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Rückgabe der letzten Marcos-Gelder
Zweiundzwanzig Jahre nach dem ersten Rechtshilfegesuch hat die Schweiz den
Philippinen vor kurzem die letzten Marcos-Gelder, rund 6 Mio. Schweizer Franken,
zurückerstattet. 2006 setzte das Bundesgericht den Philippinen eine letzte Frist
zur Einreichung eines Einziehungsurteils, da ansonsten die mittlerweile 20 Jahre
dauernde Kontensperre aufgehoben würde. Nachdem die philippinischen Behörden
einen entsprechenden Gerichtsentscheid übermittelt hatten, ordnete die Zürcher
Staatsanwaltschaft im November 2007 die Überweisung des Geldes an. Das
Bundesstrafgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde im vergangenen November
ab.
Der 1989 verstorbene Diktator Ferdinand Marcos soll während seiner Herrschaft
bis zum Sturz 1986 rund 10 Mrd. Dollar ins Ausland geschafft haben. Die Schweiz
hatte auf philippinisches Ersuchen die Marcos-Gelder eingefroren und später den
grössten Teil davon an die Philippinen überwiesen.
Am 15. Juli 2003 hat das Oberste Gericht der Philippinen entschieden, dass die
von Ex-Diktator Marcos veruntreuten Gelder aus der Schweiz der philippinischen
Regierung gehören. Da es den Marcos-Erben nicht gelang, den rechtmässigen Erwerb
der Gelder nachzuweisen, wurden 683 Millionen US Dollars, welche 1997 auf ein
Sperrkonto der philippinischen Zentralbank transferiert wurde, den
philippinischen Regierung zugesprochen. Ein wichtiger Punkt bei der
Marcos-Gelder-Affäre waren die Entschädigungsforderungen der Opfer von
Menschenrechtsverbrechen unter dem Marcos Regime. In seinen Entscheiden von
Dezember 1997 und Januar 1998 hielt das Bundesgericht fest, dass die Überweisung
in die Philippinen von zwei Auflagen abhängig ist:
1. Die Philippinen mussten zusichern, über die Einbeziehung bzw. Rückerstattung
der Vermögenswerte in einem gerichtlichen Verfahren zu entscheiden, das den im
internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgelegten
Grundsätzen entspricht.
2. Die Philippinen müssen sich verpflichten die schweizerischen Behörden
regelmässig über das gerichtliche Einziehungs- bzw. Rückerstattungsverfahren
sowie über Vorkehrungen und Verfahren zur Entschädigung der Opfer von
Menschenrechtsverletzungen unter dem Marcos-Regime zu informieren.
Mit dem Einziehungsentscheid des Obersten Gerichtes vom 15. Juli 2003 war die
erste Auflage des Bundesgerichtes erfüllt. In der Zwischenzeit ist scheinbar
auch die die zweite Bedingung erfüllt worden.
 Ferdinand Marcos
Neue Besuche
In der letzten Januarwoche durften wir erstmals
einen Gast aus Deutschland, aus dem Allgaü, empfangen. Er hatte über meine
Webseite vom Angebot erfahren, das Leben in der Provinz bei uns entdecken zu
können. Beppo, wir hoffen es hat Dir bei uns gefallen und möchten uns für
den Besuch nochmals bedanken. Mitte Februar hatten wir erneut Besuch. Diesmal
war es Fritz, mein Annapurna Base Camp Trekkingskollege. Seine mitgebrachten
Migros Party-Ballone haben Klein und Gross eine riesige Freude bereitet. Ja, der
Tito „Onkel“ Fridu wird wohl bei den Kindern lange in Erinnerung bleiben!

Zum Freitagsmarkt in Guindalitan
Seit langem stand dieser Ausflug auf dem
Programm, mit dem Besuch von Fritz haben wir ihn endlich durchgeführt. Die
vierzigminütige Fahrt mit dem Boot ab Camada den Suribao-Fluss hinauf nach
Guindalitan ist wirklich lohnenswert. Der Markt findet wie überall auf der Welt
in den frühen Morgenstunden statt. Dieser entpuppte sich allerdings als nichts
Besonderes, es kann aber auch sein, dass wir schon etwas zu spät dort ankamen.
Es war dennoch sehr interessant, weil ich dabei zwei lokale Produkte
kennengelernt habe: Rattan und Abaca.

Suribao Fluss - Camada Anlegestelle





Ankunft in Guindalitan


Der Mercado - Markt


Abaca (spanischer Name) – lat. Musa textilis - zu Deutsch auch Faserbanane oder
Manilahanf genannt. Die Faserbanane unterscheidet sich von der Ess-Banane darin,
dass die Blätter spitziger, schmäler sind und aufrecht wachsen. Die Faserbanane
ist in den Philippinen heimisch. Aus den Fasern der Blattscheiden werde Netze,
Taue und Garne hergestellt. Die Fasern sind ausserordentlich stark und
Salzwasser resistent, weshalb diese vor allem für Seeseile geeignet sind. Die
Philippinen sind mit rund 50'000 To der weltweit grösste Produzent. Eine der
besten Qualität wächst in Eastern Samar. Dies ist auch der Grund weshalb die
Amerikaner 1901 nach Samar kamen (siehe das Massaker von Balangigan – Maopai 9).

Abaca - Manilahanf
Rattan sind kletternde Palmen. Sie wachsen als starke mit Dornen versehenen
Spreizklimmer den hohen Bäumen des tropischen Urwaldes entlang. Die Rattan-Liane
wächst sehr schnell und kann bis zu 140 Meter lang werden. Um die Liane zu
„ernten“ wird dabei oft der ganze Baum gefällt. Das Holz der Rattanpalme ist
fest, jedoch weitaus biegsamer als die anderen Holzarten. Die bekannteste
Verwendung von Rattan (Aussenhaut) und Peddigrohr (Kern) sind Korbwaren und
geflochtene Möbel, wie Stühle oder Sessel. Vor der Verarbeitung wird das
Material eingeweicht und unter Dampf weich und elastisch genug zum Flechten
gemacht.

Die Lianen können bis zu 140 Meter lang werden - Bild rechts: die Dornen der Pflanzen

Querschnitt eines Rattan-Stabes: die poröse Struktur des Holzes verleiht dem Rattan die geringe Dichte und besondere Elastizität.

Die Stäbe werden gesäubert und mit dem Boot zum Abtransport nach Camada gebracht...

...und von dort nach Cebu transportiert
Highway
Endlich, endlich tut sich was mit der Reparatur
der Hauptstrasse. Ausgangs Borongan ist die Strasse schon einspurig asphaltiert
und beim schlimmsten Streckenabteil in Maybococ wird derzeit auch gearbeitet.
Bis die ganz Strecke nach Guiuan repariert ist, wird es wohl noch einige Monate
dauern.

Bei Maybococ

Die überall lächelnde Präsidentin...

Ausgangs Borongan ist die Strasse bereits geteert
Ende der Regenzeit
Die Regenzeit ist Ende März zu Ende gegangen und
es wird nun von Tag zu Tag heisser. Dies hat auch zur Folge, dass sich die
Wassertemperatur des Pazifiks auf 27° Celsius erwärmt, was die Gefahr von
Wirbelstürmen erhöht (wie diese entstehen habe ich in Mabuhay, Bericht 36 –
Taifun Winnie erklärt).


Abendstimmung in Maydolong
Trotz dieser hochsommerlichen Hitze legen „meine“
Leute eine bewundernswerte Initiative an den Tag. Morgens und nachmittags werden
Waffeln gebacken und abends gibt es Barbecue. Obwohl man damit nicht reich wird,
gibt es dennoch ein willkommenes Taschengeld. Solche Aktionen kann ich nur
unterstützen.

Zwei Pesos für eine Waffel

Für das Barbecue werden aus den Kokospalmenblätter Spiesse geschnitten

Barbecue Delikatessen: Hühnerfüsse, Hühnerdärme und Hühnerköpfe

Graduation
Zum Beginn der Reisernte stehen auch die
Schulferien vor der Tür. Vor den grossen Sommerferien werden überall im Lande
die Graduation-Feierlichkeiten abgehalten. Davon betroffen sind die
Fünftklässler der Elementary School. In einer pompösen Zeremonie im Talar
bekleidet, eben typisch amerikanisch, werden diese vom Bürgermeister zum
erfolgreichen Abschluss ihrer Schulzeit mit einem Diplom geehrt. Das Ganze
findet im „Colosseo“, auch so ein „grossgekotzter“ Ausdruck, statt. Wir würden
bei uns „Mehrzweckhalle“ sagen. Mein Besuch galt dieses Jahr der Graduation der
„Kindergärteler“ die nach den Ferien die Schule beginnen. Sogar diese Knirpse
waren im Taler eingekleidet. Dies sah zwar lustig aus, für mich jedoch
lächerlich. In einer halbstündigen Rede wies eine Vertreterin der
Provinzregierung auf die Wichtigkeit dieses neuen Lebensabschnittes hin. Soweit
ich verstehen konnte, ermutigte sie die Kinder eifrig zu lernen. Schon nach zehn
Minuten sassen jedoch die Kleinen ungeduldig auf ihren Stühlen herum. Niemanden
hörte zu. Ihre Eltern hätten von der Rede über die Wichtigkeit der Schule mehr
profitieren können. Unter den Anwesenden waren gerade zwei Väter präsent! Tja,
soviel Interesse zeigen diese an ihren Kindern.
Ich war eigentlich anwesend um die Tanzvorführung „unserer“ Trishia beizuwohnen.
Diese war anscheinend so nervös, dass vor dem Beginn ihres Auftrittes es „in die
Hose“ ging. Als sie auf die Bühne kam war die Show schon fast beendet.


Graduation der "Kindergärteler"
Zu Besuch im Reisfeld
Wie bei uns bei der „Heuet“, hilft man sich hier
bei der Reisernte. Beinahe jede Familie hat irgendeinen Verwandten der Reisbauer
ist. So sind auch wir mit Tante Eding zum Reisfeld gezogen. Meine Frage ob denn
keine Gefahr von Schlangen oder sonstigen Viechern bestehe, wird von den
Anwesenden mit einem lauten Gelächter quittiert. Reisbauer ist ein harter Job.
Unter der prallen Sonne werden Halme für Halme einzeln unterhalb der Frucht von
Hand abgeschnitten. Ob in Thailand und Vietnam, den grossen Reisexportierländern, auch so
geerntet wird? Doch die Arbeitskraft ist hier billig und die Leute haben Zeit.
Es ist dermassen heiss, dass ich bereits nach zehn Minuten in den Schatten
flüchten muss. Bis das ganze Feld geerntet ist werden sie noch zwei ganze Tage
benötigen! So lange werde ich hier nicht bleiben. Die Halme werden
anschliessend, so erklärt mit Tante Eding, mit den Füssen gedrescht und die
Reiskörner an der Sonne getrocknet. Ein beliebter Platz dazu ist die Strasse.
Während der Erntezeit ist der „halbe“ Highway von Reis bedeckt. Sobald die
Körner trocken sind, geht es anschliessend in die Reismühle. Wir werden im
nächsten Bericht die Mühle besuchen.


Jeder Halm wird einzeln abgeschnitten







Ananas

Die Reiskörner werden anschliessend auf der Strasse getrocknet
Balkon und Garten
Letzten Herbst konnten wir von Verwandten zwei
Landanteile von insgesamt 610 qm direkt neben unserem Haus erwerben. Das ganze
Grundstück werden wir mit einer Mauer abgrenzen um so von den Nachbarn’s Kinder,
Hunden und Hühner ungestört zu sein. Es wird auch eine Sitzgelegenheit geben mit
Grill. Der neue Garten wird auch dort entstehen. Gerne hätte ich mit den
Arbeiten begonnen, doch solange das Land im Grundbuch nicht eingetragen ist und
unsere „lieben“ Kunden die gewährten Kredite nicht zurück bezahlen, wird nichts
laufen.
Sehr bewährt hat sich das Topfsystem auf dem Balkon. Bei starkem Wind oder Regen
können die Pflanzen Töpfe an einen geschützten Ort gestellt werden. Ein
ansehnlicher Erfolg war der Versuch mit den Peperonis. Versuche mit Basilikum,
Petersilie und Radieschen sind derzeit im Gange.


vlnr: Sonnenblume, Peperoni, Kale und Salat

Calamansi- und Chilistrauch
Unsere Farm
Können Hähne Eier legen? Diese Frage beschäftigt
mich nun seit Tagen. Vor sechs Wochen haben wir Kücken gekauft. Vier „Layer“ -
Leghühner und vier „Broiler „Masthühner“. Wie man diese unterscheiden kann
bleibt für mich ein Rätsel. Währenddem sich die Brathühner innerhalb von sechs
Wochen zu „Monsters“ vollgefressen haben, sehen die Leghühner normal, wie Hühner
aus. Je älter diese jedoch wurden, umso mehr wuchs ein schöner Kamm. Hühner mit
Kamm? Ich kenne nur Hähne mit Kamm. Als diese kürzlich nun noch zu Krähen
begannen, haben sie sich endgültig selber verraten. Es sind Hähne. Hähne die
Eier legen? Ja, das soll es hier geben. So wie, wenn eine Schwangere Frau zwei
zusammengewachsene Bananen isst, sie Zwillinge bekommen wird! Dies ist nicht
etwa ein Scherz, sondern ist Ernsthaft gemeint! Ich glaube ja viel, dennoch. Die
„Leghähne“ geniessen derzeit noch eine Galgenfrist. Wenn diese in absehbarer
Zeit kein Ei „abliefern“, wird ihnen das gleiche Schicksal wie den Brathühner
blühen. Nach sechs Wochen Hühnerbetreuung kann ich die Ausdrücke wie „Blind wie
ein Huhn“ und „Dumm wie ein Huhn“ nur bestätigen.

Galgenfrist für die Leghühner!
Wir haben
auch wieder vier Schweine, wobei nur Eins uns gehört. Die Aufwand und
Ertragsrechnung, sofern es überhaupt eine gibt, interessiert mich daher nicht.
Bei diesem heissen Wetter leiden auch die Tiere darunter, so spritzen wir diese
jeden Tag mit dem Schlauch ab. Ich weiss allerdings nicht wer, wir oder die
Schweine, am meisten Plausch daran haben! Den Säuen scheint es auf jeden Fall zu
gefallen und rennen bei der Dusche wie kleine Kinder in ihrem Gehege herum.
Besonders gerne trinken sie Wasser ab dem Schlauch.

Am liebsten trinken sie Wasser ab dem Schlauch...

..und freuen sich wie kleine Kinder
Trike und Podpod
Das Geschäft mir unserem Trike ist beendet. Nicht dass wir keinen Fahrer mehr hätten
oder es kaputt ist, nein, der Grund ist ein ganz anderer. Für die Bewilligung
des Personentransportes von Maydolong nach Borongan und zurück ist die LTO (Land
Transportation Office) in Borongan zuständig. Damit die Anzahl der Trikes nicht
allzu sehr zunimmt, ist die Erteilung der Lizenz mit der Bedingung verbunden, dass der Eigentümer des Trikes im Bezirk Borongan
wohnhaft sein muss. Eine ganz klare Benachteiligung für all jene Trikebesitzer
die nicht in Borongan wohnen. Aber was soll’s, die Leute organisieren sich
entsprechend. So auch wir. Um die Lizenz zu erhalten wurde das Trike vor vier
Jahren auf einen Onkel umgeschrieben. Das Dumme daran ist nur, dieser Onkel ist
vor zwei Jahren verstorben! Zweimal haben wir die Fahrbewilligung mit „Stürme“
erhalten, doch dieses Jahr scheint es endgültig vorbei. So werden wir es wohl zu
privaten Zwecken benützen. Punkto Rentabilität bin ich nach meiner Buchführung
weiterhin eher skeptisch. Da viele der Fahrer ihr Trike von einem Verwandten
geschenkt erhalten haben, brauchen diese es nicht abzuschreiben und können die
täglichen Einnahmen Netto einkassieren. Für unsereins sieht die Sache
anders aus. Immerhin konnten wir schätzungsweise die investierten Neunzigtausend Pesos in den
vergangenen vier Jahren herausschlagen, gewonnen haben wir damit aber nichts.
Die einzigen die von diesem Geschäft profitiert haben, waren die Fahrer. Während
vier Jahren haben wir jemandem ein Einkommen ermöglicht, wir als Besitzer
dagegen, hatten dagegen nur Ärger.
Seit kurzem sind wir nun auch Besitzer eines Podpod, eines Fahrradrikschas. Ein
Kunde der seine Schulden nicht begleichen konnte, hat uns sein Podpod als
Abzahlung abgetreten. So sind wir auch in dieses Geschäft eingestiegen. Der
Fahrer liefert jeden Tag einen fixen Betrag, eine sog. „Boundary“ von fünfzig
Pesos ab. Alles was er darüber hinaus verdient ist sein Gewinn. Jeden siebten
Tag kann der Fahrer die Tageseinnahmen für sich behalten. Diese Idee gefällt mir
gut und ist ein Ansporn jeden Tag zu fahren. So was sollte man auch bei den
Trikefahrern einführen.
So ein Gefährt zu steuern ist gar nicht so einfach. Dies musste ich bei meinem
ersten Ausflug bitter erfahren. Ich war noch keine hundert Meter gefahten, schon
landete ich in einer Mauer!
Durch den Aufprall ist der Innenschlauch des Vorderreifens in einem lauten Knall geplatzt und das Rad wies ein „Achti“
auf. Kostenpunkt der Reparatur:
zweihundertdreizehn Pesos gekostet. Seither lassen sie mich nicht mehr fahren…
Ich war echt überrascht als wir in den ersten sechs Tagen bereits dreihundert Pesos
Einnahmen hatten! Ist Podpod ein besseres Geschäft als mit dem Trike? Mit der
Summe für den Kauf eines Trikes könnte man neun Podpods kaufen.
Würden diese alle täglich fünfzig Pesos einbringen, ergäbe dies vierhundertfünfzig
Pesos täglich! Echt überrascht war ich, als ich vernahm dass ein tüchtiger
Podpod-Fahrer bis zu zweihundert Pesos am Tag verdienen kann. Doch schon nach
drei Wochen stand das Podpod unbenützt in der Garage. Niemanden scheint es nötig
zu haben Geld zu verdienen. Aber eben, es ist leichter auf die Geldüberweisung
vom Verwandten aus den USA zu warten…

Podpod-Fahrer

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