Aufräumarbeiten
Die Ruhe nach dem Abzug unserer
Arbeiter hat nicht lange gewährt. Nur eine Woche später rückt ein halbes Dutzend
neuer Arbeiter mit Betonmaschine an um gegenüber uns eine Kanalisation zu bauen.
Auch nach Feierabend wird es nicht ruhiger, im Gegenteil. Eine Schar von Kindern
aus der Nachbarschaft spielt auf der Strasse und es geht zu und her wie auf dem
Pausenplatz einer tausendköpfigen Schule. Auch in unserem Haus werden noch
einige Arbeiten verrichtet. Der Schreiner baut im Schlafzimmer einen Wandschrank
ein und draussen wird die Balustrade gestrichen.
Zu einem schmucken Haus gehört für meine Begriffe auch ein sauberer und
gepflegter Umschwung. Hierfür scheint der Filipino jedoch gar keinen Sinn zu
haben. Von dem bisher recht positiven Bild der Filipinos das ich während dem Bau
erhalten habe, bin ich leider wieder etwas abgekommen. Sobald sie nicht mehr
arbeiten müssen, drohen diese in einen tiefen lethargischen Zustand zu
verfallen. Ohne sie ständig zu drängen und zu „pushen“, läuft nichts mehr. Wenn
ich nicht selber die Sandsäcke und den Bauschutt angepackt hätte, würden diese
noch nächstes Jahr am gleichen Ort liegen. Auch das Bauholz liegt mit
verrosteten Nägeln nur so herum. Unverantwortlich so was. Es braucht sich nur
eines der zahlreichen barfuss umherlaufenden Kinder daran zu verletzten. Aber
wer denkt hier schon so weit? Das Holz ist nun schön „biggelet“, so wie es sich
schweizerisch gehört. Clevere Kinder kommen ab und zu vorbei und entfernen die
rostigen Nägel aus dem Holz. Auf dem Alteisen bekommen sie dafür drei Peso pro
Kilo. In der Zwischenzeit haben wir einen einigermassen sauberen Umschwung
erarbeitet und das erste Blümlein der Verschönerungsaktion blüht bereits vor dem
Haus.
Natürlich darf man auf Grund einzelner Erfahrungen nicht gleich pauschalisieren.
Nur schwer kann ich mich jedoch dem Eindruck erwehren, dass die Leute, vor allem
die vielen jungen arbeitslosen Männer, ohne Initiative und Ideen, einfach
Minimalisten sind. Sehr gerne lasse ich mir das Gegenteil beweisen.
Winterzeit – Sturm- und Regenzeit
Was ein Taifun so für Konsequenzen haben kann, wissen wir inzwischen nun ja. Die
Winterzeit (Dezember-Februar) ist hier im östlichen Teil der Visayas, im
Gegensatz zu Zentralluzon, die Regenzeit. Manchmal regnet es zwanzig Mal am Tag,
sintflutartig. Und dies während Tagen. Freude daran haben einzig die Kinder,
welche mit Wonne unter den Abfluss des Dachkännels stehen und die lauwarme
Dusche geniessen. Das feuchtheisse Klima ist sehr unangenehm. Die Wäsche
trocknet nicht mehr, alles ist feucht. In dieser Zeit hat es auch viele Mücken
die vor allem am frühen Morgen und späteren Nachmittag äusserst aggressiv sind.
Sehr beschäftigt sind die Bauern. Im Januar wird der neue Reis angepflanzt.
Durch die vielen Stürme sind die Fischer dagegen oft tagelang zur Untätigkeit
gezwungen. Dies bedeutet keinen Verdienst. Essen müssen die Leute aber
trotzdem. So wird der Reis in unserem Sari-Sari vermehrt auf „Utang“ – Kredit
gekauft. Solange die Leute ihre Schulden zurückzahlen ist dies ja ok, doch viele
Sari-Saris, mit kleinem Kapital, gehen gerade deswegen zu Grunde. Durch den
Mangel an Fischen steigt deren Preis auf dem Markt. Dadurch verkaufen wir mehr
Dosen Sardinen und Corned Beef. Aus geschäftlichen Überlegungen gesehen, ist der
Winter jedoch eine schlechte Zeit. Die Leute haben weniger Geld zum Ausgeben und
infolge der kühleren Temperaturen ist ein markanter Umsatzrückgang im Verkauf
von Mineralwasser und Bier zu verzeichnen.
Während dieser drei Wintermonate ist oft auch die Mobilität eingeschränkt.
Infolge der regelmässigen Stürme müssen die Flüge von Tacloban nach Manila oft
annulliert werden. Wer dringend in die Hauptstadt muss, dem bleibt die
24stündige Busfahrt nicht erspart.
Die Winterzeit ist, wie bereits erwähnt, die kühle Jahreszeit. Natürlich nicht
mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ende Januar sind wir von einer
ungewöhnlichen „Kaltfront“ heimgesucht worden, welche mit dem Höhepunkt des
Wintermonsuns Aminhan zusammenhängt. Die Temperaturen sind in der Nacht unter
18˚ Celsius gesunken. Das ist für hiesige Verhältnisse schon recht kalt, Kälte
an der vor allem die Kleinkinder und die älteren Personen litten.
Maydolong Experimental Garden (MEG) - Teil 1)
Es ist 07.30 Uhr. Der Schweiss rinnt mir wie
kleine Rinnsäle nur so herunter. Ich habe soeben eine halbe Stunde lang ein
Gartenbeet umgestochen. Ja, seit einem Monat haben wir auch einen kleinen
Garten. „Da wird nichts wachsen, die Erde ist viel zu schlecht“ meinten unsere
Nachbarn. Dasselbe habe ich auch schon mal in Kandersteg bei Mutters Haus gehört und am Schluss
hatten wir dort die schönsten Salate und den grössten Blumenkohl! Gewiss, das
Stück Land, vor einigen Jahren noch Mangrove, ist nicht gerade prädestiniert für
eine Gemüsekultur. Dazu ist die Erde viel zu sandig, voller Korallen und
Muscheln. Auch die salzhaltige Luft soll für verschiedene Pflanzen nicht gerade
förderlich sein. Ein Versuch lohnt sich aber dennoch allemal. Wie sagt man
schon? Wer nichts wagt, gewinnt nichts! So ist unser Garten eher als
experimenteller Versuch zu betrachten um erste Erfahrungen zu sammeln.
Die Auswahl an einheimischen Früchten und Gemüse auf dem Lokalmarkt ist
erbärmlich. Das meiste Gemüse wie Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Chinesischer
Sellerie, Knoblauch, Weisser Rettich und vieles anderes wächst hier gar nicht.
Das Klima ist wohl zu heiss dafür. Viel Gemüse wird daher aus der Provinz
Mindanao importiert. Sogar Bananen. Auch Papaya gibt es nur spärlich, dies hat
jedoch einen ganz anderen Grund. Während des Taifuns im vergangenen Dezember
wurden die meisten Bäume geknickt. Samar scheint daher mit diesem mageren
Angebot an Gemüse nicht gerade ein idealer Ort für Kulturplantagen zu sein.
Ein Teil unseres MEG wurde bisher von den Nachbarn als Abfalldeponie benützt. So
müssen wir diesen zunächst mal säubern. Ach, wie viele Eimer „Dreck“ habe ich
wohl schon entsorgt und verbrannt? Zu Gartnen, erst noch in den Tropen, ist aber
nicht so einfach. Es gibt Pflanzen die brauchen viel Wasser, andere weniger, es
gibt deren die gedeihen bei praller Sonne andere haben lieber Schatten. Dies
alles muss man selber herausfinden. Es gibt einige „leichte“ Pflanzen die bei
den widrigsten Verhältnissen wachsen. Diese gehören auch zu den ältesten
Kulturpflanzen der Welt. So Cassawa (Maniok), Gabi (Wasserbrotwurzel) oder
Camote (Süsskartoffel) die vor 5000 Jahren in Zentral- und Südamerika
angepflanzt wurden. Auch Okra wurde schon von den alten Ägypter am Ufer des Nils
kultiviert. Das populärste Gemüse der Philippinen ist Pechay, chinesischer Kohl.
Wollen wir doch schauen ob wenigstens dieses wächst.
    
  
MEG - Maydolong Experimental Garden
    
Bild mitte: Die Setzlinge werden mit Bananenrinde vor der Sonne geschützt
Die ersten Pflanzversuche sind nicht gerade von
Erfolg gekrönt. Die Sitaw (Schlangenbohnen) sind nach drei Tagen zwar bereits
vier Zentimeter hoch, doch dann verengt sich der Stil am unteren Ende und das
Pflänzchen stirbt an. Haben wir etwa zuviel Dünger beigefügt? Aus Fehlern lernt
man ja bekanntlich. Der zweite Versuch scheitert erneut. Die Pflanzen sind eines
Morgens alle verschwunden! Den Scharrspuren nach können es nur die Hühner
unseres Nachbars Toldo gewesen sein. Nicht viel besser geht es dem chinesischen
Kohl, Pechay. Scharrspuren sind hier keine vorhanden, die zahlreichen
bis zu fünf Zentimeter Durchmesser grossen Krabbenlöcher verraten aber wer es gewesen sein könnte. Es ist zum verzweifeln.
Wir können jeden Tag neue Setzlinge pflanzen, am nächsten Morgen ist das Beet
einfach leergefressen! Ich höre schon die Nachbarn: „Siehste, hab’s ja gesagt,
hier kann man nichts pflanzen“. Das Problem der Hühner löse ich indem ich die
„Schwachstellen“ des Zaunes verbessere. Mit den Krabben ist etwas schwieriger.
Ich kann die Löcher stopfen wie ich will, am nächsten Tag ist es wieder offen.
Was kann man da dagegen tun? Petrol hineinschütten und anzünden? Vorerst streue
ich mal Rattengift. Kann ja nichts schaden. Oder dann die Setzlinge von aussen
schützen? Aus PET-Flaschen schneide ich fünf Zentimeter Hohe Ringe aus und lege
diese über das Pflänzchen. Und siehe da, nach einer Woche ist unser Pechay noch
vorhanden und gedeiht prächtig. Mein System scheint zu klappen, so schützen wir
alle Pflanzen mit einem Gitter.
Was wächst denn im MEG?
    

Vlrn: Sili (Chili), Calabasa (Squasch), Pechay (Chinesischer Kohl), Seveli ňo (Art Zwiebelblätter)
    
Gabi (Wasserbrotwurzel), Tanglad (Zitronengras), Lasona (Knoblauch)
 Camote (Süsskartoffel)
    
Sitaw (Schlangenbohnen), Kangkong (Wasserspinat), Pepino (Gurke)
 Das neue Schutzsystem mit ausgeschnittenen PET-Flaschen
    
Calamansi (Limone), Papaya und Jackfrucht
Ein Versuch Schokolade herzustellen
Schokoladenrezepte waren schon von den Azteken und den Mayas bekannt. Diese
bevorzugten jedoch ein schaumartiges Kakaogetränk. Schokolade selber blieb den
Mitgliedern des Königshauses und dem Adel vorbehalten. Inzwischen ist die
köstliche Schokolade jedermann zugänglich. Wisst ihr, wer am meisten Schokolade
weltweit pro Kopf verzehrt? Die Schweizer, mit 11,9 Kg! Tja, weshalb erzähl ich
Euch das eigentlich? Vor vierzig Jahren habe ich meine Kaufmännische Lehre bei
Chocolats Camille Bloch SA (Hersteller von Ragusa, Torino) in Courtelary
absolviert. Der Anblick eines Kakaobaumes bedeutet für mich seither jedes Mal
etwas exotisches und faszinierendes und ist mit vielen Erinnerungen an die
damaligen Zeit verbunden. Schon vor vierzig Jahren war es mein Wunsch einmal
selber Schokolade herstellen zu können. Dass Kakao nicht weit von unserem Haus
wächst, wusste ich lange nicht. So war die Überraschung perfekt als ich dies
zufällig entdeckte. Es sind keine Plantagen, nur einzelne Bäume die einige
Leute, wie unser Onkel Sabado, zum Eigenverbrauch angepflanzt haben. Der alte
Wunsch Schokolade herzustellen flammte daher sofort wieder auf. Eine ganze Reihe
von Gründen sprechen dagegen dies in der eigenen Küche zu tun. Trotzdem wollte
ich es einmal versuchen.
    
Kakaobaum: Blüte (links) und Früchte
Der
wichtigste Rohstoff zur Herstellung von Schokolade sind Kakaobohnen. Diese
wachsen vor allem in Zentral- und Südamerika sowie in Afrika. Die Gesamternte
betrug 2005/2006: 3'592'100 To (in tausend Tonnen). Grösster Produzent mit 39%
ist die Elfenbeinküste. Die Früchte werden von Hand mit einem Buschmesser
geöffnet und die Samen daraus entnommen. Die von einer weisslichen Masse - der
Pulpa - umgebenen Bohnen werden anschliessend auf einen Haufen geschüttet und
zugedeckt. Schon nach kurzer Zeit setzt ein Gärprozess ein – die Fermentation.
Die herben Gerbstoffe oxidieren, das feuchte Fruchtmus löst sich auf und fliesst
ab, die Kerne färben sich dunkel, das typische Kakaoaroma entsteht. In fünf bis
zehn Tagen ist die Fermentation abgeschlossen. Bevor die Kakaobohnen in
Jutesäcke verpackt ihre Reise in die Verarbeiterländer antreten, werden sie
mehrere Tage in der Tropensonne getrocknet.
Wichtig für den Transport und zum Lagern ist, die Bohnen dürfen nicht mehr als 6
% Restfeuchte haben.
Mein Versuch:die Bohnen, von süsslichem Fruchtfleisch umgeben, sind von den Kindern zum Lutschen sehr begehrt. Damit mir
die handvoll Bohnen für meinen Versuch nicht „gestibitzt“ werden, muss ich die
zwei Früchte im Versteck öffnen. Nach sechs Tagen trockne ich sie in der Sonne.

    
Die Kakaobohnen werden etwa sechs Tage fermentiert und dann in der Sonne getrocknet
Als
nächstes müssen die Kakaobohnen geröstet werden. Rösten ist ein delikater und
wohl der wichtigste Vorgang in der Produktion von Schokolade. Bei genau
eingehaltener Temperatur entfaltet sich in den Bohnen der Kakaogeschmack. Dies
muss, je nach Sorte und Qualität, etwa zwischen 100 ˚Celsius und 140 ˚Celsius
geschehen. Die Bohnen dürfen dabei nicht zu heiss werden, ansonsten die
Schokolade später nach verbrannt schmeckt. Nach dem Rösten müssen die
Kakaobohnen schnell abgekühlt werden um ein Überrösten zu verhindern.
Mein Versuch: schon bei diesem ersten
Verarbeitungsvorgang fehlt mir die nötige Anlage. Behelfsmässig versuche ich es
so gut wie möglich im Bachofen. Ich stelle auf „Rösten“ ein und lasse das Ganze
während dreissig Minuten bei mehrmaligem rühren auf 100˚ Celsius im Ofen drin.
Und tatsächlich es beginnt nach Kakao zu riechen.
  
Doch, es schmeckt nach Kakao
Nun muss
man die gerösteten Bohnen brechen um sie von der Schale zu befreien. Dazu werden
sie zwischen zwei grobe Walzen gebrochen. Die so entstandenen Kakaostücke nennt
man Kakaobruch. Die leichten Schalenteile werden durch einen starken Luftstrom
weggeblasen.
Mein Versuch: ohne grobe Walzen breche
ich die Bohnen mit irgendeinem harten Gegenstand. Die Bohnen brechen sehr leicht
auseinander und die Schalenteile lassen sich von blossem Munde wegblasen.
 Der Kakaobruch
Der nächste Schritt ist das Mahlen. Beim Mahlen werden die Zellwände der Kakaobohne
zerrissen und durch die Reibungswärme wird die Kakaobutter flüssig. Die so entstandene
Kakaomasse hat jetzt schon eine gewisse Ähnlichkeit mit dem späteren Endprodukt
und ist bereit für die Herstellung von dunkler Schokolade oder Kakaopulver.
Fügt man zusätzlich Kakaobutter, Milchpulver oder Kondensmilch zur Kakaomasse
hinzu, entsteht die Grundmasse für Milchschokolade. Weisse Schokolade besteht
lediglich aus Kakaobutter. Diese drei Grundmassen sind der Ausgangspunkt für
alle Schokolade-Varietäten. Nach dem Mischen wird die Grundmassen sehr fein
gemahlen und durch "Conchieren" veredelt. Je länger umso besser. Aus der
Kakaomasse wird so Schokolademasse, die nun bereit ist, zu massiven oder – mit
Nüssen, Mandeln, Früchten oder Liqueur – gefüllten Tafeln, Pralinés und vielen
weiteren Spezialitäten geformt zu werden.
Mein Versuch: ich mahle die Bohnen von
Hand in einem Mörser. Damit die nötige Reibungswärme entsteht ist ein gewisser
Druck aufzusetzen. Ein schweisstreibender Arbeitsprozess. Nach einer
Viertelstunde schmerzen mir die Hände. Die Kakaostücke werden so nach und nach
zerrieben. Langsam verfärbt sich das grobe Pulver dunkelbraun und bindet sich zu
einer Masse. Je mehr ich reibe, desto flüssiger wird die Masse. Diese schmeckt
absolut scheusslich.
Meine Fabrikation geht hier leider zu Ende. Um Schokolade herzustellen müsste
ich der Kakaomasse nun Kakaobutter, Milchpulver und Zucker
beizufügen und das Ganze Conchieren. Dazu fehlt mir die notwenige Anlage.
  
Die Kakaomasse schmeckt scheusslich
Die Kinder
sind von meiner Schokoladeherstellung etwas enttäuscht. Immerhin konnten sie mal
sehen wie man so was macht. Auch für mich war es sehr interessant die verschiedenen Produktionsphasen einmal
selber durchzuführen. Die auf dem lokalen Markt angebotenen "Schokolade-Kuchen"
werden von den Einheimischen für die Zubereitung von heisser Schokolade benützt.
 Schokolade-Kuchen
Eleksyon 2007 - Allgemeine Wahlen
Bis auf die Positionen des Präsidenten und Vizepräsidenten werden in den
Philippinen am 14. Mai auf allen politischen Ebenen die Volksvertreter für eine
neue Legislaturperiode von drei Jahren gewählt. Die Hälfte, dh 12 Mitglieder des
Senats, dazu alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses, die Gouverneure und
Bürgermeister, ihre Stellvertreter sowie die Provinz, Stadt- und Gemeinderäte,
insgesamt 17'715 Volksvertreter. Da es nicht immer friedlich zugeht, ist es am
Wahltag strikte verboten Waffen zu tragen! Ausnahmebewilligungen von
Sicherheitspersonal, Polizei, Armee, Geldtransportunternehmen, Bodyguards etc
müssen bei der Commission on Elections (Comelec) beantragt werden.
Stimmberechtigt ist man ab 18 jährig.
Folgende Abgeordnete werden gewählt:
Senators 12
Party List 53
House of Representative 212
Governors 79
Vice-Governors 79
Provincial Board members 758
City Mayors 115
City Vice-Mayors 115
City Councillors 1276
Municipal Mayors 1500
Municipal Vice-Mayors 1500
Municipal Councillors 12016
Quelle: Comelec, total numbers of seats by elective position
Die philippinische Politik ist sehr personenbezogen, so dass
Parteien keine so grosse Rolle spielen. Viele philippinische Politiker gehören
einer politischen Dynastie an: so ist zum Beispiel Frau Macapagal-Arroyo die
Tochter des ehemaligen Präsidenten Diosdado Macapagal, oder der Sohn von
Ferdinand Marcos, Ferdinand Marcos Jr., auch Bong-Bong genannt, Gouverneur der
Heimatprovinz seines Vaters, Ilocos Norte und der Sohn des ehemaligen
Präsidenten Ramon Magsaysay, Ramon Magsaysay Jr., ist Senator. Popularität und
regionale Zugehörigkeitsgefühle zählen oft viel mehr als Sachthemen. In den
letzten Jahren sind viele Schauspieler, ehemalige Basketballstars und ähnliche
Medienpersönlichkeiten in die Politik gegangen. Auch der derzeit populärste
Sportler, Manny „Pacman“ Pacquiao, WBC Super-Federgewichtsweltmeister, steht
erstmals als Kongressmann zur Wahl.
    
Jeder freie Zentimeter wird genutzt um Wahlpropaganda zu machen
Ob der Kandidat als Beruf nun Anwalt, Reisbauer oder Arzt ist und
überhaupt die Fähigkeiten hat einen solchen Posten auszuüben, ist völlig
irrelevant. Es wird derjenige gewählt der am meisten Cash für seine Wahl
bezahlt. Dies kann, je nach grösse der Familien, zwischen 100 und 200 Pesos
betragen und geschieht meistens in der Nacht vor den Wahlen. Wähler zu kaufen ist zwar strikte verboten, doch was ist hier nicht
alles verboten und niemand hält sich daran! Eine Wahlkampagne ist eine teure
Angelegenheit und geht in die mehrfache Millionenhöhe. Es gibt für solche Posten
daher auch nur wenige Bewerber. Die von der Comelec festgelegte Limite für
Wahlpropaganda-Ausgaben beträgt 130 Mio Pesos. Am meisten ausgegeben hat bisher
Prospero Pichay, Kandidat für den Senat. In den ersten zwei Wochen seiner
neunzig Tage dauernden Kampagne, soll er bereits 33,4 Mio Pesos für TV-Werbung
bezahlt haben. Darauf angesprochen erklärte er, dass das Geld nicht aus seiner
eigenen Tasche, sondern aus Spenden von Leuten, denen er als Kongressmann von
Surigao del Sur früher geholfen habe, stamme. Er brauche diese Ausgaben daher
nicht zu ersetzen. Die netten Spender werden dafür bestimmt keine Gegenleistung
erwarten! Nach Zeitungsberichten soll das Team Unity der Arroyo Administration
auch schon 2,76 Milliarden Pesos ausgegeben haben!
 Die bisherigen Vertreter von Eastern Samar
Wahlen ohne Betrug hat es in den Philippinen scheinbar noch nie
gegeben und wird es wohl auch nie geben. Dies trotz Millionen von freiwilligen
Wahlbeobachtern . Gemäss einer Umfrage der Forschungsgruppe IBON Fundament im
vergangenen Januar bei 1493 Mitgliedern der Comelec (Kommission für Wahlen),
glauben 71 Prozent der Befragten nicht an ehrliche und „saubere“ Wahlen. Dennoch
sind Wahlen vermutlich das Beste was der Bevölkerung passieren kann. Für die
Leute hier in der Provinz könnte es jedes Jahr Wahlen geben. Zig Tausend von
Wahlhelfern haben dadurch einen temporären Job. Hier in der Provinz, in
Maydolong, ist man eher an der lokalen Politik interessiert, von welcher man
auch direkt profitieren kann. Erstmals steht eine Frau als Bürgermeisterin zur
Wahl. Es ist die Mathematiklehrerin von Jennifer. Man räumt ihr keine grossen
Chancen ein, da es ihr vor drei Jahren nicht gelungen als Gemeinderätin gewählt
zu werden. Doch Überraschungen kann es immer geben. Viele Leute sollen nämlich
von den vielen leeren Versprechungen des Bürgermeisters enttäuscht sein. Vor
zwei Wochen fand ihre Motorcade in den Strassen von Maydolong statt. Alle
Anwohner haben sich gewundert weshalb diese nicht durch unser Quartier fuhr. Man
munkelt nun, dass der amtierende Bürgermeister in der Nacht zuvor einen
Lastwagen voll Sand drei Strassenecken weiter oben auf die Strasse schütten
liess um so den Weg zu versperren! Ob wahr oder nicht wahr, dies sind so lustige
Geschichten die hier vermutlich zu Tausenden stattfinden. Da die Motorcade von
Frau Montes sehr erfolgreich war, will nun der Bürgermeister am 12. Mai eine
noch grössere organisieren. Seine Gegner behaupten jedoch, er werde dazu viele
zum Mitmachen bezahlen. So läuft dies hier. Es stört mich jedes mal wenn in der
Schweizer Tagesschau über Massendemonstrationen aus Manila berichtet wird,
wie damals gegen Estrada. Dies ist aber kein politischer
Meinungsausdruck des Volkes,
so wie es die meisten westlichen Journalisten auffassen. Die Leute protestieren,
schlicht und einfach weil sie dafür bezahlt werden. Für
Spannung in der Wahl des Bürgermeisters ist auf jeden Fall gesorgt.
 Frau Bles Montes (im grünen Kleid), Gegenkandidatin für die Wahl des Bürgermeisters
Da hat es der amtierende Bürgermeister, Baldono, viel leichter.
Er stellt sich für eine Dritte Amtsperiode zur Wahl. Sobald Scharen von Leuten
hier ungewohnte Aktivitäten an den Tag legen, wie öffentliche Plätze putzen, das
Gras der Strassenböschung schneiden und jäten, oder wenn plötzlich der seit
Monaten in einem jämmerlichen Zustand befindliche „National Highway“ repariert
wird, ist dies immer ein Zeichen, dass Wahlen vor der Türe stehen. Um die Gunst
der Wähler zu gewinnen, offeriert der Bürgermeister möglichst vielen Leuten
einen Tagesjob. Als regelmässiger Besucher unseres kleinen Postamtes, war ich
oft von den vielen herumsitzenden Angestellten überrascht. Beim letzten Besuch
waren es nicht weniger als vierzehn Personen! Alle sind zu einem Tageslohn von
120 Pesos (nicht verbindlich) angestellt. Als Dank wird die ganze Familie für
den Bürgermeister wählen und die Familien sind ja hier nicht klein. Die Wahlen
sind überall das Tagesgespräch. Es kommt manchmal auch zu hitzigen Diskussionen,
wie kürzlich vor unserem Laden, als man sich stritt ob die Löhne für diese
Temporärjobs aus dem Wahlbudget des Bürgermeisters oder vom Steuerzahler bezahlt
werden. Bürgermeister, Baldono, hat auch eine schlaue Strategie. Er besucht vor
allem grössere Familien und stellt einem Familienangehörigen, falls er wieder
gewählt wird, einen Job in der Gemeinde in Aussicht. Da „unsere“ Familie aus
dieser Sicht für ihn uninteressant ist, hat er uns bisher noch nicht besucht,
was ihm übel genommen wird.
Je näher der Wahltermin rückt, umso intensiver geht es zu und her. Auf jedem
Zentimeter freien Platz werden die Wahlplakate angebracht, Meetings, Motorrad-
und Trikeparaden mit Gehupe und Banderolen, Jeepney mit Lautsprecher zirkulieren
durch die Strassen des Dorfes.
 Einer der Jeepneys mit Wahlpropaganda
Währenddem in Frankreich die 1. Runde der Präsidentschaftswahlen
stattfindet, geht es in Maydolong auch langsam um die „Wurst“. Wir haben Besuch
von Frau Lucie Corrado, eine Verwandte, die sich zur Wiederwahl als
Gemeinderätin stellt. Für die acht Posten stehen neunzehn Kandidaten zur
Auswahl. Sie verteilt kein Bargeld, offeriert aber der Nachbarschaft eine
Harrasse Coca-Cola mit Tanduay Ruhm sowie Snacks. Natürlich bei uns gekauft,
schliesslich hängt ja auch ein Poster von ihr vor unserem Ladeneingang.
Einen Tag später verteilt Elda Libanan Gratistelefonkarten. Da ihr Gatte, der
bisherige Congressman Marcelino Libanan, nach Beendigung seiner dritten Amtszeit
nicht mehr kandidieren kann, schickt er seine Frau ins Rennen. Dies ist hier so
Usanz. Von den Gemeinderatskandidaten kenne ich noch den Fidel, Fidel Araba.
Jedes mal wenn ich ihn im Dorf treffe, grüsst er mich freundlich und schüttelt
mir die Hand. "Please help me to be elected - Bitte helft mir gewählt zu
werden". Als ob ich da einen Einfluss hätte. Das Budget für seine Wahlpropaganda
ist etwas geringer als dasjenige von Pichay. Jeden Dienstag offeriert er den
lizenzierten Reishändlern beim Bezug des verbilligten NFA-Reises in Borongan das
Znüni, ansonsten ist er mit seinem "Podpod" - Fahrradrikscha im Dorf auf Werbetour unterwegs.
Auch der Vize-Bürgermeister hat mich gestern freundlich gegrüsst. Ich weiss gar
nicht weshalb die alle so freundlich zu mir sind!
  
Frau Corado bei ihrem Besuch bei uns
  

Für die Wahl des Gouverneurs, Repräsentantenhauses und Senats
    
vlnr: der amtierende Gouveneur Evardone, die neue
Kandidatin als Kongressabgeordnete und Senatskandidat Pichay der bisher am
meisten Geld für Wahlpropaganda ausgegeben hat
  
Ich würde für Kandidatin links stimmen!
Währenddem die amtierenden Bürgermeister, Kongressmänner und
Gouverneur alle dem Unity Team angehören, gehört Deloy der GO (Genuine
Opposition), der Opposition des abgesetzten Präsidenten Joseph Estrada an.
Dieser steht noch immer in Hausarrest, ist aber nach wie vor bei den Leuten sehr
beliebt. Seine Absetzung durch Frau Arroyo im Januar 2001 war formal ein Putsch,
der jedoch International und vor allem von den USA, ausgerechnet jene welche die
ganze Zeit von Demokratie „schwafeln“, akzeptiert und anerkannt wurde. Estrada
hat nun einen überraschenden Schachzug gemacht, indem er einen seiner Söhne, der
als sicherer Kandidat für die Senatswahl galt, zum Verzicht aufforderte um Platz
für die Frau des früheren Präsidentschaftskandidaten Rocco zu schaffen. Die
Präsidentschaftswahlen von 2010 lassen grüssen!
    
Oppositionskandidat Doloy
 Kurz vor Redaktionsschluss hat uns Bürgermeister Baldono doch noch besucht
MEG (Teil 2) - Abteilung International
Es gibt im MEG auch eine Abteilung für westliches
Gemüse. Diese habe ich auf der Balustrade des Balkons angelegt. Nebst Tomaten,
Schnittsalat, Rocula, Petersilie, Schnittlauch und Koriander gibt es auch Töpfe
mit einheimischen Früchten wie Jackfrucht, Lansiume, Orangen und Calamansi
(philippinische Lemonen). Aus Freude von meinen Versuchen, schickt mir meine
Schwester per Post sogar Blumenkohl-, Nüssler-, Erdbeer- und Melonensamen! Ob
das wohl wachsen wird? Eine wahre Freude bereiten die Schmuckkörbchen (Cosmos-Blumen).
Sobald diese etwas grösser sind, werde ich sie beim Eingang des Ladens
verpflanzen. Die Freude währt nicht lange. Eines Morgens sind von den acht
Setzlingen, sechs gefressen! Wer hat dieses Massaker angerichtet? Zuerst
vermuten wir Ameisen, dann Mäuse. Den Täter erwische ich kurze Zeit später
inflagranti. Es ist wiederum eines dieser „Sauhühner“ von Toldo das sich gerade
daran macht mein Chinesischer Broccoli zu kosten. Toldo, ein lieber Kerli, lacht
nur darüber, aber es kümmert ihn keinen „Dreck“, dass seine Hühner in der ganzen
Nachbarschaft einfach frei herumlaufen. Zwei Tage später ist auch der Koriander
gefressen!
  
Ob Erdbeeren und Nüssler hier wohl wachsen?
    
Abteilung "International" auf dem Balkon
 Versuch mit "Cherry" Tomaten und "Sierra F1"
Ein Garten ist mit viel Arbeit verbunden. Wem sage ich das? Für mich bedeutet dies jedoch eine
willkommene Abwechslung zu meiner intellektuellen Arbeit. Morgens und abends
Wasser geben, jedes Mal zehn Spritzkannen voll. Tagsüber müssen die Pflänzchen
vor der glühenden Sonne geschützt werden. Diese brauchen auch Dünger. Dazu
sammeln wir getrockneten Carabao-Mist ein.
Mein System mit dem Schutzring hat sich bestens bewährt und in der Zwischenzeit
haben wir die meisten Pflanzen mit einem Gitter geschützt. Einige ganz schlaue
Krabben haben ihr Loch aber direkt unter der Pflanze gegraben! Wir Menschen,
zumindest wir aus dem Westen, haben jedoch die Fähigkeit schlauer als Krabben
und Hühner zu sein, so sind meine neuen Schutzgitter nun auch unten geschlossen.
Ab und zu verirrt sich ein Huhn noch in den MEG. Dieses wird erbarmungslos
gejagt und falls ich es erwische wird es eines Tages „Chicken Adobo“, ein
schmackhaftes philippinisches Gericht geben. Einige der Pflanzen sind in der
Zwischenzeit prächtig gewachsen. Die Bittergurken sind bereits zwei Meter hoch
und wachsen jeden Tag etwa um fünf bis sechs Zentimeter. Seit kurzem sind wir
mit einem neuen Problem konfrontiert: Ungeziefer. Tja, bis zur Ernte wird wohl
noch einiges passieren.
So wie das Gemüse wächst, wächst auch das Unkraut. Während ich oft stundenlang
im Garten arbeite und schwitze, wird im Karaoke nebenan gesungen und unsere
Nachbarn spielen den „halben“ Tag Bingo. Dabei kommt mir die Fabel von Jean de
la Fontaine „Die Grille und die Ameise“ in Sinn. Während die Ameise den ganzen
Sommer schuftete um Vorrat für den Winter zu machen, sang und tanzte die Grille.
Tja, die meisten Leute scheinen hier wirklich ein sorgenloses, unbekümmertes
Leben zu führen. Wenn ich daran denke wie ein Arbeiter bei uns in der Schweiz
den ganzen Tag „bügeln“ muss um seine Familie zu ernähren, dann haben die Leute
hier ein „Flohnerleben“. Wenn das Geld nicht reicht, wird von irgendwoher schon
geholfen. Und es gibt ja auch genügend Hilfswerke in Europa die für arme Leute
in der Dritten Welt sammeln…
    
Erste Erfolge: vlnr Ampalaya (Bittergurken), Pechay (Chinesischer Kohl), Okra
 Abendstimmung im MEG
    
Online
Seit Ende Januar bin ich mit meinem Laptop auch
wieder dem Internet angeschlossen. Dies ist eine grosse Erleichterung, musste
ich bisher immer nach Borongan (20 Km) fahren. Die kabellose Telefonverbindung
zur Globe-Antenne in Borongan ist allerdings sehr schwach, viel zu schwach um
mit Skype von PC zu PC gratis telefonieren zu können. Die maximale
Geschwindigkeit von 14,4 kBit/s reicht gerade um Mails zu empfangen und zu
verschicken, sowie Zeitungen und die Tagesschau anzuschauen. Sehr gut läuft
dagegen die Unterhaltung (chatten) mit Skype. Ich kann Kollegen und Freunden
daher nur raten, ladet doch dieses Programm herunter. Es kostet nichts, ist
nicht schwierig zu Installieren und ist absolut genial. Über Skype auf meine
philippinische Landlinie zu telefonieren kostet übrigens 26 Rappen die Minute!
Würde mich riesig freuen ab und zu einen Anruf aus der Schweiz zu erhalten.
 Dank dieser kleinen Globe-Antenne bin ich mit Internet verbunden
Was ist sonst noch geschehen?
Ach ja, für die Betroffenen des Taifuns vom
vergangenen Dezember hat die Regierung Ende Februar ein „Fresspäckli“ gespendet.
Dies zweieinhalb Monate nach dem Unwetter. So was nennt man rasche Hilfe! Auch
wir durften im Gemeindehaus ein Kilo Reis, eine Büchse Sardinen und ein
Maggi-Nudelsuppe abholen. Diese verspätete Aktion ist von der aktuellen
Regierung wohl eher geschickt als Wahlpropaganda benützt worden.
Es hat bei uns auch Nachwuchs gegeben. Vierlinge! Hündin Julan hat dafür
gesorgt. Nebst der zunehmenden Hundebevölkerung wird auch die Anzahl der
Bevölkerung (Stand Herbst 2006: 89, 468 Mio.) demnächst um einige Kinder reicher
werden. Unsere „halbe“ Nachbarschaft ist wieder schwanger. Mit gleicher
Geburtsrate von 1,8 % werden die Philippinen in fünf Jahren (2012) die Hundert
Millionen erreichen! „Not family planning but family planting“ ist ein Spruch,
der auf den Philippinen fast überall Heiterkeit hervorruft.
    
Unsere "Lumpenhunde"
MEG (Teil 3) - Juhui, es blüht!
    
vlnr: Okra, Gurke, Bittergurke
 Wasserspinat
    
Das erste Gemüse (Pechay) ist geerntet. Bald werden auch die ersten Bittergurken und Okra so weit sein
 Eine neue Plage bedroht den MEG: Heuschrecken fressen die Blätter des Zitronengrass!
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