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Mabuhay Thailand / Schweiz (RB33 / 05.07.2004) Länderinfos: Thailand

Flucht aus der Hitze

Jeden Tag wird es heisser, beinahe unerträglich. 38 Grad ist gestern in Bangkok gemessen worden! Hier an der Küste ist es durch die ständige Brise einige Grade kühler. Doch auch so ist es kaum auszuhalten. Bereits 09.00 Uhr morgens brennt die Sonne unerbittlich. Auch Bundespräsident Joseph Deiss wird bei seinem Staatsbesuch unter diesem Klima gelitten haben. Bei seinem Treffen mit Ministerpräsident Thaksin ist das Kopieren von Schweizer Markenuhren ein wichtiges Gesprächsthema. Deiss, in Begleitung eines Direktor der Firma Rolex, soll dabei seine Besorgnis über die vielen Urheberrechtsverletzungen in Thailand geäussert haben. Der thailändische Handelsminister versichert, den Kampf gegen diesen unerlaubten Handel weiterzuführen. Die Forderung von Deiss: „Keine Fälschungen bitte, sonst kaufen wir euch keinen Reis mehr ab!“

Bis zu meinem Rückflug in die Schweiz sind es noch 14 Tage. Vierzehn Tage bei einer so brütenden Hitze auszuharren ist nicht lustig. Ich buche deshalb meinen Flug um. Freiwillig früher von Thailand in die Schweiz zurückzukehren, so was hat auch Seltenheitswert! Der Flug mit der Kuwait Airlines über Kuwait, Frankfurt und Genf scheint ziemlich ausgebucht zu sein. Während einer Woche bin ich auf der Warteliste, doch schliesslich kommt das OK für den 30. März. Endlich kann ich mich in einigen Tagen dieser Gluthitze entziehen!

Der Abflug ist um 03.00 Uhr, mitten in der Nacht. Da der letzte Minibus zum Flughafen Bangkok in Pattaya um 18.00 Uhr startet, bin ich bereits um 22.00 Uhr dort. Lieber zu früh als zu spät! Dann machen es wir uns bis zum Abflug auf einem Sessel etwas gemütlich. Denkste! Die Abflughalle platzt aus allen Nähten. Chinesen überall, wo das Auge hinreicht! Mit Müh und Not finde ich einen Sitzplatz. Diese führen ein so ein lautes Geschnatter, ich flüchte in den Terminal 2 hinüber. Auch dort ist es nicht viel besser. Zumindest finde ich drei freie Stühle um mich hinlegen zu können. Es ist höchste Zeit bekommt Bangkok einen neuen Flughafen. Die Sitze sind derart unbequem, schon nach einer Viertelstunde habe ich Rückenschmerzen. Dennoch gelingt es mir etwas zu dösen. Als ich nach Mitternacht erwache, sind die Chinesen verschwunden! Die leere Abflughalle sieht fast gespenstig aus. Um 01.00 Uhr geht der Check-in Schalter der Kuwait-Airlines auf. Somit kann ich wenigstens schon mal meine 23 Kilos Gepäck aufgeben. Der Beamte bei der Passkontrolle hat keine Einwände, dass ich das Land verlasse und gibt mir den Pass samt Ausreisestempel mit einem freundlichen lächeln zurück. Alles klar für den Abflug.
Weshalb ich so lange auf der Warteliste stand ist mir nun klar. Das Flugi ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Maschine, einen Airbus A-340 kommt aus Manila. Die Hoffnung neben einer hübschen Filipina zu sitzen erfüllt sich wiederum nicht. Diesbezüglich habe ich chronisches Pech! Fast auf die Minute genau rollen wir zur Startbahn. Der Start klappt reibungslos und nach wenigen Minuten verschwinden wir in der finsteren Nacht über dem Leuchtermeer von Bangkok.


Transithalle in Kuwait

Eine Stunde vor der Landung in Kuwait gibt es das Frühstück. Meine Uhr zeigt 08.00, Bangkok-Zeit an. Hier ist es 05.00 Uhr. Welcome in Kuwait! Die Transithalle ist menschenleer. Der Weiterflug nach Frankfurt und Genf ist erst um 11.30 Uhr. Fünfeinhalb Stunden Wartezeit, das ist doch ziemlich lang. Im Gegensatz zu Bangkok sind die Sessel hier wesentlich angenehmer, halbe Sofas! Nach drei Stunden des Wartens, meldet sich ein Knurren im Magen. Zeit, um den Verpflegungsbon einzulösen. Vom Restaurant im 1. Stock hat man einen guten Blick aufs Flugfeld. Es herrscht kein reger Betrieb. Lediglich drei Maschinen der Kuwait-Airlines sind auf dem Tarmac parkiert. Langsam füllt sich die Abflughalle. Vor dem Gate 19 bildet sich eine lange Kolonne. Endlich können wir boarden. Zuerst sind jedoch die üblichen Sicherheitskontrollen zu passieren. Das Handgepäck durch das X-Ray Gerät und die Passagiere durch die Security Türe. Als ich diese betrete, piepst es! Vermutlich das Portemonnaie, was könnte es sonst sein. Prothesen oder andere Implantate habe ich ja keine! Beim zweiten Versuch klappt es. Die Maschine ist wiederum sehr gut besetzt, mehrheitlich arabische Passagiere. Wollen die etwa alle nach Genf? Mit einer Viertelstunde Verspätung heben wir ab. Die Flugroute führt direkt auf Baghdad zu! Auch das noch! Schlussendlich fliegen wir etwas östlich an der irakischen Hauptstadt vorbei, Richtung Türkei. Obwohl wir mit einer Geschwindigkeit von 975 Km/Std unterwegs sind, scheint mir der Flug über die Türkei unendlich lang. Tja, die Türkei ist ein riesiges Land, erstreckt es sich doch von Westen nach Osten auf über 1600 Kilometer. Das Mittagessen verkürzt die Zeit. Unter uns erscheint eine schneebedeckte Berglandschaft: die Karpaten. Kurz vor 16 Uhr nähern wir uns Frankfurt. Dem aufmerksamen Passagier fällt auf, dass der Pilot eine grosse Schleife um die Stadt fliegt. Gibt es ein Problem? Fehlalarm. Minuten später ist der touch down. Zu meiner grossen Freude steigen alle Araber hier aus. Etwa zwei Dutzend Passagiere bleiben für den Weiterflug nach Genf sitzen. Ich wechsle meinen Sitzplatz auf die linke Seite. Mit etwas Glück kann ich den Mont Blanc vielleicht diesmal beim Anflug auf Genf sehen. Nach einer Stunde Zwischenhalt starten wir zur Schlussetappe. Mit der erhofften Sicht wird leider nichts. Ein riesiges Wolkenmeer schwebt unter uns und verhindert jegliche Sicht. Schade. Plötzlich, als ob jemanden einen Vorhang gezogen hätte, sind die Wolken wie weggeblasen! Fast direkt unter mir ein kleiner tiefblauer rechteckiger See. Als Erstes kommt mir der Murtensee in Sinn. Ja, das muss der Murtensee sein. Und da, ein Oval, eine Rennbahn! Klar, das ist Muntelier, das Pferdesportzentrum. Zehn Minuten später sind wir über der Stadt Lausanne. Die Sicht ist nicht so klar, doch der Gipfel des Mont-Blanc mit seinen 4807 m ist gut zu erkennen. Um 18.55 Uhr bin ich bei schönstem Wetter in der Schweiz zurück. In Bangkok habe ich meine Mutter abgeholt, diesmal holt sie mich ab. Kommt es zu einem neuen Kapitel „Der verlorene Sohn"? Kaum, wie könnte man sich im Flughagen Genf-Cointrin verirren?

Ferienstress

Vor einigen Tagen noch in der Gluthitze von Thailand und nun so prächtiges Frühlingswetter. Leider schlägt das Wetter um und es beginnt zu schneien. Dies hätte nicht unbedingt sein müssen, ich weiss, wie Schnee aussieht. Nach neun Monaten T-Shirt und Shorts bekundet mir die Umstellung auf lange Hosen und Pullover am meisten Mühe.
Obwohl ich mich jedes Mal freue nach Hause zu kommen, ist es für mich nicht unbedingt eine „leichte" Zeit. Drei Monate ohne Libido auszukommen ist gar nicht etwa so lustig. Ich tröste mich damit, dass es Kollegen gibt, die das ganze Jahr ohne leben müssen! Ab dem ersten Tag meiner Ankunft stehe ich zudem „unter" Druck möglichst alles so rasch wie möglich aufzuarbeiten, was sich in den letzten neun Monaten angesammelt hat und alles für die nächsten neun Monate zu planen und vorzubereiten. Entgegen dem Glauben vieler meiner Freunde und Kollegen bin ich hier nicht etwa in einem Ferienlager. Es ist eher ein Arbeitslager! Arbeitstage bis zu 14 Stunden stehen auf der Tagesordnung. Bis die 800 Dias ausgewählt und eingereiht sind, das Fotoalbum nachgeführt und meine Homepage überarbeitet ist, sind schon drei Wochen vergangen.


Prächtiges Frühlingswetter

Durch die vielen negativen Nachrichten der letzten Monate aus Wirtschaft und Politik, komme ich erstmals mit einem zwiespältigen, ja kritischen Eindruck in die Schweiz zurück. Bevor ich nun vor bald fünf Jahren ins Ausland wegzog, haben mich solche Nachrichten kaum oder gar nicht beschäftigt. Nicht zuletzt vor zwei Tagen haben mir wiederum zwei Zahlen zu denken gegeben. Es geht um die Zunahme der Straftaten (332'542 Fälle, 8% mehr als im Jahr 2002 – 55,3 % davon von Ausländern!) und der Konkurse (9305 Fälle, noch nie so viele seit 1966!)

Als Auslandschweizer beschäftigt mich jedoch am meisten die Ausländer- und Asylpolitik. Als ich vor wenigen Tagen abends vom Flughafen im Bahnhof Biel ankam, war ich von der Präsenz so vieler Ausländer auf dem Bahnhofplatz, auffallend viele Schwarze, enttäuscht, schockiert. Da glaubt man in seine Heimat zurückzukommen und findet nur Ausländer vor! Was suchen die eigentlich hier? Wohlverstanden, ich habe nichts gegen legal in der Schweiz wohnende und arbeitende Ausländer. Dass die Schweiz Kriegsflüchtlinge, Lebensbedrohte und Verfolgte vorübergehend aufnimmt, ist ja eine noble Geste, doch alles hat seine Grenzen. Wir können doch nicht die halbe Welt bei uns aufnehmen oder? Sind unsere Politiker denn wirklich so naiv, dass sie nicht erkennen, wie die grosse Mehrheit der Asylsuchenden unsere humanitäre Grosszügigkeit schamlos ausnützt? Wenigstens einer, Bundesrat Blocher, hat gecheckt, dass diesbezüglich unbedingt sofort etwas geschehen muss. Gemäss seinen Aussagen werden gegenwärtig für die Bearbeitung der etwa jährlichen 20'000 Asylgesuche (von denen am Schluss ca 1'000 gutgeheissen werden!) eine Milliarde Franken aufgewendet So etwas ist doch absoluter Blödsinn. Endlich will man auch gegen die Illegalen mit härteren Kontrollen und abschreckenden Strafen vorgehen. Aus meiner Sicht das einzige Richtige. Ich als Ausländer kann mir auch nicht erlauben illegal in einem fremden Land zu leben. Nach Schätzungen des Bundesamtes für Zuwanderung, Integration und Auswanderung soll die Zahl der illegalen Ausländern in der Schweiz zwischen 50'000 und 300'000 betragen, wovon rund 90'000 schwarzarbeiten dürften! Diese härteren Massnahmen stossen aber bereits jetzt bei der CVP und der Grünen Partei auf scharfe Kritik.
Auch bei den Diskussionen über das neue Ausländergesetz muss ich mit Schrecken feststellen, wie viele PolitikerInnen diesbezüglich einfach groteske Vorstellungen und Forderungen haben. Alle Ausländer kommen ja schlussendlich noch immer freiwillig, aus freier Entscheidung zu uns, mit dem Ziel möglich viel Geld nach Hause zu senden. Ist es denn wirklich so unmenschlich, dass deswegen Ehegatten für eine bestimmte Zeit getrennt voneinander leben müssen? Fragt mal die 7 Millionen Filipinos, welche im Ausland arbeiten, ob sie ihre Familien nachziehen können? Gewisse Politiker fordern aber, dass nebst dem Ehegatten und der Kinder auch die Schwiegermutter nachgezogen werden kann. Weshalb nicht auch noch der Grossvater oder die Grossmutter? Es würde mich jedoch sehr überraschen, wenn der Vorschlag des Bundesrates in Sachen Ausländerpolitik vom Parlament ohne Abstriche angenommen würde. Unsere Parteien und Parlamentarier sind schlichtweg unfähig nationale Interessen den parteipolitischen überzuordnen.

Unverhofft erhalte ich die Möglichkeit bei meinem früheren Arbeitgeber zu arbeiten. Einen Monat lang stehe ich bei Temperaturen von 8 Grad Celcius um 06.45 Uhr am Bahnhof Biel. Aus dem Regionalzug von Grenchen steigen die gleichen Leute wie letztes Jahr aus, die gleichen steigen ein. Einige neue Gesichter sind dazugekommen. Auch in meiner „Firma" hat sich nichts wesentliches geändert. Es scheint, als ob ich gar nicht weg gewesen wäre!

Was ist sonst noch passiert? Ach ja, der Papst hat uns anlässlich des Katholischen Jugendtreffens in Bern einen Besuch abgestattet. „Ein Mann mit einer grossen Ausstrahlung, der keiner Fliege etwas antun könnte", wie eine Ordensschwester in einem TV-Interview meinte. Wie naiv doch viele Leute sind? Ein Kirchenoberhaupt, Marionette des Vatikans, der durch seine Politik verantwortlich ist, dass täglich Tausende von Kindern an Unterernährung erkranken und sterben! Wie kann man nur an ein solches Kasperltheater glauben? Statt so viel zu beten, würde diese lieber mit dem Milliardenvermögen der Banco del Vaticano den armen und kranken Leuten helfen.
Mich würde interessieren was dieser Papstbesuch gekostet hat und wer das überhaupt bezahlt! Doch nicht wohl die Steuerzahler oder? Eine entsprechende Anfrage bei der Stadtpolizei Bern steht noch aus.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen!

Altdorf, 18. November 1307. Es ist ein kalter regnerischer Herbsttag. Kurz vor 10 Uhr herrscht neben dem Coop auf dem Marktplatz grosse Aufruhr. Ein Mann geht mehrmals ohne Reverenzerweisung an dem vom habsburgischen Landvogt Gessler aufgestellten Hut vorbei. Gessler stellt den Mann zur Rede. „Wer bist Du, woher kommst Du?" Es ist Wilhelm Tell aus Bürgeln, von Beruf Jäger und Käser. Als Strafe muss er mit der Armbrust seinem Sohn eine Birne aus dreissig Schritten Entfernung vom Kopfe schiessen! Sollte ihm dieses Kunststück gelingen, würde ihm Gessler die Freiheit lassen. Unter der anwesenden Menge herrscht Empörung. Gessler ist ein Tyrann. So etwas kann man doch nicht verlangen! Tell hat keine Wahl. Die Soldaten des Vogtes zählen die Schritte ab. Tell legt an und zielt. Es ist mucksmäuschenstill. Ein Dackel bellt. Tell ist in seiner Konzentration gestört und legt die Armbrust ab. Er ergreift einen zweiten Pfeil und steckt diesen unter sein rotes Lacoste Leibchen. Erneut ergreift er seine Armbrust, setzt den Bolzen auf und zielt. Er scheint ruhig und gelassen. Für einen Augenblick geht sein Blick zu Gessler, als ob er ihm etwas sagen möchte. Er zielt kurz und drückt ab. Der Pfeil zischt los und durchbohrt glatt sein Ziel! Ein Raunen geht durch die Menge. Ein Meisterschuss. Walterli rennt weinend seinem Vater entgegen, der ihn in seine Arme hebt. Die Zuschauer sind begeistert und feiern Tell wie einen Helden. Auch Gessler anerkennt die Leistung: „Gut gemacht, Tell. Ich habe Dir das Leben versprochen solltest Du den Apfel treffen". „Hätte ich nicht getroffen, hätte ich Dich mit dem zweiten Pfeil bestimmt nicht verfehlt!" erwidert Tell. Gessler ist darüber wütend und lässt Tell verhaften. Er will ihn mit dem Boot von Flüelen nach Brunnen und von dort auf dem Landweg in seine Burg bei Küssnacht am Rigi ins Gefängnis stecken. Am frühen Nachmittag baut sich über dem Urnersee ein Gewitter zusammen. Als sie einschiffen, geht ein fürchterliches Gewitter los. Der Sturm wird immer stärker. Die hohen Wellen drohen mehrmals das Boot zu kentern. Gessler bangt um sein Leben. Da Tell auch als erfahrener Seemann bekannt ist, ordnet Gessler an ihm die Fesseln abzunehmen. Geschickt lenkt Tell das Boot durch die entfesselten Fluten. Kurz vor Erreichen des sicheren Ufers nutzt er die Lage zur Flucht aus. Er ergreift seine Armbrust und springt auf ein ins Wasser ragendes Felsenriff. Mit einem kräftigen Stoss schupst er dabei das Boot mit dem linken Fuss in die Fluten zurück. Mit viel Mühe und grosser Not erreicht Gessler Brunnen. In der Zwischenzeit eilt Tell Richtung Küssnacht. In einer schmalen Wegpassage die zu Gessler's Burg führt, lauert er auf ihn. Als dieser mit seiner Gefolgschaft die hohle Gasse passiert, tritt Tell mit angelegter Armbrust aus dem dichten Wald heraus und drückt ab. Das Geschoss bleibt in Gessler's Brust stecken, der sogleich tot vom Pferd fällt. Der Tyrann ist tot. Es lebe Wilhelm Tell, unser Held!


Die Tellskapelle


Durch diese hohle Gasse muss er kommen...

Eine wunderschöne Geschichte, auf die wir Schweizer doch unheimlich stolz sind oder nicht? Doch leider gibt es weder einen Wilhelm Tell noch einen Tell. Die Tellengeschichte, der Tyrannenmord, die bösen Vögte, das Rütli sind Motive, die so weder urkundlich noch archäologisch nachweisbar sind. Wir stehen vor dem Problem einer erzählten Geschichte die lange Zeit nur mündlich weitergegeben wurde, bis jemanden auf den Gedanken kam, sie aufzuschreiben. Sie ist allen möglichen bewussten und unbewussten Verdrehungen und Manipulationen ausgesetzt, (so wie ich es absichtlich gemacht habe) und unterliegt ihnen auch unweigerlich. Wer immer der Erzähler sein mag, er hat stets nur eine bruchstückhafte Wahrnehmung dessen, was effektiv passiert ist, erzählt. Auch die Versuchung Personen miteinander zu verbinden oder gar zu verschmelzen ist gross. So hat der Vogt Gessler, womöglich gar nicht zur gleichen Zeit wie unser Held Tell gelebt.
Es gibt verschiedene Versionen. Das erste bekannte Tellenlied stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und ist die älteste erhaltene Quelle. Die heute bekannte Version ist vor allem durch die Tellsgeschichte im Chonicum Helveticum des Glarner Gelehrten Aegidius Tschudi von 1550 (überarbeitet 1569/70) und durch das Bühnenstück von Friedrich Schiller von 1804 bekannt.

Ist der Bundesbrief von 1291 echt?

Ob Legende oder nicht, es war ein lang ersehnter Wunsch mal die so berühmte Hohle Gasse zu besuchen. Die Einladung meiner Innerschweizer Philippinen-Kollegen Ifter und Comella ein Wochenende im wunderschönen Schwyzerland zu verbringen, nehme ich dankend an. Ich benütze die Gelegenheit auch das Bundesbriefmuseum aufzusuchen. Ein äusserst interessanter Rundgang, der dem Besucher die Geschichtskenntnisse aus der Schulzeit nach so vielen Jahren wieder etwas auffrischt. Ist der Bundesbrief von 1291 etwa auch eine Legende? Anlässlich der 700 Jahre Bundesfeier (1991) wurde dieser an der ETH Zürich untersucht. Dem Pergament wurden drei Proben entnommen, die nach der Radiokarbon-Methode (auch C14-Methode genannt) untersucht wurden. Das Resultat besagte, dass das Pergament zu 85% in die Zeit zwischen 1252 und 1312 und zu 15% in die Zeit zwischen 1352 und 1385 datiert werden kann. Wohlverstanden, mit der Untersuchung wurde nur das Alter des Pergaments untersucht. Es wurden damals weder von den Siegelstreifen noch von den Siegeln oder Tinte Proben entnommen. Der Brief könnte daher durchaus auch später geschrieben worden sein. Wie mir Herr Valentin Kessler vom Amt für Kulturpflege liebenswürdigerweise erklärt, gibt der Bundesbrief verschiedene Rätsel auf. „Das Fehlen eines Ausstellungsortes wie auch eines Hinweises auf die Person des Schreibers lassen uns weiterhin rätseln, wo der Bundesbrief niedergeschrieben wurde. Ein schriftliches Dokument wie der Bundesbrief von 1291 war im 13. Jahrhundert vorwiegend der Kommunikation unter Schrift- und Rechtskundigen vorbehalten. Es diente dazu, gegenüber königlichen, bischöflichen oder herrschaftlichen Amtsstellen Ansprüche oder Konfliktlösungen festzuschreiben. Der Gebrauch von Schriftstücken hat sich im 13. Jahrhundert in der Region der heutigen Ostschweiz und Innerschweiz zunehmend ausgebreitet. Das heisst aber nicht, dass nun die ganze Bevölkerung schreiben konnte. Die Kunst des Schreibens und Lesens blieb vorwiegend auf Klöster und herrschaftliche oder städtische Verwaltungsstellen beschränkt. Für den Bundesbrief könnte dies bedeuten, dass die lokale Führungsschicht einen Schreiber aus den Nachbarstädten oder einen gebildeten Geistlichen aus der Talschaft Schwyz beauftragt hat, die Übereinkunft vom August 1291 schriftlich festzuhalten. Das Bündnis, nicht am Ort und zum Zeitpunkt des Bundesschlusses niedergeschrieben und daher ohne Ortsangabe und Hinweis auf den Schreiber, entsprach dank dem Wissen des Schreibers den „Anforderungen" an eine Urkunde und konnte im Kontakt mit König oder Bischof vorgewiesen werden.


Das Bundesbriefmuseum in Schwyz

Training für die neue Trekking-Saison

Völlig ausser Puste erreiche ich den Aussichtspunkt „Bleike" oberhalb von Kandersteg. Mit der „Bleike" eröffne ich so quasi jedes Jahr mein Training zur Trekking-Saison. Für den Insider, ein bescheidener Beginn. Tja, Trekking. Nach der letztjährigen Erfahrung in Pakistan kann und muss ich grössere Vorhaben wohl abschreiben. Meine Fussgelenkbeschwerden sind seit letztem Jahr nicht minder, im Gegenteil, beschwerdefreie Tage kann ich an beiden Händen abzählen. Laut ärztlicher Diagnose ist früher oder später mit Arthrose zu rechnen. Wer weiss, wie lange ich daher noch kleinere, leichtere Bergtouren machen kann? Also muss ich doch noch etwas unternehmen, solange es noch geht! Der Anblick des Manaslu (8163 m) – mein einziger fehlender 8000er – wäre so eine Tour. Infolge der immer noch unsicheren politischen Lage verschiebe ich schweren Herzens einmal mehr die Reise nach Nepal. Als Ersatz möchte ich stattdessen im Herbst nach Nordindien, ins Gharwal-Himalaya zu den Ganges-Quellen.

„Technisch leichtes Trekking für geübte Wanderer mit sehr guter Kondition", so ist meine geplante Tour im Katalog beschrieben. Um das Kriterium „gute Kondition“ zu erfüllen, ist wohl die Zeit zu kurz, wenigstens könnte ich aber etwas für den „geübten Wanderer" tun. So geht die diesjährige Bergtour auf Fisialp und den Jegertossen oberhalb von Kandersteg. Eine unheimlich steile aber sehr lohnenswerte Tour. Von der Talsohle auf 1176 m ü.M. gelegen geht es beinahe Senkrecht auf 2154 m ü.M! Die Belohnung ist eine grandiose Sicht auf die fast zum berühren nahe Nordwand des Balmhorms. Spektakulär ist der Anblick vor allem bei Sonnenauf- und untergang. Durch ein jahrzehntelanges Weideverbot hat sich auch eine einzigartige und reichhaltige Flora eingestellt. Die Hauptschwierigkeit in den Schweizer Bergen zu wandern ist das unbeständige Wetter. Ein Sommer wie 2003 war wohl die Ausnahme. Dass eine Schönwetterperiode dann zudem noch auf ein Wochenende fällt, macht das Ganze noch schwieriger. Das Wochenende vor meinem Abflug klappt es doch noch.


Bild links: Altels - Bild rechts: Balmhorn


Bild links: Grosses Rinderhorn - Bild rechts: Steghorn und Wildstrubel

Der Aufstieg zum Jegertossen kann von zwei Seiten in Angriff genommen werden. Der leichtere Weg führt über die Route zur Doldenhornhütte über den Biberg, der andere, der kürzere, startet beim Waldhotel Doldenhorn. „I dr Schleife" (1535 m) treffen beide Wege aufeinander. 359 Höhenmeter sind bereits hinter uns, weitere 419 m aber noch vor uns. Laut Wegweiser benötigt man von hier zum Jegertossen noch zwei Stunden. Ich hab dies noch nie so schnell geschafft! Wie diese Zeit wohl gemessen wurde? Vermutlich hat der Verkehrsverein den Reinhold Messner dazu engagiert! Wer wie ich, punkto Kondition nicht gerade in bester Verfassung ist, schaut am besten aus psychologischen Gründen gar nicht auf die Tafel. Denn der härteste Teil kommt erst noch! Nach einem kurzen flachen Stück bei der „Schleife" wird es wiederum steil, sehr steil. Der Weg, mehrheitlich aus Treppen bestehend, kommt mir entgegen. Ich kann den Fuss dadurch flach aufsetzten. Der Weg führt hoch über das Gasterntal. Einige Passagen sind recht schmal und Schwindel erregend. Es gilt äusserst vorsichtig aufzusteigen, denn Seile zur Sicherheit sind keine angebracht. Endlich erreicht man die Waldgrenze. Ich durchquere grosse Felder von Rhododendron-Sträucher. Grosse Mauern und bizarre Stahlkonstruktionen zieren die Landschaft: Es sind die Lawinenverbauungen, die den Zugang zum Nordportal des Lötschbergstunnels vor Lawinenniedergängen schützen. Die rot-weisse Wegmarkierung ist plötzlich verschwunden. Man kann aber nicht falsch gehen. Immer hinauf und nach Rechts halten, bis man eine wunderschöne Alpenwiese erreicht. Das warme Wetter der letzten Tage hat den restlichen Schnee gänzlich zum schmelzen gebracht. An jenen Stellen blühen nun die Alpenglöckchen. Weiter oben auf der Wiese gedeiht eine wunderschöne Alpenflora: Dotterblumen, Berganemonen, kurzblättriger Enzian, Veilchen, Primeln und Männertreu blühen, sogar Türkenbund-Lilien soll es geben. Mit etwas Glück sieht man auch Murmeltiere und Gemsen. Zum Jegertossen ist es nicht mehr weit. Nach der meteorologischen Station kommt zunächst die Altes in Sicht, wenige Meter später stehen wir vor der Nordwand des Balmhorns.


Lawinenverbauungen: Stahl-Schneebrücken


Blick hinüber zur First


Sonnenuntergang auf dem Balmhorn/Altels

Seit 48 Jahren jeden Sommer auf der Fisialp

Wer die Nacht dort oben verbringen will, muss Zelt oder Schlafsack mitbringen, denn eine Unterkunft gibt es nicht. Bei der Fisischafberghütte (2094 m) kann man schlimmstenfalls im Materialraum auf dem Holzboden schlafen. Als Abstiegsvariante ist der Weg über Fisialp zu empfehlen. Dieser ist zwar nicht so gut, aber weniger dem Abgrund ausgesetzt. Die Traversierung zu Fisialp ist eine wunderschöne Wanderung, die etwa Dreiviertelstunde in Anspruch nimmt. Läuft man rechts der Hütte etwas weiter hinauf, eröffnet sich eine wunderbare Aussicht auf den Oeschinensee und die Blümlisalp. Direkt unter uns liegt die SAC-Doldenhornhütte, die über beim Abstieg über den Felsenpfad erreicht werden kann.
Der Besuch auf Fisialp wird schon von weitem durch die Sennenhunde angekündigt. Auf Fisialp wohnen die von Känels. Seit 1956 verbringt Frau Heidi von Känel, dieses Jahr 76jährig, den Sommer auf der Alp. Durch den zaghaften Sommerbeginn hat sich heuer der Alpaufzug etwas verzögert, erklärt mir Herr von Känel, der mit einer ersten kleineren Gruppe von Vieh erst vor drei Tagen hinaufgezogen ist. Der Rest, sowie seine Mutter, sollen in den nächsten Tagen folgen. Erstaunlich, wie diese Kühe bergsteigen! Anderthalb Stunden für diesen steilen Weg! Anscheinend ist man mit vier Beinen doppelt so schnell! Auch erstaunlich: die Mutter von Herrn von Känel soll für den Abstieg ebenfalls nur anderthalb Stunden benötigen! Ich brauche dazu mehr als zwei Stunden und bin ko. Auch mein Fussgelenk hat dabei wieder gelitten. Während 24 Stunden kann ich kaum gehen…


Bild links: Äussere Fisistock - Bild rechts: Oeschinensee


Auf Fisialp trifft man auf eine einzigartige Alpenflora


Bei von Känel's auf Fisialp

Alles hatte doch so gut begonnen…

So wie ich mich auf die Heimreise freue, so freue ich mich wieder loszuziehen. Wer ein wenig in der weiten Welt umher kommt, für den ist die Schweiz wie ein kleines Aquarium mit Goldfischen. Alles ist bei uns zwei Schuhnummern kleiner. Auch wenn die Schweiz kränkelt und wir feststellen, dass unsere demokratischen Abläufe sich zunehmend als zu schwerfällig erweisen, herrscht in der Schweiz, vergleichbar zu den meisten anderen Ländern der Welt, noch immer eine relativ heile Welt.

Im Nu ist mein dreimonatiger Aufenthalt vorüber und erneut stehe ich am Check-in Schalter der Kuwait-Airlines. Mit grosser Besorgnis lege ich mein Gepäck auf die Waage: 25,8 Kg! Das Fräulein am Schalter quittiert meinen ängstlichen Blick mit einem beruhigenden Lächeln: „Pas de problèmes". Uf, da fällt mir ein grosser Stein vom Herzen. Von nun an kann ja nichts mehr schief gehen. Obwohl der Weg nach Bangkok und Manila mit einem fünfstündigen Aufenthalt in Kuwait verbunden ist, habe ich mich erneut für diese Fluggesellschaft entschieden. Für einen Zuschlag von Fr. 150.- kann man neu nun auch in Bangkok die Reise unterbrechen, womit ich mir in Bangkok den Kauf eines Tickets nach Manila ersparen kann.


Der A-340 in Genf-Cointrin

Wie üblich sitze ich auf der Mont-Blanc-Seite. Das Wetter ist leider zu dunstig um die Berge klar zu sehen. Statt wie üblich nach dem Start Richtung Norden zu fliegen, überfliegen wir den Genfersee, dann folgen wir den Voralpen entlang. Die ganze Pracht der Berner Alpen steht auf meiner rechten Seite. Unverkennbar die im Schatten liegende Nordwand des Eigers. Ich sehe den Thunersee, den Niesen, die Stadt Thun. Minuten später der Pilatus, der Vierwaldstätter See, die Rigi. Ja, sogar die Mythen erkenne ich. Hey, Kollegen in der Innerschweiz, auf Wiedersehen, bis bald in Angeles! Wir fliegen über den Zürichsee, den Bodensee, erst jetzt dreht der Pilot nach Norden, Richtung Frankfurt ab. War das nun eine Zugabe! Ein Dankeschön dem Piloten. Beim Anflug auf Frankfurt überfliegen wir das neue Fussballstadion mitten in einem Wald gelegen. Ob es in Deutschland wohl auch so ein „Theater" gibt um ein Stadion zu bauen wie in Zürich? Wie erwartet steigen in Frankfurt zahlreiche Passagiere zu. Erstaunlicherweise bleiben die vier Sitze neben mir leer. Ich profitiere von der Gelegenheit und mache es mir bis Kuwait gemütlich

Der verspätete Abflug in Frankfurt verkürzt die Wartezeit in Kuwait. Auch fünf Stunden sind aber noch immer lange genug. Doch irgendwie geht die Zeit immer vorbei. Der Weiterflug nach Bangkok wird mir nicht in bester Erinnerung bleiben. Ich bin halb am verhungern, bis endlich das Essen serviert wird, vergeht nach dem Start mehr als eine Stunde. Das ständige Geschrei von Kleinkindern nervt mich. Obwohl die Passagiere xmal aufgefordert wurden ihre Händys im Flugzeug auszuschalten, telefoniert in der Reihe hinter mir eine Filipina kurz vor dem Take-off frisch fröhlich weiter und ein Schweizer empfängt während des Fluges ein SMS! Wo bleibt da die Disziplin? Am liebsten hätte ich den beiden das Händy aus dem Fenster geworfen. Der einzige Lichtblick des Fluges ist der Tagesanbruch des 1. Juli. Als ich zufälligerweise um 02.30 Kuwait Zeit die Fensterklappe hochziehe, steht über der pechschwarzen Erde ein tieforange leuchtender Streifen am Horizont. Ein Bild wie aus dem Weltraum! Je länger wir Richtung Osten fliegen, umso heller wird es nun.
Ich muss geschlafen haben, denn plötzlich ertönt der Kabinengong zum Anschnallen. Ich bin zurück in Bangkok. Die Maschine fliegt weiter nach Manila. In zwölf Tagen werde ich mit der gleichen Maschine weiterfliegen.

Ungeduldig warte ich in der Gepäckausgabe auf meinen Rucksack und die Tasche. Das Förderband dreht und dreht, doch von meinem Gepäck keine Spur. Als ich als einziger Passagier da stehe, bin ich etwas ratlos. Sofort ist eine Vertreterin der Airline mit Walkie-Talkie zur Stelle und klärt ab ob das Gepäck eventuell aus versehen noch im Flugzeug ist. Negativ. Das Gepäck ist wirklich nicht da! Sch… und nochmals Sch… Was mache ich jetzt? Dass ausgerechnet mir so etwas passieren muss, dabei hatte die Reise doch so gut begonnen…


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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch