Mabuhay - Reiseberichte
Home
Mabuhay Philippinen (RB31 / 18.02.2004) Länderinfos: Phillipinen

Underground-River

Die grösste und bekannteste Sehenswürdigkeit von Palawan ist der Underground River, ein acht Kilometer langer unterirdischer Fluss. Der Fluss liegt im Subterranean River Nationalpark an der Westküste, rund 80 Kilometer von der Provinzhauptstadt Puerto Princesa entfernt. Es soll sich um den längsten unterirdischen Fluss weltweit handeln. Schiffbar ist er allerdings nur auf 4 ½ Kilometer, für Touristen lediglich auf den ersten 1 ½ Kilometer. Das ganze Gebiet steht unter Naturschutz und wurde im Dezember 1999 von der UNESCO in die Liste des Welterbgutes aufgenommen. Der Nationalpark wird vom 1'028 Meter hohen Mount St. Paul dominiert. Als britische Seeleute 1850 die Küste erforschten, benannten sie den Berg wegen seiner Ähnlichkeit nach der Londoner St. Paul’s Kathedrale. Die Ähnlichkeit besteht jedoch in etwa wie zwischen Michael Jackson und dem Papst!
Der Ausflug zum Fluss ist ohne weiteres auf eigene Faust möglich, doch der Weg nach Sabang ist nicht einfach, da nur wenige öffentliche Verkehrsmittel dorthin verkehren. Am einfachsten ist es sich einer Tour anzuschliessen, welche Transport, Boote und Verpflegung organisieren. Die erste Hälfte der Strecke bis Salvacion ist asphaltiert. Danach geht es während zwei Stunden auf Naturstrassen durch dichten Wald der Ulugan Bucht vorbei. Die Fahrt durch die kleinen Dörfer ist abwechslungsreich. Beim Ugong Rock, ein grosser Marmorberg, halten wir kurz an: Pipi-Stopp.
Als wir in Sabang ankommen, herrscht Ebbe. Die zahlreichen Boote liegen gefangen im kleinen Hafen auf dem Trockenen fest. Die Bucht ist mit einem lang gezogenen Sandstrand versehen. Es gibt einige einfache Cottages wie die Taraw Vista Lodge für 450 Pesos die Übernachtung. Touristen, ausser den Tagesausflügern zum Underground River, sind keine zu sehen.


Sabang

Um zum Eingang des Flusses zu gelangen, benützen wir ein Auslegerboot, das uns in die nächste Bucht führt. Obwohl die See relativ ruhig ist, bekommen wir auf der 20minütigen Fahrt einige Wasserspritzer ab. Wie meistens beim Aussteigen eines Bootes müssen die letzten Meter bis zum Ufer im knietiefen Wasser zurückgelegt werden. Es ist von daher ratsam Schlarpen oder Plastiksandalen für diesen Ausflug zu benützen. Von der Bucht führt ein Holzsteg durch dichten Wald einige hundert Meter zu einer kleinen, idyllischen traumhaftschönen Lagune. So schön und romantisch die Ecke ist, umso mehr muss man sich vor den zahlreichen Affen, Makaken, hüten. Da viele Besucher in der Nähe der Lagune picknicken und stets Essensreste zurücklassen, eilen die Affen bei der Ankunft von Besuchern herbei und klauen, was sie können. Sie sollen es vor allem auf Plastiksäcke abgesehen haben, erklärt uns die Reiseführerin. Es gibt auch noch andere Viecher, die aus demselben Grund angezogen werden: Varane. Diese sind eher scheu und meiden die Begegnung mit dem Menschen.
Für die unterirdische Fahrt müssen wir Schwimmwesten und Helme anziehen. Wir sehen aus wie Höhlenforscher! Als Fotograf habe ich die Ehre vorne zu sitzen. Dies bringt jedoch auch eine Verpflichtung mit: meine Freundin muss die an einer Autobatterie angeschlossene Halogenlampe bedienen. Langsam gleiten wir über das smaragdgrüne Wasser zum Eingang auf der gegenüberliegenden Seite.


Fahrt zum Eingang des Underground Rivers


Der Eingang des Underground Rivers

Beim Eintauchen in die Dunkelheit sehe ich für einen kurzen Moment gar nichts mehr. Das Auge braucht einige Sekunden, bis es sich an die Dunkelheit gewöhnt hat. Nach fünfzig Meter wird es stockdunkel und wir orientieren uns nur noch im Schein der Lampe. Die Luft ist leicht muffig und stinkt nach Fledermauskot. Ja, die Höhle wird von zahlreichen Fledermäusen bewohnt. Man riecht sie nicht nur, sondern hört sie auch wie sie kurze schrille Töne abgeben um sich in der Dunkelheit nach dem Radarsystem zu orientieren. Im Schein der Lampe hängen sie wie Trauben an der Decke. Es ist mucksmäuschenstill. Fast unheimlich diese Ruhe. Nur das Klatschen des Paddels auf der Wasseroberfläche ist zu vernehmen. Wir ziehen lautlos an wunderschönen Formationen von Stalagmiten und Stalaktiten vorbei. Der Bootführer dirigiert die Beleuchtung „Nach oben, nach links, rechts, links, geradeaus!". Diese tragen auch Namen. So gibt es den Pilz, den Tiger, die Kalebasse, der Vogel, die Kirche (die Decke soll 65 Meter hoch sein) sowie die heilige Maria.


Die "Kalebasse"

Bei Flut liegt der Wasserspiegel des Flusses etwa 1 ½ Meter höher. Die Markierung des Wasserspiegels ist an einigen Stellen gut zu erkennen. Wir gleiten immer tiefer in den Berg hinein. Was würde wohl passieren sollte das Licht ausgehen? Würde der Bootsführer den Weg wieder zurückfinden? Unterwegs kommen uns zwei Boote entgegen. Man begrüsst sich: „Hello! Kumusta ka?". Wir erreichen den Wendepunkt. Die Leute wirken sichtlich entspannter. Zwischendurch scherzt einer der Bootsinsassen, worauf alle in ein grosses Gelächter ausbrechen. Als Einziger habe ich nicht verstanden, worum es ging, lache dennoch mit. Nach einer Stunde wird es plötzlich heller. Die ersten Lichtstrahlen dringen hinein. Das weisse Loch wird immer grösser und grösser. Wir sind wieder draussen. Ich fühle mich erleichtert. Es ist, als ob wir aus dem tiefsten Innern der Erde kämen. Die Farben der Vegetation und des Wassers wirkt nach dieser Fahrt in diese tiefe Finsternis noch schöner als vorher.

Einsame Insel

Statt nach El Nido zu fahren, haben wir beschlossen einige Tage auf einer kleinen einsamen Insel zu verbringen. Wir fahren dazu von Puerto Princesa 140 Kilometer nördlich nach Roxas. Die Fahrt mit einem klimatisierten Kleinbus dauert zwei Stunden. Bei der Abzweigung zum Underground River führt die Strasse wieder an die Küste zurück. Das tiefblaue Wasser der Sulu See glitzert in der morgendlichen Sonne. Die Strasse ist in sehr gutem Zustand, allerdings nur bis Roxas. Weiter Richtung Norden nach Taytay oder El Nido geht es auf Naturstrassen weiter, die in der Regenzeit nur schwer zu befahren sind. Auf halbem Weg wird es hügeliger. In der Weite, vom Dunst kaum erkennbar, erhebt sich der Mt. Cleopatra's Needle (1593 Meter). Roxas (47'000 Einwohner) scheint ein kleines, verschlafenes Kaff zu sein. Dennoch ist man hier nicht „hinter dem Mond". Es gibt Internets mit Satellitenverbindung zu 50 Pesos die Stunde. Im kleinen Bootshafen warten wir auf das Auslegerboot, das uns zum Coco Loco Island Resorts bringt. Wir sind die einzigen Touristen. Welche der zahlreichen Inseln am Horizont wird es wohl sein? Wir tuckern los. Nach zwanzig Minuten ziehen wir an der bewohnten Insel Cabugan vorbei. In der Ferne sind drei neue Inseln sichtbar. Eine dieser wird es wohl sein.


Die Insel Coco Loco

Wir entfernen uns immer mehr von der Küste. Blendend weisse kleine Sandbänke tauchen links und rechts unseres Bootes auf. Nicht ungefährlich, vor allem nachts. Schnurrgerade zieht unser Boot auf eine Insel zu. Das wird sie wohl sein, unsere Robinsoninsel! Nach 3/4 Stunden legen wir am feuerheissen weissen Sandstrand an. Die Anlage mit einem grossen Restaurant aus Bambus konstruiert kommt uns verlassen vor. Ausser einem Japaner sind wir die einzigen Gäste. Die Anlage scheint ein wenig heruntergekommen zu sein. Am Vortrag hatten wir in Puerto durch Toto den Besitzer der Anlage, Jean-Pierre, ein Schweizer, kennen gelernt. „Vor dem Vorfall mit dem Kidnapping der Touristen war unsere Anlage mit 40 Cottages während der Saison voll ausgebucht. Seither läuft nichts mehr!" Klar, bei so wenig Touristen, wer will da noch investieren und renovieren? Die Cottages an der Beach mit Ventilator und WC kosten der Touristenflaute 790 Pesos. Diejenigen mit gemeinsamen WC nur 450 Pesos. Übertrieben teuer schienen mir auch die einheitlichen Preise für das Essen. Das Frühstück 150 Pesos, das Mittagsessen 200 Pesos und das Nachtessen 300 Pesos. Das macht pro Tag für zwei Personen doch immerhin 1'300 Pesos plus das Cottage!

Die Insel ist jedoch ein Juwel. Um sie zu umrunden, benötigen wir zwanzig Minuten. Schwimmen und die Insel umrunden sind für Nicht-Taucher auch die einzige Tätigkeit. Ab 11.00 Uhr wird es derart heiss, dass wir es nicht mehr aushalten und auf die Westseite der Insel, auf die Schattenseite, flüchten müssen. Die erhofften schönen Sonnenuntergänge sind eine glatte Enttäuschung. Endlich ist es 18.00 Uhr und der Generator wird gestartet. Der Ventilator bringt etwas Abkühlung.
Zwei Tage verbringen wir in robinsonischer Einsamkeit! Ich liebe Ruhe und Einsamkeit, aber auf einer solchen Insel könnte ich nicht leben. Ich bin viel lieber in der Abgeschiedenheit der Berge!

Der Geheimtipp

Wir sind wieder auf dem Festland zurück. Kurzfristig habe ich beschlossen nach Port Barton, auf der anderen Seite der Insel, an die Westküste zu fahren. Es soll dort einen schönen Strand geben. Der Weg soll allerdings nicht ganz einfach sein. Angeblich sollen heute keine Busse nach Port Barton fahren! Ich bin reiseerfahren genug und kenne diesen Trick. Ist doch klar, wenn ich einen Touristen zum 20fachen Preis selber zur Destination fahren kann, würde ich ihm auch diesen „Bären" aufbinden! In solchen Fällen gilt es halt ein wenig Geduld zu haben. Nötigenfalls wartet man auch eine Stunde im Busbahnhof. Die wollen ja alle Geld verdienen und früher oder später wird sich einer für den halben Preis anerbieten. Unser Trikefahrer will 1500 Pesos für die Fahrt. Da meine Freundin schon halb in Panik gerät, willige ich bei 1'300 Pesos ein! Mensch, soviel bezahlt zu haben darf ich ja niemanden erzählen. Von Roxas fahren wir etwa neun Kilometer Richtung Puerto Princesa. In San Jose biegt die Strasse rechts nach Port Barton (21 Kilometer) ab. Die ersten Kilometer auf der Naturstrasse sind gar nicht so schlimm, diese verschlechtert sich aber rapide. Offensichtlich hat diese während der letzten Regenzeit stark gelitten und gleicht teilweise einem Bachbett. Wie bei der Fahrt zum Underground River geht es durch kleine pittoreske Dörfer und an herrlichen giftgrünen Reisfeldern vorbei. Um auf die andere Seite der Insel zu gelangen, müssen kleinere Berghügel überwunden werden. Es ist wie eine Berg- und Talfahrt. Zweimal schafft unser Trike den Aufstieg nicht. Wir müssen aussteigen und zu Fuss auf die Anhöhe marschieren, währenddem der Fahrer mit Vollgas Anlauf nimmt. Die Landschaft ist zauberhaft. Grosse Farngräser bewachsen das Strassenbord.


Unser Trike auf dem Weg nach Port Barton


Begegnung mit dem Lokalbus

Nach 1 ¾ Stunden geniessen wir einen schönen Ausblick auf das Meer. Die Strasse führt plötzlich steil hinunter auf Meereshöhe. Wir sind in Port Barton. Die Unterkunft beziehen wir im Swissippini, erneut eine wunderschöne Anlage aus Bambus. Der Name kommt daher, weil der Eigentümer, ein Schweizer mit einer Filipina verheiratet ist. Wir beziehen die teuersten Cottages für 700 Pesos gleich vorne am Strand. Dies hat sich jedoch für einmal als unglücklich erwiesen. Die Brandung ist so laut, dass ich die halbe Nacht kein Auge zudrücken kann. Diese ist so wuchtig, dass ich bei jedem Aufprall befürchte, das Cottage werde in nächsten Augenblick weggeschwemmt!
Das Resort liegt an einem zauberhaften schönen, mit Kokospalmen gesäumten Strand gelegen. Und das Sensationelle: es hat keine Touristen! Wie schön! Ich hasse Touristen!
Unser Aufenthalt ist nur von kurzer Dauer. Es geht mir lediglich darum den Ort mal anzuschauen um sich davon ein Bild zu machen. Fazit: Port Barton ist schlichtweg sensationell.


Der Strand von Port Barton

Eine geniale Erfindung

Dummerweise habe ich die Ausgaben etwas falsch budgetiert, sodass mir die Pesos ausgehen. Banken und Geldautomaten sucht man in Port Barton vergeblich. Dollarnoten werden jedoch, wie überall auf der ganzen Welt, akzeptiert. Wie praktisch doch so ein Geldschein ist. Überhaupt, Geld ist doch eine geniale Erfindung. Wenn man bedenkt, dass es sich ja nur um ein wertloses Papier mit dem Aufdruck einer Zahl handelt! Leider hat das Geld die Menschheit zur Geldgier geführt. Geld ist heute alles, es zählt nur noch das Geld. Geld macht nicht glücklich, sagt das Sprichwort. Wer es jedoch versteht damit gescheit umzugehen, kann sein Leben verdammt erleichtern und verschönern…
Für die Rückfahrt nach Puerto Princessa soll es diesmal einen Bus geben. Dieser fährt schon am morgen früh als „Lumpensammler" durch das Dorf. Als er beim Swissipinni vorbeifährt, reservieren wir beim Chauffeur zwei Plätze. Die Abfahrt soll um 10.00 Uhr sein. Meine Freundin kann die Rückfahrt kaum erwarten und ist schon ganz unruhig, weil der Bus plötzlich verschwunden ist. Wir machen uns auf die Suche. Wir kommen dabei an zahlreichen Häusern mit Plakaten vorbei. Ich kann daraus nur das Wort „Malaria" verstehen. Meine Freundin erklärt mir, dass es sich um Verhaltensregeln für die Einwohner handelt die damit aufgefordert werden Moskitonetze zu benützen. Malariamücken soll es allerdings nur in der Regenzeit geben und im Wald, nicht an der Küste. Ein Einheimischer erklärt mir auch, dass diese eigenartigerweise nur während einer bestimmten Tageszeit aktiv sind, und zwar ab 16.00 Uhr.
Auf unserer Suche nach dem Bus bieten sich Motorradfahrer an uns für 300 Pesos pro Person nach Roxas zu fahren. Wie viel hatten wir schon wieder für unsere Fahrt mit dem Trike bei der Hinfahrt bezahlt? Endlich finden wir ihn. Am Ende der Roxas Avenue lädt er beim kleinen Pier gerade Leute auf die von den vorgelagerten Inseln kommen. Eine Stunde später fährt er beim Swissippini vorbei und lädt auch uns auf. Die beiden Sitzplätze sind noch frei. Beim Anblick des Busses werden Zweifel frei. Oh herrje! Das wird wiederum eine Busfahrt geben! Überraschenderweise ist es gar nicht so unkomfortabel. Alle hundert Meter hält er an um neue Passagiere aufzuladen. Meistens sind es Bauern die mit ihrer Ware auf den Markt wollen. Die Reissäcke werden aufs Dach geladen. Der Gang des Busses füllt sich mit zunehmender Fahrt auch immer mehr mit Kartons und Säcken. In einem Dorf wird eine Sau aufs Dach geladen. Vier Männer heben sie hoch. Die Sau schreit dabei wie ein Schwein. Der Bus kommt auf der schlechten Strasse wesentlich besser voran als unser Trike. Durch die vielen Stopps benötigen wir bis zur Abzweigung in San Jose aber beinahe gleichviel Zeit wie mit dem Trike beim Hinweg. Einziger Unterschied: statt 1'300 Pesos zahle ich nur deren 60!


Unser Bus

Chinesisches Neujahr

Die beiden letzten Tage in Puerto Princesa werden zu einem kulinarischen Höhepunkt. Auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum entdecken wir mit dem Kalui und Sari’s Baryio zwei exquisite Restaurants. Der Seafood ist absolute Spitze und erst noch spott billig!
Unser Rückflug nach Manila fällt auf das chinesische Neujahr, den 21. Januar. Der Abflug mit der Cebu Pacific ist auf 09.00 Uhr angesetzt, der Weiterflug mit Asian Spirit nach Angeles um 11.30 Uhr. Kurz nach Mittag sollten wir im Sunset zurück sein! Wie einfach doch Reisen heutzutage ist!
Freundlich werden wir vom Personal der Cebu Pacific darauf aufmerksam gemacht, dass unser Flug eine Stunde Verspätung erfahren wird! Oha! Ob das mit dem Anschlussflug klappen wird? Man versichert uns die Asian Spirit in Manila über unsere verspätete Ankunft zu informieren. Bis wir endlich boarden können, vergeht eine unendlich lange Zeit. Wenn sie schon Verspätung haben, könnten sie doch die ganze Auslade- und Einladeprozedur ein wenig beschleunigen oder nicht? Als wir im Flugzeug Platz genommen haben, vergeht nochmals eine wertvolle Zeit. Was die wohl „figureteln"? Endlich hebt die Maschine ab. Eine Stunde und zehn Minuten bis Manila, das wird verdammt knapp werden!


Endlich landet die Cebu Pacific!

Die geografische Lage der Insel nun besser kennend, kann ich die Route des Fluges verfolgen. Wir fliegen nordwestlich über die Insel und weiter der Westküste entlang hinauf nach Norden. Port Barton! Da unten ist doch Port Barton! Ja, die Beach ist leicht zu erkennen. Nördlich davon liegt San Vincente. Irgendwo da unten sollte auch El Nido sein. Es ziehen jedoch so viele Buchten und Inseln an uns vorbei, dass ich die Orientierung verliere. Wir haben Palawan hinter uns gelassen. Die Inseln Culion und Busuanga kommen ins Blickfeld. Diese sollen so paradiesisch sein. Dorthin gehen wir dann das nächste Mal! Kurz darauf kommt die Insel Mindoro in Sicht. Wir fliegen der Ostküste (Mindoro Occidental) entlang. Ich glaube Puerto Galera zu erkennen. Wir fliegen nun Richtung Luzon, über den Taal-See in dessen Mitte der Taal-Vulkan mit seiner Kratersee zu erkennen ist. Unter uns erscheint kurz darauf ein riesiger See: die Laguna. Nach Manila sind es nun nur noch wenige Minuten. Um 11.05 Uhr landen wir. In 25 Minuten startet unser Flugzeug nach Angeles. Die Zeit sollte eigentlich genügen, denn sie sind ja über unsere verspätete Ankunft orientiert. Unser Pilot muss einer startenden Maschine den Vortritt lassen. Nochmals gehen wertvolle Minuten verloren. Endlich sind wir beim Domestic Terminal angekommen. Vom Vertreter der Asian Spirit, der uns abholen wollte, ist weit und breit niemand zu sehen. Ich renne voraus. Arrival Ausgang, Departure Eingang! Um 11.20 Uhr stehe ich keuchend vor dem Schalter der Asian Spirit. „Das Flugzeug ist schon weg!" Höre ich gut? Schon weg? Wie ist das denn möglich? Meistens starten die Flugzeuge mit Verspätung, aber 10 Minuten zu früh, sowas gibt es doch gar nicht! Nun gut, weg ist weg und es hat keinen Sinn seine Unmut beim unschuldigen Personal auszulassen. Also, nicht aufregen und sofort auf Plan B umstellen. So fahren wir mit dem Taxi nach Angeles zurück. Es ist 11.30 Uhr. Mit dem Flugzeug wären wir nun in Angeles angekommen. Wir stecken jedoch noch mitten im erstickenden Strassenverkehr von Manila. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass die Asian Spirit ohne vorherige Ankündigung einfach den Start von 11.30 Uhr auf 11.00 Uhr vorverschoben hat! That's the Philippines!


Die Strasse nach Roxas


Port Barton (mitte)

Wahlen 2004

Dass die McArthur Avenue in Angeles plötzlich neu geteert wird ist kein Zufall. Wahlen stehen vor der Tür. Bürgermeister versuchen mit solchen und ähnlichen Aktionen die Gunst ihrer Wähler zu erwerben. Am 10. Mai wird aber auch der neue Präsident der Philippinen gewählt. Nebst der amtierenden Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo kandidiert ebenfalls der frühere Erziehungsminister Paul S. Rocco. Die Wahlen versprechen spannend zu werden, denn Bruder Eddie (Eddie Villanueva), Gründer der Sekte „Jesus is Lord", kandidiert, weil er dazu eine göttliche Weisung erhielt. Solche Gründe sind immer gut und kommen bei den Gläubigen 100% an. Er selber ist überzeugt 7,1 Mio Stimmen (von 40 Mio Berechtigten) auf sicher zu haben. Nach Gesprächen mit verschiedenen Militärs warnte er auch bereits: sollte er nicht gewählt werden, könnten die Militärs die Macht übernehmen! Ein aussichtsreicher Kandidat ist auch Fernando Po Junior, FJP genannt, ein beliebter und bekannter Filmstar in den Philippinen, wie es auch der frühere Präsident Estrada war. Der Gefahr bewusst haben Regierungskreise versucht die Zulassung von FPJ als Präsidentschaftskandidat mit gefälschten Dokumenten zu verhindern. Gemäss der philippinischen Verfassung dürfen nur natürlich geborene Filipinos zur Wahl antreten. Die Gegner argumentierten einerseits der Vater von FPJ sei nicht Filipino sondern Spanier, anderseits, dass sein Vater bei der zweiten Heirat mit einer Amerikanerin Bigamie begangen habe und der Junior demnach unehelich sei. Da uneheliche Kinder in den Philippinen die Nationalität der Mutter annehmen, sei FPJ Amerikaner! Die ganze Geschichte wurde vor das oberste Gericht gezogen, welches die Kandidatur validierte. Mit dem Pariser Vertrag von 1902 welche die Übergabe der philippinischen Kolonie von den Spaniern zu den Amerikanern regelte, wurde allen damals in den Philippinen lebenden Ausländern automatisch die philippinische Staatsbürgerschaft zugesprochen. Wenn der Grossvater demzufolge Filipino wurde, war es auch sein Vater und FPJ selbst.
Doch egal wie es rauskommt, Wahlen haben noch nie die Probleme eines Landes gelöst. Wahlen sind überall in der Welt lediglich Instrumente der Elite um ihren luxuriösen Lebensstil beizubehalten. Ein Erzieher schrieb in der Tageszeitung „Manila Bulletin“, dass der Filipino nicht nach dem IQ (Intelligenzquotient) sondern nach dem EQ (Emotionalquotient) wähle! Doch Hand aufs Herz: bei gewissen Wahlen in der Schweiz habe ich das Gefühl, dass es bei uns nicht anders ist.
Die politischen Wirren im Vorfeld der Wahlen haben sich negativ auf den Wechselkurs des US-Dollars ausgewirkt. Erstmals am 29. Januar wurde die 56-Pesos-Barriere überschritten. Auch der Schweizer Franken ist stark gestiegen. Seit meiner Ankunft im September gibt es 5 Pesos mehr, was bei meinem Monatsbudget immerhin 56 Käseschnitten ausmacht!

Orbis: das fliegende Augenspital

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO, leiden heute weltweit mehr als 180 Mio Menschen an Blindheit. 80% könnte vermieden oder mit den heutigen Techniken geheilt werden. Das Ziel von ORBIS – eine humanitäre nonprofit Organisation – ist es Sehkraft zu retten und Blindheit zu verhindern. Die Projekte von ORBIS werden vor allem in Entwicklungsländern durchgeführt, in welchen 90% aller Blinden leben. Seit 1982 hat ORBIS international mehr als 500 Trainings-Programme in 81 Ländern durchgeführt, in welchen mehr als 55'000 medizinische Personen (Ärzte, Krankenschwester, Anästhesisten) ausgebildet wurden, die ihrerseits etwa 16,5 Mio Patienten behandelt haben.
In den Philippinen gibt es schätzungsweise eine halbe Million blinde Kinder, Frauen und Männer. ORBIS führt daher sein 9. Programm in den Philippinen durch und ist mit seiner fliegenden Klink zum 2. Mal im Lande. Gemäss Pressesprecherin Bianca de Souza ist vorgesehen hundert Augenärzte auszubilden. Dazu werden 350 Patienten ausgesucht, deren 80 in den Genuss eines chirurgischen Eingriffes kommen. Seitdem ORBIS 1982 sein 1. Programm in den Philippinen durchführte, konnte die Blindheit um 35% reduziert werden. Hauptursache für Blindheit bei Erwachsenen ist der Katarakt. Besonders tragisch: Hundert Kinder werden jeden Tag infolge Unterernährung blind. Dies sollte sich der Herr Papst in Rom auch einmal hinter die Ohren schreiben!


Die DC-10 auf der Clark Air Base in Angeles

Das Team von ORBIS umfasst 21 medizinische Personen, welche alle ehrenamtlich arbeiten. Kernstück ist nebst dem Operationssaal das audiovisuelle Studio, welches alleine einen Wert von einer Million US $ hat. Die Operationen können live auf Monitoren in angrenzenden Räumen oder auf einer Grossleinwand in Gebäuden auf dem Flughafengelände übertragen werden. Während des Eingriffes können die einheimischen Ärzte mit den operierenden Ärzten kommunizieren und Fragen stellen.
Für mehr Infos: www.orbis.org


Links: der Operationssaal - Rechts: das audiovisuelle Studio

Abschied

Die schwarze Katze im Sunset Garden hat seit meiner Ankunft bereits zum zweiten Mal geworfen! Wie schnell doch die Monaten vergehen. Es ist Zeit den Rückflug nach Thailand zu buchen. Ich hätte noch bis zum 6. März bleiben können, doch ich bekomme Besuch: meine Mutter (83jährig) will mich in Thailand treffen! Ist das nicht sensationell?
Für einige Tage gönnen wir uns noch etwas Ferien bei Eugen im Palmera Garden in Iba/Zambales. Ich bin das erste Mal dort und von der Anlage entzückt. Die Fahrt mit dem Hotelbus über Subic Bay und der Westküste der Provinz Zambales entlang dauert drei Stunden. Im ersten Augenblick bin ich von der Beach etwas enttäuscht. Die Farbe des Meeres ist ungewohnt grau und scheint eiskalt zu sein. Der schwarze Sand ist der Grund dafür. Das Wasser ist glasklar und wunderschön warm. Ständig weht eine kühle Brise. Kleine Strohhütten mit Karaokes sind an der Beach aufgestellt in welchen sich die Filipinas amüsieren. Zeitweise laufen gleich drei Karaokes gleichzeitig! Lustig! Für die Filipinos kann es nie genug Lärm haben. Lästig wird es dann allerdings wenn diese neben den Cottages bis morgens um zwei Uhr in Betrieb sind. Es soll Touristen geben die den neuen Tophit „Ocho ocho“ schon gar nicht mehr anhören können!
Jeden Tag, pünktlich um 17.30 Uhr, stechen die Fischer mit ihren Booten ins Meer hinaus. Ein faszinierendes Schauspiel sind die allabendlichen Sonnenuntergänge.


Der Strand von Iba/Zambales

Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Kein leichter Moment. Die Tränen sind nahe. Doch das Leben geht weiter. Meine Freundin geht in die Provinz nach East Samar (mit dem Bus 36 Stunden) zurück und ich habe weitere Reisepläne. 
Ich werde zurück kommen, bestimmt.

top Mabuhay top

©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch