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Kronzeuge ermordet
Währenddem
sich die Aufmerksamkeit der ganzen Nation in den letzten Monaten auf die Wahlen
fokussierte, wurde beinahe vergessen, dass seit dem grauenhaften Blutbad von
Maguindanao inzwischen bereits ein halbes Jahr vergangen ist. Hauptangeklagter
ist der Sohn des Gouverneurs von Maguindanao, Andal Ampatuan Junior, der das
Massaker angeordnet haben soll. Gemäss einem Zeitungsbericht des „Philippine
Daily Inquirer“ sollen die Ampatuans im Gefängnis eine Party für Gäste
„geschmissen“ haben. Gefängnisinsassen berichteten als Augenzeugen, dass sie
Besucher in ihren Zellen empfangen haben sollen. Dabei seien die Gäste mit dem
Song „Nobody“ der koreanischen Popgruppe „Wonder Girls“ aus den Lautsprechern
unterhalten und mit einer Lieferung von fast-food Produkten von Jollibee
verpflegt worden. Diese Enthüllungen haben in der Bevölkerung erneut für Abscheu
und Unverständnis gesorgt. Der Gefängnisdirektor erklärte, dass sich die Party
nicht so abspielte wie es die Zeugen berichteten. Eine Untersuchung ist im
Gange. Doch damit nicht genug. Eine Woche danach wurde nun sogar ein Kronzeuge
der Anklage ermordet. Er war ein Mitglied der Privatarmee des Gouverneurs von
Maguindanao, Andal Ampatuan Senior. Medienberichten zufolge hatte der Kronzeuge
wiederholt um Zeugenschutz gebeten. Die noch amtierende Regierung von
Präsidentin Gloria Arroyo (mit der Familie der Ampatuans befreundet) hatte
jedoch bislang nicht dafür gesorgt. In einem Fernsehinterview hatte „Jessie“ den
Sohn des Gouverneurs schwer belastet. Aus dem Gefängnis heraus wurde ein
Kopfgeld von 45.000 Dollars auf „Jessie“ ausgesetzt. Die Anklage konzentriert
sich jetzt auf einen anderen Kronzeugen. Dabei soll es sich um einen engen
Vertrauten des früheren Gouverneurs Ampatuan handeln, der an verschiedenen
Gesprächen im Vorfeld des Massakers teilgenommen haben soll. Mit der Ernennung
von Leila de Lima, der bisherigen Vorsitzenden der philippinischen
Menschenrechtskommission, als neue Justizministerin im Kabinett des neuen
Präsidenten Aquino, ist zu hoffen, dass es in diesem Fall endlich vorwärts gehen
wird. Ich wage jedoch die Behauptung, dass das Verfahren durch die Armada von
Rechtsanwälten so lange wie möglich verschleppt und eingestellt wird und die
Angeklagten am Schluss sogar freigesprochen werden!
Back to school
Ein neues Schuljahr hat im Juni begonnen. Für viele Kinder beginnt damit ein
neuer Lebensabschnitt. Für andere, wie für „unsere“ Tochter (12) pfeift mit dem
Beginn des ersten Schuljahres in einer privaten Highschool in Borongan nun „ein
anderer Wind“. Von nun an muss endlich etwas gearbeitet und gelernt werden. Der
Schulbeginn heisst für uns auch um 04.30 Uhr aufzustehen um Reis zu kochen.
Spätestens um 06.00 Uhr müssen die Kinder aus dem Hause sein um pünktlich zum
Lektionsbeginn in der Schule zu sein. Welch ein tägliches „Theater“ bis diese
aufgestanden sind, geduscht, Zähne geputzt, sich korrekt angezogen und
gefrühstückt haben! Die Kinder haben kein Zeitgefühl. Eile ist für sie ein
Fremdwort. So wird es
bei uns regelmässig schon frühmorgens recht laut!
Eine gute Schulausbildung ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines
Landes. Ich hatte in den letzten vier Jahren ein wenig Einsicht in das hiesige Schulsystem und es ist mir nun
eher klar,
weshalb die Mehrheit der Erwachsenen Filipinos „so“ ist. Viele Leute hoffen, dass mit der
neuen Regierung endlich der so nötige „frische Wind“ einsetzen wird um die
dringenden Verbesserungen im öffentlichen Schulsystem durchzuführen. Denn Jahr
für Jahr sieht das Szenario in den öffentlichen Schulen gleich aus:
durchschnittlich einen Lehrer für fünfundsechzig Schüler, ein Lehrbuch für drei
Schüler, überfüllte Schulklassen und unterbezahlte Lehrer. Um den Kindern eine
gute Ausbildung zu gewährleisten bleibt den Eltern oft nichts anders übrig als
diese in einer Privatschule einzuschreiben. Privatschulen sind aber nicht billig
und für viele Eltern bedeutet dies eine enorme starke finanzielle Belastung.
Einige Zahlen (Quelle Department of Education Indicator Statistics 2008)
- 2’773’156 First Grade Schüler aller öffentlichen Schulen (1. Klasse
Grundschule)
- 1'671'021 Schüler der 6th Grade (letztes Jahr der Grundschule)
- 1'560'593 Schüler im 1. Jahr Highschool
- Mehr als 14 % aller Schulen haben mehr als fünfzig Schüler pro Klasse!
- Wegen dem Mangel an Klassenzimmer haben einige Schule mehr als Hundert Schüler
pro Klasse!
- 71'325 Schüler von über 700 Schulen haben kein Klassenzimmer und sind
gezwungen die Lektionen in Korridors, Turnhallen oder sogar in WC’s zu erhalten.

Unser Hund wurde gegessen!
Mit unseren Hunden scheinen wir kein Glück zu
haben. Der erste Hund, der „Lumpehund“ wurde von einem Idioten grundlos
erschlagen und der zweite, der „Jungle not bite“ kam nicht mehr nach Hause und
wurde vermutlich gemetzget. Das ist hier so üblich. So haben wir zwei neue, der
„Black nose“ und die „Shira“. Zwei lustige Hunde an denen ich sehr viel Freude
habe. Als „Shira“ eines Tages krank war und während vier Tagen nichts mehr frass
und nur noch lethargisch herumlag, wollte ich einen Veterinär aufsuchen. Doch,
hier, wo man ja froh sein muss, dass es überhaupt einen Arzt gibt, ist an so was
gar nicht zu denken. So musste ich mir selber helfen, über Internet mit Google.
„Mein Hund frisst nicht mehr“ war die Eingabe und schon hatte ich eine Flut von
Informationen dazu die mir half selber den „Veterinär“ zu spielen. Nach zwei
Tagen rannte „Shira“ wieder herum. So was macht doch Freude!
Auch unsere zwei Schweine sind lustige Viecher und sind gar nicht so dumm wie
man immer meint. Sie scheinen sogar richtig Freude zu haben, wenn man sie mit
dem Schlauch abspritzt.

Unsere Tiere: "Black nose", "Shira" und eines der Säuli

Fussball in den Philippinen
Die ganze
Welt ist Fussballverrückt, nur in den Philippinen nicht! Schwer zu verstehen.
Aber hier ist Vieles anders als in der übrigen Welt. Als Sport zählt hier nur
eins: Basketball. Es gibt etliche Leute, die der Ansicht sind, wären die Spanier
anstelle der Amerikaner länger im Lande verblieben, der Fussball hier wesentlich
populärer wäre. Mit den Amerikanern als neue Kolonialmacht verlor der Fussball
seine Vorrangstellung an das Basketballspiel. Schade! Mit dem Eiskrem
brachten diese zumindest etwas Positives ins Land. Es ist aber nicht so, dass man Fussball hier
nicht kennt. Fussball ist in einigen Provinzen wie Negros Occidental, Mindanao
oder Iloilo sogar recht beliebt. Es gibt auch einen Verband, die Phillippine
Football Federation (www.the-pff.com). Die Philippinen besassen als eines der
ersten asiatischen Länder eine Fussball-Nationalmannschaft. Ihr erstes Spiel,
ein Heimspiel gegen China das mit 2 – 1 gewonnen wurde, fand am 1. Februar 1913
statt. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch auf Paulino Alcantra (1896 in
Iloilo geboren) verwiesen, der eine legendäre Karriere als spanischer
Nationalspieler aber insbesondere beim FC Barcelona machte. International
gesehen kam es bisher nie zu einem massgeblichen Erfolg. Zurzeit belegen die
Philippinen in der FIFA-Rangliste den 170. Platz (von 207 Ländern) und sind
somit eine der schwächsten Mannschaften. Die höchst je erlittene Niederlage
erfolgte 1967 gegen Japan mit einem 0 – 15 Blamage! In der WM 2002
Gruppen-Ausscheidungsspielen gab es Niederlagen gegen Syrien (12 – 0 und 5 - 1),
Oman (7 – 0 und 2 - 0). Einzig gegen Laos vermochte man ein Unentschieden (1 –
1) zu spielen. Der Tiger Cup im gleichen Jahr verlief auch nicht viel
erfolgreicher. In vier Spielen kassierte man 24 Tore, wobei die
Nationalmannschaft Indonesien mit 13 – 1 unterlag. Eine solche trostlose Bilanz
ist natürlich nicht gerade prädestiniert die Sportart Fussball populär zu
machen. Dies ist wohl auch der Grund weshalb der Verband seit 2004 an keinem
internationalen Turnier mehr teilnimmt und sich vermehrt der Basisarbeit bei
Kindern widmet. Denn das Talent-Potential ist bei dreissig Millionen
Jugendlichen unter 15 Jahren riesig gross.

Übertragungen im Philippinischen Fernsehen von der Fussball-WM in Süd-Afrika,
waren daher kaum zu erwarten. Zur grossen Überraschung fand sich mit "Studio 23"
dennoch ein fussballbegeisterter TV Sender der täglich um 02.30 Uhr ein Spiel
live übertrug und um 08.00 Uhr eine Aufzeichnung ausstrahlte. Dass ich sogar
alle drei Spiele der Schweizer Nati sehen konnte, war wirklich unerhofft. Nach
der sensationellen Leistung unserer Nati gegen den späteren Weltmeister Spanien,
vermasselte diese ihr Weiterkommen in einem schwachen Spiel gegen Honduras.
Doch, wer im Fussball nicht fähig ist Tore zu schiessen, hat in der
Zwischenrunde nichts zu suchen.
Der grosse Verlierer dieser WM ist für mich aber die FIFA, der
Weltfussballverband. Sie, die Fairness und Sportlichkeit propagiert,
widerspricht mit ihrer sturen Ablehnung auf Zuhilfenahme von Video gegen ihre
eigenen Regeln der Ethik und sozialen Verantwortung. In keiner anderen Sportart
wie im Fussball gibt es so viele Fehlentscheide. Die ganze Welt war Zeuge vom
aberkannten gültigen Tor in der Partie England – Deutschland. Auch in anderen
Spielen gab es verhängnisvolle Fehlentscheide die mit der Benützung moderner
Technologie hätte verhindert werden können und damit den Ausgang dieser Spiele
verfälscht haben. So was hat mit Fairness einfach nichts mehr zu tun. Im
Gegenteil, so was ist ungerecht und Ungerechtigkeit löst Wut aus. Wenn der
oberste Boss der FIFA, Herr Blatter, der Meinung ist, man solle den Fussball mit
seinen Fehlentscheiden doch so weiterleben lassen, weil dies damit seine
Faszination und Popularität ausmacht, kann ich nur hoffen, dass dieser möglichst
schnell abgewählt wird. Die Glaubwürdgikeit des Fussballs steht nämlich auf dem
Spiel.
Und wenn wir schon bei Fussball und Ungerechtigkeit sind, erlaube ich mir eine
weitere Frage: mit welchem Recht ist die israelische Nationalmannschaft erlaubt
an Europameisterschaften teilzunehmen?

Schweiz - Spanien auf dem TV-Sender "Studio 23"
Kokain: Im Garten vergraben...
Die Kokaischwemme welche letzte Weihnachten die
Küste von Eastern Samar heimsuchte (siehe Maopai 15 – seltsames weisses Pulver)
sorgt weiterhin für Aktualität. Mehr als vierhundertsiebzig Kilos Kokain mit
einem Strassenwert von 2.3 Mia Pesos (ca. CH 58.5 ?) sind bisher gefunden
worden. Spezialeinheiten der Philippine National Police (PNP) mit Einsatz von
Spürhunden sind seit kurzem im Einsatz und die verbleibende Menge der zwei
Tonnen Kokain ausfindig zu machen. Gemäss Berichten der Anti-illegal Drugs
Special Operations Task Force (AID-SOTF) sollen Ansässige das Kilo für 40’000
Peso (ca. CHF 1'000.-) zum Verkauf angeboten haben. Polizisten als Käufer
getarnt haben in einer grossen Anti-Drogen Operation etliche Leute festgenommen.
Darunter auch zwei Einwohner von Maydolong die beim Verkauf von drei Kilo Kokain
erwischt wurden. Bei der Vernehmung gaben sie zu weitere dreizehn Kilo in einem
Versteck vergraben zu haben…
Das Kokain hat auch Manila erreicht. Kürzlich wurde ein Balut-Verkäufer (Balut
ist ein angebrütetes Entenei) verhaftet, der die mit Backpulver gestreckte Droge
in Sachets zu 500 Pesos verkaufte.
Erdbeben, Denge Fieber und Thyphus
Der Sommer 2010 war trocken. doch wir wollen uns
nicht beklagen. Das Wetter war uns gut gesinnt. Kein einziger Taifun! Fazit:
erstmals seit vier Jahren können wir im Garten Papayas ernten. Auch landesweit
wurden die Philippinen dieses Jahr bisher von grösseren Naturkatastrophen
verschont. „Conson“, der 2. Taifun des Jahres forderte in Luzon jedoch gleich
wieder 65 Tote.
Einmal mehr hat die Erde gebebt. Dies ist in dieser Region keine Seltenheit,
denn wir befinden uns auf dem sog. “Pacific Ring of Fire”, ein Gebiet wo
grössere Erdebeben und vulkanische Eruptionen des öfters passieren. Das Beben
hatte zwar nur eine Magnitude von 4.4, da das Epizentrum in Hernani, nur wenige
Kilometer von uns entfernt lag, haben wir es während des Frühstückes um 05.46
Uhr recht stark gespürt. Als die Kinder nach zwei, drei Sekunden aufschreckten,
beruhigte ich sie, es werde gleich vorüber sein, doch die Erschütterungen wurden
stärker. Wir waren bereits unter der Eingangstür als es endlich aufhörte zu
beben.
Mit dem Beginn der Regezeit kommt es, wie jedes Jahr, zu vermehrten Ausbrüchen
von Dengue-Fieber. Wie die Gesundheitsbehörden jedoch festgestellt haben, sind
die Fälle nicht mehr, wie bisher, saisonal bedingt. In den ersten sieben Monaten
dieses Jahres hat die Zahl der Fälle, im Vergleich zum Vorjahr, erheblich, um
65,8%! zugenommen. Gemäss Statistik wurden 48'759 Fälle gemeldet, 315 Personen
sind daran gestorben. Mit etwa mehr Erziehung zu Sauberkeit, könnten viele Fälle
vermieden werden. Die lokalen Behörden wurden daher aufgefordert die Bevölkerung
für Säuberungskampagne zu mobilisieren um alle möglichen Moskitobrutstätte, wie
stehendes Wasser, zu vernichten. Entgegen der Malariamücke die vorwiegend in der
Dämmerung und Nachts aktiv ist, sind die Mücken die das Dengue-Fieber übertragen
am helllichten Tage unterwegs.
Doch nicht genug mit der Dengue-Gefahr. Einige Woche später sind in Maydolong
Fälle von Typhus aufgetreten. Vor einigen Jahren war hier ein grösserer Ausbruch
zu verzeichnen, die Gesundheitsbehörden waren daher gewarnt. Die Ambulanz
zirkulierte durch das Dorf und forderte die Bevölkerung mittels Lautsprecher
auf, kein ungekochtes Wasser zu trinken.
Fiesta 2010
Wie jedes Jahr hat die Fiesta von Maydolong am
15. und 16. August stattgefunden. Und wie immer sind eine Menge Besucher zum
Mittagessen erschienen. Nachdem wir letztes Jahr im Sari-Sari viel zu wenig Bier
hatten, haben wir diesmal vorgesorgt und gleich fünfundfünfzig Kisten besorgt.
Doch, das Geschäft, obwohl heisses Wetter herrschte, lief nicht so gut und wir
blieben auf zwanzig Kisten „sitzen“. Zu viele kleine Lädeli wie der unsrige sind
in den letzten Monaten in der Nachbarschaft eröffnet worden. So was wirkt sich
sofort auf unseren Umsatz aus.
Die Fiesta nicht überlebt haben unsere Schweine. Der Ausdruck „arme Schweine“
kommt wohl daher! Die Metzgete hat sich mit rund siebzig Kilo verkaufter „Carne“
- Knochen und Fleisch, finanziell gelohnt, der Gewinn genügte jedoch gerade um
die Essenskosten der Besucher zu decken.

Zu viel Bier: Aufruf an die Kollegen. nächstes Jahr müsst ihr uns helfen!

Gäste

darunter auch ein paar junge hübsche Cousinen...

Herzlichen Dank an Patring für die Hilfe
Die Parade, das Hauptereignis des Festes, war dieses Jahr auch eher enttäuschend. Nur gerade fünf Gruppen haben daran teilgenommen.


Traurige aber wahre Zahlen
Da die Filipinos als freundliche, liebenswürdige
und Kinderliebende Menschen gelten, hat mich die kürzliche Mitteilung in der
Presse über die zunehmenden Fälle von Vergewaltigungen, entsetzt. Gemäss
Statistik der National Police wurden im Jahr 2009 landesweit insgesamt 3’159
Fälle registriert. Experten schätzen, dass diese Zahl jedoch nur der Hälfte
aller Fälle (vermutlich sind es noch viel mehr) entspricht. Zu einem gravierenden Problem soll sich auch die
zunehmend werdende Anzahl von Inzestfällen entwickelt haben, die bisher meistens
aus Angst totgeschwiegen wurden. Experten sehen die Ursache darin, dass sich
unter den „OFWs - Auslandarbeitern“ rund siebzig Prozent Frauen/Mütter befinden.
Die älteste Tochter habe im Haushalt zu Hause oft die Mutterrolle zu übernehmen
und manchmal sogar als „Ersatzfrau“ zu gelten. Ein solches Benehmen der
einheimischen Bevölkerung, die ja noch mehrheitlich christlichen Glaubens ist, ist für mich
schlichtweg skandalös und eine Schande für die Nation.
Vorbereitung für mein Herbsttrekking
Mein Leben ist seit dem 12. Lebensjahr mit sportlicher Tätigkeit geprägt. Zuerst
war ich bei den C Junioren des FC Courtelary rechter Flügelstürmer. Begeistert
von Christian Wägli’s 800 m Olympiafinal 1960 in Rom wollte ich dann 800 m
-Läufer werden. Ich holte damit keine Lorbeeren. Ich kann mich noch sehr gut an
eine Regionalmeisterschaft in Thun erinnern. Als der Sieger André Dolder (GGB)
die Ziellinie überquerte, hatte ich noch etwa zweihundert Meter zurück zu legen.
Dennoch war ich mit mir zufrieden. Ist es nicht eine grössere Leistung sich
während 2 Min und 20 Sekunden zu quälen als die zwei Bahnrunden nur in 1:50
zurückzulegen? Mit dieser Überlegung bin ich jedoch alleine geblieben. Später
war ich ein begeisterter Jogger. Sport hat mich das ganze Leben begleitet.
Tiefschläge habe ich dank dem Sport überwunden. Sport wurde zu meiner Religion.
Andere lesen die Bibel. Ohne regelmässiges Training leidet das Wohlbefinden. Man
wird träge, ist weniger initiativ und vor allem mental viel eher verwundbar.
Einer sportlichen Tätigkeit in einem tropischen Klima wie hier in Südostasien
nachzugehen ist aber nicht gerade einfach. So bin ich vor einigen Monaten an
einem Punkt angelangt an dem es, in Hinblick auf mein vorgesehenes Trekking im
Oktober, so nicht mehr weitergehen konnte. Mit dem Verkauf meines Mahatma Gandhi
Briefmarkenalbum kaufte ich mir in Borongan ein 6-Gänger Fahrrad. Während fünf
Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen, bin ich die zweiundzwanzig
Kilometer vom Laden gleich zurück nach Maydolong gefahren. Au weh! Sechsmal
musste ich völlig ausser Atem in den Steigungen absteigen. Schultern, Rücken und
„Füdle“ taten mir während zwei Tagen weh!
Am kühlsten, wenn man überhaupt von kühl reden kann, ist es am frühen Morgen.
Meistens starte ich um 06.00 Uhr. Um diese Zeit ist schon allerlei los. Viele
Kinder sind zur nächsten Wasserstelle unterwegs um ihre Coca-Cola PET-Flaschen
mit Wasser zu füllen. Die Fahrt entlang Reisfeldern und der Küste des
Pazifischen Ozeans ist wunderschön und auch unterhaltsam. Bei der Durchfahrt
vieler kleiner primitiver Nippa-Hütten ertönt nämlich Musik in voller
Lautstärke, alte Hits wie „Hotel California“ oder „Paloma bianca“.

Kiliometer 0: Maydolong - Kilometer 1: Maybococ
Zu Beginn meines Trainings machte mir vor allem der lange, steile Aufstieg zum
„Col de Omawas“ grosse Mühe. Ich stufte diesen als Pass dann auch als Pass der
Kategorie A ein. Höhe: 45 Meter! Langsam steigerte ich das tägliche Training.
Zuerst auf 8 Km, dann 14 Km, 16 km bis 22 Km. Mit über 60 Lenzen ist es vor
allem wichtig Geduld zu haben und vermehrt auf den Körper zu hören. In der
Zwischenzeit schaffe ich die Strecke nach Borongan (hin und zurück 44 Km) ohne
Probleme. Die rund 1200 Trainingskilometer scheinen ihre Wirkung zu zeigen.
Durch die regelmässigen Fahrten in den vergangenen drei Monaten bin ich ziemlich
bekannt und habe entlang der Strecke viele Anhänger die mich mit Zurufen
anspornen. Ab und zu halte ich bei einem kleinen Laden an um ein Mineralwasser
zu trinken. Die Leute haben Freude und es kommt zu einem Schwatz. Riesige Freude
haben jeweils die Schulkinder in Omawas die mir in die ausgestreckte Hand
klatschen! Als ich eines Morgens abseits in der Landschaft einen „platten“
einfing, musste ich vier Kilometer zur nächsten Reparaturstelle marschieren!

Kilometer 3,5: Omawas Beach

Kilometer 4: Aufstieg zum Omawas-Pass mit Elementary School von Omawas

Die 1½ Kilometer lange Abfahrt nach Camada ist sehr kurvenreich


Kilometer 7: Die Brücke in Camada über den Suribao River

Morgenstimmung am Suribao Fluss

Während des Sommers werden hier auch Ananas verkauft

Kilometer 8: Nippahütten und die Abfallgrube von Camada
Kilometer 10: Kopra-Herstellung (getrocknetes Kernfleisch von Kokosnüssen aus
dem Kokosöl gewonnen wird) in Locsoon

Kilometer 14: Die Küste bei Lalawigan

Kilometer 20: Can-Obing River

Kilometer 21: Hafen von Borongan

Kilometer 22: Borongan Beach
Letzter Bericht
Dies ist mein letzter Bericht „Maopai“. Während den letzten drei Jahren habe ich das
tägliche Leben hier in der Provinz in 16 Berichten beschrieben. Ich hoffe, dass
es mir gelungen ist, Euch ein objektives Bild über die Freuden
und Leiden eines Auslandschweizers zu vermitteln. Etliche von Euch haben stets darauf
reagiert und mich mit Einträgen im Gästebuch angespornt weiterzumachen. Ich möchte mich dafür
recht herzlichen bedanken. Ich weiss aber auch, dass viele andere Leser
ebenfalls Freude an meinen „Geschichten“ hatten, ohne es kundzutun. Auch jenen
sei für Ihr Interesse gedankt. Ich möchte aber auch meinem Web-Designer Tinu Bühler danken, der
jeweils für das definitive Layout und das Aufschalten aufs Internet gesorgt hat.
Ich werde meine Arbeit nun vermehrt auf alpinhistorische Ereignisse richten, die
ich im Verzeichnis der Schweizer Himalaja-Expeditionen publizieren werde. Ich werde meine Erlebnisse
hier jedoch weiterhin schriftlich festhalten und allen Interessierten per E-mail zustellen.
Wer von mir nicht automatisch ein Mail erhält, muss es mir daher kurz miteilen.
Ich kann meine Einladung an Freunde und Bekannte nur wiederholen: besucht uns doch einmal. Dies wäre doch eine einmalige Gelegenheit das Leben abseits grosser
Tourismuszentren zu entdecken. Wir wohnen ja zudem nicht „am Ende der Welt“!
Zunächst geht es nun aber in den Himalaja. Mein Trekkingbericht wird
voraussichtlich ab 1. Woche November unter der Rubrik „Neue Destinationen“
online sein.
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