Mabuhay - Reiseberichte
Home
Mabuhay Thailand / Schweiz (RB26 / 22.07.2003) Länderinfos: Thailand  

Pizza und Filet Mignon

Seit einer halben Stunde warten wir aufs einchecken. Die kleine Halle mit ihren vier Schaltern ist zum bersten voll. Obwohl nur der Flug mit der Thai International nach Bangkok abzufertigen ist, geht es unheimlich schleppend voran. Da hat uns die moderne Ankunftshalle vor zwei Wochen doch einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen. Wir stehen zwanzig Minuten bei der Passkontrolle an. Bei der Handgepäckkontrolle werden alle Feuerzeuge konfisziert! Eine ganze Schale ist bereits damit gefüllt. Was die wohl damit machen? Untereinander verteilen oder vielleicht hat einer sogar einen Feuerzeugladen in der Stadt!

Der Flug hat Verspätung. Als die Maschine landet geht es ruckzuck. Ich bin glücklich und erleichtert, dass unsere Rundreise so problemlos verlaufen ist und auch der Rückflug nach Bangkok klappt. Die erste Tasse Kaffee ist noch nicht ausgetrunken, schon setzt der Pilot zum Anflug auf Bangkok an. Den Stewardessen gelingt es vor der Landung gerade noch rechtzeitig das letzte Tablett abzuräumen.

Wir sind zurück in Bangkok. Obwohl über 30º Grad Celsius herrscht, ist es wesentlich weniger heiss als noch vor einer Stunde in Yangoon. Nun aber auf dem schnellsten Weg ab zum erfrischenden Meer! Da der Anschlussflug meiner Schwester nach Zürich bereits in drei Tagen erfolgt, liegt eine Reise an die wunderschönen Badestrände im Süden des Landes leider nicht drin. Die Wongamat Beach in Nordpattaya ist natürlich nicht mit den Stränden von Phuket, Krabi oder Koh Samui zu vergleichen, so schlecht wie viele sagen ist der Strand aber auch wieder nicht. Sünnele, bädele, nichts tun, Pizza, Filet mignon und Tom yam gung essen, schon sind die zwei Tage um. Meine Schwester ist wieder weg. Ich beschliesse Ende März nach Hause zu fliegen. Rund einen Monat verbleibt mir bis dahin.


Die Beach von Wongamat, auch "Little Germany" genannt


Restaurant Leng Kee: hier gibt die beste Tom Yam Gung

Drogenkrieg

Es gibt in Thailand offiziell mehr als drei Millionen Drogenabhängige! Der Drogenhandel blüht. Bereits seit Jahren diskutiert man in Regierungskreisen, dass dringend etwas dagegen unternommen werden müsste. Bis anhin blieb es bei Diskussionen. Die jetzige Regierung hat nun aber beschlossen den Drogenhändlern den Krieg zu erklären. Ministerpräsident Thaksin forderte alle Drogenhändler auf sich freiwillig bis zum 31. Januar zu ergeben, ansonsten sie erschossen würden. Er drohte auch Funktionäre zu bestrafen, sollten diese nicht genügend Festnahmen vornehmen. Die Reaktion der Gegner liess nicht lange auf sich warten und Thaksin wurde vor allem kritisiert, weil damit die Polizei dazu bewegt werden könnte Gewalttaten zu begeben. Noch bevor die Kampagne beginnt, stehen die Namen von 477 Polizisten auf der Schwarzen Liste. Gegen 136 davon werden schwere disziplinarische Strafen verhängt.

Im ersten Monat des Drogenkrieges werden tausend Personen erschossen! Laut dem Innenminister sollen dabei nur sechzehn Personen bei Gefechten mit der Polizei ums Leben gekommen sein, alle anderen sollen angeblich auf das Konto von Drogenbanden gehen. In einer Fernsehansprache an die Nation reagiert der Ministerpräsident auf die Kritik und stellt der Bevölkerung die Frage ob es ihnen denn lieber ist, dass ihre Kinder von Drogenhändlern kaputt gemacht werden und diese wie Könige leben? Wenn dies der Fall sei, stelle er die Kampagne sofort ein.

Thailands Drogenkrieg sorgt durch die vielen Toten auch im Ausland für Aufsehen. Amnesty International und Menschenrechtsorganisationen üben Kritik aus, weil Drogenverdächtige nicht von Gericht gestellt werden und somit keine Chance haben sich zu verteidigen. Über das Vorgehen der Regierung können die Meinungen unterschiedlich sein. Die Hauptursachen, Armut und Arbeitslosigkeit, werden damit sicher nicht gelöst. Das Drogenproblem hat in Thailand aber ein solches Ausmass angenommen, dass dringend etwas Ausserordentliches geschehen muss.  Es ist schwierig zu beurteilen, ob in einer solchen Situation die radikale Lösung, eine Säuberung der Zustände, die einzige richtige Lösung ist.

Die Thais lieben es ihren Reichtum zu zeigen. Dies hat seit kurzem einen grossen Nachteil, denn wer heutzutage schnell reich wird, macht sich sofort verdächtigt. So etwas ist neu für Thailand. Die Überlegung trifft aber in den meisten Fällen zu. Wie können gewöhnliche Personen zu riesigen Vermögen kommen, wenn nicht durch Drogenhandel oder Korruption?

Iraqkrieg und Sars

Nun haben Herr Bush jun. und seine Marionette Tony Blair doch zugeschlagen und die ersten Raketen auf Iraq abgefeuert, obwohl die Massenvernichtungswaffen, auch nach intensiver Suche durch die UNO-Inspektoren, noch immer nicht gefunden werden konnten. Weshalb gibt denn der US-Geheimdienst, der über deren Existenz so sicher ist und auch weiss wo sie versteckt sind, der UNO nicht die Information wo sie suchen müssen? Schlicht und einfach weil es gar keine gibt, oder weil die Amerikaner die Waffen an Saddam selber verkauft haben! Ganz schlimm ist jedoch, dass sich die Amerikaner einfach über den UNO-Sicherheitsratbeschluss hinweg setzen. Nein, Herr Bush, so geht es nicht! Auch Sie haben sich daran zu halten.

Die Thailändische Regierung nimmt zum Krieg eine zurückhaltende Stellung ein. "Obwohl wir Thailänder Alliierte der Amerikaner sind, können wir nicht an diesem Krieg teilnehmen, da wir im Prinzip dagegen sind" ist die Erklärung des Ministerpräsidenten. Wie wohl überall auf der ganzen Welt wird der Krieg auch in Thailand live im Fernsehen als Unterhaltung präsentiert. Die Amerikaner gaukeln der Welt wie 1991 vor, wie sie mit ihren lasergesteuerten Bomben nur Regierungsgebäude treffen und dadurch den Eindruck erwecken die Zivilbevölkerung zu schonen. Ein Krieg hat jedoch immer furchtbare Auswirkungen für die Menschen. Dazu noch einen ungerechten Krieg zu führen ist eine Tragödie, ein Menschenverbrechen. Wer nur ein klein wenig Gerechtigkeitssinn besitzt, muss doch zugeben, dass jeder andere Präsident dafür vor Gericht gestellt würde. Nur die USA können sich alles erlauben.

Die Amerikaner sind zudem auch kaum mehr glaubhaft. Einen Tag berichten sie von 8'000 Kriegsgefangenen, am anderen Tag sind es nur noch 1'000. Der Geheimdienst zeigt Dokumente wonach Iraq in einem afrikanischen Staat Uran gekauft habe, die Dokumente erweisen sich aber als gefälscht! Und so gibt es unzählige Beispiele. Was kann man den Amerikanern überhaupt noch glauben? Dem neutralen Beobachter kommt zudem ihr Verhalten wie das von kleinen Kinder vor: die anderen provozieren bis man eine Ohrfeige kriegt und ist dann erstaunt und empört. So geschehen als die amerikanischen Fernsehsender zu Beginn des Krieges Bilder von irakischen Kriegsgefangenen und Zivilisten zeigen, die sich vor vorgehaltener MP ergeben. Die Bilder sollen der Bevölkerung und den irakischen Armeeangehörigen die Sinnlosigkeit einer Fortsetzung des Widerstandes aufzeigen und diese demoralisieren. Als aber zwei Tage später der arabische Sender El Dschaisira Bilder von amerikanischen Gefangenen zeigt, schreit man nach den Genfer Konventionen. Nach dem Motto, nur wir müssen uns nicht an die internationalen Abkommen halten. Die Verträge von Kyoto lassen grüssen!

Um einen Krieg in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, ist eine breite Zustimmung unabdingbar. Da diese Zustimmung ein Resultat der Meinungsbildung ist, die auf Aufklärung durch die Medien basiert, liegt es nahe, dass die Informationen im jeweiligen Interesse des Landes präsentiert, resp. absichtlich manipuliert und gefälscht werden. Nach all dem was 1991 und seither geschehen ist, müsste man eigentlich meinen, dass die Leute etwas gescheiter, kritischer und aufrichtiger geworden sein müssten. Es gibt aber weiterhin solche die den „Amis“ einfach blind alles glauben. Ich erinnere auch an den kürzlich aufgedeckten Olympiaskandal. Wie viele US-Athleten waren vor Sydney 2000 mit Doping erwischt worden und der US-Verband hat es verschwiegen? Wie war man früher im Westen darüber empört, als ein Athlet aus dem Ostblock erwischt wurde? Tja, das waren damals böse und schlechte Leute. Die Frage wie viel Vertrauen man eigentlich denn Amerikanern heute noch schenken kann ist nicht unberechtigt.  Haben sie den Anschlag vom 11. September auf das World Trade Center etwa noch selber inszeniert? Zuzutrauen wäre es ihnen, denn diese Regierung ist skrupellos und schreckt vor nichts zurück um ihre politischen Ziele zu erreichen.
Ich bin gespannt, welche Sanktionen wohl die UNO und das Olympische Komitee gegen die Amerikaner verhängen werden? Die Antwort wird vermutlich offen bleiben...

Mit dem Ausbruch des Krieges verringern einige Fluggesellschaften ihre Flüge nach Europa. Für eine kurze Zeit befürchte ich, dass mein Rückflug dadurch in Gefahr stehen könnte. Der Krieg hat für die Singapore Airlines zum Glück keine Auswirkungen, ausser dass ein Umweg um das Kampfgebiet geflogen wird. Einige geraten dennoch in Panik. Ein Kollege beabsichtigt sogar von Bangkok über Südafrika nach Zürich zu fliegen! Nicht der Krieg sondern SARS verursacht mir schlussendlich doch noch Sorgen. Durch den Ausbruch der mysteriösen Krankheit herrscht seit Wochen in Südchina Panik und die Krankheit breitet sich von Tag zu Tag mehr aus. Auch in Singapore wird bereits ein Todesopfer verzeichnet.

Schweizer Käsefondue

28. März: die Zeit seit dem Abflug meiner Schwester ist rasant vergangen. Es ist Zeit Abschied von einer in der Zwischenzeit doch so vertrauten Umgebung zu nehmen. Für einige Monate werde ich wieder in der Heimat sein. Meine jährlichen Besuche haben zumindest den Vorteil, dass die totale Entfremdung von der Schweiz so ein wenig hinaus gezögert wird.

Der Flug SQ 346 nach Singapore verläuft normal. In der Transithalle von Singapore fallen einzelne Personen und Familien mit Mundschutzmasken auf. Ansonsten ist von SARS nichts zu merken. Die Zeit bis zum Abflug um 23.45 Uhr verbringe ich am Gate 46. In einem Business Center können die Passagiere bis zu zwanzig Minuten gratis das Internet benutzen. Der Abflug hat leicht Verspätung. Sechzehn Minuten nach Mitternacht starten wir. Der Flug ist unruhig. Die Sicherheitsgurte bleiben die meiste Zeit angeschnallt. Ich fühle mich während des ganzen Fluges unwohl. Mein Magen ist aufgebläht. Nach kurzem Schlaf wache ich auf. Wir fliegen über Samsun am Schwarzen Meer. Erinnerungen an meine 2 CV Reise von 1971 werden wach. Bis Kloten sind es noch zwei Stunden und 33 Minuten. Trotz des verspäteten Abfluges landet die Maschine eine halbe Stunde früher als geplant in Kloten. Der Pilot meldet eine Aussentemperatur von 9 Grad Celsius. Erträglich. Da wäre ich also wieder zurück.

Das Wetter zeigt zum Empfang sein schönstes Gesicht. Ein wunderschöner Frühlingstag. So etwas hilft bei der Akklimatisation. Alleine schon das von Heidi und Hans Wahli zum Empfang offerierte Käsefondue ist die Rückreise wert. Vielen Dank! Neun Monate war ich von Zuhause weg. In dieser Zeit hat sich eine Menge Post angesammelt. Bis alles eingeordnet ist, die Fotoalben erstellt und die rund tausend Dias eingereiht sind, vergeht schnell einen Monat. Ich bin in der glücklichen Lage wiederum bei meinen früheren Arbeitgeber arbeiten zu können. So vergehen zwei weitere Monate.

Alles ist Gold, was glänzt!

Gold! Welche Faszination dieses kleine Wort noch immer auslöst. Gold, Synonym von Reichtum, übte von jeher schon eine magische Anziehungskraft auf die Menschen aus. Obwohl die Schweiz nicht für grosse Goldfunde bekannt ist, sind heute noch an sehr vielen Orten kleine Funde möglich. Die Suche danach wird jedoch nur noch als Hobby betrieben. Das bekannteste Zentrum für die Goldwäscherei ist das Napfgebiet. Das Gold kommt dort besonders aufkonzentriert vor, und die durchschnittliche Goldkonzentration beträgt 0,45 g pro Tonne Schotter und Sand. In den Gewässern rund um das Napfgebiet wurde schon in historischer Zeit Gold gewaschen. Man vermutet, dass die Helvetier ihren Goldschmuck aus Napfgold schmiedeten. Die statistisch nachweisbare Gesamtproduktion ist jedoch gering und betrug auf der Luzerner Seite von 1523 bis 1800 etwa 32 Kilogramm. Daraus wurden 1'500 Münzen (Luzerner Dukaten) geprägt. Da seit dem 19. Jahrhundert kein Monopol mehr besteht, fehlen seither zuverlässige Angaben.

Goldwaschen in der Schweiz ist nur mittels Waschpfanne, Schaufel und Waschrinne erlaubt. Eine Erlaubnis dafür braucht es, ausser im Kanton Tessin, nicht. Das gefundene Gold gehört dem Finder. Im Kanton Genf und in der Gemeinde Disentis gibt es allerdings Reglementierungen. Wer unliebsame Überraschungen vermeiden will, tut gut daran, sich vorgängig genau darüber zu informieren. Goldhaltige Stellen in einem Flussablauf zu erkennen, wird in der Fachsprache als Prospektion bezeichnet. Dies bedingt Wissen, Erfahrung und ein geschultes Auge. Es gibt zwar gewisse Gesetzmässigkeiten und „Goldene“ Regeln, auf die sich der Prospektor stützen kann, doch die Laune der Natur hat schon manchem „Profi“ einen Streich gespielt. Ohne Kenntnisse Gold auf eigene Faust suchen zu wollen, ist hoffnungslos. Verschiedene Goldwaschkursanbieter bieten Tageskurse an, um interessierten Personen grundlegendes Wissen über Goldvorkommen sowie das Erlernen der Waschtechnik mit der Goldwaschpfanne und der Waschrinne zu vermitteln.

Via Internet (http://www.goldprospector.ch) haben wir uns bei Stefan Grossenbacher für einen solchen Tageskurs angemeldet. Stefan (39) ist von Beruf Goldsucher und Goldschmied. Zwischen November und April ist er meistens in Neuseeland auf seinem „Claim“, einem 20 Km langen Flussabschnitt, in welchem er mit einer Dredge (Unterwasserstaubsauger) Gold gewinnt. Das gefundene Gold nimmt er in die Schweiz, wo er es zu besonderem Schmuck verarbeitet. Gespannt ziehen wir zu unserem Treffpunkt im Napfgebiet los. Stefan erwartet uns bereits, doch zunächst gibt es Theorie, denn ohne grundlegendes Wissen, an welcher Stelle im Bach sich das Gold ablagert, sind die Chancen gleich null.

Es wird vermutet, dass das Gold vom Napf aus primären Vorkommen (Goldadern) aus dem Monte Rosa Gebiet stammt. Dort wurde es durch Urflüsse vor 10-40 Millionen Jahren aberodiert. Das Napfgebiet ist ein Schuttfach aus solchem Erosionsmaterial, das sich in rund 20 Millionen Jahren zur Nagelfluh verfestigt hat. Das Gold wurde durch sich einfressende Bäche und durch natürliche Verwitterung (Erosion) in winzigen Flittern wieder frei gelegt und bei Hochwasser bachabwärts transportiert. Ablagerungen mit erhöhtem Goldgehalt nennt man Alluvionen oder Goldstreifen. Weil das Oberflächengestein laufend abgetragen wird, reichert sich das dabei freigewordene Gold in den Wasserläufen an. Man spricht in einem solchen Fall von Waschgold, weil es nur mittels der Goldwaschtechnik gefunden werden kann. Gold kommt in der Natur nur selten in völlig reiner Form von 24 Karat vor. Das Napfgold hat eine Feinheit von mehr als 23 Karat und ist daher sehr beliebt. Der Rest besteht aus Verunreinigungen wie Silber und anderen Metallen. Im Napfgebiet besteht das Gold zu 99% aus länglichen oder gerundeten kleinen Plättchen (Flitter) von sattgelber Farbe in der Grössenordnung von 0,1 – 3 mm. Diese sind schon in der oberen Kiesschicht zu finden. Der Waschvorgang beruht auf einer Dichtetrennung. Gold hat mit der Dichte 19.3 g/cm³ eine 6 – 8 mal höhere Dichte als das übrige Bachbettgeschiebe und sinkt daher schneller ab.
Man hat herausgefunden, dass rund 70% des Goldes, das bei einem starken Gewitter oder Hochwasser mit dem Bachgeschiebe talwärts geschwemmt wird, einem bestimmten Pfad folgt. Dieser ist nur wenige Meter breit und wandert der Ideallinie entlang. Vergleichbar einem Autorennfahrer führt dieser der Biegungsinnenseite entlang und folgt dem kürzesten Weg zur nächsten Biegungsinnenseite. Goldablagerungen bilden sich folgedessen nur an Stellen, die auf dem Goldpfad liegen – vorzugsweise am Ende einer Biegungsinnenseite“.
Ungeduldig hört Olga den Erklärungen von Stefan zu. Als wir noch zusätzliche Fragen stellen, ist es mit ihrer Geduld zu Ende: „Hören Sie fertig Fragen stellen, ich will endlich Gold suchen!“ drängt sie uns in ihrem russischen Akzent.>


Stefan beim Goldwaschen

Gespannt folgen wir Stefan zum Bachbett an jene Stelle, an der er Gold vermutet. Zu Beginn des Goldwaschens wird die Pfanne mit Kies gefüllt und unter Wasser seitlich und in kreisförmigen Bewegungen kräftig geschüttelt. Das grobe Kies und die Steine werden dabei von Hand entfernt. Indem die Pfanne stark geneigt aus dem Wasser gezogen wird, wird die oberste Schicht ausgewaschen. Dieses Prozedere wiederholt sich unzählige Male, wobei zwischendurch die Pfanne immer wieder unter Wasser geschüttelt wird. Die winzigen, schwereren Goldpartikel sinken damit auf den Pfannengrund. Die oberste Schicht wird so ausgewaschen, bis sich nur noch ca. zwei Esslöffel Kies in der Pfanne befinden. „Natürlich vorkommendes Eisenerz lagert sich an denselben Stellen wie das Gold ab und ist in der Schlussphase beim Auswaschen als rostbrauner bis schwarzer Sand erkennbar. "Dies ist ein guter Indikator für eine goldführende Stelle“ erklärt Stefan den aufmerksam zuhörenden Goldsuchern. Das letzte Auswaschen ist die heikelste Phase und bedingt etwas Geschicklichkeit. Die Pfanne wird dabei mit 1/5 Wasser gefüllt und so geneigt, damit der Kies auf eine Seite rutscht. Die Pfanne wird nun links und rechts wie eine Waage in der Balance gehalten, um den Sand durch leichte Wippbewegungen in den unteren Bereich der Pfanne zu spülen. Gespannt blicken alle in die Pfanne. Stefan wippt sie gekonnt hin und her. Der Restsand wird immer weniger. Und da! Ein erster glänzender Punkt kommt zum Vorschein! Und noch ein zweiter, ein dritter! Alle sind begeistert. Wir haben Gold gefunden. Alle wollen es nun selber versuchen. Das Goldfieber ist unter uns ausgebrochen!


Gespannt verfolgen wir das Auswaschen

Von Stefans Erklärungen gescheiter geworden, mache ich mir meine eigenen Überlegungen, wo sich wohl der beste Goldpfad befinden könnte. Für meine erste Pfanne begebe ich mich flussabwärts. Das Schaufeln von Kies ist recht mühsam. Das Bachbett ist mit grossen Steinen übersät. Ich fülle die Pfanne mit drei Schaufeln Kies. Jetzt heftig schütteln. Das grobe Kies und die grösseren Steine kommen sofort an die Oberfläche. Eintauchen, schütteln, eintauchen, mehrmals wiederhole ich diesen Arbeitsvorgang. Wie Stefan uns erklärt hat, wasche ich die oberste Schicht aus. Ich wiederhole diesen Vorgang, bis nur noch wenig Sand übrig geblieben ist. Der Sand ist hell. Ein schlechtes Zeichen. Effektiv, ich kann hinschauen wie ich will, nichts das aus meiner Pfanne glänzt. Na, dann versuchen wir es noch einmal. „Bingo!, Bingo!“ tönt es inzwischen von weiter oben. Freudestrahlend wie ein "Maienkäfer" blickt Michel in seine Waschpfanne. „Ich habe gefunden, Gold, richtiges Gold!“ Mit Stolz präsentiert er uns seinen Fund. Tatsächlich, in der schwarzen „Pfanne“ glänzen einige winzig kleine, gelb leuchtende Goldflocken.


Als einziger habe ich noch kein Gold gefunden!

Nachdem ich auch mit der dritten Pfanne nichts, aber auch gar nichts von diesem magischen Metall zu Tage gebracht habe, kommen in mir langsam Zweifel auf, ob ich auch alles richtig mache. Vermutlich habe ich ganz einfach nur an der falschen Stelle gesucht. Als Einziger habe ich noch nichts gefunden! Ich wechsle daher meinen Standort. Durch die gebeugte Stellung beim Waschvorgang bekomme ich zunehmend Rückenschmerzen. Es ist zudem schwierig, durch die vielen Steine im Bachbett Stand zu finden. Immer wieder drohe ich mein Gleichgewicht zu verlieren und mit dem Hintern im Bach zu landen. Auch die viel zu kleinen ausgeliehenen Stiefel schmerzen meine Zehen. Für die Endphase des Auswaschens beanspruche ich diesmal die Hilfe des Experten. Stefan wippt die Schale auf und ab, bis aus dem restlichen Sand zwei schöne Flitter hervorglänzen. Na, also! Mit einer Pipette werden die kleinen Plättchen aus der Pfanne abgesogen und in kleine Fläschchen mit Wasser abgefüllt.


Der Traum jedes Goldwäschers: ein Nugget!

Nach der Mittagsverpflegung demonstriert uns Stefan das Goldwaschen mittels Waschrinne. Mit dieser Methode kann eine wesentlich grössere Menge Kies gewaschen werden. Die Chance ist umso grösser, Flitter zu finden. Die Rinne besteht aus einem Kanal aus Aluminium, etwa einen Meter lang und 30 cm breit, und wird in die Wasserströmung, knapp unter den Wasserspiegel gelegt. Der Kies wird am oberen Ende hineingeschaufelt. Die Strömung spült dabei den Kies über verschiedene Hindernisse, sog. Riffles, wie Querrillen, Streckgitter, gerippte Gummimatte und Kunstrasen hinweg. Die Riffeln erzeugen einen Strömungsabriss, hinter denen sich der grösste Teil des Goldes und der Schwermineralien ablagert.


Die Waschrinne

Zu Dritt schaufeln wir unablässig Kies in die Waschrinne. Diese darf dabei nicht überladen sein und muss laufend von den grösseren Steinen befreit werden. Nach einer Viertelstunde schaufeln bilden sich die ersten Blasen an den Händen. Goldwaschen ist viel mühsamer, als ich mir gedacht habe! Ungeduldig nehmen wir die Rinne aus dem Wasser und sind gespannt, ob sich unsere Schwerarbeit gelohnt hat. Die Waschrinne und der Teppich werden sorgfältig in einem mit Wasser gefüllten Eimer gereinigt und zusammen mit dem übrig gebliebenen Konzentrat von Sand wiederum in der Pfanne ausgewaschen. Das Resultat ist erstaunlich. Die Flitter glitzern zu Dutzenden hervor! Wir sind begeistert. Was für ein grossartiges Gefühl wohl die Goldsucher damals haben mussten, als sie im Shotover River in Neuseeland um 1880/1890 im Goldrausch bis zu 120 Gramm! pro Pfanne gefunden haben sollen!

Der Traum des K 2

Seit meinem Trekking zum Nanga Parbat vor zwei Jahren, gibt es für mich nur noch ein Ziel: Der Concordiaplatz an der Grenze zu China. Das Panorama auf die Achttausender K2, Broad Peak und die beiden Gasherbrums, soll atemberaubend sein. Dieses Trekking ist jedoch kein Sonntagsspaziergang und bedingt eine gewisse körperliche Verfassung. Durch die Abgeschiedenheit des Gebietes, dauert nur schon der Hinmarsch über sieben Tage (70 Kilometer!) Bereits mehrere Male hatte ich auf meinen bisherigen Trekkings geschworen, nie mehr so etwas zu unternehmen. Ein Trekking zum Fusse des K 2 ist für den Trekker gleichbedeutend wie für den Bergsteiger die Bezwingung des Mount Everests: ein absoluter Höhepunkt. Dieses Trekking ist für mich vielleicht die grösste Herausforderung in meinem Leben. Bedingung ist jedoch, dass mein lädiertes Fussgelenk „mitmacht“. Denn es ist wie verhext. Seit meiner Rückkehr in die Schweiz hat mir mein Fuss noch nie solche Probleme verursacht. Ich kann kaum eine halbe Stunde das Bein belasten, schon humple wie eine Ente. Schon nach kleinen Touren bin ich einen Tag lang „out“. Bevor ich überhaupt an ein solches Trekking denken kann, sollte ich zumindest in der Lage sein einige Stunden ohne Beschwerden in bergigem Gelände marschieren zu können. Ich lege mir daher als Test den Aufstieg zur Fründenhütte (2562 m) oberhalb von Kandersteg fest. Sollte ich diese Bergtour nicht schaffen, dann kann ich mein Trekking gleich abschreiben.

So starte ich eines Morgens schwer beladen Richtung Öschinensee. Der erste Abschnitt im Schatten der Tannen und Fichten ist herrlich. Nach zwanzig Minuten erreiche in den Bärentritt. Ein erster Halt zum verschnaufen. Von hier geht es rechts hinauf zur Doldenhornhütte. Der schwere Rucksack drückt bereits schmerzhaft auf meinen Schultern. Der Weg wird steiler. Ich passiere die idyllische Holzbrücke über den Öschinenbach. Rechterhand glänzt der grosse Wasserfall im Gegenlicht der Sonne, wie ein silberner Streifen. Der Weg wird noch steiler. Ich bin im Rinderstutz. Ja, Gottfried Stutz, ich komme kaum mehr vorwärts. Durch die Steilheit der Strasse habe ich Mühe mit meinem Fussgelenk. Durch den Bruch vor zwölf Jahren, ist das Gelenk nur noch sehr beschränkt beweglich. Ich laufe im Zickzack. Alle zwei Minuten muss ich verschnaufen. Es ist unheimlich heiss. Auf der Anhöhe kommt das Bergpanorama in Sicht. Gerade vor mir die Blümlisalp (3664 m) und rechts davon das Fründenhorn (3369 m). Gut sichtbar die Felskuppe auf welcher die Fründenhütte steht. Was, da hinauf soll ich noch gehen? Wahnsinn! Ich setze mich halb erschöpft auf einer Bank nieder. Ob ich das wohl schaffe! Der Weg ist nun flacher und nach kurzer Zeit taucht, eingebettet in einem Amphitheater von Berggipfeln, der tiefblaue Öschinensee auf.


Blümlisalp und Fründenhorn. Auf dieser Kuppe liegt die Fründenhütte

Er herrscht reger Betrieb, wie an jedem schönen Sommertag. Zahlreiche Schulklassen sind hier auf der Schulreise und picknicken am Seeufer. Der Weg zur Fründenhütte führt rechts am See entlang. Zweieinhalb Stunden zeigt der Wegweiser an. Der Weg wird durch einige Bachbette unterbrochen. Langsam steigt es an. Der schmale Pfad führt über Baumwurzeln und Felsbrocken hinauf. Schon nach den ersten Kehren bin ich ausser Atem. Ich fühle mich kraftlos, torkle nur so über den Weg. Ich reisse mich zusammen. Zwei Kehren weiter oben lasse ich mich auf einem Stein nieder. Aus! Fertig! Schluss! Es hat keinen Sinn. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht, dass mein bisheriges Fitnesstraining scheinbar überhaupt nichts gebracht hat. Fünfzehnmal war ich doch jeweils 50 Minuten mit dem Velo in coupiertem Gelände unterwegs, insgesamt dreizehn Stunden Training. Alles für die Katze! Wie soll ich so mein Trekking in Pakistan nur überstehen? Dort muss ich täglich Marschzeiten zwischen vier und acht Stunden zurücklegen. Und dazu kommt noch die Höhe, es geht auf über 5000 Meter! Mein Traum den K2 und die drei anderen Achttausender zu sehen ist wohl ausgeträumt. Aber einfach so aufgeben? Nein, das darf man doch nicht. Wer ein Ziel im Leben erreichen will muss dafür hart kämpfen. Ich bin im Dilemma: Aufgeben oder jetzt erst recht das Training verdoppeln? Ich habe ja noch etwas Zeit bis zu meinem Abflug zurück nach Asien. Vorerst bin ich jedoch zwei Tage ausser Gefecht.

Vierzehn Tage später: leicht und locker passiere ich die gleiche Stelle. Heute fühle ich mich wesentlich stärker. Welch ein Unterschied! Ob der Test wohl diesmal gelingt? Mein Rucksack ist ganz leicht, zudem habe ich ein wenig geschummelt. Ich bin mit der Sesselbahn hochgefahren. Dadurch kann recht viel Kraft gespart werden. Ich bin diesmal auch wesentlich früher gestartet. Die Temperatur ist kühl. Die Luft schmeckt herrlich süss, nach Harz. Der Weg führt durch blühende Rhododendron (Alpenrosen). Abseits des Weges entdecke ich auch einzelne Türkenbunde. Stets steigend folgt der Pfad dem Öschinensee entlang. Zwei kleine rauschende Gletscherbäche sind auf einer schmalen Holzbrücke zu überqueren. Eine junge Dame überholt mich und lässt mich gleich stehen! Nun kommt der Hauptbrocken, der Aufstieg bis unter die Felswand. Eine imponierende Höhendifferenz wirft man einen Blick nach oben. Doch der Weg ist schön und führt gleichmässig im Zick Zack Meter um Meter hinauf. Immer mehr Berggänger überholen mich. Ich geh jedoch meinen Tritt. Kurz unterhalb der Felswand erblicke ich über der Kuppe bereits die wehenden Flaggen der Fründenhütte. Nur noch da hinauf, dann hast du es geschafft! Ich lege eine Pause ein, bewundere die Umgebung. Gemäss meinem Höhenmesser bin ich bereits über 2200 Meter. Der Öschinensee ist merklich geschrumpft. Der blaue Farbtupfer leuchtend wunderschön in der olivgrünen Berglandschaft empor.

Die Temperatur ist bereits recht frisch. Man riecht richtiggehend die Nähe des Fründengletschers. Ein letzter Banisto-Riegel, einen Schluck Tee und es geht zum Schlussaufstieg. Die heikle Passage durch die Felswand ist gar nicht so schwierig. Zur Sicherheit wurden Seile in den Felsen und auf der Abgrundseite angebracht. Nach dieser Passage erreiche ich einen schönen mit Gras besetzten Hang. Sogar Schafe weiden hier oben. Die Anstrengungen machen sich nun doch langsam bemerkbar. Ich muss immer mehr Pausen einlegen. Mein Fussgelenk hält sich erstaunlicherweise gut. Die letzten hundert Höhenmeter haben es in sich. Es wird immer steiler. Treppen führen durch die enge Felspassage die Kuppe hoch. Zum Glück sind auch dort Seile angebracht. Ich ziehe mich daran über die hohen Treppen hoch. Noch zwanzig Höhemeter bis zur Hütte. Damit ich bei der Ankunft keinen zu erschöpften Eindruck hinterlasse, verschnaufe ich ein letztes Mal. Ich bin oben. Geschafft! Auch ich bin geschafft!


Die Fründenhütte


Blick ins Kandertal

Ich bin seit meiner Kindheit von dieser Hütte einfach begeistert. Vielleicht liegt es daran, dass mein Grossvater dabei war als sie gebaut wurde. Die Lage auf dieser Felskuppe, oberhalb des Fründengletschers gelegen, ist denn auch fantastisch. Geradeaus liegt das Fründenjoch. Rechterhand erkennt man den imposanten Galletgrat der zum Gipfel des Doldenhorn führt. Links strahlt der Schneefirn des Fründenhorns in der mittäglichen Sonne. Weiter links ragt der Gipfel der Blümlisalp heraus an dessen Flanken die Zunge des Blümlisalpgletschers herunterhängt. Eine Menge Leute sind auf der Terrasse versammelt und verfolgen mit Ferngläsern die Berggänger unterwegs zu den Gipfeln. Nach der Mittagsrast steige ich ab.


Fründenjoch, links das Fründenhorn

Entscheidung verschoben

6 ½ Stunden unterwegs ohne grössere Beschwerden zu verspüren, damit ist der entscheidende K2 - Test eigentlich gelungen. Am darauf folgenden Tag humple ich jedoch wieder derart stark, dass an weitere Touren vorerst gar nicht zu denken ist. Auf meinem Trekking in Pakistan kann ich aber nicht jeden zweiten Tag einen Ruhetag einschalten! Die Zweifel werden wieder grösser, denn ich will kein Risiko eingehen. Soll ich es wagen oder nicht? Auch vor zwei Jahren war die Situation in Nepal bei meinem Jomoson-Trekking ähnlich. Ich konnte anfänglich kaum eine Stunde ohne Beschwerden marschieren und am Schluss war ich sechzehn Tage unterwegs. Doch das Trekking zum K 2 ist eine, wenn nicht zwei Stufen schwieriger. Wenn ich auf das Trekking verzichte kann ich das angenehme Leben einen Monat früher in den Philippinen geniessen und kann erst noch eine Menge Geld sparen. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen weiss ich jedoch, welche tiefe Befriedigung mir die Realisierung dieses Wunschtrekkings geben würde. Vorerst fliege ich nun mal nach Bangkok. Den definitiven Entscheid werde ich dort treffen.

top Mabuhay top

©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch