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Mabuhay Thailand / Philippinen (RB30 / 01.02.2004) Länderinfos: Thailand  Länderinfos: Phillipinen

Neues aus Thailand

Wer glaubt, dass ich nach den Strapazen der letzten Wochen nun Zeit hätte mich zu erholen, liegt total falsch. Verdient hätte ich es allemal! Thailand ist einmal mehr nur Zwischenstation um das Visum für die Philippinen zu beantragen, meine 18 Dia-Filme zu entwickeln, davon Farbfotos zu machen, diese zu Scannen und den ersten Teil des Trekkingberichtes zu verfassen. Tja, ich komme nicht einmal dazu an der Beach schwimmen zu gehen, dermassen beschäftigt bin ich mit Arbeiten! Ich muss mich auch um meinen Pass kümmern. Obwohl dieser noch bis April 2004 gültig ist, verlangen die meisten Länder bei der Einreise, dass dieser noch sechs Monate gültig ist. Da die Ausstellung des neuen Schweizer Passes noch immer etwa sechs Wochen in Anspruch nimmt, wird mir der Pass auf der Schweizer Botschaft bis Ende 2005 verlängert und dies erst noch Gratis! Vielen Dank, das war nun wirklich sehr zuvorkommend.


Schweizer Botschaft an der North Wireless Road

Nach der Festnahme des indonesischen Terroristen und El-Kaida Führungsmitgliedes Hambali in Ayutthaya, steht die Polizei in Thailand in Alarmbereitschaft. Nach Angaben des Geheimdienstes plante dieser einen Anschlag auf das im Oktober in Bangkok stattfindende APEC-Treffen, an dem auch Präsident Bush teilnehmen wird. Fünf seiner Komplizen sollen sich noch in Bangkok befinden!
Auch Bangkoks Behörden bereiten sich auf das kommende Treffen vor. Alle rund 3000 Strassenhunde sollen eingefangen werden und nahe an die kambodschanische Grenze gebracht werden. Hundefänger erhalten pro Tier 20 Baht!

Der Antidrogenkampagne, der bisher mehr als 2'500 Menschen zum Opfer fielen, scheinen die Wa keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Thaksin verkündete daher, dass wenn die burmesische Regierung nicht selbst etwas unternehme, werde Thailand den mit Drogen handelnden Wa das Handwerk legen. Er sprach diese Warnung aus, nachdem eine thailändische Patrouille im Grenzbezirk Mae Sai auf eine bewaffnete Drogenkarawane stiess. „Egal wie gross ihre Karawanen sein mögen, wir werden sie alle töten. Alles andere ist Zeitverschwendung. Drogenhändler und Kuriere bereichern sich am Elend unschuldiger Menschen. Wir werden kein Erbarmen mit ihnen haben!“ Recht hat er, vermutlich wird es aber wieder so super schlaue westliche Menschenrechtsverfechter geben, die damit nicht einverstanden sind. Diese sollten sich eher für die Rechte der unschuldigen und ehrlichen Leute einsetzten, nicht für Banditen, Gauner, Halunken und Mörder.

Mit Stolz verkündet die Regierung die Rückzahlung der letzten Rate an die Weltbank. Damit hat Thailand den Kredit von 12,29 Milliarden $ zwei Jahre vor ihrem Ablauf zurück bezahlt. Die Regierung erspart sich somit Zinsen in Millionenhöhe. Gleichzeitig wird in einer Analyse jedoch auch festgestellt, dass die Verschuldung der Familien zunehmend ist. Jede thailändische Familie hat durchschnittlich 83’314 Baht Schulden.


Erawan-Schrein an der Ecke Ploenchit Rd/Rajadamri Rd in Bangkok

Liebe auf den ersten Blick

Für einmal erreicht mein Flug TG 620 (Thai International) die Destination ohne Umwege. Solche Flüge sind ja schon beinahe langweilig. Der Airbus A330 landet pünktlich in Manila. Wenn ich heute (5. September) nicht Geburtstag hätte, wäre es ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich werde am Fughafen von Jennifer erwartet. Ja, ich habe eine neue Freundin! Tja, die Frauen in diesen Breitengraden, auch jüngere, schätzen es eben noch einen anständigen Mann, auch mit 55, als Freund zu haben.

Da ich beabsichtige eine längere Zeit in den Philippinen zu bleiben suchen wir uns in Angeles City ein geeignetes möbliertes Appartement. Wir werden fünf Gehminuten vom Sunset Hotel entfernt in der Aquarius Lodge fündig. Im Parterre wohnt der Eigentümer, unsere Wohnung ist im 1. Stock. Bei der Besichtigung entzückt mich vor allem die grosse helle Küche. Es ist wie Liebe auf den ersten Blick. Die Wohnung besteht zudem aus einem grossen Badezimmer mit Badewanne sowie einem Schlafzimmer mit TV und Air-Cond. Ja, hier kann man es einige Monate aushalten. Die Einrichtung ist allerdings amüsant. Die Küchenschränke sind derart hoch angebracht, dass sogar ein grösser gewachsener Ausländer Mühe hat an diese zu gelangen, geschweige denn ein Filipino. Die Konstruktion im Badezimmer ist auch so ein Meisterwerk! Die Türe zur Duschecke kann wegen des WC’s nur zur Hälfte geöffnet werden, womit man sich zum Duschen jedes Mal durchschlängeln muss. Auch wenn die Monatsmiete mit 18'000 Pesos alles inbegriffen (420 SFr.) etwas hoch scheint, ist es immer noch 4'500 Pesos billiger als im Hotel zu wohnen. Mit eigenem Kochen kann man zusätzlich etliches sparen. Selbstverständlich kann man auch billiger wohnen. Ein jüngerer Kollege bezahlt für seine Unterkunft lediglich 2’500 Pesos! (58 Sfr.) Für mich ist es wichtig sich wohl zu fühlen. Der Sicherheitsaspekt ist ebenfalls ein wichtiger Punkt der nicht unterschätzt werden sollte. Erstmals seit ich unterwegs bin, habe ich ein Zuhause. Ein interessantes Experiment. Einen Haushalt zu führen bringt auch neue Aufgaben. So wird das Einkaufen zur zentralen Beschäftigung. Auch am Stammtisch drehen sich die Diskussionen nun mehr um was man wo kaufen kann. Das Angebot in den verschiedenen Einkaufszentren ist erstaunlich gross. Viele der billigen Haushaltsartikel tragen chinesische Zeichen und kommen aus China oder Formosa. Auch die Auswahl an Lebensmittel ist recht gross. Das Fleisch ist derart billig, dass wir beinahe zum Karnivor werden und fast jeden zweiten Tag sirloin oder tenderloin Steak essen: 1 Kg kostet 150 Pesos, nicht einmal vier Franken! Einzig die Auswahl an Gemüse fällt etwas „mickerig“ aus. Wir tätigen unsere Einkäufe meistens im Pure Gold in Dau. Für Spezialitäten wie Schweizer Käse, Bratwürste, Landjäger, Cervelats, Hero-Confitüre, Thommy-Senf ist Bretto die beste Adresse.


Unser Appartement (1. Stock)


Unsere Nachbarn: die Familien Saddam und Penner


Ab und zu kommt auch der Korbwarenhändler vorbei...

Jollibee: eine philippinische Erfolgsgeschichte

Die philippinische Küche hat keinen besonderen Ruf, was nicht bedeutet, dass man hier schlecht isst. Menüs wie Caldereta, Pancit Bihon, Pork Sinigang, Chicken Adobo, Chicken Tinola oder Bistik Tagalog sind nur einige der Speisen die gut schmecken. In Angeles gibt es zahlreiche Restaurants mit internationaler Küche, denn auch die Mittelschicht der Filipinos weiss was gut schmeckt. Es gibt inzwischen chinesische, koreanische, italienische, mexikanische, vietnamesische, japanische, thailändische Restaurants und natürlich swiss food bei „Hausi“ im Black Jack.
Der Filipino ist jedoch ein Fan von Schnellimbissen. Die meisten bekannten amerikanischen fast-food Ketten wie Pizza Hut, Shakey’s, McDonald’s und Kentucky Fried Chicken sind überall in den Philippinen anzutreffen. Die führende Imbisskette ist jedoch eine reine philippinische Firma: Jollibee. Das Unternehmen verzeichnet einen phänomenalen Geschäftserfolg. 1975 bestand die Firma gerade aus zwei Eiskrem-Stuben, dehnte später ihr Angebot auf warme Sandwiches und andere Mahlzeiten aus. Als Tony Tan Caktiong und seine Brüder vernahmen, dass McDonald die Absicht hatte in den philippinischen Markt einzusteigen, beschlossen sie die Herausforderung anzunehmen und als Konkurrent der erfolgreichen amerikanischen Kette aufzutreten. Sie kopierten das Hamburger Konzept von McDonald, passten ihre Produkte jedoch dem Geschmack der Filipinos an. Jollibee’s erster Burger war der Super Yum. Damit begann eine Revolution in der philippinischen Schnellimbiss Industrie. Heute, 25 Jahre später, gibt es über 400 Jollibees landesweit, mit Filialen in Vietnam, Hong-Kong, Indonesien, Brunei und den USA. Zur Jollibee Food Corporation gehören auch die Greenwich Pizza, Chowking und Délifrance. Mit über 40'000 Angestellten und Hunderten von Lieferanten hat Jollibee damit viel zum Wachstum und Entwicklung der philippinischen Wirtschaft beigetragen.


Das Maskottchen der erfolgreichen Schnellimbisskette

34% der Filipinos unter dem Existenzminimum

Geschätzte 26,5 Mio Filipinos (4,3 Mio Familien), rund 34% der Bevölkerung leben nach einer Untersuchung der National Statistic Coordination Board (NSCB) unter dem Existenzminimum. Dies ist eine Zunahme von 10% gegenüber von 1997. Die NSCB rechnete aus, dass eine Familie mindestens ein Jahreseinkommen von 58'020 Pesos, oder monatlich 4'835 Pesos haben muss um für Nahrung und die Grundbedürfnisse aufzukommen. Bei einem Tageslohn von 70 Pesos für eine Verkäuferin in Manila ist verständlich, dass viele Mädchen der Versuchung erliegen für den doppelten Lohn in einem der Lokale in Angeles als Tänzerin aufzutreten.
Auch wenn die Touristen von der stetigen Abwertung des Pesos profitieren, ist das Leben für die Einheimischen mit solch niedrigen Löhnen keinesfalls billig. Seit zwei Jahren hat es in den Philippinen keine Lohnerhöhung gegeben! Ich wundere mich dennoch stets wie die meisten Leute mit ihrem hart verdienten Geld so sorglos umgehen. Statt einige Meter zu laufen, benützt man lieber ein Trike und gibt dafür einen Drittel seines Tagesverdienstes aus! Erstaunlich auch die Summen die der Filipino für sein Händy ausgibt. 120 Mio Texte werden täglich in den Philippinen verschickt! Ich werde vermutlich die Denk- und Lebensweise der Filipinos nie begreifen und verstehen. Solange man Geld ist es gut, wenn man keins mehr hat lehnt man es aus oder verpfändet etwas. So einfach ist das. Die Leute kennen nichts anderes und leben damit, so wie die Schweizer auch nichts anderes kennen als ein Leben lang zu „Bügeln“.


Money changer: 55.35 - Kurs des US$ am 17.12.2003

Brown out und Off Line

Wir erleben die Regenzeit. So schlimm ist diese zum Glück aber auch wieder nicht, obschon es eine Woche lang unaufhaltsam regnet, donnert und blitzt. Zwischendurch regnet es so stark, dass sich die Strasse vor unserem Haus in einen kleinen reissenden Bach verwandelt. Es regnet sogar ins Schlafzimmer hinein, sodass wir zum schlafen das Bett verstellen müssen. Mühsam sind dagegen die unzähligen Brownouts, Stromausfälle. Der Rekord steht bei vier Stromausfällen an einem einzigen Tag! Ohne Air-Cond ist dieses feuchtheisse Klima fast unerträglich. Zum Glück regnet es nicht die ganze Zeit. Wir erleben auch wunderschöne Abendstimmungen. Nebst den Stromausfällen, sind des öfters die Bankautomaten ATM „off line“ - ausser Betrieb - und dies meistens im dümmsten Moment. Leute mit hohem Blutdruck sind hier zusätzlich gefährdet! Um grössere Aufregung zu vermeiden gilt es sich in solchen Ländern an die Situationen anzupassen und sich eben so zu organisieren, um nie etwas Wichtiges erst im letzten Moment tun zu müssen.

Relativ früh kassieren die Polizisten dieses Jahr ihre „Weihnachtsgelder“. Schon Ende September stehen sie an der Fields Avenue und verteilen Bussen. Ja, schon bald ist wieder Weihnachten. Ich selber hatte auch schon „Weihnachten“. Wie ein Anfänger falle ich in einem Jeepney auf den Pick-pocket Trick mit dem „Geld fallen lassen“ herein! Zum Glück hatte ich nichts wertvolles auf mir. Dieser Vorfall zeigt, dass man einfach nie vorsichtig genug sein kann.

Ab Mitte November ziehen die Kinder abends im Chor von Haus zu Haus und singen unterstützt mit dem rhythmischen klappern von Pfannendeckeln „we wish you a merry Christmas“. Die Weihnachtsdekorationen in den Restaurants, Einkaufszentren, Privathäuser und in den Strassen werden ausgehängt. Anfangs Dezember treffen im Sunset und Premiere wiederum etliche bekannte Gesichter ein. Fehlen tun einzig der Martin der Seemann Mario, der Lifthans aus Südafrika und der Gedi. Der Martin ist in der Schweiz und arbeitet fleissig. Die anderen sollen später kommen. Einzig vom Gedi weiss man nichts. Hey Gedi, wo bist Du? Gefallen Dir die Philippinen nicht mehr? Von meinen zahlreichen Kollegen die mich vor meiner Abreise anno 1999 besuchen wollten, schaffen es mit Dänu und Fridu doch immerhin zwei.
Zum Jahresende geraten die Philippinen wiederum in die Schlagzeilen der Weltpresse. Der Taifun „Zigzag“ (Buchstabe Z, der 25. Buchstabe des Alphabets = der 25. Taifun des Jahres) löst in Süd-Leyte Schlammlawinen aus und verschüttet zwei Dörfer.

Obwohl das Jahr sportlich mit der Ungeschlagenheit meines Tischtennis Gegners, Alois, zu Ende geht, kann ich dennoch etwelche Erfolge gegen Calbo Heinz und Ürsu Inderbitzin verbuchen.

Weihnachts- und Neujahrs Stimmung

Zukunft in der Schweiz

Durch die direkte Verbindung von meinem Arbeitszimmer mit dem Internet bin ich beinahe mehr auf dem Laufenden was in der Schweiz läuft, als wenn ich zu Hause wäre. Dank der Website www.swissinfo.ch ist es mir möglich TV-Sendungen wie die Tagesschau, 10 vor 10, Kassensturz oder Rundschau anzuschauen. Sogar die Bundesratswahlen kann ich live verfolgen! Diese heutigen Techniken sind schon fantastisch! Von den zahlreichen Informationen haben wir vor allem nachfolgende Nachrichten nachdenklich über die Zukunft unseres Landes gemacht:

Budget-Defizit
Das Budget-Defizit für das Jahr 2004 schliesst mit einer Summe von 4,559 Mia ab! Die Bruttoschulden gemäss Staatsrechnung 2002 belaufen sich auf 122 Milliarden. Franken. Insgesamt werden für die Vermögens- und Schuldenverwaltung Zinsen von 3,764 Milliarden ausgerichtet, das sind 10’312 Mio Franken im Tag! oder 11'935 Franken pro Sekunde!. Ist das nicht wahnsinnig?

Arbeitslose
Ende 2003 sind in der Schweiz 162’835 Personen oder 4,1% der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos. Inzwischen gibt es auch 300'000 Sozialhilfe Empfänger, 10% mehr als im Vorjahr. Laut dem Jahresbericht der Caritas sollen derzeit in der Schweiz auch 850'000 Menschen in einer finanziell prekären Situation leben. Welche Zukunft haben die Leute in der Schweiz eigentlich noch?

Ausländische IV-Bezüger
39% der IV-Bezüger sind Ausländer! Ich, als Schweizer im Ausland (ausgenommen dem EU-Raum) geniesse dagegen überhaupt keine Rechte. Was wir den Ausländern in der Schweiz alles anbieten ist ja einmalig auf dieser Welt, schon fast idiotisch.

Asylgesuche
Im Jahr 2003 wurden 20'806 Asylgesuche gestellt (2002: 26'125), davon wurde in 7818 Fällen nicht darauf eingetreten. Ab 1. April 2004 gilt für diese Personen ein Fürsorgestopp. Diese Regelung wird eventuell auch auf Personen mit abgewiesenen Asylgesuchen ausgeweitet. Nicht einverstanden mit diesen Massnahmen sind das Rote Kreuz und die Flüchtlingsorganisationen, welche dazu grosse Bedenken anmelden. Gibt es eigentlich auch eine Organisation die sich um jene Schweizer Bürger kümmern, welche das ganze Leben gearbeitet haben und nur knapp mit den Ergänzungsleitungen auskommen?

Rente
Ex-Bundesrätin Frau Ruth Metzler (38) soll eine Jahresrente von 240'000 Franken erhalten! Grenzt so was nicht schon fast an Frechheit?

Palawan: letztes unberührtes Paradies

Die Insel Palawan stand schon etliche Jahre auf meinem Wunschprogramm. Vor allem El Nido in Nord-Palawan soll von der Lage her traumhaft schön sein. Leider sind die Flüge nach dem Neujahr nach El Nido alle ausgebucht. Einzig erhältlich sind Tickets von Angeles nach Manila und von dort nach Puerto Princesa.
Früh um halb sieben checken wir am Schalter der SEAIR im Diosdado Macapagal International Airport in Clark ein. Die Passagiere müssen beim einchecken mitsamt Gepäck auf die Waage stehen. Der Zeiger der Waage schwankt bei meinem wiegen wild hin und her und bleibt schlussendlich bei 96 Kilo stehen. Habe ich denn soviel Gepäck dabei? Ich wiege mich ohne Gepäck: 86 Kilo! Das ist unmöglich, die Waage kann nicht stimmen! Oder doch? Hatte ich heute morgen nicht festgestellt, dass ich meine Gürteltasche nicht mehr zuschnallen konnte?
Die Morgenstimmung ist sensationell. Der Vulkankegel des Arayat kontrastiert im Morgenrot. Kurz vor Abflug werden die Boardingkarten mit den Sitznummern verteilt. Da es sich um einen 18Plätzer handelt, werden die Passagiere nach Gewicht verteilt. Ich kriege Sitz Nr. 1 direkt hinter dem Piloten. Eine halbe Stunde später landen wir bereits im Domestic Airport mitten in Manila! Für jene die die prekären Verkehrsbedingungen nach Manila kennen ist so was einfach sensationell.


Der Mount Arayat in der Morgenstimmung

Der Anschlussflug nach Puerto Princesa mit der Air Philippines ist um 09.15 Uhr. Endlich werde ich dieses Palawan entdecken, welches mit seinen unberührten Urwäldern als letztes ökologisches Paradies betrachtet wird. Palawan ist die grösste Provinz der Philippinen. Die Küste mit unzähligen Stränden erstreckt sich über 2'000 Kilometer! Die idealste Zeit für einen Besuch des Archipels welches 1780 Inseln umfasst, sind die Monate März bis Mai. Die See ist in dieser Zeit ruhig und ideal um Island hoping (Inselhüpfen) zu unternehmen. Meiden sollte man die Regenzeit zwischen Juni und Dezember.

Pünktlich auf die Minute rollt die Boeing 737-200 zum Start. In 1 Stunde und 10 Minuten werden wir in PP (Puerto Princesa) landen. Man kann PP auch mit dem Schiff erreichen, nur dauert die Reise 23 Stunden länger. Die Südchinesische See ist leider von grossen Wolkenfeldern überzogen. Erst als wir uns der Nordküste von Palawan nähern, lockert sich das Wolkengebilde etwas auf. Zwischendurch erhaschen wir einen Blick auf die unzähligen kleinen Inseln. Nach etwa einer Stunde fliegen wir über dichten Wald. Anscheinend überqueren wir nun die Insel von Westen nach Osten. Zehn Minuten später erkenne ich die Strasse die von PP nach Roxas führt. Zur Landung setzt der Pilot zu einer grossen Schlaufe über der Honda Bay an. Dutzende von kleinen Inseln mit weissem Sand leuchten im tiefblauen Wasser auf. Welcome to Palawan!


Geographische Lage von Palawan
(Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Wikipedia)


Bild links: die Strasse nach Roxas - Bild mitte und rechts: die Honda Bay

Sauberste Stadt der Philippinen

Einen dümmeren Zeitpunkt um nach PP zu fliegen hätten wir nicht wählen können. Es finden derzeit nämlich gerade die 22. Asiatischen Boxmeisterschaften mit der Teilnahme von 204 Athleten aus 45 Nationen statt. Die Befürchtung deswegen Schwierigkeiten mit der Suche einer Unterkunft zu kriegen stellt sich zum Glück als falsch heraus. Athleten, Betreuer und Fans scheinen in den „teureren“ Hotels abgestiegen zu sein. Die Leute des kleinen Tourist Office in der Ankunftshalle begrüssen die Touristen und händigen jedem einen praktischen Stadtplan aus. Wie an jedem Flughafen warten unzählige Trikefahrer auf die Neuankömmlinge. Diese kennen meistens alle Unterkünfte, man muss sich daher keine Sorgen machen. Natürlich kassieren diese für jeden Gast den sie dem Hotel bringen eine Kommission. Dies stört mich jedoch nicht, im Gegenteil, ich bin ja froh wenn ich dadurch eine schöne, gut gelegene und günstige Unterkunft finden kann. Toto, unser Trikefahrer, führt uns ins nahe gelegene Palawan Airport Village Hotel: 550 Pesos (zehn US Dollars) für ein grosses Air-Cond Zimmer mit Kabelfernsehen (Deutsche Welle und TV 5 Asie) inkl. Frühstück für Zwei! Was will man da noch mehr?

Obwohl der Verkehr im Zentrum von PP (160'000 Einwohner) beinahe so schlimm ist wie in Manila, ist es eine sehr gemütliche Stadt und erstaunlicherweise sehr sauber. Toto macht uns schon beim ersten Ausflug darauf aufmerksam ja nichts wegzuwerfen, da dies sonst mit einer Busse von 200 Pesos geahndet wird. Ein Beweis, dass Sauberkeit lediglich eine Erziehungssache ist. Die Stadt wurde kürzlich als die grünste und sauberste Stadt der Philippinen erkoren. Darauf sind die Einwohner sehr stolz. Die Sehenswürdigkeiten sind in einem Nachmittag besucht. Geschichtlich ist einzig das Plaza Cuartel, eine restaurierte Ruine einer alten Garnison von Interesse, in dessen Tunnelanlagen die Japaner während des 2. Weltkrieges 143 amerikanische Kriegsgefangene hielten, wovon nur deren 11 überlebten. Die in der Umgebung der Stadt angebotenen Strände sind nicht gerade das Gelbe vom Ei. Besser man unternimmt eine Bootsfahrt zu einer der zahlreichen Inseln in der Honda Bay. Unterhaltsam und lehrreich ist der Besuch der Schmetterling- und Krokodilfarm.


Bild links: Immaculate Conception Cathedral - Bild mitte und rechts: Plaza Curartel mit einem Überlebendem


Bild links: das Capitol im Zentrum der Stadt - Bild rechts: Der Hafen


Der Fischmarkt: Lapu Lapu (Bild mitte)


Besuch der Schmetterlingfarm


Krokodilfarm: Skelett und Haut des grössten in den Philippinen
gefangenen Krokodiles - 5,34 m lang/576 kg

Boat People

Ein überraschender und interessanter Ausflug ist der Besuch des Viet Village in welchem noch etwa 300 Vietnamesen leben. Als sich die Amerikaner 1975 aus Vietnam zurückzogen und das Land von den Kommunisten übernommen wurde, flüchteten Hunderttausende von Vietnamesen aus Angst vor Repressalien auf Booten nach Hong-Kong, Indonesien, Malaysia, Singapore, Thailand und die Philippinen. Viele Fluchten endeten infolge schlechten Wetters, technischem Versagen des Bootes oder Piraterie auf tragische Art und Weise.
Ab 1993 wurde das Leben in den philippinischen Flüchtlingslagern zusehends schwieriger. Die freie Bewegung, die Ausbildung und der Handel wurden eingeschränkt und ein striktes Ausgehverbot verhängt. Mit diesen Massnahmen wollte man die Flucht der sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ in die Philippinen unattraktiv machen. Um dieser Indo-Chinesischen Flüchtlingssaga ein Ende zu setzen, wurden Stichdaten von den gastgebenden Ländern gesetzt nach welchen Neuankömmlinge nicht mehr aufgenommen wurden. Die erste und einzige Zwangrückführung der Philippinen erfolgte am 14. Februar 1996 als 87 Flüchtlinge entgegen ihrem Willen nach Vietnam zurück gebracht wurden. Durch den mitleidigen Kommentar der Lokalpresse gewannen die Boat People unter den Filipinos landesweit an Sympathien. Die Katholische Bischofskonferenz der Philippinen verhandelte daraufhin mit den philippinischen Behörden für eine Niederlassung der Flüchtlinge. Die Regierung unter Präsident Fildel V. Ramos lockerte ihre Stellung in Sachen Boat People, schliesslich, am 17. Juli 1996 wurde ihnen erlaubt im Lande zu bleiben.


Fahrt zum Viet Village

Von den 1'200 Boat People haben sich 300 Personen einige Kilometer ausserhalb von PP im Viet Village niedergelassen. Das Dorf wurde mit finanzieller Unterstützung von Vietnamesen aus aller Welt an 16. April 1997 fertig gestellt. Viet Village hat sich zu einer selbständigen und selbstverwalteten Gemeinde mit selbsttragenden Projekten wie ein vietnamesisches Restaurant, eine französische Bäckerei, eine Nudel- und Fischsaucefabrik entwickelt. Alle Projekte werden als Genossenschaft geführt in welchen vietnamesische sowie philippinische Teilhaber Hand in Hand arbeiten. Die Boat People haben sich auch gesellschaftlich voll integriert. Auf die Frage an Thieu van Ly, Vorsteher des Viet Village der selber auf abenteuerliche Weise auf einem kleinen Boot die Philippinen erreichte, ob es auch zu Heiraten mit Einheimischen kommt, antwortet er mit schelmischem Lächeln: „Na klar! Die Filipinas sind doch so hübsch oder nicht?“
Die Kinder der in den Philippinen lebenden Boat People betrachten die Philippinen als ihr Mutterland, die Einwohner als ihre Brüder und Schwestern.
Die Existenz der verbleibenden Flüchtlinge, verkörpert durch die vietnamesische Gemeinde in Viet Village, ist eine Erinnerung vom grossen Geschenk der Philippinen, die diesen unglücklichen Leuten menschliche Würde gebracht und ihnen die Möglichkeit gegeben haben ein anständiges Leben aufzubauen, welches sie durch unendliches Leid verloren hatten.


Die Bäckerei


Nudelfabrik


Eine Vietnamesin!

Die Reise nach El Nido im Nordzipfel der Insel entpuppt sich als etwas schwieriger als geahnt. Ab Roxas gibt es nur noch eine Naturstrasse, wofür man für den Trip rund sieben Stunden braucht. Für mich selber wäre dies kein Problem. Ich habe schon ganz andere Fahrten hinter mir. Da ich jedoch in Begleitung bin, muss ich etwas Rücksicht nehmen. So beschliesse ich den Trip nach El Nido auf das nächste Mal zu verschieben. Es gibt ja sonst noch so viele andere Sehenswürdigkeiten zu sehen. Im nächsten Bericht geht es zum Underground River und auf eine einsame Insel.

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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch