| Mabuhay - Reiseberichte |
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Sieben Wochen in Indien Kalkutta ist schön, ich freue mich auf Kalkutta, ich liebe Kalkutta. Sieben Wochen in Indien zu verweilen ist sehr lange. Ob ich mir da nicht wieder etwas eingebrockt habe? Die Ausgangslage für diese Reiseplanung war nicht ganz einfach. Einerseits lief meine Aufenthaltsbewilligung in Thailand Ende September aus, anderseits wollte ich Bernhard Banzhaf, der mit einer Schweizer Trekking-Gruppe am 3. November nach Darjeeling kommt, dort treffen. Nach der letztjährigen Wettererfahrung war es mir nur recht, diesmal nicht zu früh in Darjeeling zu sein. Je später umso besser. Der Flug nach Kalkutta am 25. September war daher verdammt früh. Ein Blick auf die Wetterkarte im Internet verrät nichts Gutes: in Siliguri regnet es. Ob ich nicht gescheiter schnell eine Visumreise nach Kambodscha hätte machen sollen um die Hinreise um 2-3 Wochen zu verschieben? Doch nun war gebucht, ich konnte nichts mehr ändern. Ich plane deshalb vorerst einige Tage in Kalkutta zu bleiben. Sollte das Wetter in Darjeeling nicht klar sein, würde ich die Zeit nutzen um meine journalistischen Arbeiten zu erledigen und danach für 2-3 Wochen einen Abstecher nach Nepal machen. Dort habe ich nämlich mit dem Manaslu (8163m) auch noch eine Rechnung offen. So gesehen würden die sieben Wochen Aufenthalt in Indien und Nepal zeitmässig aufgehen. Was aber, sollte es nicht nach Plan verlaufen? Dann wäre ich für den Rückflug nach Thailand bis zum 12. November blockiert. Vorsichtshalber lasse ich mich daher bei der Thai International auf die Warteliste vom 9. und 6. November sowie vom 19. Oktober setzen. Mann kann ja nie wissen! 180 Roupien Kalkutta ist schön, ich freue mich auf Kalkutta, ich liebe Kalkutta.
Waschküche Kalkutta ist schön, ich freue mich auf Kalkutta, ich liebe Kalkutta.
Als ich ins Hotel
zurückkomme herrscht bei der Reception grosse Aufregung. Im Fernsehen läuft die
Übertragung des Cricket-Matches Indien gegen Australien. Alle verfolgen mit
Spannung und Begeisterung das Spiel. Für einige Minuten schaue ich mit. Dass man
sich für so etwas begeistern kann, bleibt mir unverständlich. So ein doofes Spiel
habe ich noch selten gesehen. Ich weiss, typisch wieder diese Vorurteile. Wenn
wir Schweizer etwas nicht kennen oder nicht verstehen, ist es einfach doof und blöd.
Vielleicht ist ja Cricket ganz interessant, würde man die Spielregeln kennen. Es
gibt schliesslich ja auch Leute die nichts vom Fussball halten und nur den Kopf
schütteln wie zehn erwachsene Männer einem kleinen Ball während 90 Minuten
nachrennen!
Stadt der Widersprüche Wer erstmals seine
Füsse auf den indischen Kontinent setzt, dem sei geraten dies nicht gerade in
Kalkutta zu tun, wo Indien's erschreckendes Gesicht so überaus deutlich zu Tage
tritt. Dies ist nicht von mir, sondern steht in meinem Reiseführer. Weiter wird
empfohlen, man soll sich Kalkutta nur nach guter Vorbereitung und bereichert
durch Erfahrungen mit der fremden Welt Indiens, nähern. Der Kulturschock wäre
zu gross. Kalkutta's Geschichte ist relativ kurz. Als erste hatte die
Portugiesen, ausgehend von ihrer Basis in Goa, Interesse am grossen Strom im
Osten, der als Verkehrs- und Handelsweg des bengalischen Tieflandes gute
Geschäfte versprach. Die Handelsposten konnten sich jedoch gegen die Moguln
nicht halten und mussten zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufgegeben werden. Die
Engländer hatte eine glücklichere Hand. Als der Schiffsarzt Gabriel Boughton
1636 eine Tochter Shah Jahans zu heilen vermochte, erhielt er als Gegenleistung
das Privileg freien Handels in Bengalen. Mit der Gründung einer
Handelsniederlassung durch die East India Company in Hugly war 1642 der Keim für
die Millionenstadt Kalkutta gelegt. Der Handel florierte. Die Beziehungen
zwischen den Briten und den Moguln verschlechterte sich aber drastisch und
führte sogar zu einem vorübergehenden Handelsverbot. Realisierend, dass den
Moguln dadurch wichtige Handelsgewinne verlustig gingen, erlaubte Aurangzeb den
Engländern die Rückkehr. Die europäischen Kaufleute fassten unter ihrem Führer
Job Charnock beim kleinen Dorf Kalikata 1690 erneut Fuss und bald florierte das
Geschäft wieder. Die rasch wachsende Handelsstadt zog auch zahlreiche Inder an,
die zunächst als Hausgehilfen Beschäftigung fanden, bald aber auch ihren
eigenen, zum Teil sehr lukrativen Handel aufzogen. Der wirtschaftliche
Aufschwung setzte sich auch ungehindert fort, als die East India Company 1858
mit Ernennung Indiens zum Vizekönigtum ihre politischen Privilegien verlor. Viel
schwieriger war für die Kaufleute Kalkuttas die Rede König Georg V. vom 12.
Dezember 1941 zu verkraften, in der er die Verlegung der Hauptstadt nach Dehli
ankündigte. Die Stunde schwerster Prüfung hatte die Millionenstadt am 16. August
1946 zu bestehen, als die einen separaten Muslim-Staat forderte Awami-Liga den "Direct
Action Day" ausrief. Mit Knüppeln, Steinen und Eisenstangen bewaffnete Muslime
machten Jagd auf Hindus und lösten ein gegenseitiges Massaker aus, das
innerhalb von 24 Stunden über 6'000 Tote forderte. Damit wurde auch der Traum
Ghandis von einem Indien, in dem die beiden grossen Religionsgemeinschaften
friedlich zusammenleben würden, zerschlagen. Freundliche Menschen Ich bin gespannt, was wohl heute alles auf mich zukommen wird. Die Sudder Street ist um acht Uhr morgens relativ verkehrsfrei. Dutzende von Bettlern liegen auf dem Gehsteig und schlafen. Bei den Handwasserpumpen versammeln sich kleine Gruppen von Leuten um sich zu waschen oder Wasser in Eimer abzufüllen. Zahlreiche Rikscha- und Taxifahrer säumen die Strasse. Jeder will dich irgendwohin bringen. Schlepper gibt es wie überall auch, aber diese sind gegenüber New-Dehli in der Minderzahl und zudem auch harmlos. Auf dem Weg zum Frühstück ins "Zürich-Restaurant" komme ich an einer kleinen Büste vorbei die an einen sehr berühmten Bewohner der Sudder Street erinnert. An der Nummer 10 wohnte hier einmal der grosse Philosoph und Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941) der für sein Werk 1913 den Nobelpreis erhielt. Im "Zürich" erhoffe ich mir mit anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen. Denkste! Mein "Hello" wird nicht einmal erwidert. Dann werde ich eben die Stadt auf eigene Faust entdecken, das bin ich mir ja längst gewohnt. Anfangs Sudder Street, auf Seite Maidan-Park, stehen die grossen Gebäude der Heilsarmee und des Indian Museum, das als Indiens grösstes und bestes Museum gilt. Dort sind auch die Hauslosen auf der Strasse zu Hause. Beim vorbeimarschieren sind einige Frauen aggressiv und aufsässig und fordern ein Backschisch für ihr Baby. Seit einigen Tagen ist anscheinend die Müllabfuhr nicht mehr vorbeigekommen. Es stinkt zum Himmel. Ein ganzer Müllberg hat sich inzwischen vor den Hauslosen angesammelt, die darin gemeinsam mit Hunden und Krähen nach etwas Essbarem suchen.
Auf meiner ersten Entdeckungstour folge ich der Chowringhee, auch Nehru Road genannt, dem Maidan Park Richtung Norden entlang. Als idealer Orientierungspunkt dient dabei der 48 Meter hohe, minarettartige Turm Sahid Minar, der 1828 zu Ehren von Sir David Ochterlony als Denkmal für den englischen Sieg über Nepal (1814-16) aufgestellt wurde. Die Nehru Road gehört mit seinen zahlreichen Kinos, Restaurants, Verwaltungsgebäuden und Einkaufszentren zu einer der geschäftigsten Strassen Kalkuttas. Mein Ziel ist das Hauptpostamt. Eigenartig, mich zieht es in einer fremden Stadt immer zuerst zur Hauptpost. Einige Male muss ich mich nach dem Weg erkundigen. Die Leute sind hilfsbereit und sehr freundlich. Die Post ist leicht an ihrem weissgetünchten und kuppelgekrönten Gebäude zu erkennen und steht am B.B.D. Bagh Platz, der als eigentliches Zentrum der Stadt gilt. Ich kann es als Briefmarkensammler nicht lassen, dem Philatelic Bureau einen Besuch abzustatten. Ich werde sehr freundlich empfangen und zum Tee eingeladen. Diese Kalkutaner erstaunen mich immer mehr! Zahlreiche Verwaltungsgebäude in viktorianischem Stil säumen den Platz. Auf deren Nordseite sticht ein Gebäude mit seiner Fassade aus rotem Backstein ins Auge. Es ist das "Writer Building". Früher wohnten hier die Angestellten der East India Company. Heute sind die Büros der Landesregierung von West-Bengalen unterbracht. Das Gebäude ist von einem Grossaufgebot von Polizisten abgesperrt. Fotografieren ist absolut verboten. Ich marschiere weiter Richtung Hugly-Fluss, zur Anlagestelle der Fähre. Eine Gruppe von Männer und Kinder seifen sich am Ufer des Flusses ein und waschen sich in der dunkelbraunen Brühe. Nicht weit davon entfernt erhebt sich die Howrah-Brücke, ein Gespinnst aus Stahlträgern, das zum Wahrzeichen Kalkuttas geworden ist. Die 655 m lange und 82 m hohe Brücke entstand zwischen 1923 und 1943 und führt zum Howrah-Bahnhof, einer der grössten Bahnhöfe Indiens. Auch hier absolutes Fotografierverbot.
Auf dem Rückweg kann ich den wegweisenden Turm nicht mehr finden. Ich erkundige mich bei einer Gruppe von Verkehrspolizisten nach dem Weg zurück zur Sudder-Street. In ihren weissen Uniformen mit weissem Helm und schwarzen Stiefeln fallen sie schon von weitem auf. Mit ihren schwarzen "Gstältli" sehen sie aus wie Bayer. Es entsteht eine freundliche Diskussion. Alle sind stolz, als ich ihnen sage, dass ich die Leute in Kalkutta viel freundlicher als in New Delhi finde. Einer der Polizisten stoppt eigens für mich sogar den Verkehr damit ich ungehindert die Kreuzung überqueren kann. Kalkutta überrascht mich immer mehr. Ich komme an der St. John's Kirche vorbei. Die 1787 erbaute Kirche ist das älteste christliche Gotteshaus der Stadt. Eine Strasse weiter ist das Rathaus und das im neogotischen Stil erbaute High Court. Schon fast futuristisch angesichts des "überirdischen" Chaos, mutet die moderne Untergrundbahn an. Dass es in Kalkutta sogar eine Kunsteisbahn gibt, hätte ich nie gedacht. Was mir bei diesem ersten Ausflug auch aufgefallen ist, ich habe keine einzige heilige Kuh gesehen!
Mutter Teresa: ein Leben für die Sterbenden Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde am 27. August 1910 im mazedonischen Skopje geboren. Als
Achtzehnjährige verliess sie ihre Heimat und Familie um dem irischen Orden der
"Schwestern von Loreto" beizutreten. 1931 kam sie als Geographielehrerin nach
Indien. Die ersten Jahre verbrachte sie in Darjeeling, später unterrichtete sie
an der St. Mary‘s Schule in Kalkutta. 1939 wird sie deren Leiterin. Mitte der
Vierzigerjahre bat sie darum die Ordenstracht ablegen zu dürfen um sich künftig
den Ärmsten und Sterbenden zu widmen. Sie gründete den Orden "Missionaries of
Charity - Missionarinnen der Nächstenliebe". Als Mutter Teresa wurde sie
weltweit bekannt. Nebst unzähligen internationalen Ehrungen wurde ihr 1979 den
Friedensnobelpreis zugesprochen. Am 5. September 1997 verstarb sie. Noch heute
gilt sie nebst Mahatma Ghandi als die beliebteste Persönlichkeit Indiens.
Kali-Tempel Nicht weniger eindrücklich als das "Haus der Sterbenden" ist der Besuch des Kali-Tempels,
eines der wichtigsten hinduistischen Heiligtümer Kalkuttas. Er ist der Göttin
Kali gewidmet. Taxifahrer Singh fährt mich dahin. Beim betrachten dieses
Treibens in und um den Tempel glaubt man kaum im 21. Jahrhundert zu leben, ja
man frägt sich sogar, ob wir nicht auf einem anderen Planeten sind. Ich werde
von einem Guide empfangen, der mich durch die Tempelanlage führen wird.
Taxifahrer Singh macht für mich den Preis von 15 Rupien aus. In einem kleinen
Tempel muss ich Schuhe und Socken ausziehen und die Hände in heiligem
Ganges-Wasser waschen. Ich folge den inzwischen drei Guides zu einem
kuppelförmigen Gebäude. Die Strasse ist dreckig, voller Wasserpfützen. Ob man da
Barfuss nicht auch leicht eine Krankheit oder eine Infektion auflesen könnte?
Besser nicht daran denken. So gut wie mögliche weiche ich den pechschwarzen
Pfützen aus. Zahlreiche Bettler, Frauen und Männer säumen die Strasse. Je näher
wir zum Tempel kommen umso dichter wird die Menschenmenge. Alle wollen in den
Tempel hinein, dessen Zugang über eine Treppe führt. Es herrscht ein
unbeschreibliches Gedränge. Meine Guides bahnen mir den Weg frei. Vor dem
Eingang in den Tempel drückt mir der eine Guide drei Hibiskus-Blumen in die
Hand. Die eine soll Glück meiner Familie bringen, die zweite Glück auf meiner
Weiterreise und die dritte habe ich nicht verstanden wofür, nur dass ich diese
der Kali-Göttin zuwerfen soll. Das Gedränge die Treppe hoch ist chaotisch. Ich
fühle mich mit meiner Pass- und Geldtasche auf mir auch nicht gerade wohl und bin
zusätzlich vorsichtig. In einem solchen Gedränge kann einem leicht etwas geklaut
werden. Ich werde von der Masse richtiggehend mitgetragen. Meine Führer stossen
mich zu einem kleinen Fenster hin. Kurz sehe ich eine liegende Figur mit
schwarzem Kopf: die Kali-Göttin. Ich werfe meine Blumen hinein und schon werden
wir von der Masse zum Ausgang und die Treppe hinunter geschubst. Neben der
Treppe ist eine Ziege angebunden. Ich verstehe nur, dass diese geopfert werden
soll. In einem kleinen umzäunten Tempel befindet sich die Opferstätte. Leute
knien nieder und legen ihren Kopf auf die Stelle nieder, wo der Ziege der Kopf abgeschlagen werden soll. Mein Guide erklärt mir die Handlung, doch sein
Englisch ist dermassen schlecht, ich verstehe überhaupt kein Wort. Ich werde
noch zu anderen Tempeln geführt. Das ganzen Handeln bleibt für mich rätselhaft
und mysteriös. Ich bin froh, dass der Rundgang beendet ist. Im kleinen Tempel,
in welchem ich die Schuhe hinterliess, muss ich zum Abschluss wiederum
die Hände mit Ganges-Wasser waschen. Ich weiss wie Ganges-Wasser aussieht.
Heilig oder nicht heilig, für mich gilt raschmöglichst zurück ins Hotel zu
fahren um mir die Hände mit Waschpulver zu reinigen. Jeder der drei Guides will
nun natürlich seine 15 Rupien. Taxifahrer Sing ist jedoch unnachgiebig. Es gibt
15 Rupien, keine Roupie mehr. Mit der Metro Um ihren Höhenpunkt sichtbar zu dokumentieren, erbauten die Engländer das Victoria Memorial in einer Mischung klassischer und Mogul-Architektur. Für den Besuch benützte ich die Metro. Zu Fuss dahin wäre es auch ein wenig zu weit. Die Fahrt von der Station Park-Street zur Station Rabindra Sadan kostet 4 Rupien. Dummerweise fahre ich eine Station zu weit, sodass ich einen weiten Weg unter der glühenden Sonne zurücklaufen muss. Ich komme an der St. Paul's Kathedrale vorbei. Zwischen 1839 und 1847 in neogotischem Stil entstanden, zählt zu den wichtigsten Kirchen des Landes. Der Eingang zum Victoria Memorial wird durch eine Statue Königin Victorias bewacht. Das Memorial ist in einem wunderschön Park mit einem kleinen See gelegen. Eine kleine Oase. In der Mittagshitze erholen sich zahlreiche Einheimische unter den zahlreichen schattenbringenden Bäumen. Einige Arbeiter sind daran den Rasen zu mähen. Dabei entsteht dieser typische süssliche Duft von frisch geschnittenem Rasen. Auch das getrocknete Gras duftet angenehm, fast heimelig, als ob Heuet wäre.
Zurück an der
Sudder Street besuche ich den Markt. Ganz in der
Nähe befindet sich der "New Market", ohne
Zweifel eine der besten Einkaufsmöglichkeit Kalkuttas. Der aus roten
Ziegelsteinen gebaute Zeitglockenturm zeugt von den alten glorreichen Zeiten.
Wie meistens überall glauben die lieben, netten Verkäufer die Touristen
"verarschen" zu können. Sehen wir wirklich so blöde aus? Ich möchte für die
kälteren Abende in Darjeeling eine billige, einfache Jacke für 200 - 300 Rupien
kaufen. Und was wollen die mir andrehen: eine Lederjacke für 6'300 Rupien!
Einige unschöne Wörter zurücklassend, laufe ich davon...
Darjeeling, ich komme.... Die Taxis in Kalkutta haben keine Klimaanlage. Man fährt mit offenen Fenster. Sind die Ampeln auf rot ist es allerdings ratsam schnell das Fenster zu schliessen, ansonsten dich Kinder und Frauen mit Betteln belästigen. Sie klopfen an die Fensterscheibe: "Baba, milk for baby". Wir überqueren den Hugly-Fluss. Ich bin viel zu früh am Bahnhof Howrah. Der Zug fährt erst um 17.35 Uhr. Doch lieber etwas zu früh als im Verkehr stecken zu bleiben und dann den Zug zu verpassen. Es ist ein riesiger Bahnhof. Es geht zu wie in einem Bienenhaus. Der Station Manager weiss nicht genau auf welchem Gleis mein Zug, der Kamrup Express einfahren wird. Gleis 9 oder Gleis 8. So warte ich mal mit meinem Rucksack auf Gleis 8 neben zwei Polizisten. Hier sollte ich wenigstens sicher sein. Jedesmal wenn ein Zug einfährt, wird das Perron wie von einer unendlichen Flutwelle von Leuten überschwemmt. Nach zwei Stunden wird durch den Lautsprecher bekannt gegeben, dass mein Zug auf Gleis 8 abfahren wird. Ich wechsle hinüber. Um sicher zu sein, frage ich noch etwa fünf verschiedene Leute. Mit 20 Minuten Verspätung fährt der Zug ein. Die Wagen sind sehr schlecht angeschrieben. Auf meinen Billet steht "Klasse A3". Wiederum muss ich mich durchfragen bis ich endlich weiss, wo einsteigen. Es klappt. Mein Platz ist auch frei. Immer wieder muss ich darüber staunen wie schliesslich doch alles klappt. Meine Reisebegleiter sind wiederum nette Leute. Zwei Geschäftsherren sowie ein Ehepaar mit ihrer Tochter. Der Herr erzählt mir, dass er im Sommer in Engelberg war. Es entsteht eine freundliche Diskussion. Die Tochter, sehr hübsch, ist Englisch-Lehrerin in New-Dehli und spricht sogar etwas Deutsch. Zwischen den Stationen steigen unzählige fliegende Händler ein und aus. Es wird alles mögliche verkauft. Um 20.30 Uhr wird endlich das bestellte Nachtessen serviert. Es ist wie immer das gleiche: Gemüsesuppe, Reis, Poulet, Dal und ein Chapati. Die Leute legen sich allmählich zum schlafen hin. "Tschai, Tschai, Koffee, Tschai, Tschai" tönt es um sechs Uhr morgens. Den Reigen der Verkäufer beginnt mit den Teeverkäufern. Vier Rupien für einen Becher. Um halb acht Uhr krieche ich aus der oberen Koje. Demnächst sollten wir bald in NJP (New Jaipalguri) ankommen. Laut Fahrplan müssten wir längst angekommen sein. Die beiden Geschäftsmänner studieren den Fahrplan und teilen mir mit, dass wir etwa drei Stunden Verspätung haben. Um 09.00 Uhr sind wir in NJP. Kurz darauf sitze ich bereits in einem TATA-Jeep nach Darjeeling. Bis der 10. und letzte Fahrgast gefunden ist, vergeht aber nochmals eine halbe Stunde. Wir fahren die direkte Route nach Kurseong, durch die Tremola (von mir so benannt). Das Wetter lässt wiederum zu wünschen übrig. Schon bald kommen wir in die ersten Nebelschwaden. Sollte sich das ganze wie letztes Jahr wiederholen? Nach vier Stunden erreichen wir Darjeeling. Die Abgase, der Lärm und der Verkehr hinauf zum Bahnhof haben ein schreckliches Ausmass angenommen. Das soll ein beliebter Erholungsort sein? Würde ich den Charme der Stadt nicht kennen, würde ich vermutlich aus diesem Chaos sogleich wieder abreisen. Und wo sind die Berge? Natürlich wieder von den Wolken verdeckt. Ich bin enttäuscht. Am Abend kommt etwas Abendrot auf. Ob das ein gutes Zeichen ist?
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