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Mabuhay Zu viel Bier! (MP 17 / 03.09.2010)

Kronzeuge ermordet

Währenddem sich die Aufmerksamkeit der ganzen Nation in den letzten Monaten auf die Wahlen fokussierte, wurde beinahe vergessen, dass seit dem grauenhaften Blutbad von Maguindanao inzwischen bereits ein halbes Jahr vergangen ist. Hauptangeklagter ist der Sohn des Gouverneurs von Maguindanao, Andal Ampatuan Junior, der das Massaker angeordnet haben soll. Gemäss einem Zeitungsbericht des „Philippine Daily Inquirer“ sollen die Ampatuans im Gefängnis eine Party für Gäste „geschmissen“ haben. Gefängnisinsassen berichteten als Augenzeugen, dass sie Besucher in ihren Zellen empfangen haben sollen. Dabei seien die Gäste mit dem Song „Nobody“ der koreanischen Popgruppe „Wonder Girls“ aus den Lautsprechern unterhalten und mit einer Lieferung von fast-food Produkten von Jollibee verpflegt worden. Diese Enthüllungen haben in der Bevölkerung erneut für Abscheu und Unverständnis gesorgt. Der Gefängnisdirektor erklärte, dass sich die Party nicht so abspielte wie es die Zeugen berichteten. Eine Untersuchung ist im Gange. Doch damit nicht genug. Eine Woche danach wurde nun sogar ein Kronzeuge der Anklage ermordet. Er war ein Mitglied der Privatarmee des Gouverneurs von Maguindanao, Andal Ampatuan Senior. Medienberichten zufolge hatte der Kronzeuge wiederholt um Zeugenschutz gebeten. Die noch amtierende Regierung von Präsidentin Gloria Arroyo (mit der Familie der Ampatuans befreundet) hatte jedoch bislang nicht dafür gesorgt. In einem Fernsehinterview hatte „Jessie“ den Sohn des Gouverneurs schwer belastet. Aus dem Gefängnis heraus wurde ein Kopfgeld von 45.000 Dollars auf „Jessie“ ausgesetzt. Die Anklage konzentriert sich jetzt auf einen anderen Kronzeugen. Dabei soll es sich um einen engen Vertrauten des früheren Gouverneurs Ampatuan handeln, der an verschiedenen Gesprächen im Vorfeld des Massakers teilgenommen haben soll. Mit der Ernennung von Leila de Lima, der bisherigen Vorsitzenden der philippinischen Menschenrechtskommission, als neue Justizministerin im Kabinett des neuen Präsidenten Aquino, ist zu hoffen, dass es in diesem Fall endlich vorwärts gehen wird. Ich wage jedoch die Behauptung, dass das Verfahren durch die Armada von Rechtsanwälten so lange wie möglich verschleppt und eingestellt wird und die Angeklagten am Schluss sogar freigesprochen werden!

Back to school

Ein neues Schuljahr hat im Juni begonnen. Für viele Kinder beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. Für andere, wie für „unsere“ Tochter (12) pfeift mit dem Beginn des ersten Schuljahres in einer privaten Highschool in Borongan nun „ein anderer Wind“. Von nun an muss endlich etwas gearbeitet und gelernt werden. Der Schulbeginn heisst für uns auch um 04.30 Uhr aufzustehen um Reis zu kochen. Spätestens um 06.00 Uhr müssen die Kinder aus dem Hause sein um pünktlich zum Lektionsbeginn in der Schule zu sein. Welch ein tägliches „Theater“ bis diese aufgestanden sind, geduscht, Zähne geputzt, sich korrekt angezogen und gefrühstückt haben! Die Kinder haben kein Zeitgefühl. Eile ist für sie ein Fremdwort. So wird es bei uns regelmässig schon frühmorgens recht laut!
Eine gute Schulausbildung ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines Landes. Ich hatte in den letzten vier Jahren ein wenig Einsicht in das hiesige Schulsystem  und es ist mir nun eher klar, weshalb die Mehrheit der Erwachsenen Filipinos „so“ ist. Viele Leute hoffen, dass mit der neuen Regierung endlich der so nötige „frische Wind“ einsetzen wird um die dringenden Verbesserungen im öffentlichen Schulsystem durchzuführen. Denn Jahr für Jahr sieht das Szenario in den öffentlichen Schulen gleich aus: durchschnittlich einen Lehrer für fünfundsechzig Schüler, ein Lehrbuch für drei Schüler, überfüllte Schulklassen und unterbezahlte Lehrer. Um den Kindern eine gute Ausbildung zu gewährleisten bleibt den Eltern oft nichts anders übrig als diese in einer Privatschule einzuschreiben. Privatschulen sind aber nicht billig und für viele Eltern bedeutet dies eine enorme starke finanzielle Belastung.

Einige Zahlen (Quelle Department of Education Indicator Statistics 2008)
- 2’773’156 First Grade Schüler aller öffentlichen Schulen (1. Klasse Grundschule)
- 1'671'021 Schüler der 6th Grade (letztes Jahr der Grundschule)
- 1'560'593 Schüler im 1. Jahr Highschool
- Mehr als 14 % aller Schulen haben mehr als fünfzig Schüler pro Klasse!
- Wegen dem Mangel an Klassenzimmer haben einige Schule mehr als Hundert Schüler pro Klasse!
- 71'325 Schüler von über 700 Schulen haben kein Klassenzimmer und sind gezwungen die Lektionen in Korridors, Turnhallen oder sogar in WC’s zu erhalten.

Unser Hund wurde gegessen!

Mit unseren Hunden scheinen wir kein Glück zu haben. Der erste Hund, der „Lumpehund“ wurde von einem Idioten grundlos erschlagen und der zweite, der „Jungle not bite“ kam nicht mehr nach Hause und wurde vermutlich gemetzget. Das ist hier so üblich. So haben wir zwei neue, der „Black nose“ und die „Shira“. Zwei lustige Hunde an denen ich sehr viel Freude habe. Als „Shira“ eines Tages krank war und während vier Tagen nichts mehr frass und nur noch lethargisch herumlag, wollte ich einen Veterinär aufsuchen. Doch, hier, wo man ja froh sein muss, dass es überhaupt einen Arzt gibt, ist an so was gar nicht zu denken. So musste ich mir selber helfen, über Internet mit Google. „Mein Hund frisst nicht mehr“ war die Eingabe und schon hatte ich eine Flut von Informationen dazu die mir half selber den „Veterinär“ zu spielen. Nach zwei Tagen rannte „Shira“ wieder herum. So was macht doch Freude!
Auch unsere zwei Schweine sind lustige Viecher und sind gar nicht so dumm wie man immer meint. Sie scheinen sogar richtig Freude zu haben, wenn man sie mit dem Schlauch abspritzt.

    
Unsere Tiere: "Black nose", "Shira" und eines der Säuli

Fussball in den Philippinen

Die ganze Welt ist Fussballverrückt, nur in den Philippinen nicht! Schwer zu verstehen. Aber hier ist Vieles anders als in der übrigen Welt. Als Sport zählt hier nur eins: Basketball. Es gibt etliche Leute, die der Ansicht sind, wären die Spanier anstelle der Amerikaner länger im Lande verblieben, der Fussball hier wesentlich populärer wäre. Mit den Amerikanern als neue Kolonialmacht verlor der Fussball seine Vorrangstellung an das Basketballspiel. Schade! Mit dem Eiskrem brachten diese zumindest etwas Positives ins Land. Es ist aber nicht so, dass man Fussball hier nicht kennt. Fussball ist in einigen Provinzen wie Negros Occidental, Mindanao oder Iloilo sogar recht beliebt. Es gibt auch einen Verband, die Phillippine Football Federation (www.the-pff.com). Die Philippinen besassen als eines der ersten asiatischen Länder eine Fussball-Nationalmannschaft. Ihr erstes Spiel, ein Heimspiel gegen China das mit 2 – 1 gewonnen wurde, fand am 1. Februar 1913 statt. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch auf Paulino Alcantra (1896 in Iloilo geboren) verwiesen, der eine legendäre Karriere als spanischer Nationalspieler aber insbesondere beim FC Barcelona machte. International gesehen kam es bisher nie zu einem massgeblichen Erfolg. Zurzeit belegen die Philippinen in der FIFA-Rangliste den 170. Platz (von 207 Ländern) und sind somit eine der schwächsten Mannschaften. Die höchst je erlittene Niederlage erfolgte 1967 gegen Japan mit einem 0 – 15 Blamage! In der WM 2002 Gruppen-Ausscheidungsspielen gab es Niederlagen gegen Syrien (12 – 0 und 5 - 1), Oman (7 – 0 und 2 - 0). Einzig gegen Laos vermochte man ein Unentschieden (1 – 1) zu spielen. Der Tiger Cup im gleichen Jahr verlief auch nicht viel erfolgreicher. In vier Spielen kassierte man 24 Tore, wobei die Nationalmannschaft Indonesien mit 13 – 1 unterlag. Eine solche trostlose Bilanz ist natürlich nicht gerade prädestiniert die Sportart Fussball populär zu machen. Dies ist wohl auch der Grund weshalb der Verband seit 2004 an keinem internationalen Turnier mehr teilnimmt und sich vermehrt der Basisarbeit bei Kindern widmet. Denn das Talent-Potential ist bei dreissig Millionen Jugendlichen unter 15 Jahren riesig gross.

Übertragungen im Philippinischen Fernsehen von der Fussball-WM in Süd-Afrika, waren daher kaum zu erwarten. Zur grossen Überraschung fand sich mit "Studio 23" dennoch ein fussballbegeisterter TV Sender der täglich um 02.30 Uhr ein Spiel live übertrug und um 08.00 Uhr eine Aufzeichnung ausstrahlte. Dass ich sogar alle drei Spiele der Schweizer Nati sehen konnte, war wirklich unerhofft. Nach der sensationellen Leistung unserer Nati gegen den späteren Weltmeister Spanien, vermasselte diese ihr Weiterkommen in einem schwachen Spiel gegen Honduras. Doch, wer im Fussball nicht fähig ist Tore zu schiessen, hat in der Zwischenrunde nichts zu suchen. Der grosse Verlierer dieser WM ist für mich aber die FIFA, der Weltfussballverband. Sie, die Fairness und Sportlichkeit propagiert, widerspricht mit ihrer sturen Ablehnung auf Zuhilfenahme von Video gegen ihre eigenen Regeln der Ethik und sozialen Verantwortung. In keiner anderen Sportart wie im Fussball gibt es so viele Fehlentscheide. Die ganze Welt war Zeuge vom aberkannten gültigen Tor in der Partie England – Deutschland. Auch in anderen Spielen gab es verhängnisvolle Fehlentscheide die mit der Benützung moderner Technologie hätte verhindert werden können und damit den Ausgang dieser Spiele verfälscht haben. So was hat mit Fairness einfach nichts mehr zu tun. Im Gegenteil, so was ist ungerecht und Ungerechtigkeit löst Wut aus. Wenn der oberste Boss der FIFA, Herr Blatter, der Meinung ist, man solle den Fussball mit seinen Fehlentscheiden doch so weiterleben lassen, weil dies damit seine Faszination und Popularität ausmacht, kann ich nur hoffen, dass dieser möglichst schnell abgewählt wird. Die Glaubwürdgikeit des Fussballs steht nämlich auf dem Spiel.
Und wenn wir schon bei Fussball und Ungerechtigkeit sind, erlaube ich mir eine weitere Frage: mit welchem Recht ist die israelische Nationalmannschaft erlaubt an Europameisterschaften teilzunehmen?


Schweiz - Spanien auf dem TV-Sender "Studio 23"

Kokain: Im Garten vergraben...

Die Kokaischwemme welche letzte Weihnachten die Küste von Eastern Samar heimsuchte (siehe Maopai 15 – seltsames weisses Pulver) sorgt weiterhin für Aktualität. Mehr als vierhundertsiebzig Kilos Kokain mit einem Strassenwert von 2.3 Mia Pesos (ca. CH 58.5 ?) sind bisher gefunden worden. Spezialeinheiten der Philippine National Police (PNP) mit Einsatz von Spürhunden sind seit kurzem im Einsatz und die verbleibende  Menge der zwei Tonnen Kokain ausfindig zu machen. Gemäss Berichten der Anti-illegal Drugs Special Operations Task Force (AID-SOTF) sollen Ansässige das Kilo für 40’000 Peso (ca. CHF 1'000.-) zum Verkauf angeboten haben. Polizisten als Käufer getarnt haben in einer grossen Anti-Drogen Operation etliche Leute festgenommen. Darunter auch zwei Einwohner von Maydolong die beim Verkauf von drei Kilo Kokain erwischt wurden. Bei der Vernehmung gaben sie zu weitere dreizehn Kilo in einem Versteck vergraben zu haben…
Das Kokain hat auch Manila erreicht. Kürzlich wurde ein Balut-Verkäufer (Balut ist ein angebrütetes Entenei) verhaftet, der die mit Backpulver gestreckte Droge in Sachets zu 500 Pesos verkaufte.

Erdbeben, Denge Fieber und Thyphus

Der Sommer 2010 war trocken. doch wir wollen uns nicht beklagen. Das Wetter war uns gut gesinnt. Kein einziger Taifun! Fazit: erstmals seit vier Jahren können wir im Garten Papayas ernten. Auch landesweit wurden die Philippinen dieses Jahr bisher von grösseren Naturkatastrophen verschont. „Conson“, der 2. Taifun des Jahres forderte in Luzon jedoch gleich wieder 65 Tote.
Einmal mehr hat die Erde gebebt. Dies ist in dieser Region keine Seltenheit, denn wir befinden uns auf dem sog. “Pacific Ring of Fire”, ein Gebiet wo grössere Erdebeben und vulkanische Eruptionen des öfters passieren. Das Beben hatte zwar nur eine Magnitude von 4.4, da das Epizentrum in Hernani, nur wenige Kilometer von uns entfernt lag, haben wir es während des Frühstückes um 05.46 Uhr recht stark gespürt. Als die Kinder nach zwei, drei Sekunden aufschreckten, beruhigte ich sie, es werde gleich vorüber sein, doch die Erschütterungen wurden stärker. Wir waren bereits unter der Eingangstür als es endlich aufhörte zu beben.
Mit dem Beginn der Regezeit kommt es, wie jedes Jahr, zu vermehrten Ausbrüchen von Dengue-Fieber. Wie die Gesundheitsbehörden jedoch festgestellt haben, sind die Fälle nicht mehr, wie bisher, saisonal bedingt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat die Zahl der Fälle, im Vergleich zum Vorjahr, erheblich, um 65,8%! zugenommen. Gemäss Statistik wurden 48'759 Fälle gemeldet, 315 Personen sind daran gestorben. Mit etwa mehr Erziehung zu Sauberkeit, könnten viele Fälle vermieden werden. Die lokalen Behörden wurden daher aufgefordert die Bevölkerung für Säuberungskampagne zu mobilisieren um alle möglichen Moskitobrutstätte, wie stehendes Wasser, zu vernichten. Entgegen der Malariamücke die vorwiegend in der Dämmerung und Nachts aktiv ist, sind die Mücken die das Dengue-Fieber übertragen am helllichten Tage unterwegs.
Doch nicht genug mit der Dengue-Gefahr. Einige Woche später sind in Maydolong Fälle von Typhus aufgetreten. Vor einigen Jahren war hier ein grösserer Ausbruch zu verzeichnen, die Gesundheitsbehörden waren daher gewarnt. Die Ambulanz zirkulierte durch das Dorf und forderte die Bevölkerung mittels Lautsprecher auf, kein ungekochtes Wasser zu trinken.

Fiesta 2010

Wie jedes Jahr hat die Fiesta von Maydolong am 15. und 16. August stattgefunden. Und wie immer sind eine Menge Besucher zum Mittagessen erschienen. Nachdem wir letztes Jahr im Sari-Sari viel zu wenig Bier hatten, haben wir diesmal vorgesorgt und gleich fünfundfünfzig Kisten besorgt. Doch, das Geschäft, obwohl heisses Wetter herrschte, lief nicht so gut und wir blieben auf zwanzig Kisten „sitzen“. Zu viele kleine Lädeli wie der unsrige sind in den letzten Monaten in der Nachbarschaft eröffnet worden. So was wirkt sich sofort auf unseren Umsatz aus. Die Fiesta nicht überlebt haben unsere Schweine. Der Ausdruck „arme Schweine“ kommt wohl daher! Die Metzgete hat sich mit rund siebzig Kilo verkaufter „Carne“ - Knochen und Fleisch, finanziell gelohnt, der Gewinn genügte jedoch gerade um die Essenskosten der Besucher zu decken.


Zu viel Bier: Aufruf an die Kollegen. nächstes Jahr müsst ihr uns helfen!

  
Gäste

    
darunter auch ein paar junge hübsche Cousinen...


Herzlichen Dank an Patring für die Hilfe

Die Parade, das Hauptereignis des Festes, war dieses Jahr auch eher enttäuschend. Nur gerade fünf Gruppen haben daran teilgenommen.

    

  

Traurige aber wahre Zahlen

Da die Filipinos als freundliche, liebenswürdige und Kinderliebende Menschen gelten, hat mich die kürzliche Mitteilung in der Presse über die zunehmenden Fälle von Vergewaltigungen, entsetzt. Gemäss Statistik der National Police wurden im Jahr 2009 landesweit insgesamt 3’159 Fälle registriert. Experten schätzen, dass diese Zahl jedoch nur der Hälfte aller Fälle (vermutlich sind es noch viel mehr) entspricht. Zu einem gravierenden Problem soll sich auch die zunehmend werdende Anzahl von Inzestfällen entwickelt haben, die bisher meistens aus Angst totgeschwiegen wurden. Experten sehen die Ursache darin, dass sich unter den „OFWs - Auslandarbeitern“ rund siebzig Prozent Frauen/Mütter befinden. Die älteste Tochter habe im Haushalt zu Hause oft die Mutterrolle zu übernehmen und manchmal sogar als „Ersatzfrau“ zu gelten. Ein solches Benehmen der einheimischen Bevölkerung, die ja noch mehrheitlich christlichen Glaubens ist, ist für mich schlichtweg skandalös und eine Schande für die Nation.

Vorbereitung für mein Herbsttrekking

Mein Leben ist seit dem 12. Lebensjahr mit sportlicher Tätigkeit geprägt. Zuerst war ich bei den C Junioren des FC Courtelary rechter Flügelstürmer. Begeistert von Christian Wägli’s 800 m Olympiafinal 1960 in Rom wollte ich dann 800 m -Läufer werden. Ich holte damit keine Lorbeeren. Ich kann mich noch sehr gut an eine Regionalmeisterschaft in Thun erinnern. Als der Sieger André Dolder (GGB) die Ziellinie überquerte, hatte ich noch etwa zweihundert Meter zurück zu legen. Dennoch war ich mit mir zufrieden. Ist es nicht eine grössere Leistung sich während 2 Min und 20 Sekunden zu quälen als die zwei Bahnrunden nur in 1:50 zurückzulegen? Mit dieser Überlegung bin ich jedoch alleine geblieben. Später war ich ein begeisterter Jogger. Sport hat mich das ganze Leben begleitet. Tiefschläge habe ich dank dem Sport überwunden. Sport wurde zu meiner Religion. Andere lesen die Bibel. Ohne regelmässiges Training leidet das Wohlbefinden. Man wird träge, ist weniger initiativ und vor allem mental viel eher verwundbar. Einer sportlichen Tätigkeit in einem tropischen Klima wie hier in Südostasien nachzugehen ist aber nicht gerade einfach. So bin ich vor einigen Monaten an einem Punkt angelangt an dem es, in Hinblick auf mein vorgesehenes Trekking im Oktober, so nicht mehr weitergehen konnte. Mit dem Verkauf meines Mahatma Gandhi Briefmarkenalbum kaufte ich mir in Borongan ein 6-Gänger Fahrrad. Während fünf Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen, bin ich die zweiundzwanzig Kilometer vom Laden gleich zurück nach Maydolong gefahren. Au weh! Sechsmal musste ich völlig ausser Atem in den Steigungen absteigen. Schultern, Rücken und „Füdle“ taten mir während zwei Tagen weh!
Am kühlsten, wenn man überhaupt von kühl reden kann, ist es am frühen Morgen. Meistens starte ich um 06.00 Uhr. Um diese Zeit ist schon allerlei los. Viele Kinder sind zur nächsten Wasserstelle unterwegs um ihre Coca-Cola PET-Flaschen mit Wasser zu füllen. Die Fahrt entlang Reisfeldern und der Küste des Pazifischen Ozeans ist wunderschön und auch unterhaltsam. Bei der Durchfahrt vieler kleiner primitiver Nippa-Hütten ertönt nämlich Musik in voller Lautstärke, alte Hits wie „Hotel California“ oder „Paloma bianca“.

    
Kiliometer 0: Maydolong - Kilometer 1: Maybococ

Zu Beginn meines Trainings machte mir vor allem der lange, steile Aufstieg zum „Col de Omawas“ grosse Mühe. Ich stufte diesen als Pass dann auch als Pass der Kategorie A ein. Höhe: 45 Meter! Langsam steigerte ich das tägliche Training. Zuerst auf 8 Km, dann 14 Km, 16 km bis 22 Km. Mit über 60 Lenzen ist es vor allem wichtig Geduld zu haben und vermehrt auf den Körper zu hören. In der Zwischenzeit schaffe ich die Strecke nach Borongan (hin und zurück 44 Km) ohne Probleme. Die rund 1200 Trainingskilometer scheinen ihre Wirkung zu zeigen. Durch die regelmässigen Fahrten in den vergangenen drei Monaten bin ich ziemlich bekannt und habe entlang der Strecke viele Anhänger die mich mit Zurufen anspornen. Ab und zu halte ich bei einem kleinen Laden an um ein Mineralwasser zu trinken. Die Leute haben Freude und es kommt zu einem Schwatz. Riesige Freude haben jeweils die Schulkinder in Omawas die mir in die ausgestreckte Hand klatschen! Als ich eines Morgens abseits in der Landschaft einen „platten“ einfing, musste ich vier Kilometer zur nächsten Reparaturstelle marschieren!


Kilometer 3,5: Omawas Beach

    
Kilometer 4: Aufstieg zum Omawas-Pass mit Elementary School von Omawas

    
Die 1½ Kilometer lange Abfahrt nach Camada ist sehr kurvenreich

    
Kilometer 7: Die Brücke in Camada über den Suribao River

  
Morgenstimmung am Suribao Fluss


Während des Sommers werden hier auch Ananas verkauft

    
Kilometer 8: Nippahütten und die Abfallgrube von Camada

      
Kilometer 10: Kopra-Herstellung (getrocknetes Kernfleisch von Kokosnüssen aus dem Kokosöl gewonnen wird) in Locsoon


Kilometer 14: Die Küste bei Lalawigan


Kilometer 20: Can-Obing River

    
Kilometer 21: Hafen von Borongan

    
Kilometer 22: Borongan Beach

Letzter Bericht

Dies ist mein letzter Bericht „Maopai“. Während den letzten drei Jahren habe ich das tägliche Leben hier in der Provinz in 16 Berichten beschrieben. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, Euch ein objektives Bild über die Freuden und Leiden eines Auslandschweizers zu vermitteln. Etliche von Euch haben stets darauf reagiert und mich mit Einträgen im Gästebuch angespornt weiterzumachen. Ich möchte mich dafür recht herzlichen bedanken. Ich weiss aber auch, dass viele andere Leser ebenfalls Freude an meinen „Geschichten“ hatten, ohne es kundzutun. Auch jenen sei für Ihr Interesse gedankt. Ich möchte aber auch meinem Web-Designer Tinu Bühler danken, der jeweils für das definitive Layout und das Aufschalten aufs Internet gesorgt hat.
Ich werde meine Arbeit nun vermehrt auf alpinhistorische Ereignisse richten, die ich im Verzeichnis der Schweizer Himalaja-Expeditionen publizieren werde. Ich werde meine Erlebnisse hier jedoch weiterhin schriftlich festhalten und allen Interessierten per E-mail zustellen. Wer von mir nicht automatisch ein Mail erhält, muss es mir daher kurz miteilen.
Ich kann meine Einladung an Freunde und Bekannte nur wiederholen: besucht uns doch einmal. Dies wäre doch eine einmalige Gelegenheit das Leben abseits grosser Tourismuszentren zu entdecken. Wir wohnen ja zudem nicht „am Ende der Welt“!
Zunächst geht es nun aber in den Himalaja. Mein Trekkingbericht wird voraussichtlich ab 1. Woche November unter der Rubrik „Neue Destinationen“ online sein.





Hier gehts zum Ausdrucken dieses Berichtes als PDF im A4-Format


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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com