach langem Palaver kaufe ich das Billett bis Hue. 83'000 Kip, ca. 9 $. Mit dem Kauf des Billet wird auch gleich eine Unfallversicherung abgeschlossen: 1,1 Mio Kip für Spitalbehandlungskosten, 35 Mio bei Todesfall. Die Strecke muss ja Lebensgefährlich sein! Die Abfahrt ist um 22.00 Uhr. Die Ankunft in Hue ist gegen 14.00 Uhr vorgesehen. 16 Stunden! Auch das wird sicher zu schaffen sein. Bis zur Abfahrt sind es noch 4 1/2 Stunden. Genug Zeit um endlich auch mal etwas zu essen. Seit dem Frühstück gab es nichts mehr. Ich plaudere mit den Leuten. Die Zeit geht dadurch auch ein wenig schneller vorbei. Sie haben auch Freude daran und fragen mich allerlei. Ich komme ins Gespräch mit dem jungen Mädchen, das an einem der zahlreichen Stände Pouletschenkel auf Holzkohle grilliert. Als ich ihr erzähle, dass ich nach Vietnam fahre, möchte sie mitkommen. Sie ist 18, recht hübsch. Tja, so eine Begleitung wäre mal etwas anderes! Als Proviant kaufe ich mir 2 "gai yaan" - Pouletschenkel, 2 Baguettes und eine Flasche Mineralwasser ein. Man kann ja nie wissen, was für Überraschungen noch auf mich zukommen werden. Der vietnamesische Bus ist eingetroffen. Es scheint ein moderner, komfortabler Bus zu sein. Wir sind nur ein Dutzend Passagiere, darunter ein australisches Geschwisterpaar. Ich bin froh nicht der einzige Ausländer zu sein. So kann ich wenigsten mit jemanden sprechen, obwohl ich dieses "Australisch" nur schlecht verstehe. Als wir den Bus durch die Hintertür besteigen, kriege ich fast einen Schock. Der ganze Bus ist vollgestopft mit Kartons. Der Gang, die Gepäckfächer, unter den Stühlen, ja sogar der Raum für die Füsse ist mit Waren gefüllt! Ist das eigentlich ein Passagierbus oder ein Warentransport? Wie soll man denn so sitzen? Etwa im Schneidersitz? Ich habe sonst schon Mühe in meinen zu engen Jeans. Dazu trage ich noch meine Bauchtasche mit dem Pass. Wenigstens hat man zwei Sitzplätze zur Verfügung. Um nicht allzufest eingeengt zu sein muss ich meinen Gürtel lockern und den Reisverschluss meines Hosenladens öffnen. Mensch, das wird ja wieder eine Fahrt werden. Als sich alle einigermassen komfortabel eingerichtet haben, fahren wir los. Die Strasse ist sehr schlecht. An Schlafen ist nicht zu denken. Der Mond leuchtet hell, so kann man von der Landschaft doch noch etwas mitbekommen. So fahren wir die ganze Nacht hindurch. Die Zeit vergeht überraschend schnell. Eine halbe Stunde streckt man die Füsse nach rechts, eine halbe Stunde nach links, eine halbe Stunde zum Fenster hinauf. Bald einmal ist es 03.00 Uhr morgens. Gegen 05.00 Uhr wird es hell. Eine Stunde später erreichen wir die Grenze. Die Ausreiseformalitäten auf laotischer Seite sind rasch erledigt. Zum vietnamesischen Posten geht es etwa 200 Meter weiter. Die Strasse ist durch die Regenfälle in einem schrecklichen Zustand. In der knöcheltiefen rotbraunen Erde kämpfen wir uns zum Gebäude mit der roten Flagge mit gelbem Stern durch. Wir sind zu früh. Die Grenze hier öffnet erst um 07.00 Uhr. Geduldig warten wir. Auch die Einreise ist problemlos. Der junge vietnamesische Beamte ist sehr freundlich. Wir wären eigentlich bereit zum weiterfahren. Der Grenzübertritt war ja gar nicht so schlimm wie so manche erzählten. Wo ist aber unser Bus? Während wir auf den Bus warten, lasse ich mir von einer Geldwechslerin einen ganz schlechten Kurs andrehen. Schon bei der Ausreise von Laos bin ich erwischt worden als ich meine übrig gebliebenen 16'000 Kip in vietnamesische Dongs wechselte. Mit den verschiedenen Währungen, Kip, Baht, Dong, Dollar gibt es manchmal schon einen kleinen Salat, aber so kompliziert ist es ja auch wieder nicht, vor allem wenn man so Reiseerfahren ist, wie ich es sein sollte. 10'000 Kip sind 1 US $ = 15'000 Dong. Also müsste ich für meine 16'000 Kip etwa 22'000 Dong erhalten und nicht 10'000! Wie mich die Geldwechslerin beim Wechseln von 1'000 Baht erwischt hat, ärgert mich aber. Dabei wäre es doch so einfach gewesen. Hätte ich nur vorher ein wenig überlegt: 1'000 Baht sind etwa 23 US $ x 15'000 Dong = 345'000 Dong. Erhalten habe ich 145'000 weniger! Der Verlust von 10 $ ist zu verkraften, aber ich habe mich als dämlicher Tourist verkauft, der nicht zählen kann. Nach 3/4 Stunde kommt unser Bus angefahren. Ach ja, den Zoll hätte ich beinahe vergessen. Das Gepäck der Passagiere wird ausgeladen und auf dem Boden ausgebreitet. Ein halbes Dutzend Zöllner stehen bereit um jedes einzelne Gepäckstück zu kontrollieren. Sogar ein Drogenhund kreuzt auf! Im ersten Moment stockt mir den Atem. Verdammt nochmal, ich wollte nach meiner Rückkehr von Luang Prabang doch noch mein Rucksack kontrollieren. Ich habe zwar ein ruhiges Gewissen, aber was würde geschehen, wenn ich Opfer einer Bande geworden wäre, die mir Drogen darin versteckt hätte? Weshalb nur habe ich diese Vorsichtsmassnahme vergessen? Der Gedanke, dass mir jemand etwas im Rucksack versteckt haben könnte, verfolgt mich. Nein, nein, so etwas darf nicht sein, das ist unmöglich. Der Hund beschnuppert die Taschen und Kartons. Als er sich meinem Rucksack nähert, ist es mir ehrlich gesagt nicht ganz wohl. Ich versuche mich äusserlich hin entspannt zu geben, doch ich habe den "Gagg" in den Hosen. Er läuft über meinen Rucksack hinweg und stürzt sich auf eine danebenliegende Tasche. Er schnüffelt wie wild an der Tasche herum und will sich mit seinen Pfoten öffnen. Alle schauen gespannt zu. Hat er etwas gefunden? Der Zöllner öffnet die Tasche und der Hund reisst ein Hemd und einen Schuh heraus. Sein Schwanz wedelt wild hin und her. Er will noch mehr Kleidungsstücke aus der Tasche reissen, doch der Zöllner hindert ihn daran. Offensichtlich will er nur spielen. Die Suche ist beendet. Ich bin sichtlich erleichtert, als der Hund wieder verschwindet. Doch nun wollen die Zöllner auch noch unser Gepäck durchsuchen. Man hat ja Zeit, viel Zeit. Zwei Zöllner nehmen sich meinem Rucksack an. Der eine interessiert sich speziell für die Apotheke. Peinlichst genau begutachtet er jede Medikamentenschachtel, als ob er davon etwas verstehen würde. Bei der Schachtel mit dem Pflastern zur Vorbeugung von Blasen muss ich ihn aufklären was es ist. Der andere wühlt in meinem Necessaire. Seine Aufmerksamkeit stösst auf eine kleine rote Packung mit Erdbeeren drauf. Mehrmals dreht er sie in der Hand und schaut sie mit ernster Miene an. Hat er noch nie eine Schachtel Kondome mit Erdbeergeschmack gesehen? Als sie auf meine Fotos von Pakistan stossen, wird die Stimmung lockerer. Sofort erkennt einer Bin Laden. Alle wollen das Foto sehen. "Aber nein, der Bin Laden hat doch einen viel grösseren Bart" erwidere ich und zeige ihnen die Foto von Bin Laden auf einem T-shirt, das in Nong Khai auf dem Markt verkauft wurde. Alle lachen. Die Durchsuchung ist zu Ende. Doch an eine Weiterfahrt ist nach wie vor nicht zu denken. Nun wird der Bus ausgeladen, Karton um Karton. So langsam aber sicher hege ich Zweifel, ob wir heute um 14.00 Uhr in Hue ankommen werden. Eine Stunde ist vergangen. Noch immer wird ausgeladen. Inzwischen stapeln sich Berge von Schachteln und Kartons neben dem Bus. Alles thailändische Waren. Baby Shampoo, Ovaltine, Milo, Mama Nudeln, Nestle Kondesmilch und Schokolademünzen. So gerne wir eigentlich weitergefahren wären, so interessant und unterhaltsam ist es zuzusehen, welche Unmengen von Waren in diesem Bus verstaut sind. Die Zöllner zählen die Kartons und listen sie auf. Nach drei Stunden ist alles wieder eingeladen. Doch jetzt kommt die Ladung auf dem Dach dran. Endlich, nach vier Stunden ist die ganze Prozedur beendet. Der Bus kann weiterfahren. Wir sind nur noch zu fünft. Das australische Geschwisterpaar und die beiden vietnamesischen Händlerinnen, welche die ganze Ware importieren. Die anderen Passagiere sind verschwunden. Nach knapp 300 m stoppt der Bus bei einer Imbissbude an. Der Fahrer wird wohl Mittagessen wollen. Wir warten geduldig. Als er nach einer Stunde nicht zurück ist, wundern wir uns ein wenig. Normalerweise dauert eine Mittagspause etwa eine halbe Stunde. Wann soll es denn weitergehen? Niemand sagt uns etwas. Fragen wir, können die Leute entweder kein Englisch oder dann wissen sie es selbst nicht. "Meine" Geldwechslerin kommt daher. Strahlend und ungeniert fragt sie mich ob ich nicht nochmals 1000 Baht wechseln will. Nein, nein Mädchen, der blöde Tourist ist doch nicht so blöde. Sie meint, dass der Bus um 14.00 Uhr weiterfahren wird. Tja, um diese Zeit wollten wir ja in Hue ankommen! Auf der Strasse herrscht reger Verkehr mit Motorradtaxis. Wo die wohl alle hinfahren? Sicher ins nächste Dorf. Wie weit es bis dorthin? Ich halte einen Motorradfahrer an und frage ihn, ob er eine Ahnung habe, weshalb unser Bus nicht weiterfährt. Er meint, dass dieser manchmal erst um 16.00 Uhr, manchmal erst um 18.00 Uhr oder sogar noch später startet. Er rät mir, mit dem Motorrad ins nächste Dorf nach Lao Bao zu fahren wo es regelmässige Busverbindungen nach Hue geben soll. Das australische Geschwisterpaar traut der Sache nicht so ganz und möchte lieber beim Bus warten. Die Fahrkarte habe ich zwar bis Hue bezahlt, doch einfach bis in alle Ewigkeit hier zu warten macht ja auch keinen Sinn. Also was entscheide ich? Man muss im Leben manchmal rasch Entscheide fällen und etwas riskieren können. Ich hole mein Rucksack aus dem Bus und verabschiede mich von den beiden. Wer wird wohl zuerst in Hue ankommen?
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