| Mabuhay - Reiseberichte |
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Aussichtspunkt Am späteren Nachmittag wird es schon recht kühl. Das einzige was ich zum anziehen habe ist eine Regenjacke. Gut kenne ich mich in Darjeeling schon ein wenig aus. Zielstrebig marschiere ich bei der Strassenkreuzung nach dem Bahnhof rechts die Ladenla Road hinauf. Ich möchte diesmal etwas weiter oben wohnen, damit ich zum Himalayan Mountaineering Institute (HMI) weniger weit gehen muss. Ich habe keine Hotelreservation. Ich weiss nur, dass beim Hauptpostamt nach der Linkskurve eine steile Treppe zwischen den enggedrängten Häusern hinauf zu einem Hotel führen soll, das angeblich preiswert ist. Mit meinem schweren Rucksack komme ich mir vor wie beim Aufstieg in ein Hochlager. Alle zwanzig Treppenstufen muss ich verschnaufen. Eine Tafel weist auf das Hotel Prestige hin. Das Zimmer mit WC/Dusche und TV kostet 250 Rupien (etwa Fr. 8.-). Es ist zwar klein, aber heimelig. Wie gewöhnlich bin ich um 7 Uhr wach. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass der Himmel bedeckt ist. Mit dem erhofften klaren Wetter ist nichts geworden. Nun gut, so tragisch ist es nicht, denn diesmal habe ich Zeit, viel Zeit zur Verfügung. Ich werde von hier nicht weggehen, ehe ich die Berge gesehen habe! Den ersten Tage werde ich daher verbringen um Aussichtspunkte ausfindig zu machen, von denen ich bei klarem Wetter fotografieren kann. Ich laufe los. Einfach irgendwo hinauf. Ich nehme die erste Abzweigung, welche links steil hinauf führt. Nach wenigen Metern bin ich schon ausser Atem. Zahlreiche Hunde laufen herum. Ein kleiner brauner Keffer scheint mich nicht zu mögen und bellt mich arrogant an. Jedesmal wenn ich mich umdrehe und ihm tief in die Augen blicke rennt der Feigling davon. Immer wieder rennt er mir nach und hat sogar die Frechheit mich in die Wade zu beissen. Dieser Sauhund, warte nur wenn ich dich erwische! Nach zwanzig Minuten Aufstieg endet die Strasse in einer Sackgasse. Der erste Versuch ein Aussichtspunkt zu finden, scheint gescheitert. Ein Schild weist den Weg zur Peace Pagoda. Aus reiner Neugier folge ich dem Weg und werde belohnt. Von der Terrasse der Pagode hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Die Stimmung mit den grossen Wolkengebilden und der im Sonnenlicht sattgrünen strahlenden Tälern ist herrlich. Nur von den Bergen ist absolut nichts zu sehen. Ich frage mich langsam ob die überhaupt existieren? Ich begegne einer Gruppe Touristen aus Bangladesh. Mit unseren „schussbereiten“ Kameras kommen wir ins Gespräch. Die Gruppe ist heute morgen früh auf dem Tiger Hill gewesen und hat die Gipfel offenbar kurz gesehen. Ab und zu reist es die Wolkenschicht auf und für wenige Sekunden leuchten Fragmente des schneeweissen Massivs durch. „Oh, look, Kangchenzunga!“. Als ich ihnen noch mein Zoom ausleihe, sind sie hell begeistert. Dann werde ich mich wohl morgen auch so früh auf die „Socken“ machen müssen.
Videokassette Seit mehr als einem Jahr trage ich nunmehr die Videokassette der Schweizer Everest-Expedition von 1952 mit mir herum. Vor einem Jahr brachte sie mir freundlicherweise Mr. Lumumba aus der Schweiz in die Philippinen, im Januar nahm ich sie nach Kathmandu mit, im März zurück in die Schweiz und im Juni wieder in die Philippinen. Welch ein langer Irrweg. Endlich konnte ich sie dem Kurator des Himalajan Mountaineering Museum, Mr. Chandranath Das, übergeben. Dies war auch meine erste Handlung nach der vormittäglichen Rekosgnoszierung. Der Weg vom Taxi-Stand ins Museum dauert zu Fuss etwa zwanzig Minuten. Zuerst geht es an unzähligen Souvenirs- und Kleiderständen vorbei, die Nehru Road zum Chowrasta-Platz hinauf, den man als Passhöhe bezeichnen könnte. Es ist ein grosser Platz mit schönem Panorama auf die umliegenden Täler. Die Einheimischen sitzen gerne auf den zahlreichen Bänken und scheinen das Leben zu geniessen. Von der „Passhöhe“ geht es herunter (umso mühsamer der Rückweg) zum Zoologischen Garten. Der Empfang durch Mr. Das ist herzlich. Er lädt mich wiederum zum Tee ein. Ich erhalte die Bewilligung, die Ausstellungsgegenstände, wie die Ausrüstung der Schweizer Expedition von 1952 sowie diejenige von Sherpa Tenzing und Edmund Hillary, die Erstbesteiger des Mt. Everests, im Everest Museum zu fotografieren. Damit ich mit Blitzlicht fotografieren kann, öffnet man eigens für mich die Glasvitrinen! Als Zugabe erhalte ich die Gelegenheit, das Zeiss Teleskop zu besichtigen, welches Hitler dem Chef-Kommandeur der Royal Nepal Army, Maharadscha Jung Bahadur Rana, geschenkt hatte und von dessen Sohn 1961 dem Institut übergeben wurde.
Endlich! Heute bin ich schon vor 6 Uhr wach. Gespannt schaue ich Richtung Kangchenzunga. Sch…, keine Spur von klarer Sicht am frühen Morgen. Die Berge sind wie immer in Wolken gehüllt. Dennoch starte ich zur Peace Pagoda. Unterwegs begegne ich Kinder und Frauen die an den Wasserpumpen ihre Kanister füllen. Die Wasserversorgung ist das grösste Problem von Darjeeling. Die Bevölkerung wird zum Teil mit Tankwagen versorgt. Hotels und die “besseren” Häuser haben diesbezüglich kein Problem. Die haben alle fliessendes Wasser. Die Wasserleitungen werden gebündelt den Strassen und Treppen entlang zu den einzelnen Häusern geführt. Manchmal sind es bis zu 20 Leitungen. Etliche davon sind undicht und das Wasser spritzt in pfeiffendem Ton heraus. Vorsichtig, fast misstrauisch nähere ich mich der Stelle wo mich gestern dieser Sauhund gebissen hat. Trotz der Steigung erhöhe ich meine Schrittkadenz. Ich bekomme Gänsehaut wenn ich daran denke, dass dieser, wie ein Pfeil geschossen, mich von hinten wieder in die Wade beissen könnte. Der Keffer scheint um diese Zeit jedoch noch zu schlafen. Auf halbem Weg setzte ich mich auf eine Bank nieder. Was soll ich mich weiter abmühen, wenn ich doch keine Berge sehe? Ich habe meinen Morgenausflug schon fast abgeschrieben, als nach einer Weile plötzlich im Westen kleinere Gipfel aus den Wolken ragen. Es hellt auf! Zügig lege ich den restlichen Weg zur Peace Pagoda zurück. Die Sicht wird immer besser. Ich erkenne nun bereits den Gipfel des 7710 m hohen Kumbhakarna. "Klick", die erste Foto ist gemacht. Werde ich den 3. höchsten Gipfel der Welt, nach dem ich mich sooo gesehnt und geträumt habe, endlich sehen? Darunter, leider vom Nebel verhüllt, steht der einzige Gipfel im ganzen Himalaja der nach einem Schweizer benannt wurde: der Frey‘s Peak (von Sherpa Tenzing nach Georg Frey benannt, der in den 50er Jahren tödlich verunglückt ist). Fast renne ich die Treppe zur Aussichtsterrasse hinauf. Ganz klar sieht man nun auch die beiden Gipfel des Kabru South und Kabru North (beide 7300 m). "Klick, klick". Ich muss mich beeilen, wer weiss wie lange es aufhellt. Ich bin dermassen ausser Atem, dass ich die Kamera kaum ruhig halten kann. Endlich ragt auch der Gipfel des Kangchenzunga aus den Wolken. "Klick, klick, klick". Na also, die ersten Bilder des dritthöchsten Berges der Welt sind im Kasten.
Ohne Frühstück Während der ganzen Woche bin ich jeden Tag um 6 Uhr auf der „Piste“. Die Berge zeigen sich jedoch nur noch ein einziges Mal. Es ist zum Verzweifeln. Heute ist Montag. Als ich erwache herrscht draussen dichter Nebel. Ich drehe mich um und schlafe weiter. Um halb neun treibt mich aber doch der Hunger aus der angenehmen Wärme des Bettes. Auf‘s Duschen verzichte ich heute. Es dauert jedesmal eine halbe Stunde bis das Wasser des Boilers aufgeheizt ist. Es sind seltsam wenig Leute auf der sonst so lebhaften Strasse unterwegs. Es scheint wie ausgestorben. Meine beiden tibetischen Restaurants, in denen ich üblicherweise frühstücke, sind auch noch zu. Normalerweise sind die doch um 8 Uhr offen. Auch die Verkaufsstände an der Nehru Road sind seltsamerweise nicht aufgestellt. Was ist denn heute los? Geht meine Uhr falsch? Der Uhrzeiger des Glockenturms zeigt 06.08 Uhr an! Aber, das kann ja gar nicht stimmen, denn um diese Zeit sind doch keine Schüler unterwegs. Ich gehe ins Hotel zurück und erfahre, dass der Führer der Gorkha National Liberation Front (GNLF) am Vortag in Kalimpong ermordet wurde und die Partei aus Protest einen 72stündigen Generalstreik ausgerufen hat. Um 10 Uhr treibt mich der Hunger wieder hinaus. Ich laufe kreuz und quer durch die Gegend um ein Restaurant ausfindig zu machen, wo ich endlich frühstücken kann. Nach wie vor ist alles zu. Die können doch nicht einfach alles schliessen! Sollen denn die Touristen verhungern? Ich bin sehr verärgert. Dazu noch dieser Nebel. Sollte sich das Wetter in den nächsten Tagen nicht radikal bessern, reise ich ab, egal ob ich diese „blöden“ Berge nun nochmals sehen kann oder nicht. Ich erkundige mich bei einem Verkehrspolizisten, der gelangweilt herumsteht, wo ich denn irgend etwas zu Essen bekommen könnte. Freundlicherweise weist er mich zum Hotel Restaurant „Charlie“ hin. Das Restaurant ist geöffnet. Endlich kriege ich mein Frühstück. Morgen soll alles wieder normal offen sein versichert man mir. Doch was soll man mit einem solchen Tag anfangen? Die Nebelschwaden hängen tief hinunter und verschlingen einige Teile der Stadt. Der Uhrzeiger am Glockenturm steht noch immer auf 06.08 Uhr, als ob heute auch die Zeit streiken möchte. Ich verbringe den Tag im Hotelzimmer unter der warmen Bettdecke und verfolge die langweiligen Fernsehübertragungen der Asien-Spiele aus Busan (Korea).
Kundenservice der Thai International Schon vor meinem Abflug nach Kalkutta hatte ich zu meinem geplanten Abstecher nach Nepal gewisse Bedenken. Die Entwicklung der politischen Situation in den letzten Tagen ist derart besorgniserregend, dass ich nun doch auf die Reise verzichte. Damit ist eingetroffen, was ich befürchtete. Ich bin bis zum meinem Rückflug am 12. November in Indien blockiert. Was soll ich hier einen Monat lang tun? Welch ein Glück habe ich mich bei der Thai International auf die Warteliste vom 19. Oktober setzten lassen. Unverzüglich nehme ich via Fax mit der Thai in Kalkutta Kontakt auf. Als Mitglied der Royal Orchid bitte ich sie, meine Umbuchung prioritär zu behandeln. Es scheint in Asien jedoch nicht Usanz zu sein, den Erhalt von Anfragen kurz zu bestätigen. Der Absender weiss daher nicht ob sein Fax überhaupt angekommen ist oder nicht. So warte ich ungeduldig drei Tage auf eine Antwort. Nach dem zweiten Fax kommt die Antwort via E-mail. Man werde schauen, heisst es. Nach einer Woche erhalte ich die Mitteilung, wonach mein Rückflug vom 12. auf den 6. November vorverschoben werden konnte, der Flug vom 19. Oktober in meiner Billetklasse jedoch ausgebucht sei. Auf weitere Fragen, ob ich mein Billet eventuell upgraden kann (für eine höhere Preisklasse nachzuzahlen) wird nicht einmal geantwortet. Danke Thai International, das nennt man Kundenservice. Ehrlich gesagt, ich hatte nie das Gefühl, dass sich die Airline ernsthaft um mein Anliegen bemühte, ansonsten es ganz bestimmt eine Lösung gegeben hätte zu einem früheren Datum zu fliegen. Besuch bei Jamling Tenzing Als Edmund Hillary und Sherpa Tenzing nach ihrer erfolgreichen Besteigung des Mount Everest am 29. Mai 1953 ins Basislager absteigen, nehmen sie an, dass sich ausserhalb eines kleinen Kreises von enthusiastischen Bergsteigern, sich kaum jemanden für ihre Erlebnisse am Everest interessieren wird. Der Zufall will jedoch, dass die Eroberung des Gipfels gerade rechtzeitig zur Krönung von Königin Elisabeth II. möglich wird. Die Nachricht wird durch die englische Tageszeitung „London Times“ als Geschenk für die neue Königin auch entsprechend „aufgezogen“ und bald erliegt die ganze Welt der Faszination ihres Sieges. Für viele Menschen in Indien wird Tenzing zum Hoffnungsträger und zum Symbol der nationalen Unabhängigkeit. Noch nie war jemanden in der hierarchisch strukturierten Gesellschaft Indiens von so niedriger Kaste wie er über Nacht zu Weltruhm erlangt. Für Millionen von Menschen in Indien wird Tenzing zu einem Halbgott. Er wird auf der ganzen Welt bekannt und zum Botschafter eines Volkes, das während Jahrhunderten zurückgezogen in seinen Bergen und Tälern lebte. Trotz seines Erfolges ist er sein Leben lang ein loyaler, treuer, grosszügiger und bescheidener Mensch Mensch geblieben. Im Frühjahr 1986 verstirbt er unerwartet im Alter von 72 Jahren. Als Sohn einer so bedeutenden Persönlichkeit wie Sherpa Tenzing Norgay, besucht Jamling, wie seine beiden Brüder, eine der angesehnsten Schulen Indiens, das Internat St. Pauls in Darjeeling. Doch der Mt. Everest beherrscht Jamlins Phantasie. Mit achtzehn Jahren hätte er sich einer indischen Everest-Expedition anschliessen können. Sein Vater wollte dies jedoch nicht. „Ich habe den Everest bestiegen, damit Du es nicht zu tun brauchst“. Nach seinem Abschluss studiert und lebt er während zehn Jahren in New Jersey (USA). Sein Wunsch, den Everest zu besteigen, wird nach dem Tode seines Vaters noch grösser. Zehn Jahre später erhält Jamling schlussendlich die Gelegenheit sich sein lang ersehnten Wunsch zu erfüllen. Als Bergführer des IMAX-Filmteams erreicht er am 23. Mai 1996, 43 Jahre nach seinem Vater, den Gipfel des Everests. Die Besteigung ist in seinem Buch „Auf den Spuren meines Vaters“ (Verlag Diana) auf spannende und eindrucksvolle Weise beschrieben. Nach dem vormittäglichen Besuch der Einäscherungsstätte sowie der Statue seines Vaters im HMI, bin ich nachmittags mit Jamling verabredet. Welche Ehre! Jedermann hier kennt das Tenzing House. Es ist leicht zu finden. Sieben grosse tibetische Fahnen flattern am Eingang im Wind. Es ist ein grosses an einem steilen Hang gelegenes Haus. An der Hausfassade leuchtet unter einem kleinen Vordach das Massiv des Mt. Everests mit der Inschrift „29. Mai 1953“ hervor. Das Eingangstor ist mit zwei gekreuzten Eispickeln, in dessen Mitte ein Bergseil, und den Namen „Gang-La“ verziert. Eine Treppe führt vom Gittertor hinauf zur Wohnung. Oben empfängt mich ein bellender Hund. Jamling der eine Trekking Agentur führt hat hier sein Büro. Es begrüsst mich freundlich und stellt mir auch seine hübsche Frau Soyang vor. Obwohl Jamling ein sehr berühmter und begehrter Mann ist, scheint er die Bescheidenheit seines Vater geerbt zu haben.
Interview mit Jamling Tenzing Jamling, der grossartige Erfolg durch Dein Vater artete leider schnell in unzählige Polemiken aus. Da er in Nepal geboren wurde und mit 18 Jahren nach Darjeeling auswanderte, stritten sich Indien und Nepal über seine Nationalität. Was hat Dein Vater auf diese Frage geantwortet?Er hat sich geschickt aus der Affäre gezogen indem er antwortete: “Ich bin im Bauch von Nepal geboren und im Schosse Indiens aufgewachsen”.
Dein Vater wurde auch ziemlich unter Druck gesetzt zu sagen, dass er den Gipfel als
Erster erreicht habe.
Einige Leute zerbrachen sich auch den Kopf darüber, welche politische Botschaft er mit
der Anordnung der Flaggen zu vermitteln versuchte, die er auf dem Gipfel hoch
gehalten hatte.
Als ob der nationalistische Druck nicht genug gewesen wäre, bedrängten ihn auch
fromme Hindus von spirituellen Erlebnissen oder Visionen bei seiner Besteigung
zu berichten.
All diese Verehrung die Dein Vater erfuhr wurde ihm aber bald zur Last
Wie war Euer Familienverhältnis vor der erfolgreichen Besteigung?
Dein Vater hat 22 Jahre treu dem Himalayan Mountaineering Institute als
Verantwortlicher für die Ausbildung gedient. Dennoch scheint er von den
indischen Bergsteigen nicht die gebührende Anerkennung erhalten zu haben?
Dein Vater hat auch etliche Male die Schweiz besucht.
Du warst vor 6 Jahren auf dem Gipfel des Everests. Hast Du die Absicht es nochmals
zu versuchen?
Dein Vater wollte nicht, dass Du den Berg besteigst. Was würdest Du sagen wenn später
eine Deiner Tochter mit diesem Wunsch käme? Während wir miteinander diskutieren, spielen Jamlings drei Töchter, Deki und die Zwillige Pelzom und Dechen im Vorraum an einer kleinen Kletterwand! Kein Wunder, mit einem solchen Grossvater und Vater! Mit der Gondelbahn in die Teeplantagen Der Preis für die Fahrt zum Tenzing Rock (Felsen) mit einem Sammeljeep kostet 5 Rupien. Der Jeepfahrer will mich aber nicht mitnehmen und verweist mich zum Taxistand. Die wollen 300 Rupien! Eine Unverschämtheit. Man erklärt mir, dass die Touristensaison kurz sei, die Fahrer in der Hochsaison daher entsprechende Preise machen. Für diesen Preis laufe ich aber, obwohl ich dorthin etwa eine Stunde benötige. Der Weg Richtung North Point zieht sich unheimlich in die Länge. Wenigstens geht es bergabwärts. Mein rechtes havariertes Fussgelenk beginnt mich zu schmerzen. Ach, hätte ich doch bloss die 300 Rupien bezahlt! Humpelnd komme ich zum St. Joseph‘s College, eines der zahlreichen Internate von Darjeeling. Kurz darauf erreiche ich den Ropeway, die Gondelbahn. Etwa einen Kilometer weiter steht am linken Strassenrand ein grösserer Felsen, den Tenzing Rock. Als es früher noch keine Kletterwände im HMI gab, wurde dieser zur Ausbildung der Bergsteigeraspiranten benützt. Tenzing Rock ist für die Einheimischen zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Es gibt ein kleines Restaurant. Erwachsene wie Kinder können an einem Seil gesichert die ungefährliche Stelle des Felsen drei bis vier Meter hochklettern. Auf dem Rückweg zur Gondelbahn werden meine Beine immer schwerer. Ich versuche einige Sammeljeeps zur Mitfahrt anzuhalten. Alle brausen jedoch an mir vorbei. Haben die etwas gegen Touristen? Oder hat sich herumgesprochen, dass ich die Hinfahrt mit dem Taxi abgelehnt habe? Lassen die mich jetzt als Strafe zurücklaufen? Saucheibe!
Die Gondelbahn, die erste die je in Indien in Betrieb genommen wurde, führt 5 Km hinab nach Singla bazaar. Die Fahrt Hin- und zurück kostet 66 Rupien. Mit einer gehörigen Portion Vertrauen in die indischen Seilbahnen nehme ich in der kleinen Gondel platz. Beim ersten Masten kommt die Gondel dermassen ins Schwanken, dass mir für einen kurzen Augenblick das Herz still steht. Auf was habe ich mich da eingelassen? Doch zu spät. Es gibt keinen Weg zurück. Ich versuche ganz ruhig sitzen zu bleiben um ja keine weitere Erschütterungen zu provozieren. Die restliche Fahrt verläuft zum Glück ruhig. Wie in einem Segelflugzeug schwebe ich lautlos über die weiten Hänge der Teeplantagen, welche die beste Teequalität der Welt produzieren. In der Talstation angekommen, bieten sich Einheimische für eine Führung in der Teefabrik an. Dass diese jedoch am Sonntagnachmittag geschlossen ist verschweigt man mir. So führt mich mein Guide durch die leeren Hallen der Puttabong Tea Estate. Von seinen Erklärungen in indisch-englischer Sprache über den Verarbeitungsprozess verstehe ich nur einen Bruchteil. Wie der Tee zu seinem Aroma kommt hätte mich doch Wunder genommen, denn die frischen grünen Blätter riechen überhaupt nach nichts. Immerhin erfahre ich, dass die höchste Qualität von der Frühjahrspflückung, den sog. First Flush, und von der Sommerpflückung, den sog. Second Flush, stammt. Die Teekenner unterscheiden beide Ernten damit, indem sich der First Flush durch sein besonders duftiges und zartes Aroma auszeichnet, während der Second Flush ein etwas kräftigeres und würzigeres Aroma hat. Nebst diesen beiden Spitzenqualitäten produziert Darjeeling auch den sog. Grünen Darjeeling Tee. Nach diesem doch interessanten Rundgang scheint es mir angebracht, im Restaurant neben der Talstation den einheimischen Tee auch zu degustieren, von dem ich nun genau weiss wo und wie er wächst und wie er in der naheliegenden Fabrik produziert wird. Ich freue mich auf den köstlichen Tee, der Beste der Welt, der mir gleich serviert wird. Enttäuscht schaue ich auf mein Teeglas, in welchem ein Beutel Lipton Tea steckt…
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