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Mabuhay Vietnam / Philippinen (RB17 / 07.01.2002) Länderinfos: Vietnam Länderinfos: Philippinen

Wer ist zuerst in Hue?

Die Fahrt mit dem Motorrad nach Lao Bao dauert etwa zehn Minuten. Mir ist nun auch klar, weshalb die anderen Buspassagiere nach der Zollkontrolle plötzlich verschwunden sind. Die wussten doch alle, dass der Bus nach dem Grenzübergang nicht weiterfahren würde und haben vermutlich das Billett auch nur bis zur Grenze gekauft. Aber wir Ausländer waren ahnungslos. Niemand hat uns etwas gesagt. Nun gut, für das nächste Mal wissen wir es. Für die Strecke ins Dorf verlangt mein Motorradfahrer 20'000 Dong. Am Busbahnhof werde ich herzlich empfangen. Die Jungs scheinen Freude an ausländischen Touristen zu haben. Man weist mich einem Bus zu, der sogleich direkt nach Hue fahren soll. So etwas nennt man "Schwein haben". 150'000 Dong, 10 US $, kostet die Fahrt. Im ersten Augenblick erscheint mir der Betrag recht hoch, kostete das Billett von Savannakhet nach Hue im Vergleich nur 83'000 Kip. Doch mit einem Expressbus direkt nach Hue fahren zu können muss wohl etwas teurer sein, denke ich. Der Expressbus stellt sich in Wirklichkeit als ein uralter "Lumpensammler" heraus. Nach einer halben Stunde fahren wir los. Der Motor tönt wie von einem Traktor. Doch wenigstens fahren wir und das ist ja die Hauptsache. Nach 18 km passieren wir Khe Sanh. Hier war ich schon im Frühling, als ich von Hue aus einen Ausflug in die DMZ, die demilitarisierte Zone, machte. Das Gebiet ist mir daher nicht fremd. Zur Küste nach Dong Ha und nach Hue ist es nun wirklich keine Hexerei mehr. In etwa zwei Stunden sollte ich in Hue sein. Mein Entscheid erweist sich als richtig und ich freue mich etwas schadenfreudig darüber, dass die "Australier" wohl noch an der Grenze festsitzen und sich ärgern. Nach 35 km hält der Bus plötzlich an. Panne! Der Keilriemen muss ausgewechselt werden. Nach zwanzig Minuten fahren wir weiter. Nicht weit. Der Fahrer kann anscheinend den 3. Gang nicht mehr herausnehmen. Es sind wohl Getriebeprobleme. Die beiden Mechaniker sind bemüht, den Schaden zu beheben. Umsonst. Der Bus wird immer langsamer. Sogar die Velofahrer überholen uns. Ich verstehe, dass wir bis zur nächsten Werkstatt so weiterfahren müssen. Die letzten Kilometer legen wir im Schritttempo zurück. In einer Stunde schaffen wir gerade 15 km! Wenn das so weitergeht werde ich heute nicht mehr in Hue ankommen. Ich überlege mir ob es nicht gescheiter wäre, nochmals den Bus zu wechseln. Es ist 16.00 Uhr und wir haben erst 50 km seit der Grenze zurückgelegt. Wenn ich hier noch lange aufgehalten werde, wird mich "unser" Bus von Laos am Schluss noch ein- und überholen. Das wäre peinlich. Doch bis jetzt habe ich noch die Nase vorn. Die Reparatur dauert diesmal etwas länger. Doch dann geht es zügig weiter. Ich gratuliere den Mechanikern. Diese strahlen übers ganze Gesicht. Wir passieren die Dakrong-Brücke, den Felsenturm Rockpile. Kurz danach werden wir durch eine stehende Kolonne von Lastwagen und PKW's aufgehalten. Ein Schlagbaum versperrt die Weiterfahrt. Polizei! Durchsuchung! Da über die Grenze von Laos viele Waren nach Vietnam geschmuggelt werden, wird jedes Fahrzeug durchsucht. Die Polizisten nehmen es peinlichst genau. Schnell vergeht eine halbe Stunde. Hinter meinen Sitz entdecken sie eine Trappe im Holzboden. Der Hohlraum wird mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet, dabei kommt es zu einem riesigen Palaver. Haben sie etwas gefunden? Einer der Mechaniker muss durch die schmale Öffnung hindurch kriechen. Drei Säcke kommen zum Vorschein. Schmuggelware? Ich habe keine Ahnung, was da vor sich geht. Ist mir auch egal. Ich will nur eines: weiter. Mit dieser erneuten Verspätung würde es mich nicht wundern, wenn der "Laos"-Bus hinter uns anstehen würde. Wie lange werden die Polizisten wohl brauchen, um diesen durchzusuchen? Endlich erreichen wir die Küste. In Dong Ha muss ich in einen Mini-Bus umsteigen. Was hat der mir an der Grenze erzählt? Ein Direktbus nach Hue? Aber das ist hierzulande ein Detail. Ich versuche klar zu machen, dass ich die Fahrt bis Hue schon bezahlt habe. Als ich erzähle, dass ich dafür 150'000 Dong bezahlt habe, lachen mich alle aus. "Vietnam, big Mafia!" 20'000 Dong soll die Fahrt normalerweise kosten. Na ja, einmal mehr oder weniger übers Ohr gehauen worden zu sein, spielt nun auch keine Rolle mehr und wird wohl auf meiner Weiterreise nicht das letzte Mal gewesen sein. Aber gleich viermal an einem Tag, das ist schon etwas viel! In der Zwischenzeit ist die Dunkelheit hereingebrochen. Bis Hue sind es noch 59 km. Endlich, um 19.00 Uhr treffe ich in Hue ein. Ich habe Hunger. Seit heute Morgen habe ich nichts mehr gegessen. Als erstes besuche ich "mein" kleines Restaurant an der Hung Vuong Street, wo mich Mango, die französichsprechende Serviertochter, sofort wieder erkennt. Ich bin totmüde. Seit Vientiane bin ich nun 33 1/2 Stunden unterwegs! Es scheint ziemlich Touristen zu haben. Die beiden ersten Hotels sind ausgebucht. Beim 3. finde ich ein Zimmer. Das Receptionspersonal erkennt sofort, dass ich von Lao Bao herkomme. "Ja, woher wisst ihr das" frage ich erstaunt? Lachend zeigen sie auf die rotbraune Farbe meines weissen T-shirts.

Non-stop nach Hanoi

Ich habe sehr gut geschlafen. Ob die "Australier" wohl auch schon in Hue sind? Gerne hätte ich gewusst, wie es ihnen ergangen ist. Der schwierigste Teil meiner Reise nach Hong-Kong habe ich wohl geschafft. Für einmal regnet es in Hue nicht, es scheint sogar die Sonne. Es ist Donnerstag. Wenn ich gleich heute Abend den Nachtbus nach Hanoi (660 Km) nehmen würde, könnte ich am Freitag noch das chinesische Visum beantragen und damit 2 Tage gewinnen. Ich beschliesse daher den Nachtbus zu nehmen. Das bedeutet zwar wiederum 12 Stunden im Bus zu verbringen, doch ich fühle mich von den gestrigen Strapazen gut erholt. Busfahrten mit Sinh Cafe klappten letzten Frühling ausgezeichnet und können nur empfohlen werden. Doch diesmal kommen wir nicht einmal bis zum 17. Breitengrad. Wir müssen ein Rad wechseln. So etwas kann vorkommen. Wir verlieren dadurch etwa eine Stunde. Danach gibt es nichts besonderes mehr zu vermerken. Bei Tagesanbruch führt die Strasse durch eine unendliche Ebene von Reisfeldern. Die Ernte ist gerade im Gange. Ende Oktober war sie auf 760'000 Ha, etwas mehr als 60% der Reisfelder im Norden des Landes, bereits beendet. Aus der ehemaligen verschlafenen Provinzhauptstadt ist heute eine moderne Stadt geworden. Zahlreiche neue Gebäude säumen die Boulevards Eingangs Hanoi. Der Verkehr ist fast so schlimm wie in Ho Chi-Minh City. Statt um 07.00 Uhr kommen wir erst um 10.00 Uhr an. Bis ich im Hotel bin ist es 11.00 Uhr und bis ich mich ein wenig über die Weiterfahrt nach China orientiert habe, wird es Mittag. Zu spät um das Visum zu beantragen. Die ganze "Juflerei" war umsonst. Es hätte mir aber auch nicht viel genützt, denn der internationale Zug nach Nanning (China) fährt nur dienstags und freitags. Und da die Bearbeitung des chinesischen Visums vier Tage in Anspruch nimmt, hätte ich so oder so frühestens am Freitag abreisen können. So verbringe ich vorerst einmal das Wochenende in Hanoi. Mein Hotel ist mitten im alten Viertel gelegen. Das Treiben in den schmalen Gassen ist hektisch und lärmig. Hupende Motorräder beherrschen den Verkehr. Man kann keine fünf Meter laufen ohne zu riskieren, von einem Motorrad oder einem Cyclo (Fahrradrikscha) angefahren zu werden. Marktfrauen mit ihren Tragkörben mit Orangen, Bananen und Longans beladen, bewegen sich elegant durch die Gassen. Auffallend die Kopfbedeckung der Männer. Die meisten tragen eine Art grüner Tropenhelm. So etwas habe ich im Süden nirgends gesehen. Es soll sich dabei um Soldatenhelme handeln, erklärt man mir. Typisch für Hanois Altstadt ist die Benennung der Gassen. Seit dem 15. Jahrhundert tragen die Gassen Namen, der früher dort ausgeübten Gewerbe. Dies trifft für einzelne Gewerbe noch heute zu. So gibt es die Spiegelgasse, die Juweliergasse, die Kräutergasse, die Büchsengasse, die Grabsteingasse, die Seidengasse, die Strohmattengasse. Ich bin überrascht wie viele Touristen hier anzutreffen sind. Es sind vor allem junge "Billigreisende". Ältere Touristen kommen eher mit organisierten Touren hierher. 2,33 Mio ausländische Touristen, davon 673'000 aus China, 230'000 aus den USA und 205'000 aus Japan, besuchten Vietnam im Jahr 2001, 8,9% mehr als im Vorjahr. Es scheint bei so vielen Touristen doch möglich zu sein, sich jemandem für die Fahrt nach Guilin anschliessen zu können. Doch wie es meistens ist, je mehr Touristen sich an einem Ort befinden, umso einsamer fühlt man sich als Alleinreisender. Die meisten sind zu zweit unterwegs. Es gibt auch zahlreiche alleinreisende Frauen. Doch wie ich schon im Frühling feststellte, ist es halt leider so, dass Dich "weisse" Frauen nicht mit dem "Füdle" anschauen würden. Die Hoffnung, nicht alleine Reisen zu müssen, schwindet von Tag zu Tag mehr. So reise ich halt alleine, aber ehrlich gesagt, "gestunken" wie diesmal hat es mir noch selten.


Hanoi

Zum Ho Chi Minh-Mausoleum

Ausgerüstet mit einem Stadtplan starte ich zu Fuss zu meiner ersten Tour. Das Armee-Museum an der Dien Bien Phu Street ist mein Ziel. Vom Prinzip keine Extragebühr für den Fotoapparat zu bezahlen, mache ich hier eine Ausnahme. Für 2000 Dong, etwa 25 Rappen, kann man dies auch machen. Gleich nach dem Eingang steht triumphierend eine MIG-21, welche zwischen November 1967 und März 1968 vierzehn amerikanische Flugzeuge abgeschossen hat. Für jedes abgeschossene Flugzeug ist auf der Nase ein roter Stern aufgemalt. Im Aussenbereich des Museums werden allerlei Kriegsgeräte und Beutestücke aus dem Indochina- und Vietnamkrieg ausgestellt. Darunter befinden sich auch die Wrackteile eines abgeschossenen B-52 Bombers sowie einer F-111. In einem Vorführraum wird in einer Tonbildschau auf eindrückliche Art und Weise der Ablauf der Schlacht von Dien Bien Phu erklärt. Nach ihrer vernichtenden Niederlage im Mai 1954 mussten die Franzosen ihre Vormachtstellung in Indochina aufgeben. Auf einem Modell des Schlachtfeldes sind die französischen Stellungen mit kleinen grünen Lämpchen markiert. Während im Hintergrund ein Film den Vormarsch der Vietminh zeigt, leuchten auf dem Modell gleichzeitig rote Lämpchen für die Vietminh auf. Die roten Lämpchen werden immer mehr und mehr und umzingeln bald die Garnison der Franzosen. Der Kommentar über die Schlacht ist leider nur in Vietnamesisch, die Darstellung ist jedoch dermassen spannend gemacht, dass ich mir diese dreimal hintereinander anschaue. Das Museum beherbergt auch sonst eine Menge interessanter Dokumente, welche den Kampf des vietnamesischen Volkes für Frieden, Unabhängigkeit und Freiheit des Landes darstellt.

Im Armeemuseum von Hanoi








Überreste eines abgeschossenen B-52 Bombers

Die grosse Attraktion von Hanoi ist für Einheimische wie für die Ausländer das Mausoleum von Ho Chi-Minh. Die Besucher haben dabei strikte Regeln zu befolgen. Alle Besucher müssen sich zuerst in der Empfangshalle registrieren lassen. Wer T-shirts oder Shorts trägt wird nicht hineingelassen. Auch Handtaschen und Kopfbedeckungen sind nicht erlaubt. Während des Besuchs wird respektvolles Benehmen verlangt. Von der Reception wird man von Ehrenwachen zum Eingang begleitet. Dort übernehmen Wächter in schneeweissen Uniformen die Besucher und eskortieren sie zum Glassarkophag, in welchem der einbalsamierte Körper liegt.


Mausoleum

Wer war Ho Chi Minh?

"Onkel Ho", wie er liebevoll von seinen Anhängern bezeichnet wird, gilt für die Vietnamesen als Vater der Nation. 1890 im Dorf Kim Lien geboren, wuchs Nguyen Tat Thanh in einer vergifteten Atmosphäre auf. Mehrere Kulis, welche von der Zwangsarbeit unter der französischen Kolonialverwaltung desertierten, fanden im Hause Tat Thanh Unterschlupf. Mit 19 Jahren zog der junge Nguyen nach Saigon, wo er sich in eine Berufsschule für Hochseeschiffahrt einschrieb. 1911 schiffte der 21jährige als Hilfskoch Richtung Marseilles ein und landete schliesslich in New-York. Nachdem er kurze Zeit in London lebte, zog er nach Paris, wo er unter dem Namen Nguyen Ai Quoc als Fotoretoucheur arbeitete. In Paris begann er über die Unabhängigkeit von Vietnam zu schreiben. 1920 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der französischen KP, später ging er nach Moskau und Kanton. 1941 kehrte er nach 30jähriger Abwesenheit nach Vietnam zurück. Er beteiligte sich an der Gründung des Vietminh, welche gleichermassen gegen den japanischen Imperialismus und für die Unabhängigkeit von Frankreich kämpfte. Die Office of Strategic Services (OSS), die Vorläuferorganisation des CIA , fanden in ihm einen Verbündeten und Freund. Unter dem Decknamen "Luzius" funkte Geheimagent Ho Chi Minh den Amerikanern wichtige Mitteilungen über Truppenbewegungen der Japaner zu. Mit Unterstützung der USA wurde er zum unumstrittenen Führer der nationalistischen Bewegung. Nachdem die Japaner 1945 kapitulierten, rief Ho Chi Minh am 2. September 1945 die Demokratische Republik Vietnam als unabhängigen Staat aus. Zur gleichen Zeit fand im Weissen Haus ein Präsidentenwechsel statt. Präsident Roosevelt, ein deklarierter Feind der französischen Kolonialpolitik, wurde von Präsident Truman abgelöst. De Gaulles Forderung nach einer Wiederbesetzung Indochinas durch Frankreich stiess bei Truman auf Verständnis. Nur kurze Zeit nach der Unabhängigkeitserklärung marschierten die Franzosen in Hanoi ein. Im November 1946 bombardierten französische Flugzeuge und Kriegsschiffe Haiphong. Mehr als 6000 Vietnamesen kamen ums Leben. Ho Chi Minh rief zum Kampf gegen die französische Besatzung in Haiphong auf und bat Washington um Hilfe. Vergebens, denn für die amerikanischen Regierungen der Nachkriegszeit stand Ho Chi Minh auf der falschen Seite. Der Indochinakrieg hatte begonnen.


Ho Chi Minh

Dem heulen nahe...

Inzwischen ist es Montagmorgen. Ich bin unschlüssig, was ich machen soll. Die Bahnfahrt nach Guilin soll 36 Stunden dauern. Weshalb nochmals solche Strapazen auf mich nehmen? Von Guilin nach Hong-Kong sind es nochmals etwa 600 km! Habe ich das ganze nicht etwas unterschätzt? Soll ich nicht lieber direkt nach Manila fliegen? Für 290 US $ wäre ich innerhalb eines Tages dort, wäre im Sunset Garden, am Swimming-pool. Ich werde dort auch von einer netten jungen Dame sehnlichst erwartet. Doch nein, mein "Grind" gibt es nicht zu, die geplante Weiterreise abzusagen. Ich habe Vientiane-Hue geschafft, weshalb sollte ich nicht Hanoi-Guilin/Hong-Kong schaffen? Aber dann ist Schluss mit dieser mühsamen Reiserei! Ich habe die Nase endgültig voll. In einem der zahlreichen Sinh-Cafe gebe ich meinen Pass, 2 Passfotos und 40 US $ ab. Das chinesische Visum ist am Donnerstagmorgen abholbereit. Ich lasse mir auch ein Platz im Schlafwagen für Freitagabend reservieren. Der Preis des Bahnbillets nach Guilin - Quelam auf vietnamesisch - ist lustigerweise in Schweizer Franken angegeben! Sfr. 74.25. Jetzt habe ich fünf volle Tage zur Verfügung. Es gäbe in und um Hanoi etliches zu unternehmen. Die Halong-Bucht mit ihren 3000 bizzar geformten Inseln, die aus dem klaren, smaragdgrünen Wasser des Golf von Tonkin herausragen, gehört zu den grössten Naturschönheiten Vietnams. Doch da war ich schon. Am meisten hätte mich die Besteigung des höchsten Berges von Vietnam, den 3143 Meter hohen Fansipan, gereizt. Meine Bergschuhe habe ich aber in Thailand gelassen. Aber auch sonst hätte es vermutlich nicht geklappt, denn für die 4tägige Tour (US $ 114 pro Person) braucht es im Minimum 2 Personen. So habe ich mir fest vorgenommen, die Besteigung im Dezember 2002 nachzuholen. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich der Tour anzuschliessen. Oder dann eine Tour nach Sapa (1600 m u.M.), welches in der Nähe der chinesischen Grenze inmitten einer traumhaften Berglandschaft liegt. Einziger Nachteil: um nach Sapa und zurück nach Hanoi zu gelangen, müsste ich zwei weitere Nächte im Zug verbringen. Mir graut schon vor der Fahrt vom nächstem Freitag. Also, lasse ich es. Weiter würde mich ein Ausflug nach Dien Bien Phu sehr interessieren. Der Flug hin und zurück kostet 100 US $. Doch auch dies ist nicht möglich. Erstens fliegen die nicht jeden Tag und wenn, fliegen sie gleich wieder zurück, damit man ja dort noch übernachten muss. So etwas blödes. Es gibt auch Tagestouren. Als ich mich dazu entschliesse wenigstens eine Tour in die Umgebung von Hanoi zu unternehmen, beginnt es zu regnen. Es wird ungemütlich und kalt. Um die 20 Grad Celcius. Ich muss abends meinen Helly-Hansen anziehen. Während zwei Tagen regnet es. Scheusslich. Zum Glück bin ich nicht in die Berge nach Sapa gefahren. So vergehen die Tage. An einem Tag geht man zur Post, um Briefmarken zu kaufen, am anderen Tag bringt man die Postkarten wieder hin. Um die Zeit totzuschlagen, sitze ich morgens, mittags und abends in den Internet-Cafes. Die Stunde kostet nur 6000 Dong, nicht einmal einen halben Dollar. Umweit meines Hotels befindet sich der Hoan Kien-See, "der See des zurückgegebenen Schwertes" mit der Schildkrötenpagode. Die Legende besagt, dass hier Kaiser Ly Thai To Mitte des 15. Jahrhunderts vom Himmel ein Schwert erhalten habe, das er zur Vertreibung der Chinesen aus Vietnam benutzte. Nach dem Krieg traf er eines Tages bei einer Bootsfahrt auf eine riesige goldene Schildkröte, die an der Wasseroberfläche schwamm. Das Tier entriss ihm das Schwert und verschwand in der Tiefe des Sees, um es seinem göttlichen Eigentümer zurückzubringen. Dieser See ist ein idealer Ort, um sich an seinem Ufer im Schatten der grossen Bäume vom lärmenden Verkehr zu erholen. Es gibt einige Restaurants, die aber ausschliesslich von Ausländern besucht werden. Statt der erhofften Erholung treiben mich die unzähligen Verkäufer und Schlepper auf die Palme. Man kann kaum zwei Minuten promenieren ohne "angequatscht" zu werden. Die Postkarten- und Bücherverkäufer sind die schlimmsten. Alle dreissig Meter steht einer. Auch Schuhputzer, Geldwechslerinnen, Souvenirverkäuferinnen stürzen sich wie Piranhas auf die Ausländer. Herrgott, sind wir eigentlich Freiwild? Ich werde schon hässig, wenn ich einen Postkartenverkäufer von weitem sehe. Es kommt zu Wortgefechten. Ich mag sie nicht mehr sehen. Auch die anfänglich lustigen "Uhu, Uhu" Zurufe der Cyclofahrer fallen mir auf die Nerven. Und dann diese Motorradtaxis! Hundert mal tönt es von allen Seiten "Motorbike, do you like Motrobike?" Ich halte das nicht mehr aus. Am wohlsten fühle ich mich noch im Hotelzimmer. Doch ich habe total den "Läckmer". Auch die Kassette mit meiner Lieblingsmusik bringt keinen Stimmungsumbruch. Ich könnte heulen...


Bild links: Hoan Kiem See - Bild rechts: die Hauptpost

Übung abgebrochen!

Endlich ist es Donnerstag. Ich habe überhaupt keine Lust mehr irgendetwas zu unternehmen. Ob es in dieser Verfassung überhaupt noch Sinn macht, nach China zu reisen? Ich muss mich entscheiden, ansonsten werde ich noch verrückt. Ich entscheide mich dazu, die Reise abzubrechen. Das chinesische Visum kann ich nicht mehr stoppen, doch das Bahnbillett wird mir voll zurückvergütet. Nun also ab auf dem schnellsten Weg in die Philippinen. Denkste! Alle Flüge sind ausgebucht. In 5 Tagen wäre ein Platz frei! Noch einmal fünf Tage in Hanoi verbringen? Ohne mich. Ich buche kurzfristig einen Flug mit der Thai International nach Bangkok. Von dort wird es kein Problem sein, nach Manila zu fliegen. Hätte ich nicht am Freitagmorgen für meine Schwester zwei Ao Dais (die typischen vietnamesischen Frauenkleider) bei einem Schneider abholen müssen, wäre ich schon am Nachmittag geflogen. So harre ich einen weiteren Tag in Hanoi aus. Seit ich mich zur Abreise durchgerungen habe, fühle ich mich wesentlich erleichtert. Ich habe sogar an dem Treiben in den Gassen wieder Freude. Als ich am nächsten Morgen die Ao Dais an der Hang Gai Street abhole, bedaure ich fast nicht noch einige Tage länger bleiben zu können. Der Internationale Flughafen Noi-Bai liegt ungefähr 35 km nördlich der Stadt. Ein Taxi kostet 8 US $. Die Fahrt führt durch ein derart armseliges Gebiet, dass ich nie darauf gekommen wäre, dass es hier in unmittelbarer Nähe einen internationalen Flughafen gibt. Erst als wir die grosse Brücke erreichen, welche über den Roten Fluss führt, erreichen wir eine gute, breite Strasse. Die Abflughalle ist mit Leuten und Gepäck überfüllt. Die Flüge nach Peking und Moskau werden gerade abgefertigt. Dort muss es vermutlich schon recht kalt sein. Die Leute sind mit Pullovern, Jacken, Mänteln und Mützen ausgerüstet. Jetzt ist auch der Schalter der Vietnam Airlines für den Flug nach Bangkok offen. Die Abfertigung verläuft normal, einzig wegen der Flughafengebühr werde ich kurz hässig. Es hiess doch beim Kauf des Billett, dass die Flughafentaxen inbegriffen sei. Nun muss ich nochmals 14 US $ bezahlen! Unsere Maschine ist ein Airbus A-320. Ist nicht gerade vor wenigen Tagen ein solches Flugzeug der American Airlines über New-York abgestürzt? Ein klapperndes Geräusch soll es im Cockpit gegeben haben? Als die Maschine abhebt, scheint die ganze Kabine zu klappern. Der Flug verläuft ansonsten ruhig. Wegen starkem Luftverkehr über Bangkok meldet der Pilot, dass die Landung sich etwas verzögert. Nach 2 Stunden setzen wir endlich zur Landung an. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als vor einigen Jahren eine Maschine der Vietnam Airlines wenige Kilometer vor dem Flughafen in die Reisfelder abgestürzt ist. Diesmal - Gott sei Dank - klappt alles bestens. Vietnam Airlines hat zunehmend einen guten Ruf. Kurze Zeit später bin ich schon beim Abendbummel auf der Sukhumvit Road. Für den Kauf des Flugbilletts nach Manila ist es jetzt zu spät. Das werde ich morgen früh machen. Via E-mail erfahre ich, dass sich Kollege Mühlheim in Thailand befindet und übermorgen am Domestic-Flughafen sein wird. Wir vereinbaren, uns dort zu treffen, und ich verschiebe deswegen meinen Flug nach Manila um einen Tag.

Ausser Spesen nichts gewesen!

Wieder ist eine Schwangerschaftszeit seit meinem letzten Besuch in den Philippinen vergangen. Die Abu Sayef halten noch immer Geiseln fest, Ex-Präsident Estrada ist noch immer nicht verurteilt und der Verkehr in den Strassen Manilas ist weiterhin ein fürchterliches Chaos. Inzwischen erhält man für 1 US $ schon mehr als 51 Pesos. Durch die kurzfristige Umdisponierung meiner Weiterreise bin ich ohne Visum in die Philippinen eingereist und kann daher nur 21 Tage bleiben. Mein Aufenthalt verläuft diesmal allerdings etwas enttäuschend. Von meiner lieben, netten Bekannten trenne ich mich schon nach drei Tagen. Dann mache ich einen grossen Fehler und treffe wieder meine Ex-Freundin. Die Gefühle sind jedoch nur noch einseitig. Und dann werde ich noch krank. Eine Erkältung. Bei 39,8 Grad Fieber muss ich sogar den Arzt ins Hotel holen lassen. Ich fühle mich noch während Tagen total schlapp und dies in "Affoltern a.P. (am Pinatubo)", wo man eigentlich "Power" haben sollte. Zum Glück lerne ich eine liebe junge "Krankenschwester" kennen, die mich bestens pflegt. Gerne hätte ich die Festtage in Angeles verbracht. Ich bin jedoch nicht bereit, die Gebühr von 2400 Pesos für eine Verlängerung des Visums zu bezahlen. Die Wirtschaft leidet ja sonst schon schwer unter dem starken Rückgang der Touristen, die Regierung macht aber nichts um die Touristen zu behalten. Ich kann mein Geld auch in Thailand ausgeben, die sind nicht so blöde. Es gibt auch Positives. Eine nicht benutztes Flugbillett wird mir zurückerstattet. 207 US $! Kann man immer brauchen. Auch das Wiedersehen im Sunset Garden mit zahlreichen Kollegen hat mich sehr gefreut. Gefreut hat mich vor allem die Bekanntschaft mit Mr. Sunshine, einem 80-jährigen Schweizer. Ich hoffe, in seinem Alter auch nur annähernd so aktiv sein zu können. Es bewahrheitet sich halt doch einmal mehr, dass junge Frauen einem jung erhalten!


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