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Occasion Digitalkamera
Auf meinen Aufruf eine Occasion Digitalkamera erwerben zu können, hat sich
leider niemand gemeldet. Der neue Bericht erfolgt daher ohne neue Bilder.
Pension Caspe
Unsere Besucher, Pierre und meine Schwester, sind längst wieder zu Hause, übrig
geblieben sind schöne Erinnerungen und einige Päckli Fondue. Die Ragusas waren
schnell aufgegessen, denn Schokolade haben hier, im Gegensatz zu Käse, alle
gern. Solche Besuche sind für mich eine willkommene Abwechslung und ich hoffe
sehr, dass noch mehr Freunde und Kollegen den Weg nach Maydolong finden werden.
Ein Dank auch an Hene und Marilyn die uns zuletzt besucht haben.
Obwohl wir etwas abseits wohnen, aber wo ist man dies in den Philippinen nicht,
wäre eine Woche Ferien bei uns am Pazifischen Ozean, eine einmalige Gelegenheit
das Leben in der Provinz, abseits von Touristen, zwischen Reisfeldern und
Bananenstauden, hautnah zu erleben. Schon alleine unser Sari-Sari ist eine
Attraktion. Was wir in unserem Krämerladen nicht alles verkaufen, von
Bebéwindeln, über Nähfaden, Kugelschreiber, Nagellackentferner, Kerzen,
Sicherheitsnadeln, Reissnägel, Medikamente, Petrol und vieles mehr. Mit dem
Laden von 05.30 – 21.00 Uhr geöffnet, ist zudem immer etwas los.
 Zu Besuch in Maydolong: Hene und Marylin
Einen
Katzensprung von uns entfernt gibt es an der Küste schöne Cottages zum
Grillieren oder Picknicken, oder wir laufen bei Ebbe zur vorgelagerten „Poro“ –
Insel. In der nahen Umgebung gibt es ebenfalls einige interessante Ausflüge zu
machen. Durch eine bezaubernde Landschaft fahren wir den Suribao Fluss hinauf zu
Wasserfällen und Tropfsteinhöhlen. Schöne Badestrände gibt es in Guiuan und Calicoan
Island, welches zum Boracay des Pazifiks entwickelt werden soll. Wer ein wenig
Interesse an der Geschichte des 2. Weltkrieges hat, könnte eine Visite bei uns
auch mit dem Besuch der Insel Corregidor (Manila), dem McArthur Landing Memorial
in Palo (Leyte) verbinden. Es gibt vieles zu sehen: die seltsamen
Schokoladenhügel in Bohol oder das Naturparadies auf Palawan.
Es würde uns freuen, jemandem diese Sehenswürdigkeiten zeigen zu dürfen. Wir
haben ein kleines Gästezimmer (ohne Air-cond), die Verpflegung ist einfach, die
Küche ist jedoch bisher nur gerühmt worden! Nützt doch diese einmalige Gelegenheit.
Rekordpreis für Reis
Bekanntlich zählt Reis in Asien zu den wichtigsten Lebensmitteln. Für mehr als
zwei Milliarden Menschen ist dieses Getreide das wichtigste Nahrungsmittel. Dies
ist auch in den Philippinen so. Täglich werden im Schnitt schätzungsweise 33’000
To Reis gegessen!
Der Reispreis hat im März an der Welt grössten Terminbörse Chicago Mercantile
Exchange (CME), neue Rekordmarken erreicht. Weltweit wachsende
Bevölkerungszahlen, niedrigere Gesamterträge durch ungünstige
Witterungsverhältnisse, steigende Energiekosten sowie gesteigerte Nachfrage auf
dem Weltmarkt hat die Preise in die Höhe getrieben. Während dem die weltweite
Reisproduktion stagniert, wächst die Weltbevölkerung (über sechs Milliarden) um
fast 2% jährlich an. Die Situation wird dazu noch verschärft, wenn Länder wie
Thailand, eine der grössten Reisexportnation, seine Exporte einschränkt um seine
eigene Versorgung zu sichern.
Seit diesem Jahr gehören die Philippinen zum weltweit grössten Reisimporteur.
Dass man nicht einmal genügend Reis für den Eigenbedarf produzieren kann
ist erstaunlich und bedenklich.
Noch bis letzten Dezember verkauften wir als lizenzierter Reishändler monatlich
eine Tonne verbilligten NFA (National Food Authority) Reis zu 18 Pesos das Kilo
(47 Rappen). Für viele kleine Sari Sari’s bedeutete dies die
Haupteinnahmequelle. Durch die Reisknappheit können wir seit Beginn dieses
Jahres keinen verbilligten NFA-Reis mehr beziehen. Dieser wird nur noch zentral
und in kleinen Mengen abgegeben. Wie angespannt die aktuelle Lage am globalen
Reismarkt derzeit ist, kam zuletzt darin zum Ausdruck, dass die philippinische
Präsidentin Gloria Macapagal den vietnamesischen Premierminister Nguyen Tan Dung
um einen Vertrag zur langfristigen Sicherstellung des philippinischen
Reisbedarfs bat. Presseberichten aus Manila zufolgen decken die Reisvorräte der
Philippinen derzeit gerade einmal acht Tage des laufenden Verbrauchs!
Jedes Mal auf dem Weg von Manila nach San Fernando habe ich mich gewundert, wie
viele Felder entlang dem „Northern Luzon Highway“ brach liegen. Auch hier in
Samar könnte viel mehr Land genutzt werden. Fragt man die Nachbarbauern weshalb
dies so sei, erhält man die Antwort, weil kein Bewässerungssystem existiere. Und
damit sind wir schon mitten in der Lokalpolitik. Statt fünf Millionen Pesos für
die Verschönerung unseres Dorfplatzes zu verschwenden, hätte man dieses Geld für
wichtigeres ausgeben können.
Mit der Zuspitzung der Situation müssten sich die Filipinos vielleicht auch
langsam überlegen, was man denn anderes als nur Reis essen könnte. Im Zweiten
Weltkrieg hat man in der Schweiz auch vermehrt Kartoffeln anpflanzen müssen.
Kartoffeln sind hier allerdings nicht gerade billig, sechzig Pesos das Kilo,
aber es gibt andere Alternativen. Mit einer Zunahme von elf Millionen Mäulern
bis zum Jahr 2014, wäre es Zeit sich etwas einfallen zu lassen…
Nein zur Stromerhöhung
Die Stromversorgung ist hier durch die ESAMELCO (Eastern Samar Electric
Cooperative) sicher gestellt. Diese produziert keinen Strom, sondern bezieht ihn
nur von TRANSCO. Ohne vorherige Ankündigung wurde der Preis für ein Kilowatt/Std
um 120%, auf 8 Pesos erhöht. Zum ersten Mal, seit ich hier lebe, hat sich ein
Politiker vehement für die Bevölkerung eingesetzt, und zwar der Gouverneur Ben
Evardone persönlich. Durch die kürzlichen Schäden des Unwetters und der
steigenden Preise für Nahrungsmittel, sei eine Erhöhung im jetzigen Zeitpunkt
nicht angebracht. In Banderolen fordert er die Bevölkerung auf, die Rechnungen
nicht zu bezahlen! Diese Aktion ist bei den Leuten natürlich gut angekommen.
Aber wer weiss, Politiker sind Schlaumeier und hier vielmals Filous. Vielleicht
war das ganze lediglich eine abgekartete Sache, die als Propagandaaktion genützt
wurde. Trotzdem, es hat wenigstens den Leuten etwas geholfen.
Sturmwarnung aus der Schweiz
Die
Regenzeit in Samar, sollte normalerweise Ende März langsam zu Ende gehen. Doch
dieses Jahr scheint diese kein Ende nehmen zu wollen. Noch Mitte April regnet es
manchmal ein Dutzend mal am Tag und so sintflutartig, dass es die Setzlinge im
Garten ertränkt. Auf dem Balkon hingegen, gedeiht meine Topfplantage recht gut.
Nebst Salat habe ich neu Peperoni angepflanzt die schon so gross wie Aprikosen
sind.
Seit dem Besuch meiner Schwester informiert sie sich nun des Öfteren via
Internet über die hiesige Wetterlage. Besorgt meldete sie mir via E-Mail, dass
sich ein riesiger Taifun mit Windgeschwindigkeiten bis zu 210 Std/Km den
Philippinen nähert und sich bereits 370 Km östlich von Guiuan befindet. Doch für
einmal haben wir Glück gehabt. Taifun „Butchoy“ brachte zwar heftige
Niederschläge, ging aber an Samar vorbei. Andere Provinzen wurden dagegen stark
betroffen.
Im April und Mai ist hier Ananas-Saison. Eine willkommene Abwechslung im
Früchteangebot, das für ein tropisches Land wie die Philippinen recht mager
ausfällt. Was ich hier am meisten, nebst Käse und Crusta-Brot von der Migros
vermisse, sind …Früchte! Kaum zu glauben, sogar Papayas, die ja wie Unkraut
wachsen, sind hier schwer zu finden.
Mitte April hat sich das Wetter dann endlich doch für mehrheitlichen
Sonnenschein entschieden. Morgens um acht Uhr ist es bereits derart heiss, dass
ich die Töpfe auf dem Balkon an den Schatten stellen muss. Aufgrund der
letztjährigen Erfahrungen haben wir im Garten nur noch Schlangenbohnen, Okra,
Bittergurken und Süßkartoffel angepflanzt. Das „Zeug“ wächst bei diesem
tropischen Klima wie verrückt und nur zwei Wochen später waren die
Schlangenbohnen schon einen Meter hoch. Nach einer weiteren Woche gab es die
ersten zwei Bohnen zu ernten. Wer selber einen Garten hat weiss, dass eigenes
Gemüse viel besser schmeckt. Bemühungen etwas anzupflanzen werden jedoch oft von
den Nachbarskindern zunichte gemacht. Einen meiner selbst gezogenen Papayabäume
haben sie mir schon mal „geköpft“. Saugofe!
Gottes Willen
Bereits
zum 2. Mal innert eines halben Jahres ist bei uns in der Nachbarschaft eine
junge Frau nach der Geburt gestorben. Laut Angaben des NSO, National Statistic
Office, ist dies in den Philippinnen keine Seltenheit. Auf jede 100'000.
Lebendgeburt sterben 162 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt
oder kurz nach der Geburt.
Für Leute die es vermögen erfolgt die Bestattung am 9. Tag nach dem Tode. Bis
dahin werden Familienangehörige und Freunde des Verstorbenen eingeladen zusammen
zu sein um zu Essen und zu Beten. Schräg gegenüber unserem Haus wurden Tische
und Bänke unter eine Zeltblache eingerichtet. Von Trauer habe ich nicht viel
mitbekommen. Die Leute schienen fröhlich zu sein und lachten laut. Am ersten
Abend wurde der Sarg gezimmert. Das Hämmern und Sägen wurde von der Karaoke, die
gerade den Song „Sex bomb, sex bomb“ abspielte, übertönt. Während der ganzen
Woche herrscht beinahe jeden Tag Feststimmung. Die Leute spielen „Bingo“ und
sitzen oft bis spät in die Nacht zusammen. Niemanden scheint sich Gedanken
darüber zu machen, ob die Verstorbene
nicht hätte gerettet werden können. Aber alles ist hier Gottes Willen. Es gibt zwar
ein Health Center und eine Ambulanz, einen Piketdienst kennt man
jedoch nicht. Bei einem Notfall nachts gibt es keinen Arzt und es soll auch schon vorgekommen sein, dass
der Ambulanzfahrer nicht
aufzutreiben oder kein Benzin im Tank war! Dass sich in diesem Lande nicht mehr Leute gegen solche
Missstände
opponieren, kann einer
Regierung nur gelegen sein. Wer jedoch opponiert, wird hier kaltblütig "erledigt". Meldungen der Tageszeitung „Philippine Daily Inquirer“ zufolge,
sind unter der Arroyo Administration gewaltsames Verschwinden und
aussergerichtliche Hinrichtungen, auch als politische Morde bezeichnet, systematischer geworden
und haben ein beängstigtes Ausmass angenommen. Und dies in einem so sehr
christlichen und demokratischen Land! Aber auch dies ist scheinbar Gottes
Willen. Weshalb man lieber schweigt ist
daher gut verständlich. Gemäss Teddy Casina, einem Menschenrechtsadvokat,
sollen von den neunhundert! Ermordungsfällen seit 2001, lediglich vier Täter
verurteilt worden sein (siehe www.pinoyhr.net/index_de.php).
Das 11. Gebot
„Du sollst
Deine Schulden unaufgefordert zurück bezahlen“, so heisst das 11. Gebot!
Niemanden scheint dieses Gebot der Bibel zu kennen. Klar, denn die Verfasser der
Bibel, hatten damals auch gerade Schulden, so kam ihnen dies, wie vieles andere
dass sie nicht verstanden, nicht gelegen und liessen es aus. Wie ich in einem
früheren Bericht schon beschrieben habe, läuft ohne „Utang“ – Schulden hier
nichts. Pfandhäuser und Geld entlehnen ist ein „dickes“ Geschäft, birgt jedoch
auch gewisse Risiken in sich. In der Regel ist für ein Darlehen ein Zins von 13%
zu bezahlen. Vielmals wird jedoch das nicht legale „5-6“ Geschäft betrieben: ich
gebe Dir heute 100 Pesos, Du zahlst mir morgen 120 zurück. Dies ist gang und
gäbe. Seit letzten November sind auch wir in dieses Geschäft eingestiegen. Unser
Zins beträgt „nur“ 10% pro Monat. Derzeit haben wir neunzehn Kunden. Ab und zu
müssen die Leute an den zu bezahlenden Zins erinnert werden, doch bisher läuft
das Business nicht allzu schlecht. Ob es allerdings ein gutes Geschäft ist,
werde ich erst sagen können, wenn die Kredite vollumfänglich zurück bezahlt
sind.
Die Ausstände im Laden betragen dagegen nach wie vor mehr als Achttausend Pesos.
Für etwa ein Drittel der Summe besteht wohl keine grosse Hoffnung mehr. Ein
Betreibungsamt gibt es hier nicht, so werden wir es wohl abschreiben müssen. Wenn man die Leute nicht ständig
mahnt, drängt und ihnen das
Messer an die Gurgel setzt, dann geschieht nichts. Wir sind
schliesslich ein Sari-Sari und keine karikative Institution.
Fortschritt in Samar
Jedes Mal
wenn ich am grossen Plakat mit den Fotos der Präsidentin, des Gouverneurs und
des Bürgermeisters mit der Aufschrift „Fortschritt in Samar“ vorbei gehe,
muss ich nur lächeln. Ein typischen Wahlversprechen. Ich lebe nun bald zwei Jahren hier, von Fortschritt habe ich
jedoch bisher nicht viel gesehen. Die Strasse, der National Highway“ ist nach wie vor
in einem erbärmlichen Zustand und die Stromausfälle sind an der Tagesordnung.
Diese ständigen Ausfälle, oft mehrmals am Tag und manchmal während Stunden, treiben mich, der zum Arbeiten
auf das Internet angewiesen bin, immer mehr zur "Weissglut". Nie werde ich
mich an so was anpassen können. In der ersten Maiwoche war wieder einmal
der „Wurm“ drin. Praktisch jeden Tag, immer so um das Einnachten herum, ging das
Licht aus. Ekelhaft. Mit unseren Notlampen, nötigenfalls dem Generator,
konnten wir das Leben in den Abendstunden noch einigermassen normal
weiterführen. Wenn am Sonntag pünktlich um 08.00 Uhr der Strom ausgeht, dann ist es ein
„geplanter“ Unterbruch. Mann weiss dann, dass dieser meistens bis 17.00 Uhr andauert
und kann sich darauf einrichten. Mit so vielen Stromausfällen kann es
in dieser Region auch gar keinen Fortschritt geben. Kleinbetriebe, wie unsere kleine Schneiderei
nebenan, die zum Nähen auf Strom angewiesen sind, werden dadurch ständig paralysiert. Ich
bin, seitdem ich in den Philippinen lebe, ein geduldiger Mensch geworden, wenn
es aber manchmal achtzehn Minuten dauert bis ich nur die Internetverbindung
herstellen kann, zwölf weitere Minuten benötige um das Saldo meines
PC-Kontos abzurufen und weitere vier Minuten brauche um eine Transaktion
vorzunehmen, dann platzt auch dem „lieben Willy“ der Kragen. Je länger ich hier
lebe, desto mehr bekomme ich den Eindruck, dass in diesem Lande nichts normal
funktioniert. Das Plakat mit dem Wahlversprechen ist inzwischen nicht mehr. Ein
kleiner Fortschritt, hat es dennoch gegeben: wir haben neue Strassenlampen
erhalten. Ab Monat August wird sich alles ändern: die Provinz Samar erhält vierzehn neue Entwicklungshelfer von der
Deutschen Entwicklungshilfe!

Ein neues Schuljahr beginnt
Der 9. Juni bedeutete für mehr als 20 Millionen Schüler! (Gesamtbevölkerung 90 Mio.)
ein neuer Schulbeginn, die in 43’000 öffentlichen Schulen von 480'433 Lehrer
erwartet wurden.
Auch für „unsere“ beiden Kinder, Camel (10) und Jeffrey (13), begann wieder der
Ernst des Lebens. So Ernst nehmen es Kinder wie Eltern hier allerdings nicht.
Ich kenne inzwischen viele der Nachbarskinder und muss leider feststellen, dass
vor allem unser Quartier eine kleine Brutstätte für "stupidos" - Dummköpfe"
zu sein scheint. Trotz mässigem
Abschneiden hat es "unser" Jeffrey doch noch geschafft die Elementary
School erfolgreich abzuschliessen. An einer pompösen Schulabschlussfeier, in
welcher
die Schüler im Talar, der akademischen Kleidung, bekleidet waren!, wurden
die Diplome abgegeben. Stolz
standen sie da in ihren weissen Roben und Doktorhut. Erinnerungsfotos fürs Familienalbum wurden gemacht. Für die besten Schüler hätte ich für
so was ja noch Verständnis, in Kenntnis seiner Abschlussnote, fand ich dieses
inszenierte "Theater" absolut lächerlich. Damit werden sie wohl noch glauben wie gut und gescheit sie sind! Nun, seit dem neuen
Schulbeginn ist die Zeit des "laueren" vorbei. Mit dem Besuch einer privaten High School in Borongan
pfeift ein anderer Wind. Jeden Morgen um 06.00 Uhr wird er vom Schulbus
abgeholt und um 18.00 Uhr nach Hause gebracht. Anders als in der Elementary
school gibt es nun auch täglich Hausaufgaben. Der Zweck darin besteht jedoch
nicht, dass diese von den Eltern gemacht werden, ansonsten sich diese "Schrumpfhirni" ja nie
entwickeln werden. Dies tönt nun vielleicht etwas böse, aber was soll ich davon
halten, wenn ein Sechstklässler nicht ausrechnen kann wie viele Quadratmeter
eine Fläche von zwei mal zwei Meter sind. Privatschulen sind nicht gratis und wir hoffen alle, dass
sich der Sohn
fortan mehr bemühen und diese Chance nützen wird. Die Vorgabe ist klar: ohne eine
markante Steigerung seinerseits ist das Gastspiel in Borongan beendet. Mit einer noch
schlechteren Schulnote abgeschlossen hat die Tochter! Jeden Samstag gibt es
daher
Nachhilfestunden. Sie ist auch unser Sorgenkind. Ein schwer erziehbares Kind. Tag für Tag kann man
Hundertmal das gleiche wiederholen,
es nützt einfach nichts. Wilde Tiere dressiert man mit der Peitsche,
Kindererziehung ist leider etwas schwieriger. Seitdem wir es etwas mehr auf die sanfte Tour
mit Belohnung versuchen, dabei aber Konsequent und Strikte bleiben, scheint es ein
kleiner
Fortschritt gegeben zu haben. Hoffen wir, dass es so weiter geht. Auf die Noten des
1. Quartals sind wir alle schon sehr gespannt.
Sari-Sari mit Schweizer Management
Die
weltweite Verteuerung der Lebensmittel ist auch hier nicht unbemerkt geblieben.
Die Preise ändern derart rasant, dass ich die Preisliste unseres Sari-Sari’s
jede Woche neu ausdrucken könnte. Lag die Inflationsrate im März noch bei 6,4
Prozent, ist sie im Monat April auf 8,3 Prozent angestiegen und man erwartet bis
Ende Jahr eine zweistellige Zahl. Durch die neue Regelung mit dem NFA-Reis ist
unser Umsatz gegenüber dem Vorjahr monatlich um rund 14'000 Pesos gesunken. Wir
verkaufen nur noch etwa drei bis vier Säcke Reis pro Monat. Die Gewinnmarge bei
„Commercial“ Reis ist allerdings wesentlich höher als bei NFA-Reis, die
Gewinneinbusse ist daher nicht so dramatisch. Bedingt durch das sehr schlechte
Wetter im Februar (Mindereinnahmen der Fischer) hatten auch wir einen starken
Umsatzrückgang zu verzeichnen. Es wurde eindeutig weniger getrunken und
geraucht!
Wie viel wir mit unserem Sari-Sari verdienen, kann ich nach wie vor,
trotz Schweizer Management, nicht genau sagen. Meine monatliche Statistik der
Wareneinkäufe gibt
mir lediglich einen Hinweis darüber, wie viel der Bruttogewinn sein sollte. Als
Faustregel gilt, dass dieser etwa zehn bis zwölf Prozent der
Einkäufe ausmacht. Dies ergibt eine recht ansehnliche Summe für hiesige
Verhältnisse und dennoch scheint mir, dass wir seit Monaten immer gleich viel/wenig Geld in der Kassa haben. Der Grund liegt wohl in
unserem Eigenbezug, der den grössten Teil des Gewinns „wegfrisst“.
Einige Verkaufszahlen (eigener Verbrauch inbegriffen) – Monat April 2008
212 Kg Reis
248 Eier
107 Sachets Milo 20 g
157 Büchsen Sardinen, Corned Beef
101 Maggi Nudelsuppen
71 Sachets Früchtepulver
103 Sachets Zucker zu 250 gr
18 Liter Speiseöl in Plastic zu 2 Pesos
13 Liter Soyasauce in Plastic zu 2 Pesos
750 Stück Superstick (Waffelstengel)
449 Stück Lolipop
1064 Stück Pintoora/Yakee (Kaugummi)
280 Stück Barnuts (Schokolädeli)
500 Stück Krimstick
540 Päckli Biskuits
92 Sachets Snacks
3180 Stück kleine Snacks wie Nüssli, Crackers
10 Liter Petrol
143 Sachets Shampoo 12 ml
21 Seifen
76 Tabletten Arzneimittel
10'200 Zigaretten
28 ½ Kisten Bier
13 ½ Kisten Mineralwasser
76 Sachets Waschpulver 80 gr
47 Liter Eiswasser in Plastic zu 550 ml
77 Kilo Eis in Plastic zu 750 gr
 Monat April






Und das Trike
werdet ihr fragen? Die Gewinn- und Verlustrechnung für das 1. Halbjahr ergibt leider
einen Verlust von 2'738 Pesos. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die
jährlichen Gebühren für Bewilligungen und Versicherungen von rund 5'000 Pesos
in den April- und Maiausgaben eingeschlossen sind.
Leider hatten wir dieses Jahr viele Reparaturen zu verzeichnen, was auch auf den
schlechten Zustand der Strasse zurückzuführen ist. Die vielen Schlechtwetterperioden haben sich ebenfalls
in den Einnahmen niedergeschlagen. Diese könnten jedoch, wenn es
unser Fahrer, Edwin, wollte, wesentlich höher ausfallen. Das Trike bleibt oft für zwei, drei Tage im Garage stehen, weil der Herr
keine Lust hat zu arbeiten. Nach jeder Ermahnung läuft es für einige Tage
wieder gut. Wenn sich dies nicht bessert, werden wir einen
neuen Fahrer suchen. Aber so sind die Filipinos, Kinder wie Erwachsene. Ständig treiben
sie es auf die Spitze und versuchen wie weit sie gehen können, bis sie dann halt "gefeuert" werden.

Taifun „Frank“
Jedes Mal
wenn Patring, unsere Nachbarin, im Laden ein ganzes Zigarettenpäckli kauft,
bedeutet dies, dass ihr Mann für vierundzwanzig Stunden, manchmal auch länger,
auf Fischfang geht. An diesem schönen Donnerstagmorgen den 20. Juni dachte
niemanden, dass sich draussen im Pazifik etwas „zusammenbraute“. Spät abends um
23.00 Uhr wurde von PAGASA, (Philippine Atmospheric Geophysical and Astronomical
Services Administration) für die Region Samar und Leyte das „Signal 2“
herausgegeben. Doch um diese Zeit schliefen ja die meisten Leute und die Fischer
waren ja schon längst weg. In der Nacht ging ein gewaltiger Regen nieder. Bei
meiner täglichen Internetverbindung nahm es mich daher wunder was wir
wettermässig fürs Wochenende zu erwarten hatten. In seinem Morgenbulletin von
05.00 Uhr meldete PAGASA, dass das Zentrum des Taifuns „Frank“ – Internationalen
Namen „Fengshen“ – 180 Km östlich von Guiuan lokalisiert war und sich
voraussichtlich in nordwestlicher Richtung, an uns vorbei ziehen
sollte. Leises Aufatmen. Gegen 08.00 Uhr kommen die Schulkinder wieder nach Hause.
Wegen des bevorstehenden Sturmes sind die Schulklassen suspendiert worden. Ich befinde
mich ganz alleine im Hause, alle meine Leute sollen am Strand sein. Als ich dort ankomme, ist
eine
recht ansehnliche Menschenmenge versammelt. Alle blicken gespannt aufs Meer
hinaus. Ich lasse mir erklären, dass die beiden Fischerboote von gestern noch
nicht zurück sind und alle auf die Rückkehr warten. Nach einer Weile geht ein
Schrei durch die Menge. Jemand hat weit draussen ein Boot entdeckt. Sofort
starten einige Fischer und fahren ihnen entgegen. Als sich die beiden Boote der
Küste nähern um anzulegen heisst es, dass das Boot leer war! Von „Nestor“ der
uns vor einigen Wochen zu unserem Inselausflug zur „3 Coconut Island“ führte,
keine Spur! Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Fischer von Maydolong nicht
zurückgekehrt wäre. Man befürchtet schon Schlimmes. Die Kinder der beiden
vermissenden Väter beginnen zu weinen. Auch „unsere“ Patring ist dem Weinen
nahe. Hundert Paar Adleraugen blicken den Meereshorizont ab. Es ist inzwischen
halbzehn, der Sturm hat an Intensität zugenommen. Wieder ein Aufschrei!
Jemanden scheint zwischen den hohen Wellen ein weisses Styropor gesehen zu
haben. Das Schiff von Patring’s Mann! Erleichterung kommt auf. Doch es ist nicht
das Schiff, nur ein Stück Styropor, an dem sich Nestor klammert. Sichtlich
erschöpft kommt er an Land. Der Motor seines Bootes sei ausgegangen, da sei er,
angesichts der grossen Wellen die das Boot zu kippen bedrohten, ins Wasser
gesprungen. Aber was ist mit Patring’s Mann, Ceo? Doch auch dieser wird nach
kurzer Zeit, auf einem Plastikbenzinkanister liegend, mit den Händen rudernd, gesichtet und an Land
gebracht. Sein Boot, voll mit Fischen geladen, sei beim starken Wellengang bei
Sichtweite auf die Küste gekippt und untergegangen. Ende Gut alles Gut!

Gemäss PAGASA-Bulletin vom Freitag 20. Juni 05.00 Uhr sollte sich Taifun "Frank"
nordöstlich bewegen
Da der
Sturm von Minute zu Minute immer stärker wurde, flüchteten die Leute rasch nach
Hause. Erst später vernahm ich durch PAGASA, dass das Zentrum des Taifuns nun
schon 60 Kilometer nordöstlich von Guiuan war und mit Windböen bis zu 150 Std/Km
blies. Geschützt in unserem stabilen Haus, können wir nicht anderes tun als den
Sturm über uns ergehen lassen. Meine Salat- und Peperonitöpfe sowie den Vogel
hatte ich vorzeitig evakuiert und in Sicherheit gebracht. Der Regen peitschte
nun so stark gegen die Fenster auf der Meeresseite, dass einige Schwachstellen
zum Vorschein kamen und Wasser durchsickerte. Gebangt sitzen wir hinter den
Fenstern und schauen zu wie es die Bananenstauden zerfetzt. Wie auf ein
Kommando, fällt der Wind gegen 13.00 Uhr zusammen. Ohne lange zu zögern beginnen
wir sofort mit den Putz- und Aufräumarbeiten. Mir scheint es, als ob wir
glimpflich davon gekommen sind. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass
wir, wie bei meinem ersten Taifun im Dezember vor einem Jahr, wiederum im Auge
des Taifuns lagen. Kaum hatten wir um das Haus sauber gemacht, begann der Wind
von der entgegenkommenden Seite und wie! Wir hatten nun alle Hände voll zu tun.
Durch den peitschenden Regen an die Fensterfront des Schlafzimmers, lag dieses
im Nu einen Zentimeter unter Wasser. Mit Badetüchern konnten wir die
Schiebefenster auf der Aussenseite ein wenig abdichten. Mit zunehmender Sorge
bangte ich um die Satellitenschüssel und die Internetantenne. Ich hatte jedoch
nicht viel Zeit mich darum zu kümmern, denn der Sturm war nun so stark, dass es
das Vordach des Sari-Sari aus Nipablätter mitsamt Konstruktion wegblies. Unter
der undichten Eingangstür drang der Regen wie bei einem Dammbruch ein. Wir kamen
echt ins Schwitzen. Endlich liess der Wind nach als ob nichts geschehen wäre.
Ich hatte meinen zweiten Taifun erlebt.
Als Erstes machte ich mir Sorgen um den Garten. Aber da war kein Garten mehr.
Die geknickten Bananenstauden hatten den Zaun niedergerissen, meine
Schlangenbohnen und Bittergurken lagen am Boden, von den verbleibenden, von den
Kindern verschonten Papayabäume, hatte nur einer überlebt. Ein Bild der
Verwüstung. Viel schlimmer war aber, dass durch die zwei geknickten
Bananenstauden neben dem Haus unsere Stromleitung zum Masten abgerissen war. So
machte ich mich moralisch auf einen längeren Stromausfall bereit. Für mich
bedeutete dies wohl „Adieu EURO 2008“.
Sofort wurde Diesel und Öl für den Generator besorgt. Der erste Abend ging für
uns so fast normal zu Ende. Sogar das Internet funktionierte! Am nächsten Tag,
Samstag, wurde der ganze Tage geputzt und aufgeräumt. Im Verlaufe des
Nachmittags erschien bereits der Erste Kunde um sein Händy für 15 Pesos
aufzuladen. Wir spekulierten wie lange es wohl dauern würde bis die Reparaturen
der Stromleitungen beendet sind. Eine Woche? Zwei Wochen?
Mit dem Generator war uns einmal mehr sehr geholfen. In der Regel liessen wir
ihn morgens und abends für je drei Stunden laufen. Damit konnten wir nicht ganz
eiskaltes, aber doch gekühltes Mineralwasser und Bier mit einem Aufpreis von
einem Pesos verkaufen. Unser Nachteil war lediglich, dass wir nachts ohne
Air-Cond schlafen mussten und unsere Wasserpumpe nicht am Generator
angeschlossen war. Als Folge mussten wir, was unsere Nachbarn jeden Tag machen,
das Wasser nun im Eimer holen. Ab dem dritten Tag ohne Strom war das
Handy-Auflade-Business wieder voll im Gang und verkauften auch grössere Mengen
von Petrol. Von mir aus hätte es so noch einige Wochen weiter gehen können, von
Insidern vernahm man jedoch, dass die ESAMELCO, wegen dem grossen Boxkampf mit
Weltmeister Manny Pacquiao in Las Vegas am Sonntagmorgen Philippinen Zeit, alles
daran setzten würde die Stromversorgung bis dahin fertig zu stellen. Und
tatsächlich, am Samstagabend ging das Licht der Strassenlampen wieder an. Aus
den Häusern ertönte ein wildes durcheinander von Musik, die Leute tanzten und
sangen vor Freude auf der Strasse. Wir hatten wieder Strom, ausser uns…! Unser
Kabel hing nach wie vor herunter. Am Montagmittag kam dann auf Drängen endlich
der Reparaturtrupp vorbei. Um sie bei guter Laune zu halten offerierten wir der
Equipe zu Trinken und Biskuits. In einer Viertelstunde war die Sache erledigt.
Aber wie die das repariert haben. Ich bin ja gelernter „Bürogummi“, aber so viel
verstehe ich glaub doch noch um zu beurteilen, dass diese Elektriker einfach
„Bastler“ sind. Bei uns in der Schweiz würde man eine solche Arbeit mit
Gefängnis bestrafen! Aber es funktionierte und wir hatten wieder Strom.

dieser änderte jedoch unvorhergesehen seine Richtung
Zum
Zweiten Mal habe ich nun einen Taifun erlebt ohne dabei Schaden zu erleiden. Wie
die Situation jedoch in Myanmar nach dieser gewaltigen Katastrophe ausgesehen
haben muss, kann ich mir gut vorstellen. Jede Stunde ohne Hilfe ist eine
Ewigkeit. Was sich die da die Militärjunta punkto ausländischer
Katastrophenhilfe geleistet hat ist ein absoluter Hohn. Meiner Meinung nach
gehören solche Herren (ich wüsste noch ein paar andere) vor den Internationalen
Gerichtshof, um sie gegen Menschenverbrechen anzuklagen. Doch wer hat den Mut
dazu?
Und dann dieses tragische Fährenunglück der „MV Princess of the
Stars“ in welchem achthundert Menschen den Tod gefunden haben. Einmal mehr Schreckensnachrichten aus den Philippinen. Wie konnte dies
nur passieren? Weshalb hat man dieses Schiff in Manila trotz Warnsignal 2
überhaupt auslaufen lassen? Einen Schuldigen zu finden wird wohl nicht leicht
sein. Als die Küstenwache am
Freitagmorgen das Ok zum Auslaufen gab, war der Taifun noch auf nördlichem
Kurs. Niemanden konnte voraussehen, dass "Frank" seine Richtung plötzlich ändern
würde. Gemäss den Bestimmungen dürfen
zudem Schiffe über 23'000 Tonnage auch trotz Signal 2 auslaufen. Der
Küstenwache kann daher keinen Fehler vorgeworfen werden. PAGASA meldete die
Richtungsänderung in seinem Bulletin in
der Nacht auf Sonntag, doch um diese Zeit schliefen die meisten Leute. Der Kapitän
der "MV Princess of the Stars" soll angeblich per Radio darüber
orientiert worden sein. Weshalb die Fähre am Sonntag um 11.45 Uhr kenterte und
sank ist unklar. Nach den allerersten
Untersuchungen der Board of Marine Inquiry (BMI), vermutet man allerdings, dass der
Schiffskapitän,
ein sehr erfahrener Seemann, die Lage vermutlich völlig falsch eingeschätzt habe. Ob der Ballast oder eine unsorgfältige
Ladung, die bei hohem Seegang katastrophale Folgen haben kann, zusätzliche Faktoren für dieses
tragische Unglück waren, wird die Untersuchung hoffentlich aufzeigen.
Kein Schweizer Tag
Von dem in
der Schweiz herrschenden EURO 2008 Fieber war hier gar nichts zu spüren. Wie
könnte es auch? Eine Fussball-EM in der Schweiz bedeutet für die Filipinos etwa
so viel wie für uns die asiatische Kricketmeisterschaft in Bangla Desh. Sogar
mein Nachbar, der Andy, war nicht zu begeistern. Verständlich, da es die
Engländer nicht schafften sich zu qualifizieren. Die Philippinen sind eine der
vier Nationen die sich nicht einmal für die Qualifikation der WM 2010 bei der
FIFA angemeldet haben. Wie schade, wenn man bedenkt wie fussballverrückt die
umliegenden Länder sind. Mit grosser Freude fand ich heraus, dass es trotz
diesem Desinteresse einen philippinischer Sportsender gibt, der die EM-Spiele
live übertragen wird. Das erste Juni Wochenende hätte in sportlicher Hinsicht
ein grosser Schweizer Tag werden können. Schon seit vierzehn Tagen hatte ich das
Geschehen in Roland Garros, Paris, verfolgt. Der Tennis-Final, hier in den
Abendstunden live auf „Star Sports“ übertragen, ging schon mal in die „Hose“.
Das grosse Ereignis, das Fussball-Eröffnungsspiel in Basel mit der Begegnung
Schweiz – Tschechei stand aber noch bevor. Ich freute mich riesig darauf dies
live miterleben zu können und stellte den Wecker auf 02.00 Uhr. Die Enttäuschung
war riesengross als dann die Partie Portugal – Türkei übertragen wurde. Ich
tröstete mich auf die Aufzeichnung von 14.00 Uhr. Um ja nicht das Resultat
vorher zu erfahren, herrschte bis zu Matchbeginn eine totale Nachrichtensperre:
kein Fernsehen, kein Internet und keine SMS. Als ausgerechnet am frühen
Nachmittag einmal mehr der Strom ausfiel, jagte es mir den „Nuggi“ raus und
lautstark liess ich verkünden was ich von diesem Lande halte. Wenigstens konnte
ich dann noch die zweite Halbzeit verfolgen, viel hatte ich ja bis dahin ja noch
nicht verpasst. Für das 2. Spiel gegen die Türkei stellte ich erneut den Wecker
auf 02.00 Uhr. Doch wieder wurde eine andere Partie übertragen. Dies hat mich
dermassen verärgert, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Dank Martin Meier
wurde ich via SMS laufend über das Resultat informiert. So konnte ich um 04.00
Uhr, trotz Niederlage, endlich einschlafen. Fussballspiele alleine vor dem
Fernseher anzuschauen ist jedoch langweilig. Zum Finale habe ich daher eingeladen. Da weder die Schweiz noch England im Final standen,
begnügten wir uns mit der Aufzeichnung am Montag um 14.00 Uhr. Anstelle des Finals
wiederholte der Sender jedoch zum zweiten Mal
ein Viertelfinalspiel. Da die Filipinos keine Ahnung von Fussball haben, sei
Ihnen daher vergeben. Etwas verspätet, am Montagabend um 22.00 Uhr kamen wir
dann bei einem „Red Horse“- für nicht Insider, Bier - doch noch zu unserem
Final…
Zwei Freunde verloren
Unter den
vielen Bekanntschaften die ich in den letzten neun Jahren gemacht habe, sind vor
allem zwei, die mich sehr gefreut haben. Zum einen der „Wisi“, Louis Pfister
(86) aus Arbon, den ich vor fünf Jahren zufällig in Pattaya traf. Als ich ihm
erzählte was man so alles mit Internet machen und lernen kann, war er davon hell
begeistert. Mit 82 lernte ich ihn zu mailen. Zu Weihnachten schenkte ihm dann
seine Tochter einen Computer! Seither verbindet uns eine tiefe Freundschaft und
jedes Jahr haben wir uns in Pattaya getroffen.
Stets viel Freude hat mir und wohl allen Schweizer Gästen im Sunset Garden
(Angeles City/Philippinen) ein anderer 83 jähriger rüstiger Kerl gemacht: Mr.
Sunshine, Heinz Nagel aus dem St. Gallischen. Mit seinen Charme und lustigen
Sprüchen, manchmal auch durch seine Wutausbrüche, hat er uns oft zum Schmunzeln
gebracht. Von beiden habe ich leider die traurige Nachricht erhalten, dass sie
uns verlassen haben. Ich bin traurig darüber, werde sie jedoch in guter
Erinnerung behalten.
 Louis
 Mr. Sunshine
Verlassen hat uns auch mein Vater. Dies touchiert mich jedoch weit weniger. Vor vierzig
Jahren von meiner Mutter geschieden, habe ich von ihm lange nichts mehr gehört.
Erst als er finanziell in der „Scheisse“ sass hat er sich wieder gemeldet.
Natürlich habe ich ihm aus der Patsche geholfen. Einmal die Situation geregelt,
hat man von ihm erneut nichts mehr gehört. Aus Dank dafür muss ich nun erfahren,
dass er seine Kinder enterbt hat!
Auch mit meiner Mutter (87), seit 2 ½ Jahren im Pflegeheim, ist genau das
eingetreten, was wir immer vermeiden wollten: mit ihrem Vermögen (Haus in
Kandersteg) „frisst“ ihr der Staat nun das hart verdiente Geld weg. Wie oft
hatten wir darüber diskutiert sich frühzeitig über die legalen Möglichkeiten
einer Vorerbschaft an die Kinder zu informieren. Doch für viele ältere Leute ist
dieses Thema tabu. Spricht man darüber heisst es sofort ¨„Du hast es ja nur auf
mein Geld abgesehen!“. Weshalb sind ältere Leute nur so furchtbar geizig und
möchten wohl
am liebsten ihr Geld mit ins Grab nehmen. „Wir mussten früher
schwer arbeiten und hatten es nicht leicht!“, daher wohl die Ansicht, dass es den eigenen Kindern,
die in ihrem Leben nie „auf der faulen Haut sassen“ ja nicht besser gehen soll!
Was für eine Einstellung ist das nur? Meine
Mutter weiss zum Glück über ihre finanzielle Situation nichts, die Leidtragenden sind
aber wir Kinder.
Geschichten aus dem Alltag
Katastrophenhilfe
Für die Betroffenen der Unwetterkatastrophe vom letzten Februar, mehrheitlich
Leute „up river“, in den Hügeln, hat die Gemeinde erneut zwei Kilos Reis und
eine Büchse Sardine abgegeben. Jede Familie, auch wir, ob Betroffen oder nicht,
hat diese „Katastrophenhilfe“ erhalten…
Posthalter pensioniert
Als regelmässiger Kunde beim lokalen Postamt bin ich in der Zwischenzeit im
Gemeindehaus bekannt und mit dem Posthalter verbindet mich ein
freundschaftliches Verhältnis. An seinem letzten Arbeitstag erschien ich daher
auf dem Postamt um mich für seine stets freundliche Bedienung zu bedanken und
offerierte ihm eine Cola die er mit Freude annahm.
Schiesserei
Man sagt, dass es zwischen den hiesigen Polizisten zu einer Schiesserei gekommen
sei! Als der Polizeichef eines Abends zurück in sein Office kam, soll niemand
anwesend gewesen sein. Die beiden Diensthabenden Polizisten sollen von ihrem
Chef vis-à-vis im „Bamboo Grill“ bei einem Bier erwischt worden sein. Als dieser
zum Beweis „Alkohol während des Dienstes“ ein Foto von den beiden schiessen
wollte, zog einer der Beiden die Pistole. Was genau geschehen ist weiss ich
nicht genau, nur das der Polizeichef mit einer Streifschuss am Bein davon kam…
Händy verloren
Im Durchschnitt verliert jede Filipina ihr Händy zweimal im Jahr. Ich spreche
aus Erfahrung! Eine Filipina ohne Händy ist todunglücklich. Ohne könnte sie
vermutlich gar nicht leben. Den lieblangen Tag belangloses Zeug texten,
hundertmal alle Klingeltöne abspielen, da sind sie glücklich. Auch bei uns war
wieder einmal das Händy unauffindbar. In solchen Fällen ruft man die Nummer an,
in der Regel erfährt man durch das Läuten, wo man es verlegt hat. In unserem
Falle war die Nummer nicht erreichbar! Ein klarer Hinweis dafür, dass es jemand
geklaut und die SIM-Karte herausgenommen hat. Auch am nächsten Morgen blieb es
trotz intensiver Suche verschwunden. Wir setzten einen Finderlohn von Tausend
Pesos aus! Keine drei Stunden später, meldete unsere Haushaltshilfe, sie habe es
im 1. Stock unter einem Kissen auf dem Sofa gefunden! Wer’s glaubt! Jemanden hat
das geklaute Händy zurückgebracht und auf diese Weise ist es ohne jemanden zu
verdächtigen zum Vorschein gekommen. die Angelegenheit war damit erledigt. Für
uns aber ein Grund beim Sari-Sari Eingang ein Gittertor anzubringen.
Stromrechnung
Eine Stromrechnung in den Philippinen zu bezahlen ist auch so ein Erlebnis. Das
kleine Büro ist offiziell von Mo – Fr von 09.00 – bis 15.00 Uhr geöffnet. Die
Angestellten der ESAMELCO nehmen dies aber nicht so ernst. Man muss froh sein,
wenn sie überhaupt öffnen. Bei meinem letzten Besuch warteten um 10.15 Uhr über
Hundert Leute vor geschlossenem Schalter! Reklamiert hat niemanden, ist ja klar…
Quartierfest
Das Quartierfest war für uns von geschäftlichem Gesichtspunkt aus gesehen, ein
voller Erfolg. Der Laden wurde erst um 02.00 Uhr geschlossen mit einem Umsatz
von 7'000 Pesos!
TV
Fernsehen ist eine echte Krankheit. Den ganzen Tag muss dieser „Kasten“ laufen.
Nicht einmal Essen kann man ohne. Die Kinder sind dabei
derart abgelenkt, die Kunden im Laden können
dreimal "Palita" - Kaufen rufen, dass Essen kann anbrennen, ja, das Haus könnte abbrennen,
ich glaube die
würden das nicht bemerken.
Mäusejagd
Sie haben es einfach zu weit getrieben, die Mäuse in unserem Laden. Als der
Schaden immer grösser wurde, musste ich einschreiten. Neun Stück sind dem
Mäusegift erlegen.
Zeitungsständer
Wer nicht über Satelliten-TV verfügt, kann lediglich einen Sender empfangen. In
den hochinteressanten Nachrichten der GMA erfährt dann den Zuschauer um 19.00
Uhr wie die Polizei in Manila eine Bande von Händyklauer gefasst hat oder dass
ein Taxi eine Kollision mit einer Ambulanz verursachte. Damit sich unsere
Nachbarn auch ein wenig über das Nationale und Internationale Geschehen
informieren können, habe ich beim Eingang des Ladens einen Zeitungsständer
angebracht.
Schnäderfrässig und verwöhnt
„Unsere“ Kinder sind manchmal gar „schnäderfrässig“ und da muss man sie ab und
zu daran erinnern, dass es in den Philippinen 3,7 Mio. Kinder unter 5 Jahren
gibt, die unterernährt sind.
Kulturelle Anlässe
Auf die Kritik es gäbe hier keine kulturelle Anlässe, musste ich mich eines
besseren belehren lassen. Im Mai gab es sogar deren zwei: ein Tanzkurs und ein
Kochkurs.
Nie im letzten Moment
Einmal mehr hat es sich gelohnt nie am letzten Tag für die Visumverlängerung
nach Tacloban zu fahren. Wie so oft in letzter Zeit, hat Manila beschlossen,
Feiertage während der Woche auf einen Montag vorzuverlegen. Damit sich die
Beamten ein schönes verlängertes Wochenende machen. So geschehen mit dem
Unabhängigkeitstags der Philippinen, dem Donnerstag 12.Juni. Wäre ich erst am
Montag den 9., dem letzten Tag meiner Aufenthaltsbewilligung, nach Tacloban
gefahren, wäre ich vor den verschlossenen Türen des Immigration Office
gestanden.
Lagerbewirtschaftung
Die Lagerbewirtschaftung in den grossen Einkaufszentren in Angeles City war
schon mangelhaft, hier im „Up Town Mall“ in Borongan City wissen die scheinbar
gar nicht was das ist. Ganze Regale sind zwischendurch leer. Ungesalzene Butter
gab es diese Woche endlich nach fünf Monaten wieder, „meine“ Aprikosenkonfitüre
fehlt schon seit einem halben Jahr!
Preise steigen weiter
Der Preis des Reis steigt und steigt. In der Zwischenzeit verkaufen wir den „commercial
rice“ zu 42 Pesos, der „native rice“ zu 43 Pesos das Kilo. Zum 18. Mal ist
dieses Jahr der Benzin-, Diesel-, und Gaspreis landesweit gestiegen. Die
Inflationsrate hat im Monat Juni inzwischen 11,4% erreicht.
Und zum Schluss eine Mitteilung aus der Küche:
Der Thomy Senf und die Thomy Mayonnaise sind ausgegangen …
Zur Lage der Nation
Gemäss der jährlichen Ansprache an die Nation, blickte Präsidentin Arroyo, auf ein erfolgreiches Jahr
zurück. Trotz der weltweiten Konjunkturkrise haben die Philippinen eine starke
Wirtschaft, die Währung ist stark und das Land macht grosse Fortschritte. Alles was ich
daher bisher geschrieben habe, ist scheinbar falsch. Etwas kritischere
Worte über die Lage der Nation fand dagegen Ex-Senator Jovito Salonga. Er erklärte in der Zeitung "Philippine Star", dass die vier grössten Probleme des Landes, die Armut, die
Korruption, die Ungerechtigkeit und die Kriminalität sich zunehmend
verschlimmern. Wem ist wohl zu glauben?
Fiesta Maydolong und Olympische Spiele
Die Vorbereitungen in der Schule für die Parade
beginnen schon Wochen vorher. Die Kinder sind ja so gescheit, dass während
dieser Zeit nicht mehr viel gelernt wird, geschweige denn Hausaufgaben erteilt.
Der Umzug mit farbenfrohen Kostümen war erneut der Höhepunkt der Fiesta
Maydolong das jedes Jahr am 15. August stattfindet. Leider verschlechterte sich
das Wetter ausgerechnet auf das Fest hin. Durst hatten die Leute dennoch,
verkauften wir in vier Tagen fünfunddreissig Kisten Bier!
Kaum Beachtung fanden dabei die Olympischen Spiele. Vom gleichen Sender der die
Fussball-EM übertrug, konnte ich die Spiele auf "Solar Sports" via
Satellitenfernsehen ziemlich komplett mitverfolgen. Die Philippinen, die noch
nie Gold gewonnen haben, gingen diesmal sogar leer aus. Obwohl Sport ja nicht
das wichtigste ist, ist es dennoch symptomatisch über das Leistungsvermögen
eines Landes.
Intervall-Treppentraining
Seit meinem letzten Trekking vor zwei Jahren in Sikkim bin ich leider nicht
jünger und die physische Verfassung nicht besser geworden. Im Gegenteil. Zu
meinem 60. Geburtstag (5. September) habe ich mir dennoch wieder einmal etwas Spezielles ausgedacht: ich will zum Annapurna Basecamp (Nepal). Trekkingpartner wird Fritz
Rupp sein. In genau einem Monat, am 15. September, starten wir gemeinsam von Bangkok nach Kathmandu. Vor drei Wochen habe ich das
Training aufgenommen und bisher zweihundertzweiundneunzig Mal meine
Trainingstreppe direkt neben dem Pazifischen Ozean hochgestiegen.
Bericht und Fotos werden Ende Oktober unter der Rubrik "Neue Destinationen" zu
lesen sein.

Meine Trainingstreppe: in drei Wochen 20'732 Treppenstufen
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