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Verlorenes Gepäck
Alles Fluchen nützt nichts, das Gepäck ist nicht da und kommt dadurch auch nicht
zum Vorschein. „Djai yen yen!“ - kaltes Herz bewahren - sagen die Thailänder.
Dies ist leicht gesagt, für Europäer aber nicht immer so einfach! So etwas ist
mir bisher noch nie passiert! Medikamente, wichtige Dokumente oder Wertsachen
gehören daher immer ins Handgepäck. Zahnpasta, Zahnbürste, Shampoo, so etwas ist
kein Problem. In jedem besseren Hotel kann man dies kaufen. Aber in Bergschuhen
und langen Hosen bei 35 Grad ohne Kleider zum Umziehen da zu stehen, ist nicht
gerade lustig. Die Vertreterin der Kuwait-Airways, Frau Sodsai, ist sehr
behilflich und führt mich ins Airline-Office um die Verlustanzeige aufzugeben.
Oh ja! So was kommt regelmässig vor, 90% des verloren gegangenen Gepäcks wird
aber innerhalb von 24 Stunden wieder gefunden, tröstet sie mich. Als
Entschädigung für die Umtriebe bekomme ich ohne Aufforderung 3'000 Baht cash
ausbezahlt! So was hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Was ich mit dem Geld
gemacht habe, sage ich Euch allerdings nicht…
24 Stunden später steht mein Gepäck in der Hotelrezeption meines Hotels in
Pattaya! Anhand der Etikette sehe ich, dass das Gepäck nach Colombo (Sri Lanka)
ging und von dort mit Cathay Pacific nach Bangkok weitergeleitet wurde. Gepäck,
das verloren geht oder fehlgeleitet wird. ist in der Fliegerei keine Seltenheit.
Statistisches Material wollte mir, verständlicherweise, keine Fluglinie bekannt
geben.
Durch die Aufregung habe ich ganz vergessen einen Blick auf den Kurs des
Schweizer Frankens zu werfen: 32.50 für cash und 32.90 für Traveller Checks!
Sensationell, so hoch war er seit der Finanzkrise wohl noch nie.
Neues Portemonnaie
Wie schon vor vier Jahren wird die Fussball-EM Euro 2004 auch wieder mit grosser
Spannung verfolgt. Die Spiele werden überall auf Grossleinwand gezeigt. Der
Anpfiff des Finals morgens um 03.00 ist allerdings zeitlich etwas ungünstig, so
ziehe ich es nach einem anstrengenden Tag vor, zu schlafen.
Obwohl in Thailand Regenzeit herrscht, ist es in Pattaya wunderschön heiss. So
richtig Sommerhaft. In der Stadt ist es wesentlich ruhiger als vor drei Monaten.
Die Bars sind von Touristen verwaist und die vielen Ladies scheinen sich zu
langweilen. Umso mehr bemühen sich diese um die Gunst der Gäste. Dies hat auch
seine Vorteile!
Schon seit längerer Zeit wollte ich endlich mein zwanzig Jahre altes
Portemonnaie ersetzen. Ganz unverhofft komme ich nach dem Formel-1 Rennen von
Frankreich endlich dazu. Als ich an der Theke bezahlen will, greife ich in
meiner Hosentasche ins Leere. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass mein
Portemonnaie verschwunden ist, weg! Auch ein zweites Nachgreifen nützt nichts.
Ich bin schlicht und einfach beklaut worden! Na so was! Wie und wo konnte dies
nur passieren? Klar, jetzt fällt es mir ein: es muss im Sammeltaxi passiert
sein, als sich diese mandeläugige junge Schönheit so nahe zu mir setzte. Und ich
Esel hatte noch Freude! Der Schaden ist nicht allzu gross: 800 Baht, die
Identitätskarte und der Schlüssel des Hotelsafe. Doch, es zeigt wie liederlich
auch ein doch recht erfahrener Traveller sein kann, wenn er sich zu sehr in
Sicherheit fühlt. Es gibt eine Regel beim Reisen: sich nie in Sicherheit fühlen.
Beim Ausgang gehören sowieso keine grösseren Geldbeträge, Kreditkarte oder
Ausweise in den Geldbeutel. Von Ausweisen wie Pass oder ID-Karte kann eine
Fotokopie mitgetragen werden. Und das Portemonnaie gehört nur in eine enge und
tiefe Hosentasche oder dann unter das Hemd unter dem Gürtel versteckt.
Eröffnung der Metro
Nach 26monatiger Bauzeit ist in Bangkok die erste Untergrundbahn Thailands am 3.
Juli feierlich eröffnet worden. Ein Bijou! Die 20 km lange Strecke führt mit 18
Stationen vom Norden der Stadt von der Bang Sue Station (nahe Sunday market)
fast parallel zum Skytrain über Ratchadapisek, Sutthisarn, Asoke/Sukhumvit,
Queen Sirikit Convention Center zum Hauptbahnhof Hua Lamphong.
Die dreiteiligen vollklimatisierten Züge sind 65 Meter lang und haben Platz für
888 Fahrgäste (davon 126 Sitzplätze) und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit
von 80 Std/km. Von der Sukhumvit Station (siehe Foto Bericht 32) benötigt man
zum Bahnhof nur noch 11 Minuten und 13 Sekunden! Etwa solange wartet man an der
Ampel bei der Silom Road! Zur Einführung wurde der Preis für die gesamte
Fahrtstrecke bis zum 12. August auf 10 Baht fixiert. Die Metro wurde am
Eröffnungswochenende durch die Bevölkerung richtiggehend überrannt. Es kam zu
grossen Verspätungen, die Passagiere mussten bis zu zwanzig Minuten anstehen um
das Ticket zu kaufen. Auch bei meinem Besuch am 2. Wochenende lief auch noch
nicht alles wie gewünscht. Vor allem beim Hauptbahnhof Hua Lamphong kam es vor
den Billetschaltern zu drei etwa 60 Meter langen Kolonnen.
Bangkok ist dadurch noch attraktiver geworden. Ich freue mich bereits auf die
Eröffnung des neuen Flughafens Suvarnabhumi, der wie geplant am 29. September
2005 eingeweiht werden soll.
  
     Die neue Untergrund-Bahn von Bangkok
Dunkle Wolken über Manila
Währenddem ich um 10.00 Uhr aufs einchecken nach Manila warte, steht meine
Freundin zu gleicher Zeit am Flughafen in Tacloban (Provinz Samar). Ihr Flug
nach Manila wird eine Stunde dauern, meiner drei Stunden. Mit leichter
Verspätung hebt der Airbus der Kuwait Airways ab. Die Wolkendecke liegt sehr
hoch. Auch in über 10'000 Meter Höhe sind wir nicht ganz aus den Wolken. Erst
als wir die vietnamesische Küste erreichen, wird die Sicht nach unten frei. Je
näher wir uns den Philippinen nähern umso dichter werden die Wolken wieder. Beim
Anflug auf Manila ziehen dunkle, schwarze Wolken auf. Oh lala! Ein Gewitter bei
einem Landeanflug, so was habe ich gar nicht gerne! Es bleibt bei starkem Wind.
Für den Pilot sicher auch keine einfache Aufgabe, doch er löst die Aufgabe
meisterhaft.
Gespannt warte ich auf das Gepäck! Vielleicht gibt es ja wieder 3000 Pesos
Taschengeld! Doch diesmal kommen meine zwei Gepäckstücke an. Als nächstes geht’s
zum Wechselschalter. Der Kurs des US Dollars hat sich seit Februar recht gut
gehalten und ist mit 55,85 Pesos, nur um 50 Centavos höher. Der Schweizer
Franken hingegen hat wiederum stark zugelegt: es gibt sage und schreibe 44.90
Pesos!
   Beim Kaffee 11'300 Meter über der Küste von Vietnam
Philippinische Präsidentschaftswahlen
Auf dem Weg ins Hotel fallen entlang der Roxas Avenue die grossen Plakate
zur Investitur von Frau Gloria Macapacal als neue Präsidentin auf. Tja, die
Wahlen vom letzten Mai sind mit nur etwas mehr als 900'000 Stimmen zugunsten der
bisherigen Präsidentin ausgegangen Das genaue Wahlresultat lautet:
12'409'109 Stimmen für Frau Gloria Macapagal Arroyo
11'486'111 Stimmen für Fernando Poe
Doch wie es hierzulande so bei Wahlen zugeht, fechtet Fernando Poe Jr. dieses
Resultat an und wirft Frau Arroyo massiven Wahlbetrug vor. Seiner Ansicht nach
müsste er mit etwa 1,1 Mio Stimmen gewonnen haben. Seine Klage und Forderung
beim Obersten Gerichtshof, 10'554 Bezirke neu auszuzählen wurde gutgeheissen.
Damit steht einer Neuauszählung nichts im Wege. Bis man soweit sein wird, wird
vermutlich noch viel Zeit vergehen und die Verfassung könnte in der Zwischenzeit
längst darin geändert haben, dass es in Zukunft keine Präsidentschaftswahlen
mehr gibt, sondern, dass der Senat einen Premierminister wählt.
 Die neue und alte Präsidentin: Gloria Macapagal Arroyo
Wunder in Angeles City
Zurück im
Sunset Garden werde ich mit einem herzlichen Mabuhay empfangen. Da wären wir
also wieder! Schon beim ersten Rundgang zum nahegelegenen Checkpoint, stelle ich
fest, dass es auch hier einige Neuerungen gegeben hat. Black Jack Hausi ist nun
endlich in sein „Swiss Chalet“ gezügelt. Ein wirklich schmuckes Restaurant mit
ausgezeichneter und preiswerter Schweizer Kost. Es ist das einzige Restaurant in
ganz Angeles in welchem das Salz nicht in der Streudose anklebt! Auch der JJ
Supermarkt ist renoviert und wieder offfen. Neu gibt es nun auch einen 7-Eleven
Laden. Immer noch zu, obwohl der Bau längst fertig gestellt ist, ist dagegen der
Robinson Department Store. Man munkelt, dass die gebotene Extra-Summe, sprich
Schmiergeld, zum Erhalt der notwendigen Betriebsbewilligung noch zu wenig hoch
sei! Nichts geändert hat sich im Pure Gold Supermarket: nach wie vor steht keine
Aprikosenkonfitüre im Regal! Dass aber die horrible Strasse die zu unserer
früheren Wohnung führt, geteert wurde, ist die grösste Überraschung. So langsam
beginne ich in den Philippinen an Wunder zu glauben! Wenn das so weitergeht wird
ja vielleicht auch einmal die Dreckstrasse die zur Pick Up Disco führt, sowie
die Fields Rd verbessert.
    
Robinson Supermarket (Foto links) und Swiss Chalet (Foto rechts)
Das Leben wird ständig teurer
Es hat auch unerfreuliche Änderungen gegeben: durch die ständigen Bezinpreiserhöhungen
(bereits sieben in diesem Jahr!) haben die Jeepney um 1 ½ Pesos von 4 auf 5 ½
Pesos aufgeschlagen. Der Preis für einen Liter Diesel stieg um 3.50 – 4.60 Pesos
an und kostet heute 21.65 Pesos der Liter. Die Inflation ist im Monat Juni auf
6,6 % gestiegen! Wir Ausländer haben durch die Entwicklung des Devisenkurses
aber keinen Grund uns zu beklagen. Für die Filipinos ist das Leben, für die
meisten bei gleichem Lohn, massiv teurer geworden. Das Budget-Defizit der
Regierung wird dieses Jahr auf etwa 200 Mia $ geschätzt. Die Regierung ist sich
dessen bewusst, dass sie ohne baldige neue grössere Einnahmen langsam aber
sicher in den Bankrott läuft. Sie versucht daher verzweifelt neue Einkommen zu
schaffen, wobei es mit den Vorschlägen der Politiker, wie meistens, die sozial
Schwächeren trifft. Letzte Idee war eine Taxe von 20 Centavos auf den SMS zu
erheben. In den Philippinen werden täglich zwischen 120 – 150 Mio SMS
verschickt! Die meisten der etwa 28 Mio Handybesitzer gehören jedoch der
Kategorie der Niedriglohneinkommen an. Die Bessergestellten wären von der Taxe
weniger betroffen, denn diese bevorzugen nämlich das teurere Telefonieren.
Nachdem es mit der Manifestation „Text Power“ beinahe zu einem Volksaufstand
kam, musste die Idee fallen gelassen werden. Auf das Jahresende ist allerdings
mit einer drastischen Preiserhöhung der Dienstleistungen zu erwarten, man
spricht bereits von einer Preiserhöhung des Stromes von 40%! Die wirtschaftliche
Situation schlägt sich wie immer auf den Devisenkurs des US $: dieser ist
inzwischen bei 56.45 angelangt.

Gar nichts zum lachen haben die Leute durch die ständigen Bezinpreiserhöhungen
Besuch im Astro Park
    
     Mutprobe! Wer sich auf den Roller Coaster oder den Crazy Hammer wagt...
   ...muss vor allem 100% Vertrauen in die philippinische Technik haben!
     Leben in die Bude kommt erst wenn es dunkel wird
  
    
Schlagzeilen
Grosse Schlagzeilen und eine riesige
Anteilnahme hat die Entführung eines Filipinos, Angelo de la Cruz, im Irak
ausgelöst. De la Cruz der im Rahmen eines 51köpfigen humanitären Kontingentes
tätig war und am 4. Juli gekidnappt worden war, wurde nach seiner Rückkehr wie
ein Nationalheld empfangen und gefeiert. Er wurde mit Geschenken beschert (Land,
Haus, Schulbildung, freie ärztliche Versorgung). Weniger Glück hatten die
Familienangehörigen der beiden vorher im Irak ums Leben gekommenen Filipinos.
Weniger Schlagzeilen verursachten die Resultate der philippinischen
Olympiateilnehmer. Bis zum letzten Tag hoffte die ganze Nation bei den
Taekwondo-Wettkämpfen vergeblich auf die erste Medaille. Dass Thailand mit 3
Goldenen, 1 Silbernen und 4 Bronzenen erfolgreicher abschnitt als die Schweiz
hätte ich aber auch nicht gedacht!
Neben einem Hühnerstall
Nach einem Monat Hotelleben ziehe ich mit
meiner Freundin erneut in eine möblierte 3-Zimmer Wohnung in der Nähe des
Friendship Gate ein. Es ist nicht die „Liebe auf den ersten Blick“ wie bei
unserer letzten Wohnung, es lässt sich jedoch gut wohnen. Statt 18'000 Pesos
kostet die neue Wohnung auch nur 8'600 (Sfr. 200.-) + Nebenkosten, immerhin ein
hübscher Unterschied. In eine Wohnung in den Philippinen einzuziehen ist nicht
ganz gleich wie in der Schweiz. Hier muss man zuerst alles selber reparieren:
die WC-Spülung geht nicht, der Abfluss ist verstopft, die Brause verkalkt, die
Wasserhähne rinnen, der Wasserschlauch kaputt und die Klingel funktioniert
nicht! Es ist daher
von Vorteil etwas handwerkliches Geschick zu besitzen. Am amüsantesten finde ich
den Parkettboden im Schlafzimmer: bei feuchten Füssen kleben einem die
Holzleisten an den Fusssohlen! 47 Stück habe ich bisher mit Instantklebestoff
festgemacht. Was aber das schlimme ist, wir wohnen direkt neben einem
Hühnerstall! Ich sehe bereits Euer Schmunzeln, doch dies ist ganz und gar nicht
zum Lachen. Dieses anhaltende Gekrähe von morgens früh bis abends ist zum
verrückt werden. Ich hasse seither Hähne, am liebsten würde ich diese vergiften!
Hähne sollten doch bei Morgengrauen krähen; diese hier scheinen aber besonders
dumm zu sein. Hört mal rein wie das zugeht: (ich habe zu jeder Tagesstunde
zufällig eine Periode von fünf Minuten ausgewählt und dieses Gekrähe mal
gezählt)
| 02.08 – 02.13 |
16 x |
|
11.30 – 11.35 |
66 x |
|
| 03.40 – 03.45 |
41 x |
|
12.05 – 12.10 |
4 x |
|
| 04.00 – 04.05 |
27 x |
|
13.07 – 13.12 |
11 x |
|
| 05.20 – 05.25 |
90 x |
|
14.22 – 14.27 |
26 x |
|
| 06.15 – 06.20 |
60 x |
|
15.38 – 15.43 |
13 x |
|
| 07.28 – 07.32 |
83 x |
|
16.50 - 16.55 |
71 x |
|
| 08.32 – 08.37 |
28 x |
|
17.12 - 17.17 |
106 x |
|
| 09.10 – 09.15 |
62 x |
|
18.30 – 18.35 |
0 x |
|
| 10.20 – 10.25 |
99 x |
|
+ das Hundegebell! |
In der Nacht wird das reduzierte Gekrähe durch die Air Condition etwas übertönt,
ich schlafe seither immer mit Ohrenpfropfen! Der Mensch ist jedoch unheimlich
anpassungsfähig. Nicht, dass mich dieser Lärm nicht mehr stört, man nimmt ihn
mit der Zeit nur weniger wahr.
 Ich hasse Hähne!
Erbeben
Dass die Philippinen ein Erdbeben
gefährdetes Land ist, ist bekannt. Seit Januar 1990 bis Juli 2004 hat das
Philippine Volcanalogy und Seismology Institute 15'967 Erdbeben registriert. Das
15'968te habe ich in der Nacht auf den 12. September selber miterlebt.
Zufälligerweise wach (diesmal nicht wegen den Hähnen!) vergingen einige Sekunden
ehe ich realisierte, dass die Erde bebte. Erst als die Türe im Türschloss zu
klappern begann, realisierte ich es. Während einigen Sekunden hatte ich das
Gefühl wie auf einer Drehscheibe zu sein die sich nach links und rechts dreht.
Dann war es wieder ruhig, fast unheimlich ruhig. Angst kam keine auf, dazu war
es zu schwach. Dennoch berichtete die Tagespresse von einem mittleren
tektonischen Beben, dass um 03.10 Uhr in Angeles City (bei uns) mit einer Stärke
von 4 nach Richter Skala verspürt wurde. Im Epizentrum von Balanga wurde es mit
einer Stärke von 6,2 gemessen.
Zum kleinsten Vulkan der der „Grösste“ ist
Der Taal Vulkan, 60 Km südlich von
Manila, war ursprünglich ein riesiger Vulkan mit einer Höhe von mehr als 6000
Meter. Seine prähistorischen Ausbrüche haben die Topographie von Südwest Luzon
stark verändert. Übrig geblieben ist eine 15 x 20 Km grosse, mit Süsswasser
gefüllte Kaldera die heute als Taal-See bezeichnet wird. Unter der
Wasseroberfläche sollen sich nicht weniger als 35 vulkanische Kegel befinden. Der
einzige sichtbare Kegel,
mitten im Taal-See gelegen, ist nur gerade 311 Meter hoch. Da er so
klein scheint, wird er als kleinster Vulkan der Welt bezeichnet, in Wirklichkeit
handelt es sich aber um einen der weltweit grössten. Wegen seiner häufigen und
schweren Ausbrüche gilt er auch als einer der gefährlichsten der Welt. Seit 1572
ist der Taal mindestens 34 mal ausgebrochen. Bei der furchtbaren Eruption von
1911 überlebte keiner der 500 Inselbewohner. Der letzte grosse Ausbruch
ereignete sich 1965 bei welchem sich ein neuer Krater im Südwesten der
Vulkaninsel bildete. Die Eruption war von solch extremer Heftigkeit, dass die
Eruptionswolken bis in die Stratosphäre schossen. Ausbrüche von Dampf und Gasen
vernichteten sämtliches Leben im Umkreis von sechs Kilometern und die Lava
brachte den See zum kochen.
Die letzte Aktivität erfolgte 1992, seither werden regelmässig Erdbeben
registriert. Dennoch leben wiederum einige Hundert Leute auf der Vulkaninsel. Um einen neuen Ausbruch besser voraussagen zu können, beobachten
Vulkanologen und die lokalen Behörden die Aktivitäten des Vulkans sehr genau.
Angst braucht man für einen Ausflug zum Taal deshalb nicht zu haben.
 Der Taal-See, 60 Km südlich von Manilal
Den besten Blick auf den Taal-See hat man
von Tagaytay-City. Die Stadt liegt 600 Meter hoch über dem See und bietet vom
Picnic Grove und People’s Park einen atemberaubenden Ausblick. Um es vorweg zu
sagen, es ist ein wunderschöner Ausflug, hat aber seinen Preis. Die unmittelbare
Nähe der Hauptstadt schlägt sich auf die Preise der Hotels nieder, zudem
„versauen“ die vielen Japanischen und Koreanischen Touristen die Preise für die
Überfahrt mit dem Boot und die Miete für das Pferd zum Krater-See hinauf. Wenn
für den 45minütigen Aufstieg zum Kratersee mit dem Pferd ein halber Monatslohn
eines Hausmädchens verlangt wird, steht dies in absolut keiner Relation. Aber
eben, solange die Touristen solche Preise bezahlen, weshalb sollte man weniger
verlangen!
Die Anfahrt von Manila mit dem Bus ist
problemlos, das einzige was man wissen sollte, ist ab welchem Terminal die Busse
nach Tagaytay fahren. Die 2-stündige Fahrt ist dramatisch, schrecklich! Im Video
wird die „Schlacht von Stalingrad“ gezeigt. Ständig bin ich zwischen Film und
Landschaft hin und hergerissen. Da unser Bus über Tagaytay nach Nasugubu fährt
und an keiner Busstation hält, gilt es vor allem das Aussteigen nicht zu
verpassen. Tatsächlich, vermutlich vom Film abgelenkt, heisst es plötzlich
„Aussteigen, aussteigen!“ Uff! Das hätte ich glatt verpasst! Von nun an ist es
einfach. Um die beste Aussicht auf den Taal-See zu geniessen begibt man sich zum
Tagaytay Picnic Grove (Eintritt 25 Pesos) oder weiter zum People’s Park in the
sky (Eintritt 15 Pesos). Die Fahrt mit dem Jeepney zum Picnic Grove kostet 7
Pesos. Obwohl wir an einem Wochentag hier sind, ist der Park von zahlreichen
Schulklassen besucht. Was für ein Volk wohl hier an einem Wochenende herrscht?
Der Blick auf den blau schimmernden See umgeben von einer üppig grünen
Landschaft ist zauberhaft.
 Picnic Grove: Blick auf den Taal See
Beim People’s Park ist es ruhiger. Die
Aussichtsterrasse ist auf dem höchsten Hügel der Umgebung gelegen. Man erkennt
ihn leicht an seiner Parabolantenne. Vom Eingang des Parks führt die Strasse
etwa dreissig Höhenmeter hinauf. Ach, diese „armen“ Filipinos! Lieber bezahlt
man 30 Pesos für den Jeepney als diese kurze Strecke zu laufen. Und die
Filipinos wollen im Jahr 2007 den Mount Everest besteigen! Die Sicht ist nicht
so klar, dennoch geniesst man einen wunderbaren Eindruck über das „Highland“ von
Tagaytay. Der Blick geht hinüber nach Batangas wo sich ein anderer Vulkan
erhebt, der 1144 m hohe Mt. Makiling.
     People's Park
    
Im Picnic Grove sowie im People’s Park
wird man als Tourist fast auf Schritt und Tritt von Schleppern verfolgt: jeder
will Dir „sein“ Boattrip anpreisen. Die Preise variieren zwischen 1500 und 1000
Pesos. Man kann aber auch zuerst mit dem Jeepney für 25 Pesos nach Talisay, ans
Seeufer, fahren. Ob die Preise dort allerdings für die Überfahrt billiger sind,
bezweifle ich. Statt in Tagaytay zu übernachten, findet man in Talisay und
Umgebung eine ganze Reihe von Resorts. Ab 1300 Pesos muss allerdings gerechnet
werden.
Wir sind schon früh unterwegs. Besser so, es ist auch weniger heiss für den
Aufstieg zum Kratersee. Vor dem Picnic Grove zweigt die Strasse rechts nach
Talisay ab. Die steile Strasse führt in unzähligen Spitzkehren spektakulär zu
See hinunter.
Die Sicht auf die Kraterinseln ist unterwegs am schönsten. Der grossen Insel
„Volcano Island“ vorgelagert, sticht ein kleiner Vulkankegel mit seiner
seitlichen Krateröffnung ins Auge. Dieser entstand beim Ausbruch von 1911. Die
meisten Besucher glauben denn auch, dass der zu besuchende Vulkansee sich hier
befindet. Der Krater ist jedoch ausgetrocknet.
  
Bild rechts: der beim Ausbruch von 1911 entstandene Vulkankegel
     In Talisay gibt es ein grosses Angebot von Resorts
Der See ist völlig ruhig. Innert knapp
einer halben Stunde erreichen wir Volcano Island. Dass meine Freundin auf dem
Rücken eines Pferdes hinauf zum Krater gehen wird ist so klar wie ich zu Fuss
gehe. Der Preis ist fix, es gibt kein verhandeln: 920 Pesos! Dass man die
Absicht hat den Kraterrand zu Fuss zu erreichen ist für die Filipinos schon fast
unverständlich. Man wird deshalb versuchen Dir zu erklären, dass man den
Kraterrand ohne Führer nicht findet und der steile Weg nur auf dem Rücken eines
Pferdes zu bewältigen ist. Lächerlich! Der Weg dauert nur etwa 45 Minuten und
ist, dem herumliegenden Pferdemist folgend, leicht zu finden.
     Überfahrt zur Volcano Island
Beim ersten kurzen Aufstieg habe ich Mühe
dem Pferd zu folgen. Obwohl es noch früh ist, brennt die Sonne unerbittlich. Im
mittleren, flacheren Teil erhole ich mich wieder. Hinter mir kommt eine ältere
Frau zu Pferd nach. Sie hat die Hoffnung, dass ich unterwegs aufs Pferd
umsteige! Ich muss sie enttäuschen, wie die Träger hinauf zum Golden Rock in
Myanmar. Das letzte Teilstück hinauf zum Kraterrand ist das steilste. Ich muss
zahlreiche Stopps einlegen um zu verschnaufen. Dass es mit meiner Fitness nicht
gerade zum Besten steht weiss ich, diesen Aufstieg nicht zu schaffen wäre aber
lächerlich.
   Aufstieg zum Kraterrand
Der frische Wind oben auf dem
Aussichtspunkt ist eine richtige Wohltat. Wir kommen ins Gespräch mit Nora (20).
Seit ihrer Kindheit verkauft sie hier gekühltes Coca-Cola und Kokosnüsse. Ob
viele Leute hier herauf kommen wollen wir wissen: „Oh ja, viele Japaner und
Koreaner kommen hierher, aber erst so ab 10.30 Uhr“. Hast Du denn keine Angst so
nahe beim Vulkan zu wohnen? „….Nein!“ Eine dumme Frage. Die Leute leben wo es
einen Verdienst gibt. Die ältere Frau welche mir beim Aufstieg das Pferd
anerbot, gesellt sich zu uns. Es ist die Grossmutter des Mädchens. Kommen Sie
jeden Tag hier herauf? „Ja, jeden Tag, ausser wenn es gefährlich wird“. Haben
Sie den Ausbruch von 1965 miterlebt? „Ja, wir wurden evakuiert, es war
schrecklich“ Mit den Pferden? Nein, die blieben zurück auf der Insel!“
Am Ufer des Kratersees steigt eine kleine Fumarole auf, ansonsten ist von einer
Aktivität nichts zu merken. Der aktive Teil (letzte Eruption 1992) befindet sich
im hinteren südwestlichen Teil der Insel, der kaum besucht wird.
  
Bild links:
Aussicht vom Kraterrand hinüber nach Tagaytay - Bild rechts: der Kratersee

Nora mit ihrer Grossmutter
Es ist Zeit zum Abstieg. Die Grossmutter
kann noch immer nicht begreifen, dass ich ebenfalls hinunterlaufe! Der See ist
bei der Rückfahrt am späteren Vormittag durch den aufkommenden Wind ziemlich
rau. Klatschnass erreichen wir das Festland wo das Mittagessen bereits auf uns
wartet.
  
Der Taal See ist bekannt für seine
Fischzucht von Tilapias. Der Tilapia ist weltweit einer der prädestinierter Art
zur Aquakultur. Er ist gegen Krankheiten widerständig, vermehrt sich leicht und
kann in schlechter Wasserqualität leben. Er wird hier in Käfigen gezüchtet, die
in einer Tiefe von 1 – 5 Metern im See liegen. Guter Grund diese Spezialität mal
zu versuchen.
 Gegrillte Tilapia
Verschoben aber nicht aufgehoben
Gestern war wieder einmal solch ein Tag,
am liebsten würde man nach Hause fliegen. Die Regenzeit in Luzon geht langsam
ihrem Ende entgegen und es wird immer heisser. Regelmässig kommt es zu heftigen
Gewittern. Das feucht-heisse Klima ist dann sehr mühsam. Wenn dazu aber in der
Nacht dann noch der Strom 5 mal ausfällt, wird das „schöne“ Leben doch recht
mühsam.
Wie befürchtet, erweist sich mein geplantes Herbsttrekking als zu kostspielig.
Die Philippinen liegen dazu einfach zu weit weg vom Himalaya! Statt wie geplant
zur Ganges-Quelle nach Nordindien zu reisen, bleibe ich hier und benütze diese
Reisepause um endlich mit meinem Buch über die Schweizer Bergsteiger Pioniere im
Himalaya zu beginnen. Doch verschoben ist nicht aufgehoben. Wenn alles klappt
werde ich die Reise in nach Nordindien nächsten Herbst zusammen mit meinem
Freund Reto unternehmen.
A propos Wunder in Angeles City: die
Bretterbuden an der Fields Avenue sind endlich abgerissen worden und der
Robinson Supermarkt hat vor wenigen Tagen seine Pforten geöffnet. Beim Main Gate soll es
nun sogar ein Shopping Komplex mit Kunsteinsbahn geben!
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