Weltreise
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628 Std Bus – 175 Std Zug - 27 Std Boot – 58 Std Flug
Notizen einer Weltreise

30. März – 14. Dezember 1977

Panamericana, die Traumstrasse der Welt. Ein Traum jedes Trampers. Drei Monate vor dem Abreisedatum war es definitiv: der unbezahlte Urlaub im Geschäft klappte. Natürlich hatten die Vorbereitungen und notwendigen Abklärungen schon lange vorher begonnen. Will man von einer solchen Reise möglichst viel profitieren können, gibt es zahlreiche Punkte worüber nachzudenken ist:

- die Reiseroute: Von Norden nach Süden oder von Süden nach Norden?
- die Jahreszeit: wann muss man wo sein um nicht in die Regenzeit oder den Winter zu geraten?
- die Begleiter: soll man alleine reisen, zu zweit, zu dritt, mit Mädchen?
- Transportmittel: mit einem eigenen Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmittel?

Erst wenn diese Grundsatzabklärungen entschieden sind, kann mit der eigentlichen Planung einer solchen Reise begonnen werden. Das Budget, die Ausrüstung, die gesundheitliche Vorsorge, die Visa, der Militärdienst, die Steuern, die Krankenkasse, die AHV, die Versicherungen, die Wohnung, das Auto, all dies sind Sachen die vorher genau abgeklärt werden müssen.

Unsere Ausgangslage war folgende: mein Reisefreund Alois, der Mechaniker der 2 CV-Reise, musste spätestens mitte September wieder in der Schweiz sein. Mit der Annahme, dass es von den USA leichter sein würde einen billigen Charterflug nach Europa zu kaufen als von Südamerika aus und ich zudem mit einem eventuellen Weiterflug nach Japan liebäugelte, war die Wahl unserer Route relativ schnell auf die Variante Süd - Nord gefallen.

Da bei einer Einfuhr eines Autos nach Brasilien bis zu 200% des Wagenneuwertes als Garantie hinterlegt werden muss, zudem die Panamericana zwischen Kolumbien und Panama noch immer nicht gebaut ist und wir dadurch das Auto hätten einschiffen müssen, fiel uns der Entscheid für die öffentlichen Verkehrsmittel relativ leicht, obwohl und bewusst war, dass damit die Reisefreiheit sehr stark eingeschränkt sein würde. Sicher war, dass wir so punkto Reparaturen gar keine Sorgen zu machen brauchten, was aus Erfahrung von unserer CV'Reise, immer mit viel Ärger und Zeitverlust verbunden ist.


Unsere Route durch Südamerika


Teil 1: Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ekuador, Galapagos, Kolumbien

Brasilien


Rio de Janeiro

Rio de Janeiro, 1. April 1977: Ein echter Aprilscherz! Aus den erhofften Begegnungen mit Brasilianerinnen auf der Copacapana wird leider nichts. Es regnet seit drei Tagen in Strömen: 91 Millimeter in 24 Stunden! Unser erster Höhepunkt fällt buchstäblich ins Wasser.


Sao Paolo

Wir fahren weiter nach Sao Paolo. Mit 8 Mio Einwohner ist Sao Paolo die bedeutendste Industriestadt des Landes. Der Ausblick vom 41. Stock des Edificio Italia ist eindrücklich.


Iguazu Fälle

Nach 20stündiger Busfahrt erreichen wir Foz de Iguazu. Die berühmten Wasserfälle liegen 32 Km weiter am Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay. Auf einer Breite von 4 Km stürzen 275 Fälle zwischen einer Höhe von 55 bis 73 Meter in die Tiefe.


Argentinien


Buenos Aires


Foto links: Mendoza - Foto rechts: Las Cuevas

In 18½ Stunden Zugsfahrt erreichen wir Mendoza, bekannt als Ausgangspunkt zu zahlreichen Skigebieten. Bereits auf der Hinfahrt nach Buenos Aires sind wir in einige Militärkontrollen geraten und haben dabei erfahren, dass man hierzulande keinen Spass versteht. Die Passagiere müssen jedes Mal aussteigen und sich mit erhobenen Händen an den Bus lehnen, währenddem das Gepäck minutiös durchsucht wird. Soldaten, Maschinenpistolen im Anschlag, überwachen die Prozedur. Wir, als Ausländer, wurden zum Glück dabei nicht belästigt. Im Busbahnhof von Mendoza geraten wir dann allerdings doch noch in eine Razzia und müssen, zusammen mit anderen 50 Personen, in Einerkolonne ins Polizeigebäude abmarschieren. Im Innenhof müssen wir uns dann alle mit erhobenen Händen und Gesicht zur Wand aufstellen. Nach der Kontrolle unserer Pässe werden wir gleich wieder freigelassen. Was aus den anderen wurde, wissen wir nicht…


Überquerung der Anden


Chile


Grenze zu Chile

Für die Überquerung der Anden erwischten wir einen wunderschönen Herbsttag. Die meisten Buspassagiere wären zwar aus Zeitgründen lieber von Las Cuevas durch den 3 Km langen Tunnel auf die chilenische Seite gefahren, wir konnten sie jedoch überzeugen bei einem solch schönen Tag doch lieber über den Pass zu fahren. Schlussendlich hatte alle Freude, dass es uns Suizos so gefallen hat!


Santiago de Chile

Die landschaftlich schönsten Gegenden Chiles und Argentiniens befinden sind im Süden. Da es im April dort schon recht kalt sein soll und auch schon geschneit hat, fahren wir gleich weiter nach Arica, im äussersten Norden von Chile. Arica, ein hübsches , sauberes Städtchen mit gepflegten Blumenanlagen ist wegen seiner Zollfreizone von Wichtigkeit. Die Hälfte der Importe Boliviens kommt durch den Hafen von Arica.


Arica


Bolivien


Auf dem Altiplano

Für einmal leisten wir uns den „teuren“ Zug. Dies hat den Vorteil, dass wir die Strecke nach Lima in dreimal kürzerer Zeit erreichen und vor allem, dass die Grenzformalitäten auf diesem Wege ohne die geringsten Probleme vor sich gehen. Nach 6 Stunden Fahrt erreichen wir das Altiplano, das Hochplateau zwischen der West- und Königskordilliere. In der Nähe der bolivianischen Grenze erreicht der Zug eine Höhe von 4247 m ü.M. Völlig überraschend präsentiert sich La Paz. Wie ein Gletscherspalt öffnet sich plötzlich das Atiplano. Tief unten erscheint ein riesiges Häusermeer, überragt vom 6466 m hohen Illimani.


La Paz (3600 m)

La Paz ist die höchstgelegene Stadt der Welt. Jede Anstrengung auf dieser Höhe macht sich bemerkbar. Nach 2 – 3 Tagen gewöhnt sich der Körper allmählich an die dünne Luft und die Kopfschmerzen verschwinden. La Paz ist auch der Treffpunkt der „Tramper“. Hier werden Reisetipps ausgetauscht und man weiss schon tausende Kilometer im voraus wo man in welcher Stadt absteigen soll.


Fiesta in La Paz

Jeden Sonntag wird in Chacaltaya, 32 Km von La Paz entfernt, Ski gefahren! Die Ausrüstung kann man sich im Club Andino Boliviano mieten. Wir waren auch dort, aber nicht zum Skifahren. Noch immer unter meiner misslungenen Kilimandjaro-Expedition leidend, musste ich den 5600 m hohen Gipfel unbedingt bestiegen haben.


Chacaltaya (5600 m)


Coroico (1100 m)

Innerhalb von wenigen Kilometern erreicht man östlich von La Paz die feuchtheisse Tiefebene der Jungas. Knappe 50 Km Luftlinie von der Hauptstadt befindet man sich inmitten von Orangen-, Bananen- und Kaffeeplantagen! Gestern noch im Schnee, heute in den Tropen…


Ruinen von Tihuanacu

Unweit von La Paz befinden sich auch die mysteriösen Ruinen von Tihuanacu. Die Urus, aus Asien über die Beringstrasse nach Amerika eingewandert, sollen bereits vor 7000 Jahren im Gebiet des Titicacasees gelebt haben. Doch niemand weiss etwas über diese Kultur. Tihuanacu ist wie aus dem Gedächtnis der Völker ausgelöscht…


Die "Silberstadt" Potosi

Es scheint kaum glaubhaft, dass im 17. Jahrhundert die grösste Stadt Amerikas im Innern Boliviens auf einem wüstenartigen Fleck auf 3900 m ü.M. lag. Potosi wurde nur nach tagelangen Strapazen auf dem Rücken von Reittieren erreicht. Als New-York noch ein Dorf war und die Vize-Königsstadt Lima stolze 15'000 Bürger zählte, hatte Potosi bereits eine Einwohnerzahl von 200'000 Einwohnern. Die Erklärung für diese phänomenale Entwicklung in jener Zeit liefert der „Cerro Rico“ – der reiche Berg, dessen Kegel sich 900 m über die Dächer der Stadt erhebt und einst das mächtigste Silbervorkommen der Welt enthielt. Die Schätze wurden von Potosi auf Lama- und Maultierrücken zur Küste transportiert und nach Spanien verschifft. Mit der Erschöpfung des Silbervorkommens endete auch die Glanzzeit der Stadt. Heute ist sie eine unbedeutende Provinzstadt. In den staatlichen Minen arbeiten heute noch 1'300 Arbeiter, die für 45 Pesos am Tag (Fr. 2.50) Zinn und andere Erze gewinnen. Daneben arbeiten hunderte von Familien an den Berghängen des „Silberberges“ die damit beschäftigt sind die Erde auszuwaschen.


Markt von Tarabuco


Copacabana am Titicacasee

Eine kulinarische Überraschung gibt es in Copacabana am Titicacasee: Forelle meunière! Amüsant ist dabei, dass es auf bolivianischer Seite verboten ist Forellen zu fangen, so werden diese aus Peru geschmuggelt! Der Weg über Copacabana nach Peru wird jedoch von den meisten Touristen gewählt, weil der Grenzübergang hier viel weniger streng sein soll als in Desaguadero. Wer nach Peru einreist, muss ein Rückreiseticket vorweisen können. Wir hatten keines und hofften dass wir danach gefragt werden. Mit gemischten Gefühlen begeben wir uns zur Grenze. Erleichterung! Es wird nicht danach gefragt. Wir fahren weiter. Nach Hundert Meter hält der Bus erneut vor einem Schlagbaum. Die „extranjeros“, die Ausländer, müssen aussteigen. Die Banco de la Nacion macht Kontrolle ob alle auch die Devisendeklaration ausgefüllt haben. Doch niemand hat eine solche Deklaration! Ohne dieses Papier gibt es jedoch keinen Durchgang. Wir müssen zurück zum Grenzposten. Schöne „Globis“ diese Beamten, wissen nicht einmal was für Papiere die Ausländer brauchen um einzureisen! Der Grund ist einfach: die Devisenformulare waren ihnen ausgegangen! Wir fordern den Beamten auf, uns dies auf einem Zettel mit einigen Stempeln zu bestätigen. Zurück am Posten der Banco de la Nacion müssen nun sogar diese darüber lächeln und lassen uns schliesslich durch. Wir hatten aber noch immer keinen Einreisestempel. Das Immigration Bureau folgte in Yunguyo. Alle zeigen schön brav Ihr Ausreiseticket und bekommen die Einreisebewilligung. Ich stehe mit zitternden Knien da. Ich habe eventuell eine Chance indem ich bluffe! Ich grabe mein benütztes Flugticket der Aerolinas Argentinas aus und tue so, als ob ich ein Ausreiseticket hätte! Und tac! der Einreisestempel für 90 Tage steht im Pass…So einfach ist es wenn man über Copacabana nach Peru will!
Gleichenorts müssen wir auch noch die Devisendeklaration nachholen. Natürlich mogeln wir, wie alle anderen. Alois deklariert seine 300 Deutsche Mark nicht und ich gebe 40 US $ nicht an.


Peru


Bei den Urus auf dem Titicacasee

Puno ist die wichtigste Stadt am höchsten schiffbaren See der Welt (3812 m ü.M. Der Titicacasee (für die Amerikaner Taitaikeikeilake) bedeckt eine Fläche von 8300 Qkm. Er ist 194 Km lang und misst an seiner breitesten Stelle 65 Kilometer. Die Urus leben hier auf Schilfinseln. Die Inseln müssen von Zeit zu Zeit repariert werden. Wenn sich das Schilf mit Wasser voll gesaugt hat wird einfach eine neue Schicht Totora darüber gelegt. Wer bis zu den Waden eingesunken ist, der weiss, dass dunkle Stellen zu meiden sind…


Urus, Bewohner der Schilfinseln


Cusco

Es scheint kaum glaubhaft, dass die von Chronisten auf 130 – 150 geschätzten Konquisitatoren unter Francisco Pizarro das Reich der Inkas erobern konnten, ein Reich dessen damalige Bevölkerung auf 15 Mio geschätzt wurde und sich von Ekuador bis nach Chile erstreckte. Cuszo, die ehemalige Hauptstadt der Inkas, ist heute die Hauptstadt der Gringos (= dummer Fremde) und ist Ausgangspunkt zu den weltberühmten Ruinen von Machu Picchu.


Unterwegs nach Machu Picchu

Nahezu vier Jahrhunderte waren die Ruinen, auf einem Bergrücken zwischen den beiden Gipfeln Machu Picchu und Huayna Picchu liegend, verborgen. Sie wurden erst 1911 von Bingham entdeckt, nachdem er die Indios über das Vorhandensein von Ruinen befragte. Ob es sich um ein Heiligtum der Inka oder nur ein Glied in der langen Kette der Grenzbefestigungen handelte, lässt sich nicht beantworten. Man glaubte auch, Machu Picchu sei der letzte Zufluchtsort der Inkas vor den Spaniern gewesen. Der normale Besucher erreicht M.P. mit dem Zug. Vom Bahnhof wird man dann in Kleinbussen zum staatliche Hotel (23 US $ die Übernachtung) und den Ruinen hochgefahren. Mann kann M.P. aber auch zu Fuss erreichen! Nicht von Cuzco aus, das wären ja über 120 Kilometer. Der Inkapfad beginnt bei Km 88 der Bahnstrecke. Der Zug hält kurz an um die „verrückten“ Gringos aussteigen zu lassen. Der Inkapfad führt nach der Überquerung des ersten und höchsten Passes (4200 m), je nach Marschtempo zwischen 2 ½ und 4 Tagen über drei weitere Pässe nach M.P. auf 3000 m hinunter.

Es ist kein schwieriger Marsch, die Höhe, die Last des Rücksackes, die Nächste unter freiem Himmel, machen das Ganze dennoch zu keinem Sonntagsspaziergang. Die Landschaft hoch über dem Urubambatal ist phantastisch. Das Wetter im Gebiet von M.P. ist meistens regnerisch und verhindert leider, ausser einem ganz kurzen Moment, die Aussicht auf die grossartige Bergwelt. Besonders mühsam ist der dritte Tag. Der Pfad führt steil durch dichten Bambuswald den Berghang hinunter. Bald über Wurzeln stolpernd, bald von Lianen zurückgehalten und zu Boden gerissen, dazu der glitschige Weg in knöcheltiefem Dreck führen zu spektakulären Glissaden und Stürzen.


Bild rechts: die Ruinen von M.P. auf dem Bergrücken gelegen

Je näher wir zu unserem Ziel kommen, desto öfters glauben wir hinter jedem Bergrücken M.P. zu sehen. Gegen Mittag des 3. Tages sehen wir diese dann erstmals von den Elektrizitätsmasten aus. Bis dorthin ist aber noch ein langer Weg. Unterhalb der Masten wird eine riesige Schneise in den Berg gesprengt. Es soll hier ein neues staatliches Hotel entstehen. Am späteren Nachmittag erreichen wir die Ruinen von Inti Punktu. Machu Picchu liegt unter uns. Da das Übernachten in den Ruinen verboten ist, verbringen wir die letzte Nacht auf Inti Punktu. Um unsere Suppe kochen zu können, müssen wir ins Hotel absteigen. Gefüllt mit Wasser tragen wir unsere Pfanne und die Feldflasche in einem einstündigen Marsch bei Taschenlampenlicht wieder nach Inti Punktu hinauf. Früh am nächsten morgen steigen wir wieder ab. Wir sind alleine. Machu Picchu gehört ganz uns alleine, bis der Zug aus Cuszo ankommt.


Ruinen von Machu Picchu


Ruinen von Sacsahuaman

Etwas ausserhalb von Cuzco liegt die Festung von Sacsahuaman. Was von der Festung heute noch zu sehen ist, nachdem die Eroberer alle leichten Steine abtransportierten, eindrucksvoll. Die Festung besteht aus drei zyklopischen Mauern, die terrassenförmig übereinander gebaut sind. Jede vorspringende Ecke der zickzackförmig verlaufenden Mauern besteht aus einem ungeheuren, bis zu fünf Meter hohen Felsblock. Beeindruckend auch wie exakt die Blöcke aufeinander abgestimmt sind und in dreidimensionaler Form so verankert sind, dass man kaum eine Messerklinge dazwischen schieben kann.


Markt von Pisac

Die Busfahrt von Cuzco nach Ayacucho ist die bisher schlimmste Fahrt unserer Reise. Obwohl der Flug nur 3 $ mehr gekostet hätte, verzichten wir, so abenteuerlustig wie wir sind, auf das bequeme Fliegen und quälen uns dafür 24 Stunden lang. Nach einer eintägigen Erholung geht es mit einem fahrenden „Hühnerstall“ weiter nach Huancayo. Für die restliche Strecke nach Lima gönnen wir uns den Zug 1. Klasse. Bei Galera erreichen wir die Höhe von 4782 m ü.M.!, das ist die höchste Eisenbahnstation der Welt für Normalspurbahnen. Der Zugsarzt ist auf diesem Teilstück besondern aktiv und muss zahlreiche Passagiere mit Sauerstoff versorgen. Nach 66 Tunnels, 59 Brücken und 22 Zickzackkehren rattert der Zug nach Lima an die Küste hinunter.

So nahe am Meer und am Äquator hätte ich eigentlich mehr Vegetation erwartet. Die Landschaft um Lima ist jedoch kahl. Das Klima ist auch enttäuschend. Es regnet zwar in Lima nie, aber von Juni bis Oktober herrscht der „garua“ ein ewiger Nebel. In Lima leben etwa 2000 Schweizer, darunter auch Herr Bachmann der eine Bäckerei-Konditorei besitzt. Bei einem Schwatz offeriert er uns ein Stück seiner Erdbeertorte, die beste von ganz Süd-Amerika, wie er meinte…


Huaraz mit einem Gipfel der Cordillera blanca


Hier stand das Dorf Yungai. Im Hintergrund der Nevado Huascaran (6772 m)

Nördlich von Lima führt die Panamericana durch ein Wüstengebiet der Küste entlang. In Pativilca zweigen wir nach rechts ab und erreichen in Kürze die Stadt Huaraz. Sehr eindrucksvoll ist die Fahrt nach Yungai. Die Sicht auf den 6772 m hohen Nevado Huascaran ist phänomenal. Das Erdbeben vom 31. Mai 1970 richtete hier leider eine schreckliche Katastrophe an. Enorme Stein- und Eismassen lösten sich von den Flanken des Berges und verschütteten das ganze Dorf mitsamt seinen 20'000 Einwohnern. Übrig geblieben sind einzig die auf einem Hügel stehende Kirche sowie vier Palmen.


Ruinen von Chan-Chan

Über die „Cordillera negro“ erreichen wir wiederum die Küste. Nahe von Trujillo besuchen wir die alte Hauptstadt der Chimus, Chan Chan. Die Chimus waren die grossen Gegenspieler der Inkas. Die Stadt soll kurz vor deren Eroberung in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts rund 100'000 Einwohner gezählt haben. Kurz vor dem peruanischen Grenzposten Tumbes geraten wir wiederum in eine Kontrolle der Banco de la Nacion. Es wird überprüft ob die ausgeführten Devisen mit dem Eintrag der Deklaration übereinstimmen. Alles lief gut bis sie meine 40 US $ in meinem Gürtel fanden! Danach musste ich mich bis auf die Unterhosen ausziehen. Ich wurde mit 48 Stunden Arrest bedroht. Schlussendlich steckte sich der Beamte ein 20er Schein ein und die Sache war vergessen. Bei der Kontrolle fielen Alois seine 300 DM auf den Boden, doch dies schien sie nicht zu interessieren, vielleicht wussten sie nicht was das für Scheine sind…


Die Schilfboote von Huanchaco


Ekuador

Der Vegetationsunterschied nach dem Grenzübergang nach Ekuador ist frappant. Nachdem die peruanische Seite durch Wüstenlandschaft geprägt war, fahren wir diesseits der Grenze nun stundenlang durch Bananenplantagen. Da es in Guyaquil nichts besonderes zu sehen gibt und die Stadt zudem für Tramper ein teures Pflaster ist, hält man sich hier nur gerade so lange als nötig auf. Während zwei Tagen bemühen wir uns vergeblich einen Flug auf die Galapagos—Inseln zu buchen. Die Flüge sind bis zu drei Wochen im voraus ausgebucht! Wir versuchen es sogar „stand by“! Alles nützt nichts. So fahren wir weiter nach Quito

Die Fahrt in die Hauptstadt Ekuadors führt durch eine landschaftlich wunderschöne Gegend, die der Ostschweiz gleicht. Einzig die schneebedeckten Vulkane Chimborazo und Cotopaxi machen einen Unterschied. In Quito (2850 m ü.M. gelegen) gelingt es uns doch noch einen zu den Galapagos-Inseln zu buchen. Wir müssen allerdings zehn Tage warten. Wir benützen die Wartezeit um einen Ausflug in den Oriente (Amazonasbecken) zu unternehmen.


Flussfahrt auf dem Rio Napo

Ausgangspunkt zu unserer Bootsfahrt ist Puerto Misahuali, elf Stunden Busfahrt von Quito entfernt. Zehn Meter lange Einbaumboote fahren von dort jeden Tag den Rio Napo nach Francisco de Orellana hinunter. Wer nach sechs Stunden Bootsfahrt noch nicht genug hat, kann weiter bis nach Iquitos (Peru) und Manaus (Brasilien) weiterfahren. Von den berüchtigten Auca-Indianern, dessen Gebiet man auf dem rechten Flussufer auf keinen Fall betreten sollte, haben wir nichts gesehen. Seit der Entdeckung von Erdölvorkommen erlebt das Gebiet einen wirtschaftlichen Aufschwung wodurch die Indianer immer tiefer in den Urwald verdrängt werden.


Die verbleibende Zeit bis zum Abflug verbringen wir am Strand von Atacames


Flug nach Galapagos

Die Galapagos-Inseln bestehen aus 13 Inseln vulkanischen Ursprungs. Sie galten im 17. und 18. Jahrhundert als Versteck der Piraten, die hier in aller Ruhe ihre Beute zählten. Die Inseln wurden erst viel später (1835) vom englischen Naturforscher Charles Darwin betreten und gelten heute als letzte Bastion seltener Tiere.

Offiziell werden die Galapagos nur einmal wöchentlich am Freitag von der TAME angeflogen. Ansonsten gibt es am Dienstag Charterflüge. Wir fliegen an einem Donnerstag. Uns kann es egal sein, Hauptsache wir fliegen. Leider hat sich unser Donnerstag-Flug eher als ungünstig erwiesen. Als wir in Santa Cruz ankommen, hat eine Gruppe amerikanischer Stunden die meisten Schiffe für eine längere Zeit gemietet, womit die Preise sofort stiegen. Wir mussten also ein Schiff mit anderen Touristen chartern. Als die „neuen“ Touristen mit dem Freitagflug ankommen, haben die sich bereits zu 5er oder 6er Gruppen zusammengeschlossen. Als wir uns endlich einer Gruppe hätten anschliessen können, war wiederum der Kapitän nicht einverstanden. Während zwei Tagen ein hin und her, schlussendlich hatten wir die Nase voll und verzichteten auf eine mehrtägige Rundfahrt. Wir kamen dennoch zu unserer Bootsfahrt: ein Fischer führte uns zur Plaza-Insel. Neun Stunden durch Meterhohe Wellen, das war genug…


Äquator: Monument "mitad del mundo"

Wo im Jahre 1735 der Franzose Charles de la Contamine nach tagelangen Berechnungen mit Kompass, Sextanten und Himmelsbeobachtungen den nur auf den Landkarte vorhandenen Strich fand, der die nördliche und südliche Halbkugel trennt, steht heute das Denkmal „Mitad del mundo“, 25 Km nördlich von Quito. Nach neuen Berechnungen wurde allerdings festgestellt, dass sich Contamine um einige Kilometer „verhauen“ hatte. Der „richtige“ Strich, 1949 nachgerechnet, liegt etwa 8 Km südlich davon. Eine Plakette uns eine steinerne Kugel weisen auf dem Highway hin wo man auf dem Breitengrad 0’ 00’’ steht. Die Tradition hat aber Vorrang vor der Genauigkeit und der „falsche“ Äquator zieht jeden Sonntag viele Besucher an.


Kolumbien

Der Name „Kolumbien“, vor allem „Bogota“ ist für die meisten Tramper ein Schreckengespengst. Was hatten wir alles für Schauergeschichten aus Kolumbien gehört! Überfälle am helllichten Tag! Unsere erste Fahrt führt uns über Popayan nach San Agustin, eine der wichtigsten archäologischen Stätte Süd-Amerikas. Einige hundert Monolithen stehen in der hügeligen Umgebung des Städtchens.

Nach einer nächtlichen Busfahrt, erreichen wir Bogota morgens um 05.00 Uhr. Unser Aufenthalt ist nur von kurzer Dauer. Das einzige was uns hier interessiert ist das Goldmuseum. Einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt geniesst man vom Montserrat, der mit einer Luftseilbahn der Firma von Roll zu erreichen ist. Das grosse Erlebnis ist jedoch das Mittagessen im Schweizerklub von Bogota: Rösti mit Schüblig!


Festung von Cartagena

Cartagena, 1533 gegründet, wurde wie keine andere Hafenstadt der Karibik von Piraten und Eroberern heimgesucht und geplündert. Die Stadt diente den Spaniern als Lagerplatz und war deshalb immer mit Waren aus Spanien und Schätzen aus dem reichen Süden gefüllt. Der erste Pirat, der die Stadt im Jahre 1544 erfolgreich plünderte, war Robert Baal. Das kam auch Martin Côte zu Ohren. 1561 verlor er beim Angriff dreihundert Männer und musste unverrichtender Dinge wieder abziehen. Ebenso kläglich versagte der sonst so erfolgreiche John Hawkins. Erst der Vollprofi Sir Francis Drake gelang 1586 eine erneute Plünderung. Von diesem Ereignis geschockt, beschloss man die Schutzanlagen zu verstärken. In 20-jähriger Bauzeit wurde die Stadt mit 18 Meter hohen und 4 Meter dicken Steinwällen eingemauert. Mit dieser neuen Festungsanlage wurde Cartagena als Warenumschlagplatz noch wichtiger und noch reicher. Dies lockte die Franzosen Pointis und Ducasse an, die die Wälle 1697 mit 10'000 Mann ein weiteres Mal überwanden. Noch einmal wurden die Schutzanlagen verbessert. Dennoch wurde die Stadt 1741 durch Edward Vernon mit 27'000 Mann und 3'000 Kanonen nach 56 Tagen der Belagerung geplündert.

Unseren Flug von Barranquila nach Panama hatten wir bereits in Bogota auf den 17. Juli gebucht. In Santa Marta wollten wir auf den 18. umbuchen, dummerweise funktionierte just an diesem Tag die Computerverbindung nicht, somit mussten wir wieder einmal „stand by“ zum Flughafen. Es begann ein langes Warten. Wir wollten um jeden Preis von hier weg, wir hätten es keinen Tag länger ausgehalten, vor allem nicht in dieser „Gangsterstadt“. Eine Viertelstunde vor dem Abflug steht fest, dass wir fliegen können! Yuhui! Unser Gepäck ist bereits unterwegs zum Flugzeug, da werden wir aufgefordert ein Ausreiseticket aus Panama vorzuzeigen! Was soll denn das nun, wir wollen ja von Panama per Bus weiter! Das Vorzeigen von 2'000 US $ in Traveller Checks nützt nichts. Entweder ein Ausreiseticket oder wir können nicht fliegen! So etwas stupides? Was machen wir nun? Man schlägt uns vor am IATA-Billetschalter ein Ticket von Panama-City zur Insel San Andres (Kolumbien) für 40 US $ zu kaufen. Zum Schluss dürfen wir auch noch 12 US $ Flughafentaxe bezahlen. Im Laufschritt erreichen wir die schon startbereite Maschine der Avianca. Wir haben es geschafft! Barranquilla und sein internationaler Flughafen kann uns mal…


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©1999-2012 Text und Foto Willy Blaser, willyblaser@hotmail.com