Aus den
spärlichen Reaktionen zu schliessen, scheinen meine Berichte die Leser zu
amüsieren und werden sogar als „Lese-Delikatesse“! bezeichnet (siehe Einträge in
mein Gästebuch). Objektive Berichte über ein Land und dessen Einwohner zu
verfassen ist keine einfache Sache. Es gibt auf den Philippinen verschiedene
Völker mit unterschiedlichen Traditionen, Lebens- und Denkweisen. Die
Philippinen sind ein grosses Land. Siebentausendeinhundert Inseln. Von Norden
bis Süden erstreckt sich der Archipel über 1567 Kilometer und von Osten nach
Westen 1045 Kilometer. Wenn ich mich in meinen bisherigen Berichten manchmal
recht kritisch geäussert habe, möchte ich beim Leser aber kein negatives Bild
über das Land erwecken. Ich beschreibe lediglich was ich selber hier bei den
Warai-Warai (so heissen die Einwohner der Provinz Samar), in meinem Dorf, in
meiner Umgebung, aus Sicht eines kritischen Schweizers der grossen Wert auf
Ordnung, Exaktheit, Pünktlichkeit und Sauberkeit legt, sehe und erlebe. Ich
stelle dabei fest, dass vieles eigentlich gar nicht so anders als bei uns zu
Hause ist. Wir haben überhaupt keinen Grund uns besser oder gescheiter zu
betrachten, im Gegenteil. Wenn ich von Kollegen höre, mit was für Problemchen
die Politiker und die Leute in der Schweiz beschäftigt sind und was am
Stammtisch so alles diskutiert wird, dann ist es unsere Gesellschaft nämlich die total am „verblöden“ ist.
Seit über einem Jahr lebe ich nun in meinem kleinen Dorf in der Provinz Eastern
Samar. Die bisherige Erfahrung hat mir gezeigt, dass diese „armen“ Leute, so wie
wir sie im Westen bezeichnen, vielmals halt auch aus Selbstverschulden arm sind
und auch bleiben werden. Wohlverstanden, Ich meine damit nicht jene Leute die
durch Naturkatastrophen zu Schaden gekommen sind. Es gibt Völker auf dieser Erde die wirklich unter sehr
schwierigen Bedingungen leben müssen. Ich denke da an die Eskimos oder die
Einwohner der Sahelzone oder die Sherpas auf über 4000 Meter. Aber hier wächst
alles. Viele der Leute sind ganz einfach schlicht zu faul und auch zu
wenig clever. Ich erlebe dies fast tagtäglich. Viele ihrer Probleme könnten
sie auch leicht verhindern, würden sie etwas weiter als ihre Nase, und die ist ja
schon kurz, denken. „Das ist halt unsere Lebensweise!“ kommt dann meisten als
Antwort. Tja, dann ändert diese halt!. Viele der Leute sind in ihrer
Evolution vom Affen zum Menschen noch etwas zurück und daher in ihrer
Lebensweise rückständig geblieben. Von Leuten mit höherer Schulbildung, sog. Graduates,
habe ich jedoch dafür kein Verständnis. Ich habe für die Bewohner auch kein Erbarmen mehr. In diesem Lande ist nämlich
genügend Geld vorhanden um die Armut zu bekämpfen. Wussten Sie dass es in den
Philippinen drei Dollar-Milliardäre gibt? Eines ist jedoch sicher. Die Leute
hier in meinem Dorf, obwohl arm und ohne grosse Bildung, sind glücklich,
fröhlich und sehr gastfreundlich. Dies ist wohl das wichtigste. Und die
Philippinen würde ich als bestes Land der Welt bezeichnen, man muss nur auf der
richtigen Seite stehen.
Ferien: 10 Tage ohne Reis
Nach fast einem halben Jahr Provinz, ist es Zeit wieder einmal etwas Abwechslung
zu geniessen. Da Kollege Hans-Jörg so nett ist mir aus der Schweiz ein Paket
meiner Schwester in die Philippinen mitzubringen (nochmals vielen Dank, gäu)
benützen wir die Gelegenheit wieder mal das Sunset Garden in Angeles zu
besuchen. Reisen in den Philippinen ist aber gar nicht billig. Vielmals ist die
Anreise zum und die Rückreise vom Flughafen wegen unseres umfangreichen Gepäcks
teurer als der Flug selbst. Wer jedoch von den regelmässigen Promos der Cebu
Pacific Air profitiert und frühzeitig bucht, bezahlt für den einstündigen Flug
von Tacloban nach Manila mit einem modernen Airbus A319 gerade Sfr 26.-!
Um so näher das Ablugdatum rückt, umso ungelegener kommt uns die Abreise.
Ausgerechnet jetzt wächst es im Garten wie verrückt. Ein bekanntes Problem
vieler Hobby-Gärtner.
Es war angenehm wieder einmal die Kollegen am Stammtisch im Sunset zu treffen
und eine Woche lang Käseschnitten, Cordon bleu, Piccata milanese sowie Käse- und
Wurstsalat zu essen, aber sonst würde ich mich heute in Angeles langweilen. Ein
Stadtleben mit Verkehr und Abgasen. Eigentlich schrecklich dort zu leben. Vom
billigen Leben in der Provinz gewöhnt, fühlte ich mich zudem bei den täglichen
hohen Kosten für Unterkunft und Essen auch nie richtig wohl. So war ich heilfroh
nach zehn Tagen wieder zu Hause zurück zu sein. Wir haben den Aufenthalt in
Angeles und Manila auch dazu benutzt einzukaufen. Im Haus sind bereits die
ersten Reparaturen fällig. Vor allem das Sanitärmaterial ist billiger Mist aus
China das nichts wert ist. Auf dem Textilmarkt in Baclaran (Manila) hat Jennifer
im Hinblick auf den Schulbeginn und zur Erweiterung und Diversifizierung ihres
Laden für über 20'000 Pesos Ware (Schuluniformen, Socken, Unterwäsche, BH’s,
T-Shirts, Jeans, Blusen, Moskitonetze, Bettleintücher, Parfüms etc.) eingekauft
(mehr darüber im Sari-Sari Bericht). Auch ich habe einige Delikatessen
eingekauft: ein Kilo Greyerzerkäse, ein Pack Gerber-Fondue, Tommy Mayonnaise,
Knorr Bratensauce, Hero Konfitüre, Munz Schokolade und geräucherter Speck. Kein
Wunder haben wir am Flughafen mit 112 Kg eingecheckt!
Wahlen: 153 Tote – und dem sagen die friedlich?
Die Wahlkampagne ging offiziell um Mitternacht auf den Sonntag, 13. Mai zu ende.
Ab diesem Datum war jegliche Form von Wahlkampagne und Wählerkauf verboten. Ha,
Ha, das müssen ja sogar die Hühner lachen!
Die Wahlen verliefen generell friedlich, sagte Präsidentin Macapagal-Arroyo am
Tage nach den Wahlen vom 14. Mai. Mindestens 153 Tote, alleine 10 am Wahltag,
sowie 116 Verletzte gab es bisher zu verzeichnen. Und dem sagen die friedlich,
kommentierte Neal H. Cruz im Philippine Daily Inquirer. Nicht eine einzige
Person sollte bei friedlichen Wahlen zu schaden kommen, schrieb er in seiner
Kolumne.
Wie zu erwarten war, wurde auch die diesjährige Wahl zu einer Farce. Es wurde
betrogen was nur möglich war. Die Wahl wurde auch von einer Delegation der
International Observers’ Mission (IOM), darunter auch ein Schweizer Vertreter,
verfolgt. Ein Mitglied äusserste sich dabei, dass sie sich sicherer im
kriegsumkämpften Afghanistan als in Mindanao fühlten! Diese Aussage hörte die
Regierung Arroyo nicht gerne und prompt kam es zu einer scharfen Reaktion des
Pressesprechers von Malacanang. Dem Bericht der IOM zu entnehmen, sei es
logisch, dass die extreme Armut, die grosse Diskrepanz in Wohlstand und
Einkommen, die weit verbreitete hohe Arbeitslosigkeit, das Vorhandensein von
mächtigen Grundstückeigentümern (in vielen Haziendas diktiert der Gutsherr den
Arbeiter wer zu wählen ist) für einen störenden Faktor sorgen um freie und faire
Wahlen durchzuführen. Einschüchterungen und Belästigungen der Wählern,
Unregelmässigkeiten und Manipulationen in Wahlresultaten, Abwesenheit von Comelec-Vertretern in Wahlbezirken, Einschüchterung von Wahlbeobachtern um diese
von ihren Aufgaben zu verhindern, dies sind einige der Punkte welche von der
Kommission erwähnt wurden. Tja, die liebe Demokratie! Das Wort „Demokratie“ ist wie
das Wort „Liebe“: alle brauchen es, aber die Wenigsten wissen was es genau
heisst. Demokratie hat auch seine Regeln, indem der Verlierer seine
Niederlage zu akzeptieren hat. In den Philippinen und wohl anderswo ist dies
aber nicht der Fall. Eine Niederlage einzugestehen ist für viele, vor allem von
Mitgliedern traditioneller politischen Familienclans, ein Gesichtsverlust und
daher undenkbar. Eine Niederlage bedeutet auch deren „Todesstoss“. Man muss
wissen, dass die meisten Politiker so ein luxuriöses Leben führen, alleine mit
ihrem Lohn könnten sie dies gar nicht finanzieren. Diese sind daher auf andere
„Geschäfte“, um es so zu nennen, angewiesen. Verständlich, dass diese alles
daran setzen nicht zu verlieren.
Währenddem die Comelec in den verschiedenen Provinzen, Städten und Dörfern nach
und nach die Gewinner bekannt gibt, häufen sich landesweit die Wahlbeschwerden.
„Viele der Beschwerden sind wohl in unserem Lande der Wahlbetrüger berechtigt“,
schreibt eine Journalistin im Philippine STAR. „Diese Beschwerden müssen richtig
dokumentiert werden, damit die Betrüger, insbesondere die verwickelten Politiker
gefasst und bestraft werden können. Jeder Politiker der von Wahlbetrug
profitiert hat, muss auf Lebzeiten für ein öffentliches Amt ausgeschlossen
werden. Doch die meisten der Beschwerden kommen von schlechten Verlierern, die
sich hartnäckig weigern die Niederlage anzuerkennen und damit die Auszählung und
die Proklamation des Siegers verzögern. Ein Filipino Politiker der seine
Niederlagen mit Anstand und Würde annimmt ist sehr selten. Wir haben viel zu
viele Politiker, welche in ihrer Niederlage boshaft, hässig und kindisch werden.
Einer der wichtigsten Gründe für das landesweite Versagen um Wahlbetrug zu
stoppen, ist das Versagen die Schuldigen zu bestrafen“, schreibt sie weiter.
Die Nachwahlzeit ist für die gewählten Kandidaten beinahe so gefährlich wie im
Wahlkampf. So geschehen in Taysan, Batangas, wo eine Schule niedergebrannt wurde
um Wahlurnen zu verbrennen. Dabei kamen zwei Personen ums Leben. In Bacarra,
Ilocos Norte, wurde der wieder gewählte Burgermeister einfach erschossen!
Morddrohungen hat auch der neu gewählte Gouverneur von Pampanga, Fr. Eddie
Panlilio erhalten.
Und wer hat gewonnen?
Bei den Wahlen ins Repräsentantenhaus konnte die Regierungskoalition einen
deutlichen Sieg erringen. Bei den Senatswahlen ist man noch immer am zählen.
Hier zeichnet sich ein klarer Sieg der Opposition ab. Die Kandidaten der GO
(Genuine Opposition) belegen von den zwölf zu vergebenen Sitzen derzeit die
Plätze 1 bis 8. Die Rangliste wird angeführt von Loren Legarda (siehe Foto der
attraktiven Frau in meinem letzten Bericht).
Bei den Kommunalwahlen in Maydolong erklärte die Comelec den bisherigen
Bürgermeister als Sieger. Es soll eine Mehrheit von etwa sechshundert Stimmen
gehabt haben. Das genaue Ergebnis konnte ich nicht, noch nicht, ausfindig
machen. Unsere Verwandte, Lucie Corrado, wurde wieder gewählt. Auch der Fidel
Araba hat es mit 72 Jahren geschafft. Er ist der einzige Neue im Gemeinderat und
ist dazu sehr stolz. Erstmals soll es kein Kandidat der Opposition geschafft
haben. Auch der bisherige Gouverneur Evardone ist wieder gewählt.
Obwohl die Wahl nun schon bald einen Monat vorüber ist, hängen die Wahlplakate
nach wie vor an den Hauswänden und Bäumen. Es wird vermutlich wieder ein Taifun
brauchen damit die menschliche Verunreinigung gesäubert wird.
Popularität und Geld alleine genügt nicht mehr
Die grossen Erkenntnisse dieser Wahlen sind, dass Popularität und Geld alleine
nicht mehr genügen um gewählt zu werden. Filmschauspieler und Sänger, von den
Erfolgen der ehemaligen Filmschauspieler und späteren Präsidenten Joseph Estrada,
sowie Präsidentschaftskandidat Fernando Joe Poe Junior ermutigt wurden in die
Politik einzusteigen, sind allesamt erfolglos geblieben. Auch der derzeit
populärste Filipino, WBC Super-Federgewichtsweltmeister Manny Pacquao, musste
dies bitter erfahren, als er in South Cabato-General Santos City im Rennen um
einen Kongresshaussitz von einer Frau, Darlene Antonio-Custodio geschlagen
wurde. Zumindest hat dieser die Niederlage ohne zu meckern akzeptiert. Dass mit
Geld nicht mehr alles möglich ist, hat ebenfalls Senatskandidat Prospero Pichay
erfahren. Er liegt derzeit lediglich an 16. Stelle.
Erstmals wurde auch ein Priester als Gouverneur gewählt. Father Eddie Panlilio
heisst der neue Gouverneur von Pampanga. Seine Wahl scheint allerdings nur die
bessere Alternative zu den beiden anderen Kandidaten, Rodolfo „Bong“ Pineda und
Sen. Manuel „Lito“ Lapid, zu sein, welche im Zusammenhang mit Diebstahl von
öffentlichen Geldern und jahrzehntelangem illegalem Spielen (juenteng) in
Zusammenhang gebracht werden. Father Eddie wird es jedoch nicht leicht haben.
Infolge Morddrohungen wird er rund um die Uhr von fünf Polizisten geschützt. Zu
seiner Sicherheit trägt er eine kugelsichere Veste und hält sich jeden Abend an
einem unbekannten Ort auf.
Sind die philippinischen Wähler reifer geworden?
Wie die IOM in ihrem Bericht schon erwähnte, haben viele Leute, obwohl die
Wahlen als demokratisch bezeichnet werden, keine freie Wahl. Sie wählen was
ihnen befohlen wird. Dies trifft auch auf die zahlreichen religiösen
Gruppierungen und Sekten zu. So auch die Mitglieder der Iglesia ni Cristo (1 Mio)
oder der Sekte El-Shaddai (angeblich 6 Mio). Sind die philippinischen Wähler
reifer geworden? Dies fragte die Zeitung „Philippine Star“ seine Leser. Ja und
Nein. In einzelnen Provinzen und Städte gibt es Anzeichen dafür, weil die Wähler
mehr auf die Qualifikation der Kandidaten als auf ihre Popularität achteten. Die
Tatsache, dass landesweit noch so viele, für ein öffentliches Amt unfähige
Kandidaten, gewählt wurden, zeugt eher vom Gegenteil, meinte ein Leser. „Anders
als Schauspieler zu wählen, wählen sie nun auch noch Priester!“ schrieb ein
anderer Leser. In den ländlichen Gebieten hat sich nicht viel geändert. Hier
wird nach wie vor derjenige gewählt der bezahlt. Um dies zu ändern wüsste es
wohl zuerst zu einer Moralrevolution kommen.
Auch wenn die Auszählung noch nicht ganz abgeschlossen ist, blickt man bereits
auf die Präsidentschaftswahlen von 2010. Ausgezeichnete Chancen scheint dabei
Loren Legarda (Opposition) zu haben. Viele Leute erinnern sich zu gut an die
Wahl des Vize-Präsidenten von 2004, welche Legarda angeblich nur infolge Betrug
der Gegenpartei verloren hat. Diese Ungerechtigkeit wird wohl dazuführen, dass
noch mehr Leute für sie stimmen werden.
Seltsame Geldscheine
Doch kommen wir nochmals zu den hiesigen Gemeindewahlen zurück. Wenige Tage vor
unserer Abreise hat uns Bürgermeister Baldono doch noch besucht. Ich habe dabei
die Gelegenheit benützt mit ihm etwa über die lokale Politik und die Zukunft des
Dorfes und der Provinz zu sprechen. Doch mit Politiker zu diskutieren ist etwa
gleich sinnlos wie sich mit Priestern zu unterhalten. Die wissen immer alles
besser und sind von ihrer Meinung besessen. Das Quartierfest mit der Beteiligung
beider Bürgermeisterkandidaten war ein grosser Erfolg, auch für unser Sari-Sari.
Wir schlossen morgens um 02.30 Uhr, Bier, Brandy und Gin waren ausverkauft!
Sehr gerne hätte ich die letzte Nacht vor den Wahlen in Maydolong verbracht.
Denn da geht die „Post“ erst richtig ab. Striktes Verbot von Wählerkauf hin oder
her. In den letzten Stunden vor der Eröffnung der Wahllokale werden von
Wahlhelfern zig Millionen von Pesos verteilt. Dies wird von den Leuten hier auch
erwartet. Für eine Familie kann dies einige Tausend Pesos ausmachen! Am Tage
danach soll es in Borongan wie bei einem Jahrmarkt ausgesehen haben. Ein
Kaufrausch. Auffallend auch bei den Einnahmen in unserem unserem Sari-Sari die
vielen neuen 20er, 50er und 100er Scheine, darunter einige mit merkwürdigen
Klebern mit der Aufschrift „YU“, DOLOY“, LIBANAN“, „SABULAO„…
 Banknoten mit seltsamen Klebern...
Und wie wächst es im MEG?
Der MEG hat unsere Abwesenheit überlebt. Alles ist weiter gewachsen und die
ersten Schlangenbohnen (sitaw) und Gurken (pepino) konnten geerntet werden. Die
Kürbisse (calabasa) sind am Blühen. Gewachsen ist auch das Unkraut. Doch „jäten“
bei diesem schönen Gesang aus der Karaoke ist recht angenehm, ausser dass einem
danach der Rücken schmerzt.
In der Abteilung „International“ gibt es leider weniger Erfreuliches zu
berichten. Nüssler, Petersilie, Schnittlauch und Schnittsalat sind allesamt
eingegangen. Die Tomaten wachsen prächtig und beginnen derzeit zu Blühen. Nach
dem verwelken dörrt jedoch der Stiel aus und die Blüte fällt ab ohne eine Frucht
zu bilden. Hat jemanden eine Idee weshalb dies passiert?
 So sehen die "Gartentäter" aus
    
vlrn: Ampalaya (Bittergurken), Pepino (Gurken) und Bananenblume
    
Ernte der Schlangenbohnen (sitaw)
    
vlnr: Chinesischer Broccoli - Blüte der Kürbisse - Tomaten "Sierra F 1"
Sari-Sari: bald zu klein
Was man mit einem Sari-Sari verdient ist wohl etwas was niemand beantworten
kann. Als Berater und Buchalter unseres Lädeli, ist dies das allererste was ich
wissen wollte. Ich habe dazu zunächst die Preis- und Gewinnliste erstellt und
während des Monats März den Verkauf erfasst. Ich weiss nun sehr genau an welchem
Artikel wir was verdienen und wie viel der monatliche Bruttoertrag beträgt.
Netto, mit Berücksichtigung des Stromanteils für den Kühlschrank sowie Abzug der
Löhne und den verschiedenen fixen und variablen Kosten sowie Abschreibungen,
bleibt nicht mehr viel übrig, auf jeden Fall nicht genug um davon Leben zu
können. Mit einem monatlichen Umsatz um die 55'000 Pesos sind wir längst nicht
mehr das Krämerlädeli, sondern ein richtiger Laden geworden, der zu den
grösseren Sari-Saris des Quartiers zählt. Es ist jedoch in zweierlei Beziehungen
ein spezieller Sari-Sari. Zum einen ist es derzeit noch ein subventionierter
Betrieb (die Kosten werden von einem anderen Budget bezahlt, somit kann der
gesamte Bruttogewinn für neue Waren investiert werden), zum anderen sind wir
selber der beste Kunde. Längerfristig ist es jedoch das Ziel mit dem Verdienst
Leben zu können. Dazu müssen wir den Umsatz verdoppeln. Vom Kundenpotential her
wird dies in nächster Zeit kaum möglich sein. Seit der Übernahme im vergangenen
August haben wir den Wert des Warenlagers verfünffacht. Um eine Grocery (mit
Grossistenpreisen) zu werden, müssten wir Waren in grösseren Mengen einkaufen,
was mehr Kapital und auch mehr Platz für das Lagern erfordert. So bleiben wir
vorläufig ein Sari-Sari, bemüht unseren Kunden möglichst viele Produkte zum
Grocerypreis anzubieten.
Der Erfolg unseres Ladens hat aber auch Neider. Der Nachbarsladen gleich schräg
über die Strasse der bisher immer alles kopierte was wir machten, kann mit
unserer Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Dies führt dann und wann zu
dummem Geschwätz. Auch unsere Tante, die den Laden in den vergangenen Monaten
eigentlich führte, wartete mit einer blöden Bemerkung auf, die zu einem
Hauskrach führte. Seither arbeitet sie nicht mehr im Laden. Aus meiner Sicht gar
keine so schlechte Sache. Regelmässig verärgerte sie in letzter Zeit Kunden mit
ihrer schlechten Laune, die sich dann bei uns beschwerten. Mit ihrem Abgang
musste Jennifer die volle Verantwortung übernehmen, was sich sehr positiv
auswirkte. Seither bläst ein frischer Wind. Mit neuen Ideen und einem
vergrösserten Angebot von Produkten (wir führen inzwischen bereits über 350 Artikel)
läuft das Geschäft zur Zufriedenheit.
    
Aus dem Krämerlädeli ist längst ein Laden geworden
   
Sardinen, Milo, Nescafé und Schampoo
    
Ausbau des Ladens - Rechtzeitig zum Schulbeginn führen wir auch Schulmaterial
Alleine mit dem Verkauf von Reis, Tabakwaren, Alkohol und Biskuits werden wir
die erhoffte Umsatzsteigerung nicht erreichen. Wir müssen daher
Diversifizieren. Mit dem Geschäft der Textilwaren sind wir auf dem besten Wege
dazu. Die Zeit nach den Wahlen war ein guter Zeitpunkt dafür, Weihnachten wird
sicher auch nicht schlecht sein. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist es auch, die
zeitlichen lokalen Bedürfnisse zu nutzen. Mitte August ist „Fiesta“, das
Dorffest. Vielen Leute halten deswegen seit kurzem in den Hinterhöfen Kücken und
Ferkel. Bis zur Fiesta werden die schön "fett" sein. Auch wir haben deren neunzehn
Stück! Die fressen Futter was der Teufel hält. So verkaufen wir neu auch Hühner-
und Schweinefutter. Electric Load (Guthaben für Händys) ist ein weiteres neues
Geschäft. Die meisten Leute können sich keine Prepaid Karte für hundert Pesos
leisten, sondern lassen sich fünfzehn oder zwanzig Pesos auf ihre Nummer gutschreiben.
Gewinn für uns: 15%
    
Diversifizierung: Hühnerfutter, Händy-Load und Tabakblätter
Was verkaufen wir am meisten?
Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Mit dem NFA-Programm (NFA = National Food
Autorithy) der Regierung Arroyo, wird den Leuten verbilligten Vietnam-Reis zu 18
Pesos das Kilo angeboten. Native-Reis kostet zum Vergleich ab 24 Pesos das Kilo. Jeden Monat verkaufen wir gegen eine Tonne
NFA-Reis! Der
Gewinn pro 50 Kg Sack ist nicht allzu gross, lediglich 45 Pesos. Sollte sich
bewahrheiten, dass die Säcke wirklich weniger als fünfzig Kilos wiegen, dann ist es sogar
ein Verlustgeschäft ohne dass es die Verkäufer wissen. Wir hoffen, dass dies
nicht der Fall ist.
Ohne die Geschäftsgeheimnisse verraten zu wollen, könnten die Leute von mir aus
noch viel mehr Zigaretten und Alkohol konsumieren… Ein gutes Geschäft ist
ebenfalls der Verkauf von Öl, Soja-Sauce und Petrol, das wir in Kleinstmengen
anbieten. Auch am Gemüse haben wir eine „schöne“ Marge. Ist es wohl deshalb so
sündhaft teuer? Eine kleine Zwiebel der Grösse einer Kirsche kostet einen Peso!
Auch der Knoblauch, Ginger, Tomaten und die kleinen Limonen „Kalamansi“ sind
nicht billig. Und dennoch wird es gekauft.
Am meisten verkaufen wir ansonsten Bonbons, Täfelis, Schökelis, Nüssli, Chips,
Crackers und Biskuits. Sage und schreibe 6000! pro Monat. Es ist
unwahrscheinlich was für Schleckmäuler die Kinder hier sind. Über den Nährwert
brauchen wir ja nicht zu diskutieren.
Unser Verkauf (Analyse Monat März 2007)
| Reis |
1’000 Kg |
| Bier |
11 Kisten |
| Mineral |
12 Kisten |
| Alkohol |
148 Flaschen |
| Zigaretten |
10 Stangen |
| Biskuits |
390 Packs |
| Süssigkeiten |
6’000 Stück! |
| Snacks |
85 Packs |
| Zucker |
18 Kilos |
| Nudelsuppen |
255 Päckli |
| Sardinen, Tuna etc. |
266 Büchsen |
| Eier |
185 Stück |
| Waschpulver |
105 Sachets |
| Shampoo (12 ml) |
125 Sachets |
| Tinapai (Brot) |
600 Stück |
| Kaffee (2 mg) |
70 Sachets |
| Milo (20 mg) |
72 Sachets |
| Milchpulver (80 mg) |
16 Sachets |
| Fruchtsaft (Pulver) |
17 Sachets |
| Zahnpasta (10 ml) |
23 Sachets |
| Pampers |
18 Stück |
| Medizin |
29 Tabletten |
| Petrol |
10 Liter |
Dazu eine grössere Menge von Öl, Essig und Soja-Sauce.
    
Alkohol und Zigaretten (trotz Warnung der Regierung) - ein gutes Geschäft
 Die Kinder sind grosse Schleckmäuler
Grosse Gewinne gibt es nirgends, doch die Summierung vieler kleiner Gewinne ergibt am
Schluss auch ein ansehnlicher Betrag. Obwohl im Sari-Sari die Preise um einige
Pesos teurer sind als in der Grocery, kommen die Leute dennoch zu uns. Dies ist
für mich erstaunlich, aber leicht erklärbar. Die Tatsache, dass der Filipino,
auch wenn es sich nur um einige hundert Meter handelt nicht gerne läuft (Laufen
tun nur die armen Leute) und für den Einkauf in der Grocery ein Podpod
(Velorikscha) braucht, kommt uns zu Gute. Die Fahrt hin und zurück kostet
nämlich sechs Pesos. So kommt man lieber um die Ecke zu uns und kauft die vier
Pesos teuere Sardinenbüchse. Es geht schneller und diese ist noch immer zwei
Peso billiger als wenn man sie in der Grocery gekauft hätte. Viele unserer
Kunden haben nur gerade soviel Geld zur Verfügung um die Nahrung für die nächste
Mahlzeit einzukaufen. Es wird daher alles in möglichst kleinen Mengen, für ein
oder zwei Peso, gekauft. Dies gilt vor allem fürs Öl und Soja-Sauce. So was gibt
es aber nur im Sari-Sari. Einen halben Liter Öl zu kaufen käme wesentlich
billiger, doch siebenundvierzig Pesos auf einmal auszugeben, da reicht das Geld
nicht. Handelt es sich jedoch um eine Flasche Brandy für 62 Pesos, dann ist dies
eigenartigerweise kein Problem! In der Grocery wird in der Regel auch nichts auf
Kredit verkauft.
Als Sari-Sari Berater lege ich grossen Wert darauf, dass die Kinder, auch wenn
diese am Tag hundertmal im Laden erscheinen um ein Täfeli oder Biskuit für einen
Peso zu kaufen, stets prompt und freundlich bedient werden. Diese Kinder sind
unsere Kunden von Morgen. Einen ebenso grossen Wert lege ich darauf, dass ein
Kunde nie wegen eines ausgegangenen Artikels zur Konkurrenz gehen muss. Dies
kommt leider noch viel zu oft vor. Regelmässig gibt es Produkte die plötzlich
während Tagen im ganzen Dorf, ja sogar in Borongan nicht mehr aufgetrieben
werden können. Wie halt so üblich, wartet man mit dem Einkauf immer bis der
Artikel ausgegangen ist. Mit etwas Schulung über Lagerbewirtschaftung, hoffe ich
meine Leute dazu zu bringen dies zu ändern, wir können uns dadurch viel Ärger,
Zeit um Umtriebe ersparen.
 So sieht der Laden heute aus
    
Mini-Kleidermarkt
    
Das Kleiderlager
Unser Trike
ist eine weitere Einnahmequelle die jedoch von der Fahrbereitschaft und der Tüchtigkeit
des Fahrers abhängt. Der Transport von Passagieren von und nach Borongan – eine
Wegstrecke von 20 Km kostet 20 Pesos - ergibt monatlich etwa 7000 Pesos. Diese
Summe wird abzüglich der täglichen dreissig Pesos für Unterhalt zur Hälfte
geteilt. 3100 Pesos Netto für den Fahrer, dies ist kein so schlechter Monatslohn.
Dieser könnte meiner Ansicht nach aber leicht noch etwas höher ausfallen. Mit
Gil haben wir jedoch einen zuverlässigen Fahrer, der Sorge zum Fahrzeug trägt
und selber den Unterhalt und kleinere Reparaturen durchführen kann. Dies ist
schlussendlich auch ein Pluspunkt. Für den Besitzer sieht die Rechnung aber etwas
anders aus. Dieser muss die Summe von 130'000 Pesos für den Kauf zuerst einmal
aufbringen. Bei einer Abschreibung auf sieben Jahre gerechnet, gehen monatlich
alleine 1550 Pesos vom Gewinn weg. Mit dem regelmässigen Reifenwechsel, einer
alle 4-5 Wochen, müssen wir, trotz Abzug für den Unterhalt, die Differenz aus
eigener Tasche berappen. Braucht nur noch eine Reparatur dazu zu kommen und
schon ist der ganze Monatsgewinn hin. Um ein Trike zu betreiben braucht es auch
Bewilligungen und die kosten. Die jährlichen Taxen, Steuern, Franchisen und
Versicherungen „fressen“ einen ganzen Monatsverdienst. Angesichts des
finanziellen Risikos das wir als Eigentümer tragen, kommt der Fahrer dabei
wesentlich besser weg. Für ihn ist es jedoch die Haupteinnahme, für uns
lediglich eine Nebeneinnahme.
Kurzgeschichten aus dem Alltag
Für etwas mehr Einkommen zu sorgen als das tägliche Leben erfordert um für
Notfälle vorzusorgen ist nicht üblich. Daran zu denken, dass etwas passieren
könnte, Krankheit oder ein Unfall, so was macht man gar nicht und ist schlecht.
Und doch, wie schnell kann etwas passieren? So geschehen während unserer
Abwesenheit. Der Jüngste (dreijährig) unserer Haushaltshilfe ist unbeaufsichtigt
beim Spielen bei Ebbe in eine „Badewanne“ gefallen und beinahe ertrunken. Er
konnte im Spital von Borongan gerettet werden. Kosten: 5'000 Pesos. Da die
Eltern nicht so viel Geld auftreiben konnten, wurde der Bub solange nicht nach
Hause gelassen. Wer musste wieder aushelfen? Wir natürlich!
Es gibt in unserem Dorf zwar ein Family Planing Center das von den Frauen
benützt wird, das Problem ist jedoch, dass die Männer es nicht besuchen. Eine
unserer Tanten, die sich vor zwei Jahren durch die Explosion einer Gaslampe
schwerste Verbrennungen an Hals, Schultern und Händen zuzog und seither den Kopf
nicht mehr bewegen kann und von Schmerzen geplagt ist, wurde von ihrem Mann
geschwängert. Die Frau, gegen die vierzig, mit bereits sechs Kindern, ist total
verzweifelt. Nur schwer kann sie heute ihren Alltag bewältigen und nun das noch!
Ein tragischer Fall. Es wird eines Tages soweit kommen, dass die Regierung
gezwungen sein wird einzuschreiten und, wie damals in Indien, und die
Zwangsvasektomie verordnen wird um das Problem der demographischen Entwicklung
in den Griff zu bekommen. Papst hin oder her.
„Seisse“ oder „Eilanzak“ sind Wörter die ich ab und zu in unserem Familienkreis
höre. Woher die das wohl haben? Dass meine Präsenz im Hause so viele Spuren
hinterlässt, hätte ich nicht gedacht. Auch mein kleiner Hund nennen sie brav
nach seinem Namen: „Lumpehund“.
Seitdem ich im Hause bin, pfeift vor allem für die Kinder ein anderer Wind. Nach
dem Bezug des 2. Stocks schien es als ob eine Horde wilder Affen das Haus
bezogen hätte. Tja, auch wenn westliche Einflüsse nicht immer positiv sind, es
gibt gewisse Benimm- und Verhaltensregeln die gehören sich einfach. Wenn sie es
jetzt nicht lernen werden sie es das leben lang nicht mehr lernen. Vielleicht
werden die Kinder später einmal dafür dankbar sein. Das schwierige an der
Kindererziehung sind die Eltern. Wenn schon diese keine Erziehung genossen
haben, was kann man denn von den Kindern erwarten? Es ist wesentlich leichter meinen Hund „Lumpehund“ zu
dressieren.
Wer die Steuern nicht bezahlt wird gebüsst. Dies ist auch hier so. Während einem
Jahr hatte sich Jennifer überhaupt nicht darum gekümmert die Steuern für das
Trike zu bezahlen. Prompt kam die Quittung mit einer saftigen Busse. Die
Einnahmen von zwei Monaten gingen „z’flöte“! So was tut weh. Aber so ist es
halt, wer sich nicht an Regeln hält, wird bestraft. Richtig so. Irgendwie
schaffte sie es dann doch noch die Steuern ohne Busse nachzuzahlen. Nochmals
Glück gehabt!
Zu einem schönen Haus gehören auch schöne Vorhänge.
Pech hatten wir allerdings mit unserer Vorhangnäherin. Wie es so üblich ist, bezahlt man
für den Auftrag eine Anzahlung damit überhaupt das Material gekauft werden kann.
Die Vorhänge sind nach drei Monaten noch immer nicht fertig. Die gute Frau hat
das Geld für etwas anderes gebraucht!
Seit kurzem bäckt eine der Nachbarsfrauen täglich Waffeln. Solche Initiativen
unterstütze ich voll und ganz und bin daher auch regelmässiger Kunde.
Schliesslich kauft sie das Mehl, das Backpulver, den Zucker und den
Lebensmittelfarbstoff auch bei uns. Leider sind dies jedoch Einzelaktionen.
Momoy, von Beruf Fischer, bewirtschaftet etwas abseits der Küste auch noch ein
kleines Stück Land. Der Verkauf des Gemüses bringt ihm eine willkommene
Einnahme. Die Erde ist dort viel besser als im MEG, so haben wir ihm unsere
Wassermelonensamen zum Anbau gegeben. Die Früchte verkauft man auf dem Markt für
50 Pesos. Die Melonen wuchsen prächtig und es schien ein gutes Geschäft zu
werden. Leider wurde nichts daraus: sie wurden alle geklaut!
Ein verspätetes Ostergeschenk? Toledos Hühner scharren nach wie vor überall herum und fressen die Blätter meiner
neu gesetzten Blumen. Regelmässig musste ich sie aus dem MEG jagen. Seither
sie dort aber Eier legen, lass ich sie in Ruhe und geniesse die Spiegeleier.
„Back to school“ - Ein neues Schuljahr beginnt
Am Montag, den 4. Juni endete für 20 Millionen! Schulkinder die Sommerferien.
Die Grundschule – Elementary school – ist gratis, die Eltern haben einzig einen
jährlichen Beitrag von 115 Pesos inkl. Beitritt zu den Pfadfindern zu bezahlen. Dazu kommen die Kosten für die
Schuluniformen (weisse Bluse/Hemd und dunkelblaues Jupe/Hosen), Schreibmaterial
und Papier. „Da die Regierung für die Einrichtung der Schulen kein Geld zur
Verfügung hat und
wenn, dann dauert es eine Ewigkeit bis wir es erhalten, haben wir zur
Selbsthilfe gegriffen“ erklärt der Rektor. Jede Klasse erarbeitet ein Projekt
für eine dringende Anschaffung im neuen Schuljahr, welches dann durch die Eltern finanziert wird. Das
können Vorhänge, WC, Ventilator, Wandtafel, Licht! oder sonst etwas sein. Die
Grundschule (Grade 1 bis Grade 6) dauert sechs Jahre. Wer die Aufnahmeprüfung in
die Highschool nicht schafft hat damit seine Schulausbildung beendet.
Viel von der Elementary School halte ich bisher nicht. Wenn ich ab und zu mit
„unseren“ beiden Kindern Schulmeister spiele und Erstklässlerfragen stelle, habe
ich mich schon oft gefragt, ob die in der Schule überhaupt etwas lernen.
Regelmässig fallen die Stunden aus und die Kinder werden nach Hause geschickt.
Hausaufgaben? Was ist das? Noch nie habe ich die Kinder gesehen etwas auswendig
lernen oder einen Aufsatz schreiben zu müssen! Dabei wäre es in diesem Alter
doch so eminent wichtig das Gehirn zu entwickeln und die Hirnfunktionen zu
trainieren. Böse Zungen von Ausländern die schon lange Zeit in den Philippinen
leben, behaupten dass in diesen Köpfen nichts drin ist. So weit gehe ich noch
nicht. Eins scheint mir aber
klar. Mit einem solchem Lernprogramm kann es keine gescheiten Schüler geben.
Eine gute Schulbindung ist die Zufunkt eines Landes. Doch gemäss
Erziehungssekretär Jesli Lapus, fehlt es in den Philippinen an 80'000
Schulklassen landesweit. Gemäss Lapus herrscht auch ein akuter Mangel an Lehrern
in den öffentlichen Schulen. Verständlich, dass die guten Lehrer lieber in den
besser bezahlten Privatschulen unterrichten.
Aufgefallen ist mir, dass sich die Mädchen anscheinend in der Schule wesentlich
mehr Mühe geben. Sie sprechen besser englisch als die Buben und wissen auch
mehr. Ausnahmen gibt es natürlich immer.
Für einige Schüler, so auch unseren Sohn (12), hat mit dem neuen Schuljahr
erstmals der Ernst des Lebens begonnen. Es gilt nämlich am Ende des Schuljahres
die Aufnahmeprüfung in die Highschool zu bestehen. Mit den bisherigen
durchschnittlichen Leistungen wird er dies wohl kaum schaffen. Als sich bei der
Lehrerbesprechung noch herausstellte, dass er vielmals seine Aufgaben nicht
machte und sogar die Schule schwänzte, gab es eine kleine „Gardinenpredigt“. Das
„schöne“ Leben ist nun zu Ende und es wird von ihm eine klare Steigerung
verlangt und erwartet. Erstmals in seinem noch jungen Leben werden die Weichen
für seine Zukunft gestellt. Der Spreu wird vom Weizen getrennt. Verpasst er
diese Chance, bleibt er sein Leben lang ein „Dubeli“ ohne Aussicht auf einen
guten Job. Dies muss den Kindern und den Eltern immer wieder mit aller
Deutlichkeit klar gemacht werden. Wenn sie dies nicht begreifen, nenne ich so was
bereits ein Selbstverschulden. Auch wenn das Erreichen der Highschool noch keine
Garantie auf einen Job bedeutet, bleibt wenigstens die Chance darauf bestehen.
Ohne Highschool ist man aber garantiert weg vom Fenster. Wie kapital wichtig
dies vor allem hier ist, in einem Lande in dem jährlich 1,8 Mio. Studenten! auf
den Arbeitsmarkt kommen, scheinen sich viele Leute gar nicht bewusst zu sein.
Bei dieser Anzahl von jungen Leuten haben nur die allerbesten eine Chance.
    
Bereit für den Schulanfang

  
Ein Klassenzimmer der Elementary school in Maydolong
    
Ein Tag geht in Maydolong zu Ende

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