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Mabuhay Zum Frühlingsanfang (MP 10 / 20.04.2009)

Rückgabe der letzten Marcos-Gelder

Zweiundzwanzig Jahre nach dem ersten Rechtshilfegesuch hat die Schweiz den Philippinen vor kurzem die letzten Marcos-Gelder, rund 6 Mio. Schweizer Franken, zurückerstattet. 2006 setzte das Bundesgericht den Philippinen eine letzte Frist zur Einreichung eines Einziehungsurteils, da ansonsten die mittlerweile 20 Jahre dauernde Kontensperre aufgehoben würde. Nachdem die philippinischen Behörden einen entsprechenden Gerichtsentscheid übermittelt hatten, ordnete die Zürcher Staatsanwaltschaft im November 2007 die Überweisung des Geldes an. Das Bundesstrafgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde im vergangenen November ab.
Der 1989 verstorbene Diktator Ferdinand Marcos soll während seiner Herrschaft bis zum Sturz 1986 rund 10 Mrd. Dollar ins Ausland geschafft haben. Die Schweiz hatte auf philippinisches Ersuchen die Marcos-Gelder eingefroren und später den grössten Teil davon an die Philippinen überwiesen.
Am 15. Juli 2003 hat das Oberste Gericht der Philippinen entschieden, dass die von Ex-Diktator Marcos veruntreuten Gelder aus der Schweiz der philippinischen Regierung gehören. Da es den Marcos-Erben nicht gelang, den rechtmässigen Erwerb der Gelder nachzuweisen, wurden 683 Millionen US Dollars, welche 1997 auf ein Sperrkonto der philippinischen Zentralbank transferiert wurde, den philippinischen Regierung zugesprochen. Ein wichtiger Punkt bei der Marcos-Gelder-Affäre waren die Entschädigungsforderungen der Opfer von Menschenrechtsverbrechen unter dem Marcos Regime. In seinen Entscheiden von Dezember 1997 und Januar 1998 hielt das Bundesgericht fest, dass die Überweisung in die Philippinen von zwei Auflagen abhängig ist:
1. Die Philippinen mussten zusichern, über die Einbeziehung bzw. Rückerstattung der Vermögenswerte in einem gerichtlichen Verfahren zu entscheiden, das den im internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgelegten Grundsätzen entspricht.
2. Die Philippinen müssen sich verpflichten die schweizerischen Behörden regelmässig über das gerichtliche Einziehungs- bzw. Rückerstattungsverfahren sowie über Vorkehrungen und Verfahren zur Entschädigung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen unter dem Marcos-Regime zu informieren.
Mit dem Einziehungsentscheid des Obersten Gerichtes vom 15. Juli 2003 war die erste Auflage des Bundesgerichtes erfüllt. In der Zwischenzeit ist scheinbar auch die die zweite Bedingung erfüllt worden.


Ferdinand Marcos

Neue Besuche

In der letzten Januarwoche durften wir erstmals einen Gast aus Deutschland, aus dem Allgaü, empfangen. Er hatte über meine Webseite vom Angebot erfahren, das Leben in der Provinz bei uns entdecken zu können. Beppo, wir hoffen es hat Dir bei uns gefallen und möchten uns für den Besuch nochmals bedanken. Mitte Februar hatten wir erneut Besuch. Diesmal war es Fritz, mein Annapurna Base Camp Trekkingskollege. Seine mitgebrachten Migros Party-Ballone haben Klein und Gross eine riesige Freude bereitet. Ja, der Tito „Onkel“ Fridu wird wohl bei den Kindern lange in Erinnerung bleiben!

Zum Freitagsmarkt in Guindalitan

Seit langem stand dieser Ausflug auf dem Programm, mit dem Besuch von Fritz haben wir ihn endlich durchgeführt. Die vierzigminütige Fahrt mit dem Boot ab Camada den Suribao-Fluss hinauf nach Guindalitan ist wirklich lohnenswert. Der Markt findet wie überall auf der Welt in den frühen Morgenstunden statt. Dieser entpuppte sich allerdings als nichts Besonderes, es kann aber auch sein, dass wir schon etwas zu spät dort ankamen. Es war dennoch sehr interessant, weil ich dabei zwei lokale Produkte kennengelernt habe: Rattan und Abaca.

    
Suribao Fluss - Camada Anlegestelle

    

    

    

    

    
Ankunft in Guindalitan

  

    
Der Mercado - Markt

    

Abaca (spanischer Name) – lat. Musa textilis - zu Deutsch auch Faserbanane oder Manilahanf genannt. Die Faserbanane unterscheidet sich von der Ess-Banane darin, dass die Blätter spitziger, schmäler sind und aufrecht wachsen. Die Faserbanane ist in den Philippinen heimisch. Aus den Fasern der Blattscheiden werde Netze, Taue und Garne hergestellt. Die Fasern sind ausserordentlich stark und Salzwasser resistent, weshalb diese vor allem für Seeseile geeignet sind. Die Philippinen sind mit rund 50'000 To der weltweit grösste Produzent. Eine der besten Qualität wächst in Eastern Samar. Dies ist auch der Grund weshalb die Amerikaner 1901 nach Samar kamen (siehe das Massaker von Balangigan – Maopai 9).

    
Abaca - Manilahanf

Rattan sind kletternde Palmen. Sie wachsen als starke mit Dornen versehenen Spreizklimmer den hohen Bäumen des tropischen Urwaldes entlang. Die Rattan-Liane wächst sehr schnell und kann bis zu 140 Meter lang werden. Um die Liane zu „ernten“ wird dabei oft der ganze Baum gefällt. Das Holz der Rattanpalme ist fest, jedoch weitaus biegsamer als die anderen Holzarten. Die bekannteste Verwendung von Rattan (Aussenhaut) und Peddigrohr (Kern) sind Korbwaren und geflochtene Möbel, wie Stühle oder Sessel. Vor der Verarbeitung wird das Material eingeweicht und unter Dampf weich und elastisch genug zum Flechten gemacht.

    
Die Lianen können bis zu 140 Meter lang werden - Bild rechts: die Dornen der Pflanzen


Querschnitt eines Rattan-Stabes: die poröse Struktur des Holzes verleiht dem Rattan die geringe Dichte und besondere Elastizität.

    
Die Stäbe werden gesäubert und mit dem Boot zum Abtransport nach Camada gebracht...


...und von dort nach Cebu transportiert

Highway

Endlich, endlich tut sich was mit der Reparatur der Hauptstrasse. Ausgangs Borongan ist die Strasse schon einspurig asphaltiert und beim schlimmsten Streckenabteil in Maybococ wird derzeit auch gearbeitet. Bis die ganz Strecke nach Guiuan repariert ist, wird es wohl noch einige Monate dauern.

    
Bei Maybococ

 
Die überall lächelnde Präsidentin...

  
Ausgangs Borongan ist die Strasse bereits geteert

Ende der Regenzeit

Die Regenzeit ist Ende März zu Ende gegangen und es wird nun von Tag zu Tag heisser. Dies hat auch zur Folge, dass sich die Wassertemperatur des Pazifiks auf 27° Celsius erwärmt, was die Gefahr von Wirbelstürmen erhöht (wie diese entstehen habe ich in Mabuhay, Bericht 36 – Taifun Winnie erklärt).

    

  
Abendstimmung in Maydolong

Trotz dieser hochsommerlichen Hitze legen „meine“ Leute eine bewundernswerte Initiative an den Tag. Morgens und nachmittags werden Waffeln gebacken und abends gibt es Barbecue. Obwohl man damit nicht reich wird, gibt es dennoch ein willkommenes Taschengeld. Solche Aktionen kann ich nur unterstützen.

    
Zwei Pesos für eine Waffel


Für das Barbecue werden aus den Kokospalmenblätter Spiesse geschnitten

    
Barbecue Delikatessen: Hühnerfüsse, Hühnerdärme und Hühnerköpfe

  

Graduation

Zum Beginn der Reisernte stehen auch die Schulferien vor der Tür. Vor den grossen Sommerferien werden überall im Lande die Graduation-Feierlichkeiten abgehalten. Davon betroffen sind die Fünftklässler der Elementary School. In einer pompösen Zeremonie im Talar bekleidet, eben typisch amerikanisch, werden diese vom Bürgermeister zum erfolgreichen Abschluss ihrer Schulzeit mit einem Diplom geehrt. Das Ganze findet im „Colosseo“, auch so ein „grossgekotzter“ Ausdruck, statt. Wir würden bei uns „Mehrzweckhalle“ sagen. Mein Besuch galt dieses Jahr der Graduation der „Kindergärteler“ die nach den Ferien die Schule beginnen. Sogar diese Knirpse waren im Taler eingekleidet. Dies sah zwar lustig aus, für mich jedoch lächerlich. In einer halbstündigen Rede wies eine Vertreterin der Provinzregierung auf die Wichtigkeit dieses neuen Lebensabschnittes hin. Soweit ich verstehen konnte, ermutigte sie die Kinder eifrig zu lernen. Schon nach zehn Minuten sassen jedoch die Kleinen ungeduldig auf ihren Stühlen herum. Niemanden hörte zu. Ihre Eltern hätten von der Rede über die Wichtigkeit der Schule mehr profitieren können. Unter den Anwesenden waren gerade zwei Väter präsent! Tja, soviel Interesse zeigen diese an ihren Kindern.
Ich war eigentlich anwesend um die Tanzvorführung „unserer“ Trishia beizuwohnen. Diese war anscheinend so nervös, dass vor dem Beginn ihres Auftrittes es „in die Hose“ ging. Als sie auf die Bühne kam war die Show schon fast beendet.

    

  
Graduation der "Kindergärteler"

Zu Besuch im Reisfeld

Wie bei uns bei der „Heuet“, hilft man sich hier bei der Reisernte. Beinahe jede Familie hat irgendeinen Verwandten der Reisbauer ist. So sind auch wir mit Tante Eding zum Reisfeld gezogen. Meine Frage ob denn keine Gefahr von Schlangen oder sonstigen Viechern bestehe, wird von den Anwesenden mit einem lauten Gelächter quittiert. Reisbauer ist ein harter Job. Unter der prallen Sonne werden Halme für Halme einzeln unterhalb der Frucht von Hand abgeschnitten. Ob in Thailand und Vietnam, den grossen Reisexportierländern, auch so geerntet wird? Doch die Arbeitskraft ist hier billig und die Leute haben Zeit. Es ist dermassen heiss, dass ich bereits nach zehn Minuten in den Schatten flüchten muss. Bis das ganze Feld geerntet ist werden sie noch zwei ganze Tage benötigen! So lange werde ich hier nicht bleiben. Die Halme werden anschliessend, so erklärt mit Tante Eding, mit den Füssen gedrescht und die Reiskörner an der Sonne getrocknet. Ein beliebter Platz dazu ist die Strasse. Während der Erntezeit ist der „halbe“ Highway von Reis bedeckt. Sobald die Körner trocken sind, geht es anschliessend in die Reismühle. Wir werden im nächsten Bericht die Mühle besuchen.

  

    
Jeder Halm wird einzeln abgeschnitten

    

    

    

  


Ananas

  
Die Reiskörner werden anschliessend auf der Strasse getrocknet

Balkon und Garten

Letzten Herbst konnten wir von Verwandten zwei Landanteile von insgesamt 610 qm direkt neben unserem Haus erwerben. Das ganze Grundstück werden wir mit einer Mauer abgrenzen um so von den Nachbarn’s Kinder, Hunden und Hühner ungestört zu sein. Es wird auch eine Sitzgelegenheit geben mit Grill. Der neue Garten wird auch dort entstehen. Gerne hätte ich mit den Arbeiten begonnen, doch solange das Land im Grundbuch nicht eingetragen ist und unsere „lieben“ Kunden die gewährten Kredite nicht zurück bezahlen, wird nichts laufen.
Sehr bewährt hat sich das Topfsystem auf dem Balkon. Bei starkem Wind oder Regen können die Pflanzen Töpfe an einen geschützten Ort gestellt werden. Ein ansehnlicher Erfolg war der Versuch mit den Peperonis. Versuche mit Basilikum, Petersilie und Radieschen sind derzeit im Gange.

    


vlnr: Sonnenblume, Peperoni, Kale und Salat

  
Calamansi- und Chilistrauch

Unsere Farm

Können Hähne Eier legen? Diese Frage beschäftigt mich nun seit Tagen. Vor sechs Wochen haben wir Kücken gekauft. Vier „Layer“ - Leghühner und vier „Broiler „Masthühner“. Wie man diese unterscheiden kann bleibt für mich ein Rätsel. Währenddem sich die Brathühner innerhalb von sechs Wochen zu „Monsters“ vollgefressen haben, sehen die Leghühner normal, wie Hühner aus. Je älter diese jedoch wurden, umso mehr wuchs ein schöner Kamm. Hühner mit Kamm? Ich kenne nur Hähne mit Kamm. Als diese kürzlich nun noch zu Krähen begannen, haben sie sich endgültig selber verraten. Es sind Hähne. Hähne die Eier legen? Ja, das soll es hier geben. So wie, wenn eine Schwangere Frau zwei zusammengewachsene Bananen isst, sie Zwillinge bekommen wird! Dies ist nicht etwa ein Scherz, sondern ist Ernsthaft gemeint! Ich glaube ja viel, dennoch. Die „Leghähne“ geniessen derzeit noch eine Galgenfrist. Wenn diese in absehbarer Zeit kein Ei „abliefern“, wird ihnen das gleiche Schicksal wie den Brathühner blühen. Nach sechs Wochen Hühnerbetreuung kann ich die Ausdrücke wie „Blind wie ein Huhn“ und „Dumm wie ein Huhn“ nur bestätigen.


Galgenfrist für die Leghühner!

Wir haben auch wieder vier Schweine, wobei nur Eins uns gehört. Die Aufwand und Ertragsrechnung, sofern es überhaupt eine gibt, interessiert mich daher nicht. Bei diesem heissen Wetter leiden auch die Tiere darunter, so spritzen wir diese jeden Tag mit dem Schlauch ab. Ich weiss allerdings nicht wer, wir oder die Schweine, am meisten Plausch daran haben! Den Säuen scheint es auf jeden Fall zu gefallen und rennen bei der Dusche wie kleine Kinder in ihrem Gehege herum. Besonders gerne trinken sie Wasser ab dem Schlauch.

    
Am liebsten trinken sie Wasser ab dem Schlauch...


..und freuen sich wie kleine Kinder

Trike und Podpod

Das Geschäft mir unserem Trike ist beendet. Nicht dass wir keinen Fahrer mehr hätten oder es kaputt ist, nein, der Grund ist ein ganz anderer. Für die Bewilligung des Personentransportes von Maydolong nach Borongan und zurück ist die LTO (Land Transportation Office) in Borongan zuständig. Damit die Anzahl der Trikes nicht allzu sehr zunimmt, ist die Erteilung der Lizenz mit der Bedingung verbunden, dass der Eigentümer des Trikes im Bezirk Borongan wohnhaft sein muss. Eine ganz klare Benachteiligung für all jene Trikebesitzer die nicht in Borongan wohnen. Aber was soll’s, die Leute organisieren sich entsprechend. So auch wir. Um die Lizenz zu erhalten wurde das Trike vor vier Jahren auf einen Onkel umgeschrieben. Das Dumme daran ist nur, dieser Onkel ist vor zwei Jahren verstorben! Zweimal haben wir die Fahrbewilligung mit „Stürme“ erhalten, doch dieses Jahr scheint es endgültig vorbei. So werden wir es wohl zu privaten Zwecken benützen. Punkto Rentabilität bin ich nach meiner Buchführung weiterhin eher skeptisch. Da viele der Fahrer ihr Trike von einem Verwandten geschenkt erhalten haben, brauchen diese es nicht abzuschreiben und können die täglichen Einnahmen Netto einkassieren. Für unsereins sieht die Sache anders aus. Immerhin konnten wir schätzungsweise die investierten Neunzigtausend Pesos in den vergangenen vier Jahren herausschlagen, gewonnen haben wir damit aber nichts. Die einzigen die von diesem Geschäft profitiert haben, waren die Fahrer. Während vier Jahren haben wir jemandem ein Einkommen ermöglicht, wir als Besitzer dagegen, hatten dagegen nur Ärger.
Seit kurzem sind wir nun auch Besitzer eines Podpod, eines Fahrradrikschas. Ein Kunde der seine Schulden nicht begleichen konnte, hat uns sein Podpod als Abzahlung abgetreten. So sind wir auch in dieses Geschäft eingestiegen. Der Fahrer liefert jeden Tag einen fixen Betrag, eine sog. „Boundary“ von fünfzig Pesos ab. Alles was er darüber hinaus verdient ist sein Gewinn. Jeden siebten Tag kann der Fahrer die Tageseinnahmen für sich behalten. Diese Idee gefällt mir gut und ist ein Ansporn jeden Tag zu fahren. So was sollte man auch bei den Trikefahrern einführen.
So ein Gefährt zu steuern ist gar nicht  so einfach. Dies musste ich bei meinem ersten Ausflug bitter erfahren. Ich war noch keine hundert Meter gefahten, schon landete ich in einer Mauer! Durch den Aufprall ist der Innenschlauch des Vorderreifens in einem lauten Knall geplatzt und das Rad wies ein „Achti“ auf. Kostenpunkt der Reparatur: zweihundertdreizehn Pesos gekostet. Seither lassen sie mich nicht mehr fahren…
Ich war echt überrascht als wir in den ersten sechs Tagen bereits dreihundert Pesos Einnahmen hatten! Ist Podpod ein besseres Geschäft als mit dem Trike? Mit der Summe für den Kauf eines Trikes könnte man neun Podpods kaufen. Würden diese alle täglich fünfzig Pesos einbringen, ergäbe dies vierhundertfünfzig Pesos täglich! Echt überrascht war ich, als ich vernahm dass ein tüchtiger Podpod-Fahrer bis zu zweihundert Pesos am Tag verdienen kann. Doch schon nach drei Wochen stand das Podpod unbenützt in der Garage. Niemanden scheint es nötig zu haben Geld zu verdienen. Aber eben, es ist leichter auf die Geldüberweisung vom Verwandten aus den USA zu warten…

    
Podpod-Fahrer





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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com