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Mabuhay Happy Fiesta (MP 06 / 30.10.2007)

Entwicklungshilfe: wem hilfts?

Ist Entwicklungshilfe überhaupt notwendig? Die betroffenen Organisationen sowie die Entwicklungshelfer selber werden ganz klar sagen, ja natürlich! Oft habe ich darüber mit meinem englischen Nachbar, Andy, diskutiert. Er hat hier einige lokale Projekte, u.a. auch das von der EU finanzierte Projekt der Coastal Resource Management geleitet und weiss wovon er spricht. Projekte kosten viel Geld, schon nur deren Evaluierung. Diese werden von Experten geplant, und diese arbeiten nicht für ein Butterbrot. Das Resultat? Wenig wie nichts! Drei Beispiele in Maydolong: da wurden zur Durchführung von Seminaren zwei Gebäude erstellt. Die Häuser sind unbenützt und stehen heute leer da. Auch das Projekt der Krabbenfarm hat "Schiffbruch" erlitten. Zig Hunderttausend Pesos zum Teufel.

    
Drei Projekte der Entwicklungshilfe in unserem Dorf - Drei Projekte für die "Katze"?

Ich will nicht behaupten, dass alle Hilfsprojekte nutzlos sind. Ich glaube sogar, dass kleine, von privaten Leuten geführte Projekte ihren Zweck durchaus erfüllen. Immer mehr komme ich jedoch zur Überzeugung, dass die staatlichen und grossen bekannten Hilfswerke mit ihrer vorgegebener Aktivität in erster Linie selber davon profitieren. Wird der Öffentlichkeit nicht einfach etwas vorgegaukelt damit Budgets genehmigt werden und Spenden eingehen? Denn schlussendlich geht es ja um die Selbsterhaltung von sehr gut bezahlten Jobs. Und man sägt ja bekanntlich nicht an seinem eigenen Ast! Dass die Schweizer zudem noch ein gutes Herz haben und sehr spendefreudig sind, davon profitieren primär die karikativen Institutionen. Mit ihrem erbarmenserweckenden Spendeaufrufen gelingt es ihnen sogar noch ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Verschwiegen wird jedoch, dass In jedem Land, auch im ärmsten, genug Geld vorhanden wäre um Projekte zu finanzieren und der eigenen Bevölkerung so zu helfen. Je mehr ich in der Welt herumreise desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass diese Spendenaufrufe gar nicht nötig sind. Sollen die Herren Staatspräsidenten, Minister und Politiker der betreffenden Länder das Geld für den Aufbau ihres Landes benützen statt die Staatskasse zu plündern um sich selbst zu bereichern.
Wenn es eine Hilfe gibt die ich als effizient betrachte und unterstütze, dann die Einsätze des Schweizerischen Katastrophen Hilfskorps. Mit dieser Soforthilfe können Menschenleben gerettet werden. Aktionen aber, wie diejenige der Glückskette und anderer Organisationen für die Tsunamiopfer, so schrecklich diese Naturkatastrophe war, bringen schlichtweg nichts. Was nützen die gesammelten 10 Mio. Schweizer Franken der Tsunamispende, wenn die Leute Stunden nach einer solchen Katastrophe dringend Hilfe benötigt? Nach unserem Taifun vom letzten Dezember kann ich mir besser vorstellen was es heisst von der Umwelt abgeschnitten, ohne Trinkwasser und ohne medizinische Versorgung zu sein. Vielleicht werden den vom Tsunami betroffenen Leute wie bei uns, auch ein halbes Jahr später zwei Kilo Reis und eine Büchse Sardinen verteilt! Ganz abgesehen davon, dass Länder wie Thailand so reich sind, dass diese unser Geld für den Wiederaufbau gar nicht benötigen. Da werden einerseits die Kinder des abgesetzten thailändischen Premierministers Thaksin wegen Steuerhinterziehung zu einer Nachzahlung von US$ 645 Millionen!! verurteilt (Quelle: International Herald Tribune Business) und bei uns in der Schweiz hat man damals die Kinder aufgefordert den Inhalt ihrer Sparschweine für eine gute Sache zu spenden! Da stimmt doch etwas nicht, oder?

In 40 Jahren gibt es keine Fische mehr

Noch vor zehn Jahren kehrten die Fischer der Matarina Bay mit reicher Beute vom Fischfang zurück. Heute sieht die Situation ganz anders aus. Schuld daran sind das sehr fragile Öko-System welches hier in den Tropen herrscht und das häufig angewandte Dynamitfischen. Es scheint auch in diesem Falle, dass sich nach Abschluss des Coastal Resource Management Projektes nicht viel geändert hat. Darauf angesprochen, ob solche Projekte nicht für die „Katz“ sind, meint Jens, ein Deutscher, der am Projekt beteiligt war: „Das ist schon so ein Problem, da hast Du recht. Aber gar nichts tun ist mit Sicherheit für die Katz. Die Hoffnung stirbt zuletzt und gelegentlich gibt's ja schon mal einen Lichtblick. Fischer sind schon ein "eigenartiges" Volk. Die ganze Mentalität dahinter ist ein noch recht steinzeitliches Jäger und Sammlerdasein. Das ist schwer zu ändern und vielleicht gar nicht mal der richtige Ansatzpunkt. NGOs, Lehrer, besser gebildete, Farmer und ähnliche Leute sind vielleicht eher als Ansprechpartner und Mittler sowie Anwender von Alternativen ("clevere Leute") geeignet. Fischereiregulationen ohne kurz- bis mittelfristige einschränkende Auswirkungen auf den Fang sind bei der inzwischen erreichten Zerstörung der Ressourcen nicht mehr möglich, d.h. Konflikte und das macht es im philippinischen Kontext doppelt schwer. Nur führt daran kein Weg vorbei. Der Fischer wird das aber nicht einsehen (können!). Alternative ist im Wesentlichen die Aquakultur (wie Du sie ansprichst). Daran ist eigentlich nichts paradox. Auch neu ist das nicht. Aquakultur produziert heute ca. ein Viertel der Jahres-Weltfischereiproduktion mit weiterhin rasante Wachstumsraten. Führend sind China, Thailand, Ecuador, Norwegen und andere. Andy hat Recht. Die Zerstörung von Korallenriffen, Seegrasfeldern und Mangroven (Kinderstube für viele kommerzielle Arten) trägt zu einer beschleunigten und nachhaltigeren Zerstörung der Fischereiressourcen bei. Nach neueren Untersuchungen ist damit zu rechnen, das es in 40 Jahren keinen Fisch mehr im Meer gibt (u.a. da die Nahrungsketten gründlich zerstört und die Arten völlig überfischt sind und u.a. keine Sexualpartner mehr finden).

    
Noch erfolgreicher Fischfang, doch in 40 Jahren soll es im Meer keine Fische mehr geben!

Hühnergeschichten

So unverständlich es für einen Filipino ist, dass man Hunde gern haben kann, sie streichelt und mit ihnen spricht, so unverständlich ist es für mich, dass man Hähne so vergöttern kann. Mit Stolz werden diese von ihren Besitzer wie Baby's herumgetragen und gestreichelt. Grund dafür sind die populären „cock fights“, Hahnenkämpfe. Für die meisten Filipinos sind Hühnerkämpfe eine grosse Passion. Man kann damit auch viel Geld verdienen oder auch verlieren... Jede Woche gibt es in der Arena Kämpfe die von zahlreichen männlichen Zuschauern verfolgt werden. Da geht es um Wetten die bis zehntausend Pesos betragen. Auch unser Toldo nimmt mit seinen Kampfhühnern regelmässig an den Kämpfen teil. Damit sie stark und kräftig werden füttert er sie täglich mit spezieller Nahrung. Regelmässig verabreicht er ihnen auch Vitamintabletten! Diese werden auch für den Kampf trainiert. Die Beinmuskulatur wird gestärkt indem er den Hahn an den Schwanzfedern hält und dieser mit Scharrbewegungen versucht davon zu kommen. Auch die Aggressivität wird mit einem zweiten Hahn geübt. Diese kleinen Kämpfe sind ungefährlich, da sie ohne die scharfen Klingen an den Sporen geschehen.
„Win, one thousand Pesos“ ruft mir jeweils Toldo mit strahlendem Gesicht zu, wenn er von den Kämpfen mit seinem „Liebling“ zurückkommt. Dieser wird jedoch für die nächsten Kämpfe ausfallen. Die Klinge des Gegners hat unter dem Flügel eine grosse Schramme verursacht die Toldo genäht hat. Toldo kommt jedoch nicht jedes Mal so fröhlich vergnügt von den Kämpfen zurück. Meistens sagt er dann nichts und darauf angesprochen meint er mit traurigem Blick „loose!“.


Toldo beim Training seiner Kampfhähne

Zu Beginn waren es so niedliche Kücken. Heute, zwei Monate später, sind es kleine Monster die dreieinhalb Kilos wiegen. Im Hinblick auf die Fiesta im August haben wir zwanzig Stück gekauft. Inzwischen sind es nur noch deren achtzehn. Eins ist schon nach einem Tag in der Wassertränke von der anderen zertrampelt worden und das Grösste hat sich wohl zu Tode gefressen. Eigentlich wurde mit dem Schwager abgemacht, dass wir die Kücken kaufen und für das Futter aufkommen, er für das Zurechtschauen und Futtern fünf Stücke bekommt. Doch dieser hat sich bis jetzt nicht gross darum gekümmert. Wenn schon dann seine Frau. Ständig muss ich daran erinnern den Hühnern das Fressen oder zweimal im Tag frisches Wasser zu geben. Ja, sogar misten tue ich nun selber. Der fünf Zentimeter dicke Hühnerdreck hat nach einem Monat so sehr gestunken, dass ich intervenieren musste. Dabei steht das Haus des Schwagers gleich daneben! Aber anscheinend stört ihn so was nicht. Ich glaube, dem könnte man vor die Haustür „scheissen“, das würde ihm nichts ausmachen!

  
Für die Fiesta-Mahlzeit

Künstliche Befruchtung

Im EMG ist nicht mehr viel los. Die Kürbispflanzen haben den ganzen Garten überwuchert und es sieht wie im Dschungel aus. Das Experiment ist wohl abgeschlossen. Es war eine äusserst interessante Erfahrung.
Vielen Dank an Herrn Oberholzer der Firma Wyss Gartencenter in Zuchwil für seine Erklärungen im Gästebuch weshalb es bei mir keine Tomaten gibt. Auch mir ist schon seit längerer Zeit aufgefallen, dass es hier keine oder nur sehr wenige Bienen gibt. Kommt dazu, dass bei dem vielen regnerischen und luftigen Wetter die notwendigen Insekten auch nicht fliegen. Dass ich jetzt sogar noch meine Tomatenblüten selber befruchten muss hätte ich auch nicht gedacht. Ich kann jedoch Befruchten wie ich will, es gibt einfach keine Tomaten. Mehr Erfolg habe ich dagegen mit den wunderschönen trichterförmigen Blüten der Prunkwinde „Blauer Himmel“ (auch von Wyss Samen AG)


"Blauer Himmel"

Geschichten aus dem Laden

Kein Selbstbedienungsladen: unser grosses Angebot an Süssigkeiten ist für die Kinder der Nachbarschaft eine grosse Verlockung. Schon die Kleinsten wissen haargenau was tun, damit sie etwas bekommen. So wird solange gezwängt und geweint bis die Nanai, die Mutter, schlussendlich das Pesogeldstück herausrückt. Danach lachen sie schelmisch übers ganze Gesicht. Kleine Schlaumeier! Das kann schon ganz schön ins Geld gehen bei diesen kinderreichen Familien.
Dass so ein Laden nicht einfach ein Selbstbedienungsladen ist, mussten auch die eigenen Kinder lernen. Zu jeder Tageszeit einfach etwas aus dem Regal nehmen, das gibt es nicht mehr. Ansonst gibt es eins auf die Finger.

Nettogewinn: Dank meiner Betriebsbuchhaltung kann ich wenigstens den Bruttogewinn mehr oder weniger genau ausrechnen. Um den Nettogewinn zu erfahren müsste ich streng genommen verschiedene Kosten berücksichtigen, so auch die telefonischen Warenbestellungen. Eine Minute kostet elf Pesos. Bei kleinen Bestellungen kostet das Gespräch jedoch mehr als der Gewinn für die bestellte Ware! Zigaretten sind ein gutes Geschäft, doch jeden Monat "verschwinden" auf mysteriöse Art und Weise so viele Feuerzeuge, dass der Gewinn zweier Stangen gleich zunichte geht. Ähnlich geht es mit den Kugelschreibern und Bleistifte. Stets haben unsere Kinder ihr Schreibzeug verlegt oder verloren. Ein wenig Sorge dazu tragen? Denkste, ist ja kein Problem, man hat ja genug im Laden!

Utang: vermutlich das meistbenützte Wort in den Philippinen. Es bedeutet Kredit oder Schulden. So was ist landesweit ja fast normal. Ohne „Utang“ läuft nichts, auch in unserem Laden. Inzwischen kennen wir unsere „Pappenheimer“ und es gibt nur noch Kredit an Leute die auch regelmässig bezahlen. An Schulden erinnern tut man hier nicht. So was macht man nicht, man würde im Dorf schlecht darüber denken. Wir haben Kunden die ihren Reis seit Monaten nicht bezahlt haben. Der Betrag geht in die Tausenden von Pesos. Denkste da würde jemand den guten Willen zeigen um wenigstens jeden Monat einen Anteil zurückbezahlen? Auch wenn es nur fünfzig Pesos wären? Nein. Dass wir dadurch manchmal die grösste Mühe bekunden für den wöchentlichen NFA-Reiskauf genügend Bargeld zusammen zu treiben, so was kümmert die Leute ja nicht.

Exakte Arbeit. Alle zwei Monate verkaufen wir im Laden fünfzig Kilo Rohrzucker (brown sugar) die in Plastik zu 250 Gramm abgefüllt werden. Nachdem wir während anderthalb Stunden Arbeit mit Abfüllen fertig waren, liess ich die Anzahl Säckli zählen: 188. Das sind zwölf zu wenig! So mussten alle wieder neu gewogen und die Hälfte geöffnet werden. Als Strafe überliess ich dies der Schwester von Jennifer die unexakt gearbeitet hat und pro Säckli bis zu dreissig Gramm zuviel Zucker verpackte. Nach einer weiteren Halben Stunde hatten wir dann die zweihundert Päckli und damit konnte 12 x 9 Pesos Einnahmen gerettet werden.
Beim neuerlichen Abfüllen hatten wir am Schluss neun Säckli zu viel. Das haben wir natürlich so belassen…

Ice water - Eiswasser: Bei so heissem Klima gibt es natürlich Durst. Der "Renner" ist ein Plastikbeutel eisgekühltes Wasser für einen Pesos. Jeden Tag verkaufen wir um die zwanzig Stück. Ein Beutel kostet ein Peso. Der Erlös geht als Anteil zur Stromrechnung in eine separate Kasse. Auch Eis für die Kühlung der Getränke oder für die Fischer ist sehr gefragt. Dieses kostet zwei Pesos der Beutel. Im Prinzip sollten so jeden Monat um die Tausend Pesos zusammengekommen. Aber jedes Mal wenn wir die Stromrechnung bezahlen wollen ist nur ein kleiner Anteil davon übrig geblieben.

Panel: Noch vor einigen Monaten kauften wir sämtliche Artikel im Dutzend in der Grocery ein. Seither besuchen uns fast täglich grössere Lieferwagen, sogenannte Panels, bei denen wir dann auch grössere Einkäufe zu einem etwas billigeren Preis tätigen. Solche Einkäufe gehen aber in die Tausende von Pesos. Unsere Kasse ist dadurch meistens leer und des öfters habe ich mich nun schon gefragt wo den eigentlich unsere Einnahmen hinfliessen. Das Wareninventar vom 1. September wird darüber Aufschluss gehen.

Fehleinkauf: Auch der Candy-Panel ist vorgefahren. Aufgrund meiner Marktanalyse vom vergangenen März haben wir gleich Zehntausend Schleckstängel, Kaugummi, Täfeli und Schokolädeli eingekauft. Insgesamt für 5'500 Pesos! Fünf Kartonschachteln voll! War das nicht etwas zu viel? Innerhalb eines Monats war die Hälfte schon verkauft. Der Grosseinkauf scheint sich gelohnt zu haben, denn der Gewinn beträgt 17%!


Ein Panel fährt vor

Geschichten aus dem Alltag

Sachen’s gibt’s! Unsere schwangere Tante (mit den Verbrennungen) war wie üblich frühmorgens unterwegs um Fische zu verkaufen, als sie plötzlich mitten auf der Strasse ihr Kind gebar! Von den Schreien des Babys alarmiert, kamen Nachbarn zur Hilfe und brachten unsere Tante nach Hause.

Kaum hatte ich unseren Trike-Fahrer im letzten Bericht gelobt, kam es zu einer kleinen Aussprache die dazu führte, dass dieser den Schlüssel abgab! Als er wieder einmal grundlos nicht fuhr, habe ich nach dem Grund gefragt. „Weil es regnete!“ Stimmt, um 06.30 Uhr regnete es, den ganzen restlichen Tag war es wieder schönstes Wetter. Welch eine faule Ausrede. Ich habe ihm den wahren Grund gesagt: weil Du zu faul warst! Dies hat ihm wohl nicht gepasst. Tja, die Fahrer, welche eigentlich Dank dem finanziellen Engagement des Trike-Besitzers eine Verdienstmöglichkeit erhalten und jeden Tag einen Nettolohn kassieren, scheren sich anscheinend keinen Dreck darum, dass der Besitzer auf das Geld angewiesen ist um sein Fahrzeug bezahlen resp. amortisieren zu können. Aber Leute die selber noch nie eigenes Geld investiert haben, wissen gar nicht was das bedeutet.
So was spricht sich in einem Dorf schnell um und natürlich war ich nun der böse Ausländer der einen Trikefahrer gefeuert hat (noch vor kurzem war ich der liebe Ausländer). Während fünf Tagen blieb das Trike in der Garage, danach meldete sich Edwin der den Job dankbar annahm. Im Gegensatz zu Gil, fährt er bereits sehr früh los, kommt auch erst am späteren Nachmittag zurück. Die Tageseinnahmen fallen daher wesentlich höher aus. Im Vergleich zum Vormonat Juni sogar das Doppelte! So Unrecht hatte ich also nicht! Ist nur zu hoffen, dass unser neuer Fahrer noch möglichst lange viel Geld benötigt…

Schulaufgaben: für einmal gab es nun doch drei Mathematikaufgaben zu lösen u.a. folgende: Ein Reisebüro offeriert eine Pauschalreise nach Bangkok für 19'997 Pesos. Ein anderes Reisebüro verlangt 20'000 Pesos für die gleiche Reise. Um wie viel billiger ist das günstigere Angebot? Tja, so was fragt man hier in Grade 6, also der 6. Klasse! Und die Antwort war erst noch falsch! Verstehen Sie weshalb ich manchmal fast „Vögel“ bekomme?

Mit meinen Ausführungen über die Grundschule soll ich angeblich einige Leser zum Schmunzeln gebracht haben! Leider ist dies eher eine tragische Angelegenheit. Können Sie sich vorstellen, dass jene Schüler ohne Highschool mit vierzehn Jahren ihre Schulausbildung – wenn man dem überhaupt so sagen kann – abgeschlossen haben? Und was danach? Eine Lehre gibt es hier nicht. Und mit Achtzehn sind diese „Birrechöpf“ dann stimmberechtigt! Ich behaupte, dass diese miserable Schulbildung von der Regierung und den Politikern absichtlich und gewollt so gesteuert wird, denn je mehr ungebildete Leute es gibt umso leichter ist es diese für seine eigenen Interesse bei den nächsten Wahlen zu benützen resp. zu kaufen.

Burn out: Stromausfälle sind in den letzten Monaten seltener geworden, kommen aber immer wieder regelmässig vor. Wir sind dabei jedes Mal um unser Stromgenerator froh. Auch gestern fiel der Strom während siebzehn Stunden aus. Unzählige Male schon hatte ich darauf hingewiesen den Stand des Dieselbenzins zu kontrollieren! Nach einer halben Stunde wurde es dunkel. Der Tank war leer! Begreift ihr, dass ich immer mehr der Überzeugung bin, dass alle gut gemeinten Ratschläge nutzlos sind!

Strom ist nicht gerade billig. Unser Verbrauch für Kühlschrank, die Air-Cond (täglich neun Stunden), der Fernseher, beträgt pro Monat etwa 370 KWH, was dann eine Rechnung von 2'600 Pesos ergibt. Nur zum Vergleich: die Rechnung unserer Haushaltshilfe beträgt für die gleiche Periode 160 Pesos!

Und zum Schluss eine traurige Nachricht: Lumpehund ist tot! Ein Kerzenverkäufer der bei uns vorbei kam, soll ihn getötet haben weil er ihm im Wege stand! Näheres weiss ich nicht. Was hat die kleine Hündin diesem Idioten angetan? Lumpehund war nicht einfach ein Hund. Es war mein Hund. Schon früh musste ich sie vor ihren beiden Brüdern schützen als es ums fressen ging. Schon einmal wurde sie geschlagen und konnte danach während Tagen nicht mehr auf den Hinterbeinen laufen. Ich habe ihr Futter und Wasser gebracht. Später als sie wieder laufen konnte habe ich den Lumpenhund dressiert das rechte Pfötli zu geben, ich habe sie mit Hundeshampoo gewaschen, ihr die Essresten vom Restaurant aus Borongan mitgebracht, mit ihr mein Frühstücksbrötli geteilt. Ich glaube sie mochte mich. Noch am selben morgen hat mich Lumpehund mit einem Freudentanz begrüsst. Eine Stunde später lag er erstart neben dem Garten. Ich habe geheult wie ein „Schlosshund“. Noch Tage danach empfinde ich eine grosse Wut und ein tiefer Hass für denjenigen der so was gemacht hat.


Welcher Idiot hat mein "Lumpfehund" getötet?

Happy Fiesta

Wie jedes Jahr um Mitte August wird in den Dörfern entlang der Küste die Fiesta zu Ehren des Schutzpatron gefeiert. Die Vorbereitungen beginnen schon Wochen im voraus. Die Kostüme für die Parade werden entworfen und genäht, die Street Tänze einstudiert. Je näher das Fest rückt umso hektischer wird es. Jeden Morgen um 04.00 Uhr marschiert eine Musik durch die Strassen und um 05.30 Uhr beginnt bereits das Training des Damen-Volleyballteam vom Barangay 7. Es gibt nämlich auch ein Frauen-Volleyballturnier. Als erster Preis winken dreitausend Pesos!


Jeden Morgen um 04.00 Uhr kommt die Musik

    
Das Volleyballturnier: Trainiert wird bereits morgens um 05.30 - Im ersten Spiel gegen das Team von Maybococ waren die Damen vom
Barangay 7 ohne jegliche Chance. Auch der Zweite Match gegen Barangay 1 ging knapp verloren. Dank einem Forfaitsieg wurde der
3. Platz erreicht. Preis 1000 Pesos!


Gerade rechtzeitig zur Fiesta sind auch die Vorhänge fertig geworden

Die Fiestazeit ist eine fröhliche, lustige Zeit, deren gesellschaftliche Bedeutung etwa unserer Weihnachten entspricht. Verwandte und Freunde kommen aus allen Teilen des Landes um ihre Familien anlässlich der Fiesta zu besuchen. Auch wir sind nicht verschont geblieben. Als Festmahl gibt es bei solchen Anlässen meistens Spaghetti mit Tomatensauce und als Dessert Büchsen-Fruchtsalat mit Kondensmilch. Das ist eine willkommene Abwechslung zum täglichen Reis und Fisch. Auch zehn Hühner mussten "daran" glauben. Unser Haus war voller Leute, viele darunter die Jennifer gar nicht kannte. Angeblich Cousins und Cousinen. Aber was bei uns als Frechheit betrachtet würde, gilt hier als Tradition. Ob eingeladen oder nicht, wo es etwas zu Essen gibt geht man einfach hin. Unerwartet gab es sogar noch Besuch aus der Schweiz! Toni, der Greyerzer, die Kalbsbratwürste und Schüblig's haben himmlisch geschmeckt. Darfst jeder Zeit wieder kommen...


Toni (mitte) mit Freunden zu Besuch

Für uns mit dem Laden, bedeutet die Fiesta eher eine stressige Zeit. Eine Zeit die man aus geschäftlichen Überlegungen auch nutzen muss. Tagsüber ist es heiss und die Gäste wollen verpflegt werden. So haben wir an diesen beiden Tagen vierundsechzig Harassen Bier verkauft! Prost!

Die Parade

  

    

    

  

    

  

  

Ein Jahr in der Provinz

Seit einem Jahr lebe ich nun schon in der Provinz und habe dabei die Filipinos etwas näher kennen gelernt. Leider hatte ich nur sehr sporadischen Kontakt mit gebildeten Leuten. Da diese tagsüber arbeiten, bleiben die Arbeitslosen, die Fischer und Bauern übrig. Diese sprechen jedoch nur sehr wenig Englisch, so kann es zu keinen Gesprächen kommen. Des öfters bin ich eingeladen worden mich zu ihnen zu gesellen, doch meistens ist es zum "Saufen" und  das interessiert mich nicht. So beschränkt sich mein Kontakt hauptsächlich mit deren Ehefrauen, die auch gebildeter sind. Doch auch diese "gügelen" gerne, so ziehe ich mich meistens zurück. Der Kontakt mit Einheimischen ist daher zu einseitig um sich ein richtiges Bild des Filipinos machen zu können. Dies ist vermutlich auch gar nicht möglich, denn wie würde man einen typischen Schweizer beschreiben? Sicher ist, es sind nette und glückliche Leute, haben es lustig, singen und trinken gerne ihren Tuba, den Palmenwein. Sobald man jedoch mit den Leuten zusammenleben oder arbeiten muss, führt die Begegnung zwischen unserer westlicher, mehrheitlich leistungsorientierter Denk- und Handlungsweise und dem eher generellen Minimalistendenken, gekoppelt mit der intellektuellen Diskrepanz und der unterschiedlichen Auffassung über Ordnung, Sauberkeit und Kindererziehung unweigerlich zu Konfrontationen. Was mich jedoch am meisten „auf die Palme bringt“ ist diese, in allen Lebensbereichen, totale Unbekümmertheit.
Ein Jahr in der Provinz, ohne Zeitung, ohne cable TV, praktisch ohne Kontakt zu Weissen, das ist eine lange Zeit.  So was kann nicht jedermann. Zum Glück müssen Touristen in den Philippinen einmal im Jahr das Land verlassen, so werde ich in den nächsten zwei Monaten wieder etwas unterwegs sein (Thailand, Kambodscha, Vietnam).


Immigration Tacloban: alle zwei Monate muss ich hier mein Visum verlängern

Gibt es ein Paradies?

Nach bald acht Jahren Aufenthalt in Südostasien habe ich inzwischen reiche Erfahrungen gesammelt. Zur Enttäuschung zukünftiger Aussteiger und  Auswanderer, musste ich leider feststellen, dass es das von uns vermeintliche gesuchte Paradies wohl gar nicht gibt. Überall wo Menschen sind gibt es Konflikte. Das war schon seit jeher so, als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden.
Die Gründe und Ziele jedes Auswanderers sind verschieden, es gibt deshalb kein Wunderrezept. Als generelle Regel kann ich lediglich den Rat geben so lange wie möglich frei, unabhängig und ohne feste Beziehung zu bleiben.




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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com