Mabuhay - Reiseberichte
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Mabuhay Thailand / Philippinen (RB34 / 26.09.2004) Länderinfos: ThailandLänderinfos: Phillipinen

Verlorenes Gepäck

Alles Fluchen nützt nichts, das Gepäck ist nicht da und kommt dadurch auch nicht zum Vorschein. „Djai yen yen!“ - kaltes Herz bewahren - sagen die Thailänder. Dies ist leicht gesagt, für Europäer aber nicht immer so einfach! So etwas ist mir bisher noch nie passiert! Medikamente, wichtige Dokumente oder Wertsachen gehören daher immer ins Handgepäck. Zahnpasta, Zahnbürste, Shampoo, so etwas ist kein Problem. In jedem besseren Hotel kann man dies kaufen. Aber in Bergschuhen und langen Hosen bei 35 Grad ohne Kleider zum Umziehen da zu stehen, ist nicht gerade lustig. Die Vertreterin der Kuwait-Airways, Frau Sodsai, ist sehr behilflich und führt mich ins Airline-Office um die Verlustanzeige aufzugeben. Oh ja! So was kommt regelmässig vor, 90% des verloren gegangenen Gepäcks wird aber innerhalb von 24 Stunden wieder gefunden, tröstet sie mich. Als Entschädigung für die Umtriebe bekomme ich ohne Aufforderung 3'000 Baht cash ausbezahlt! So was hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Was ich mit dem Geld gemacht habe, sage ich Euch allerdings nicht…
24 Stunden später steht mein Gepäck in der Hotelrezeption meines Hotels in Pattaya! Anhand der Etikette sehe ich, dass das Gepäck nach Colombo (Sri Lanka) ging und von dort mit Cathay Pacific nach Bangkok weitergeleitet wurde. Gepäck, das verloren geht oder fehlgeleitet wird. ist in der Fliegerei keine Seltenheit. Statistisches Material wollte mir, verständlicherweise, keine Fluglinie bekannt geben.
Durch die Aufregung habe ich ganz vergessen einen Blick auf den Kurs des Schweizer Frankens zu werfen: 32.50 für cash und 32.90 für Traveller Checks! Sensationell, so hoch war er seit der Finanzkrise wohl noch nie.

Neues Portemonnaie

Wie schon vor vier Jahren wird die Fussball-EM Euro 2004 auch wieder mit grosser Spannung verfolgt. Die Spiele werden überall auf Grossleinwand gezeigt. Der Anpfiff des Finals morgens um 03.00 ist allerdings zeitlich etwas ungünstig, so ziehe ich es nach einem anstrengenden Tag vor, zu schlafen.
Obwohl in Thailand Regenzeit herrscht, ist es in Pattaya wunderschön heiss. So richtig Sommerhaft. In der Stadt ist es wesentlich ruhiger als vor drei Monaten. Die Bars sind von Touristen verwaist und die vielen Ladies scheinen sich zu langweilen. Umso mehr bemühen sich diese um die Gunst der Gäste. Dies hat auch seine Vorteile!
Schon seit längerer Zeit wollte ich endlich mein zwanzig Jahre altes Portemonnaie ersetzen. Ganz unverhofft komme ich nach dem Formel-1 Rennen von Frankreich endlich dazu. Als ich an der Theke bezahlen will, greife ich in meiner Hosentasche ins Leere. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass mein Portemonnaie verschwunden ist, weg! Auch ein zweites Nachgreifen nützt nichts. Ich bin schlicht und einfach beklaut worden! Na so was! Wie und wo konnte dies nur passieren? Klar, jetzt fällt es mir ein: es muss im Sammeltaxi passiert sein, als sich diese mandeläugige junge Schönheit so nahe zu mir setzte. Und ich Esel hatte noch Freude! Der Schaden ist nicht allzu gross: 800 Baht, die Identitätskarte und der Schlüssel des Hotelsafe. Doch, es zeigt wie liederlich auch ein doch recht erfahrener Traveller sein kann, wenn er sich zu sehr in Sicherheit fühlt. Es gibt eine Regel beim Reisen: sich nie in Sicherheit fühlen. Beim Ausgang gehören sowieso keine grösseren Geldbeträge, Kreditkarte oder Ausweise in den Geldbeutel. Von Ausweisen wie Pass oder ID-Karte kann eine Fotokopie mitgetragen werden. Und das Portemonnaie gehört nur in eine enge und tiefe Hosentasche oder dann unter das Hemd unter dem Gürtel versteckt.

Eröffnung der Metro

Nach 26monatiger Bauzeit ist in Bangkok die erste Untergrundbahn Thailands am 3. Juli feierlich eröffnet worden. Ein Bijou! Die 20 km lange Strecke führt mit 18 Stationen vom Norden der Stadt von der Bang Sue Station (nahe Sunday market) fast parallel zum Skytrain über Ratchadapisek, Sutthisarn, Asoke/Sukhumvit, Queen Sirikit Convention Center zum Hauptbahnhof Hua Lamphong.
Die dreiteiligen vollklimatisierten Züge sind 65 Meter lang und haben Platz für 888 Fahrgäste (davon 126 Sitzplätze) und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Std/km. Von der Sukhumvit Station (siehe Foto Bericht 32) benötigt man zum Bahnhof nur noch 11 Minuten und 13 Sekunden! Etwa solange wartet man an der Ampel bei der Silom Road! Zur Einführung wurde der Preis für die gesamte Fahrtstrecke bis zum 12. August auf 10 Baht fixiert. Die Metro wurde am Eröffnungswochenende durch die Bevölkerung richtiggehend überrannt. Es kam zu grossen Verspätungen, die Passagiere mussten bis zu zwanzig Minuten anstehen um das Ticket zu kaufen. Auch bei meinem Besuch am 2. Wochenende lief auch noch nicht alles wie gewünscht. Vor allem beim Hauptbahnhof Hua Lamphong kam es vor den Billetschaltern zu drei etwa 60 Meter langen Kolonnen.
Bangkok ist dadurch noch attraktiver geworden. Ich freue mich bereits auf die Eröffnung des neuen Flughafens Suvarnabhumi, der wie geplant am 29. September 2005 eingeweiht werden soll.


Die neue Untergrund-Bahn von Bangkok

Dunkle Wolken über Manila

Währenddem ich um 10.00 Uhr aufs einchecken nach Manila warte, steht meine Freundin zu gleicher Zeit am Flughafen in Tacloban (Provinz Samar). Ihr Flug nach Manila wird eine Stunde dauern, meiner drei Stunden. Mit leichter Verspätung hebt der Airbus der Kuwait Airways ab. Die Wolkendecke liegt sehr hoch. Auch in über 10'000 Meter Höhe sind wir nicht ganz aus den Wolken. Erst als wir die vietnamesische Küste erreichen, wird die Sicht nach unten frei. Je näher wir uns den Philippinen nähern umso dichter werden die Wolken wieder. Beim Anflug auf Manila ziehen dunkle, schwarze Wolken auf. Oh lala! Ein Gewitter bei einem Landeanflug, so was habe ich gar nicht gerne! Es bleibt bei starkem Wind. Für den Pilot sicher auch keine einfache Aufgabe, doch er löst die Aufgabe meisterhaft.
Gespannt warte ich auf das Gepäck! Vielleicht gibt es ja wieder 3000 Pesos Taschengeld! Doch diesmal kommen meine zwei Gepäckstücke an. Als nächstes geht’s zum Wechselschalter. Der Kurs des US Dollars hat sich seit Februar recht gut gehalten und ist mit 55,85 Pesos, nur um 50 Centavos höher. Der Schweizer Franken hingegen hat wiederum stark zugelegt: es gibt sage und schreibe 44.90 Pesos!

 
Beim Kaffee 11'300 Meter über der Küste von Vietnam

Philippinische Präsidentschaftswahlen

Auf dem Weg ins Hotel fallen entlang der Roxas Avenue die grossen Plakate zur Investitur von Frau Gloria Macapacal als neue Präsidentin auf. Tja, die Wahlen vom letzten Mai sind mit nur etwas mehr als 900'000 Stimmen zugunsten der bisherigen Präsidentin ausgegangen Das genaue Wahlresultat lautet:

12'409'109 Stimmen für Frau Gloria Macapagal Arroyo
11'486'111 Stimmen für Fernando Poe

Doch wie es hierzulande so bei Wahlen zugeht, fechtet Fernando Poe Jr. dieses Resultat an und wirft Frau Arroyo massiven Wahlbetrug vor. Seiner Ansicht nach müsste er mit etwa 1,1 Mio Stimmen gewonnen haben. Seine Klage und Forderung beim Obersten Gerichtshof, 10'554 Bezirke neu auszuzählen wurde gutgeheissen. Damit steht einer Neuauszählung nichts im Wege. Bis man soweit sein wird, wird vermutlich noch viel Zeit vergehen und die Verfassung könnte in der Zwischenzeit längst darin geändert haben, dass es in Zukunft keine Präsidentschaftswahlen mehr gibt, sondern, dass der Senat einen Premierminister wählt.


Die neue und alte Präsidentin: Gloria Macapagal Arroyo

Wunder in Angeles City

Zurück im Sunset Garden werde ich mit einem herzlichen Mabuhay empfangen. Da wären wir also wieder! Schon beim ersten Rundgang zum nahegelegenen Checkpoint, stelle ich fest, dass es auch hier einige Neuerungen gegeben hat. Black Jack Hausi ist nun endlich in sein „Swiss Chalet“ gezügelt. Ein wirklich schmuckes Restaurant mit ausgezeichneter und preiswerter Schweizer Kost. Es ist das einzige Restaurant in ganz Angeles in welchem das Salz nicht in der Streudose anklebt! Auch der JJ Supermarkt ist renoviert und wieder offfen. Neu gibt es nun auch einen 7-Eleven Laden. Immer noch zu, obwohl der Bau längst fertig gestellt ist, ist dagegen der Robinson Department Store. Man munkelt, dass die gebotene Extra-Summe, sprich Schmiergeld, zum Erhalt der notwendigen Betriebsbewilligung noch zu wenig hoch sei! Nichts geändert hat sich im Pure Gold Supermarket: nach wie vor steht keine Aprikosenkonfitüre im Regal! Dass aber die horrible Strasse die zu unserer früheren Wohnung führt, geteert wurde, ist die grösste Überraschung. So langsam beginne ich in den Philippinen an Wunder zu glauben! Wenn das so weitergeht wird ja vielleicht auch einmal die Dreckstrasse die zur Pick Up Disco führt, sowie die Fields Rd verbessert.


Robinson Supermarket (Foto links) und Swiss Chalet (Foto rechts)

Das Leben wird ständig teurer

Es hat auch unerfreuliche Änderungen gegeben: durch die ständigen Bezinpreiserhöhungen (bereits sieben in diesem Jahr!) haben die Jeepney um 1 ½ Pesos von 4 auf 5 ½ Pesos aufgeschlagen. Der Preis für einen Liter Diesel stieg um 3.50 – 4.60 Pesos an und kostet heute 21.65 Pesos der Liter. Die Inflation ist im Monat Juni auf 6,6 % gestiegen! Wir Ausländer haben durch die Entwicklung des Devisenkurses aber keinen Grund uns zu beklagen. Für die Filipinos ist das Leben, für die meisten bei gleichem Lohn, massiv teurer geworden. Das Budget-Defizit der Regierung wird dieses Jahr auf etwa 200 Mia $ geschätzt. Die Regierung ist sich dessen bewusst, dass sie ohne baldige neue grössere Einnahmen langsam aber sicher in den Bankrott läuft. Sie versucht daher verzweifelt neue Einkommen zu schaffen, wobei es mit den Vorschlägen der Politiker, wie meistens, die sozial Schwächeren trifft. Letzte Idee war eine Taxe von 20 Centavos auf den SMS zu erheben. In den Philippinen werden täglich zwischen 120 – 150 Mio SMS verschickt! Die meisten der etwa 28 Mio Handybesitzer gehören jedoch der Kategorie der Niedriglohneinkommen an. Die Bessergestellten wären von der Taxe weniger betroffen, denn diese bevorzugen nämlich das teurere Telefonieren. Nachdem es mit der Manifestation „Text Power“ beinahe zu einem Volksaufstand kam, musste die Idee fallen gelassen werden. Auf das Jahresende ist allerdings mit einer drastischen Preiserhöhung der Dienstleistungen zu erwarten, man spricht bereits von einer Preiserhöhung des Stromes von 40%! Die wirtschaftliche Situation schlägt sich wie immer auf den Devisenkurs des US $: dieser ist inzwischen bei 56.45 angelangt.


Gar nichts zum lachen haben die Leute durch die
ständigen Bezinpreiserhöhungen

Besuch im Astro Park


Mutprobe! Wer sich auf den Roller Coaster oder den Crazy Hammer wagt...


...muss vor allem 100% Vertrauen in die philippinische Technik haben!


Leben in die Bude kommt erst wenn es dunkel wird

Schlagzeilen

Grosse Schlagzeilen und eine riesige Anteilnahme hat die Entführung eines Filipinos, Angelo de la Cruz, im Irak ausgelöst. De la Cruz der im Rahmen eines 51köpfigen humanitären Kontingentes tätig war und am 4. Juli gekidnappt worden war, wurde nach seiner Rückkehr wie ein Nationalheld empfangen und gefeiert. Er wurde mit Geschenken beschert (Land, Haus, Schulbildung, freie ärztliche Versorgung). Weniger Glück hatten die Familienangehörigen der beiden vorher im Irak ums Leben gekommenen Filipinos.
Weniger Schlagzeilen verursachten die Resultate der philippinischen Olympiateilnehmer. Bis zum letzten Tag hoffte die ganze Nation bei den Taekwondo-Wettkämpfen vergeblich auf die erste Medaille. Dass Thailand mit 3 Goldenen, 1 Silbernen und 4 Bronzenen erfolgreicher abschnitt als die Schweiz hätte ich aber auch nicht gedacht!

Neben einem Hühnerstall

Nach einem Monat Hotelleben ziehe ich mit meiner Freundin erneut in eine möblierte 3-Zimmer Wohnung in der Nähe des Friendship Gate ein. Es ist nicht die „Liebe auf den ersten Blick“ wie bei unserer letzten Wohnung, es lässt sich jedoch gut wohnen. Statt 18'000 Pesos kostet die neue Wohnung auch nur 8'600 (Sfr. 200.-) + Nebenkosten, immerhin ein hübscher Unterschied. In eine Wohnung in den Philippinen einzuziehen ist nicht ganz gleich wie in der Schweiz. Hier muss man zuerst alles selber reparieren: die WC-Spülung geht nicht, der Abfluss ist verstopft, die Brause verkalkt, die Wasserhähne rinnen, der Wasserschlauch kaputt und die Klingel funktioniert nicht! Es ist daher von Vorteil etwas handwerkliches Geschick zu besitzen. Am amüsantesten finde ich den Parkettboden im Schlafzimmer: bei feuchten Füssen kleben einem die Holzleisten an den Fusssohlen! 47 Stück habe ich bisher mit Instantklebestoff festgemacht. Was aber das schlimme ist, wir wohnen direkt neben einem Hühnerstall! Ich sehe bereits Euer Schmunzeln, doch dies ist ganz und gar nicht zum Lachen. Dieses anhaltende Gekrähe von morgens früh bis abends ist zum verrückt werden. Ich hasse seither Hähne, am liebsten würde ich diese vergiften! Hähne sollten doch bei Morgengrauen krähen; diese hier scheinen aber besonders dumm zu sein. Hört mal rein wie das zugeht: (ich habe zu jeder Tagesstunde zufällig eine Periode von fünf Minuten ausgewählt und dieses Gekrähe mal gezählt)

02.08 – 02.13 16 x 11.30 – 11.35 66 x
03.40 – 03.45 41 x 12.05 – 12.10 4 x
04.00 – 04.05 27 x 13.07 – 13.12 11 x
05.20 – 05.25 90 x 14.22 – 14.27 26 x
06.15 – 06.20 60 x 15.38 – 15.43 13 x
07.28 – 07.32 83 x 16.50 - 16.55 71 x
08.32 – 08.37 28 x 17.12 - 17.17 106 x
09.10 – 09.15 62 x 18.30 – 18.35 0 x
10.20 – 10.25 99 x + das Hundegebell!

In der Nacht wird das reduzierte Gekrähe durch die Air Condition etwas übertönt, ich schlafe seither immer mit Ohrenpfropfen! Der Mensch ist jedoch unheimlich anpassungsfähig. Nicht, dass mich dieser Lärm nicht mehr stört, man nimmt ihn mit der Zeit nur weniger wahr.


Ich hasse Hähne!

Erbeben

Dass die Philippinen ein Erdbeben gefährdetes Land ist, ist bekannt. Seit Januar 1990 bis Juli 2004 hat das Philippine Volcanalogy und Seismology Institute 15'967 Erdbeben registriert. Das 15'968te habe ich in der Nacht auf den 12. September selber miterlebt. Zufälligerweise wach (diesmal nicht wegen den Hähnen!) vergingen einige Sekunden ehe ich realisierte, dass die Erde bebte. Erst als die Türe im Türschloss zu klappern begann, realisierte ich es. Während einigen Sekunden hatte ich das Gefühl wie auf einer Drehscheibe zu sein die sich nach links und rechts dreht. Dann war es wieder ruhig, fast unheimlich ruhig. Angst kam keine auf, dazu war es zu schwach. Dennoch berichtete die Tagespresse von einem mittleren tektonischen Beben, dass um 03.10 Uhr in Angeles City (bei uns) mit einer Stärke von 4 nach Richter Skala verspürt wurde. Im Epizentrum von Balanga wurde es mit einer Stärke von 6,2 gemessen.

Zum kleinsten Vulkan der der „Grösste“ ist

Der Taal Vulkan, 60 Km südlich von Manila, war ursprünglich ein riesiger Vulkan mit einer Höhe von mehr als 6000 Meter. Seine prähistorischen Ausbrüche haben die Topographie von Südwest Luzon stark verändert. Übrig geblieben ist eine 15 x 20 Km grosse, mit Süsswasser gefüllte Kaldera die heute als Taal-See bezeichnet wird. Unter der Wasseroberfläche sollen sich nicht weniger als 35 vulkanische Kegel befinden. Der einzige sichtbare Kegel, mitten im Taal-See gelegen, ist nur gerade 311 Meter hoch. Da er so klein scheint, wird er als kleinster Vulkan der Welt bezeichnet, in Wirklichkeit handelt es sich aber um einen der weltweit grössten. Wegen seiner häufigen und schweren Ausbrüche gilt er auch als einer der gefährlichsten der Welt. Seit 1572 ist der Taal mindestens 34 mal ausgebrochen. Bei der furchtbaren Eruption von 1911 überlebte keiner der 500 Inselbewohner. Der letzte grosse Ausbruch ereignete sich 1965 bei welchem sich ein neuer Krater im Südwesten der Vulkaninsel bildete. Die Eruption war von solch extremer Heftigkeit, dass die Eruptionswolken bis in die Stratosphäre schossen. Ausbrüche von Dampf und Gasen vernichteten sämtliches Leben im Umkreis von sechs Kilometern und die Lava brachte den See zum kochen. Die letzte Aktivität erfolgte 1992, seither werden regelmässig Erdbeben registriert. Dennoch leben wiederum einige Hundert Leute auf der Vulkaninsel. Um einen neuen Ausbruch besser voraussagen zu können, beobachten Vulkanologen und die lokalen Behörden die Aktivitäten des Vulkans sehr genau. Angst braucht man für einen Ausflug zum Taal deshalb nicht zu haben.


Der Taal-See, 60 Km südlich von Manilal

Den besten Blick auf den Taal-See hat man von Tagaytay-City. Die Stadt liegt 600 Meter hoch über dem See und bietet vom Picnic Grove und People’s Park einen atemberaubenden Ausblick. Um es vorweg zu sagen, es ist ein wunderschöner Ausflug, hat aber seinen Preis. Die unmittelbare Nähe der Hauptstadt schlägt sich auf die Preise der Hotels nieder, zudem „versauen“ die vielen Japanischen und Koreanischen Touristen die Preise für die Überfahrt mit dem Boot und die Miete für das Pferd zum Krater-See hinauf. Wenn für den 45minütigen Aufstieg zum Kratersee mit dem Pferd ein halber Monatslohn eines Hausmädchens verlangt wird, steht dies in absolut keiner Relation. Aber eben, solange die Touristen solche Preise bezahlen, weshalb sollte man weniger verlangen!

Die Anfahrt von Manila mit dem Bus ist problemlos, das einzige was man wissen sollte, ist ab welchem Terminal die Busse nach Tagaytay fahren. Die 2-stündige Fahrt ist dramatisch, schrecklich! Im Video wird die „Schlacht von Stalingrad“ gezeigt. Ständig bin ich zwischen Film und Landschaft hin und hergerissen. Da unser Bus über Tagaytay nach Nasugubu fährt und an keiner Busstation hält, gilt es vor allem das Aussteigen nicht zu verpassen. Tatsächlich, vermutlich vom Film abgelenkt, heisst es plötzlich „Aussteigen, aussteigen!“ Uff! Das hätte ich glatt verpasst! Von nun an ist es einfach. Um die beste Aussicht auf den Taal-See zu geniessen begibt man sich zum Tagaytay Picnic Grove (Eintritt 25 Pesos) oder weiter zum People’s Park in the sky (Eintritt 15 Pesos). Die Fahrt mit dem Jeepney zum Picnic Grove kostet 7 Pesos. Obwohl wir an einem Wochentag hier sind, ist der Park von zahlreichen Schulklassen besucht. Was für ein Volk wohl hier an einem Wochenende herrscht? Der Blick auf den blau schimmernden See umgeben von einer üppig grünen Landschaft ist zauberhaft.


Picnic Grove: Blick auf den Taal See

Beim People’s Park ist es ruhiger. Die Aussichtsterrasse ist auf dem höchsten Hügel der Umgebung gelegen. Man erkennt ihn leicht an seiner Parabolantenne. Vom Eingang des Parks führt die Strasse etwa dreissig Höhenmeter hinauf. Ach, diese „armen“ Filipinos! Lieber bezahlt man 30 Pesos für den Jeepney als diese kurze Strecke zu laufen. Und die Filipinos wollen im Jahr 2007 den Mount Everest besteigen! Die Sicht ist nicht so klar, dennoch geniesst man einen wunderbaren Eindruck über das „Highland“ von Tagaytay. Der Blick geht hinüber nach Batangas wo sich ein anderer Vulkan erhebt, der 1144 m hohe Mt. Makiling.


People's Park

Im Picnic Grove sowie im People’s Park wird man als Tourist fast auf Schritt und Tritt von Schleppern verfolgt: jeder will Dir „sein“ Boattrip anpreisen. Die Preise variieren zwischen 1500 und 1000 Pesos. Man kann aber auch zuerst mit dem Jeepney für 25 Pesos nach Talisay, ans Seeufer, fahren. Ob die Preise dort allerdings für die Überfahrt billiger sind, bezweifle ich. Statt in Tagaytay zu übernachten, findet man in Talisay und Umgebung eine ganze Reihe von Resorts. Ab 1300 Pesos muss allerdings gerechnet werden.

Wir sind schon früh unterwegs. Besser so, es ist auch weniger heiss für den Aufstieg zum Kratersee. Vor dem Picnic Grove zweigt die Strasse rechts nach Talisay ab. Die steile Strasse führt in unzähligen Spitzkehren spektakulär zu See hinunter. Die Sicht auf die Kraterinseln ist unterwegs am schönsten. Der grossen Insel „Volcano Island“ vorgelagert, sticht ein kleiner Vulkankegel mit seiner seitlichen Krateröffnung ins Auge. Dieser entstand beim Ausbruch von 1911. Die meisten Besucher glauben denn auch, dass der zu besuchende Vulkansee sich hier befindet. Der Krater ist jedoch ausgetrocknet.


Bild rechts: der beim Ausbruch von 1911 entstandene Vulkankegel


In Talisay gibt es ein grosses Angebot von Resorts

Der See ist völlig ruhig. Innert knapp einer halben Stunde erreichen wir Volcano Island. Dass meine Freundin auf dem Rücken eines Pferdes hinauf zum Krater gehen wird ist so klar wie ich zu Fuss gehe. Der Preis ist fix, es gibt kein verhandeln: 920 Pesos! Dass man die Absicht hat den Kraterrand zu Fuss zu erreichen ist für die Filipinos schon fast unverständlich. Man wird deshalb versuchen Dir zu erklären, dass man den Kraterrand ohne Führer nicht findet und der steile Weg nur auf dem Rücken eines Pferdes zu bewältigen ist. Lächerlich! Der Weg dauert nur etwa 45 Minuten und ist, dem herumliegenden Pferdemist folgend, leicht zu finden.


Überfahrt zur Volcano Island

Beim ersten kurzen Aufstieg habe ich Mühe dem Pferd zu folgen. Obwohl es noch früh ist, brennt die Sonne unerbittlich. Im mittleren, flacheren Teil erhole ich mich wieder. Hinter mir kommt eine ältere Frau zu Pferd nach. Sie hat die Hoffnung, dass ich unterwegs aufs Pferd umsteige! Ich muss sie enttäuschen, wie die Träger hinauf zum Golden Rock in Myanmar. Das letzte Teilstück hinauf zum Kraterrand ist das steilste. Ich muss zahlreiche Stopps einlegen um zu verschnaufen. Dass es mit meiner Fitness nicht gerade zum Besten steht weiss ich, diesen Aufstieg nicht zu schaffen wäre aber lächerlich.


Aufstieg zum Kraterrand

Der frische Wind oben auf dem Aussichtspunkt ist eine richtige Wohltat. Wir kommen ins Gespräch mit Nora (20). Seit ihrer Kindheit verkauft sie hier gekühltes Coca-Cola und Kokosnüsse. Ob viele Leute hier herauf kommen wollen wir wissen: „Oh ja, viele Japaner und Koreaner kommen hierher, aber erst so ab 10.30 Uhr“. Hast Du denn keine Angst so nahe beim Vulkan zu wohnen? „….Nein!“ Eine dumme Frage. Die Leute leben wo es einen Verdienst gibt. Die ältere Frau welche mir beim Aufstieg das Pferd anerbot, gesellt sich zu uns. Es ist die Grossmutter des Mädchens. Kommen Sie jeden Tag hier herauf? „Ja, jeden Tag, ausser wenn es gefährlich wird“. Haben Sie den Ausbruch von 1965 miterlebt? „Ja, wir wurden evakuiert, es war schrecklich“ Mit den Pferden? Nein, die blieben zurück auf der Insel!“

Am Ufer des Kratersees steigt eine kleine Fumarole auf, ansonsten ist von einer Aktivität nichts zu merken. Der aktive Teil (letzte Eruption 1992) befindet sich im hinteren südwestlichen Teil der Insel, der kaum besucht wird.


Bild links: Aussicht vom Kraterrand hinüber nach Tagaytay - Bild rechts: der Kratersee


Nora mit ihrer Grossmutter

Es ist Zeit zum Abstieg. Die Grossmutter kann noch immer nicht begreifen, dass ich ebenfalls hinunterlaufe! Der See ist bei der Rückfahrt am späteren Vormittag durch den aufkommenden Wind ziemlich rau. Klatschnass erreichen wir das Festland wo das Mittagessen bereits auf uns wartet.

Der Taal See ist bekannt für seine Fischzucht von Tilapias. Der Tilapia ist weltweit einer der prädestinierter Art zur Aquakultur. Er ist gegen Krankheiten widerständig, vermehrt sich leicht und kann in schlechter Wasserqualität leben. Er wird hier in Käfigen gezüchtet, die in einer Tiefe von 1 – 5 Metern im See liegen. Guter Grund diese Spezialität mal zu versuchen.


Gegrillte Tilapia

Verschoben aber nicht aufgehoben

Gestern war wieder einmal solch ein Tag, am liebsten würde man nach Hause fliegen. Die Regenzeit in Luzon geht langsam ihrem Ende entgegen und es wird immer heisser. Regelmässig kommt es zu heftigen Gewittern. Das feucht-heisse Klima ist dann sehr mühsam. Wenn dazu aber in der Nacht dann noch der Strom 5 mal ausfällt, wird das „schöne“ Leben doch recht mühsam.
Wie befürchtet, erweist sich mein geplantes Herbsttrekking als zu kostspielig. Die Philippinen liegen dazu einfach zu weit weg vom Himalaya! Statt wie geplant zur Ganges-Quelle nach Nordindien zu reisen, bleibe ich hier und benütze diese Reisepause um endlich mit meinem Buch über die Schweizer Bergsteiger Pioniere im Himalaya zu beginnen. Doch verschoben ist nicht aufgehoben. Wenn alles klappt werde ich die Reise in nach Nordindien nächsten Herbst zusammen mit meinem Freund Reto unternehmen.

A propos Wunder in Angeles City: die Bretterbuden an der Fields Avenue sind endlich abgerissen worden und der Robinson Supermarkt hat vor wenigen Tagen seine Pforten geöffnet. Beim Main Gate soll es nun sogar ein Shopping Komplex mit Kunsteinsbahn geben!


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©1999-2008 Text und Foto Willy Blaser, info@willyblaser.ch