Mabuhay - Reiseberichte
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Mabuhay Philippinen (RB23 / 28.02.2003) Länderinfos: Philippinen

Ankunft

Die letzten beiden Tage in Bangkok waren sehr anstrengend. Als ich um 22 Uhr im Hotel Sunset Garden in Angeles City ankomme bin ich froh, niemanden treffen zu müssen und mich zur Ruhe legen zu können. Die Begrüssung durch das Hotelpersonal und Kollegen am nächsten Morgen ist herzlich. Alle sind erfreut, dass ich wieder zurück bin. Ich gehöre ja nun schon fast ein wenig zur Familie. Auch der Günther aus Bern ist wieder da. Diesmal studiert er die Kamasutra-Technik. Tja, was man in Angeles nicht alles machen kann! Jede Woche kommen neue bekannte Gesichter an. Martin, Mr. Lumumba, Ifter, Calbo, Jens, Franz, Rolf, Markus, Aschi, Hene, sogar Mr. Sunshine mit seinen 81 Lenzen hat den langen Weg auch wieder geschafft. Im Sunset fühle ich mich einfach wohl. Zu jeder Tageszeit treffe ich einen Kollegen im Restaurant oder am Pool. Ich fühle mich hier nie alleine. Im Gegensatz zu Pattaya kommt man hier mit den Leuten sofort ins Gespräch. Pattaya ist für mich zu gross, zu viele Leute, daher auch zu unpersönlich. Um etwas für meine angeschlagene Fitness zu tun, beginne ich im Gym von “Österreicher-Willy” zu trainieren. Alle zwei Tage dreiviertelstunden auf dem Velo. Das ist nicht gerade viel, aber bei diesen Temperaturen schwitze ich, als ob ich den Grimselpass überqueren würde. Im Billard habe ich mich auch verbessert und füge manch einem eine bittere Niederlage zu, gell Günther! Regelmässig spiele ich auch Ping-Pong mit Sir Alois. Es wäre ein lustiges Spiel, wenn ich nur nicht ständig verlieren würde. Ich kann jede nur mögliche Technik anwenden, ich bin chancenlos. Einmal führte ich sogar 7 –1 und habe dennoch verloren! Am Ende des Jahres steht der Spielstand 81 – 0! Nur nicht aufgeben! Alois, einmal wirst Du verlieren! Mit der Eröffnung eines thailändischen Restaurants hat Angeles eine kulinarische Aufwertung erhalten. Für 250 Pesos gibt es jeden Freitag ein Buffet, das sich wirklich lohnt. Selten habe ich eine so schmackhafte Tom Yam Gung Suppe gegessen wie im Oriental Thai.

Bombendrohung

Das Terroristen-Attentat in Kenya hat auch in den Philippinen Konsequenzen. In der Hauptstadt Manila werden vorübergehend die Botschaften von Australien, Kanada und der Europäischen Union wegen Bombendrohung geschlossen. Andere Länder erwägen die Schliessung. Auch in Angeles soll es in der vorweihnachtlichen Zeit Bombendrohungen gegeben haben. So etwas kann man aber nicht Publik machen, ansonsten auch noch die letzten Touristen abgeschreckt werden. Gerade in Angeles, wo jeden Abend an der Fields Avenue Jubel, Trubel und Heiterkeit herrscht, fällt es schwer, an ein Attentat zu denken. Wer denkt schon an so was Böses?  Bei genauerem Betrachten fallen jedoch gewissen Sicherheitsvorkehrungen auf. In den Kaufhäusern ist eine grössere Präsenz von Security Guards festzustellen. Vor dem Betreten der Bars wird der Besucher mit einem Metalldetektor kontrolliert und von Hand abgetastet. Auf dem Parkplatz der Margarita Station (ein beliebter Treffpunkt amerikanischer und westlicher Touristen) werden Betonklötze aufgestellt um das Parkieren von Autos (Autobomben) zu verhindern. Glücklicherweise ist nichts passiert. Dennoch macht sich unsereins Gedanken zur aktuellen Weltlage. Unsere Freunde, die USA, scheinen nicht zu realisieren, dass sie selber zur grössten Gefahr für den Weltfrieden werden. Herr Bush jun., von der Ölindustrie unterstützt, will einfach Krieg. Dies um jeden Preis. Und weshalb gerade der Irak? Weshalb entwaffnet man nicht Israel? Damit gäbe es endlich Frieden im nahen Osten. Es ist höchste Zeit, dass das amerikanische Volk erwacht und diesen “Wahnsinnigen” stoppt.

Puerto Galera: verdorbenes Paradies

Der kleine Hafen an der Nordspitze der Insel Mindoro hat sich zu einem beliebten Ferienziel für einheimische wie ausländische Touristen entwickelt. Noch vor 10 Jahren galt Puerto Galera als kleines Paradies auf Erden. Kein Auto und Motorrad störte den himmlischen Frieden. Wer nach Einbruch der Dunkelheit eher das Nachtleben geniessen möchte, begibt sich am Besten nach Sabang. Einige Discos, Bars und Karaoke sorgen für Betrieb und Unterhaltung. Wer die Abende lieber ruhiger verbringen möchte, lässt sich an der White Beach, einige km östlich von Puerto Galera nieder.

Vier Monate nach meinem ersten Versuch nach Puerto Galera zu gelangen, stehe ich wiederum am Pier von Batangas. Das Wetter ist diesmal schön, weit und breit kein Taifun in Aussicht. Vor einigen Jahren als die Si-Kat noch fuhr, war es wesentlich einfacher. Man konnte von Manila aus mit dem Bus direkt zum Boot fahren. Die Si-Kat fährt inzwischen nicht mehr. Es gibt zahlreiche andere Schiffsverbindungen. Unser Boot, die “Blue Fox”, läuft um 10 Uhr aus. Obwohl die See ruhig scheint, schaukelt es gewaltig. Einige Leute greifen schon kurz nach dem Auslaufen zum Kotzsack. Die Überfahrt dauert 1 1/2 Stunden. Die Einfahrt durch die Enge von Batangas in den von Taifunen geschützten Naturhafen ist jedes Mal ein Erlebnis. Die “Blue Fox” zieht an unzähligen kleinen Sandbuchten, von dichten Palmenhainen umrahmt, vorbei. Beim Einlaufen in den Hafen leuchten Dutzende von kleinen Booten mit ihren seitlichen Tragflächen bunt im glasklaren türkisblauen Wasser. Es herrscht eine paradiesische Stille. Abseits des Piers ist es schon weniger paradiesisch. Jeepneys, Tricycles und Motorräder verstopfen die Strasse.


Meine Reisen nach Puerto Galera und Boracay

Sinandigan: eine Oase der Ruhe

Obwohl Sabang nichts mehr mit dem Paradies gemeinsam hat, gibt es dennoch noch kleine, verstecke Paradies, so die Sinandigan Lodge an einer kleiner Bucht auf dem Weg zum Leuchtturm gelegen. Alleine die Fahrt nach Sabang ist ein Abenteuer. In der Regenzeit ist die Strasse schier undurchpassierbar. Die Lage inmitten von Palmenhainen ist einmalig (siehe http://www.sinandigan-lodge.de). Die Zimmer (mein Zimmer mit einem Bild vom Blausee!), der Speisesaal, die ganze Anlage sind wunderschön. Fred und Elsa sowie die ganze Familie sorgen sich liebevoll um die Gäste. Sehr schön soll der Sonnenaufgang sein. Gesehen habe ich ihn leider nie, da es immer bedeckt war. Mit etwas Glück kann man frühmorgens auch Horden von Affen zuschauen wie sie in den Palmen herumturnen. Nach dem frühen aufstehen ist Fred’s “German Breakfast” gerade richtig, um sich für die Ausflüge zu stärken. Auf einem hügeligen Weg durch hohes Gras und Palmenhainen erreicht man den Leuchtturm am Escarcero Point. Die Einheimischen haben Freude an einem kleinen Schwatz. “Picture?, Picture?” Wie überall in den Philippinen lassen sich die Kinder gerne fotografieren. Kaum zucke ich die Kamera, schon rennen sie schreiend und lachend aus ihren Bambushütten hervor und stellen sich, allerlei Schabernack treibend, vor die Kamera. Ich bin von der Schönheit dieser Kinder fasziniert.  Kunststück, dass diese, vor allem die Mädchen, etwas älter, zu himmlischen Kreaturen werden (was das Aussehen anbelangt!). Erstaunlich wie gewisse Völker einfach schön, andere dagegen hässlich sind! Von der oberen Plattform des 14 Meter hohen alten Leuchtturmes geniesse ich eine wunderbare Aussicht auf die vorgelagerte Isla Verde und auf den Mt. Halcon, mit seinen 2587m der höchste Berg von Mindoro. Mit der paradiesischen Ruhe ist es sogar beim Leuchtturm zwischendurch zu Ende. Junge Touristen, der Sprache nach Schweden, kommen mit einem stinkenden und lärmenden Buggy den Fussweg daher gefahren!


Die Überfahrt von Batangas nach Puerto Galera


Sinandigan Lodge


Auf dem Weg zum Lighthouse

Schnorcheln in der Big La Laguna

Die Bucht von Sabang ist zum Schwimmen total ungeeignet und auch viel zu dreckig. Schon besser ist es an der unmittelbar daneben gelegenen Small La Laguna. Mit zügigem Schritt erreicht man Sabang von der Sinandigan Lodge in 20 Minuten. Ich  könnte auch mit dem Jeepney dorthin fahren werden, der Marsch ist jedoch viel kurzweiliger. Vom Meer geht es durch Palmenhaine zum Teil recht steil einen kleinen Bergrücken hinauf. Ich komme echt ins Schwitzen und Schnaufen. Auf der Anhöhe angelangt, ausgerechnet dort wo ich am meisten nach Luft schnappe, steht ein Schweinestall der mich durch seinen Duft begrüsst. Bäh, stinkt das! Über der Strasse hängen vom Weihnachtsfest her noch grosse Weihnachtssterne. In Sabang herrscht echt Betrieb. Seit meinem letzten Besuch vor sechs Jahren hat sich im Dorf viel geändert. Da war doch vis-à-vis von der Lucky Bar dieses beliebte Snack-Restaurant, das Sabang Fast Food. An dessen Stelle steht nun ein klimatisiertes Restaurant. Der Strand ist nicht sauberer geworden. Die Abwasser der Häuser und Bungalows fliessen offen durch kleine Rinnsale im Sandstrand ins Meer. Pfui Teufel! Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meinem kleinen Bungalow im Angelyn Beach Resort, direkt am Meer gelegen. Grosse Enttäuschung! Alle Bungalows sind abgerissen um dem Pool einer Tauchschule zu weichen. Die schönen Erinnerungen sind jedoch geblieben.


Sabang


Ebbe an der Sabang Beach

Der Weg zur Small La Laguna ist ungepflegt, ja dreckig. Es ist für mich unverständlich, wie wenig die Einheimischen machen, um den Touristen saubere Strände anzubieten. So was gibt es zB in Pattaya nicht. Jeden Morgen wird dort der Strand von den nächtlichen Anschwemmungen geputzt, der Sand sogar gesiebt. Hier wird überhaupt nichts gemacht. Die Leute bekümmern sich anscheinend so lange nicht darum, bis eines Tages die Touristen nicht mehr kommen. Dann wird das Gejammer losgehen. Schade. Die Sandbeach von Small La Laguna kann sich schon eher sehen lassen. Noch schöner ist es aber an der Big La Laguna. Der Weg führt über eine Kornische, den Penman’s Pass (Höhe 6,7 Meter!). Ich nehme einige Bananen mit, denn unterhalb des Passes ist Lisa, ein Affe. Mit einer Leine um die Hüfte angebunden vollbringt sie spektakuläre Kapriolen und waghalsige Bungee-Sprünge um sich die Bananen zu ergattern. Die Bucht von Big La Laguna ist wunderschön. Der Sand ist fein. Das glasklare Wasser leuchtend smaragdgrün bis türkisblau. Hier kann auch der Schnorchler die fantastische Unterwasserwelt entdecken. Am schönsten ist es bei Ebbe, denn da geht es viel weiter hinaus und man schnorchelt nur gerade einen Meter über die intakten Korallenbänke hinweg. Die Korallen- und Fischwelt ist genau so faszinierend wie sechs Jahre zuvor. Beim verfolgen der unzähligen bunten Fische vergisst man fast die Zeit.


Small La Laguna


Big La Laguna

Golfspielen in Ponderosa

An den Hängen des Mt. Malasimbo (1100 M. ü M) steht auf 700 Meter Höhe der 9-Loch Ponderosa Golf Club, der wohl kleinste Golfplatz der Welt. Der Ausflug hinauf zum Klubhaus bietet eine angenehme Erfrischung durch den stark wehenden Wind. Vom Green des Loches Nr. 1 geniesst der Besucher einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Buchten von Puerto Galera. Bei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis nach Batangas. Im Klubhaus leihe ich mir einen Golfschläger aus. Es nimmt mich Wunder, ob Golfspielen wirklich so eine Hexerei ist wie alle behaupten. Sollte ich dabei ein Talent erkennen, würde ich mir in Zukunft mein Taschengeld mit Preisgeldern aufbessern. Die Distanz zum Loch Nr. 1, Par 2, ist nur etwa 40 Meter, fast ein Minigolf. Der Meister sollte dafür zwei Schläge brauchen. Schon nur bis ich diesen blöden Ball richtig treffe, brauche ich drei Schläge. Beim 7. Versuch loche ich ein. Das mit dem Preisgeld war wohl nichts. Als nächstes versuche ich es mit Tennis. Direkt unter Ponderosa erstreckt sich die White Beach, ein wunderschöner kilometerlanger Sandstrand. Leider ist die Beach für Kinder und Nichtschwimmer wegen seines steilen Abfalls nicht geeignet. Es ist auch uninteressant zum Schnorcheln.


White Beach

Mit der M/S Virgin Mary nach Boracay

Obwohl die “Virgin Mary” erst um 17.00 Uhr im Hafen von Manila ausläuft, darf man den Verkehr in der Hauptstadt nie unterschätzen. Es gilt daher frühzeitig in Angeles aufzubrechen, um ja nicht das Schiff zu verpassen. Martin, unser Philippinen-Experte, schleust unsere Gruppe vom “Monumento” mit der Metrostar (Manilas Hochbahn) durch die Stadt zum Büro von Filipino Travel um die Schiffsbillette abzuholen. Die restliche Strecke zum Pier legen wir mit dem Taxi zurück. Wie überall bei Verkehrsampeln, bieten Strassenverkäufer allerlei Waren an: Zigaretten, Zeitungen, Kaugummi, Blumengirlanden. An der Roxas Avenue kommt ein neuer Artikel dazu: Fischruten! Bei der Einfahrt ins Hafengelände am Pier 8 steht sie, unsere “Virgin Mary”. Ein imposanter, schöner Kahn. Meiner Freundin entgleiten spontan die Worte “Oh, like Titanic – wie die Titanic”. Die Titanic war wohl noch etwas grösser und vermutlich tausendmal sicherer! Eine Treppe führt hinauf an Bord. Wir haben De Luxe Klasse gebucht. Es herrscht ein geordnetes Durcheinander. Die Suche nach unseren Betten beginnt. Freundlich werden wir vom Schiffspersonal zu unseren Plätzen gelotst. Treppe hinauf, nach links, Treppe hinunter, nach rechts, dann wieder nach links und nochmals nach links. Ganz einfach zu finden. Wir sind in einem grossen Saal mit etwa 40 4er Etage-Doppelbetten. Einige Passagiere haben sich schon zur Ruhe gelegt. Das wäre für uns noch ein wenig früh. Nein, wir wollen raus aufs Deck. Eine Stunde vor dem Auslaufen schauen wir von oben dem ganzen Treiben zu. Das Kamin raucht schwärzer und schwärzer. Scheinbar werden die Maschinen auf Hochdampf gebracht. Fünf Minuten vor 17.00 Uhr wird die grosse Leiter hochgezogen. Unten am Pier stehen einige Leute und schauen dem Manöver zu. “Tooooot, tooooot, tooooot”, pünktlich läuft das Schiff aus. Niemand winkt, es fliessen auch keine Tränen, so wie es beim Auslaufen der Titanic der Fall war. Na ja, wir fahren ja auch nicht so weit. Die Fahrt nach Boracay dauert nur 14 Stunden! Die untergehende Sonne gibt dem Hafengelände und den Hochhäusern von Makati in der Ferne einen goldenen Anstrich. Schon kurz nach der Ausfahrt sind wir auf offener See. Auf dem Upper Deck weht ein frischer, angenehmer Wind. Eine Wolkenbank verdeckt leider den spektakulären Sonnenuntergang. So kehre ich in unsere Zimmer zurück. Ich finde jedoch den Eingang nicht mehr und irre wie ein blindes Huhn herum. Immer wieder komme ich zur gleichen Stelle. Ich komme mir saudumm vor. Erneut muss ich die Hilfe des Schiffspersonals in Anspruch nehmen.


Pier 8 in Manila

Die Coca-Cola Dose

Endlich bin ich wieder bei unserem Etagebett Nr. 27 angelangt. Während einer halben Stunde ertönt in den Lautsprechern das Abendgebet. Es tönt wie eine Gehirnwäsche. Die Verpflegung im Bordrestaurant ist, sagen mir mal, einfach. Für Unterhaltung ist auch gesorgt. Es gibt ein Kino und eine Karaoke-Bar. Es ist schon längst dunkel als wir vom Nachtessen zurückkommen. Für eine Weile halten wir uns nochmals auf dem Oberdeck auf. Auf Steuerbord erkenne ich in der Ferne ein Licht. Dies könnte der Leuchtturm von Sabang (Puerto Galera) sein. Wir sind nun drei Stunden unterwegs, von der Zeit her könnte es stimmen. Beim Einrichten zum Schlafen passiert ein Missgeschick. Meiner Freundin entgleitet eine offene Cola-Dose die zwischen Wand und Bettgestell hängen bleibt. Ein Teil des Inhaltes “duscht” dabei die unten liegende Frau. Als sie aufschreit, kichert die ganze Kollegschaft. Diese können sich vor Lachen kaum mehr halten. Ich entschuldige mich hundertmal, doch die Frau ist sehr erbost und schimpft “können Sie denn nicht aufpassen?”. Später, als ich in der Nacht auf die Toilette muss, “scheisst” sie mich noch einmal zusammen als ich beim herunterklettern der Leiter beinahe auf ihr Gepäck stürze. Es ist 02.00 Uhr. Um diese Zeit ist am 14. April 1912 die Titanic gesunken. Ich kann nicht einschlafen. Die Klimaanlage ist so kalt eingestellt, dass es mich trotz Wolldecke friert. Ich fliehe aufs Deck. Das Schiff steht am Pier von Odiongon (Islas Tablas, gehört zu Romblon). Um sechs Uhr ist Tagwache. Wir nähern uns Caticlan, an der nördlichen Spitze der Insel Panay, unweit der vorgelagerten Insel von Boracay gelegen. Zur grossen Überraschung regnet es. Da es in Caticlan keinen Pier gibt, ankert die “Virgin Mary” weit draussen. Die Passagiere werden mit Auslegerboote abgeholt. Der Wellengang ist nicht allzu hoch, dennoch bekunden die Boote etwelche Mühe, sich anzudocken. Die grosse Leiter wird hinuntergelassen. Zuerst verlassen die Passagiere nach Caticlan das Schiff. Diejenigen nach Boracay werden für 30 Pesos direkt dahingefahren. Die grosse Schiffsleiter ist noch einigermassen stabil, nicht die kleine schmale “Hühnerleiter” welche zum schaukelnden Auslegerboot führt. Sie ist zudem noch glitschig. Zusammen mit dem umfangreichen Gepäck  wird dieser Transfer für machen Touristen zu einer “kriminellen” Angelegenheit. Ohne Zwischenfall schaffen es alle aufs Boot zu kommen. Die Überfahrt nach Boracay dauert zwanzig Minuten. Es ist ungemütlich. Es schaukelt stark und spritzt von allen Seiten. In Boracay gibt es ebenfalls keine Anlegestelle. Es gibt drei Stationen. Wir halten bei der 1. im Süden. Das Boot stoppt fünf Meter vor dem Ufer. Das Wasser ist noch etwa 60 Zentimeter tief. Träger sorgen sich um das Gepäck. Man kann sich auch ins Trockene tragen lassen. Ansonsten bleibt dem Ankömmling nur der Sprung ins warm Wasser. Eine unerwartete Welle sorgt dafür, dass ich bis auf die Unterhose nass werde. Welcome to Boracay!


White Beach

Die Sonnenuntergänge von Boracay

Der Algenteppich

Das Wasser der White Beach ist glasklar und wunderbar blau. Der Sand ist vom feinsten. Bei meinen letzten Besuch vor 6 Jahren gab es allerdings einen Riesenskandal, als Umweltschutzsekretär Victor Ramos aussagte, dass Boracays Strände gefährlich verseucht seien. Ramos stützte sich dabei auf Wasseranalysen, die zwischen Oktober und Dezember 1996 an verschiedenen Orten vorgenommen wurden. Das Resultat bezeichnete er als “Desaster”, denn es wurde ein erschreckend hoher Anteil an koliformen Bakterien festgestellt, welcher die Badenden der Gefahr von Typhus, Cholera, Diarrhöe, Hautkrankheiten und Allergien aussetzt. Es stelle sich heraus, dass einige grössere Resorts nicht einmal eine Sickergrube hatten und jeweils gegen Mitternacht die Fäkalien direkt ins Meer abfliessen liessen. Das Touristenministerium, welches Boracay gerne zum führenden Seebad machen möchte, reagierte scharf und wies alle Anschuldigungen zurück. Zahlreiche Verbesserungen wurden seither  vorgenommen. Inzwischen soll auch die Kläranlage fertig gestellt, die Kanalisation zu den Resorts und Hotels jedoch noch nicht angeschlossen sein. Eine der grössten Sorgen Boracays ist und bleibt der Algenteppich. Jedes Jahr Im Januar wird die White Beach von einem Algenteppich ergrünt. Bei unserer Ankunft ist das Wasser am Ufer schon von diesen grünen Algen befallen. Niemanden weiss woher sie kommen. Umweltschützer machen die zunehmende Verschmutzung des Wassers dafür verantwortlich. Ältere Inseleinwohner berichten jedoch, dass es die Algen schon vor der Ankunft der Touristen gab. Es scheint mit der Wassertemperatur zu tun haben. Die Woche zuvor, als es bedeckt war, soll es noch keine Algen gegeben haben. Durch die Sonneneinstrahlung der letzten Tagen ist das Meerwasser um einige Grade wärmer geworden, was das plötzliche Wachsen der Algen verursacht haben könnte. Mit jedem Tag wird der Streifen dichter und grüner. Es sieht aus wie eine Spinatsuppe. So etwas ist nicht zum Schwimmen nicht gerade einladend. Auch weiter draussen bekomme ich Algenfetzen zwischen die Finger und in den Mund. Ekelhaft so etwas.


Der Algenteppich

Badeferien

Zum Glück sind die Strände an der Nordspitze der Insel nicht von den Algen befallen. Die Strände sind absolut Klasse. Auch in Boracay hat der Rückgang des Tourismus Spuren hinterlassen. Die meisten Resorts- und Hotelanlagen sind halb leer. Obwohl Boracay eine winzige kleine Insel von 7 km Länge und 3 km Breite ist, ist es grosse Mode Motorräder zu vermieten. Jedesmal wenn ich dazu angesprochen werde, versuche ich die Leute mit “Please stopp the pollution, no motorbike – Bitte stoppt die Pollution, keine Motorräder” klar zu machen, dass dies doch ein Blödsinn ist. Das begreifen die meisten nicht, für sie zählt nur das Geschäft und Motorräder zu vermieten ist eben ein besseres Geschäft als Fahrräder zu vermieten. Das Boracay der Touristen entlang der White Beach lässt sich sehen und ist, was Hotels und Restaurants anbelangt, als Top zu bezeichnen. Ganz anders sieht es im Boracay der Einheimischen, nur einige Hundert Meter vom Strand entfernt. Die einzige Strasse der Insel ist in einem miserablen Zustand. Es stinkt grausam von Abgasen und ist dreckig. Zum Glück dauern unsere Badeferien nur eine Woche. Mir bekommt scheinbar das Strandleben nicht gut. Ich bin kaum eine Viertelstunde an Land, schlage ich mir schon die linke Zehenspitze auf, so dass ich kaum mehr gehen kann. Drei Tage später ist die rechte Zehenspitze an der Reihe. Die Verletzung ist sehr schmerzhaft, zeitweise spüre ich jeden Pulsschlag in beiden Zehen. Ich muss Barfuss gehen, dadurch schmerzt mich jetzt mein lädiertes Fussgelenk. Zu allem Übel touchiere ich beim Schnorcheln eine Koralle und verletzte mich leicht auf dem Fussrücken. Eine Bagatelle, denke ich.


Die MS "Virgin Mary" (Länge 120 m, 9000 To, 2000 Passagiere)

Die Rückfahrt mit der “Virgin Mary” ist auf Sonntagmorgen um 12.00 Uhr angesagt. Um 10.00 Uhr sind wir an der Station 3 bereit um ins Auslegerboot einzusteigen. Mich wundert es, dass von einem Passagierschiff  weit und breit nichts zu sehen ist. Dieses müsste doch längst hier angekommen sein! Als wir um die Südspitze der Insel fahren, sehen wir sie endlich unsere “Virgin Mary”. Sie ist also doch da. Wir werden zunächst zum Pier von Caticlan geführt. Von dort geht es zu Fuss zur Einschiffungsstelle. Erneut müssen die Passagiere die schmale Hühnerleiter benützen. Beinahe falle ich mit meinem Rucksack rücklings ins Wasser. Der Bootsmann kann mich gerade noch halten. Tja, dies hätte meinem Fotoapparat nicht gut getan. Wir legen los. Je näher wir uns dem Schiff nähern, umso riesiger wird die “Virgin Mary”. Glücklicherweise hat es diesmal  nicht so grosse Wellen wie bei unserer Ankunft. Nach einigen Andockmanövern sind wir zum Einsteigen bereit. Der Blick hinauf zum Deck ist eindrucksvoll. Über eine Passerelle steigen wir in den Bauch der “Virgin Mary” ein. Für die Rückfahrt haben wir zusammen mit Jens eine 4er-Kabine gebucht. Erneut sind wir nicht imstande unsere Kabine in diesem Labyrinth selber zu finden. Wir passen diesmal wesentlich besser auf wo es lang geht. Wieder draussen auf dem Deck nähert sich gerade ein Flugzeug dem Flughafen von Caticlan. Dieser ist unmittelbar hinter der Küste gelegen. Die Maschine fliegt tief über unsere Köpfe hinweg und verschwindet zur Landung hinter den Palmen. Als ich in die Kabine zurück will, finde ich erneut den Weg nicht mehr. Es ist wie verhext! Wo vorher eine Tür offen war, ist plötzlich keine mehr. Habe ich schon den Schiffskoller? Immer wieder komme ich zur gleichen Stelle. Das Rätsel löst sich bald: während der Billetkontrolle wurden einige Türen geschlossen, um ein Ausweichen von Passagieren ohne Tickets zu verhindern.


Zwischenhalt in Odiongon

Zurück nach Angeles

Die Nacht verläuft ruhig. Um vier Uhr morgens sind wir in Manila zurück. Meine “kleine” Verletzung, durch die Koralle verursacht, hat sich mittlerweile zu einer schmerzhaften Infektion entwickelt. Da Korallen giftig sein können, ziehe ich es vor den Arzt zu besuchen. Es war auch höchste Zeit. Ich bekomme Antibiotika. Während drei Tagen muss ich “links” Barfuss gehen. Die Leute in der Strasse schauen mich komisch an! Mit grosser Hoffnung starte ich in die neue Ping-Pong Saison. Nach einer Woche steht es aber schon wieder 0 – 18! Dafür ist der Kurs des Schweizer Frankens für uns Touristen sehr erfreulich und hat alle Rekorde übertroffen. Anfangs Dezember stieg der Kurs für einen SFr. erstmals über die 37 Pesos-Grenze. Und er stieg und stieg: 37.10, 37.20, 37.40, 37.80, am 22. Januar 39.10 und am 26. Januar sage und schreibe 39.40 Pesos! Das sind 4 Pesos mehr als bei meiner Ankunft vor 2 ½ Monaten. Bei einer Überweisung von Tausend Schweizer Franken macht das 3000 Pesos oder 20 Käseschnitten aus.

Pädophilie und Prostituierte

Nichts gegen die jetzige Visumpolitik der Philippinen. Obwohl vermehrt erzählt wird, dass den Touristen am Flughafen in Manila bei der Ankunft eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zum vornherein verweigert wird, habe ich persönlich nur positive Erfahrungen gemacht. Ohne Schwierigkeiten verlängert man mir auf dem Immigration Bureau in Angeles meinen Aufenthalt zuerst bis zu 59 Tagen und später für weitere 60 Tage. Gemäss einem Zeitungsartikel im “Phillippines STAR” könnte dies, laut der Aussage eines Beamten des Departement of Foreign Affairs, jedoch bald ändern. Als Gegenmassnahme zum Entscheid der Schengen-Staaten, Filipinos bei Visaanträgen einer strengeren Kontrolle zu unterziehen, liess der Beamte verlauten, dass die Philippinen in Erwägung ziehe, die bisherige Praxis mit dem 21 Tag Visum on arrival zu widerrufen. Er meinte es gäbe keine Beweise, dass durch die jetzige Praxis mehr westdeutsche Touristen das Land besucht hätten. “Mit dem Visum, haben wir die Zusicherung Qualitätstouristen zu erhalten, während diejenigen, die ohne Visum einreisen, Pädophilie und Prostituierte sein könnten”. Danke vielmals diesem Beamten für diese Einschätzung. Der “liebe” Mann scheint aber vergessen zu haben, dass die Schengen-Staaten nicht auf Philippinische Touristen angewiesen sind.

Philippinisches Rätsel

(steht an der Eingangstür des Restaurant Oriental Thai in Angeles)

Open from 10.00 A.M. - 12.00 A.M.
Open from 12.00 P.M. - 10.00 P.M.

Wann ist nun das Restaurant geschlossen?

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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch