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Mabuhay Nicht wesentlich anders als bei uns (MP 05 / 27.06.2007)


Aus den spärlichen Reaktionen zu schliessen, scheinen meine Berichte die Leser zu amüsieren und werden sogar als „Lese-Delikatesse“! bezeichnet (siehe Einträge in mein Gästebuch). Objektive Berichte über ein Land und dessen Einwohner zu verfassen ist keine einfache Sache. Es gibt auf den Philippinen verschiedene Völker mit unterschiedlichen Traditionen, Lebens- und Denkweisen. Die Philippinen sind ein grosses Land. Siebentausendeinhundert Inseln. Von Norden bis Süden erstreckt sich der Archipel über 1567 Kilometer und von Osten nach Westen 1045 Kilometer. Wenn ich mich in meinen bisherigen Berichten manchmal recht kritisch geäussert habe, möchte ich beim Leser aber kein negatives Bild über das Land erwecken. Ich beschreibe lediglich was ich selber hier bei den Warai-Warai (so heissen die Einwohner der Provinz Samar), in meinem Dorf, in meiner Umgebung, aus Sicht eines kritischen Schweizers der grossen Wert auf Ordnung, Exaktheit, Pünktlichkeit und Sauberkeit legt, sehe und erlebe. Ich stelle dabei fest, dass vieles eigentlich gar nicht so anders als bei uns zu Hause ist. Wir haben überhaupt keinen Grund uns besser oder gescheiter zu betrachten, im Gegenteil. Wenn ich von Kollegen höre, mit was für Problemchen die Politiker und die Leute in der Schweiz beschäftigt sind und was am Stammtisch so alles diskutiert wird, dann ist es unsere Gesellschaft nämlich die total am „verblöden“ ist.
Seit über einem Jahr lebe ich nun in meinem kleinen Dorf in der Provinz Eastern Samar. Die bisherige Erfahrung hat mir gezeigt, dass diese „armen“ Leute, so wie wir sie im Westen bezeichnen, vielmals halt auch aus Selbstverschulden arm sind und auch bleiben werden. Wohlverstanden, Ich meine damit nicht jene Leute die durch Naturkatastrophen zu Schaden gekommen sind. Es gibt Völker auf dieser Erde die wirklich unter sehr schwierigen Bedingungen leben müssen. Ich denke da an die Eskimos oder die Einwohner der Sahelzone oder die Sherpas auf über 4000 Meter. Aber hier wächst alles. Viele der Leute sind ganz einfach schlicht zu faul und auch zu wenig clever. Ich erlebe dies fast tagtäglich. Viele ihrer Probleme könnten sie auch leicht verhindern, würden sie etwas weiter als ihre Nase, und die ist ja schon kurz, denken. „Das ist halt unsere Lebensweise!“ kommt dann meisten als Antwort. Tja, dann ändert diese halt!. Viele der Leute sind in ihrer Evolution vom Affen zum Menschen noch etwas zurück und daher in ihrer Lebensweise rückständig geblieben. Von Leuten mit höherer Schulbildung, sog. Graduates, habe ich jedoch dafür kein Verständnis. Ich habe für die Bewohner auch kein Erbarmen mehr. In diesem Lande ist nämlich genügend Geld vorhanden um die Armut zu bekämpfen. Wussten Sie dass es in den Philippinen drei Dollar-Milliardäre gibt? Eines ist jedoch sicher. Die Leute hier in meinem Dorf, obwohl arm und ohne grosse Bildung, sind glücklich, fröhlich und sehr gastfreundlich. Dies ist wohl das wichtigste. Und die Philippinen würde ich als bestes Land der Welt bezeichnen, man muss nur auf der richtigen Seite stehen.

Ferien: 10 Tage ohne Reis

Nach fast einem halben Jahr Provinz, ist es Zeit wieder einmal etwas Abwechslung zu geniessen. Da Kollege Hans-Jörg so nett ist mir aus der Schweiz ein Paket meiner Schwester in die Philippinen mitzubringen (nochmals vielen Dank, gäu) benützen wir die Gelegenheit wieder mal das Sunset Garden in Angeles zu besuchen. Reisen in den Philippinen ist aber gar nicht billig. Vielmals ist die Anreise zum und die Rückreise vom Flughafen wegen unseres umfangreichen Gepäcks teurer als der Flug selbst. Wer jedoch von den regelmässigen Promos der Cebu Pacific Air profitiert und frühzeitig bucht, bezahlt für den einstündigen Flug von Tacloban nach Manila mit einem modernen Airbus A319 gerade Sfr 26.-! Um so näher das Ablugdatum rückt, umso ungelegener kommt uns die Abreise. Ausgerechnet jetzt wächst es im Garten wie verrückt. Ein bekanntes Problem vieler Hobby-Gärtner.
Es war angenehm wieder einmal die Kollegen am Stammtisch im Sunset zu treffen und eine Woche lang Käseschnitten, Cordon bleu, Piccata milanese sowie Käse- und Wurstsalat zu essen, aber sonst würde ich mich heute in Angeles langweilen. Ein Stadtleben mit Verkehr und Abgasen. Eigentlich schrecklich dort zu leben. Vom billigen Leben in der Provinz gewöhnt, fühlte ich mich zudem bei den täglichen hohen Kosten für Unterkunft und Essen auch nie richtig wohl. So war ich heilfroh nach zehn Tagen wieder zu Hause zurück zu sein. Wir haben den Aufenthalt in Angeles und Manila auch dazu benutzt einzukaufen. Im Haus sind bereits die ersten Reparaturen fällig. Vor allem das Sanitärmaterial ist billiger Mist aus China das nichts wert ist. Auf dem Textilmarkt in Baclaran (Manila) hat Jennifer im Hinblick auf den Schulbeginn und zur Erweiterung und Diversifizierung ihres Laden für über 20'000 Pesos Ware (Schuluniformen, Socken, Unterwäsche, BH’s, T-Shirts, Jeans, Blusen, Moskitonetze, Bettleintücher, Parfüms etc.) eingekauft (mehr darüber im Sari-Sari Bericht). Auch ich habe einige Delikatessen eingekauft: ein Kilo Greyerzerkäse, ein Pack Gerber-Fondue, Tommy Mayonnaise, Knorr Bratensauce, Hero Konfitüre, Munz Schokolade und geräucherter Speck. Kein Wunder haben wir am Flughafen mit 112 Kg eingecheckt!

Wahlen: 153 Tote – und dem sagen die friedlich?

Die Wahlkampagne ging offiziell um Mitternacht auf den Sonntag, 13. Mai zu ende. Ab diesem Datum war jegliche Form von Wahlkampagne und Wählerkauf verboten. Ha, Ha, das müssen ja sogar die Hühner lachen!
Die Wahlen verliefen generell friedlich, sagte Präsidentin Macapagal-Arroyo am Tage nach den Wahlen vom 14. Mai. Mindestens 153 Tote, alleine 10 am Wahltag, sowie 116 Verletzte gab es bisher zu verzeichnen. Und dem sagen die friedlich, kommentierte Neal H. Cruz im Philippine Daily Inquirer. Nicht eine einzige Person sollte bei friedlichen Wahlen zu schaden kommen, schrieb er in seiner Kolumne.
Wie zu erwarten war, wurde auch die diesjährige Wahl zu einer Farce. Es wurde betrogen was nur möglich war. Die Wahl wurde auch von einer Delegation der International Observers’ Mission (IOM), darunter auch ein Schweizer Vertreter, verfolgt. Ein Mitglied äusserste sich dabei, dass sie sich sicherer im kriegsumkämpften Afghanistan als in Mindanao fühlten! Diese Aussage hörte die Regierung Arroyo nicht gerne und prompt kam es zu einer scharfen Reaktion des Pressesprechers von Malacanang. Dem Bericht der IOM zu entnehmen, sei es logisch, dass die extreme Armut, die grosse Diskrepanz in Wohlstand und Einkommen, die weit verbreitete hohe Arbeitslosigkeit, das Vorhandensein von mächtigen Grundstückeigentümern (in vielen Haziendas diktiert der Gutsherr den Arbeiter wer zu wählen ist) für einen störenden Faktor sorgen um freie und faire Wahlen durchzuführen. Einschüchterungen und Belästigungen der Wählern, Unregelmässigkeiten und Manipulationen in Wahlresultaten, Abwesenheit von Comelec-Vertretern in Wahlbezirken, Einschüchterung von Wahlbeobachtern um diese von ihren Aufgaben zu verhindern, dies sind einige der Punkte welche von der Kommission erwähnt wurden. Tja, die liebe Demokratie! Das Wort „Demokratie“ ist wie das Wort „Liebe“: alle brauchen es, aber die Wenigsten wissen was es genau heisst. Demokratie hat auch seine Regeln, indem der Verlierer seine Niederlage zu akzeptieren hat. In den Philippinen und wohl anderswo ist dies aber nicht der Fall. Eine Niederlage einzugestehen ist für viele, vor allem von Mitgliedern traditioneller politischen Familienclans, ein Gesichtsverlust und daher undenkbar. Eine Niederlage bedeutet auch deren „Todesstoss“. Man muss wissen, dass die meisten Politiker so ein luxuriöses Leben führen, alleine mit ihrem Lohn könnten sie dies gar nicht finanzieren. Diese sind daher auf andere „Geschäfte“, um es so zu nennen, angewiesen. Verständlich, dass diese alles daran setzen nicht zu verlieren.
Währenddem die Comelec in den verschiedenen Provinzen, Städten und Dörfern nach und nach die Gewinner bekannt gibt, häufen sich landesweit die Wahlbeschwerden. „Viele der Beschwerden sind wohl in unserem Lande der Wahlbetrüger berechtigt“, schreibt eine Journalistin im Philippine STAR. „Diese Beschwerden müssen richtig dokumentiert werden, damit die Betrüger, insbesondere die verwickelten Politiker gefasst und bestraft werden können. Jeder Politiker der von Wahlbetrug profitiert hat, muss auf Lebzeiten für ein öffentliches Amt ausgeschlossen werden. Doch die meisten der Beschwerden kommen von schlechten Verlierern, die sich hartnäckig weigern die Niederlage anzuerkennen und damit die Auszählung und die Proklamation des Siegers verzögern. Ein Filipino Politiker der seine Niederlagen mit Anstand und Würde annimmt ist sehr selten. Wir haben viel zu viele Politiker, welche in ihrer Niederlage boshaft, hässig und kindisch werden. Einer der wichtigsten Gründe für das landesweite Versagen um Wahlbetrug zu stoppen, ist das Versagen die Schuldigen zu bestrafen“, schreibt sie weiter.
Die Nachwahlzeit ist für die gewählten Kandidaten beinahe so gefährlich wie im Wahlkampf. So geschehen in Taysan, Batangas, wo eine Schule niedergebrannt wurde um Wahlurnen zu verbrennen. Dabei kamen zwei Personen ums Leben. In Bacarra, Ilocos Norte, wurde der wieder gewählte Burgermeister einfach erschossen! Morddrohungen hat auch der neu gewählte Gouverneur von Pampanga, Fr. Eddie Panlilio erhalten.

Und wer hat gewonnen?

Bei den Wahlen ins Repräsentantenhaus konnte die Regierungskoalition einen deutlichen Sieg erringen. Bei den Senatswahlen ist man noch immer am zählen. Hier zeichnet sich ein klarer Sieg der Opposition ab. Die Kandidaten der GO (Genuine Opposition) belegen von den zwölf zu vergebenen Sitzen derzeit die Plätze 1 bis 8. Die Rangliste wird angeführt von Loren Legarda (siehe Foto der attraktiven Frau in meinem letzten Bericht).
Bei den Kommunalwahlen in Maydolong erklärte die Comelec den bisherigen Bürgermeister als Sieger. Es soll eine Mehrheit von etwa sechshundert Stimmen gehabt haben. Das genaue Ergebnis konnte ich nicht, noch nicht, ausfindig machen. Unsere Verwandte, Lucie Corrado, wurde wieder gewählt. Auch der Fidel Araba hat es mit 72 Jahren geschafft. Er ist der einzige Neue im Gemeinderat und ist dazu sehr stolz. Erstmals soll es kein Kandidat der Opposition geschafft haben. Auch der bisherige Gouverneur Evardone ist wieder gewählt.
Obwohl die Wahl nun schon bald einen Monat vorüber ist, hängen die Wahlplakate nach wie vor an den Hauswänden und Bäumen. Es wird vermutlich wieder ein Taifun brauchen damit die menschliche Verunreinigung gesäubert wird.

Popularität und Geld alleine genügt nicht mehr

Die grossen Erkenntnisse dieser Wahlen sind, dass Popularität und Geld alleine nicht mehr genügen um gewählt zu werden. Filmschauspieler und Sänger, von den Erfolgen der ehemaligen Filmschauspieler und späteren Präsidenten Joseph Estrada, sowie Präsidentschaftskandidat Fernando Joe Poe Junior ermutigt wurden in die Politik einzusteigen, sind allesamt erfolglos geblieben. Auch der derzeit populärste Filipino, WBC Super-Federgewichtsweltmeister Manny Pacquao, musste dies bitter erfahren, als er in South Cabato-General Santos City im Rennen um einen Kongresshaussitz von einer Frau, Darlene Antonio-Custodio geschlagen wurde. Zumindest hat dieser die Niederlage ohne zu meckern akzeptiert. Dass mit Geld nicht mehr alles möglich ist, hat ebenfalls Senatskandidat Prospero Pichay erfahren. Er liegt derzeit lediglich an 16. Stelle.
Erstmals wurde auch ein Priester als Gouverneur gewählt. Father Eddie Panlilio heisst der neue Gouverneur von Pampanga. Seine Wahl scheint allerdings nur die bessere Alternative zu den beiden anderen Kandidaten, Rodolfo „Bong“ Pineda und Sen. Manuel „Lito“ Lapid, zu sein, welche im Zusammenhang mit Diebstahl von öffentlichen Geldern und jahrzehntelangem illegalem Spielen (juenteng) in Zusammenhang gebracht werden. Father Eddie wird es jedoch nicht leicht haben. Infolge Morddrohungen wird er rund um die Uhr von fünf Polizisten geschützt. Zu seiner Sicherheit trägt er eine kugelsichere Veste und hält sich jeden Abend an einem unbekannten Ort auf.

Sind die philippinischen Wähler reifer geworden?

Wie die IOM in ihrem Bericht schon erwähnte, haben viele Leute, obwohl die Wahlen als demokratisch bezeichnet werden, keine freie Wahl. Sie wählen was ihnen befohlen wird. Dies trifft auch auf die zahlreichen religiösen Gruppierungen und Sekten zu. So auch die Mitglieder der Iglesia ni Cristo (1 Mio) oder der Sekte El-Shaddai (angeblich 6 Mio). Sind die philippinischen Wähler reifer geworden? Dies fragte die Zeitung „Philippine Star“ seine Leser. Ja und Nein. In einzelnen Provinzen und Städte gibt es Anzeichen dafür, weil die Wähler mehr auf die Qualifikation der Kandidaten als auf ihre Popularität achteten. Die Tatsache, dass landesweit noch so viele, für ein öffentliches Amt unfähige Kandidaten, gewählt wurden, zeugt eher vom Gegenteil, meinte ein Leser. „Anders als Schauspieler zu wählen, wählen sie nun auch noch Priester!“ schrieb ein anderer Leser. In den ländlichen Gebieten hat sich nicht viel geändert. Hier wird nach wie vor derjenige gewählt der bezahlt. Um dies zu ändern wüsste es wohl zuerst zu einer Moralrevolution kommen.
Auch wenn die Auszählung noch nicht ganz abgeschlossen ist, blickt man bereits auf die Präsidentschaftswahlen von 2010. Ausgezeichnete Chancen scheint dabei Loren Legarda (Opposition) zu haben. Viele Leute erinnern sich zu gut an die Wahl des Vize-Präsidenten von 2004, welche Legarda angeblich nur infolge Betrug der Gegenpartei verloren hat. Diese Ungerechtigkeit wird wohl dazuführen, dass noch mehr Leute für sie stimmen werden.

Seltsame Geldscheine

Doch kommen wir nochmals zu den hiesigen Gemeindewahlen zurück. Wenige Tage vor unserer Abreise hat uns Bürgermeister Baldono doch noch besucht. Ich habe dabei die Gelegenheit benützt mit ihm etwa über die lokale Politik und die Zukunft des Dorfes und der Provinz zu sprechen. Doch mit Politiker zu diskutieren ist etwa gleich sinnlos wie sich mit Priestern zu unterhalten. Die wissen immer alles besser und sind von ihrer Meinung besessen. Das Quartierfest mit der Beteiligung beider Bürgermeisterkandidaten war ein grosser Erfolg, auch für unser Sari-Sari. Wir schlossen morgens um 02.30 Uhr, Bier, Brandy und Gin waren ausverkauft!
Sehr gerne hätte ich die letzte Nacht vor den Wahlen in Maydolong verbracht. Denn da geht die „Post“ erst richtig ab. Striktes Verbot von Wählerkauf hin oder her. In den letzten Stunden vor der Eröffnung der Wahllokale werden von Wahlhelfern zig Millionen von Pesos verteilt. Dies wird von den Leuten hier auch erwartet. Für eine Familie kann dies einige Tausend Pesos ausmachen! Am Tage danach soll es in Borongan wie bei einem Jahrmarkt ausgesehen haben. Ein Kaufrausch. Auffallend auch bei den Einnahmen in unserem unserem Sari-Sari die vielen neuen 20er, 50er und 100er Scheine, darunter einige mit merkwürdigen Klebern mit der Aufschrift „YU“, DOLOY“, LIBANAN“, „SABULAO„…


Banknoten mit seltsamen Klebern...

Und wie wächst es im MEG?

Der MEG hat unsere Abwesenheit überlebt. Alles ist weiter gewachsen und die ersten Schlangenbohnen (sitaw) und Gurken (pepino) konnten geerntet werden. Die Kürbisse (calabasa) sind am Blühen. Gewachsen ist auch das Unkraut. Doch „jäten“ bei diesem schönen Gesang aus der Karaoke ist recht angenehm, ausser dass einem danach der Rücken schmerzt.
In der Abteilung „International“ gibt es leider weniger Erfreuliches zu berichten. Nüssler, Petersilie, Schnittlauch und Schnittsalat sind allesamt eingegangen. Die Tomaten wachsen prächtig und beginnen derzeit zu Blühen. Nach dem verwelken dörrt jedoch der Stiel aus und die Blüte fällt ab ohne eine Frucht zu bilden. Hat jemanden eine Idee weshalb dies passiert?


So sehen die "Gartentäter" aus


vlrn: Ampalaya (Bittergurken), Pepino (Gurken) und Bananenblume


Ernte der Schlangenbohnen (sitaw)


vlnr: Chinesischer Broccoli - Blüte der Kürbisse - Tomaten "Sierra F 1"

Sari-Sari: bald zu klein

Was man mit einem Sari-Sari verdient ist wohl etwas was niemand beantworten kann. Als Berater und Buchalter unseres Lädeli, ist dies das allererste was ich wissen wollte. Ich habe dazu zunächst die Preis- und Gewinnliste erstellt und während des Monats März den Verkauf erfasst. Ich weiss nun sehr genau an welchem Artikel wir was verdienen und wie viel der monatliche Bruttoertrag beträgt. Netto, mit Berücksichtigung des Stromanteils für den Kühlschrank sowie Abzug der Löhne und den verschiedenen fixen und variablen Kosten sowie Abschreibungen, bleibt nicht mehr viel übrig, auf jeden Fall nicht genug um davon Leben zu können. Mit einem monatlichen Umsatz um die 55'000 Pesos sind wir längst nicht mehr das Krämerlädeli, sondern ein richtiger Laden geworden, der zu den grösseren Sari-Saris des Quartiers zählt. Es ist jedoch in zweierlei Beziehungen ein spezieller Sari-Sari. Zum einen ist es derzeit noch ein subventionierter Betrieb (die Kosten werden von einem anderen Budget bezahlt, somit kann der gesamte Bruttogewinn für neue Waren investiert werden), zum anderen sind wir selber der beste Kunde. Längerfristig ist es jedoch das Ziel mit dem Verdienst Leben zu können. Dazu müssen wir den Umsatz verdoppeln. Vom Kundenpotential her wird dies in nächster Zeit kaum möglich sein. Seit der Übernahme im vergangenen August haben wir den Wert des Warenlagers verfünffacht. Um eine Grocery (mit Grossistenpreisen) zu werden, müssten wir Waren in grösseren Mengen einkaufen, was mehr Kapital und auch mehr Platz für das Lagern erfordert. So bleiben wir vorläufig ein Sari-Sari, bemüht unseren Kunden möglichst viele Produkte zum Grocerypreis anzubieten.
Der Erfolg unseres Ladens hat aber auch Neider. Der Nachbarsladen gleich schräg über die Strasse der bisher immer alles kopierte was wir machten, kann mit unserer Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Dies führt dann und wann zu dummem Geschwätz. Auch unsere Tante, die den Laden in den vergangenen Monaten eigentlich führte, wartete mit einer blöden Bemerkung auf, die zu einem Hauskrach führte. Seither arbeitet sie nicht mehr im Laden. Aus meiner Sicht gar keine so schlechte Sache. Regelmässig verärgerte sie in letzter Zeit Kunden mit ihrer schlechten Laune, die sich dann bei uns beschwerten. Mit ihrem Abgang musste Jennifer die volle Verantwortung übernehmen, was sich sehr positiv auswirkte. Seither bläst ein frischer Wind. Mit neuen Ideen und einem vergrösserten Angebot von Produkten (wir führen inzwischen bereits über 350 Artikel) läuft das Geschäft zur Zufriedenheit.


Aus dem Krämerlädeli ist längst ein Laden geworden

 
Sardinen, Milo, Nescafé und Schampoo


Ausbau des Ladens - Rechtzeitig zum Schulbeginn führen wir auch Schulmaterial

Alleine mit dem Verkauf von Reis, Tabakwaren, Alkohol und Biskuits werden wir die erhoffte Umsatzsteigerung nicht erreichen. Wir müssen daher Diversifizieren. Mit dem Geschäft der Textilwaren sind wir auf dem besten Wege dazu. Die Zeit nach den Wahlen war ein guter Zeitpunkt dafür, Weihnachten wird sicher auch nicht schlecht sein. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist es auch, die zeitlichen lokalen Bedürfnisse zu nutzen. Mitte August ist „Fiesta“, das Dorffest. Vielen Leute halten deswegen seit kurzem in den Hinterhöfen Kücken und Ferkel. Bis zur Fiesta werden die schön "fett" sein. Auch wir haben deren neunzehn Stück! Die fressen Futter was der Teufel hält. So verkaufen wir neu auch Hühner- und Schweinefutter. Electric Load (Guthaben für Händys) ist ein weiteres neues Geschäft. Die meisten Leute können sich keine Prepaid Karte für hundert Pesos leisten, sondern lassen sich fünfzehn oder zwanzig Pesos auf ihre Nummer gutschreiben. Gewinn für uns: 15%


Diversifizierung: Hühnerfutter, Händy-Load und Tabakblätter

Was verkaufen wir am meisten?

Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Mit dem NFA-Programm (NFA = National Food Autorithy) der Regierung Arroyo, wird den Leuten verbilligten Vietnam-Reis zu 18 Pesos das Kilo angeboten. Native-Reis kostet zum Vergleich ab 24 Pesos das Kilo. Jeden Monat verkaufen wir gegen eine Tonne NFA-Reis! Der Gewinn pro 50 Kg Sack ist nicht allzu gross, lediglich 45 Pesos. Sollte sich bewahrheiten, dass die Säcke wirklich weniger als fünfzig Kilos wiegen, dann ist es sogar ein Verlustgeschäft ohne dass es die Verkäufer wissen. Wir hoffen, dass dies nicht der Fall ist.
Ohne die Geschäftsgeheimnisse verraten zu wollen, könnten die Leute von mir aus noch viel mehr Zigaretten und Alkohol konsumieren… Ein gutes Geschäft ist ebenfalls der Verkauf von Öl, Soja-Sauce und Petrol, das wir in Kleinstmengen anbieten. Auch am Gemüse haben wir eine „schöne“ Marge. Ist es wohl deshalb so sündhaft teuer? Eine kleine Zwiebel der Grösse einer Kirsche kostet einen Peso! Auch der Knoblauch, Ginger, Tomaten und die kleinen Limonen „Kalamansi“ sind nicht billig. Und dennoch wird es gekauft. Am meisten verkaufen wir ansonsten Bonbons, Täfelis, Schökelis, Nüssli, Chips, Crackers und Biskuits. Sage und schreibe 6000! pro Monat. Es ist unwahrscheinlich was für Schleckmäuler die Kinder hier sind. Über den Nährwert brauchen wir ja nicht zu diskutieren.

Unser Verkauf (Analyse Monat März 2007)

Reis 1’000 Kg
Bier 11 Kisten
Mineral 12 Kisten
Alkohol 148 Flaschen
Zigaretten 10 Stangen
Biskuits 390 Packs
Süssigkeiten 6’000 Stück!
Snacks 85 Packs
Zucker 18 Kilos
Nudelsuppen 255 Päckli
Sardinen, Tuna etc. 266 Büchsen
Eier 185 Stück
Waschpulver 105 Sachets
Shampoo (12 ml) 125 Sachets
Tinapai (Brot) 600 Stück
Kaffee (2 mg) 70 Sachets
Milo (20 mg) 72 Sachets
Milchpulver (80 mg) 16 Sachets
Fruchtsaft (Pulver) 17 Sachets
Zahnpasta (10 ml) 23 Sachets
Pampers 18 Stück
Medizin 29 Tabletten
Petrol 10 Liter

Dazu eine grössere Menge von Öl, Essig und Soja-Sauce.


Alkohol und Zigaretten (trotz Warnung der Regierung) - ein gutes Geschäft


Die Kinder sind grosse Schleckmäuler

Grosse Gewinne gibt es nirgends, doch die Summierung vieler kleiner Gewinne ergibt am Schluss auch ein ansehnlicher Betrag. Obwohl im Sari-Sari die Preise um einige Pesos teurer sind als in der Grocery, kommen die Leute dennoch zu uns. Dies ist für mich erstaunlich, aber leicht erklärbar. Die Tatsache, dass der Filipino, auch wenn es sich nur um einige hundert Meter handelt nicht gerne läuft (Laufen tun nur die armen Leute) und für den Einkauf in der Grocery ein Podpod (Velorikscha) braucht, kommt uns zu Gute. Die Fahrt hin und zurück kostet nämlich sechs Pesos. So kommt man lieber um die Ecke zu uns und kauft die vier Pesos teuere Sardinenbüchse. Es geht schneller und diese ist noch immer zwei Peso billiger als wenn man sie in der Grocery gekauft hätte. Viele unserer Kunden haben nur gerade soviel Geld zur Verfügung um die Nahrung für die nächste Mahlzeit einzukaufen. Es wird daher alles in möglichst kleinen Mengen, für ein oder zwei Peso, gekauft. Dies gilt vor allem fürs Öl und Soja-Sauce. So was gibt es aber nur im Sari-Sari. Einen halben Liter Öl zu kaufen käme wesentlich billiger, doch siebenundvierzig Pesos auf einmal auszugeben, da reicht das Geld nicht. Handelt es sich jedoch um eine Flasche Brandy für 62 Pesos, dann ist dies eigenartigerweise kein Problem! In der Grocery wird in der Regel auch nichts auf Kredit verkauft.
Als Sari-Sari Berater lege ich grossen Wert darauf, dass die Kinder, auch wenn diese am Tag hundertmal im Laden erscheinen um ein Täfeli oder Biskuit für einen Peso zu kaufen, stets prompt und freundlich bedient werden. Diese Kinder sind unsere Kunden von Morgen. Einen ebenso grossen Wert lege ich darauf, dass ein Kunde nie wegen eines ausgegangenen Artikels zur Konkurrenz gehen muss. Dies kommt leider noch viel zu oft vor. Regelmässig gibt es Produkte die plötzlich während Tagen im ganzen Dorf, ja sogar in Borongan nicht mehr aufgetrieben werden können. Wie halt so üblich, wartet man mit dem Einkauf immer bis der Artikel ausgegangen ist. Mit etwas Schulung über Lagerbewirtschaftung, hoffe ich meine Leute dazu zu bringen dies zu ändern, wir können uns dadurch viel Ärger, Zeit um Umtriebe ersparen.


So sieht der Laden heute aus


Mini-Kleidermarkt


Das Kleiderlager

Unser Trike ist eine weitere Einnahmequelle die jedoch von der Fahrbereitschaft und der Tüchtigkeit des Fahrers abhängt. Der Transport von Passagieren von und nach Borongan – eine Wegstrecke von 20 Km kostet 20 Pesos - ergibt monatlich etwa 7000 Pesos. Diese Summe wird abzüglich der täglichen dreissig Pesos für Unterhalt zur Hälfte geteilt. 3100 Pesos Netto für den Fahrer, dies ist kein so schlechter Monatslohn. Dieser könnte meiner Ansicht nach aber leicht noch etwas höher ausfallen. Mit Gil haben wir jedoch einen zuverlässigen Fahrer, der Sorge zum Fahrzeug trägt und selber den Unterhalt und kleinere Reparaturen durchführen kann. Dies ist schlussendlich auch ein Pluspunkt. Für den Besitzer sieht die Rechnung aber etwas anders aus. Dieser muss die Summe von 130'000 Pesos für den Kauf zuerst einmal aufbringen. Bei einer Abschreibung auf sieben Jahre gerechnet, gehen monatlich alleine 1550 Pesos vom Gewinn weg. Mit dem regelmässigen Reifenwechsel, einer alle 4-5 Wochen, müssen wir, trotz Abzug für den Unterhalt, die Differenz aus eigener Tasche berappen. Braucht nur noch eine Reparatur dazu zu kommen und schon ist der ganze Monatsgewinn hin. Um ein Trike zu betreiben braucht es auch Bewilligungen und die kosten. Die jährlichen Taxen, Steuern, Franchisen und Versicherungen „fressen“ einen ganzen Monatsverdienst. Angesichts des finanziellen Risikos das wir als Eigentümer tragen, kommt der Fahrer dabei wesentlich besser weg. Für ihn ist es jedoch die Haupteinnahme, für uns lediglich eine Nebeneinnahme.

Kurzgeschichten aus dem Alltag

Für etwas mehr Einkommen zu sorgen als das tägliche Leben erfordert um für Notfälle vorzusorgen ist nicht üblich. Daran zu denken, dass etwas passieren könnte, Krankheit oder ein Unfall, so was macht man gar nicht und ist schlecht. Und doch, wie schnell kann etwas passieren? So geschehen während unserer Abwesenheit. Der Jüngste (dreijährig) unserer Haushaltshilfe ist unbeaufsichtigt beim Spielen bei Ebbe in eine „Badewanne“ gefallen und beinahe ertrunken. Er konnte im Spital von Borongan gerettet werden. Kosten: 5'000 Pesos. Da die Eltern nicht so viel Geld auftreiben konnten, wurde der Bub solange nicht nach Hause gelassen. Wer musste wieder aushelfen? Wir natürlich!

Es gibt in unserem Dorf zwar ein Family Planing Center das von den Frauen benützt wird, das Problem ist jedoch, dass die Männer es nicht besuchen. Eine unserer Tanten, die sich vor zwei Jahren durch die Explosion einer Gaslampe schwerste Verbrennungen an Hals, Schultern und Händen zuzog und seither den Kopf nicht mehr bewegen kann und von Schmerzen geplagt ist, wurde von ihrem Mann geschwängert. Die Frau, gegen die vierzig, mit bereits sechs Kindern, ist total verzweifelt. Nur schwer kann sie heute ihren Alltag bewältigen und nun das noch! Ein tragischer Fall. Es wird eines Tages soweit kommen, dass die Regierung gezwungen sein wird einzuschreiten und, wie damals in Indien, und die Zwangsvasektomie verordnen wird um das Problem der demographischen Entwicklung in den Griff zu bekommen. Papst hin oder her.

„Seisse“ oder „Eilanzak“ sind Wörter die ich ab und zu in unserem Familienkreis höre. Woher die das wohl haben? Dass meine Präsenz im Hause so viele Spuren hinterlässt, hätte ich nicht gedacht. Auch mein kleiner Hund nennen sie brav nach seinem Namen: „Lumpehund“.
Seitdem ich im Hause bin, pfeift vor allem für die Kinder ein anderer Wind. Nach dem Bezug des 2. Stocks schien es als ob eine Horde wilder Affen das Haus bezogen hätte. Tja, auch wenn westliche Einflüsse nicht immer positiv sind, es gibt gewisse Benimm- und Verhaltensregeln die gehören sich einfach. Wenn sie es jetzt nicht lernen werden sie es das leben lang nicht mehr lernen. Vielleicht werden die Kinder später einmal dafür dankbar sein. Das schwierige an der Kindererziehung sind die Eltern. Wenn schon diese keine Erziehung genossen haben, was kann man denn von den Kindern erwarten? Es ist wesentlich leichter meinen Hund „Lumpehund“ zu dressieren.

Wer die Steuern nicht bezahlt wird gebüsst. Dies ist auch hier so. Während einem Jahr hatte sich Jennifer überhaupt nicht darum gekümmert die Steuern für das Trike zu bezahlen. Prompt kam die Quittung mit einer saftigen Busse. Die Einnahmen von zwei Monaten gingen „z’flöte“! So was tut weh. Aber so ist es halt, wer sich nicht an Regeln hält, wird bestraft. Richtig so. Irgendwie schaffte sie es dann doch noch die Steuern ohne Busse nachzuzahlen. Nochmals Glück gehabt!

Zu einem schönen Haus gehören auch schöne Vorhänge. Pech hatten wir allerdings mit unserer Vorhangnäherin. Wie es so üblich ist, bezahlt man für den Auftrag eine Anzahlung damit überhaupt das Material gekauft werden kann. Die Vorhänge sind nach drei Monaten noch immer nicht fertig. Die gute Frau hat das Geld für etwas anderes gebraucht!

Seit kurzem bäckt eine der Nachbarsfrauen täglich Waffeln. Solche Initiativen unterstütze ich voll und ganz und bin daher auch regelmässiger Kunde. Schliesslich kauft sie das Mehl, das Backpulver, den Zucker und den Lebensmittelfarbstoff auch bei uns. Leider sind dies jedoch Einzelaktionen.

Momoy, von Beruf Fischer, bewirtschaftet etwas abseits der Küste auch noch ein kleines Stück Land. Der Verkauf des Gemüses bringt ihm eine willkommene Einnahme. Die Erde ist dort viel besser als im MEG, so haben wir ihm unsere Wassermelonensamen zum Anbau gegeben. Die Früchte verkauft man auf dem Markt für 50 Pesos. Die Melonen wuchsen prächtig und es schien ein gutes Geschäft zu werden. Leider wurde nichts daraus: sie wurden alle geklaut!

Ein verspätetes Ostergeschenk? Toledos Hühner scharren nach wie vor überall herum und fressen die Blätter meiner neu gesetzten Blumen. Regelmässig musste ich sie aus dem MEG jagen. Seither sie dort aber Eier legen, lass ich sie in Ruhe und geniesse die Spiegeleier.

„Back to school“ - Ein neues Schuljahr beginnt

Am Montag, den 4. Juni endete für 20 Millionen! Schulkinder die Sommerferien. Die Grundschule – Elementary school – ist gratis, die Eltern haben einzig einen jährlichen Beitrag von 115 Pesos inkl. Beitritt zu den Pfadfindern zu bezahlen. Dazu kommen die Kosten für die Schuluniformen (weisse Bluse/Hemd und dunkelblaues Jupe/Hosen), Schreibmaterial und Papier. „Da die Regierung für die Einrichtung der Schulen kein Geld zur Verfügung hat und wenn, dann dauert es eine Ewigkeit bis wir es erhalten, haben wir zur Selbsthilfe gegriffen“ erklärt der Rektor. Jede Klasse erarbeitet ein Projekt für eine dringende Anschaffung im neuen Schuljahr, welches dann durch die Eltern finanziert wird. Das können Vorhänge, WC, Ventilator, Wandtafel, Licht! oder sonst etwas sein. Die Grundschule (Grade 1 bis Grade 6) dauert sechs Jahre. Wer die Aufnahmeprüfung in die Highschool nicht schafft hat damit seine Schulausbildung beendet. 
Viel von der Elementary School halte ich bisher nicht. Wenn ich ab und zu mit „unseren“ beiden Kindern Schulmeister spiele und Erstklässlerfragen stelle, habe ich mich schon oft gefragt, ob die in der Schule überhaupt etwas lernen. Regelmässig fallen die Stunden aus und die Kinder werden nach Hause geschickt. Hausaufgaben? Was ist das? Noch nie habe ich die Kinder gesehen etwas auswendig lernen oder einen Aufsatz schreiben zu müssen! Dabei wäre es in diesem Alter doch so eminent wichtig das Gehirn zu entwickeln und die Hirnfunktionen zu trainieren. Böse Zungen von Ausländern die schon lange Zeit in den Philippinen leben, behaupten dass in diesen Köpfen nichts drin ist. So weit gehe ich noch nicht. Eins scheint mir aber klar. Mit einem solchem Lernprogramm kann es keine gescheiten Schüler geben. Eine gute Schulbindung ist die Zufunkt eines Landes. Doch gemäss Erziehungssekretär Jesli Lapus, fehlt es in den Philippinen an 80'000 Schulklassen landesweit. Gemäss Lapus herrscht auch ein akuter Mangel an Lehrern in den öffentlichen Schulen. Verständlich, dass die guten Lehrer lieber in den besser bezahlten Privatschulen unterrichten.
Aufgefallen ist mir, dass sich die Mädchen anscheinend in der Schule wesentlich mehr Mühe geben. Sie sprechen besser englisch als die Buben und wissen auch mehr. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Für einige Schüler, so auch unseren Sohn (12), hat mit dem neuen Schuljahr erstmals der Ernst des Lebens begonnen. Es gilt nämlich am Ende des Schuljahres die Aufnahmeprüfung in die Highschool zu bestehen. Mit den bisherigen durchschnittlichen Leistungen wird er dies wohl kaum schaffen. Als sich bei der Lehrerbesprechung noch herausstellte, dass er vielmals seine Aufgaben nicht machte und sogar die Schule schwänzte, gab es eine kleine „Gardinenpredigt“. Das „schöne“ Leben ist nun zu Ende und es wird von ihm eine klare Steigerung verlangt und erwartet. Erstmals in seinem noch jungen Leben werden die Weichen für seine Zukunft gestellt. Der Spreu wird vom Weizen getrennt. Verpasst er diese Chance, bleibt er sein Leben lang ein „Dubeli“ ohne Aussicht auf einen guten Job. Dies muss den Kindern und den Eltern immer wieder mit aller Deutlichkeit klar gemacht werden. Wenn sie dies nicht begreifen, nenne ich so was bereits ein Selbstverschulden. Auch wenn das Erreichen der Highschool noch keine Garantie auf einen Job bedeutet, bleibt wenigstens die Chance darauf bestehen. Ohne Highschool ist man aber garantiert weg vom Fenster. Wie kapital wichtig dies vor allem hier ist, in einem Lande in dem jährlich 1,8 Mio. Studenten! auf den Arbeitsmarkt kommen, scheinen sich viele Leute gar nicht bewusst zu sein. Bei dieser Anzahl von jungen Leuten haben nur die allerbesten eine Chance.


Bereit für den Schulanfang


Ein Klassenzimmer der Elementary school in Maydolong


Ein Tag geht in Maydolong zu Ende





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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com