Page 2 - Tagebuch meines Trekkings nach Pangpema
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was nützt es mir im Alter von 80 ein paar Tausend Franken mehr oder weniger Ersparnisse auf
dem Bankkonto zu haben? Meine Devise lautet daher seit jeher, sich solch unvergessliche
Abenteuer zu leisten, solange man die Möglichkeit hat und körperlich noch einigermassen Fit
ist. Leider liess sich für diese Tour diesmal kein Begleiter finden. Für einen kurzen Moment
überlegte ich mir diese auf nächstes Jahr zu verschieben. Zu Zweit oder zu Dritt ist es einfach

kurzweiliger und als Gruppe zudem erst noch billiger. Doch mit Verschieben ist immer so eine
Sache. Wer weiss schon was nächstes Jahr sein wird? Daher, wenn Du einmal einen Plan hast,
zieh ihn durch. Ich bin damit bisher ganz gut gefahren.


Das Trekking zum ABC war ein mittelschweres Trekking, kein Vergleich zum geplanten
Vorhaben. Noch vor einem halben Jahr war ich durch die mörderische Hitze in Maydolong in
einer pitoyablen physischen Verfassung: Träge, Schlapp und kraftlos. Wollte ich im Herbst in
den Himalaja gehen, dann musste unbedingt was geschehen. Wohin trainieren aber bei diesen
Temperaturen führen kann, dies habe ich vor vier Jahren mit meinem Joggen erfahren, als ich
völlig ausgelaugt für Monate pausieren musste. Nun, Joggen kam wegen meinen

Rückenproblemen sowieso nicht mehr in Frage, so blieb einzig Velofahren übrig. Mit dem
Verkauf der Mahatma Gandhi Briefmarkensammlung kaufte ich mir ein 6-Gang Fahrrad. Seit
Jahren nicht mehr auf einem „Stahlesel“ gesessen, fuhr ich die zweiundzwanzig Kilometer von
Borongan gleich zurück nach Hause, nach Maydolong. Au weh! Sechsmal musste ich völlig
ausser Puste in den Steigungen absteigen. „Füdle“, Nacken, Schultern und Arme taten mir so
weh, dass ich vorerst drei Tage pausieren musste.


Seither habe ich das Training jeweils frühmorgens langsam gesteigert und in den letzten drei
Monaten immerhin über Tausend Kilometer zurückgelegt. Vor meiner Abreise konnte ich die
Steigungen nun sogar im zweiten Gang hochkraxeln, ohne ausser Atem zu geraten.
Konditionell fühle ich mich daher in recht guter Verfassung und bin für dieses Trekking auch

sehr zuversichtlich. Als ich eines Morgens etwas abseits in der Landschaft einen „platten“
einfing, musste ich bis zum nächsten Dorf vier Kilometer marschieren! Die „alten“
Beschwerden mit meinem rechten Fussgelenk meldeten sich sofort zurück. Während zwei
Tagen humpelte ich nur so herum. Tja, dieses Fussgelenk wird wohl für ewig mein Sorgenkind
bleiben.


Wir sind bereits seit einer Stunde in der Luft. Die Maschine der Thai ist bumsvoll. Es ist eine
Boeing 777-200 ER mit 312 Sitzen. Leider habe ich diesmal keinen Fensterplatz auf der rechten
Seite mit Sicht auf die Himalajakette bekommen, dafür sitze ich neben einer rassigen Nepali
die mir sogar koreanische Algenbiskuits offeriert. Das servierte Essen mit Wein und die Sicht
auf die Berge zählen zum Höhepunkt des Fluges. Vom Mittelsitz erhasche ich dennoch etwas
von den Bergen, der Pilot fliegt jedoch ausgerechnet in diesem Moment eine lange Linkskurve,
so dass der rechte Flügel hoch angestellt ist und die ganze Pracht verdeckt.





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