| Weltreise |
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30. März – 14. Dezember 1977 Panamericana, die Traumstrasse der Welt. Ein Traum jedes Trampers. Drei Monate vor dem Abreisedatum war es definitiv: der unbezahlte Urlaub im Geschäft klappte. Natürlich hatten die Vorbereitungen und notwendigen Abklärungen schon lange vorher begonnen. Will man von einer solchen Reise möglichst viel profitieren können, gibt es zahlreiche Punkte worüber nachzudenken ist:
Erst wenn diese Grundsatzabklärungen entschieden sind, kann mit der eigentlichen Planung einer solchen Reise begonnen werden. Das Budget, die Ausrüstung, die gesundheitliche Vorsorge, die Visa, der Militärdienst, die Steuern, die Krankenkasse, die AHV, die Versicherungen, die Wohnung, das Auto, all dies sind Sachen die vorher genau abgeklärt werden müssen. Unsere Ausgangslage war folgende: mein Reisefreund Alois, der Mechaniker der 2 CV-Reise, musste spätestens mitte September wieder in der Schweiz sein. Mit der Annahme, dass es von den USA leichter sein würde einen billigen Charterflug nach Europa zu kaufen als von Südamerika aus und ich zudem mit einem eventuellen Weiterflug nach Japan liebäugelte, war die Wahl unserer Route relativ schnell auf die Variante Süd - Nord gefallen. Da bei einer Einfuhr eines Autos nach Brasilien bis zu 200% des Wagenneuwertes als Garantie hinterlegt werden muss, zudem die Panamericana zwischen Kolumbien und Panama noch immer nicht gebaut ist und wir dadurch das Auto hätten einschiffen müssen, fiel uns der Entscheid für die öffentlichen Verkehrsmittel relativ leicht, obwohl und bewusst war, dass damit die Reisefreiheit sehr stark eingeschränkt sein würde. Sicher war, dass wir so punkto Reparaturen gar keine Sorgen zu machen brauchten, was aus Erfahrung von unserer CV'Reise, immer mit viel Ärger und Zeitverlust verbunden ist.
Teil 1: Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ekuador, Galapagos, Kolumbien Brasilien
Rio de Janeiro, 1. April 1977: Ein echter Aprilscherz! Aus den erhofften Begegnungen mit Brasilianerinnen auf der Copacapana wird leider nichts. Es regnet seit drei Tagen in Strömen: 91 Millimeter in 24 Stunden! Unser erster Höhepunkt fällt buchstäblich ins Wasser.
Wir fahren weiter nach Sao Paolo. Mit 8 Mio Einwohner ist Sao Paolo die bedeutendste Industriestadt des Landes. Der Ausblick vom 41. Stock des Edificio Italia ist eindrücklich.
Nach 20stündiger Busfahrt erreichen wir Foz de Iguazu. Die berühmten Wasserfälle liegen 32 Km weiter am Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay. Auf einer Breite von 4 Km stürzen 275 Fälle zwischen einer Höhe von 55 bis 73 Meter in die Tiefe. Argentinien
In 18½ Stunden Zugsfahrt erreichen wir Mendoza, bekannt als Ausgangspunkt zu zahlreichen Skigebieten. Bereits auf der Hinfahrt nach Buenos Aires sind wir in einige Militärkontrollen geraten und haben dabei erfahren, dass man hierzulande keinen Spass versteht. Die Passagiere müssen jedes Mal aussteigen und sich mit erhobenen Händen an den Bus lehnen, währenddem das Gepäck minutiös durchsucht wird. Soldaten, Maschinenpistolen im Anschlag, überwachen die Prozedur. Wir, als Ausländer, wurden zum Glück dabei nicht belästigt. Im Busbahnhof von Mendoza geraten wir dann allerdings doch noch in eine Razzia und müssen, zusammen mit anderen 50 Personen, in Einerkolonne ins Polizeigebäude abmarschieren. Im Innenhof müssen wir uns dann alle mit erhobenen Händen und Gesicht zur Wand aufstellen. Nach der Kontrolle unserer Pässe werden wir gleich wieder freigelassen. Was aus den anderen wurde, wissen wir nicht…
Chile
Für die Überquerung der Anden erwischten wir einen wunderschönen Herbsttag. Die meisten Buspassagiere wären zwar aus Zeitgründen lieber von Las Cuevas durch den 3 Km langen Tunnel auf die chilenische Seite gefahren, wir konnten sie jedoch überzeugen bei einem solch schönen Tag doch lieber über den Pass zu fahren. Schlussendlich hatte alle Freude, dass es uns Suizos so gefallen hat!
Die landschaftlich schönsten Gegenden Chiles und Argentiniens befinden sind im Süden. Da es im April dort schon recht kalt sein soll und auch schon geschneit hat, fahren wir gleich weiter nach Arica, im äussersten Norden von Chile. Arica, ein hübsches , sauberes Städtchen mit gepflegten Blumenanlagen ist wegen seiner Zollfreizone von Wichtigkeit. Die Hälfte der Importe Boliviens kommt durch den Hafen von Arica.
Bolivien
Für einmal leisten wir uns den „teuren“ Zug. Dies hat den Vorteil, dass wir die Strecke nach Lima in dreimal kürzerer Zeit erreichen und vor allem, dass die Grenzformalitäten auf diesem Wege ohne die geringsten Probleme vor sich gehen. Nach 6 Stunden Fahrt erreichen wir das Altiplano, das Hochplateau zwischen der West- und Königskordilliere. In der Nähe der bolivianischen Grenze erreicht der Zug eine Höhe von 4247 m ü.M. Völlig überraschend präsentiert sich La Paz. Wie ein Gletscherspalt öffnet sich plötzlich das Atiplano. Tief unten erscheint ein riesiges Häusermeer, überragt vom 6466 m hohen Illimani.
La Paz ist die höchstgelegene Stadt der Welt. Jede Anstrengung auf dieser Höhe macht sich bemerkbar. Nach 2 – 3 Tagen gewöhnt sich der Körper allmählich an die dünne Luft und die Kopfschmerzen verschwinden. La Paz ist auch der Treffpunkt der „Tramper“. Hier werden Reisetipps ausgetauscht und man weiss schon tausende Kilometer im voraus wo man in welcher Stadt absteigen soll.
Jeden Sonntag wird in Chacaltaya, 32 Km von La Paz entfernt, Ski gefahren! Die Ausrüstung kann man sich im Club Andino Boliviano mieten. Wir waren auch dort, aber nicht zum Skifahren. Noch immer unter meiner misslungenen Kilimandjaro-Expedition leidend, musste ich den 5600 m hohen Gipfel unbedingt bestiegen haben.
Innerhalb von wenigen Kilometern erreicht man östlich von La Paz die feuchtheisse Tiefebene der Jungas. Knappe 50 Km Luftlinie von der Hauptstadt befindet man sich inmitten von Orangen-, Bananen- und Kaffeeplantagen! Gestern noch im Schnee, heute in den Tropen…
Unweit von La Paz befinden sich auch die mysteriösen Ruinen von Tihuanacu. Die Urus, aus Asien über die Beringstrasse nach Amerika eingewandert, sollen bereits vor 7000 Jahren im Gebiet des Titicacasees gelebt haben. Doch niemand weiss etwas über diese Kultur. Tihuanacu ist wie aus dem Gedächtnis der Völker ausgelöscht…
Es scheint kaum glaubhaft, dass im 17. Jahrhundert die grösste Stadt Amerikas im Innern Boliviens auf einem wüstenartigen Fleck auf 3900 m ü.M. lag. Potosi wurde nur nach tagelangen Strapazen auf dem Rücken von Reittieren erreicht. Als New-York noch ein Dorf war und die Vize-Königsstadt Lima stolze 15'000 Bürger zählte, hatte Potosi bereits eine Einwohnerzahl von 200'000 Einwohnern. Die Erklärung für diese phänomenale Entwicklung in jener Zeit liefert der „Cerro Rico“ – der reiche Berg, dessen Kegel sich 900 m über die Dächer der Stadt erhebt und einst das mächtigste Silbervorkommen der Welt enthielt. Die Schätze wurden von Potosi auf Lama- und Maultierrücken zur Küste transportiert und nach Spanien verschifft. Mit der Erschöpfung des Silbervorkommens endete auch die Glanzzeit der Stadt. Heute ist sie eine unbedeutende Provinzstadt. In den staatlichen Minen arbeiten heute noch 1'300 Arbeiter, die für 45 Pesos am Tag (Fr. 2.50) Zinn und andere Erze gewinnen. Daneben arbeiten hunderte von Familien an den Berghängen des „Silberberges“ die damit beschäftigt sind die Erde auszuwaschen.
Eine kulinarische Überraschung gibt es in
Copacabana am Titicacasee: Forelle meunière! Amüsant ist dabei, dass es auf
bolivianischer Seite verboten ist Forellen zu fangen, so werden diese aus Peru
geschmuggelt! Der Weg über Copacabana nach Peru wird jedoch von den meisten
Touristen gewählt, weil der Grenzübergang hier viel weniger streng sein soll als
in Desaguadero. Wer nach Peru einreist, muss ein Rückreiseticket vorweisen
können. Wir hatten keines und hofften dass wir danach gefragt werden. Mit
gemischten Gefühlen begeben wir uns zur Grenze. Erleichterung! Es wird nicht
danach gefragt. Wir fahren weiter. Nach Hundert Meter hält der Bus erneut vor
einem Schlagbaum. Die „extranjeros“, die Ausländer, müssen aussteigen. Die Banco
de la Nacion macht Kontrolle ob alle auch die Devisendeklaration ausgefüllt
haben. Doch niemand hat eine solche Deklaration! Ohne dieses Papier gibt es
jedoch keinen Durchgang. Wir müssen zurück zum Grenzposten. Schöne „Globis“
diese Beamten, wissen nicht einmal was für Papiere die Ausländer brauchen um
einzureisen! Der Grund ist einfach: die Devisenformulare waren ihnen
ausgegangen! Wir fordern den Beamten auf, uns dies auf einem Zettel mit einigen
Stempeln zu bestätigen. Zurück am Posten der Banco de la Nacion müssen nun sogar
diese darüber lächeln und lassen uns schliesslich durch. Wir hatten aber noch
immer keinen Einreisestempel. Das Immigration Bureau folgte in Yunguyo. Alle
zeigen schön brav Ihr Ausreiseticket und bekommen die Einreisebewilligung. Ich
stehe mit zitternden Knien da. Ich habe eventuell eine Chance indem ich bluffe!
Ich grabe mein benütztes Flugticket der Aerolinas Argentinas aus und tue so, als
ob ich ein Ausreiseticket hätte! Und tac! der Einreisestempel für 90 Tage steht
im Pass…So einfach ist es wenn man über Copacabana nach Peru will! Peru
Puno ist die wichtigste Stadt am höchsten schiffbaren See der Welt (3812 m ü.M. Der Titicacasee (für die Amerikaner Taitaikeikeilake) bedeckt eine Fläche von 8300 Qkm. Er ist 194 Km lang und misst an seiner breitesten Stelle 65 Kilometer. Die Urus leben hier auf Schilfinseln. Die Inseln müssen von Zeit zu Zeit repariert werden. Wenn sich das Schilf mit Wasser voll gesaugt hat wird einfach eine neue Schicht Totora darüber gelegt. Wer bis zu den Waden eingesunken ist, der weiss, dass dunkle Stellen zu meiden sind…
Es scheint kaum glaubhaft, dass die von Chronisten auf 130 – 150 geschätzten Konquisitatoren unter Francisco Pizarro das Reich der Inkas erobern konnten, ein Reich dessen damalige Bevölkerung auf 15 Mio geschätzt wurde und sich von Ekuador bis nach Chile erstreckte. Cuszo, die ehemalige Hauptstadt der Inkas, ist heute die Hauptstadt der Gringos (= dummer Fremde) und ist Ausgangspunkt zu den weltberühmten Ruinen von Machu Picchu.
Nahezu vier Jahrhunderte waren die Ruinen, auf einem Bergrücken zwischen den beiden Gipfeln Machu Picchu und Huayna Picchu liegend, verborgen. Sie wurden erst 1911 von Bingham entdeckt, nachdem er die Indios über das Vorhandensein von Ruinen befragte. Ob es sich um ein Heiligtum der Inka oder nur ein Glied in der langen Kette der Grenzbefestigungen handelte, lässt sich nicht beantworten. Man glaubte auch, Machu Picchu sei der letzte Zufluchtsort der Inkas vor den Spaniern gewesen. Der normale Besucher erreicht M.P. mit dem Zug. Vom Bahnhof wird man dann in Kleinbussen zum staatliche Hotel (23 US $ die Übernachtung) und den Ruinen hochgefahren. Mann kann M.P. aber auch zu Fuss erreichen! Nicht von Cuzco aus, das wären ja über 120 Kilometer. Der Inkapfad beginnt bei Km 88 der Bahnstrecke. Der Zug hält kurz an um die „verrückten“ Gringos aussteigen zu lassen. Der Inkapfad führt nach der Überquerung des ersten und höchsten Passes (4200 m), je nach Marschtempo zwischen 2 ½ und 4 Tagen über drei weitere Pässe nach M.P. auf 3000 m hinunter.
Es ist kein schwieriger Marsch, die Höhe, die Last des Rücksackes, die Nächste unter freiem Himmel, machen das Ganze dennoch zu keinem Sonntagsspaziergang. Die Landschaft hoch über dem Urubambatal ist phantastisch. Das Wetter im Gebiet von M.P. ist meistens regnerisch und verhindert leider, ausser einem ganz kurzen Moment, die Aussicht auf die grossartige Bergwelt. Besonders mühsam ist der dritte Tag. Der Pfad führt steil durch dichten Bambuswald den Berghang hinunter. Bald über Wurzeln stolpernd, bald von Lianen zurückgehalten und zu Boden gerissen, dazu der glitschige Weg in knöcheltiefem Dreck führen zu spektakulären Glissaden und Stürzen.
Je näher wir zu unserem Ziel kommen, desto öfters glauben wir hinter jedem Bergrücken M.P. zu sehen. Gegen Mittag des 3. Tages sehen wir diese dann erstmals von den Elektrizitätsmasten aus. Bis dorthin ist aber noch ein langer Weg. Unterhalb der Masten wird eine riesige Schneise in den Berg gesprengt. Es soll hier ein neues staatliches Hotel entstehen. Am späteren Nachmittag erreichen wir die Ruinen von Inti Punktu. Machu Picchu liegt unter uns. Da das Übernachten in den Ruinen verboten ist, verbringen wir die letzte Nacht auf Inti Punktu. Um unsere Suppe kochen zu können, müssen wir ins Hotel absteigen. Gefüllt mit Wasser tragen wir unsere Pfanne und die Feldflasche in einem einstündigen Marsch bei Taschenlampenlicht wieder nach Inti Punktu hinauf. Früh am nächsten morgen steigen wir wieder ab. Wir sind alleine. Machu Picchu gehört ganz uns alleine, bis der Zug aus Cuszo ankommt.
Etwas ausserhalb von Cuzco liegt die Festung von Sacsahuaman. Was von der Festung heute noch zu sehen ist, nachdem die Eroberer alle leichten Steine abtransportierten, eindrucksvoll. Die Festung besteht aus drei zyklopischen Mauern, die terrassenförmig übereinander gebaut sind. Jede vorspringende Ecke der zickzackförmig verlaufenden Mauern besteht aus einem ungeheuren, bis zu fünf Meter hohen Felsblock. Beeindruckend auch wie exakt die Blöcke aufeinander abgestimmt sind und in dreidimensionaler Form so verankert sind, dass man kaum eine Messerklinge dazwischen schieben kann.
Die Busfahrt von Cuzco nach Ayacucho ist
die bisher schlimmste Fahrt unserer Reise. Obwohl der Flug nur 3 $ mehr gekostet
hätte, verzichten wir, so abenteuerlustig wie wir sind, auf das bequeme Fliegen
und quälen uns dafür 24 Stunden lang. Nach einer eintägigen Erholung geht es mit
einem fahrenden „Hühnerstall“ weiter nach Huancayo. Für die restliche Strecke
nach Lima gönnen wir uns den Zug 1. Klasse. Bei Galera erreichen wir die Höhe
von 4782 m ü.M.!, das ist die höchste Eisenbahnstation der Welt für
Normalspurbahnen. Der Zugsarzt ist auf diesem Teilstück besondern aktiv und muss
zahlreiche Passagiere mit Sauerstoff versorgen. Nach 66 Tunnels, 59 Brücken und
22 Zickzackkehren rattert der Zug nach Lima an die Küste hinunter.
Nördlich von Lima führt die Panamericana durch ein Wüstengebiet der Küste entlang. In Pativilca zweigen wir nach rechts ab und erreichen in Kürze die Stadt Huaraz. Sehr eindrucksvoll ist die Fahrt nach Yungai. Die Sicht auf den 6772 m hohen Nevado Huascaran ist phänomenal. Das Erdbeben vom 31. Mai 1970 richtete hier leider eine schreckliche Katastrophe an. Enorme Stein- und Eismassen lösten sich von den Flanken des Berges und verschütteten das ganze Dorf mitsamt seinen 20'000 Einwohnern. Übrig geblieben sind einzig die auf einem Hügel stehende Kirche sowie vier Palmen.
Über die „Cordillera negro“ erreichen wir wiederum die Küste. Nahe von Trujillo besuchen wir die alte Hauptstadt der Chimus, Chan Chan. Die Chimus waren die grossen Gegenspieler der Inkas. Die Stadt soll kurz vor deren Eroberung in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts rund 100'000 Einwohner gezählt haben. Kurz vor dem peruanischen Grenzposten Tumbes geraten wir wiederum in eine Kontrolle der Banco de la Nacion. Es wird überprüft ob die ausgeführten Devisen mit dem Eintrag der Deklaration übereinstimmen. Alles lief gut bis sie meine 40 US $ in meinem Gürtel fanden! Danach musste ich mich bis auf die Unterhosen ausziehen. Ich wurde mit 48 Stunden Arrest bedroht. Schlussendlich steckte sich der Beamte ein 20er Schein ein und die Sache war vergessen. Bei der Kontrolle fielen Alois seine 300 DM auf den Boden, doch dies schien sie nicht zu interessieren, vielleicht wussten sie nicht was das für Scheine sind…
Ekuador Der Vegetationsunterschied nach dem
Grenzübergang nach Ekuador ist frappant. Nachdem die peruanische Seite durch
Wüstenlandschaft geprägt war, fahren wir diesseits der Grenze nun stundenlang
durch Bananenplantagen. Da es in Guyaquil nichts besonderes zu sehen gibt und
die Stadt zudem für Tramper ein teures Pflaster ist, hält man sich hier nur
gerade so lange als nötig auf. Während zwei Tagen bemühen wir uns vergeblich
einen Flug auf die Galapagos—Inseln zu buchen. Die Flüge sind bis zu drei Wochen
im voraus ausgebucht! Wir versuchen es sogar „stand by“! Alles nützt nichts. So
fahren wir weiter nach Quito
Ausgangspunkt zu unserer Bootsfahrt ist Puerto Misahuali, elf Stunden Busfahrt von Quito entfernt. Zehn Meter lange Einbaumboote fahren von dort jeden Tag den Rio Napo nach Francisco de Orellana hinunter. Wer nach sechs Stunden Bootsfahrt noch nicht genug hat, kann weiter bis nach Iquitos (Peru) und Manaus (Brasilien) weiterfahren. Von den berüchtigten Auca-Indianern, dessen Gebiet man auf dem rechten Flussufer auf keinen Fall betreten sollte, haben wir nichts gesehen. Seit der Entdeckung von Erdölvorkommen erlebt das Gebiet einen wirtschaftlichen Aufschwung wodurch die Indianer immer tiefer in den Urwald verdrängt werden.
Die Galapagos-Inseln bestehen aus 13 Inseln vulkanischen Ursprungs. Sie galten im 17. und 18. Jahrhundert als Versteck der Piraten, die hier in aller Ruhe ihre Beute zählten. Die Inseln wurden erst viel später (1835) vom englischen Naturforscher Charles Darwin betreten und gelten heute als letzte Bastion seltener Tiere.
Offiziell werden die Galapagos nur einmal wöchentlich am Freitag von der TAME angeflogen. Ansonsten gibt es am Dienstag Charterflüge. Wir fliegen an einem Donnerstag. Uns kann es egal sein, Hauptsache wir fliegen. Leider hat sich unser Donnerstag-Flug eher als ungünstig erwiesen. Als wir in Santa Cruz ankommen, hat eine Gruppe amerikanischer Stunden die meisten Schiffe für eine längere Zeit gemietet, womit die Preise sofort stiegen. Wir mussten also ein Schiff mit anderen Touristen chartern. Als die „neuen“ Touristen mit dem Freitagflug ankommen, haben die sich bereits zu 5er oder 6er Gruppen zusammengeschlossen. Als wir uns endlich einer Gruppe hätten anschliessen können, war wiederum der Kapitän nicht einverstanden. Während zwei Tagen ein hin und her, schlussendlich hatten wir die Nase voll und verzichteten auf eine mehrtägige Rundfahrt. Wir kamen dennoch zu unserer Bootsfahrt: ein Fischer führte uns zur Plaza-Insel. Neun Stunden durch Meterhohe Wellen, das war genug…
Wo im Jahre 1735 der Franzose Charles de la Contamine nach tagelangen Berechnungen mit Kompass, Sextanten und Himmelsbeobachtungen den nur auf den Landkarte vorhandenen Strich fand, der die nördliche und südliche Halbkugel trennt, steht heute das Denkmal „Mitad del mundo“, 25 Km nördlich von Quito. Nach neuen Berechnungen wurde allerdings festgestellt, dass sich Contamine um einige Kilometer „verhauen“ hatte. Der „richtige“ Strich, 1949 nachgerechnet, liegt etwa 8 Km südlich davon. Eine Plakette uns eine steinerne Kugel weisen auf dem Highway hin wo man auf dem Breitengrad 0’ 00’’ steht. Die Tradition hat aber Vorrang vor der Genauigkeit und der „falsche“ Äquator zieht jeden Sonntag viele Besucher an. Kolumbien Der Name „Kolumbien“, vor allem „Bogota“
ist für die meisten Tramper ein Schreckengespengst. Was hatten wir alles für
Schauergeschichten aus Kolumbien gehört! Überfälle am helllichten Tag! Unsere
erste Fahrt führt uns über Popayan nach San Agustin, eine der wichtigsten
archäologischen Stätte Süd-Amerikas. Einige hundert Monolithen stehen in der
hügeligen Umgebung des Städtchens.
Cartagena, 1533 gegründet, wurde wie
keine andere Hafenstadt der Karibik von Piraten und Eroberern heimgesucht und
geplündert. Die Stadt diente den Spaniern als Lagerplatz und war deshalb immer
mit Waren aus Spanien und Schätzen aus dem reichen Süden gefüllt. Der erste
Pirat, der die Stadt im Jahre 1544 erfolgreich plünderte, war Robert Baal. Das
kam auch Martin Côte zu Ohren. 1561 verlor er beim Angriff dreihundert Männer
und musste unverrichtender Dinge wieder abziehen. Ebenso kläglich versagte der
sonst so erfolgreiche John Hawkins. Erst der Vollprofi Sir Francis Drake gelang
1586 eine erneute Plünderung. Von diesem Ereignis geschockt, beschloss man die
Schutzanlagen zu verstärken. In 20-jähriger Bauzeit wurde die Stadt mit 18 Meter
hohen und 4 Meter dicken Steinwällen eingemauert. Mit dieser neuen
Festungsanlage wurde Cartagena als Warenumschlagplatz noch wichtiger und noch
reicher. Dies lockte die Franzosen Pointis und Ducasse an, die die Wälle 1697
mit 10'000 Mann ein weiteres Mal überwanden. Noch einmal wurden die
Schutzanlagen verbessert. Dennoch wurde die Stadt 1741 durch Edward Vernon mit
27'000 Mann und 3'000 Kanonen nach 56 Tagen der Belagerung geplündert.
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