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Entwicklungshilfe: wem hilfts?
Ist Entwicklungshilfe überhaupt notwendig? Die
betroffenen Organisationen sowie die Entwicklungshelfer selber werden ganz klar
sagen, ja natürlich! Oft habe ich darüber mit meinem englischen Nachbar, Andy,
diskutiert. Er hat hier einige lokale Projekte, u.a. auch das von der EU
finanzierte Projekt der Coastal Resource Management
geleitet und weiss wovon er spricht. Projekte kosten viel Geld, schon nur deren
Evaluierung. Diese werden von Experten geplant, und diese arbeiten nicht für ein
Butterbrot. Das Resultat? Wenig wie nichts! Drei Beispiele in Maydolong: da
wurden zur Durchführung von Seminaren zwei Gebäude erstellt. Die Häuser sind
unbenützt und stehen heute leer da. Auch das Projekt der Krabbenfarm hat
"Schiffbruch" erlitten. Zig Hunderttausend Pesos zum Teufel.

Drei Projekte der Entwicklungshilfe in unserem Dorf - Drei Projekte für die "Katze"?
Ich will nicht behaupten, dass alle Hilfsprojekte nutzlos sind. Ich glaube
sogar, dass kleine, von privaten Leuten geführte Projekte ihren Zweck durchaus
erfüllen. Immer mehr komme ich jedoch zur Überzeugung, dass die staatlichen und
grossen bekannten Hilfswerke mit ihrer vorgegebener Aktivität in erster Linie
selber davon profitieren. Wird der Öffentlichkeit nicht einfach etwas
vorgegaukelt damit Budgets genehmigt werden und Spenden eingehen? Denn
schlussendlich geht es ja um die Selbsterhaltung von sehr gut bezahlten Jobs.
Und man sägt ja bekanntlich nicht an seinem eigenen Ast! Dass die Schweizer
zudem noch ein gutes Herz haben und sehr spendefreudig sind, davon profitieren
primär die karikativen Institutionen. Mit ihrem erbarmenserweckenden
Spendeaufrufen gelingt es ihnen sogar noch ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit
zu rechtfertigen. Verschwiegen wird jedoch, dass In jedem Land, auch im ärmsten,
genug Geld vorhanden wäre um Projekte zu finanzieren und der eigenen Bevölkerung
so zu helfen. Je mehr ich in der Welt
herumreise desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass diese Spendenaufrufe gar
nicht nötig sind. Sollen die Herren Staatspräsidenten, Minister und Politiker der
betreffenden Länder das Geld für den Aufbau ihres Landes benützen statt die
Staatskasse zu plündern um sich selbst zu bereichern.
Wenn es eine Hilfe gibt die ich als effizient betrachte und unterstütze, dann
die Einsätze des Schweizerischen Katastrophen Hilfskorps. Mit dieser Soforthilfe
können Menschenleben gerettet werden. Aktionen aber, wie diejenige der
Glückskette und anderer Organisationen für die Tsunamiopfer, so schrecklich diese Naturkatastrophe war,
bringen schlichtweg nichts. Was nützen die gesammelten 10 Mio. Schweizer Franken der Tsunamispende, wenn
die Leute Stunden nach einer solchen Katastrophe dringend Hilfe benötigt? Nach unserem Taifun vom letzten Dezember
kann ich mir besser vorstellen was es heisst von der Umwelt abgeschnitten, ohne
Trinkwasser und ohne medizinische Versorgung zu sein. Vielleicht werden
den vom Tsunami betroffenen Leute wie bei uns, auch ein halbes Jahr später zwei
Kilo Reis und eine Büchse Sardinen verteilt! Ganz abgesehen davon, dass Länder
wie Thailand so reich sind, dass diese unser Geld für den Wiederaufbau gar nicht
benötigen. Da werden einerseits die Kinder des abgesetzten thailändischen Premierministers Thaksin wegen Steuerhinterziehung zu einer Nachzahlung von US$ 645 Millionen!!
verurteilt (Quelle: International Herald Tribune Business) und bei uns in der
Schweiz hat man damals die Kinder aufgefordert den Inhalt ihrer Sparschweine für
eine gute Sache zu spenden! Da stimmt doch etwas nicht, oder?
In 40 Jahren gibt es keine Fische mehr
Noch vor zehn Jahren kehrten die Fischer der
Matarina Bay mit reicher Beute vom Fischfang zurück. Heute sieht die Situation
ganz anders aus. Schuld daran sind das sehr fragile Öko-System welches hier in den
Tropen herrscht und das häufig angewandte Dynamitfischen. Es scheint auch in
diesem Falle,
dass sich nach Abschluss des Coastal Resource
Management Projektes nicht viel geändert hat. Darauf angesprochen, ob solche Projekte
nicht für die „Katz“ sind, meint Jens, ein Deutscher, der am Projekt beteiligt war: „Das ist schon so ein Problem, da hast Du recht. Aber
gar nichts tun ist mit Sicherheit für die Katz. Die Hoffnung stirbt zuletzt und
gelegentlich gibt's ja schon mal einen Lichtblick. Fischer sind schon ein
"eigenartiges" Volk. Die ganze Mentalität dahinter ist ein noch recht
steinzeitliches Jäger und Sammlerdasein. Das ist schwer zu ändern und vielleicht
gar nicht mal der richtige Ansatzpunkt. NGOs, Lehrer, besser gebildete, Farmer
und ähnliche Leute sind vielleicht eher als Ansprechpartner und Mittler sowie
Anwender von Alternativen ("clevere Leute") geeignet. Fischereiregulationen ohne
kurz- bis mittelfristige einschränkende Auswirkungen auf den Fang sind bei der
inzwischen erreichten Zerstörung der Ressourcen nicht mehr möglich, d.h.
Konflikte und das macht es im philippinischen Kontext doppelt schwer. Nur führt
daran kein Weg vorbei. Der Fischer wird das aber nicht einsehen (können!).
Alternative ist im Wesentlichen die Aquakultur (wie Du sie ansprichst). Daran
ist eigentlich nichts paradox. Auch neu ist das nicht. Aquakultur produziert
heute ca. ein Viertel der Jahres-Weltfischereiproduktion mit weiterhin rasante
Wachstumsraten. Führend sind China, Thailand, Ecuador, Norwegen und andere. Andy
hat Recht. Die Zerstörung von Korallenriffen, Seegrasfeldern und Mangroven
(Kinderstube für viele kommerzielle Arten) trägt zu einer beschleunigten und
nachhaltigeren Zerstörung der Fischereiressourcen bei. Nach neueren
Untersuchungen ist damit zu rechnen, das es in 40 Jahren keinen Fisch mehr im
Meer gibt (u.a. da die Nahrungsketten gründlich zerstört und die Arten völlig
überfischt sind und u.a. keine Sexualpartner mehr finden).

Noch erfolgreicher Fischfang, doch in 40 Jahren soll es im Meer keine Fische mehr geben!
Hühnergeschichten
So unverständlich es für einen Filipino ist, dass
man Hunde gern haben kann, sie streichelt und mit ihnen spricht, so
unverständlich ist es für mich, dass man Hähne so vergöttern kann. Mit Stolz
werden diese von ihren Besitzer wie Baby's herumgetragen und gestreichelt. Grund dafür sind
die populären „cock fights“, Hahnenkämpfe. Für die meisten Filipinos sind
Hühnerkämpfe eine grosse Passion. Man kann damit auch viel Geld verdienen oder
auch verlieren... Jede Woche gibt es in der Arena Kämpfe die von zahlreichen
männlichen Zuschauern verfolgt werden. Da geht es um Wetten die bis zehntausend
Pesos betragen. Auch unser Toldo nimmt mit seinen Kampfhühnern regelmässig an
den Kämpfen teil. Damit sie stark und kräftig werden füttert er sie täglich mit
spezieller Nahrung. Regelmässig verabreicht er ihnen auch Vitamintabletten!
Diese werden auch für den Kampf trainiert. Die Beinmuskulatur wird gestärkt
indem er den Hahn an den Schwanzfedern hält und dieser mit Scharrbewegungen
versucht davon zu kommen. Auch die Aggressivität wird mit einem zweiten Hahn
geübt. Diese kleinen Kämpfe sind ungefährlich, da sie ohne die scharfen Klingen
an den Sporen geschehen.
„Win, one thousand Pesos“ ruft mir jeweils Toldo mit strahlendem Gesicht zu,
wenn er von den Kämpfen mit seinem „Liebling“ zurückkommt. Dieser wird jedoch
für die nächsten Kämpfe ausfallen. Die Klinge des Gegners hat unter dem Flügel
eine grosse Schramme verursacht die Toldo genäht hat. Toldo kommt jedoch nicht
jedes Mal so fröhlich vergnügt von den Kämpfen zurück. Meistens sagt er dann
nichts und darauf angesprochen meint er mit traurigem Blick „loose!“.
 Toldo beim Training seiner Kampfhähne
Zu Beginn waren es so niedliche Kücken. Heute, zwei Monate später, sind es kleine
Monster die dreieinhalb Kilos wiegen. Im Hinblick auf die Fiesta im August haben
wir zwanzig Stück gekauft. Inzwischen sind es nur noch deren achtzehn. Eins ist
schon nach einem Tag in der Wassertränke von der anderen zertrampelt worden und das
Grösste hat sich wohl zu Tode gefressen. Eigentlich wurde mit dem Schwager abgemacht, dass wir die Kücken
kaufen und für das Futter aufkommen, er für das Zurechtschauen und Futtern fünf Stücke
bekommt. Doch dieser hat sich bis jetzt nicht gross darum gekümmert. Wenn schon
dann seine Frau. Ständig muss ich daran erinnern den Hühnern das Fressen oder
zweimal im Tag frisches Wasser zu geben. Ja, sogar misten tue ich nun selber.
Der fünf Zentimeter dicke Hühnerdreck hat nach einem Monat so sehr gestunken, dass ich
intervenieren musste. Dabei steht das Haus des Schwagers gleich daneben! Aber anscheinend
stört ihn so was nicht. Ich glaube, dem könnte man vor die Haustür „scheissen“,
das würde ihm nichts ausmachen!
 Für die Fiesta-Mahlzeit
Künstliche Befruchtung
Im EMG ist nicht mehr viel los. Die Kürbispflanzen haben den ganzen Garten
überwuchert und es sieht wie im Dschungel aus. Das Experiment ist wohl abgeschlossen.
Es war eine äusserst interessante Erfahrung.
Vielen Dank an Herrn Oberholzer der Firma Wyss Gartencenter in Zuchwil für seine
Erklärungen im Gästebuch weshalb es bei mir keine Tomaten gibt. Auch mir ist
schon seit längerer Zeit aufgefallen, dass es hier keine oder nur sehr wenige
Bienen gibt. Kommt dazu, dass bei dem vielen regnerischen und luftigen Wetter
die notwendigen Insekten auch nicht fliegen. Dass ich jetzt sogar noch meine
Tomatenblüten selber befruchten muss hätte ich auch nicht gedacht. Ich kann
jedoch Befruchten wie ich will, es gibt einfach keine Tomaten. Mehr Erfolg habe
ich dagegen mit den wunderschönen trichterförmigen Blüten der Prunkwinde „Blauer
Himmel“ (auch von Wyss Samen AG)
 "Blauer Himmel"
Geschichten aus dem Laden
Kein Selbstbedienungsladen: unser grosses Angebot an Süssigkeiten ist für die
Kinder der Nachbarschaft eine grosse Verlockung. Schon die Kleinsten wissen
haargenau was tun, damit sie etwas bekommen. So wird solange gezwängt
und geweint bis die Nanai, die Mutter, schlussendlich das Pesogeldstück
herausrückt. Danach lachen sie schelmisch übers ganze Gesicht. Kleine
Schlaumeier! Das kann schon ganz schön ins Geld gehen bei diesen kinderreichen
Familien.
Dass so ein Laden nicht einfach ein Selbstbedienungsladen ist, mussten auch die
eigenen Kinder lernen. Zu jeder Tageszeit einfach etwas aus dem Regal nehmen,
das gibt es nicht mehr. Ansonst gibt es eins auf die Finger.
Nettogewinn: Dank meiner Betriebsbuchhaltung kann ich wenigstens den
Bruttogewinn mehr oder weniger genau ausrechnen. Um den Nettogewinn zu erfahren
müsste ich streng genommen verschiedene Kosten berücksichtigen, so auch die
telefonischen Warenbestellungen. Eine Minute kostet elf Pesos. Bei kleinen
Bestellungen kostet das Gespräch jedoch mehr als der Gewinn für die
bestellte Ware! Zigaretten sind ein gutes
Geschäft, doch jeden Monat "verschwinden" auf mysteriöse Art und Weise so viele Feuerzeuge, dass der Gewinn
zweier Stangen gleich zunichte geht. Ähnlich geht es mit den Kugelschreibern und
Bleistifte. Stets haben unsere Kinder ihr Schreibzeug verlegt oder verloren. Ein
wenig Sorge dazu tragen? Denkste, ist ja kein Problem, man hat ja genug im
Laden!
Utang: vermutlich das meistbenützte Wort in den Philippinen. Es bedeutet Kredit
oder Schulden. So was ist landesweit ja fast normal. Ohne „Utang“ läuft nichts,
auch in unserem Laden. Inzwischen kennen wir unsere „Pappenheimer“ und es gibt
nur noch Kredit an Leute die auch regelmässig bezahlen. An Schulden erinnern tut
man hier nicht. So was macht man nicht, man würde im Dorf schlecht
darüber denken. Wir haben Kunden die ihren Reis seit Monaten nicht bezahlt
haben. Der Betrag geht in die Tausenden von Pesos. Denkste da würde jemand den
guten Willen zeigen um wenigstens jeden Monat einen Anteil zurückbezahlen? Auch
wenn es nur fünfzig Pesos wären? Nein. Dass wir dadurch manchmal die grösste
Mühe bekunden für den wöchentlichen NFA-Reiskauf genügend Bargeld
zusammen zu treiben, so was kümmert die Leute ja nicht.
Exakte Arbeit. Alle zwei Monate verkaufen wir im Laden fünfzig Kilo Rohrzucker (brown
sugar) die in Plastik zu 250 Gramm abgefüllt werden. Nachdem wir während
anderthalb Stunden Arbeit mit Abfüllen fertig waren, liess ich die Anzahl Säckli
zählen: 188. Das sind zwölf zu wenig! So mussten alle wieder neu gewogen und die
Hälfte geöffnet werden. Als Strafe überliess ich dies der Schwester von Jennifer
die unexakt gearbeitet hat und pro Säckli bis zu dreissig Gramm zuviel Zucker
verpackte. Nach einer weiteren Halben Stunde hatten wir dann die zweihundert
Päckli und damit konnte 12 x 9 Pesos Einnahmen gerettet werden.
Beim neuerlichen Abfüllen hatten wir am Schluss neun Säckli zu viel. Das haben
wir natürlich so belassen…
Ice water - Eiswasser: Bei so heissem Klima gibt
es natürlich Durst. Der "Renner" ist ein Plastikbeutel eisgekühltes Wasser für
einen Pesos. Jeden Tag verkaufen wir um die zwanzig Stück. Ein Beutel kostet ein
Peso. Der Erlös geht als Anteil zur Stromrechnung in eine separate Kasse. Auch
Eis für die Kühlung der Getränke oder für die Fischer ist sehr gefragt. Dieses
kostet zwei Pesos der Beutel. Im Prinzip sollten so jeden Monat um die Tausend
Pesos zusammengekommen. Aber jedes Mal wenn wir die Stromrechnung bezahlen
wollen ist nur ein kleiner Anteil davon übrig geblieben.
Panel: Noch vor einigen Monaten kauften wir sämtliche Artikel im Dutzend in der
Grocery ein. Seither besuchen uns fast täglich grössere Lieferwagen, sogenannte Panels, bei denen
wir dann auch grössere Einkäufe zu einem etwas billigeren Preis tätigen. Solche
Einkäufe gehen aber in die Tausende von Pesos. Unsere Kasse ist dadurch meistens
leer und des öfters habe ich mich nun schon gefragt wo den eigentlich unsere Einnahmen hinfliessen. Das Wareninventar vom 1. September wird darüber Aufschluss gehen.
Fehleinkauf: Auch der Candy-Panel ist vorgefahren. Aufgrund meiner
Marktanalyse vom vergangenen März haben wir gleich Zehntausend Schleckstängel,
Kaugummi, Täfeli und Schokolädeli eingekauft. Insgesamt für 5'500 Pesos! Fünf
Kartonschachteln voll! War das nicht etwas zu viel? Innerhalb eines Monats war
die Hälfte schon verkauft. Der Grosseinkauf scheint sich gelohnt zu haben, denn
der Gewinn beträgt 17%!
 Ein Panel fährt vor
Geschichten aus dem Alltag
Sachen’s gibt’s! Unsere schwangere Tante (mit den Verbrennungen) war wie üblich
frühmorgens unterwegs um Fische zu verkaufen, als sie plötzlich mitten auf der
Strasse ihr Kind gebar! Von den Schreien des Babys alarmiert, kamen Nachbarn zur
Hilfe und brachten unsere Tante nach Hause.
Kaum hatte ich unseren Trike-Fahrer im letzten Bericht gelobt, kam es zu einer
kleinen Aussprache die dazu führte, dass dieser den Schlüssel abgab! Als er
wieder einmal grundlos nicht fuhr, habe ich nach dem Grund gefragt. „Weil es
regnete!“ Stimmt, um 06.30 Uhr regnete es, den ganzen restlichen Tag war es
wieder schönstes Wetter. Welch eine faule Ausrede. Ich habe ihm den wahren Grund
gesagt: weil Du zu faul warst! Dies hat ihm wohl nicht gepasst. Tja, die Fahrer,
welche eigentlich Dank dem finanziellen Engagement des Trike-Besitzers eine
Verdienstmöglichkeit erhalten und jeden Tag einen Nettolohn kassieren, scheren
sich anscheinend keinen Dreck darum, dass der Besitzer auf das Geld angewiesen
ist um sein Fahrzeug bezahlen resp. amortisieren zu können. Aber Leute die
selber noch nie eigenes Geld investiert haben, wissen gar nicht was das
bedeutet.
So was spricht sich in einem Dorf schnell um und natürlich war ich nun der böse
Ausländer der einen Trikefahrer
gefeuert hat (noch vor kurzem war ich der liebe Ausländer). Während fünf Tagen blieb das Trike in der Garage, danach meldete
sich Edwin der den Job dankbar annahm. Im Gegensatz zu Gil, fährt er bereits
sehr früh los, kommt auch erst am späteren Nachmittag zurück. Die Tageseinnahmen
fallen daher wesentlich höher aus. Im Vergleich zum Vormonat Juni sogar das
Doppelte! So Unrecht hatte ich also nicht! Ist nur zu hoffen, dass unser neuer
Fahrer noch möglichst lange viel Geld benötigt…
Schulaufgaben: für einmal gab es nun doch drei Mathematikaufgaben zu lösen u.a.
folgende: Ein Reisebüro offeriert eine Pauschalreise nach Bangkok für 19'997
Pesos. Ein anderes Reisebüro verlangt 20'000 Pesos für die gleiche Reise. Um wie
viel billiger ist das günstigere Angebot? Tja, so was fragt man hier in Grade 6,
also der 6. Klasse! Und die Antwort war erst noch falsch! Verstehen Sie weshalb
ich manchmal fast „Vögel“ bekomme?
Mit meinen Ausführungen über die Grundschule soll ich angeblich einige Leser zum
Schmunzeln gebracht haben! Leider ist dies eher eine tragische Angelegenheit.
Können Sie sich vorstellen, dass jene Schüler ohne Highschool mit vierzehn
Jahren ihre Schulausbildung – wenn man dem überhaupt so sagen kann –
abgeschlossen haben? Und was danach? Eine Lehre gibt es hier nicht. Und mit
Achtzehn sind diese „Birrechöpf“ dann stimmberechtigt! Ich behaupte, dass diese
miserable Schulbildung von der Regierung und den Politikern absichtlich und
gewollt so gesteuert wird, denn je mehr ungebildete Leute es gibt umso leichter
ist es diese für seine eigenen Interesse bei den nächsten Wahlen zu benützen
resp. zu kaufen.
Burn out: Stromausfälle sind in den letzten Monaten seltener geworden, kommen
aber immer wieder regelmässig vor. Wir sind dabei jedes Mal um unser
Stromgenerator froh. Auch gestern fiel der Strom während siebzehn Stunden aus.
Unzählige Male schon hatte ich darauf hingewiesen den Stand des Dieselbenzins zu
kontrollieren! Nach einer halben Stunde wurde es dunkel. Der Tank war leer!
Begreift ihr, dass ich immer mehr der Überzeugung bin, dass alle gut gemeinten
Ratschläge nutzlos sind!
Strom ist nicht gerade billig. Unser Verbrauch für Kühlschrank, die Air-Cond
(täglich neun Stunden), der Fernseher, beträgt pro Monat etwa 370 KWH, was dann
eine Rechnung von 2'600 Pesos ergibt. Nur zum Vergleich: die Rechnung unserer
Haushaltshilfe beträgt für die gleiche Periode 160 Pesos!
Und zum Schluss eine traurige Nachricht: Lumpehund ist tot! Ein Kerzenverkäufer
der bei uns vorbei kam, soll ihn getötet haben weil er ihm im Wege stand!
Näheres weiss ich nicht. Was hat die kleine Hündin diesem Idioten angetan?
Lumpehund war nicht einfach ein Hund. Es war mein Hund. Schon früh musste ich
sie vor ihren beiden Brüdern schützen als es ums fressen ging. Schon einmal
wurde sie geschlagen und konnte danach während Tagen nicht mehr auf den
Hinterbeinen laufen. Ich habe ihr Futter und Wasser gebracht. Später als sie
wieder laufen konnte habe ich den Lumpenhund dressiert das rechte Pfötli zu
geben, ich habe sie mit Hundeshampoo gewaschen, ihr die Essresten vom Restaurant aus Borongan mitgebracht,
mit ihr mein Frühstücksbrötli geteilt. Ich glaube sie
mochte mich. Noch am selben morgen hat mich Lumpehund mit einem Freudentanz
begrüsst. Eine Stunde später lag er erstart neben dem Garten. Ich habe geheult
wie ein „Schlosshund“. Noch Tage danach empfinde ich eine grosse Wut und ein
tiefer Hass für denjenigen der so was gemacht hat.

Welcher Idiot hat mein "Lumpfehund" getötet?
Happy Fiesta
Wie jedes Jahr um Mitte August wird in den Dörfern entlang der Küste die Fiesta
zu Ehren des Schutzpatron gefeiert. Die Vorbereitungen beginnen schon Wochen im
voraus. Die Kostüme für die Parade werden entworfen und genäht, die Street Tänze
einstudiert. Je näher das Fest rückt umso hektischer wird es. Jeden Morgen um
04.00 Uhr marschiert eine Musik durch die Strassen und um 05.30 Uhr beginnt
bereits das Training des Damen-Volleyballteam vom Barangay 7. Es gibt nämlich auch ein Frauen-Volleyballturnier. Als erster Preis winken
dreitausend Pesos!

Jeden Morgen um 04.00 Uhr kommt die Musik

Das Volleyballturnier: Trainiert wird bereits
morgens um 05.30
- Im ersten Spiel gegen das Team von Maybococ waren die Damen vom
Barangay 7 ohne jegliche Chance. Auch der Zweite Match gegen Barangay 1 ging
knapp verloren. Dank einem Forfaitsieg wurde der
3. Platz erreicht. Preis 1000 Pesos!
 Gerade rechtzeitig zur Fiesta sind auch die Vorhänge fertig geworden
Die Fiestazeit ist eine fröhliche, lustige Zeit,
deren gesellschaftliche Bedeutung etwa unserer Weihnachten entspricht. Verwandte
und Freunde kommen aus allen Teilen des Landes um ihre Familien anlässlich der
Fiesta zu besuchen. Auch wir sind nicht verschont geblieben. Als Festmahl gibt
es bei solchen Anlässen meistens Spaghetti mit Tomatensauce und als Dessert
Büchsen-Fruchtsalat mit Kondensmilch. Das ist eine willkommene Abwechslung zum
täglichen Reis und Fisch. Auch zehn Hühner mussten "daran" glauben. Unser Haus
war voller Leute, viele darunter die Jennifer gar nicht kannte. Angeblich
Cousins und Cousinen. Aber was bei uns als Frechheit betrachtet würde, gilt hier
als Tradition. Ob eingeladen oder nicht, wo es etwas zu Essen gibt geht man
einfach hin. Unerwartet gab es sogar noch Besuch aus der Schweiz! Toni, der
Greyerzer, die Kalbsbratwürste und Schüblig's haben himmlisch geschmeckt. Darfst
jeder Zeit wieder kommen...
 Toni (mitte) mit Freunden zu Besuch
Für uns mit dem Laden, bedeutet die Fiesta eher
eine stressige Zeit. Eine Zeit die man aus geschäftlichen Überlegungen auch
nutzen muss. Tagsüber ist es heiss und die Gäste wollen verpflegt werden. So
haben wir an diesen beiden Tagen vierundsechzig Harassen Bier verkauft! Prost!
Die Parade








Ein Jahr in der Provinz
Seit einem Jahr lebe ich nun schon in der Provinz und
habe dabei die Filipinos etwas
näher kennen gelernt. Leider hatte ich nur sehr sporadischen Kontakt mit
gebildeten Leuten. Da diese tagsüber arbeiten, bleiben die Arbeitslosen, die
Fischer und Bauern übrig. Diese sprechen jedoch nur sehr wenig Englisch, so kann
es zu keinen Gesprächen kommen. Des öfters bin ich eingeladen worden mich
zu ihnen zu gesellen, doch meistens ist es zum "Saufen" und das
interessiert mich nicht. So beschränkt sich mein Kontakt hauptsächlich mit deren
Ehefrauen, die auch gebildeter sind. Doch auch diese "gügelen" gerne, so
ziehe ich mich meistens zurück. Der Kontakt mit Einheimischen
ist daher zu einseitig um sich ein richtiges Bild des Filipinos machen zu
können. Dies ist vermutlich auch gar nicht möglich, denn wie würde man einen
typischen Schweizer beschreiben? Sicher ist, es sind nette und glückliche Leute,
haben es lustig, singen und trinken gerne ihren Tuba, den Palmenwein. Sobald man
jedoch mit den Leuten zusammenleben oder arbeiten muss, führt die Begegnung
zwischen unserer westlicher, mehrheitlich leistungsorientierter Denk- und
Handlungsweise und dem eher generellen Minimalistendenken, gekoppelt mit der
intellektuellen Diskrepanz und der unterschiedlichen Auffassung über Ordnung,
Sauberkeit und Kindererziehung unweigerlich zu Konfrontationen. Was mich jedoch
am meisten „auf die Palme bringt“ ist diese, in allen
Lebensbereichen, totale Unbekümmertheit.
Ein Jahr in der Provinz, ohne Zeitung, ohne cable TV, praktisch ohne Kontakt zu
Weissen, das ist eine lange Zeit.
So was kann nicht jedermann. Zum Glück müssen Touristen in den Philippinen
einmal im Jahr das Land verlassen, so werde ich in den nächsten zwei
Monaten wieder etwas unterwegs sein (Thailand, Kambodscha, Vietnam).

Immigration Tacloban: alle zwei Monate muss ich hier mein Visum verlängern
Gibt es ein Paradies?
Nach bald acht Jahren Aufenthalt in Südostasien
habe ich inzwischen reiche Erfahrungen gesammelt. Zur Enttäuschung zukünftiger
Aussteiger und Auswanderer, musste
ich leider feststellen, dass es das von uns vermeintliche gesuchte Paradies wohl
gar nicht gibt. Überall wo Menschen sind gibt es Konflikte. Das war schon
seit jeher so, als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden.
Die Gründe und Ziele jedes Auswanderers sind verschieden, es gibt deshalb
kein Wunderrezept. Als generelle Regel kann ich lediglich den Rat geben so lange
wie möglich frei, unabhängig und ohne feste Beziehung zu bleiben.
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